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  Doping - ein Problemaufriss

Spekulationen begleiten den Leistungssport seitdem bekannt ist, dass es Medikamente gibt, welche die eigene Leistung "unphysiologisch steigern". Lief die Sprinterin ihre phänomenale Zeit aufgrund optimalen Trainings, oder hat sie zu verbotenen Substanzen gegriffen? Wurde der Ausdauerfähigkeit des Radrennfahrers mit Blutdoping oder EPO nachgeholfen?
Können Spitzenleistungen überhaupt ohne Doping erbracht werden? 

Die Skepsis ist nicht unbegründet.
Bei der Tour de France 1998 wurde der Masseur eines bekannten Teams mit einem Auto voller verbotener Dopingmittel  erwischt. Die olympischen Spiele 2004 von Athen wurden durch Dopingskandale überschattet.
Der Blutdopingskandal um Jan Ullrich (2006/07) und die Dopinggeständnisse von Radrennfahrern (2007) zeigen die Brisanz des Problems. Im Januar 2013 beichtet der siebenmaligie Tour-de France-Sieger Lance Armstrong seine Dopingvergangenheit.

2015/16: Die unabhängige Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA fällt ein vernichtendes Urteil: Der Leichtathletik-Weltverband habe im Kampf gegen Doping und Korruption "komplett versagt". 
Fast täglich werden wir mit neuen Enthüllungen konfrontiert(ARD-Doping Spiegel-Thema: Doping)
Berühmte Dopingfälle |  Aktuelle Dopingfälle

Kenner vermuten allerdings auch, dass Dopingaffären und Dopinggeständnisse nur die Spitze eines Eisbergs darstellen. 
 

 Historisches
Neu ist der Gebrauch unerlaubter Mittel zur Leistungssteigerung allerdings nicht. Schon in der Antike dopten sich die Sportler, wenngleich auch oft im mythischen Denken behaftet. So sollte zum Beispiel das Herz eines Löwen Kraft verleihen. 1886 kam es beim Radrennen Bordeaux - Paris zu einem ersten bekannten Todesfall. Heroin und Kokain wurden als Dopingmittel benutzt.

Bekannt ist auch ein Dopingfall beim olympischen Marathonrennen von 1908 in London, wo Strychnin als Stimulanz im Spiel war. Der Italiener Dorando Pietri erreichte taumelnd das Stadion, stürzte und wurde disqualifiziert, weil ihm über die Ziellinie geholfen wurde. Er war aber nicht aufgrund von Erschöpfung, sondern wegen des Strychnins zusammengebrochen. (Stimulanzien)

Auch heute glauben Viele, dass sie nur Bestleistungen erbringen können, wenn medizinische Erkenntnisse zur Leistungsmanipulation genutzt werden.
Determinanten körperlicher Leistungsfähigkeit


In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die muskelbildende Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron von Hochleistungssportlern für die Verbesserung ihrer Wettkampfchancen entdeckt. Es begünstigt den Aufbau von Muskeln. Die eiweißaufbauende (anabole) Wirkung ist es, die hier benutzt wird. Aber erkauft wird dies mit Nebenwirkungen. Männer beklagen Haarausfall, sie bekommen Brüste oder die Hoden schrumpfen. Sportlerinnen zeigen Vermännlichungserscheinungen, bekommen eine tiefere Stimme oder einen kräftigen Bart- und Körperhaarwuchs. 

Der kanadische Leichtathlet Ben Johnson wurde 1988 bei Olympia in Seoul zum bekanntesten Dopingfall. Zwei Tage nach seinem Sieg über 100 m in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden  wurde er des Anabolika-Dopings überführt und disqualifiziert. Er blieb nicht der einzige Sprintweltrekordler, der des Dopings überführt wurde.

Begleitet werden (fast) alle Dopingfälle von Dementis und Gerüchten.
Anabolika, Wachstumshormone, Blutdoping und das rote Blutköperchen vermehrende Erythropoetin (EPO) haben die Stimulanzien als Hauptdopingmittel verdrängt, aber die Dopingexperten laufen immer wieder den Nachweismöglichkeiten hinterher.

Trainingbegleitende Kontrollen sollen dem Dopingmissbrauch reduzieren. Seit 1966 werden bei internationalen Sportveranstaltungen Dopingkontrollen durchgeführt. Die Sportverbände geben regelmäßig eine Liste verbotener Substanzen heraus. Doping ist längst zu einem beherrschenden Thema in der internationalen Sportdiskussion geworden.
(Deklaration der Weltkonferenz "Doping im Sport").

Doping hat nicht nur Sportler krank gemacht - sondern wohl auch einigen das Leben gekostet. Der englische Radprofi Tom Simpson fiel 1967 bei der Tour de France bei einer Bergetappe tot vom Rennrad. 1987 starb die Mehrkämpferin Birgit Dressel nach Medikamentenmissbrauch. Der deutsche Kugelstoßer Ralf Reichenbach starb 1998 (wahrscheinlich) an den Spätfolgen seines intensiven Anabolika-Dopings, um den Tod der 100m-Weltrekordlerin und Olympiasiegerin Florence Griffith-Joyner ranken Spekulationen. Ein ganz finsteres Kapitel sind die Dopingexperimente mit Kindern in der ehemaligen DDR.

Manipuliert wurde im Sport schon immer. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch immer nach neuen Mitteln zur Leistungssteigerung gesucht wird. Nur erwischen lassen darf man sich nicht - das ist die ungeschriebene Maxime, auch wenn die öffentlichen Bekenntnisse für fairen und dopingfreien Sport etwas anderes aussagen. Zwischen dopenden Sportler und Kontrolleur ist denn auch ein ganz besonderer Wettbewerb entstanden, da immer neue Mittel ausprobiert werden und der Nachweis immer schwieriger wird.
 

großes Bild Aber auch das gibt es: Sportlerinitiativen gegen Doping und für sauberen Sport. Dass Olympiasieger Dieter Baumann selbst unter Dopingverdacht geraten war, zeigt die komplexe Problematik des Dopings in unserer modernen Sportwelt. Nur selten bekennen sich Sportlern zu ihrer Dopingvergangenheit wie z. B. der Tennisspieler Mc Enroe oder im Mai 2007 die ehemaligen Telekom-RadrennfahrerBerühmte Dopingfälle
Anti-Doping-Initiativen versuchen auf die Gefahren des Dopings und die Unfairness der gedopten Sportler/innen hinzuweisen.

Inzwischen wird auch auf staatlicher Seite über die Strafbarkeit von Dopingvergehen diskutiert. So ist z. B. in Spanien oder Italien Doping strafbar. In Deutschland wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht. 
Die Einnahme von Dopingmitteln soll auch strafrechtliche Konsequenzen haben.
Doping - Neue Rechtslage 2014/15   |  DOSB - Anti-Doping - News

Aber auch die Freigabe des Dopings steht zur Diskussion. 
Hauptargument: Beendigung der Verlogenheit und Wiederherstellung der Chancengleichheit.

Das Dopingproblem ist aber nicht nur auf den Hochleistungssport beschränkt. 200-300.000 Sportler (v.a. im Bodybuildingbereich) sollen nach einer Untersuchung aus dem Jahr 1999 Dopingmittel nehmen, selbst Jugendliche nehmen Dopingmittel.
 


Wirkungen und Nebenwirkungen - Experten nehmen Stellung Dopingmittel - Übersicht
 
 
 

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Schulmaterialien Doping (Nada 2012) - umfangreiches Unterrichtsmaterial (PDF)
Unterrichtsmaterialien Deutsche Sporthochschule
Falscher Einwurf" - Materialien zum dopingfreien Sport
Highfive - Aktion für dopingfreien Sport
Doping - Wikipedia



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