Doping mit Wachstumshormonen
Wachstumshormonen werden große Wirkungen wie die Steigerung der Muskelkraft, eine Verbesserung der Schnellkraft und eine erhöhte Regenerationsfähigkeit zugesprochen. Im Vordergrund steht das Wachtstumshormaon Somatropin (Human growth hormon/HGH), das wie Anabolika auch über einen muskelaufbauenden Effekt verfügt, aber schwerer nachzuweisen ist. Sie werden vor allem seit dem Anabolikaverbot als Ersatzpräparat für die "Muskelpillen" benutzt.
Das Wachstumshormon (HGH), auch Somatotropin genannt, wird als körpereigenes Hormon von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) produziert.Die Hauptfunktion des Wachstumshormons ist - wie man bereits am Namen erkennen kann - die Steuerung des Längenwachstums. Die Wirkung des HGH betrifft sowohl das Knochensystem als auch die inneren Organe, die Haut und vieles mehr.
Eine Freisetzung von HGH aus der Hypophyse wird durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem Schlaf, Training, Stress, die Temperatur und verschiedene Hormone (Östrogene, Glukagon). Zur klinischen Verwendung zunächst aus den Hypophysen Verstorbener in mühsamer Arbeit gewonnen, sind seit 1985 auch synthetisch hergestellte Kopien der körpereigenen Hormone auf dem Markt. Im Rahmen der Medizin werden sie vor allem bei kleinwüchsigen Kindern eingesetzt, die kein oder nicht genügend HGH selbständig produzieren können.
Nachweisbar sind die Hormone noch nicht, allerdings scheint der Durchbruch kurz bevor zu stehen.
(auch EPO gehört in diese Klasse von Dopingmitteln, wird aber hier aus
praktischen Gründen zusammen mitBlutdoping behandelt)
Interview: Doping der Zukunft? Schon jetzt haben Sportler mit Mutationen die Nase vorn
DPA 11.6. 2001 Wachstumshormone und Blutaustauscher als Dopingmittel
Beim Giro d'Italia sind Berichte über neue Dopingmittel aufgetaucht. In der Diskussion sind dabei das Wachstumshormon Saizen und die beiden derzeit in Deutschland nicht zugelassenen Blut-Präparate Hemassist und RSR 13.
Das Wachstumshormon Saizen wird gentechnisch mit Hilfe von Mäusezellen hergestellt und dient nach Angaben des Kölner Dopingexperten Wilhelm Schänzer normalerweise der Behandlung von so genanntem Minderwuchs bei Kindern. Es erhöht den Fettstoffwechsel und führt zu einem Kraftzuwachs.
Allerdings gibt es Schänzer zufolge keine wissenschaftlichen Daten, die eine Leistungssteigerung bei Sportlern durch das zusätzliche Hormon belegen. Eine zusätzliche Gabe mache physiologisch keinen Sinn. «Die Substanz können sich die Sportler auch sparen», sagte Schänzer. Darüber hinaus drohten nicht unerheblichen Nebenwirkungen. Nach Saizen wird bei der Dopingkontrolle noch nicht regelmäßig gefahndet. «Routinetests sind aber in der Entwicklung», sagte Schänzer.
Der Blut-Ersatzstoff Hemassist dient der zusätzlichen Sauerstoff-Zufuhr und ist nie auf den Markt gekommen. Nach Angaben der Herstellerfirma Baxter wurde die Entwicklung 1998 gestoppt, nachdem sich in einer Studie mit Unfallopfern schwere Nebenwirkungen abzeichneten. Das aus abgelaufenen Blutkonserven chemisch gewonnene Präparat sollte unter anderem bei hohem Blutverlust das körpereigene Hämoglobin teilweise ersetzen und so die Sauerstoffversorgung sicher stellen.
Zusätzliche Sauerstoff-Transporter im Blut könnten bei Sportlern die Hoffnung auf eine höhere Leistungsfähigkeit wecken. «Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass dieses Mittel noch im Kühlschrank irgendeines Labors lagert», sagte der Sprecher von Baxter Deutschland, Frank Butschbacher, in Heidelberg. Damals hergestellte Produkte seien längst abgelaufen.
Das künstliche Enzym RSR 13 befindet sich derzeit in der klinischen Erprobung. Es soll an das körpereigene Hämoglobin koppeln und eine bessere Sauerstoff-Abgabe im Gewebe ermöglichen. Die Herstellerfirma Allos Therapeutics möchte auf diese Weise die Strahlen- und Chemotherapie bei bestimmten Krebsarten verbessern. Dopingexperte Schänzer zufolge wird RSR 13 von den derzeitigen Kontrollen noch nicht erfasst, sollte aber in Zukunft nachweisbar sein.
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