
Bewegung, Spiel und Sport im Internet
Rolf Dober
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14.6.
2026
Bundesjugendspiele
Der "Wettkampf" in den
Klassenstufen 3 und 4 in der Leichtathletik und im Schwimmen ist ab
Schuljahr 2026/2027 auf Wunsch des Bundesministeriums für Bildung,
Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der
Bildungsministerkonferenz wieder zulässig.
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Bildungsministerkonferenz
Verbindlicher Wettbewerb in der
Grundschule gecancelt
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Die
Bild-Zeitung
meldete es zuerst - schon vor dem Treffen der
Bildungsminister.
Die "Bundesjugendspiele sollen wieder härter werden". Härter !
Härter?
Gemeint ist das Wettbewerbsformat für Grundschüler.
Der Vorwurf war:
Es geht zu wenig (oder gar nicht) um Leistung und Wettkampf.
Dass dies schlicht falsch ist, wurde bei Sportunterricht.de, aber auch
vom DOSB, dem DLV und verschiedenen Sportädagogen vielfach deutlich
gemacht.
Und es gibt noch mehr Ungereimtheiten.
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Zur
Erinnerung:
Wir sprechen hier
von Kindern, die überwiegend 8 oder 9 Jahre alt sind
und die auf vielfältige Weise in ihrer Bewegungs- und
Persönlichkeitsentwicklung durch Schulsport gefördert werden können und
sollen. Das
ist sicherlich nicht immer einfach. Ein optmales Lernalter für die
Entwicklung koordinativer Fähigkeiten.
Die gebildeten Bildungsminister/innen wissen es aber ganz genau: Das
seit Jahrzehnten durchgeführte und umstrittene Wettkampfformat
der Bundejugendspiele ist
der Schüssel für Leistungsbereitschaft, für das Verlierenlernen und
Resilienz im Erwachsenenalter.
Fast alle Printmedien und viele Politiker/innen verheddern sich dabei
schon mit den Begriffen "Wettkampf" und
"Wettbewerb".
DPA:
"Künftig soll es bundesweit in den dritten und
vierten
Klassen wieder erlaubt sein, die Bundesjugendspiele in der
Leichtathletik und im Schwimmen im klassischen Wettbewerbsmodus
durchzuführen – also etwa mit genauem Messen und Zeitnehmen."
Die Vorsitzende der
Bildungsministerkonferenz sagt es so:
"Vorher
wurden die Kinder
in Zonen gemessen, jetzt werden wieder Zeiten gemessen“ (RND). Oho!
Das übernimmt dann auch der Merkur
(14.6.):
"Lange Zeit
galten Bundesjugendspiele an deutschen Grundschulen als Veranstaltung
ohne Verlierer. Seit 2023 wurden Kinder in Zonen gemessen statt in
Zeiten, alle erhielten Urkunden –
unabhängig von ihrer Leistung."
Nur: Die genaue Zeitmessung (z. B. der Leichtathletik) wurde
nie
abgeschafft.
Genauso wie Urkunden (Ehrenurkunde, Siegerurkunde, Teilnehmerurkunde).
Natürlich nach Leistung und Platzierung.
Die
Bundesjugendspiele, sowohl in der "Wettbewerbs"- als auch die
der "Wettkampf"variante sind ein echter Leistungsvergleich. Wettkampf
ist Wettbewerb und Wettbewerb ist Wettkampf.
Der Duden - Wettbewerb:
"etwas,
woran
mehrere Personen
im Rahmen einer ganz bestimmten Aufgabenstellung, Zielsetzung in dem
Bestreben
teilnehmen, die beste Leistung zu erzielen, Sieger zu werden."
Liebe gebildete Minister, überprüft doch mal, ob das vielleicht auch
für den "Wettbewerb" der Bundesjugendspiele zutrifft. |
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Die
Bildungsminister/innen sind erschreckend
uninformiert.
Ein Blick ins
offizielle
Handbuch hätte geholfen (kostenlos im Internet
verfügbar). In dem reichlich bebilderten Werk stehen überall Menschen
mit Stoppuhren in der Hand rum. Liebe Bildungsminster - schaut doch mal
rein! Notfalls hilft auch Wikipedia.
Es
scheint, als seien eher persönliche Einschätzungen und politisches
Kalkül die Grundlage für ihre Einschätzung. Es wird nirgends deutlich,
ob es belegbare Erkenntnisse oder sogar eine wissenschaftliche
Evaluation über die unterschiedlichen Formate gibt. Wurden Experten zu Rate gezogen?
Unklar bleibt auch, inwieweit diese Entscheidung mit dem "Kuratorium"
und dem "Ausschuss" für die Bundesjugendspiele besprochen und
abgestimmt wurde.
Ein Blick ins Handbuch (s. 5 ) am 14.6. zeigt erschreckende
Unstimmigkeiten.
"Der
Wettkampf in den
Klassenstufen 3 und 4 in der Leichtathletik und im Schwimmen ist ab
Schuljahr 2026/2027 auf Wunsch des Bundesministeriums für Bildung,
Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der
Bildungsministerkonferenz wieder zulässig.
Die Wettkampfform in den
Klassenstufen 3 und 4 entspricht nicht dem Regelwerk des Deutschen
Leichtathletik-Verbandes (DLV) und damit einer alters- und
entwicklungsgemäßen Leichtathletik. Der DLV übernimmt keine inhaltliche
Verantwortung für die Wettkampfform in diesen Klassenstufen.
Die Wettkampfform wird der
realen Situation der Schwimmfertigkeit von Schülerinnen und Schülern in
den Klassenstufen 3 und 4 vielfach nicht gerecht. Die Zeiten und
Punktwerte in den Wettkampftabellen in den Klassenstufen 3 und 4 sind
nicht mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) abgestimmt."
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Die Bildungsminister als Retter
des
Leistungsgedankens?

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Instagrammseite
der CDU
Berlin - Kommentare
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<< Auch hier
wieder veheddert |
Übrigens: Karin Prien hat sich
2021 als Kultusministerin von Schleswig-Holstein für das
Wettbewerbsmodell ausgesprochen. Warum sie das jetzt anders
sieht, sagt sie nicht.
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Hessens
Kultusminister Armin
Schwarz, dessen CDU-Vorgänger sich auch für das
Wettbewerbsmodell ausgesprochen hatte:
"Hessen hat sich unter den
Ländern
immer für
den Erhalt des
Leistungsgedankens bei den Bundesjugendspielen der Schulen stark
gemacht. Jetzt hat die Bildungsministerkonferenz reagiert und
deutschlandweit das Wettkampfformat in den dritten und vierten
Klassen der Grundschulen wiedereingeführt." (Pressemitteilung,
11.6.)
Es
sei richtig, das Rad wieder zurückzudrehen, sagte er.
Für das
Funktionieren der Gesellschaft habe das Leistungsprinzip eine
grundlegende Bedeutung.
„Wenn Deutschland sich um Olympia bewirbt, ist es wichtig, dass der
Leistungsgedanke schon in frühen Jahren in den Schulen vermittelt wird.
Der Wettkampf bei den Bundesjugendspielen ist dafür ein wichtiger
Mosaikstein.“
Sachsens
Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sagte der „Bild“: „Wer deutsche
Olympia-Sieger haben möchte, sollte auch keine Angst vor Wettkämpfen in
der Schule haben.“
Aber es geht noch um mehr.
Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte gegenüber der Bild „Schule
kann hier anleiten,
mit Misserfolgen umzugehen, Frust tolerieren zu lernen, damit Kinder
resiliente Erwachsene werden.“
Dass dies alles an einem Vormittag bei den Bundesjugendspielen
geschehen soll - beachtlich!
Der
"Wettbewerb" - Kuschelpädagogik?
Die Beschreibungen des
Wettbewerbsformats
sind oft irreführend, manchmal haarsträubend.
"Spielerischer
Wettbewerb" (mit negativen Beiklang) ist noch akzeptabel, auch wenn es
die Sache nicht wirklich
trifft. Aber sollten die Kritiker des Formats nicht lieber von
"Bundesjugendwettkampf" (wahlweise "harter Bundeswettkampf") statt von
Bundesjugendspielen sprechen?
Schlimm
wird es, wenn den Vertretern des Konzepts mit dem
diffamierenden Begriff der "Kuschelpädagogik" begegnet wird.
Den
Schulen wird zwar freigestellt, ob sie das
Wettbewerbsmodell oder Wettkampfmodell bevorzugen.
Aber: Natürlich wird erwartet, dass letzteres genutzt wird. Und es muss
befürchtet werden, dass "Kuschelpädagogik" als Kampfbegriff gegen
Sportlehrer/innen in die Schulen einzieht.
Im Handbuch
der Bundesjugendspiele wird das Wettbewerbsformat übrigens auch für die
Jahrgangsstufen 5 und 6 empfohlen, für die Jahrgangsstufen 7-10
ist es möglich und eine entsprechende Übungsauswahl wird angeboten.
Bundesjugendspiele
weiterentwickeln
- Schulsport stärken
Notwendig
ist eine Versachlichung der Debatte.
Eine Debatte, die von
sportpädagogischer Kompetenz
geprägt ist.
Ja, das Wettbewerbsmodell ist noch nicht der große
pädagogische Wurf, das Wettkampfmodell aber vor allem für jüngere
Schülerinnen und Schüler auch nicht.
Es muss Schluss sein mit Diffamierungen von Politikern, die sich selbst
durch
ihre Ahnungslosigkeit disqualifiziert haben.
Aber es braucht vor allem
auch Initiativen in der deutschen Sportpädagogik, die sich leider in
dieser
Frage ziemlich bedeckt hält. Wirkliche Experten sollten sich deutlich
zu Wort
melden.
Schulsport ist durch die verengte
Diskussion um die Bundesjugendspiele auf einen einzigen, kleinen Aspekt
reduziert
worden.
Es fehlt an ausreichenden
Sportstunden (übrigens auch zur Vorbereitung der Bundesjugendspiele),
Sportlehrer/innen, Sportstätten. Schwimmunterricht ist oft nicht
möglich,
die Zahl der Nichtschwimmer/innen nimmt zu. Der Bewegungsmangel von
Kindern
und Jugendlichen ist noch gravierender worden. Maßnahmen
wären dringend erforderlich.
"Wettkampf"
oder "Wettbewerb"
oder überhaupt keine Bundesjugendspiele, ist dann eher eine
untergeordnete
Frage.
"Das
eigentliche Ärgernis
der aktuellen Diskussion über die Bundesjugendspiele ist allerdings
darin zu sehen, dass mit dieser Diskussion um den Schulsport der Fokus
auf einen einzigen Tag, auf den Tag der Bundesjugendspiele, verkürzt
wird und die 40 Wochen in der Grundschule, an der (hoffentlich) 120
Stunden
„Mehrperspektivischer Schulsport“ stattfinden sollte, völlig aus dem
Blick geraten." (H.
Digel)
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"Wettbewerbsmodell" gerne übersehen wird - 10
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- kindgemäß, zeitgemäß, attraktiv" (Broschüre
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Die
Bundesjugendspiele sind nicht das Problem (Prof. H. Digel -
"sport-nachgedacht.de")
Kulturkampf.
Die Bundestugendspiele - Eine Kolumne von Christian Stöcker (Spiegel,
28. 7. 24)
Wettkampf? Wettbewerb? Beides? Wie die CDU mit
ihrer (halben) Rolle rückwärts die Bundesjugendspiele ins Chaos stürzt
(News4teachers, 12.6. 2026))
Was man so alles zum
Thema liest, hört und sieht - "Zum Haare raufen"

Nachtrag:
Schwarz(e) Pädagogik
In der Welt
las ich folgenden Kommentar:
"Einige Begründungen freilich klingen merkwürdig. Hessens
Kultusminister Armin Schwarz (CDU) meint:
„Für das Funktionieren unserer Gesellschaft hat das
Leistungsprinzip eine grundlegende Bedeutung. Kinder wollen sich messen.
“ Nein, nicht alle Kinder wollen sich im Sport messen. Und das
Leistungsprinzip wird nicht verneint, wenn man das anerkennt.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (ebenfalls CDU) behauptet: „Schule
kann hier anleiten, mit Misserfolgen umzugehen,
Frust tolerieren zu lernen, damit Kinder resiliente Erwachsene werden.“
Aber „Frust“ inszenieren, um den Versagern „Resilienz“ zu lehren, ist
schwarze Pädagogik." (Alan
Posener)
Unter schwarzer Pädagogik wird eine
Erziehung verstanden,
die Erziehungsmittel wie Gewalt, Einschüchterung und Erniedrigung
verwendet.
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