Bundesjugendspiele Der "Wettkampf" in den
Klassenstufen 3 und 4 in der Leichtathletik und im Schwimmen ist ab
Schuljahr 2026/2027 auf Wunsch des Bundesministeriums für Bildung,
Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der
Bildungsministerkonferenz wieder zulässig.
Bundesjugendspiele
- Was beim
"Wettbewerbsmodell" gerne übersehen wird
10 Einordnungen und Richtigstellungen
Bei vielen Wortmeldungen zu den Bundesjugendspielen und dem
Wettbewerbsmodell fragt
man sich, aufgrund welcher
Informationen die Stellungsnahme erfolgte.
Sind die Kernpunkte des
Konzepts überhaupt bekannt?
Die Punkte
1-10
kann man
problemlos überprüfen, z. B. über das Handbuch
der Bundesjugendspiele, Stellungsnahmen aus dem Deutschen
Leichtathletikverband, Fachliteratur zur Schulleichtathletik, Lehrpläne
. . .
1. "Nur" Wettbewerb - kein Wettkampf mehr. So steht es in vielen Zeitungs- und Internetbeiträgen
zum Wettbewerb.
Aber was heißt das denn?
Die
Bundesjugendspiele, sowohl in der "Wettbewerbs"- als auch die
der "Wettkampf"variante sind ein echter Leistungsvergleich. Wettkampf
ist Wettbewerb und Wettbewerb ist Wettkampf. Oder würde jemand
behaupten, die Siegerin im Olympischen Weitsprungwettbewerb hat keinen
richtigen Wettkampf absolviert?
Der
Duden - Wettbewerb: "etwas,
woran
mehrere Personen
im Rahmen einer ganz bestimmten Aufgabenstellung, Zielsetzung in dem
Bestreben
teilnehmen, die beste Leistung zu erzielen, Sieger zu werden."
Genau darum geht es auch beim Wettbewerb.
2. Keine Leistungsanforderungen ?
Im Wettbewerb geht es sogar um mehr Leistung als im Wettkampfformat.
Der
Vorwurf, dass es um weniger Leistung gehe, verkennt das Modell völlig.
Es wird immer gemessen, gestoppt, verglichen, gekämpft, verausgabt und
gejubelt...
In jeder Disziplin wird eine Reihenfolge der Schüler
erstellt. Nach der letzten Disziplin wird abgerechnet.
Der Vorwurf, dass der Wettbewerb ein "leistungsfreies Kinderkuscheln"
sei, ist völlig aus der Luft gegriffen.
Das Angebot ist umfangreicher, hat einen verbindlichen
Ausdauerwettbewerb und die meist höhere und koordinative Anforderungen.
Alle Lehrpläne im Fach Sport betonen die
Pädagogische Perspektiven
"Leistung" ebenso wie "Wettkämpfen und Kooperieren". Darauf
bezieht sich auch das Handbuch der Bundesjugendspiele.
"Am
augenfälligsten werden durch das Angebot der Bundesjugendspiele
die
Bereiche „Leistung
erfahren und reflektieren“ sowie „gemeinsam handeln,
wettkämpfen und
sich verständigen“ der mehrperspektivischen Sinngebungen
erlebbar gemacht." (Handbuch
Bundesjugendspiele, S.3)
3. Verlieren lernen durch die Bundesjugendspiele? Leistungsvergleiche finden in der Schule immer statt.
Im
Sportunterricht und in allen anderen Fächern.
Klassenarbeiten,
Vergleichsarbeiten, Prüfungen, Wettbewerbe z.B. in Mathematik etc.
Wettkämpfen gehört wie Kooperieren immmer zum Sportunterricht dazu.
Dass die Kinder ausgerechnet am Vormittag der Bundesjugendspiele das
Verlieren
lernen, ist eine kühne Behauptung. Das wäre auch pädagogisch hoch
fragwürdig.
Einen Wettkampf oder Wetttbewerb veranstalten, um verlieren zu lernen?
4. Nur spielerisch, kein richtiger Wettkampf? Vielseitige Bewegungsangebote und Wettkampfformen sind für
die
Entwicklung koordinativer Fähigkeiten gerade für die
Bewegungsentwicklung von Grundschulkindern wichtig. Darauf basieren die
Lehrpläne im Fach Sport.
"Jugend trainiert für Olympia" in der Grundschule greift den
Vielseitigkeitsgedanken schon seit Jahren auf. Es kam noch nie der
Vorwurf, dass hier keine Leistung verlangt würde.
Das Wettbewerbsmodell wird übrigens im Handbuch auch für die Klassen 5
und 6 empfohlen und ist bis zur 10. Klasse möglich. Dazu gibt es ein
umfassend dokumentierte Übungssammlungen.
Die Aufgabenstellungen sind anspruchsvoller, vor allem aber aus der
Praxis heraus entwickelt. DLV - KInderleichtathletik. Leichtathletik
- kindgemaß und attraktiv
Video Dominic
Ullrich
Es lohnt sich, die Übungsauswahl mal genauer anzuschauen und zu
durchdenken (etwa die
Vorteile eine verkürzten Anlaufs beim Weitwurf oder Höhenregulatoren
bei Wurf und Sprung).
Aus der Bewegungs- und Disziplinvielfalt im Wettbewerb
können einzelne Übungen ausgewählt und differenziert angepasst werden.
5. Die Bewegungszeit beim Wettbewerb ist viel höher als beim
Wettkampf
Kritiker haben errechnet, dass sich die Kinder beim
klassischen LA-Dreikampf weniger als eine Minute bewegen (10 Sek.
laufen, 3x6 Sek. Anlauf/Absprung/, 3x 5 Sek. Anlauf Wurf).
Dass die Bewegungszeit neim Werbbewerbsformat deutlich höher als beim
Wettkampfmodell ist, kann
niemand bestreiten. Die Übungen sind umfangreicher geworden.
Weitsprünge oder alternative Sprungformen (z.B. Mehrfachsprünge) gehen
durch die Zonenmessung viel
schneller. Aber auch die die Sprint- und Ausdauerkomponenten bringen
viel mehr Bewegung als der klassische Dreikampf.
6. Zonen statt Messen ?
Ohne zentimetergenaue Messung wird die Leistung verwässert, so ein
Vorwurf. Kinder wollen ihre Leistung wissen.
Eine Zonenmessung ist dies natürlich
auch, zumal die Abstände der Zonen variiert werden können. Beispiel
Zone 6 bedeutet 3,20-3,40 usw. Die Kinder wissen dann schon ihre Weite.
Die Zone hat übrigens auch beim Wettkampf eine besondere Bedeutung.
Abgesprungen wird nicht von einem Balken, sondern aus einer 80cm langen
Zone. Gemessen wird vom Absprungpunkt, der nicht wirklich exakt
bestimmt werden kann.
Erhöhung der Bewegungszeit durch einen
schnelleren
Ablauf ist ein wichtiges Argument. Wer schon mal die langen Schlangen
bewegungsloser Schüler gesehen hat, wird dies sofort bestätigen.
7. Zeitnahme abgeschafft?
Es wird zwar immer wieder behauptet die Zeitmessung sei abgeschafft, es
stimmt aber einfach nicht. (s.Handbuch)
"Vorher
wurden die Kinder
in Zonen gemessen, jetzt werden wieder Zeiten gemessen“, sagt die
Präsidentin der Bildungsministerkonferenz zur Wiedereinführung des
Wettkampfformats. Kann man dias Verstehen?
Ein Blick ins Handbuch schafft Klarheit.
aus:
Handbuch Wettbewerb
– Hindernissprint mit Starterin und Zeitnehmern
8. Urkunden abgeschaft und keine Platzierungen? Oft wurde behauptet, die Urkunden seien abgeschafft oder es
gebe nur noch Teilnehmerurkunden.
Das war nie der Fall. Ehren-, Sieger- und Teilnehmerurkunden gibt nach
wie vor. Beim Wettbewerb gibt es Punkte und Platzierungen. Vielfach
wird das Gegenteil behauptet.
Beim Wettkampf steht allerdings nur die Punktzahl auf der Urkunde.
Siegerurkunden bekommen nicht die Sieger. Eine nach Jahrgang
gestaffelte und vorher festgelegte Punktzahl (nach
DLV-Mehrkampfwertung) legt die Art der Urkunde fest.
Das kann z.B. dazu führen, dass in einer Klasse bei gleicher Leistung
und Punktzahl unterschiedliche Urkunden vergeben werden.
9. Was ist entwicklungsgemäß?
Der Deutsche Leichtathletikverband (und auch der Deutsche
Schwimmveband) halten das Wettkampfmodell nicht für alters- und
entwicklungsgemäß. Ein Verband, der den Leistungssport natürlich ganz
groß
schreibt.
Viele Übungen wurden von Experten des DLV entwickelt und begründet.
"Die
Wettkampfform
in den
Klassenstufen 3 und 4 entspricht nicht dem Regelwerk des Deutschen
Leichtathletik-Verbandes (DLV) und damit einer alters- und
entwicklungsgemäßen Leichtathletik. Der DLV übernimmt keine inhaltliche
Verantwortung für die Wettkampfform in diesen Klassenstufen.
Die Wettkampfform wird der
realen Situation der Schwimmfertigkeit von Schülerinnen und Schülern in
den Klassenstufen 3 und 4 vielfach nicht gerecht. Die Zeiten und
Punktwerte in den Wettkampftabellen in den Klassenstufen 3 und 4 sind
nicht mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) abgestimmt."
Der Deutsche
Leichtathletikverband hat sich seit Jahren um eine kindgerechte
und attraktive
Leichtathletik verdient gemacht und viele praxiserprobte Materialien
vorgelegt.
10. Was sagen die Fachleute?
Es gibt keinen Sportpädagogen,
keine Sportpädagogin, welche das Wettkampfformat für
Grundschulkinder favorisieren. Allerdings könnten Stellungnahmen noch
deutlicher sein.
Publikationen, die sich mit der Leichtathletik in der
Schule
beschäftigen, betonen schon seit Jahrzehnten die besondere Bedeutung
der Vielfalt des Laufens, Springens und Werfens.
Deshalb stand z.B. schon 2003 im Hessischen Lehrplan für das Fach
Sport., dass in den 5. und 6. Klassen auf den "Wettbewerb" der
Bundesjugendspiele vorbereitet werden solle.