Bewegung, Spiel und Sport im Internet

 
Rolf Dober, 17.6. 2026


 

Bundesjugendspiele
Der "Wettkampf" in den Klassenstufen 3 und 4 in der Leichtathletik und im Schwimmen ist ab Schuljahr 2026/2027 auf Wunsch des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bildungsministerkonferenz wieder zulässig.




  Bundesjugendspiele - Was beim "Wettbewerbsmodell" gerne übersehen wird
 10 Einordnungen und Richtigstellungen



Bei vielen Wortmeldungen zu den Bundesjugendspielen und dem Wettbewerbsmodell fragt man sich, aufgrund welcher Informationen die Stellungsnahme erfolgte.
Sind die Kernpunkte des Konzepts überhaupt bekannt?

Die Punkte 1-10 kann man problemlos überprüfen, z. B. über das Handbuch der Bundesjugendspiele, Stellungsnahmen aus dem Deutschen Leichtathletikverband, Fachliteratur zur Schulleichtathletik, Lehrpläne . . .



1. "Nur" Wettbewerb - kein Wettkampf mehr.
So steht es in vielen Zeitungs- und Internetbeiträgen zum Wettbewerb.
Aber was heißt das denn?
Die Bundesjugendspiele, sowohl in der "Wettbewerbs"-  als auch die der "Wettkampf"variante sind ein echter Leistungsvergleich. Wettkampf ist Wettbewerb und Wettbewerb ist Wettkampf.  Oder würde jemand behaupten, die Siegerin im Olympischen Weitsprungwettbewerb hat keinen richtigen Wettkampf absolviert?

Der Duden - Wettbewerb:
"etwas, woran mehrere Personen im Rahmen einer ganz bestimmten Aufgabenstellung, Zielsetzung in dem Bestreben teilnehmen, die beste Leistung zu erzielen, Sieger zu werden."
Genau darum geht es auch beim Wettbewerb.




2. Keine Leistungsanforderungen ?
Im Wettbewerb geht es sogar um mehr Leistung als im Wettkampfformat. Der Vorwurf, dass es um weniger Leistung gehe, verkennt das Modell völlig.
Es wird immer gemessen, gestoppt, verglichen, gekämpft, verausgabt und gejubelt...

In jeder Disziplin wird eine Reihenfolge der Schüler erstellt. Nach der letzten Disziplin wird abgerechnet.
Der Vorwurf, dass der Wettbewerb ein "leistungsfreies Kinderkuscheln" sei, ist völlig aus der Luft gegriffen.
Das Angebot ist umfangreicher, hat einen verbindlichen Ausdauerwettbewerb und die meist höhere und koordinative Anforderungen.

Alle Lehrpläne im Fach Sport betonen die Pädagogische Perspektiven "Leistung" ebenso wie "Wettkämpfen und Kooperieren".  Darauf bezieht sich auch das Handbuch der Bundesjugendspiele.

"Am augenfälligsten werden durch das Angebot der Bundesjugendspiele die
Bereiche „Leistung erfahren und reflektieren“ sowie „gemeinsam handeln,
wettkämpfen und sich verständigen“ der mehrperspektivischen Sinngebungen
erlebbar gemacht." (Handbuch Bundesjugendspiele, S.3)




3. Verlieren lernen durch die  Bundesjugendspiele?
Leistungsvergleiche finden in der Schule immer statt.
Im Sportunterricht und in allen anderen Fächern.
Klassenarbeiten, Vergleichsarbeiten, Prüfungen, Wettbewerbe z.B. in Mathematik etc.
Wettkämpfen gehört wie Kooperieren immmer zum Sportunterricht dazu.

Dass die Kinder ausgerechnet am Vormittag der Bundesjugendspiele das Verlieren lernen, ist eine kühne Behauptung. Das wäre auch pädagogisch hoch fragwürdig.
Einen Wettkampf oder Wetttbewerb veranstalten, um verlieren zu lernen?

Bei den Bundesjugendspielen geht es um viel mehr.
Die Bundesjugendspiele: Mehr als Wettkampf oder Wettbewerb (Deutsche Sportjugend)


4. Nur spielerisch, kein richtiger Wettkampf?
Vielseitige Bewegungsangebote und Wettkampfformen sind für die Entwicklung koordinativer Fähigkeiten gerade für die Bewegungsentwicklung von Grundschulkindern wichtig. Darauf basieren die Lehrpläne im Fach Sport.

"Jugend trainiert für Olympia"
in der Grundschule greift den Vielseitigkeitsgedanken schon seit Jahren auf. Es kam noch nie der Vorwurf, dass hier keine Leistung verlangt würde.

Das Wettbewerbsmodell wird übrigens im Handbuch auch für die Klassen 5 und 6 empfohlen und ist bis zur 10. Klasse möglich. Dazu gibt es ein umfassend dokumentierte Übungssammlungen.

Die Aufgabenstellungen sind anspruchsvoller, vor allem aber aus der Praxis heraus entwickelt.  DLV - KInderleichtathletik.
Leichtathletik - kindgemaß und attraktiv

Video Dominic Ullrich

Es lohnt sich, die Übungsauswahl mal genauer anzuschauen und zu durchdenken (etwa die Vorteile eine verkürzten Anlaufs beim Weitwurf oder Höhenregulatoren bei Wurf und Sprung).
Aus der Bewegungs- und Disziplinvielfalt im Wettbewerb können einzelne Übungen ausgewählt und differenziert angepasst werden.


5. Die Bewegungszeit beim Wettbewerb ist viel höher als beim Wettkampf
Kritiker haben errechnet, dass sich die Kinder beim klassischen  LA-Dreikampf weniger als eine Minute bewegen (10 Sek. laufen, 3x6 Sek. Anlauf/Absprung/, 3x 5 Sek. Anlauf Wurf).

Dass die Bewegungszeit neim Werbbewerbsformat deutlich höher als beim Wettkampfmodell ist, kann niemand bestreiten. Die Übungen sind umfangreicher geworden.
Weitsprünge oder alternative Sprungformen (z.B. Mehrfachsprünge) gehen durch die Zonenmessung viel schneller. Aber auch die die Sprint- und Ausdauerkomponenten bringen viel mehr Bewegung als der klassische Dreikampf.



6. Zonen statt Messen ?
Ohne zentimetergenaue Messung wird die Leistung verwässert, so ein Vorwurf.  Kinder wollen ihre Leistung wissen.

Eine Zonenmessung ist dies natürlich auch, zumal die Abstände der Zonen variiert werden können. Beispiel Zone 6 bedeutet 3,20-3,40 usw. Die Kinder wissen dann schon ihre Weite.

Die Zone hat übrigens auch beim Wettkampf eine besondere Bedeutung. Abgesprungen wird nicht von einem Balken, sondern aus einer 80cm langen Zone. Gemessen wird vom Absprungpunkt, der nicht wirklich exakt bestimmt werden kann.
Erhöhung der Bewegungszeit durch einen schnelleren Ablauf ist ein wichtiges Argument. Wer schon mal die langen Schlangen bewegungsloser Schüler gesehen hat, wird dies sofort bestätigen.


7. Zeitnahme abgeschafft?

Es wird zwar immer wieder behauptet die Zeitmessung sei abgeschafft, es stimmt aber einfach  nicht. (s.Handbuch)
"Vorher wurden die Kinder in Zonen gemessen, jetzt werden wieder Zeiten gemessen“, sagt die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz zur Wiedereinführung des Wettkampfformats. Kann man dias Verstehen?
Ein Blick ins Handbuch schafft Klarheit.


  aus: Handbuch Wettbewerb – Hindernissprint mit Starterin und Zeitnehmern




8. Urkunden abgeschaft  und keine  Platzierungen?
Oft wurde behauptet, die Urkunden seien abgeschafft oder es gebe nur noch Teilnehmerurkunden.

Das war nie der Fall. Ehren-, Sieger- und Teilnehmerurkunden gibt nach wie vor. Beim Wettbewerb gibt es Punkte und Platzierungen. Vielfach wird das Gegenteil behauptet.
Beim Wettkampf steht allerdings nur die Punktzahl auf der Urkunde. Siegerurkunden bekommen nicht die Sieger. Eine nach Jahrgang gestaffelte und vorher festgelegte Punktzahl (nach DLV-Mehrkampfwertung)  legt die Art der Urkunde fest.

Das kann z.B. dazu führen, dass in einer Klasse bei gleicher Leistung und Punktzahl unterschiedliche Urkunden vergeben werden.



9. Was ist entwicklungsgemäß?
Der Deutsche Leichtathletikverband (und auch der Deutsche Schwimmveband) halten das Wettkampfmodell nicht für alters- und entwicklungsgemäß. Ein Verband, der den Leistungssport natürlich ganz groß schreibt.
Viele Übungen wurden von Experten des DLV entwickelt und begründet.


"Die Wettkampfform in den Klassenstufen 3 und 4 entspricht nicht dem Regelwerk des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und damit einer alters- und entwicklungsgemäßen Leichtathletik. Der DLV übernimmt keine inhaltliche Verantwortung für die Wettkampfform in diesen Klassenstufen.

Die Wettkampfform wird der realen Situation der Schwimmfertigkeit von Schülerinnen und Schülern in den Klassenstufen 3 und 4 vielfach nicht gerecht. Die Zeiten und Punktwerte in den Wettkampftabellen in den Klassenstufen 3 und 4 sind nicht mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) abgestimmt."

!


Handbuch (Seite 5 )


Der Deutsche Leichtathletikverband hat sich seit Jahren um eine kindgerechte und attraktive Leichtathletik verdient gemacht und viele praxiserprobte Materialien vorgelegt.



10. Was sagen die Fachleute?

Es gibt keinen  Sportpädagogen, keine Sportpädagogin, welche das Wettkampfformat für Grundschulkinder favorisieren. Allerdings könnten Stellungnahmen noch deutlicher sein.

Aktuell:
Der Wuppertaler Sportpädagoge Daniel Schiller, 16.6. 2026 RBB, Radio eins)

Publikationen, die sich mit der Leichtathletik in der Schule beschäftigen, betonen schon seit Jahrzehnten die besondere Bedeutung der Vielfalt des Laufens, Springens und Werfens.
Deshalb stand z.B. schon 2003 im Hessischen Lehrplan für das Fach Sport., dass in den 5. und 6. Klassen auf den "Wettbewerb" der Bundesjugendspiele vorbereitet werden solle.





Lesenswert

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Wissenswertes zu den Bundesjugendspielen (DOSB, 6/2024)

Die bewegenden neuen Bundesjugendspiele - Bundesjugendspiele werden nicht abgeschafft (DOSB) 


 
 
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