Entstehung des Sports in England


   "....Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich in England eine bis dahin in Europa nicht gekannte Art der Leibesübungen, der Sport.

Die sich dabei allmählich herauskristallisierenden Grundzüge haben ihre Wurzeln sowohl in dem rationalistischen Gedankengut der Aufklärung als auch in der aufkommenden industriellen Gesellschaftsordnung (Industrialisierung) mit ihren Grundsätzen der Leistung, des Konkurrenzkampfes und der normierenden Regeln. Die sozialen Schranken der traditionellen Sportarten wurde nach dem Muster der Gesellschaftsordnung (Verfassungsgrundsätze) aufgegeben. Adel und Bürgertum bezeugten gegenseitiges Interesse an den ehemals jeweils nur ihnen vorbehaltenen Sportarten (Reiten, Jagen, Laufen, Boxen, Ringen). Im englischen gentleman des 19. Jahrhunderts vollzog sich dann die Entwicklung vom altenglischen sportsman zum modernen sportsman.

In England und auch in Amerika entwickelten sich die Grundsätze des modernen Sports: Der Grundsatz der Leistung ließ den Sportler nicht mehr nach möglichst vielseitiger Körperbildung streben, sondern nach technisch perfektem Spezialistentum. In dem Streben nach Höchstleistungen trat der Grundsatz der freien Konkurrenz zutage, ein aus dem amerikanischen Business stammender Begriff.

Das Leistungsbedürfnis führte dazu, Rekorde anzusteuern und festzuhalten. Um dies zu ermöglichen, bedurfte es der Normierung im Sport (Maß- und Gewichtssystem) und einer von allen anerkannten Reglementierung. Das in England herrschende Clubwesen und die traditionelle Form der public schools bildeten (n. BOHUS 1986, S. 128) eine geeignete Grundlage für die Institutionalisierung (geordnetes Wettkampfwesen) des Sports. Das nicht erst im 19. Jahrhundert sich entwickelnde Interesse am Wetten sorgte bei allen sportlichen Wettkämpfen für ein breites öffentliches Interesse. Sportliche Veranstaltungen (Pferderennsport, Wettläufe, Boxen) bedeuteten Freude, Spannung, Ablenkung, also Ausgleich zum Berufsleben.

Das Aufkommen neuer Medien um 1900 trug ebenso dazu bei, den Sport in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit zu rücken. Insgesamt können (n. SAURBIER 1963, S. 151 ff.) zwei typische Richtungen des Sports in England festgestellt werden: Zum einen die Spielbewegung (Cricket, Fußball, Hockey) mit ihrem Mannschaftsgeist, dem fair play und zum anderen die Entwicklung des Individualsports mit seinem Kampf Mann gegen Mann (Laufen, Boxen).

In der Zeit des Aufblühens wirtschaftlichen Lebens Ende des 19. Jahrhunderts (Gründerzeit) übernahm man in Deutschland neben dem englisch geprägten Wirtschaftsdenken auch den englischen Sport, der zunächst wegen seines Showcharakters auf heftigen Widerstand in den Kreisen der Turner (JAHNsches Turnen) stieß. . .."
 (Kursbuch 4 - Sport und Gesellschaft)
 


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Text: Vieldeutigkeit des Sportbegriffs