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08.12.2009 - DOSB
Mach mit – spiel Dich fit“

Der Deutsche Badminton-Verband (DBV) hat in Zusammenarbeit mit den 16 Badminton-Landesverbänden zum Beginn des Schuljahres 2009/2010 ein bundesweites Schulsportprojekt ins Leben gerufen.

Ziel des unter dem Motto „Mach mit – spiel Dich fit“ stehenden Projektes ist es, Schülerinnen und Schülern im Alter von zehn bis zwölf Jahren die Schulsportart Badminton näher zu bringen und die Nachwuchssportler dazu zu animieren, regelmäßig zum Schläger zu greifen. „Die Zukunft des Badmintonsports wird schließlich von unseren Kindern getragen – und diese gilt es früh für unsere tolle Sportart zu begeistern“, erläutert Karl-Heinz Zwiebler, DBV-Vizepräsident für den Breitensport.

Darüber hinaus geht es dem DBV darum, Badminton regional weiter zu verbreiten. Auch wenn das Projekt bundesweit durchgeführt wird, ist es auf die einzelne Schule – und damit lokal – begrenzt. Dabei übernimmt der DBV die zentrale Koordination. Um es vor Ort umzusetzen, ist die Unterstützung durch die Landesverbände sowie die lokale Mitarbeit der Vereine und Lehrkräfte notwendig. Entsprechend sollen vor allem in solchen Regionen, in denen der Badmintonsport noch nicht so verbreitet ist, Aktivitäten initiiert werden.

Genauso möchte der DBV dazu beitragen, die Kommunikation und lokale Kooperation zwischen Schulen und Vereinen weiter auszubauen und zu verbessern. Die gemeinsame Teilnahme am Schulsportprojekt könnte der Anfang weiterer Gemeinschaftsaktionen sein.

„Das Projekt ist aus dem Wunsch heraus entstanden, dass sich der DBV im Rahmen des Schulsports zukünftig aktiver aufstellen will. Er sieht sich mit diesem Projekt als ein Ideen- und Impulsgeber für seine Landesverbände sowie für die Vereine“, so der DBV-Referatsleiter für den Schulsport, Klaus-Dieter Lemke.

„Der DBV als Initiator des Schulsportprojektes wird bei der Umsetzung ebenso von den 16 Badminton-Landesverbänden unterstützt wie von den zahlreichen Vereinen vor Ort sowie von vielen Kultusministerien, Landesschulbehörden und anderen für den Schulsport zuständigen Institutionen – und natürlich den Schulen“, sagt Professor Dr. Stefan Wengler, der Koordinator des Projektes, erfreut.

Der DBV und seine Landesverbände haben die 5. und 6. Klassen aller Schulen in Deutschland eingeladen, an dem bislang einmaligen Projekt dieser Art im Badmintonbereich teilzunehmen. Die Schulturniere werden in zwei Phasen durchgeführt: Im Rahmen eines Klassenentscheides werden in Einzelturnieren und getrennt nach Jahrgangsstufen die besten Jungen und Mädchen einer Klasse ermittelt. Diese kämpfen dann im klassenübergreifenden Finalturnier um den Titel des Schulsiegers.

Für alle Schülerinnen und Schüler, die sich am Schulsportprojekt beteiligen, stellt der DBV Urkunden zur Verfügung. Darüber hinaus verlost der DBV unter allen Siegern der Jahrgangsstufen hochwertige Badmintonschläger seines Schulsportpartners Yonex. Unter allen Schulen, die bei dem Projekt mitmachen, werden zudem Badminton-Sets der Firma Yonex verlost, bestehend aus Schlägern, Netzen und Bällen.

Alle Schulen, die sich an dem Projekt beteiligen möchten, erhalten ausführliche Informationen und umfangreiche Materialien, die den Sportlehrerinnen und -lehrern eine Hilfestellung sowohl bei der Vorbereitung, als auch bei der eigentlichen Durchführung der Teilbereiche des Projektes (Unterrichtseinheiten, Abschlussturnier etc.), sein sollen. Möglich ist auch die Zusammenarbeit mit einem lokalen Badmintonverein (bzw. einem Sportverein mit einer Badmintonabteilung), um die Umsetzung des Projektes zu erleichtern. Der DBV ist hier gerne bei der Kontaktvermittlung behilflich.

Die Laufzeit des Projektes ist auf zwei Jahre angelegt. Neben der Firma Yonex, die seit vielen Jahren als offizieller Ausrüster der deutschen Badminton-Nationalmannschaft fungiert, fördern der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die BARMER das Projekt.

Broschüre zum Projekt



13.11.2009 DOSB

Mit dem Memorandum zum Schulsport Handlungsbedarf verdeutlichen
 
 
Die Berliner Sportpädagogin und DOSB-Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper,beantwortete im Interview Fragen zum Memorandum zum Schulsport, an dem sie auch redaktionell mitgewirkt hat.

DOSB-Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper hat beim Memorandum zum Schulsport mitgewirkt.

Mitte Oktober wurde im Hauptstadtbüro des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Berlin das Memorandum zum Schulsport vorgestellt, das zuvor vom DOSB, von der Bundesversammlung des Deutschen Sportlehrerverbandes (DSLV) und der Hauptversammlung der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) verabschiedet worden war. 

DOSB PRESSE: Der DOSB und der Deutsche Sportbund als Vorgängerorganisation haben stets für den Schulsport in Deutschland wahrnehmbar Flagge gezeigt: Warum ist jetzt dieses Memorandum zum Schulsport überhaupt notwendig? Worin liegt seine Besonderheit?

DOLL-TEPPER: Das Memorandum ist notwendig, weil sich die Rahmenbedingungen und Anforderungen für Sport,- Spiel- und Bewegungsangebote im Kontext von Schule geändert haben. Damit meine ich nicht nur die aktuellen schulpolitischen Veränderungen, sondern auch die umfangreichen Herausforderungen im Bereich der Schulsportentwicklung, der Aus,- Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften und nicht zuletzt der Schulsportforschung. Die Besonderheit des Dokuments begründet sich aus der Tatsache heraus, dass die Aussagen und Handlungsnotwendigkeiten aus der Perspektive der Sportwissenschaft, der Sportlehrerschaft und des organisierten Sports gemeinsam zusammengetragen worden sind. So hatte beispielsweise jedes Mitglied der Organisationen während der Entwurfsphase die Möglichkeit, Korrekturvorschläge bzw. Rückmeldungen zum Inhalt des Memorandums zu geben und damit den Entstehungsprozess aktiv mit zu gestalten.

DOSB PRESSE: Welche Schnittstellen enthält das Memorandum für den organisierten Sport? Welche Herausforderungen gibt es für den DOSB und seine Mitgliedsorganisationen?

DOLL-TEPPER: Der DOSB hat als Dachverband für den organisierten Sport in Deutschland eine besondere Verantwortung gegenüber seinen Sportverbänden und Sportvereinen. Bezogen auf das Thema Schule geht es primär darum, die schulpolitischen Veränderungen wie Ganztagschule und das auf acht Jahre verkürzte Gymnasium und die damit einhergehenden Auswirkungen für den organisierten Kinder- und Jugendsport zu analysieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, die Sportverbände und Sportvereine für die Veränderungen zu sensibilisieren und „fit" zu machen. Dabei sollte an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass es bei allen Alarmmeldungen noch keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass die Schulreformen ausnahmslos negative Auswirkungen für das organisierte Sportsystem mit sich bringen. Ganz im Gegenteil: Laut dem neuen DOSB Sportentwicklungsbericht gab es noch nie so viele Kooperationsformen zwischen Sportvereinen und Schulen wie im Berichtszeitraum 07/08. 

DOSB PRESSE: Das Memorandum soll politischen und schulischen Entscheidungsträgern, Lehrkräften und Ausbildern im Schulsport richtungweisende Impulse für die Optimierung des Schulsports auf allen Schulstufen liefern - wie wird eigentlich sichergestellt, dass diese Adressaten erreicht werden bzw. das Memorandum generell Verbreitung findet?

DOLL-TEPPER: Das ist natürlich keine leichte Aufgabe. DOSB, DSLV und dvs haben sich zunächst einmal darauf verständigt, das Dokument in einer größeren Auflage dem angesprochenen Adressatenkreis zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus steht das Memorandum in digitaler Form auf den jeweiligen Internetseiten kostenfrei zum Download bereit. Damit aber auch die Schulleiterinnen und Schuleiter vor Ort für das Thema sensibilisiert werden, bedarf es mit Sicherheit weiterer Aufklärungsarbeit. 

DOSB PRESSE: Das Memorandum zum Schulsport endet im Wortlaut mit „Forderungen“ und einem „Aufruf zum Handeln“ - was ist damit genau gemeint?

DOLL-TEPPER: Die Situation des Schulsports ist nicht dramatisch, sie ist aber auch nicht gut. So verdeutlicht das Memorandum an vielen Stellen, wo Handlungsbedarf besteht und welche Bereiche ausbaufähig sind. Besonders vor dem Hintergrund der schulpolitischen Veränderungen ist es notwendig, die vielfältigen Bildungspotenziale im Schulsport hervorzuheben und damit die Bewegungsangebote unserer Kinder und Jugendlichen zu sichern. So ist es beispielsweise für den DOSB und seine Sportverbände die Aufgabe, Modelle für eine schulübergreifende nachmittägliche Zusammenführung von wettkampforientierten Vereinsangeboten während der regulären Schulzeit zu entwickeln und zu etablieren. Klar ist aber auch, dass mit der Formulierung und Veröffentlichung des Memorandums die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist. Aufruf zum Handeln heißt in diesem Zusammenhang die Veränderungen anzunehmen und Lösungsansätze für die Praxis zu entwickeln. Die beteiligten Institutionen haben sich nicht nur verpflichtet, den Umsetzungsprozess aktiv voranzutreiben, sondern bereits einen Aktionsplan entworfen, der die zukünftigen und notwendigen Arbeitsschritte beschreibt.
 


14. 10. 2009 Pressemitteilung DSLV

Richtungsweisende Impulse zur Optimierung des Schulsports
Memorandum zum Schulsport von DOSB, dvs und DSLV vorgestellt

Vertreterinnen und Vertreter der Sportwissenschaft, der Sportlehrerschaft und des organisierten Sports haben heute in Berlin das kürzlich verabschiedete "Memorandum zum Schulsport" der Öffentlichkeit vorgestellt.
Memorandum zum Schulsport
Ziel des Memorandums ist es, neben einer aktuellen Darstellung der Situation des Schulsports aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) formulieren dabei klare Forderungen für die verschiedenen Handlungsfelder. 

So fordern sie beispielsweise auf, die Kinder bereits vor dem Schuleintritt an vielfältige Sport und Bewegungserfahrungen heranzuführen und den Übergang ins Schulalter "bewegt" zu gestalten. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Schulsportentwicklung, der Ausbildung von Lehrkräften und der Schulsportforschung.

Das Memorandum ist in einem sehr offen gestalteten Entstehungsprozess erarbeitet worden.
DOSB, dvs und DSLV hatten während der Entwicklung des Textes die Entwürfe auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Jedes Mitglied der Organisationen hatte damit die Möglichkeit, Rückmeldungen zum Inhalt zu geben. "Viele haben diese Chance wahrgenommen, aktiv am Prozess der Entstehung eines solch wichtigen Dokuments mitwirken zu können", berichtet Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich (Bayreuth), die als Vizepräsidentin für Bildung und Gesundheit der dvs die Redaktionsgruppe zur Erstellung des Memorandums leitete. Bei den Aussagen des Memorandums sind sowohl die Expertise der Deutschen Sportjugend (dsj) als auch die gemeinsamen Handlungsempfehlungen der Kultusministerkonferenz und des DOSB "Zur Weiterentwicklung des Schulsports" und zum "Sport für Kinder und Jugendliche mit Behinderung" berücksichtigt worden.

Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung des DOSB, die ebenfalls in der Redaktionsgruppe mitarbeitete, betonte die Vielseitigkeit des Schulsports: "Der Sport im Kontext von Schule bewegt alle Kinder und Jugendlichen. Er hat somit eine Hauptverantwortung für körperliche, sozial-emotionale und kognitive Bildungsprozesse. Aus der Sichtweise der Sportorganisationen ist es von Bedeutung, die vielfältigen Formen der Kooperation zwischen Sportvereinen und Schulen auszubauen und damit die Basis für eine umfangreiche Bewegungserziehung, Talentsichtung und Talentförderung zu schaffen."

Prof. Dr. Udo Hanke, der als Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes ebenfalls der Redaktionsgruppe angehörte, betonte, dass im schulorganisatorischen Alltag der Schulsport oftmals nicht die Bedeutung erlangt, die ihm zustünde: "Von der seit vielen Jahren geforderten täglichen Sportstunde sind wir leider immer noch weit entfernt. Trotz nachweislich positiver Effekte bewegten Unterrichts, gerade auch im schulischen Ganztag, ist der Sportunterricht häufig nur Nebensache und immer wieder von Stundenausfällen betroffen. An vielen Grundschulen wird rund 50 Prozent des Sportunterrichts von fachfremden Lehrern erteilt und auch die zunehmende
Zahl von Schülerinnen und Schülern, die nach dem Abschluss der Grundschule nicht schwimmen können, gibt Anlass zur Sorge."

Die Präsidentin der dvs, Prof. Dr. Dorothee Alfermann, unterstrich in Berlin die Forderungen von DOSB, dvs und DSLV für die Lehrerbildung an den Universitäten: "Im Zuge der Neustrukturierung der Studiengänge an den Hochschulen darf die Ausbildung von künftigen Sportlehrerinnen und
Sportlehrern nicht zum ungeliebten Ballast werden. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung von
fünf Jahren muss mit Möglichkeiten zur Supervision und flächendeckenden Fort- und
Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte kombiniert werden, um für die Anforderungen einesmodernen Schulsports vorzubereiten". Auch im Bereich der Forschung besteht Handlungsbedarf: "Die Kapazitäten für Schulsportforschung an den sportwissenschaftlichen Instituten sollten ausgebaut und mit gezielten Förderprogrammen unterstützt werden. Nur so können Forschungsverbünde entstehen, in denen schulsportliche Lebenswelten nachhaltig untersucht werden."

Auch müsse der Bereich "Bewegung, Spiel und Sport" Eingang in die Bildungsberichterstattung und die Schulleistungsuntersuchung finden. Dies bekräftigte Prof. Dr. Wolf-Dietrich Miethling (Kiel), der wie Prof. Dr. Eckart Balz (Wuppertal) ebenfalls in der Redaktionsgruppe zur Erstellung des Memorandums wirkte: "Der Sport erreicht mit seinen Bildungsaktivitäten eine große Zahl an Menschen. Wir müssen erreichen, dass der Sport in der Bildungsberichterstattung entsprechend seiner Bedeutung berücksichtigt wird" – eine Forderung, die auch der Präsident des LSB Berlin, Klaus Böger, unterstützte.
DOSB, DSLV und dvs haben verabredet, sich aktiv um die Umsetzung der im Memorandum erhobenen Forderungen zu bemühen und darüber ihren Mitgliedern und Mitgliedsorganisationen regelmäßig zu berichten.

Ein Aktionsplan ist hierfür bereits abgestimmt worden. Das "Memorandum zum Schulsport" liegt in elektronischer Form zum Download (PDF) vor; in gedruckter Form wird es in Kürze bei DOSB, DSLV und dvs verfügbar sein. In der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift "sportunterricht" des DSLV wird es ebenfalls erscheinen.


30.09.2009 DOSB
Die fitteste Klasse Deutschlands kommt aus Sachsen-Anhalt

In Berlin wurden am 29. September die Bundes- und Landessieger des Lidl-Schüler-Fitnesscups bekannt gegeben: Die fitteste Klasse Deutschlands kommt aus Braunsbedra in Sachsen-Anhalt.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2 c der Lessing-Grundschule konnten sich beim bundesweiten Schülerwettbewerb gegen mehr als 770 Schulklassen durchsetzen. Die Expertenjury wählte ihren kreativen Wettbewerbsbeitrag auf den ersten Platz und damit zum Gesamtsieger des Lidl-Schüler-Fitnesscups 2009. Der Lohn für ihre Mühen: Die Klasse darf sich auf eine Sportstunde mit Fußballstar Diego und 15.000 Euro Preisgeld freuen. 

Gemeinsam haben die Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer Fitnesscup-Projektwoche das Brettspiel „Gesund und fit durchs schöne Geiseltal“ konzipiert und erstellt. „Das Spiel ist liebevoll gearbeitet und zeugt von großer Kreativität. Vom Spielplan über die Aufgaben bis hin zu den Spielfiguren – alle Elemente des Spiels beweisen die Liebe zum Detail. Es ist deutlich erkennbar, dass die Kinder hier Spielraum für ihre Kreativität hatten und ihre Ideen einbringen konnten. Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit spielt bei diesem Beitrag eine große Rolle. Schon bei der Entwicklung der Aufgaben, der Gestaltung des Spieles und schließlich beim Spielen selbst verinnerlichen die Kinder die Inhalte der Projektwoche“, so Jurymitglied Martin Schönwandt, Direktor Jugendsport im Deutschen Olympischen Sportbund. „Für die Jury ist dieser Beitrag auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil hier die perfekte Verbindung zwischen den Impulsen der Lehrerin und der Kreativität der Kinder geschaffen wurde. Das Engagement der Lehrerin verstehen wir zudem als eine Wertschätzung des Einsatzes der Schülerinnen und Schüler. Eine wirklich beeindruckende Arbeit, die nur mit dem ersten Platz belohnt werden konnte“, begründet Schönwandt die Entscheidung der Jury. 

Der zweite Platz ging an die Klasse 2 der Herzbergschule Roth aus Gelnhausen-Roth in Hessen. Die Schülerinnen und Schüler erwarten ebenfalls prominenten Besuch an ihrer Schule: Sternekoch Ralf Zacherl wird mit ihnen ein leckeres und gesundes Fitnessmenü kochen. Des Weiteren erhalten sie ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Der dritte Platz wurde an die Klasse 3 a der Arnesboken-Schule aus Ahrensbök in Schleswig-Holstein vergeben. Die Schülerinnen und Schüler dürfen auf die Aufführung des Kindermusicals „Pappe satt!“ an ihrer Schule gespannt sein. Außerdem erwartet sie ein Preisgeld in Höhe von 7.000 Euro. 

„Die Auswahl der Sieger war wirklich nicht leicht. Die Klassen haben sehr viele schöne und kreative Beiträge eingesendet, die den Spaß und Elan der Kinder bei der Umsetzung des Wettbewerbs deutlich machen. Der Lidl-Schüler-Fitnesscup hat sich seit 2007 als ein beliebtes Schulprojekt etabliert, das die Lehrerinnen und Lehrer gern durchführen. Das freut uns natürlich sehr“, so Stefan Warweitzki, Lidl-Geschäftsführer und Jurymitglied. 

Die 13 weiteren Landessieger werden mit je 2.000 Euro für die Förderung des Unterrichts im Bereich Sport und Ernährung prämiert. Zusätzlich erhalten alle Klassen, die sich mit einem Wettbewerbsbeitrag am Lidl-Schüler-Fitnesscup 2009 beteiligt haben, eine Teilnahmeurkunde für das Klassenzimmer sowie einen Lidl-Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro für ein Fitnessfrühstück. 

Über 770 Klassen beteiligen sich am Wettbewerb 
Im Januar 2009 hatten der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Handelsunternehmen Lidl zum zweiten Mal alle rund 17.000 Grundschulen in Deutschland zur Teilnahme am Lidl-Schüler-Fitnesscup aufgerufen. Fachlich unterstützt wird der Wettbewerb vom aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e. V. Das Ziel des Lidl-Schüler-Fitnesscups ist es, Schülerinnen und Schüler für eine gesunde und aktive Lebensweise zu begeistern. In Zusammenarbeit mit Grundschulpädagogen, Ernährungs- und Bewegungsexperten entwickelten DOSB und aid umfangreiche Lehrmaterialien, die den teilnehmenden Schulklassen kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Die Materialien geben Lehrerinnen und Lehrern Anregungen für die Gestaltung
einer Projektwoche. Dabei erleben die Kinder auf spielerische Weise das richtige Maß an Bewegung und gesunder Ernährung. Insgesamt meldeten sich rund 5.000 Grundschulklassen aus ganz Deutschland an und erhielten das Aktionspaket mit allen Lehrmaterialen. Mehr als 770 Schulklassen beteiligten sich mit einem kreativen Wettbewerbsbeitrag in Form von Collagen, Filmen, Hörspielen, Skulpturen, Plakaten, Bildern und Fotodokumentationen und bewarben sich damit um den Titel der fittesten Klasse Deutschlands. Gekürt wurden die besten Arbeiten je Bundesland, daraus die 16 Landessieger und unter ihnen die drei Bundessieger.
 
 


28.09.2009 - IDW

Schulsport macht schlau !
"Klasse in Sport" präsentiert aktuelle Ergebnisse
Die von der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelte Schulsport-Initiative "Klasse in Sport" präsentiert aktuelle Evaluationsergebnisse.

Täglicher Schulsport macht Kinder nicht nur physisch fitter und fördert damit nachhaltig deren Gesundheit, sondern ist auch Katalysator für bessere Lernergebnisse in den anderen Schulfächern. Kurz gesagt: Sport macht schlau!

Zu diesen Ergebnissen kommt das von der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelte Projekt für zusätzlichen Schulsport: "Klasse in Sport - Initiative für täglichen Schulsport e.V." (KiS).

Seit 2006 stellt der gemeinnützige Verein an 42 Grundschulen in Deutschland täglich qualifizierten Schul- und Pausensport mit zusätzlich ausgebildeten Lehrern und Übungsleitern sicher. Nach über drei Jahren wissenschaftlicher Begleitung werden am 1. Oktober die Ergebnisse der Evaluation präsentiert. "Wir möchten den Spaß am Schulsport bzw. Sport ganz allgemein als Baustein eines aktiven Lebensstils vermitteln", erklärt Projektleiter Mathias Bellinghausen ein wesentliches Ziel der Initiative.

Erste Untersuchungsergebnisse hatten bereits Verbesserungen in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit von bis zu 40% im Vergleich zu Beginn des Projektes gezeigt. Ebenso positiv entwickelten sich die Werte der Herzfrequenzvariabilitätsanalyse (HRA).

Gemeinsam mit Fußballtrainer Felix Magath und den KiS-Verantwortlichen informiert die Deutsche Sporthochschule über die aktuellen Evaluationsergebnisse sowie über die Schulsport-Initiative und diskutiert über Konsequenzen für den Bildungssektor in Deutschland.

Die Presse ist herzlich eingeladen an der Präsentation teilzunehmen. Um eine formlose Anmeldung wird gebeten, per Mail an: bellinghausen@dshs-koeln.de

Ansprechpartner für das Projekt:
Mathias Bellinghausen 
Telefon: 0221 4982-6161, E-Mail: bellinghausen@dshs-koeln.de 
Weitere Informationen:
http://www.klasseinsport.de
 



2.09.2009 - DOSB

Kinderturnen gehört in unsere Grundschulen!
 
Der Präsident des Deutschen Turner-Bundes Rainer Brechtken beschreibt in seinem Kommentar die Wichtigkeit des Sportunterrichts an Schulen und betont, das Schüler auch Bewegung lernen müssen.

Die Sommerferien gehen zu Ende, ein neues Schuljahr beginnt, und bundesweit werden viele tausend Kinder in die Grundschulen eingeschult. Sie sollen dort schreiben, lesen und rechnen lernen als Grundlage für ihre weitere schulische und später berufliche Ausbildung. Und was ist mit bewegen lernen? Schön, wenn es die Möglichkeit dafür gibt, aber es ist zunächst sekundär. Spielen und sich bewegen können die Kinder auch nach der Schule, zum Beispiel im Verein. Schon mal gehört, die Argumentation? Von Eltern, Lehrern, Schulträgern, Bildungspolitikern? Bestimmt. 

Als Präsident des Deutschen Turner-Bundes erhebe ich Einspruch gegen diese Auffassung: Bewegen lernen ist unverzichtbar im Fächerkanon der Schule! Wenn Sportunterricht in der Schule ausfällt oder gar nicht unterrichtet wird, dann ist dies genauso schlimm wie fehlender Mathematik-Unterricht. 

Warum dies so ist, wird deutlich mit einem Blick auf die aktuelle Hirnforschung: Sie stellt einen kausalen Zusammenhang her zwischen Bewegung und geistiger Entwicklung. Sie weist nach, dass bereits in der frühkindlichen Entwicklung sich körperliche Bewegung positiv auf die Synapsenbildung im Hirn auswirkt, also entscheidend auch für das spätere kognitive Können ist. Und es heißt in der heutigen Hirnforschung auch, dass nicht das Gehirn denkt und fühlt, sondern der ganze Mensch mit allen Muskeln, Nerven und Sinnen. Insofern ist das ganze Leben eine Leibesübung. 

Diese Erkenntnis ist eigentlich nicht neu, wenn man sich zum Beispiel der alten Weisheit von „einem gesunden Geist in einem gesunden Körper“ erinnert. Oder wenn man an die Philanthropen zurück denkt wie Johann Christoph Friedrich GutsMuths, dessen 250. Geburtstag wir gerade im August 2009 gedacht haben. Bereits diese Pädagogen begründeten einen ganzheitlichen Erziehungsansatz: „Ihr lehrt Religion, Ihr lehrt Bürgerpflicht, auf Ihres Körpers Wohl und Bildung seht Ihr nicht.“ Auf die heutige Zeit bezogen bedeutet dies: In die Grundschule gehört das Kinderturnen! 

Jeder kennt das Kinderturnen aus den Turnvereinen und Turnabteilungen, das mit Eltern-Kind-Turnen und Kleinkinderturnen schon im frühen Lebensalter ansetzt, mit spielerischen Mitteln elementare Bewegungs- und Körpererfahrungen vermittelt sowie körperliche Aktivität in sozialer Gemeinschaft bietet. In der Altersstufe von 6 bis 11 Jahren gehen die spielerischen Elemente über in die kognitive Phase des Kinderturnens, das Erlernen und Beherrschen von komplexeren Alltagsbewegungen, verbunden mit einer vielseitigen körperlichen Grundlagenausbildung. In dieser Altersstufe - genau der Zeitraum der Grundschule - werden mit dem vielseitigen Kinderturnen die Grundlagen gelegt für jegliche spätere, sportliche Betätigung und für alle Sportarten. Kinderturnen wirkt einer einseitigen Muskelbelastung entgegen, wie sie bei zu frühzeitiger Spezialisierung auf eine einzige Sportart auftritt. Kinderturnen entlastet die Gelenke durch gleichmäßige Stärkung der Muskulatur, beugt damit Verletzungen und späteren Gesundheitsschäden vor. 

Nun könnte man einwenden, als Präsident des Deutschen Turner-Bundes sei mir daran gelegen, mit meiner Forderung nach Kinderturnen in der Grundschule den Schulsport instrumentalisieren zu wollen für eine umfassende und frühzeitige Talentförderung, um lauter Nachfolger für einen Fabian Hambüchen zu gewinnen. Sicherlich freuen wir uns über jedes Talent, das im Verein aus dem Kinderturnen heraus beim Gerätturnen bleibt und vielleicht später einmal das Turn-Team Deutschland stärkt. Doch nicht jedes Kind hat das Zeug, ein Fabian Hambüchen zu werden. Allerdings hat jedes Kind, und ich betone jedes Kind, das Zeug dazu, im Kinderturnen mit zu machen. Weil Kinderturnen Alltagsbewegung, Vielseitigkeit sowie gesunde körperliche und geistige Entwicklung bedeutet. 

Kinderturnen in der Grundschule bedeutet neben schreiben lernen, lesen lernen und rechnen lernen auch bewegen lernen. Für alles Lernen werden ausgebildete Lehrer benötigt. Auch für bewegen lernen. Deshalb reicht es - erst recht in der Grundschule - nicht aus, Kinder einfach unter Aufsicht spielen und toben zu lassen. Kinderturnen in der Grundschule ist Bewegungserziehung, und Bewegungserziehung erfordert qualifiziert ausgebildete Pädagogen. Mit Aufsichtspersonal ist es hier nicht getan. Insofern begrüße ich die aktuelle Erklärung der Kultusministerkonferenz der Länder vom April 2009, indem die Kultusminister aller Bundesländer zur Qualitätssicherung des Sportunterrichts im Primarbereich qualifizierte Lehrkräfte für erforderlich halten und die Notwendigkeit unterstreichen, diese umfassend und auf der Höhe der Zeit fortzubilden. Für Fortbildungen in Zusammenhang mit Kinderturnen stehen der Deutsche Turner-Bund und seine Landesturnverbände als kompetente Partner gern zur Verfügung. Zum Wohle unserer Kinder.
 


31.08.2009 DOSB

Mit Rudi Völler „Fit durch die Schule“ 

Ziel der auf zwei Jahre angelegten Initiative"Fit durch die Schule" ist es, die körperliche Fitness von Schülerinnen und Schüler durch mehr Bewegung, Spiel und Spaß zu verbessern.Insgesamt nehmen 74 weiterführende Schulen in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln an der Initiative teil. 

Kinder und Jugendliche sollen dazu motiviert werden, regelmäßig Sport zu treiben. Dabei sollen Schulen und Sportvereine eng zusammenarbeiten. Partner der Initiative sind das nordrhein-westfälische Schulministerium und die AOK Rheinland/Hamburg, die für das Projekt insgesamt eine Million Euro zur Verfügung stellt. Unterstützt wird die Initiative vom Landes-SportBund Nordrhein-Westfalen und vom Deutschen Olympischen Sportbund. Projektpate ist Fußballweltmeister Rudi Völler. 

Schulministerin Barbara Sommer: „Viele Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig. Mit der Initiative wollen wir Schülerinnen und Schüler für Bewegung, Spiel und Sport begeistern. Das fördert die Gesundheit und das Wohlbefinden. Außerdem ist Bewegung gut für das Lernen. Wer sich bewegt, dem fällt das Lernen leichter. Wir geben den Schulen der Initiative viel Freiraum bei der Entwicklung ihrer Bewegungskonzepte. Gemeinsam mit den Sportvereinen können sie kreative Ideen entwickeln und umsetzen.“ Ein Kriterium für die Teilnahme am Projekt ist, dass die Schulen ihre Bewegungskonzepte in Zusammenarbeit mit mindestens einem Sportverein umsetzen. Walter Schneeloch, Präsident des LandesSportBundes Nordrhein-Westfalen: „Wir beteiligen uns an der Initiative ‚Fit durch die Schule’, weil wir wollen, dass sich der Kinder- und Jugendsport in örtlichen Verbünden entwickelt. Schulen und Sportvereine müssen sich öffnen und aufeinander zugehen, sich absprechen und gegenseitig unterstützen, um ein möglichst breites und gutes Angebot für möglichst viele Kinder und Jugendliche bereit zu stellen.“ 

Fußballweltmeister Rudi Völler, Sportdirektor des Bundesligisten Bayer Leverkusen, übernimmt die Patenschaft der Initiative. „Ich freue mich, dass sich so viele Schulen für Bewegung, Spiel und Sport begeistern. Die Initiative ist eine tolle Sache, für die ich die Patenschaft sehr gerne übernehme.“ Wilfried Jacobs, Vorsitzender des Vorstands der AOK Rheinland/Hamburg, erklärt: „Die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen gibt Anlass zur Sorge und erfordert gemeinsames Handeln. Bewegung spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Deshalb setzt sich die AOK Rheinland/Hamburg gemeinsam mit dem Schulministerium dafür ein, dass mehr Spaß an der Bewegung und mehr Aktivitäten in den Schulalltag kommen.“

Für die Umsetzung von Projekten zur Bewegungsförderung erhalten die Schulen der Initiative jeweils zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Die Fördersummen wurden von einer Jury aus Vertreterinnen und Vertretern des Schulministeriums, der AOK Rheinland/Hamburg und des LandesSportBundes Nordrhein-Westfalen festgesetzt. Das Projekt wird im Schuljahr 2010/2011 fortgesetzt.


29.08.2009 Süddeutsche Zeitung

Bewegung? Nein danke!
Kinder und Sport

"Manche Viertklässler kommen keine Sprossenwand hoch." 
Sportwissenschaftlerin Monika Siegrist über träge Schulkinder und die Bedeutung regelmäßiger Bewegung. 
 
Null Bock auf Bewegung: Viele Kinder sind heute zu dick und zu träge. Um dies zu ändern, ermuntert Monika Siegrist vom TU-Lehrstuhl für präventive und rehabilitative Sportmedizin in Projekten an bayerischen Schulen die Kinder zu körperlicher Aktivität. Die promovierte Sportwissenschaftlerin erläutert, warum Sport im Verein allen Kindern guttut. 

SZ: Wie viel Bewegung braucht ein Kind täglich?
Siegrist: Bis zum sechsten, siebten Lebensjahr sollte sich ein Kind zwei bis drei Stunden am Tag bewegen. Das fördert die Motorik und macht fit für die Schule. Grundschulkinder brauchen täglich eine Stunde körperliche Aktivität. Die Realität sieht leider oft anders aus.

SZ: Sie haben oft Kontakt mit Schulklassen. Wie sportlich sind die Kinder?
Siegrist: Die motorischen Fähigkeiten vieler Kinder sind zurückgegangen. Manche Viertklässler können heute keine Sprossenwand hochklettern und keinen Purzelbaum machen. Sie wissen nicht, dass sie sich für einen Felgabschwung am Reck festhalten müssen. Auch die Ausdauer ist schlechter geworden. Viele Kinder sind nicht mehr gewöhnt, bei Ausflügen ein längeres Stück zu Fuß zu gehen.

SZ: Gibt es soziale Unterschiede?
Siegrist: Ja, Kinder mit Migrationshintergrund oder aus benachteiligten Familien sind häufiger motorisch nicht fit, sie haben auch häufiger Übergewicht und sind weniger in Sportvereinen integriert. Diese Ergebnisse einer großen bundesweiten Studie von 2006 decken sich mit unserer Erfahrung. Die TU-Sportmedizin betreut in einem Projekt Grundschulen in Bayern. In einigen Kleinstädten sind 70 Prozent der Schüler im Sportverein, in zwei Schulen im Münchner Norden besuchen dagegen nur 30 bis 35 Prozent der Kinder einen Sportverein. Interessant ist auch, dass Mädchen insgesamt weniger Sport treiben als Jungen und früher damit aufhören, etwa mit zehn.

SZ: Schulsport, dazu ein bisschen radeln, Fußball spielen oder schwimmen. Reicht das nicht?
Siegrist: Nein, viele Kinder haben nur zwei bis drei Sportstunden in der Woche, viele fahren in der Stadt nicht Rad oder dürfen nicht allein raus. Ihnen fehlt der aktive Ausgleich am Nachmittag, sie sitzen durchschnittlich neun Stunden am Tag - in der Schule, bei den Hausaufgaben, vor dem Fernseher und Computer.

SZ: Also besser in den Sportverein?
Siegrist: Ja, die Regelmäßigkeit ist ein großer Vorteil, auch wir Erwachsenen brauchen doch feste Termine. Das Wichtigste ist aber, Spaß mit Freunden zu haben - und dabei noch zu lernen. Tänze müssen gezeigt, Fußballtechniken geübt werden. Allerdings haben gerade benachteiligte Familien oft dafür kein Geld und es gibt niemanden, der das Kind hinfährt. Auch die soziokulturelle Hemmschwelle ist hoch. Deshalb sind wohnortnahe Sportangebote wichtig. Die Schulen sollten verstärkt darauf aufmerksam machen und die Kontakte herstellen.

SZ: Welche Sportarten empfehlen Sie?
Siegrist: Gerade die Jungen brauchen nicht nur leistungsorientierte Angebote. Ein übergewichtiger Junge wird im Fußballverein gern ins Tor geschickt und bei Turnieren nicht aufgestellt. Das grenzt aus und motiviert nicht. Die Vereine sollten neue Werte setzen und auch Gruppen anbieten, die mehr auf das Miteinander achten und weniger auf die Leistung. Mädchen mögen oft Tanz und Hiphop. Kampfsportarten und Klettern sind hoch im Kurs, auch Streetball, Basketball und Frauenfußball. Da fehlen ausreichend Angebote für Mädchen.

SZ: Dass Sport gesund ist, weiß jeder. Warum genau?
Siegrist: Ein interessanter Aspekt: Wer übergewichtig ist und Sport macht, hat eine geringere gesundheitliche Gefährdung. Durch die körperliche Aktivität verändert sich der Stoffwechsel, die Gefäße werden weniger geschädigt und der Blutdruck normalisiert sich. Für Mädchen ist die Prävention der Osteoporose wichtig. Durch Sportarten, bei denen Kraft eine Rolle spielt, entstehen knochenwirksame Reize. Wie brüchig später die Knochen sind, entscheidet sich hauptsächlich zwischen zehn und 20. Dass Sport die Muskulatur stärkt und und Rückenschmerzen vorbeugt, stimmt nach wie vor.

SZ: Und Sport ist sicher auch gut für Gehirn und Seele?
Siegrist: Einer Studie zufolge haben Kinder, die viel fernsehen, einen niedrigeren Schulabschluss. Die passive Zeit lässt sich durch Sport reduzieren. Die meisten Kinder haben ja Spaß an der Bewegung, wenn sie dazu hingeführt werden. Wer sich nachmittags austobt, kann sich in der Schule besser konzentrieren. Außerdem lässt sich gerade im Sportverein das soziale Miteinander fördern. Wir wissen, dass allein die Integration in die Gruppe zu einem besseren allgemeinen Gesundheitsempfinden führt.

SZ: Dann brechen Sie sicher eine Lanze für das SZ-Adventskalender-Projekt "Sport für alle Kinder"?
Siegrist: Natürlich. In einem guten Sportverein lernt man Regeln einhalten, Konflikte angemessen bewältigen, Verantwortung übernehmen und die Frustrationstoleranz zu steigern. Gruppenerfahrungen sind heute wichtiger als vor zehn oder 20 Jahren, wo die Familien noch intakter waren. Außerdem haben die Kinder Erfolgserlebnisse. Beim Sport merken sie, wie toll sie sind und was sie alles können. Davon sollten Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht ausgeschlossen sein.
 



24.8. 2007 - Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen /bildungsklick.de

GEW fordert Schulsportoffensive in NRW
Wöchentlich fallen mehr als 40.000 Sportstunden aus - Sportlehrer fehlen
 
Start Nach Angaben der GEW fällt jede vierte Sportstunde an den Schulen in NRW aus, das sind wöchentlich mehr als 40.000 Sportstunden. Die GEW fordert von der Landesregierung und den Kommunen, endlich dafür zu sorgen, dass für alle Schülerinnen und Schüler in NRW endlich die drei Sportstunden in der Woche stattfinden, die in den Lehrplänen vorgeschrieben sind.

"Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in NRW verlassen jährlich die Grundschule ohne schwimmen zu können. Dass in den Kommunen Schwimmbäder und Lehrschwimmbecken geschlossen worden sind und Fachlehrkräfte fehlen, führt zu dieser unverantwortlichen Bilanz", erklärte heute der stellvertretende Landesvorsitzende der GEW Norbert Müller, der selbst Sportlehrer ist. Allein an den Grundschulen werde die Hälfte des erteilten Sportunterrichts nicht von ausgebildeten Lehrkräften gegeben.

Die stiefmütterliche Behandlung des Faches Sport stehe im krassen Gegensatz zur gestiegenen Bedeutung, die Ärzte und Wissenschaftler dem Schulsport zuschreiben. Während Gesundheitspolitiker die Notwendigkeit einer täglichen Sportstunde unterstreichen, finde in NRW noch nicht einmal die vorgeschriebenen drei Stunden pro Woche statt.

Norbert Müller: "Die Landesregierung ist dringend aufgefordert, in Sachen Schulsport in die Offensive zu gehen." Das große Engagement des Landessportbunds und die Kooperation mit Sportvereinen sei sicherlich begrüßenswert, ändere aber leider nichts an der desolaten Situation. Mit Blick auf die Kommunalwahlen in NRW sei die Landesregierung dringend gefordert, die Finanzausstattung der Kommunen deutlich zu verbessern, damit ausreichend Sportstätten und Schwimmbäder gebaut werden können.


17.8 2009 Berliner Kurier 

Schulsport streichen ist Dummheit

Heiner Geißler, Ex-CDU-Generalsekretär im politischen Un-Ruhestand, schreibt jeden Montag im KURIER

Vorgestern haben in Berlin die Leichtathletikweltmeisterschaften begonnen. Natürlich taucht die uralte Frage wieder auf, was ein 100-Meter-Sprint in 9,8 Sekunden mit dem normalen Sport zu tun hat. 

Haben die Spitzensportler nicht längst, nicht nur wegen der Dopingvorwürfe, von den Alltagssportlern in Stadt und Land abgehoben? Aber es gäbe eben keinen Spitzensport ohne den Vereinssport und den Schulsport. Und umgekehrt können Spitzenleistungen den Breitensport populär machen. Das modernste Beispiel ist das Sportklettern; ohne Reinhold Messner und Evelyn Binsack gäbe es nicht in ganz Deutschland in jeder Ecke eine Kletterwand. 

Nun ist aber die Zeit der knappen Kassen angebrochen. Die Finanzminister müssen sparen und was fällt ihnen zuerst ein: die Schule und dort in erster Linie die kreativen Fächer, die Musik und natürlich der Sport. Der Streichen der Sportstunden und die Entlassung der Sportlehrer wäre aber einer der dümmsten Schildbürgerstreiche, die sich Kultus- und Finanzminister einfallen ließen. Sport ist eben kein reines Muskeltrimmen, sondern trainiert den ganzen Menschen: seine Fähigkeit zu koordinieren, mit seinen Kräften hauszuhalten, spielerisch Schwierigkeiten zu überwinden, auf andere Rücksicht zu nehmen, Spielregeln einzuhalten, neue Techniken zu erfinden, sich vom Wetter und äußeren Umständen unabhängig zu machen, mit anderen Worten: kreativ zu sein und ethische Verantwortung zu spüren. Also genau das, was wir in dieser Zeit der Profitmaximierung und der Börsenspekulationen brauchen. Das wussten schon die alten Römer: mens sana in corpore sano, ein gesunder Geist setzt einen gesunden Körper voraus.
 


2.7. 2009 Kölner Stadtanzeiger

Jugendliche entwerfen Verhaltenskodex
 
Eine Mannschaft hält zusammen, so lautet der Verhaltenskodex der Förderschule in Dünnwald. Die Regeln wurden von den Schülern selbst entwickelt, das Ergebnis präsentierten sie auf dem ersten Sportturnier „Mülheim open“.

Mülheim - Wenn an der Förderschule emotionale Entwicklung in Dünnwald Sport getrieben wird, gilt für alle ab sofort ein Verhaltenskodex: Wenn gespielt wird, dann nur zusammen. Eine Mannschaft hält zusammen und zeigt Teamgeist. Wir geben unser Bestes und bleiben fair. Wir zeigen Respekt vor Gegner, Mitspieler und Schiedsrichter. Die Schüler entwickelten ihre Regeln selbst in einer Projektwoche und hielten sie auf Ziegelsteinen fest. Das Ergebnis präsentierten sie zum ersten Sportturnier „Mülheim open“, an dem auf Einladung des Ausschusses für Schulsport in der Stadt Köln sechs Schulen teilnahmen.

Mannschaften der Schulen, die aus je zehn Schülern der Jahrgänge 1995 und 1996 bestanden, traten in den Disziplinen Basketball, Boxen und Futsal - einer Form von Fußball, bei der sich die Spieler nicht berühren dürfen - gegeneinander an. Das Boxturnier wurde von Torsten May, Box-Olympiasieger von 1992 in Barcelona, geleitet. Er ist Pate des Mülheimer Projekts „Sport in Metropolen“. „Bei den Wettkämpfen steht die soziale Komponente im Vordergrund“, erläutert der Geschäftsführer des Ausschusses, Herbert Schorn. Es gehe weniger um Sieg und Platz, als vielmehr um einen fairen Umgang miteinander. Doch schickten die Schulen nicht nur Teams zum sportlichen Wettbewerb, sondern entwickelten im Vorfeld auch ein eigenes Projekt zu Zivilcourage und Gewaltprävention. Diese Projekte stellten die Schüler hier auch vor. So traten Schüler der Realschule Fürstenbergstraße mit einer Percussion-Nummer auf und die Hauptschule Rendsburger Platz führte ein Theaterstück auf, in dem es um Gewaltprävention ging.

Die Veranstaltung war die dritte dieser Art in Köln. Vor zwei Jahren, so Schorn, habe der Ausschuss für Schulsport in Kooperation mit dem Verein „Sprache gegen Gewalt“, der Jugendpflege, dem Projekt „Sport in Metropolen“ und dem Sportamt bereits die „Kalk open“ und die „Chorweiler open“ durchgeführt. Schorn: „Bei allen drei gab es eine hervorragende Resonanz.“ Sein Wunsch sei, in Zukunft auch einmal ein „Köln open“ zu organisieren. Allerdings stehe jetzt die Vorbereitung einer zweiten Auflage in Mülheim 2010 vor, zu der andere Schulen eingeladen werden sollen. Unterstützt werde das Projekt durch die GAG.




1.07. 2009 - DOSB

Kein Ganztagsschulmodell ohne Sportvereine
 
Wenngleich die Proteste gegen das Modell derzeit unüberhörbar sind, scheint klar: G8, also die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre, und die Tendenz des weiteren Übergangs zur Ganztagsschule ist scheinbar nicht aufzuhalten.

Der Sport muss dieser bildungspolitischen Neujustierung nüchtern ins Auge schauen und die entsprechenden Konsequenzen daraus ableiten. Furcht vor G8 und Ganztagsschulen ist ein ebenso schlechter Ratgeber wie die Hoffnung, dieses große Rad ließe sich womöglich zurückdrehen. Zu weit scheinen die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern und an den Schulen schon fortgeschritten, wie bei der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und seiner Deutscher Sportjugend (dsj) organisierten Fachkonferenz Sport & Schule deutlich vor Augen geführt wurde. Mit den Ganztagsschulen leben lernen, Sport und Bewegung gewissermaßen als große Kür in die Schulen hineinzutragen und dort operieren, wo die Pflicht des obligatorischen Schulsports endet, das ist eine der ganz große Zukunftsaufgaben des organisierten Sports in Deutschland, an der an der Basis schon jetzt mit Hochdruck gearbeitet wird. Dieses Geschehen genauer zu beleuchten, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen und erste Erfahrungen auszuwerten, so gut es an einem Konferenztag geht, darin bestand der höchst zeitgemäße Anspruch der Fachkonferenz. 

Sportvereine in der „Parallelwelt Schule“ längst angekommen 
Werden vor dem Hintergrund der bildungspolitisch gewollten Veränderungen im neuen System nun für die Sportvereine flächendeckende Kooperationen mit den Ganztagsschulen unumgänglich und geradezu lebensnotwendig oder sind die Sportvereine in der neuen Konstellation womöglich bedroht? So etwa stellte Professor Nils Neuber von der Westfälischen Wilhelm-Universität Bielefeld in seinem Impulsreferat die Gretchenfrage und führte zugleich vor Augen, in welche Zwickmühle die Sportvereine geraten, wenn sie mehr und mehr in die Parallelwelt Schule eintauchen. Schule, das sei allein schon deshalb etwas ganz Anderes, weil es sich um eine Pflichtübung handelt, während dem Vereinswesen prinzipiell Freiwilligkeit zugrunde liegt. Entsprechend gerieten zwei grundlegend verschiedene Typen miteinander in Beziehung und habe es vielschichtige Folgerwirkungen, wenn Vereine als Anbieter von Sport und Bewegung in die Schulen gingen. Wer trägt in diesen Stunden die Verantwortung, Übungsleiter/-innen oder Lehrer/-innen? Kann es sein, dass Trainer/-innen am Ende bei ihren Schützlingen sogar über Kopfnoten in den Zeugnissen mitbestimmen, wie mancherorts schon Praxis? Wie reagieren die Sportlehrer/-innen darauf, wenn ihre Schülerinnen und Schüler nachmittags mehr und mehr unter die die Fittiche von Vereinspersonal geraten? Wie reagieren die Mädchen und Jungen darauf, die nun plötzlich ihren/ihre Sportlehrer/-in oder den/die Übungsleiter/-in mehr mögen und für kompetenter halten? Wie qualifiziert ist der/die Vereinsvertreter/-in in der Ganztagsschule und wie qualifiziert müsste er sein, sportlich wie pädagogisch? 

Prof. Neuber verwies auf ein ganzes Arsenal an ganz praktischen Fragen, auf die es wissenschaftlich gesichert und aufbereitet bisher kaum Antworten gibt, von denen die Konferenz-Teilnehmer/-innen jedoch einhellig der Meinung waren, dass sie sich diese Fragen in der Praxis genau so stellen. Entsprechend nahe lag der Hinweis einer Konferenz-Teilnehmerin aus den neuen Ländern, die mehr gründliche Analysen über den Stand der Dinge anregte. Eine Studie insbesondere über die neuen Länder, wo die Ganztagsschulen schon länger Praxis sind und die Vereine sich entsprechend arrangieren und verhalten müssen, liege nahe, um Erkenntnisse darüber zu erhalten, um fit für die Zukunft zu werden und die Herausforderung möglichst ohne „Kinderkrankheiten“ zu meistern. Noch überwiegen die persönlichen Erfahrungen, wonach Übungsleiter die „Hochnäsigkeit von Sportlehrern“ beklagen und umgekehrt die Pädagogen die „Hemdsärmeligkeit der Hobbylehrer“. Die beständigste Variante, solcherlei Vorbehalte abzubauen und zu beenden, scheint in der Erkenntnis zu liegen, dass beide Seiten - die ausgebildeten Sportlehrer an den Schulen wie die Vertreter des organisierten Sports aus seinen Vereinen - an der Persönlichkeitsbildung derselben Schüler mitwirken. Dieser Lernprozess bei den Erwachsenen ist unausweichlich, weil die „Ära Nebeneinander“ von Schule und Vereinssport de facto beendet ist und die „Ära Miteinander“ schon weit fortgeschritten und die Zukunft dominieren wird. 

Essener Pilotstudie widerlegt Vorurteile 
Im gerade vorgestellten zweiten Sportentwicklungsbericht zur Situation der Sportvereine in Deutschland ist unter anderem festgehalten, dass für sie Kooperationen und Vernetzungen zunehmend den Alltag prägen. Die Zahl der Partnerschaften schnellte zwischen 2005/2006 und 2007/2008 enorm in die Höhe. Bei den Beziehungen zu Wirtschaftsunternehmen stieg die Quote in diesem Zeitraum von 21 Prozent auf fast 45 Prozent, bei der Zusammenarbeit mit Jugend-ämtern von 15 Prozent auf 36 Prozent, mit kommerziellen Sportanbietern von 11 Prozent auf 36 Prozent und bei Kooperationen mit Kindergärten und Kitas sogar von 24 Prozent binnen zwei, drei Jahren auf 47 Prozent. All diese Partner wurden in der jüngsten Vergangenheit von den Sportvereinen erst für sich entdeckt, während andere Verbindungen im Vergleichszeitraum relativ konstant blieben. Beispielsweise die Größenordnung hinsichtlich der Vernetzung von Sportvereinen mit Schulen (Steigerung von 62 Prozent auf 70 Prozent) sowie mit anderen Vereinen (von 70 Prozent auf fast 80 Prozent). Hoch gerechnet heißt das, weit über die Hälfte der Sportvereine hat sich bereits - in ganz unterschiedlicher Qualität und Intensität - auf Kooperationen mit Schulen eingelassen. Über die Hälfte verfügt also schon über ganz praktische Erkenntnisse, wie es laufen kann, wo Hürden stehen, ob und wie sie übersprungen werden können. Hier schlummert für das Beziehungsgeflecht zwischen „Sport und Verein“ ein wahrer Schatz an Erfahrungen. Präzise Studien indes, wie sie Professor Roland Naul von der Universität Essen-Duisburg bei der Fachkonferenz im Arbeitskreis „Chancen und Risiken für die Sportvereine innerhalb der Sportentwicklung“ vorstellte, haben bislang Seltenheitswert und sind Mangelware. 

Einige Fakten der Studie: In Essen tritt derzeit nur ein Sechstel aller Sportvereine, die eine Kooperation mit Ganztagsschulen stemmen könnten, tatsächlich als Anbieter auf. Die Hälfte der Vereine fühlt sich überfordert, früh am Nachmittag qualifizierte Angebote zu machen. Trotz allem sind Sportvereine in Essen in fast 52 Prozent aller Ganztagsschulen der Stadt aktiv und machen durchschnittlich zwei Angebote pro Woche. Andersherum betrachtet: 48 Prozent der Essener Schulen agieren bislang „am organisierten Sport vorbei“, wie es Naul ausdrückte. Fast 90 Prozent der Schulen sind mit dem, was die Vereine dort leisten, zufrieden. Als Problem kristallisierte sich heraus, dass der Personenkreis der Übungsleiter und Trainer „von außen“ zu stark wechselt und zu schwankend sei. 

Weiterbildung und einheitliche Lizenzierungsstandards als Basis 
„Die Schulen möchten Beständigkeit und möglichst eine längerfristige Zusammenarbeit mit demselben Personenkreis“, berichtete Roland Naul und schlug den Bogen zum Eingangsreferat von Nils Neuber. Die „Vereinslehrer“ seien deutlich größeren pädagogischen Anforderungen ausgesetzt, zum Beispiel indem sie mit schwierigen Kindern fertig werden müssen. Die grundlegende Erkenntnis: An der Qualifizierung und Weiterbildung von jenen Personen, die im Namen und Auftrag der Sportvereine an Ganztagsschulen tätig werden, führt kein Weg vorbei! Dies sei für die Vereine das A und O, um die neue Herausforderung erfolgreich zu meistern. Eine Erkenntnis, die in Rheinland-Pfalz bereits ganz praktische Konsequenzen zeigte. Um mit der Entwicklung Schritt zu halten (die Zahl der Ganztagsschulen wuchs dort von 80 im Jahr 2002 auf momentan über 500) wurde eine spezielle „B-Lizenz“ für Übungsleiter kreiert, die an Ganz-tagsschulen zum Einsatz kommen. Dem lag die Einsicht zugrunde, dass „eine Schulklasse am Nachmittag etwas anderes ist als die Trainingsgruppe am Abend“, wie Herbert Tokarski aus dem Bildungsministerium in Mainz anmerkte. Zwei Fortbildungsveranstaltungen zur B-Lizenz seien bereits abgehalten worden. Zudem wurden bei drei Vereinen im Rheinland, in Rheinhessen und der Pfalz drei „Regionale Beratungszentren für Sport im Ganztag“ eingerichtet, die sich als ständige Ansprechpartner für dieses Themen verstehen. Rund 10.000 Euro stellt das Land dafür jährlich zur Verfügung. 

Daran sollte sich die Landesregierung in Kiel dringend ein Beispiel nehmen, meinte Thomas Niggemann vom Landessportverband Schleswig-Holstein. Zugleich warb er in Bezug auf das Vereinspersonal, das in Schulen zum Einsatz kommt, für Mindeststandards. Sorge der Dachverband nicht für Vereinheitlichungen, könnte es in jedem der Bundesländer zu eigenen Standards kommen. Bildungspolitik bleibe natürlich Ländersache. Dennoch sollte es möglich sein, dass von Seiten des DOSB die Qualifikationsstandards zentral festgelegt werden. Der Dachverband solle „verbindliche und vergleichbare Ausbildungsstandards für das Kooperationsfeld Sportverein und Schule sicherstellen“, so die Forderung von Thomas Niggemann. 

Die große Ganztags-Welle rollt 
Grundsätzlich herrschte auf der Fachkonferenz Einigkeit. Die Ganztagswelle rollt wie ein Tsunami auf die Sportvereine zu. Nur mit dem großen Unterschied, dass es sich hierbei keineswegs um eine Katastrophe handelt. Die Grundfrage, ob die Kooperation mit den Schulen mehr Chance oder mehr Risiko bedeute, wurde von den Teilnehmern zu Gunsten der neuen Möglichkeiten beantwortet, die sich für den organisierten Sport eröffnen. In der Praxis ist dieses Votum bereits angekommen, wie leicht anhand der Rahmenvereinbarungen zu erkennen ist, die zwischen den jeweiligen Landesministerien und den Landessportbünden mittlerweile in allen 16 Bundesländern existieren. Darin ist die Bereitschaft der Sportvereine festgeschrieben, am Ganztagsschulbetrieb mitzuwirken. Einer der Kernsätze der Vereinbarungen lautet, dass es von Seiten der Vereine bitteschön „regelmäßige, möglichst tägliche Sport- und Bewegungsangebote“ an den Schulen geben soll. 

Die Nachfrage landauf, landab scheint riesengroß. Was die Vermutung nahe legt, dass das Ganztagsschul-Modell ohne die Hilfe der Sportvereine praktisch gar nicht auskommt und ein Ding der Unmöglichkeit wird. Die Kernfrage liegt nun darin, Kompatibilität herzustellen. Das Bedürfnis nach Kooperation bei den Schulen scheint derart groß, dass es vom organisierten Sport aktuell gar nicht befriedigt werden kann. Drei Viertel aller Ganztagsschulen wollen Bewegungs- und Sportangebote integrieren, belegt die Essener Pilotstudie den lautstarken Ruf. Können die Vereine das nicht leisten, würden freie Anbieter die Chance nutzen, wobei - noch - jedermann als Partner in Frage kommt, den die Schulen akzeptieren. 

Eines habe die Studie in Essen ganz deutlich herausgearbeitet. Es seine „eine Mär“, dass, wer Ganztagsschule mitmacht, einen Mitgliederzuwachs in seinem Sportverein verhindert. Solche Vorurteile würden mit der Pilotstudie „eindeutig widerlegt“, betonte Roland Naul. Vereine, die sich an den Schulen engagierten, hätten bei den 7- bis 14-Jährigen weit weniger Mitgliederverluste (1 Prozent Abgänge) als jene, die es bleiben ließen (5 bis 7 Prozent Abgänge). Auch diese Erkenntnis sollte Sportvereine ermuntern, auf der Ganztagswelle zu surfen und sich darauf einzustellen anstatt die Wogen ängstlich abwartend oder gar ablehnend auf sich zurollen zu lassen. 

Komplexes Thema verlangt zwingend nach Folgeveranstaltungen 
Zu den handfesten Ergebnissen der Fachkonferenz gehörte unter anderem, dass die Sportverbände und die Schulen vor Ort sich beiderseitig brauchen und sich im Zuge des immer weiteren Ausbaus der Ganztagsplattform in einer gemeinsamen „Win-Win-Situation“ befinden. Um dieses Potential in einem komplexen Umfeld vollends auszuschöpfen, wird künftig bei den Sportvereinen mehr Hauptberuflichkeit notwendig sein, damit der Sportverein als kompetenter Partner im Kooperationskontext akzeptiert wird. Zum Beispiel wird - wie heute schon in Nordrhein-Westfalen praktiziert - an hauptamtlich geführten Koordinationsstellen kein Weg vorbeiführen, um die Bedürfnisse der Schulen und die Möglichkeiten der Vereine in eine gegenseitig nützliche Balance zu bringen. 

Das Interesse an diesen Entwicklungen ist groß, wie die erfreuliche Resonanz bei der ersten Fachkonferenz bewies. Rund 100 Vertreter von Fachverbänden, Landessportbünden, Vereinen, Schulaufsichts- und anderen Behörden sowie aus Ministerien und wissenschaftlichen Institutionen waren der Einladung zur ersten Fachkonferenz Sport und Schule gefolgt. Begrüßt werden konnten ebenfalls Mitglieder der Kommission Sport der Kultusministerkonferenz (KMK). Der Tenor entsprach den Intentionen der Gastgeber: Das kann nur ein Anfang gewesen sein.
 




25.6. 2007 Sportunterricht.de / Bundesjugendspiele.de

Online-Auswertung für Bundesjugendspiele 
 
Bundesjugendspiele Die Website „www.bundesjugendspiele.de“ ist die zentrale Informationsquelle zur Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Bundesjugendspiele. Sie erfreut sich großer Beliebtheit und ist immer auf dem neuesten Informationsstand für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Interessieren aus anderen Bereichen.

Diese zentrale Informationsfunktion wurde durch eine entsprechende Datenein- und -ausgabefunktion erweitert. Damit wird den Schulen und Lehrkräften ein Gesamtpaket zur Durchführung der Bundesjugendspiele zur Verfügung gestellt, mit dem alle Basisfunktionen der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung der Bundesjugendspiele auf einer einheitlichen Plattform abgearbeitet werden können.

Das neue Tool zur Onlineauswertung der Bundesjugendspiele bietet:

  • mehr Sicherheit bei der Dateneingabe, Verwaltung und Auswertung
  • einfache Archivierung der Ergebnisse
  • Ausdruck der Wettkampfkarten 
  • komfortable Auswertung der Ergebnisse. 
Das Online-Auswertungstool ist direkt über die Website der Bundesjugendspiele nutzbar. Jede Schule, jeder Sportverein, Lehrerinnen oder Lehrer können sich kostenlos einen Account anlegen und somit den kompletten Funktionsumfang des Tools individuell nutzen. Einzige Vorraussetzung ist ein internetfähiger PC (Computer mit Internetanschluss und gängigem Browser). 

Aufwändige Installationsprozeduren entfallen, ebenso durch den Nutzer/ die Nutzerin vorzunehmende Updates. Diese werden zentral ausgeführt und stehen den registrierten Nutzerinnen und Nutzern unmittelbar zur Verfügung. Vorhandene Schülerlisten können einfach über eine Importfunktion weiter verwendet werden. Eine manuelle Eingabe der notwendigen Schülerdaten ist ebenso möglich. Veranstaltungen können entsprechend der Veranstaltungsform angelegt und die beteiligten Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsprechend unterteilt sowie deren Disziplinen alterspezifisch zugeordnet werden. 

Die Erstellung der Wettkampfkarten erfolgt automatisch, ebenso die Aufteilung der Urkunden innerhalb der Veranstaltung nach der Eingabe der Leistungen und der systemgestützten Berechnung der Punkte.



23.6.2009 - Schwäbische Zeitung

Bewegungspausen sind gut fürs Denken

MEERSBURG - Da ist Bewegung drin: Die Sommertalschule hat am Montag einen Scheck aus den Händen der AOK erhalten. Gleichzeitig wurde die Grund- und Hauptschule als Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt zertifiziert.

Die Kinder der Klasse 4 a führte mit dem "Fliegerlied" vor, was die Auszeichnung bedeutet: nämlich viel Bewegung. Konrektor Fitz sagte, dass zusätzlich zehn Minuten Bewegungspause vor der letzten Schulstunde den Kindern unglaublich gut tue, sie sich hinterher wieder besser konzentrieren könnten und auch Aggressionen abgebaut würden.

In den Pausen können sich alle Kinder aus einem Bauwagen bedienen, der extra für die Unterbringung der Spielgeräte angeschafft wurde. Dann kann gehüpft, geradelt oder gesprungen werden, und die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache. Die Bewegung an der frischen Luft macht den Kopf frei - und die nächste Schulstunde kann konzentrierter angegangen werden.

Ulla Seitz, stellvertretende Leiterin des Landesinstituts für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik, sprach davon, dass die Rhythmisierung des Unterrichts die Konzentration fördert. Bewegung mache das Gehirn fit und trage zum Wohlbefinden bei, vor allem bei Kindern, um Übergewicht, Haltungsfehlern und Kopfschmerzen vorzubeugen. Auch das soziale Miteinander wird durch die "bewegte Schule" verstärkt, weil die Kinder bei den Bewegungsspielen genau das erleben. 

Die Meersburger Grund- und Hauptschule erhält als eine von 670 Schulen in Baden-Württemberg das Zertifikat, das sie als Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt auszeichnet.

Auch Gernot Dett von der AOK, die diese Aktion unterstützt, betonte, wie wichtig Bewegung für alle Altersklassen ist. "Und Bewegung beginnt im Kopf." Um den Kindern für die Bewegungspausen noch mehr Spielgeräte anbieten zu können oder kaputte Spiele zu ersetzen, übergab Dett einen Scheck über 400 Euro. Bürgermeister Martin Brütsch versprach, beim Stadtkämmerer nachzuhaken, ob die Stadt Meersburg ebenfalls noch ein paar Euro für die Sommertalschule spendiert...


22.06.2009 - Gießener Allgemeine Zeitung

Mit »bewegtem Unterricht« Konzentration fördern
 
Gießen . So etwas sieht man auf dem Gelände des Philosophikum II nicht alle Tage: Dutzende von jungen Leuten versuchen einander zu fangen, gehen in die Hocke, sobald ihre Schulter mit der Hand berührt wird - und rennen plötzlich wieder los.
Bewegte Pause während der Vorlesung: In der Veranstaltung »Bewegungserziehung in der
Grundschule« mit Dr. Volker Döhring stehen für die Studenten auch »Hampelmänner« und
Nachlaufspiele auf dem Programm.

»Und jetzt machen Sie doch bitte mal 20 Hampelmänner!«, ruft eine Stimme aus dem
Hintergrund. Beine bewegen sich im Grätschschritt, Arme fliegen in die Höhe, Hände
klatschen ineinander. Was Beobachter hier auf dem Universitätsgelände zu sehen
bekommen, ist keine paramilitärische Übung, sondern Teil der Vorlesung
»Bewegungserziehung in der Grundschule«. Dozent Dr. Volker Döhring baut in seine
Veranstaltung bewusst »Bewegungspausen« ein, die mal draußen und mal im Hörsaal
stattfinden. Solche Bewegungselemente machen den Studierenden nicht nur Spaß, sie
fördern auch nachweislich die Konzentration. 120 Studenten für das Grundschullehramt
durchlaufen pro Jahr die Vorlesung und das Seminar »Bewegungserziehung«, die
zusammen als Modul seit drei Jahren zu den Pflichtveranstaltungen gehören. Das Modul
umfasst zudem das Element der musisch-ästhetischen Bildung.

So mancher Studierende besucht die Vorlesung »Bewegungserziehung« zunächst mit einer
gewissen Skepsis, berichtet der Studienrat im Hochschuldienst. »Oh nein, nicht noch ein
Modul«, bekommt Döhring gelegentlich zu hören, oder: »Ich interessiere mich nicht für Sport,
warum soll ich das machen?« Im Nachhinein wird das Teilmodul Bewegungserziehung
jedoch von fast allen als sehr sinnvoll, schulbezogen und lehrreich empfunden. Diese
Aussagen werden auch durch Untersuchungen gestützt. So weisen Schüler an einer
»normalen« Schule ohne Bewegungspausen in der ersten Stunde eine hohe Konzentration
auf, in der sechsten Stunde ist sie auf einen ausgesprochen niedrigen Wert gesunken. An
»bewegten Schulen« bleibt die Konzentration dagegen durch aktive Pausen und bewusst
eingesetzte Bewegungsphasen bis zum Schulschluss auf einem hohen Niveau.

Bewegung dient aber nicht nur der Konzentrationsförderung. Bewegter Unterricht hat
insbesondere in der Grundschule eine hohe lernpsychologische Bedeutung. Kinder im
Grundschulalter begreifen Zusammenhänge leichter und besser, wenn diese an konkrete
Handlungen gebunden sind. Als Beispiel nennt Döhring eine »Kilometerwanderung«, bei der
die Schüler genau 1000 Meter über verschiedene Haltepunkte abgehen, um so den
Zahlenraum bis 1000 besser zu erfassen aber vor allem auch eine Vorstellung von der
Länge eines Kilometers erhalten. Selbst entwickelte Fragestellungen und Rechenaufgaben
können dann die handlungsgebundene Vorstellung vertiefen und mathematisch erschließen
helfen.

Dass Bewegung in der Schule heutzutage »verordnet« werden muss, hat auch historische
Ursachen. Früher war die Grundschule als »Sitzschule« für die meisten Kinder kein Problem,
schließlich verbrachten sie ihre Nachmittage im Freien, spielten Fußball, fuhren Rad oder
widmeten sich anderen Bewegungsspielen. Inzwischen hat die Zahl der übergewichtigen
Kinder deutlich zugenommen. Denn heutzutage verbringen viele Schüler die Zeit nach der
Schule vor dem Computer oder dem Fernseher - die Alltagsbewegung ist weitgehend
weggebrochen. Dabei brauchen Heranwachsende zum Aufbau ihrer Gesundheit doppelt so
viel Bewegung wie Erwachsene zum Erhalt der Gesundheit.

Der 42-jährige Dozent, der seit fünf Jahren als Studienrat im Hochschuldienst tätig ist und
zuvor drei Jahre lang Schulleiter war - unter anderem an der Grundschule Fellingshausen -,
stellt im Gespräch mit der Allgemeinen klar, dass Bewegungserziehung nicht der möglichst
frühzeitigen Vorbereitung auf sportliche Aktivitäten dienen soll, sondern grundlegender
Bestandteil einer kindlichen Erziehung ist mit dem Ziel, eine gesunde, harmonische
Persönlichkeitsentwicklung des Kindes zu fördern.

»Der Grundschulalltag innerhalb und außerhalb des Unterrichts muss den
Bewegungsbedürfnissen der Kinder gerecht werden«, verdeutlicht Döhring, dass
Bewegungserziehung als fächerübergreifendes Prinzip des Lernens und der
»Weltaneignung« zu verstehen ist. Und er kann aus eigener langjähriger Erfahrung
bestätigen: »Bewegter Unterricht« macht Schülern einfach mehr Spaß.



 
 

19.6. 2009 - Esslinger Zeitung

INTERVIEW SPORTWISSENSCHAFTLER KLAUS BöS 
„Nur Bewegung im Sportverein ist für Kinder zu wenig“ 

Leiter des Instituts für Schulsportforschung der Uni Karlsruhe sieht große Mängel in der Motorik - Spielparcours der Kinderturnstiftung am 27. Juni auf dem Hallschlag 
 
Bad Cannstatt - Die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg ist am 27. Juni mit ihrem Spielparcours beim Straßenfest von „Jugend lokal aktiv“ im Cannstatter Stadtteil Hallschlag zu Gast. Stiftungsanliegen: Alle Kinder sollen sich gezielt bewegen. Wenn es um das Thema Kinder und Bewegung geht, gehört Klaus Bös zu Deutschlands führenden Ansprechpartnern. 
Der Sportwissenschaftler vom Institut für Schulsportforschung (FoSS) der Uni Karlsruhe mahnt im Gespräch mit Jens Gieseler, dass „sich Kinder und Jugendliche zu wenig bewegen“. 

Herr Bös, wie fit sind unsere Kinder?

Bös: Das ist eine schwierige Frage. Denn es gibt keine Norm für Fitness, im Sinne von: Wenn Kinder dieses oder jenes können, sind sie fit. Diese Normen müssen noch gebildet werden. Erst mit dem Gesundheitssurvey des Berliner Robert-Koch-Instituts von 2008 hat das sportwissenschaftliche Institut der Uni Karlsruhe einen Ausgangs- und Vergleichswert für künftige Studien geschaffen. Bisher gab es keine deutschlandweiten Daten über die Fitness von Kindern. 

Aber es gibt doch die Empfehlung, sich täglich eine Stunde zu bewegen?

Bös: Davon sind unsere Drei- bis 17-Jährigen weit entfernt. Nur knapp ein Drittel der Jungen und knapp ein Fünftel der Mädchen erfüllen diesen Wert. Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen hat sich verändert, in den vergangenen zehn Jahren sogar dramatisch. 

Wie belegen Sie diese Aussage?

Bös: Kinder verfügen über immer weniger unverplante Zeit. Auch am Nachmittag nehmen Schulen immer mehr Raum ein, hinzu kommen Musikstunden und Vereinstraining. Dagegen bedeutete freie Zeit früher gleich Bewegungszeit. Kinder werden heute stärker geschont. Sie werden zur Schule gefahren und abgeholt. 

Warum ist freie Bewegungszeit so effektiv?

Bös: Weil Kinder sich dann durchgehend bewegen. Sie gehen raus, fahren Fahrrad oder machen Such- und Fangspiele. Dagegen bewegen sie sich in Sportstunden der Schulen oder Vereine höchstens 15 Minuten. Teilweise ist die Bewegungszeit noch geringer. Warum? Wenn zehn Kinder Hochsprung lernen, springt eines, bekommt vom Übungsleiter Korrekturen gesagt und die anderen neun schauen in der Zeit meist zu. 

Das klingt nach: Kinder raus aus den Vereinen und zurück auf die Straße.

Bös : Sport ist ohne Vereine undenkbar. 80 Prozent der Zehnjährigen sind oder waren Mitglied eines Sportvereins. Aber Vereine können den Verlust der Bolzplätze, der Spielwiesen und der Straßenaktivität nicht kompensieren. Doch: Lieber 15 Minuten Sport als überhaupt nichts. Wobei die Vereine eine Trendwende beachten sollten. Heute sind weniger Jugendliche in den Vereinen aktiv als vor zehn Jahren. Bis zum Alter von zehn Jahren ist die Lage noch gut, aber der Vereinsaustritt setzt immer früher ein. Kinder und Jugendliche werden wegen des demografischen Wandels ein knappes Gut.

Wie beurteilen Sie die Fitness der Kinder?

Bös: Unser Institut hat in der Vergangenheit viele Daten gesammelt. Aus denen lässt sich ableiten, dass Aktivität und Fitness von Kindern um zehn Prozent abgenommen haben. Für den Gesundheitssurvey haben wir bundesweit 4500 Kinder auf Ausdauer, Kraft, Koordination und anderes untersucht. Um beispielsweise die Kraft zu beurteilen, haben wir die Kinder einen Standweitsprung machen lassen. Sie sollten so weit springen, wie sie groß sind. 1976 sind Jungs 16 Prozent weiter gesprungen als ihre Körpergröße, Mädchen neun Prozent. 30 Jahre später liegt die Sprungweite der Jungs nur noch vier Prozent über der Körpergröße. Die Mädchen liegen sieben Prozent unter ihrer Körpergröße. 

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Bös: Wenn Kinder und Jugendliche sich weniger bewegen, dann benötigen sie weniger Nahrung als früher. Vermutlich ist aber eher das Gegenteil der Fall. Mit dem Ergebnis, dass sie nachweisbar mehr Kilos auf den Rippen haben. Im Jahre 2000 galten zehn Prozent der deutschen Kinder als übergewichtig, drei Prozent als adipös. Heute sind 16 Prozent übergewichtig und sechs Prozent adipös. Das sind Steigerungen um 60 und 100 Prozent. 

Das führt zu gesundheitlichen Problemen?

Bös: Bewegungsmangel ist langfristig ein Risikofaktor. Das ist eine wissenschaftliche Erkenntnis. So ist Bewegung ein gutes Mittel, um die Gesundheit zu erhalten. Allerdings gibt es keine Kausalzusammenhänge. Wer Sport treibt, kann schließlich auch einen Herzinfarkt erleiden. Aber die Wahrscheinlichkeit ist wesentlich geringer. Wir können nachweisen, dass 80 Prozent der übergewichtigen Kinder auch als Erwachsene übergewichtig sind. Die haben unter anderem ein höheres Risiko, an Altersdiabetes zu erkranken. Und wegen des Gewichts sind Herzkreislauf, Muskeln, Sehnen und Gelenke besonders belastet. 

Das Thema Gesundheit motiviert Kinder kaum zum Sport treiben.

Bös: Es ist die Verantwortung der Eltern, für das Wohlbefinden ihrer Kinder zu sorgen und damit für deren Bewegung. Das wäre eigentlich einfach: Wir müssten nur den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder unterstützten statt ihn abzuerziehen. Kinder könnten dann lernen, dass Rennen etwas schönes ist, dass Schwitzen und Anstrengen Spaß machen. 

Was müsste passieren, damit sich die Situation ändert?

Bös: Zentral ist die Einsicht, dass die Entwicklung der Motorik nicht mehr von selbst passiert. Ich glaube, das ist vielen Entscheidern selbst in Sportverbänden und -vereinen nicht klar, deshalb ist die Arbeit der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg so wichtig. Es sind gezielte Aktionen notwendig. Zweite Erkenntnis sollte sein, Körperlichkeit ist genauso wichtig wie andere Persönlichkeitsbereiche. Wenn Schulsport über längere Zeit ausfällt, regt sich niemand auf. Fallen Deutsch oder Mathe aus, scheint die Zukunft der Schüler in Gefahr. Beide Reaktionen sind nicht angemessen. 

Was wäre konkret zu tun?

Bös: Bis zum Alter von zehn Jahren sind Eltern für Kinder die großen Vorbilder. Wenn sie sich bewegen, dann bewegen sich auch die Kinder. Zum anderen müssten eindeutige Erkenntnisse von Politikern und Lehrern ernst genommen werden. Es gibt inzwischen etliche Modellprojekte in Grundschulen mit einer täglichen Sportstunde. Ergebnis: Die Kinder bewegen sich besser und sie lernen besser. Das müsste in allen Schulen umgesetzt werden. 
 




 

18.6. 2009 - Suddeutsche Zeitung

Kampf der Flickschuster 

Das achtstufige Gymnasium gefährdet in manchen Ländern die Sportlandschaft - Vereine und Verbände ringen um Lösungen 
Frankfurt - Frau Professor schwingt ihre gute Laune wie eine Keule, mit der sie alle Probleme erschlagen will. Sehr nachdenklich wirkt Gudrun Doll-Tepper, Erziehungswissenschaftlerin der Freien Universität Berlin und Vizepräsidentin Bildung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), jedenfalls nicht bei der DOSB-Fachkonferenz Sport und Schule in Frankfurt. 
Sie steht auf dem Podium in einer Diskussionsrunde mit Teilnehmern aus Sport und Politik, die derart entschlossen an den Problemfeldern der hiesigen Bewegungserziehung vorbeireden, als wollten sie ihre Zuhörer in den Schlaf wiegen. Und Gudrun Doll-Tepper fügt sich munter ein in die versammelte Harmlosigkeit. "Na logisch", schmettert sie, an die Kraft der Schulsport-Erklärungen aus ihrem Hause glaube sie fest, sie müssten nur besser unters Volk gebracht werden. "Nachhaltige Ergebnissicherung" fordert sie als Folge des Konvents, und eben gute Laune: "Wir müssen die besten Beispiele darlegen, nicht die negativen." Ihr Wunsch an die Sportgesellschaft? "Optimismus".

Doch vor den Optimismus haben die Götter das Problembewusstsein gesetzt, und gerade jetzt, da das deutsche Schulsystem eine dramatische Reformphase erlebt, halten manche Lehrer, Übungsleiter und Funktionäre von der Basis Kritik für einen brauchbaren Beitrag zur Besserung. Die Debatte um den Schulsport ist alt, seit Jahren mahnen Wissenschaftler und Mediziner mehr Sportunterricht für die Kindergeneration der modernen technisierten Medienwelt an. Die Forderung bleibt aktuell, auch wenn Musterprojekte und Aktionsprogramme sie vielerorts entschärfen; gerade an Kindern aus sozial schwächeren Umfeldern ohne besondere Sportbegabung, die keinen Zugang zu Vereinen finden, geht eine ausgewogene Bewegungserziehung oft vorbei.

Ächzen in Bayern
Aber seit einigen Jahren hat die Debatte eine neue Qualität: Die deutschlandweite Einführung des achtstufigen Gymnasiums (G8) und das Bekenntnis zur Ganztagsschule stellt Vereine und Verbände vor neue Herausforderungen. Sie sind nicht überall gleich. Jedes Bundesland hat seine eigene Bildungspolitik, Sachsen und Thüringen zum Beispiel kennen nur G8. In Hessen, Bayern und Baden-Württemberg dagegen ächzen viele Schüler unter den Folgen einer allzu eilig herbeigeführten Schulzeitverkürzung. Was den Jugendlichen vorher in neun Jahren beigebracht wurde, lernen sie nun praktisch in acht. "In bis zu 34 bis 35 Wochenstunden", sagt Kirstin Otto, Sportwissenschaftlerin und Vorstandsmitglied der hessischen Sport- jugend, "damit sind noch keine Hausaufgaben, keine Wegzeiten, keine Lernzeiten abgegolten." Die Zeit wird knapp für den Nachwuchs, die Vereine bekommen es zu spüren. Bayerns Landessportverband zum Beispiel verzeichnete 2008 einen Mitgliederrückgang um 64 000 in der Altersklasse sechs bis 17.

Deutschland hat mit seinen 91 000 Vereinen eine weltweit einzigartige Sportlandschaft, in der die Angebote der Vereine die Vormittagsschule ideal ergänzten. Aber viele Reformer haben auf die Stärken dieses Systems wenig Rücksicht genommen. "Eine Hauruckaktion", nennt Kirstin Otto die G8-Einführung in Hessen. Und nun versucht der organisierte Sport, sich irgendwie anzupassen. Ideen gibt es genug, manche sind schon umgesetzt, viele tragen der Tatsache Rechnung, dass die Ganztagsschule bald Standard sein wird, wie Stefan Haid, Vorsitzender des Hessischen Landesjugendringes, sagt: "In 10 bis 15 Jahren werden die Schüler bis 16 Uhr in der Schule sein." Hausaufgabenbetreuung durch Verbände, neue Formen der Übungsleiterausbildung, örtliche Sonderkooperationen zwischen Schule und Verein, sportartenübergreifende Lehrprojekte, damit sich die Fachverbände im Kampf um den Nachwuchs nicht gegenseitig behindern - das sind solche Ansätze. Aber ersetzen sie eine durchdachte Bildungspolitik? "Es ist eine permanente Flickschusterei", sagt Uwe Ziegenhagen, Geschäftsführer des badischen Handball-Verbandes.

Zerklüftete Bildungslandschaft
Deutschlands zerklüftete Bildungslandschaft macht es den Lobbyisten schwer, eine einheitliche Front für eine konsequentere Bewegungserziehung zu formen. Und wohl auch die Angst der öffentlich geförderten Landessportbünde und des DOSB vor allzu klaren Ansagen an die Politik. Jedenfalls gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie deutlich man die Lücken des Systems ansprechen sollte. Kirstin Otto wünschte sich ein etwas angriffslustigeres Vorgehen. Gudrun Doll-Tepper hingegen verweist gerne auf die Chance, die in der Veränderung steckt: "Ich glaube, dass ganz viele Ängste existieren." Und so wie sie das sagt, klingt es, als fände sie die Ängste nicht sehr begründet. 


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17.06.2009 DOSB

„Bewegung und Sport müssen als wichtiger Teil der Bildung verstanden werden“ 
 
Ein Signal ging von der 1. Fachkonferenz Schule und Sport, die von DOSB und dsj gemeinsam veranstaltet wurde, am Dienstag in Frankfurt am Main gleich zu Beginn aus.

Die Bedeutung von Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche dürfe nicht nur allgemein in Form von Lippenbekenntnissen anerkannt werden, sondern müsse sich im Alltag  möglichst praktisch niederschlagen. Dies war die deutliche Botschaft, mit der die beiden Gastgeber der Konferenz, Gudrun Doll-Tepper, Vize-Präsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Ingo Weiss, 1. Vorsitzender der Deutschen Sportjugend (dsj), die Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgbiet begrüßten.

„Bewegung und Sport sind elementare Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung. Das muss als ein wichtiger Teil von Bildung verstanden werden“, sagte Gudrun Doll-Tepper und regte an, in diesem Sinne „mehr Lobbyarbeit“ bei den Verantwortlichen für Bildung und Kultur und in den einzelnen Ministerien zu leisten. „Im Schulsport liegen die Wurzeln allen Sporttreibens“, betonte Ingo Weiss.

Ziel dieser 1. Fachkonferenz sei eine Bestandsaufnahme und gegenseitig Erfahrungen auszutauschen. Das Impulsreferat hielt Professor Nils Neuber von der Wilhelm-Universität in Münster. Anschließend trafen sich die Teilnehmer der Veranstaltung, die als eine Mischung aus Information, Diskussion und Präsentation angelegt war, in vier Arbeitskreisen zu den Themenkreisen „Handlungsempfehlungen zur weiteren Entwicklung des Schulsports“, „Gymnasiale  Schulzeitverkürzung – Herausforderung für Sportvereine?“, „Chancen und Risiken für die Sportvereine innerhalb der Schulentwicklung“ und „Kommunale Bildungslandschaft – der Sportverein als Bildungspartner“.

Zurück geht die Initiative für diese erste bundesweite Fachonferenz von DOSB und dsj auf die „Bundesfonferenz für Sportentwicklung“ im vergangenen Jahr. Dabei habe sich laut Doll-Tepper herauskristallisiert, „dass wir zum Thema Schule und Sport ein eigenständiges Forum schaffen müssen, um zu schauen, wie es im Lande aussieht“. Vor diesem Hintergrund soll die 1. Fachkonferenz in der Main-Metropole der Auftakt für einen ständigen Dialog mit weiteren Veranstaltungen sein. „Ich hoffe sehr, dass es sich dahin entwickelt“, erklärte Weiss.

Die Resonanz stimmte hoffnungsvoll. Rund 120 Vertreter von Fachverbänden, Landessportbünden, Vereinen, Schulaufsichts- und anderen Behörden sowie aus Ministerien und wissenschaftlichen Institutionen waren der Einladung zur 1. Fachkonferenz „Schule und Sport“ gefolgt. Begrüßt werden konnten ebenfalls Mitglieder der Kommission Sport der Kultusministerkonferenz (KMK).


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8.6. 2009 Sportunterricht.de/ Deutsche Olympische Akademie

Literaturwettbewerb für Schülerinnen und Schüler 
„Mein Olympia: Ein Sport-Erlebnis“

ALLGEMEINES

Wie bereits in den Jahren 2001 und 2005 ruft das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu
einem weltweiten Wettbewerb auf, der Schülerinnen und Schüler zu einer literarischen
Beschäftigung mit den Olympischen Spielen animieren soll. Im Auftrag des Deutschen
Olympischen Sportbundes (DOSB) führt die Deutsche Olympische Akademie Willi Daume
(DOA) gemeinsam mit der „Stiftung Lesen“ einen entsprechenden Wettbewerb auf nationaler
Ebene durch. Die zwei ausgewählten Arbeiten werden beim IOC für die internationale
Entscheidung eingereicht.

TEILNAHME
Der Wettbewerb ist für Schülerinnen und Schüler im Alter von 8 bis 18 Jahren
ausgeschrieben.
Stichtag ist der 31. August 2009.
Die Beurteilung und Prämierung der Arbeiten erfolgt in alters- und entwicklungsbezogenen
Kategorien.

THEMA
Zugelassen zum Wettbewerb sind Prosatexte (Erzählung, Kurzgeschichte, Aufsatz), die einen
Umfang von vier DIN-A4-Seiten nicht überschreiten. Die eingereichten Arbeiten sollen der
übergeordneten Thematik „Mein Olympia: Ein Sport-Erlebnis“ gewidmet sein. Mit Bezug
dazu können sie Einzelaspekte wie z. B. Wettkampf, Leistung, Fairplay oder Freundschaft
thematisieren und dabei eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Meinungen widerspiegeln.

EINSENDUNG
Die Arbeiten müssen bis zum 17. Juli 2009 bei der Deutschen Olympischen Akademie
eingegangen sein. Gewünscht ist eine Vorlage in elektronischer Form (Word-Dokument) mit
genauen Angaben zu Alter und Anschrift des Urhebers. Die Arbeiten sind wie folgt zu
adressieren: office@doa-info.de – Betreff: „Literaturwettbewerb“. Ebenfalls möglich ist eine
Einreichung per CD-Rom.

PREISE
Die Begutachtung der eingereichten Texte obliegt einer fachkundigen Jury und erfolgt bis
September 2009. Die Gewinner der beiden ersten Preise erhalten je eine vom Internationalen
Olympischen Komitee gestiftete künstlerische Trophäe sowie eine IOC-Urkunde. Zusätzlich
winken diesen Preisträgern Auszeichnungen durch das IOC im Rahmen der internationalen
Ausscheidung. National werden zehn weitere Arbeiten in verschiedenen Kategorien prämiert
und mit Urkunden und hochwertigen Sachpreisen ausgezeichnet.
Eine Ehrung der ausgewählten Autorinnen und Autoren erfolgt zu einem geeigneten Anlass
durch die Deutsche Olympische Akademie und die „Stiftung Lesen“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wettbewerb räumen der Deutschen Olympischen
Akademie mit dem Einreichen ihrer Manuskripte das Recht ein, diese gegebenenfalls zu
veröffentlichen sowie im Rahmen von Veranstaltungen zu nutzen.

Deutsche Olympische Akademie
Otto-Fleck-Schneise 12
60528 Frankfurt am Main

Tel.: 069 – 6700 397
Email: papadopoulos@doa-info.de
Homepage: www.doa-info.de



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11.05.2009 DOSB

Rückmeldungen der Mitgliedsorganisationen zum Memorandum Schulsport erbeten
 
Zur Situation des Schulsports in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren von verschiedenen Organisationen zahlreiche, teils widersprüchliche programmatische Stellungnahmen, Orientierungshilfen, Aktionsprogramme und Resolutionen vorgelegt.

Zur Situation des Schulsports in Deutschland wurden in den vergangenen Jahren von verschiedenen Organisationen zahlreiche, teils widersprüchliche programmatische Stellungnahmen, Orientierungshilfen, Aktionsprogramme und Resolutionen vorgelegt.

Die DOSB-Mitgliedsorganisationen sollen Rückmeldungen zum Memorandum Schulsport geben.
Diese haben als Einzelaktionen der jeweils beteiligten Institutionen oder Interessensverbände die Diskussion zur Verbesserung der Situation des Schulsports und der Sportlehreraus-, fort- und -weiterbildung nicht wesentlich voran gebracht. 

Ziel dieses gemeinsamen, von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), dem Deutschen Sportlehrerverband (DSLV) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) getragenen Memorandums ist es deshalb, diese unterschiedlichen Positionen zu einem konsensfähigen Strategie- und Positionspapier zusammenzufassen. 

Nachdem im Mai 2009 eine erste Fassung des Memorandums vorgelegt und diskutiert worden ist, liegt jetzt eine überarbeitete, zweite Fassung (Stand: 6. Mai 2009) vor, die nun von allen Organisationen abschließend diskutiert und verabschiedet werden soll. Den dvs-Mitgliedern wird das "Memorandum zum Schulsport" auf der Hauptversammlung im Rahmen des dvs-Hochschultages im September 2009 in Münster zur Beschlussfassung vorgelegt. 

Alle DOSB-Mitgliedsorganisationen sind nochmals aufgerufen, Ihre Anmerkungen, Kommentare und alternativen Formulierungsvorschläge bis zum 20.06.2009 an die Leiterin der Autorengruppe, dvs-Vizepräsidentin Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich (Universität Bayreuth), zu senden. 

Mit dem "Memorandum zum Schulsport" wollen die o. g. Organisationen allen politischen und schulischen Entscheidungsträgern ebenso wie den alltäglich mit der Schulsportpraxis konfrontierten Lehrkräften und Ausbildern richtungweisende und zumindest mittelfristig realisierbare Impulse zur Optimierung der Situation des Schulsports auf allen Schulstufen geben Dabei werden in die Bezeichnung "Schulsport" sämtliche Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote in der Verantwortung von Schulen mit einbezogen. Die Aussagen zu diesem "Memorandum zum Schulsport" erwachsen somit aus der konkreten Perspektive der Sportwissenschaft, der Sportlehrerschaft und der Sportorganisationen. 

Rückmeldungen bitte an: 

Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich
E-Mail: ulrike.ungerer-roehrich(at)uni-bayreuth.de


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8.05.2009 DOSB

Grundschulkinder brauchen richtigen Sportunterricht 

Der DOSB, die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) und der Deutsche Sportlehrerverband (DSLV) haben die Erklärung der Kultusminister der Länder begrüßt, auch weiterhin guten Sportunterricht an Grundschulen anzubieten.

Die Schule ist für viele Kinder oft der einzige Ort, wo sie sich im Sportunterricht ausgiebig bewegen können. Foto: picture-alliance

Ergänzend zu ihren Beschlüssen vom 16. Oktober 2008 in Saarbrücken hat die Kultusministerkonferenz (KMK) am heutigen Freitag erklärt, Sport solle gerade im für die kindliche Entwicklung wichtigen Primarbereich auch in Zukunft von qualifizierten Lehrkräften unterrichtet werden. Das Vorhaben der Kultusminister, ein neues Studienfach Ästhetische Bildung mit künstlerischen, musischen und sportlichen Inhalten an den Hochschulen zu installieren, hatte Befürchtungen geweckt, die neuen Studieninhalte gingen zu Lasten der Fachlehrerausbildung. 

Die DOSB-Vizepräsidentin für Olympische Bildung und Erziehung, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, sagte: “Ich bin erleichtert, dass die Kultusminister klargestellt haben, dass mit dem neuen Studienbereich die Fachlehrerausbildung nicht an den Rand gedrängt wird. Bereits heute wird jede zweite Sportstunde an Grundschulen von fachfremden Lehrerinnen oder Lehrern gegeben. Allerdings werden wir nun verstärkt darauf achten müssen, wie die Ankündigung in den einzelnen Ländern umgesetzt wird.” 

Kinder fördert man am Besten mit gut ausgebildeten Sportlehrern

Ingo-Rolf Weiss, Vorsitzender der Deutschen Sportjugen (dsj) betonte: “Die Schulen dürfen die Sportvereine bei der Aufgabe, die wachsenden motorischen Defizite oder das Übergewicht von Kindern zu korrigieren, nicht im Stich lassen. Zumal nachgewiesen ist, dass die Lern- und Konzentrationsfähigkeit bei Kindern mit ausreichender Bewegung besser ist. Die Kinder fördert man am Besten mit gut ausgebildeten Sportlehrern und drei Schulsportstunden pro Woche in jedem Bundesland. Ich freue mich über das klare Signal, dass die KMK uns bei der Bewältigung dieser Aufgabe als verlässlicher Partner unterstützend zur Seite steht.” 

Für die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) erklärte deren Präsident Prof. Dr. Bernd Strauß: “Kinder und Jugendliche sind auf kompetent ausgebildete Sportlehrerinnen und Sportlehrer dringend angewiesen – mehr denn je. Eine universitäre spezifische Sportlehrerausbildung ist nicht nur zu erhalten, sondern im Gegenteil: sie muss ausgebaut werden. Daher freue ich mich natürlich über das jetzige Signal der KMK, das in die richtige Richtung weist. Wichtig ist nun, dass die Länder und die Universitäten diese Klarstellung der Kultusminister bei ihren Planungen und Umsetzungen berücksichtigen und die Sportlehrerausbildung stärken und nicht schwächen.” 

Der Präsident des DLSV, Prof. Dr. Udo Hanke, begrüßte die KMK-Erklärung und äußerte die Erwartung, dass sich nun alle Studentinnen und Studenten für den Grundschulbereich zumindest rudimentär mit Bewegungserziehung befassen. Damit werde der Ansatz einer „Bewegten Schule“ fester Bestandteil der universitären Ausbildung von Grundschulpädagogen, also von „Nicht-Fachlehrern Sport“, bei gleichzeitigem Fortbestand der Ausbildung zum Grundschul-Sportlehrer.
 


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4.5. 2009 Nordwestzeitung 

Lernen braucht auch Bewegung 
 
Schulkinder brauchen Bewegung, um sich gesund und leistungsfähig zu entwickeln. Ein bewegungsbezogenes Lernen und Leben ermöglicht die Grundschule Elmendorf ihren Schülerinnen und Schülern. 

Für „hervorragende Leistungen und besonderes Engagement in der Bewegungsförderung von Kindern durch vielfältige Sport- und Fitnessangebote“ wurde sie jetzt vom Niedersächsischen Kultusministerium und dem Landessportbund Niedersachsen mit dem Zertifikat „Sportfreundliche Schule“ ausgezeichnet. Diese Landesauszeichnung hat eine Gültigkeit von drei Jahren. 

Überrascht zeigte sich der Fachberater für Schulsport, Johann de Vries, über die vielfältigen Angebote im Schulsport der Grundschule, die vielfach durch Vereine als Kooperationspartner unterstützt werden. 

Neben vielen Grundsportarten und dem Schwerpunktsport des Schwimmunterrichts können die Schüler auch Boßelsport, Mädchenfußball, Einradfahren, Akrobatik, Inlinerfahren oder auch den Schachsport betreiben. Auch biete die Grundschule regelmäßig die Abnahme des Sportabzeichens an, erläuterte Schulleiterin Petra Janßen-Friedrich, und einige der jungen Sportler hätten beim Verlassen dieser Schule bereits das Goldene Sportabzeichen erworben. 

Bei der örtlichen Prüfung zur Vergabe des Zertifikats seien alle geforderten Kriterien in hervorragender Weise erfüllt, stellte dazu auch Schulamtsdirektor Manfred Janßen fest, der das Zertifikat überbrachte. Ihm sei bewusst, wie viel Arbeit im Vorfeld erledigt werden muss, um diese Auszeichnung zu erhalten.



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24.4.2009 - Kombinet

Die Schule rollte in Gonsenheim

Nach dem erfolgreichen Projektstart im März besuchte das Integrationsprojekt "Die Schule rollt!" diese Woche die Gonsenheimer Maler-Becker Schule. Wieder mit im Gepäck war dabei: "Sportunterricht für alle". Thomas Reinelt berichtet für die kobinet-nachrichten von der Aktion. moh

Der vergangene Montag war kein gewöhnlicher erster Schultag nach den Osterferien. Das merkten die Schüler der Klasse 3c der Gonsenheimer Grundschule spätestens in der letzten Schulstunde als ein bunter Holzparcours und einige Kinderrollstühle ihren Weg in die Sporthalle fanden. Diese Materialien sind Teil des vom TV Laubenheim initiierten Projekts zur Förderung der Teilhabe körperbehinderter Kinder am Sportunterricht in Schwerpunkt- und Regelschulen. Die TVL Übungsleiter konnten damit beispielhaft zeigen, wie eine Sportstunde mit fußgehenden und rollstuhlfahrenden Kinder gestaltet werden kann.

Im Fall der Maler Becker Schule geht es um den 9jährigen Simon, welcher als einziger Schüler der Schwerpunktschule einen Rollstuhl benutzt. In seiner Freizeit nimmt er aktiv am Sportangebot des TVL teil und auch im Sportunterricht ist er immer dabei. Dennoch haben sich bei der Integration oft Problemen ergeben: Der aufgeweckte Si-mon fühlt sich seinen Klassenkameraden oft unterlegen und reagiert mit großem Stress, wenn ihn Mitschüler auf seine Behinderung ansprechen: "Bald kommen wieder die Erstklässler, die fragen alle so doof, warum ich nicht laufen kann." Für den Jungen wird im Sportunterricht oft ein Alternativprogramm überlegt, welches er zwar im Beisein seiner Mitschüler aber doch isoliert von ihnen unter Aufsicht seines Integrationshelfers absolviert.

Im Sinne der aktuell veröffentlichten UN-Konvention zur Inklusion von Menschen mit Behinderung soll das Schul-Projekt dabei helfen, Sportlehrern an Schwerpunkt- und Regelschulen Ideen und Handlungsempfehlungen zum Umgang mit körperbehinderten Kindern im Sportunterricht zu geben. Dazu gehört auch, die behinderten Schüler in ihrem Selbstbewusstsein zu bestärken, dass sie gegenüber den Lehrkräften selbst äußern, was sie können und in welchem Rahmen sie mitmachen wollen. Es gibt zahlreiche Formen von kleinen Spielen und unterschiedlichen Sportarten, die Fußgänger und Rollstuhlfahrer in der Gruppe erleben können. So spielte Simon mit seinen Klassenkameraden das "Roboterspiel" und war als "gelber Engel" beim "ADAC-Spiel" unterwegs. Bei der Bewältigung des Parcours konnte er seinen Mitschülern gute Tipps zum Rollstuhlfahren verraten. Seine Mitschüler waren überrascht wie schwierig das Rollstuhlfahren ist und haben ihren Klassenkameraden für seine Geschicklichkeit bewundert.

Da sich im festen Trainerteam des Projektes auch eine querschnittgelähmte Übungsleiterin befindet, hatten die Mitschüler zudem Gelegenheit, viele Fragen über das Leben eines rollstuhlfahrenden Menschen zu stellen. Nora Sties versuchte den neugierigen Kindern zu vermitteln, dass ein behinderter Mensch zwar gelegentlich Hilfe braucht, diese jedoch nur geleistet werden darf, wenn der behinderte Mensch selbst darum bittet und man ihn auf keinen Fall unaufgefordert schieben darf. Da die Kinder selbst sehr viel Spaß am Rollstuhlfahren hatten, ist das Team hoffnungsvoll, dass sie sich im weiteren Umgang mit ihren behinderten Mitschülern nun eher vorstellen können, dass eine Behinderung kein "schlimmes Schicksal", sondern eine "Herausforderung" ist.

Simons Lehrern wurde klar, dass Steh-Training und Selbstständigkeitsübungen wie Jacke anziehen und Schuhe binden kein adäquater Ersatz für den beliebten Sportunterricht sind. Die Sportlehrerin äußerte sich positiv für die Zukunft: "In meiner Ausbildung war Behindertensport kein Thema, da hat noch niemand an Integration gedacht. Ich freue mich über jeden Tipp, was man mit dem Rolli machen kann und werde mich für das kommende Schuljahr gerne mit dem Team vom TVL beraten."
 



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27.3. 2009 - Pressemeldung 

Bundesministerin von der Leyen:

"Kindern, die Sport treiben, fällt es auch später leichter, den inneren Schweinehund zu überwinden"

Bundesfamilienministerium und Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe stellen Abschlussbericht zur Motorik-Modul-Studie vor
Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland haben große motorische Schwächen und sind nicht in der Lage, selbst einfache sportliche Aufgaben zu meistern.
Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Gründe für diese Ergebnisse sind häufige Inaktivität, mit zunehmendem Alter sinkende Bereitschaft sich anzustrengen sowie Übergewicht und Adipositas. Darüber hinaus beeinflussen auch Faktoren wie Sozialstatus, Migrationshintergrund und die Wohngegend die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen.

"Wer sich schon als kleines Kind zu wenig bewegt, dem geht später allzu schnell die Puste aus. Wer aber früh lernt, dass sportliche Anstrengung glücklich macht, überwindet auch später als Erwachsener leichter den inneren Schweinhund", sagt Bundesjugendministerin Ursula von der Leyen. "Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Im Kindergarten toben sie im Sandkasten herum oder rennen um die Wette und strotzen dabei vor Kraft und Energie. Doch spätestens in der Schule bewegen sich einige Jugendliche oft nur noch, wenn sie müssen. Manche Kinder kommen nur im Sportunterricht so richtig ins Schwitzen", so Ursula von der Leyen.

Beim Blick auf die motorische Leistungsfähigkeit zeigt die Studie, dass die Ausprägung von Gleichgewicht und die Beweglichkeit von Kindern und Jugendlichen abgenommen haben. Dabei hat sich vor allem die Fähigkeit körperliche Kraft zu entwickeln in den vergangenen 30 Jahren um 14 Prozent verschlechtert. Mehr als ein Drittel der getesteten Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 17 Jahren (35 Prozent) waren nicht in der Lage, zwei oder mehr Schritte auf einem 3 cm breiten Balken rückwärts zu balancieren. Beim Balancieren auf der T-Schiene gelingt es 86 Prozent der Mädchen und Jungen nicht, eine Minute auf der Schiene zu stehen ohne mit den Fußsohlen den Boden zu berühren. Jungen schneiden hier mit 53 Prozent noch deutlich schlechter ab als Mädchen mit 33 Prozent. Und das, obwohl 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen Mitglied in einem Sportverein sind.

Dennoch beschränkt sich ihre körperlich-sportliche Aktivität überwiegend auf eine Trainingseinheit pro Woche. Im Alltag ist ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen körperlich relativ wenig aktiv.

"Bewegung macht nicht nur Spaß, sie ist auch sehr wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung. Viele Kinder können heute diesen Drang aber nicht mehr ausleben und leiden unter Bewegungsmangel - anstatt auf dem Spielplatz zu toben oder auf Bäume zu klettern, sitzen sie stundenlang vor dem Fernseher oder dem Computer. Hier sind vor allem die Eltern gefordert, gemeinsam mit den Kindern raus an die frische Luft zu gehen, zu bolzen oder mit dem Rad zu fahren. Für Kinder sind die richtigen Vorbilder ganz entscheidend", so Bundesjugendministerin Ursula von der Leyen.

Motorische Leistungsfähigkeit und sportliche Aktivität hängen eng zusammen mit der gesundheitlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Bisher gab es dazu keine bundesweiten Daten und Zahlen. Mit dem Abschlussbericht zum Motorik-Modul liegen jetzt erstmals umfangreiche Vergleichswerte vor. Das Bundesjugendministerium hat das Motorik-Modul im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch Instituts mit einer Million Euro gefördert. Die Studie wurde zwischen 2002 und 2008 durchgeführt. Dabei wurden mehr als 4500 Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 17 Jahren in fast 170 Orten in ganz Deutschland getestet.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.motorik-modul.de
 



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25.3. 2009 - DOSB

Bundesjugendspiele für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung
 
Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und die Deutsche Behinderten-Sportjugend (DBSJ) haben ein Programm entwickelt, das die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern an Bundesjugendspielen ermöglichen soll.
Mit Unterstützung des Förderkreises Behindertensport wurde dieses Programm bereits 2005 aus den Erlösen des "Aral Charity Walk" als Projekt ins Leben gerufen. 

Ab 2006 wurde es in einer Arbeitsgruppe unter Einbeziehung des Ausschusses für die Bundesjugendspiele (Vertreter des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Kultusministerkonferenz und des Deutschen Olympischen Sportbundes/der Deutschen Sportjugend) weiterentwickelt und in einigen Bundesländern erprobt. 

Die Kommission Sport der Kultusministerkonferenz hat festgelegt, dass das Programm sowohl in Integrationsschulen als auch in Förderschulen Anwendung finden soll. Im Ergebnis der Erprobungsphase - durch DBS und DBSJ schriftlich evaluiert - wurde das Programm hinsichtlich der Einordnung der Startklassen wesentlich vereinfacht. 

Dieses Programm wird zum Schuljahr 2009/2010 bundesweit eingeführt, sodass nun Schülerinnen und Schüler mit Behinderung an den Bundesjugendspiele gleichberechtigt neben Schülern ohne Behinderung teilnehmen können. 

Die Ausschreibung für die "Bundesjugendspiele für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung" finden Sie auf der Homepage der Bundesjugendspiele unter www.bundesjugendspiele.de.



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18.03.2009 - DOSB
Kongress „Bewegte Kindheit“ 

Bildungsprozesse beginnen mit der Geburt. Da ist bereits das Tor zum Lernen geöffnet“, sagt Renate Zimmer, Professorin für Sozialpädagogik und Sportwissenschaften an der Universität Osnabrück.
 
Diese Erkenntnis und die daraus zu ziehenden Schlüsse und Handlungen standen im Mittelpunkt des von Professor Zimmer initiierten und geleiteten 6. Osnabrücker Kongresses „Bewegte Kindheit“, zu dem 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus pädagogischen und therapeutischen Berufen, darunter Übungsleiter und Übungsleiterinnen, Erzieherinnen und Erzieher aus Deutschland und aus dem Ausland, in die niedersächsische Universitätsstadt gekommen waren...

Drei Tage lang gestalteten 130 Referentinnen und Referenten den Kongress und boten mit Vorträgen, Seminaren, Workshops und Diskussionsforen ein breites Spektrum an wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten. In über 180 Einzelveranstaltungen wurden Möglichkeiten einer Entwicklungsförderung durch Wahrnehmung und Bewegung vorgestellt, neue Konzepte der Sprachförderung durch Bewegung erprobt und viele praktische Anregungen zur Gestaltung psychomotorischer Bewegungsangebote gegeben. Als ein Schatten lagen die schrecklichen Ereignisse des Amoklaufs von Winnenden über dem Kongress. Doch wurde dies als eine Herausforderung gewertet, noch mehr als bisher Sport und Bewegung zu nutzen, um Kindern und Jugendlichen Lebensinhalte, Zufriedenheit und Perspektiven auf zu zeigen und zu vermitteln. Renate Zimmer: „Es geht darum, Selbstwertgefühl bei jungen Menschen zu entwickeln und zu vermitteln, wie mit Niederlagen umzugehen ist.“ Und sie sagte bei der Kongresseröffnung: „Wir wollen etwas dazu beitragen, dass Kinder nicht in so ausweglose Situationen kommen, dass sie aus Hass andere töten.“ 

Verbindung von Sprache und Bewegung 
Renate Zimmer stellte heraus, dass seit dem letzten Osnabrücker Kongress vor drei Jahren die frühkindliche Entwicklung eine ungeahnte öffentliche Aufmerksamkeit erlangt habe und Thema Nummer eins der Bildungspolitik geworden sei: „Frühkindliche Bildung wird bundesweit inzwischen nicht nur als Betreuungsaufgabe, sondern vor allem auch als Bildungschance für alle Kinder gesehen.“ In Niedersachsen wurde aus diesem Grund das Institut für frühkindliche Erziehung und Entwicklung (nifbe) gegründet, das seinen Sitz in Osnabrück hat und ebenfalls Kooperationspartner des Kongresses war. 

Einen Schwerpunkt des Kongresses „Bewegte Kindheit“ bildete die Auseinandersetzung mit der Verbindung von Sprache und Bewegung. Erstmals wurden Studienergebnisse vorgestellt, die die Wirkungen einer bewegungsorientierten Sprachförderung von Kindern belegen. Renate Zimmer entführte in die Praxis: „Wenn wir eine Bank an der Reckstange einhängen und die Kinder rutschen lassen, dann gibt es die hohe Rutsche, die tiefe Rutsche, die Schnelle und die Langsame. Und das kann dann der Bummelzug sein oder der Schnellzug. Und bei den Übungen müssen Aktivität und Sprachausbildung parallel laufen. Die Kinder müssen ihre Bewegung verbal begleiten und erzielen schnell Fortschritte - dies ist besonders bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund erkennbar.“ 

Kerstin Schneider, Vorstandsmitglied der Deutschen Turnerjugend und von Beruf Kinderärztin, appellierte in Osnabrück dafür, dass Kinder von früh an ihr Recht auf Bewegung umsetzen müssen. Dabei müsse aber eine hohe Qualität gewährleistet sein. Kerstin Schneider bezeichnete die Deutsche Sportjugend als den „Anwalt“ und die Turnerjugend als „den Trainer“: „Wir wissen, wie es geht. Kinder in Bewegung bringen - das ist eines der wichtigsten Anliegen des Deutschen Turner-Bundes.“ Der dsj-Vorsitzende Ingo Weiss wünscht sich, „dass nach dem 6. Osnabrücker Kongress ‚Bewegte Kindheit’ Fachleute aus dem Bereich der Bewegungswelt in die Vereine, Kindertagesstätten und Schulen gehen, um weiterhin mit neuen Erkenntnissen die wichtige aufsuchende Präventionsarbeit zu leisten“.



 

Sportunterricht.de
 

13.3. 2007 Pressemitteilung

Hallo Ü-Wagen 
Null Bock auf Bock: Schulsport
 
Live und öffentlich aus Essen, Porschekanzel
88,8 MHz
Moderation Julitta Münch
WDR 5, Samstag, 28. März 2009, 11.05 – 13.00 Uhr
WDR 5, Sonntag, 29. März 2009, 04:03 – 06:00 Uhr

...und als  Podcast

Egal ob Reck, Kopfstand oder Dauerlauf: Kinder machen heute eine deutlich schlechtere Figur im Schulsport als frühere Generationen. Während Abspeckfernsehen Konjunktur hat, sind viele Sportanlagen in Deutschlands Schulen in beklagenswertem Zustand. Werden hier die Weichen für eine Generation mit Haltungsschäden und Übergewicht gestellt? Oder haben „Felgaufschwung“ und „Rolle rückwärts“ schon längst ausgedient? Fehlt es vielleicht an zeitgemäßen Impulsen? Wie der Schulsport wieder in Form kommen könnte, darüber redet Julitta Münch mit Experten und Publikum am 28. März in Essen auf der Porschekanzel.

Welchen Stellenwert der Sport in der Schulpolitik genießt, zeigt eine aktuelle Entscheidung der Kultusministerkonferenz: In Zukunft soll der Sportunterricht in der Grundschullehrerausbildung in einem neuen Bereich mit dem Namen „Ästhetische Bildung“ abgewickelt werden, gemeinsam mit Kunst und Musik. Sportverbände sprechen von einer „verhängnisvollen, bildungspolitischen Maßnahme“. 

In den weiterführenden Schulen dürfte sich die Situation durch G8-Reform und Ganztagsschulen noch verschärfen: Während der Unterrichtszeiten werden Hallen knapp, nach der Schule bleibt kaum noch Zeit für Sportvereine. Hallo Ü-Wagen zur Krise des Schulsports und den daraus erwachsenden gesellschaftlichen Konsequenzen. 

Aufruf:
Die Redaktion Hallo Ü-Wagen möchte für die Sendung am 28. März 2009 gerne Schülerinnen und Schüler einladen, die von ihren Erfahrungen beim Schulsport berichten.

Interessierte, die ihre Position auf dem Ü-Wagen vorstellen möchten, erreichen die Redaktion telefonisch unter: 0221-56789-555 
 



 

Sportunterricht.de
 

09.03.2009 DOSB

Deutscher Schulsportpreis 2009/2010 - 
Jetzt Bewerbung online möglich!

„Sportverein und Schule -Gemeinsam für eine bewegte Zukunft!“ so lautet das Motto des Deutschen Schulsportpreises, der in diesem Jahr zum sechsten Mal vom DOSB und der dsj ausgeschrieben wird.

Gesucht werden Konzepte und Maßnahmen aus dem Schuljahr 2009/2010, die auf einer gelungenen Zusammenarbeit zwischen Sportverein und Schule basieren und Kindern und Jugendlichen ein bewegungsfreundliches und ganzheitliches Umfeld bieten. Nina Eggert, ehemalige Profitriathletin Langdistanz und Trainerin, und der Basketballspieler Pascal Roller unterstützen als Sportpaten den Deutschen Schulsportpreis 2009/2010.

Die Bewerbung ist ausschließlich online möglich. Das Formular kann unter www.dsj.de/schulsportpreis direkt ausgefüllt und zurückgeschickt werden. 
Einsendeschluss ist der 15. Dezember 2009.



 

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3. 3. 2009 Pressemitteilung

Mehr bewegen und besser essen
 
Kinderturn-Kongress in Karlsruhe vom 26. bis 28. März 2009 zeigt Wege auf, wie Bewegung bei Kindern gefördert werden kann.
Vom 26.-28. März 2009 findet auf dem Campus der Universität Karlsruhe (TH) nunmehr zum dritten Mal der Kinderturn-Kongress „Kinder bewegen“ statt. Mit dem Kinderturn-Kongress wird der erfolgreiche Kongress „Kinder bewegen – Wege aus der Trägheitsfalle“ aus dem Jahr 2004 und der Kongress „Kinder bewegen – Energien nutzen“ aus dem Jahr 2007 fortgesetzt.

Auch 2009 steht die Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund des Geschehens. Angesichts der Tatsache, dass die Welt der Kinder offensichtlich in allen modernen Gesellschaften zu einer vermehrt bewegungsarmen Sitzwelt mit vielfältigen Konsequenzen für die kindliche Entwicklung wird, will der Kongress die Bedeutung der Ressourcen Bewegung, Spiel und Sport hervorheben. Sie stärken das Körperbewusstsein und tragen zu einer gesunden körperlichen, motorischen, geistigen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei.

Die Kinderturnstiftung Baden-Württemberg hat sich genau diese positiven Entwicklungen auf die Fahne geschrieben. Die Förderung des Kinderturnens als grundlegende Bewegungserfahrung steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Deshalb engagiert sie sich für den Kinderturn-Kongress und ist Träger der Veranstaltung. Die Schirmherrschaft haben Frau Dr. Ursula von der Leyen (Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) und Frau Ilse Aigner (Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) übernommen. Veranstalter des Kongresses sind die Universität Karlsruhe (TH), das Max Rubner-Institut (MRI) in Karlsruhe, das Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FoSS) in Karlsruhe, die Universität Konstanz und die AOK Baden-Württemberg.

Der Kinderturn-Kongress wendet sich insbesondere an Lehrer/-innen, Erzieher/-innen, Lehramtstudierende, Trainer/-innen, Übungsleiter/-innen, Wissenschaftler/-innen, Fachleute aus dem Bereich Gesundheit, Mitarbeiter/-innen in der Sozial-, Schul- und Sportverwaltung sowie Vertreter von Kinder-, Jugend- und Sportorganisationen und bietet zudem eine ideale Plattform zum Informationsaustausch zwischen Entscheidungsträgern und Multiplikatoren. Nicht unerwähnt bleiben soll sein Nutzen als Fort- und Weiterbildungsveranstaltung.

Den anvisierten 1.000 Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern werden 15 Hauptvorträge renommierter Referentinnen und Referenten zu den  Fachbereichen Sportwissenschaft, Sozialwissenschaft, Medienwissenschaft, Sportmedizin, Ernährung, Ernährungspsychologie, Pädiatrie und Stadtplanung geboten. Sie haben zudem die Möglichkeit, aus über 100 Arbeitskreisen und Praxis-Workshops zu Themen aus den Bereichen Kinderturnen, Bewegung, Sport, Stressbewältigung, Ernährungs-verhalten, Psychomotorik oder Bewegtes Lernen zu wählen, um jeweils interessante Einblicke in aktuelle Forschungsansätze zu erhalten. Sie lernen geeignete Interventionsprogramme kennen, sammeln Hintergrundinformationen, praktische Tipps und Anregungen für Bewegungsangebote.

Parallel dazu wird eine Fachausstellung zu den Themenbereichen Bewegung, Spiel, Sport und Ernährung das inhaltliche Programm begleiten. Am Freitag, 27. März, laden die Veranstalter alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur „come-together-party“ mit Buffet, Live-Musik und Unterhaltungsprogramm im Festsaal der Universität ein.

Zusätzlich findet am Freitag, 27. März 10:30 Uhr, zum ersten Mal ein Kongress-Lauf auf dem Kongress-Gelände statt, bei dem rund 1.000 Kinder aus den Karlsruher Schulen an den Start gehen. Alle Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer sind herzlich eingeladen.



 

Sportunterricht.de

5.2. 2009 - Süddeutsche Zeitung

"Unverantwortlich und nicht nachvollziehbar" 

Das Aktionsbündnis für den Schulsport kritisiert den Beschluss der Kultusministerkonferenz, der Sport in der Grundschule entwertet 

Helmut Altenberger weiß um die Wirkung der Worte, und deswegen muss selbst er manchmal um die richtigen ringen. Altenberger ist Professor für Sportpädagogik an der Universität Augsburg, präzise Vorträge sind sein Tagwerk. Aber Kritik im Dienste der Sache ist nun mal ein anderes Genre als die Lehre, gerade in seinem Amt als Vorsitzender des Bayerischen Aktionsbündnisses für den Schulsport, in das er am Freitag auf der Mitgliederversammlung wiedergewählt wurde. Es geht darum, bei Landespolitikern ein Bewusstsein zu schaffen für die Wichtigkeit des einzigen Bewegungsfaches, Nachlässigkeiten anzumahnen und dennoch niemanden zu verprellen. Es ist ein Balanceakt, bei dem Altenberger gerade jetzt keinen Fehler machen will, da ein höchst umstrittener Beschluss der Kultusministerkonferenz im Raum steht.

Das Aktionsbündnis ist ein Zusammenschluss gesellschaftlicher Institutionen, der einem unterschätzten Fach mehr Geltung verschaffen will. Die Herausforderung ist groß, sie besteht schon allein darin, nicht lockerzulassen bei dem Thema, das sich letztlich immer um die gleiche Forderung dreht: Die Schule muss ihren Schülern neben den klassischen Fächern mehr Zeit zur Bewegung einräumen in einer technisierten Medienwelt, die laut Statistik eine beträchtliche Zahl an zivilisationskranken und bewegungsgestörten Kindern hervorbringt. Dass die Politik darauf gar nicht eingeht, sagt keiner, "sehr erfreulich" findet Altenberger etwa, dass Geld aus dem sogenannten Konjunkturpaket II in Schulsportstätten fließen soll. Und vor allem sein Vize Günther Lommer, Präsident des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) und Hauptschul-Konrektor in Cham, erinnert gerne an die Grundschulinitiative "Voll in Form" des Kultusministeriums für tägliche Bewegung neben dem Unterricht und gesunde Ernährung.

Aber beschönigen mag Altenberger auch nichts, wenn er auf seine erste Amtszeit zurückblickt: Die Kampagne, Sport in Bayern wie in 14 anderen Bundesländern auch zum Vorrückungsfach zu erheben, ist gescheitert; entsprechende Petitionen von BLSV, Aktionsbündnis und Verein Pro Schulsport fielen im Sportausschuss des Landtags durch. Nach Gesprächen mit der hohen Landespolitik stellt Altenberger fest, "dass weitergehende Ideen nicht im wünschenswerten Maße auf fruchtbaren Boden gefallen sind". Und vom neuen Kultusminister Ludwig Spaenle hat er öffentlich noch gar nichts zum Schulsport gehört. Weit entfernt erscheint das Ziel, die vierte Wochenstunde Sport zurückzubekommen, die es vor massiven Spareinschnitten Mitte der neunziger Jahre mal gab. Dass in der Stundentafel des achtstufigen Gymnasiums (G8) kein Platz mehr für den Differenzierten Sportunterricht ist, ist ein weiteres Problem, zumal das lernintensive G8 die Schüler vom Vereinssport abhält - die BLSV-Statistik weist für 2008 einen Verlust von fast 64 000 Mitgliedern in der Altersklasse sechs bis 17 aus.

Und dazu kam im Oktober besagter Beschluss der Kultusministerkonferenz, bei dem die KMK die Richtlinien zur Ausbildung für das Grundschullehramt neu fasste und den Sport mit Musik und Kunst unter den Begriff "Ästhetische Erziehung" stellte. Was das bedeuten kann, ist klar: Sport wird in der Grundschule nur noch zu einem Aspekt im Rahmen eines übergeordneten Faches und der klassische Sportunterricht im Grunde abgeschafft. Die Schulsportkämpfer beruhigt allein, dass KMK-Beschlüsse nicht bindend sind, aber gerade deshalb fühlt sich das Bayerische Aktionsbündnis in der Pflicht. Es hat eine Stellungnahme verabschiedet, in der es den KMK-Beschluss "unverantwortlich und nicht nachvollziehbar" nennt und Minister Spaenle auffordert, "die Vorgaben der KMK nicht umzusetzen und bei der KMK darauf hinzuwirken, dass dieser Beschluss revidiert wird". Die Worte sind klar, und Helmut Altenberger hofft sehr, dass es auch die richtigen sind. 
 
 

5.02.2009 - DOSB
Vier Fragen an Burkhard Jungkamp, Staatssekretär im brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und Leiter der Sport-Kommission bei der Konferenz der Kultusminister (KMK).
 

DOSB PRESSE: Kritiker werfen der Konferenz der Kultusminister vor, mit ihrem Beschluss zu den neuen Ausbildungsrichtlinien für Grundschullehrer den Sportunterricht in den Klassen 1 bis 4 faktisch abzuschaffen. Läuft es darauf hinaus? 

JUNGKAMP: Das ist falsch. Richtig ist, dass die Ausbildung für Grundschullehrer breiter angelegt sein muss als die Fachlehrerausbildung. An den Grundschulen unterrichten die Lehrer meistens nicht nur in einem Fach, sondern beispielsweise zugleich in den Fächern Deutsch und Mathematik. Wenn demnächst bei der Ausbildung von Grundschullehrern die Ausbildung in Sport zusammen mit Musik und Kunst in einem Bereich „ästhetische Bildung“ zusammengefasst wird, dann trägt dies diesem breit gefächerten Ansatz Rechnung und ist keineswegs eine Abkehr vom Sportunterricht. Der KMK-Beschluss darf nicht so aufgefasst werden, dass damit der Schulsport zwangsläufig eingeschränkt oder sogar ins Abseits gestellt werden soll. 

DOSB PRESSE: Kann Ihre Kommission bei der KMK darauf hinwirken, diesen Tenor deutlich herauszustellen, und klarstellen, dass der Sportunterricht auf keinen Fall geschwächt werden soll? 

JUNGKAMP: Ich halte es nicht für sinnvoll, einen gefassten Beschluss noch einmal zurückzuholen. Im Grundsatz ist dieser Beschluss richtig. Die Sport-Kommission ist jedoch offen für Kritik. Wir haben bereits konstruktive Gespräche zum Beispiel mit hochrangigen Vertretern des DOSB geführt. Vorstellbar ist, dass in Ergänzung unserer bisherigen Bemühungen Positionen in einer gemeinsamen Erklärung an die KMK zum Ausdruck gebracht werden. Diese Erklärung könnte zugleich ein Signal an die Universitäten, die Länder und die Schulen sein, für genügend qualifiziertes Personal zu sorgen und den Sportunterricht auf einem hohen Niveau zu gewährleisten. Gemeinsam mit dem DOSB hatten wir ja bereits 2007 gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Entwicklung des Schulsports erarbeitet. Selbstverständlich müssen wir aufpassen, dass die kleineren Fächer, die ja ebenfalls eine große Bedeutung haben, nicht an den Rand gedrängt werden. 

DOSB PRESSE: Gerade das Unterrichtsfach Sport scheint davon schon stark betroffen zu sein. Wenn man Studien Glauben schenkt, wird die Hälfte des Unterrichts mittlerweile von fachfremden Lehrern abgehalten. Vermutlich weil man glaubt, am Sportunterricht am ehesten sparen zu dürfen. 

JUNGKAMP: Dass diese Größenordnung stimmt, bezweifle ich. Doch ich sehe ein, dass wir offensichtlich diese Tendenz haben, und finde es gut, dass wir die Diskussion darüber führen. Schaut man sich das Studium zur Ausbildung der Grundschullehrer an, dann ist schnell zu erkennen, wie vollgepackt die Wochen- und Semesterpläne der Studenten sind. Insbesondere in den Praxisanteilen und dem sich dem Lehramtsstudium anschließenden Vorbereitungsdienst könnte den künftigen Grundschullehrern allerdings noch viel deutlicher als bisher dargestellt werden, welches Potential der Sport für die Erziehung und Entwicklung der Kinder bietet. Sport ist beispielsweise Gesundheitserziehung in Reinkultur, und Sport fördert die soziale Kompetenz. Daher müsste meines Erachtens jede Grundschule eine bewegte Grundschule sein. Überdies gilt es, im Zuge der Ganztagsschule Möglichkeiten außerhalb des Unterrichts zu nutzen. Der Sport hat also große Chancen. 

DOSB PRESSE: Es sieht eher ein bisschen danach aus, als sollten auf diese Weise künftig Sportvereine an den Schulen die Versäumnisse im Sportunterricht kompensieren… 

JUNGKAMP: Die Länder werden nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, auch wenn sie leider nicht alle drei Sportstunden pro Woche garantieren können. Der Sportunterricht als schulisches Pflichtangebot wird natürlich Aufgabe der Länder bleiben. Doch es wird verstärkt Zusatzangebote von Vereinen geben, sofern sie dafür über qualifizierte Übungsleiter und Trainer verfügen. Diese Möglichkeiten der Ganztagsbetreuung werden bereichernd und zugleich wohltuend wirken, doch die Vereinsarbeit soll auf keinen Fall den Sportunterricht ersetzen.



Sportunterricht.de

2.2. 2009 - Hertener Allgemeine

Konflikte lösen ohne Gewalt - das geht
 
PASCHENBERG. Das ist ein Sportunterricht, der einmalig ist. Zwölf Jungs der Klasse 8a der Bodelschwinghschule haben ihn sich verdient. Sie haben ein Deeskalations- und Coolnesstraining absolviert. Zum krönenden Abschluss müssen sie einen ganz besonderen Hinderniss-Parcours "bestehen".

Und obwohl der Kurs eigentlich nur für die Jungen gedacht ist, dürfen hier auch die Mädchen der Klasse mitmachen. Die Schülerinnen und Schüler wissen nicht, was bei diesem Parcours auf sie zukommt.

Uwe Günther, Anti-Gewalt/Coolness- und Deeskalationstrainer vom Verein "Jugend- und Kulturförderung Tossehof" Gelsenkirchen, bereitet sie vor: "Bevor ihr jetzt auf den Parcours geht: Denkt daran, die Partner haben immer Kontakt und helfen sich gegenseitig. Und auf keinen Fall darf man den Kontakt zum Seil verlieren." Dann geht es in die Turnhalle. Dort ist ein Labyrinth mit Hindernissen aufgebaut, das die Schüler aber nicht sehen können. Denn bevor es auf den Parcours geht, bekommen sie eine Augenblende verpasst, so dass sie nichts sehen können. Und das ist auch der Sinn der Abschlussübung. Mit jeweils einem Partner müssen die Jungen immer dem Seil folgen, das scheinbar wild durch die Halle gespannt ist. Beide Partner müssen beweisen, dass sie sich "blind" aufeinander verlassen können.

Uwe Günther achtet mit seinen Co-Trainern Cihan Karakurt und Igor Gutnik darauf, dass die "Regeln" auch eingehalten werden. Ahmed (15) und Adam (13) merken schon beim ersten Hindernis, einem Bock, dass dieser Parcour richtig spannend wird. Ahmed geht vor, ertastet das Turngerät und entscheidet - dicht gefolgt von Adam - , sich vorsichtig zwischen den Beinen des Bocks durch zu zwängen, um weiter zu kommen. Geschafft. Das Seil führt sie nun zu einer langen Bank, über die sie vorsichtig kriechen. Doch das sind noch eine der leichtesten Übungen. Weiter geht es unter anderem über einen Barren, ein Trampolin bis zu einem scheinbar unüberwindbaren Hindernis: Sie müssen durch zwei riesige Weichboden-Turnmatten kriechen. Denn zwischen diesen beiden Matten verläuft das Seil. Und damit es noch ein wenig spannender wird, heben die Coolness-Trainer die obere Matte erst leicht an, um sie dann wieder zu senken. Da wird es für die Schüler im wahrsten Sinne des Wortes eng. Doch sie bestehen auch diese Prüfung. 

Am Ende sind alle begeistert. Ahmed sagt: "Es war sehr gut, richtig spannend. Wir wussten gar nicht, was uns erwartet." Die Mädchen denken nicht anders. Merita (14): "Es hat Spaß gemacht. Wir mussten auf unseren Partner achten. Und ich weiß jetzt, dass ich mich auf Jülide verlassen kann." Auch Klassenlehrerin Barbara Krebs (58) wagte sich auf den Parcours und gesteht: "Es ist schon sehr spannend gewesen, weil man ja wirklich nicht wusste, wie es weiter geht. Aber ich muss doch wissen, wie es meinen Schülern geht. Deshalb habe ich auch mitgemacht." Ein halbes Jahr lang haben die Schüler der 8a jeden Freitag drei Stunden an dem Coolness- und Deeskalationstraining teilgenommen und dabei gelernt, dass Gewalt alles andere als "cool" ist. Um das zu "lernen", schlüpften sie unter anderem auch in die Opferrolle. Dabei lernten sie nicht nur, ihre Gefühle besser zu kontrollieren, sondern gewannen vor allem mehr Selbstbewusstsein. 

Uwe Günther vom "Be-Cool-Trainings"-Team war am Ende auch voll des Lobes für die Hertener Schüler: "Sie waren ein super Team. Wir haben schon mit etlichen Schulklassen zusammen gearbeitet. Aber diese war fantastisch. Und das ist keine Übertreibung." Klassenlehrerin Barbara Krebs schließt sich der Meinung an und sagt: "Ich war schon lange hinter einem solchen Kursangebot her. Toll, dass es so ein Training gibt. Das schweißt auch die Klasse zusammen."



Sportunterricht.de

26.1. 2009 - Osnabrücker Zeitung 

Übergewicht im Kindesalter darf nicht sein
 
„Wozu eigentlich Koordination und Gleichgewicht?“ 
Die Teilnehmer der 7. Fachtagung „Starke Kinder durch Sport“ in den Sporthallen Sögels und in der Aula des Hümmling-Gymnasiums wussten es spätestens zum Ende der zweitägigen Veranstaltung: Koordination und Gleichgewicht verhindern im Kindesalter Übergewicht.

Sechs Jahre firmierte diese bundesweit einmalige Tagung unter dem Motto: „Kinder brauchen ihren Sport“. Vor rund 200 Übungsleitern aus Sportvereinen, Sportlehrkräften, Erzieherinnen aus Kindertagesstätten und Vertretern aus Sportorganisationen und aus dem politischen Leben standen dieses Mal in der Aula nicht Akteure aus dem Kindes- und Jugendalter im Mittelpunkt, sondern der wissenschaftlich fundierte und zugleich kurzweilige Fachvortrag von Professor Dr. Hans Peter Brandl-Bredenbeck von der Universität Paderborn zum Thema „Übergewicht im Kindesalter – Fakten, Trends, Handlungsstrategien“. 

In seinen einleitenden Bemerkungen zum Thema machte der Wissenschaftler anhand von Tabellen, Fakten und Untersuchungen klar, dass bei Kindern und Erwachsenen vermehrt Übergewicht festzustellen sei. Als Ursache nannte der Universitätslehrer die „Verhäuslichung“, die „Verinselung“, die „Verplanung“, die „Verstädterung“, die „Mediatisierung“, die veränderten „Sozialstrukturen“, veränderte „Ernährungsgewohnheiten“ und „die veränderten Kinder- und Erwachsenenrollen“ in unserer Zeit. „Gleichzeitigkeit und Dichte der Veränderungen“ seien ursächlich für Übergewicht. Folgen seien ein steigendes Gesundheitsrisiko und eine geringere Leistungsfähigkeit.

Eine einfache Erklärung hatte Professor Brandl-Bredenbeck nicht zur Hand. Ursache für die Entstehung von Übergewicht ist nach seiner Meinung „ein noch unentschlüsseltes Zusammenspiel von genetischer Prädisposition und Lebensstil“. Seit rund 10000 Jahren habe sich das menschliche Genpool substanziell nicht verändert, daher gerade „der Lebensstil in den Focus der Aufmerksamkeit. Die üblichen Verdächtigen: Ernährung, Medienkonsum, Bewegung“.

Auf die rhetorische Frage „Wir müssen etwas tun, und zwar möglichst früh im Lebenslauf, nur was?“ lieferte der Redner plausible Beispiele wie die Umgestaltung der Kindergärten zu „Bewegten Kindergärten“ mit Bewegungsaufgaben zur Begrüßung, bewegtes Zähneputzen, bewegender Raum“.

In den Mittelpunkt rückte er den schulischen Sportunterricht und forderte eine Minimierung des Anteils fachfremder Sportlehrer besonders im Primarbereich durch eine Ausbildungsoffensive, ein starkes Angebot an sportlichen Aktivitäten in den Ganztagsschulen.

Ein wichtiger Faktor war für Brandl-Bredenbeck die Förderung der „Alltagsbewegung“ wie zum Beispiel der morgendliche Fußmarsch zur Schule oder die Anlegung reizintensiver Spielplätze. Frühe Schule von kindlicher Bewegungskoordination und Gleichgewichtsschulung durch sportliche Aktivitäten lohne und rechne sich auf Dauer.



Sportunterricht.de
 

24.1. 2009 MDR

"Jahr des Schulsports" - Thüringen bewegt sich
 
In diesem Jahr findet in Thüringen zum dritten Mal nach 1999 und 2004 das "Jahr des Schulsports" statt. "Das Hauptanliegen im 'Jahr des Schulsports' ist es, junge Menschen für sportliche Aktivitäten zu begeistern. Dabei liegt uns der Freizeitsport im Verein oder mit Freunden ebenso am Herzen wie der Schulsport", sagte Thüringens Kultusstaatssekretär Walter Bauer-Wabnegg (CDU).

Mit viele Veranstaltungen sollen Kinder rund Jugendliche an den Sport herangeführt werden.
Veranstaltungen in ganz Thüringen

Mit dem "Jahr des Schulsports" sollen alle Schüler in Thüringen erreicht werden. Ziel ist, ihnen sportliche Betätigungsfelder anzubieten und Grundlagen für eine langfristig sinnvolle Freizeitaktivität zu schaffen. Ministerium und Landessportbund planen dazu gemeinsam verschiedene Aktivitäten.

So findet nach der Auftaktveranstaltung am 23. Januar in Waltershausen vom 02. bis zum 07. März eine Festwoche zum 225-jährigen Bestehen der Salzmannschule in Schnepfenthal statt. Weitere Höhepunkte sind unter anderem der Junior-Cross im Rahmen des GutsMuths-Rennsteiglaufes am 16. Mai in Schmiedefeld, die Festwoche vom 10. bis 14. August am Jenaer GutsMuths-Sportgymnasium oder die Schulsportkonferenz am 28. und 29. August in Bad Blankenburg.
Begründer der Turnbewegung

Anlässlich des 250. Geburtstags von Johann Christoph Friedrich GutsMuths soll das "Jahr des Schulsports" außerdem das Leben und Wirken sowie die Verdienste um die Anfänge des Schulsports in Thüringen gewürdigt werden, teilte Kultusminister Bernward Müller (CDU) mit. Johann Christoph Friedrich GutsMuths wirkte seit 1785 als Lehrer an der Salzmannschule in Schnepfenthal. Als Begründer der Turnbewegung ist er weltweit bekannt geworden.

23.1. 2009 Ostthüringische Zeitung
Kommentar

Unter die Räder gekommen
Schulsport wird in Thüringen hoch gehalten - nur hapert er an allen Ecken und Enden

Wenn es um die Bedeutung des Schulsports geht, sind sich alle einig: Das Kultusministerium, der Landesportbund Thüringen, die Lehrerschaft und natürlich die Parteien.

Schulsport, so heißt es da beispielsweise im Vorfeld des heute beginnenden "Jahr des Schulsports" im Freistaat aus dem Kultusministerium, ist immens wichtig für Kinder und Jugendliche. Die Schüler brauchen Bewegung, Sport und Spiel. Dieser Aussage schließt sich auch der Landessportbund an. Immerhin 10 bis 15 Prozent der deutschen Kinder sind übergewichtig.

Uneinig ist man sich indes über die Gründe, warum Schulsport offensichtlich immer weniger seinem Ziel gerecht wird: Dass möglichst alle Kinder und Jugendliche regelmäßig Sport treiben. Von Defiziten ist da die Rede, von mangelnder Zusammenarbeit, von falschen Konzepten und vom Sparen am falschen Platz. Ergebnis unterm Strich: Der Schulsport in Thüringen ist unter die Räder gekommen, obwohl alle um eine Verbesserung kämpfen.

Rolf Busch, Chef des Thüringer Lehrerverbandes (tlv), sieht in der Konzentration auf die harten Fächer wie Mathe, Biologie oder Deutsch einen wesentlichen Grund, warum der Schulsport am Boden liegt. "Pisa- oder Iglu-Ergebnisse im Ländervergleich gehen vor. Damit sind die anderen Fächer - auch der Sport - in den Hintergrund gedrängt worden", beschreibt Busch die Misere aus seiner Sicht. Seine Forderung: Wenn man die gravierenden Folgen von Bewegungsarmut und Fehlernährung bei den Kindern und Jugendlichen in den Griff bekommen will, müsse auch die Schule einen größeren Beitrag über den Schulsport leisten und mehr an die Generation "XXL" denken. An Lehrern dürfte es jedenfalls nicht mangeln, meint Busch mit Blick auf die von Gerichten gekippte Teilzeitverbeamtung, wonach wieder mehr Lehrer in Vollzeitbeschäftigung sind.

Dennoch: Obwohl in der Regel drei Stunden Sport an den Schulen vorgesehen sind, ist die Zahl der ausgefallenen Stunden hoch. 1926 Stunden pro Woche fielen im November 2008 an den staatlichen allgemeinbildenden Schulen aus, wie Ministeriumssprecher Gregor Hermann einräumte. Ursache seien neben hohen Krankenständen auch Weiterbildungen gewesen.

Beim Landessportbund vermisst man hingegen die engere Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen. An den Schulen müsse endlich ein von Fachleuten realisierter und auch Leistung abfordernder Sportunterricht stattfinden, sagt Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes (LSB). Engere Bindungen würden es dann auch ermöglichen, dass die oftmals parallel nebeneinander wirkenden Systeme Schule und Sport zum Wohle der Gesundheit der Kinder gemeinsam in eine Richtung agieren.

Birgit Pelke, sportpolitische Sprecherin der SDP-Landtagsfraktion, macht auch den Investitionsstau dafür verantwortlich, warum der Schulsport an einigen Schulen ein Nischendasein fristet. So seien die Investitionen in Schulgebäude und damit auch in Turnhallen von 40 Euro pro Kopf in 2004 auf 29 Euro im Jahr 2007 gesunken. Gerade weil immer noch viele Turnhallen marode oder wegen Schulfusionen um- und ausgebaut werden müssen, fordert ihre Fraktion Investitionen von 40 Millionen Euro in die Substanz. Das Geld sieht sie trotz rückläufiger Schülerzahlen gut angelegt: "Manche Vereine haben Mühe, eine Turnhalle für ihre sportlichen Aktivitäten stundenweise nutzen zu können." LSB-Sprecher Hendrik Neukirchner kann dem nur zustimmen. Bei den Thüringer Sportstätten bestünde immer noch ein Investitionsbedarf bis zu einer Milliarde Euro.


Sportunterricht.de

15.1.2009 - DOSB

Stärkung des Sports für Kinder und Jugendliche mit Behinderung
 
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Kultusministerkonferenz (KMK) haben gemeinsam erarbeitete Handlungsempfehlungen zum Sport für Kinder und Jugendliche mit Behinderung beschlossen.

Die Handlungsempfehlungen beziehen sich einerseits auf die speziellen Erfordernisse an Förderschulen, andererseits auf Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen in Regelschulen. Damit sollen sie - ergänzend zu den bereits im Jahr 2007 vorgestellten „Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Schulsport“ - zur Integration und Gleichstellung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung beitragen. In Ablösung früherer Vereinbarungen berücksichtigt die Empfehlung den in den letzten Jahren vollzogenen Paradigmenwechsel im Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten. Sie flankiert das begonnene Pilotprojekt „Jugend trainiert für Paralympics“ und die Erprobungs-phase „Bundesjugendspiele für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung“.

Der Deutsche Olympische Sportbund und die Kultusministerkonferenz haben unter Beteiligung der Deutschen Sportjugend (dsj) und des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) die an verschiedene Zielgruppen gerichteten Handlungsempfehlungen zu folgenden vier Themenbereichen erarbeitet:

1. Schule als Bewegungs-, Spiel- und Sportwelt für Kinder und Jugendliche mit Behinderung
Die Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung durch Bewegung, Spiel und Sport soll auf der Grundlage zeitgemäßer Bewegungs- und sportpädagogischer Erkenntnisse in der täglichen Schulpraxis an Schulen umgesetzt werden. Dabei sollen die behinderungsbedingt unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler im Sinne einer individuellen und gemeinschaftlichen Förderung Berücksichtigung finden.

An die Schulträger richtet sich die Forderung nach behindertengerechten Sportstätten und entsprechender Ausstattung mit Sportgeräten. Den Eltern soll aufgezeigt werden, wie sie die Entwicklung ihrer Kinder fördern können. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, welche Bedeutung Bewegung, Spiel und Sport für die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder haben.

2. Sportunterricht und außerunterrichtlicher Schulsport für Kinder und Jugendliche mit Behinderung
Bereits in den im Jahr 2007 beschlossenen Handlungsempfehlungen steht die Forderung, im Sportunterricht einen besonderer Fokus auf die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung zu richten. Nun wird diese Forderung dahingehend präzisiert, dass die Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, die eine allgemeine oder berufsbildende Schule besuchen, auch am regulären Sportunterricht sowie an schulsportlichen Wettkämpfen, Spiel- und Sportfesten im schulischen und außerschulischen Bereich (z.B. Bundesjugendspiele, Jugend trainiert für Paralympics, Spielfeste, etc.) teilnehmen sollen. Die hierzu erforderliche Bereitschaft aller Verantwortlichen, für die Integration von Menschen mit Behinderung entsprechende Bedingungen zu schaffen, wird angemahnt.

3. Sportangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung im außerschulischen Bereich
Sportangebote für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf im außerschulischen Bereich sind noch weiter auszubauen. Dabei sind die Voraussetzungen zu schaffen, die es den Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung ermöglichen, sich im Wettkampf zu messen und eine Talentförderung zu erfahren. Zur wohnortnahen Versorgung mit außerschulischen Sportangeboten für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollten daher die Möglichkeiten der allgemeinen Sportvereine genutzt werden. Die Sportorganisationen werden aufgefordert, gemeinsam mit Schulen Veranstaltungen durchzu-führen, bei denen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung miteinander Sport treiben.

4. Qualifizierung von Lehrkräften und weiteren im Schulsport eingesetzten Personen
Vor dem Hintergrund, dass der Bedarf an sportpädagogisch und sonderpädagogisch in gleicher Weise qualifizierten Lehrkräften in absehbarer Zeit noch nicht gedeckt werden kann, ist die Lehreraus-, fort und weiterbildung für diesen Bereich weiter zu entwickeln. Hochschulen und Lehrerfortbildungsinstitute sollen sich verstärkt mit pädagogischen und didaktischen Aspekten des Behinderten und Integrationssports auseinandersetzen und entsprechende Aus- und Fort-bildungsmaßnahmen anbieten.

Ebenso ist die diesbezügliche Qualifizierung von Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie weiterer Personen, die sich für den Sport für Menschen mit Behinderung etwa im Ganztags-bereich (Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter) engagieren wollen, weiterzuentwickeln.
 



Sportunterricht.de

14.1. 2009 -  DOSB

Sport, Spiel und Bewegung für Kinder
 
2009 will die Deutsche Sportjugend (dsj) den Sport und seine Bedeutung für Schule, Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen verstärkt in den Vordergrund rücken, gab der dsj-Geschäftsführer Martin Schönwandt bekannt.

Lange bevor die Kultusminister der Länder Mitte Oktober beschlossen, den qualifizierten Sportunterricht in den Grundschulen gemeinsam mit den Bildungsinhalten Kunst und Musik in einem Studienbereich „Ästhetische Bildung“ aufgehen zu lassen, hat sich die dsj des Themas angenommen. Mit der  verhängnisvollen bildungspolitischen Botschaft aus der Vorweihnachtszeit sei noch einmal erhärtet worden, wie wichtig und zeitgemäß es ist, „gerade dieses Thema und sein Potential im Neuen Jahr mehr nach vorn und in die Öffentlichkeit zu schieben“, so Schönwandt.

Welchen Stellenwert Sport, Spiel und Bewegung derzeit im Bildungssystem genießen, diese Frage wird am 19. und 20. März zunächst in einer Experten-Anhörung in Münster im Mittelpunkt stehen. Der Disput soll dann im Rahmen des Hochschultages der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS), der vom 16. bis 18. September ebenfalls in Münster abgehalten wird, fortgeführt werden. „Wir müssen Anlässe schaffen, um die Potentiale des Sports gerade für Kinder und Jugendliche deutlich zu machen und diese Werte zu artikulieren“, unterstreicht Schönwandt. „Ansonsten laufen wir Gefahr, dass Sport bildungspolitisch unterschätzt und dass Sport zunehmend zur Seite geschoben wird und ins Abseits gerät.“ 

Fatale analytische Unterlassungen 
Wie berechtigt diese Sorge ist, das zeigt sich allein im jüngst veröffentlichten Zweiten Kinder- und Jugendsportbericht, der von einem Wissenschaftlerteam der Universität Duisburg-Essen erstellt wurde. Unter der Überschrift „Mangelnde Berücksichtigung von Bewegung und Sport“ weist Professor Werner Schmidt darauf hin, dass selbst vom Bund in Auftrag gegebene zentrale Studien den Sport und seine Bedeutung für die Heranwachsenden geflissentlich ausblenden. Beispielsweise berücksichtige der 12. Kinder- und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2005 weder in seinem theoretischen Teil noch im Teil seiner empirischen Untersuchungen „die psychomotorische Frühförderung, die informellen Bewegungs-, Spiel und Sportangebote und erst recht nicht den Sportverein“.

Darüber hinaus werde in dem Bericht glatt die Erkenntnis ausgespart, dass die allermeisten Nachmittagstermine von Kindern im Alter zwischen 4 und 12 Jahren allein auf den Sport entfallen. Bei 69 Prozent dieser Kids sei dies der Fall, während Freizeitbeschäftigungen wie Musik (11,9 Prozent), Kunst (2,7 Prozent) oder kirchliche Aktivitäten (6,4 Prozent) weit dahinter rangieren. Für die allermeisten Kids - manche Studien besagen, für 80 Prozent von ihnen - sind alle Aktivitäten mit und um den Sport herum die absoluten Favoriten des Alltags. Spätestens seit den 90er Jahren ist dies als Binsenweisheit bekannt. Obwohl Sport bezogene Hobbys und aktives Sporttreiben erwiesenermaßen sogar als das wesentliche Erkennungszeichen für die Phase der Kindheit gelten, existiert laut Schmidt dessen ungeachtet eine „nicht nachvollziehbare Unkenntnis der Bedeutung von Bewegung und Sport“. Ein bizarrer gesellschaftlicher Widerspruch ist dies. Ein Paradoxon geradezu, das in den Schlussfolgerungen des neuesten Kinder- und Jugendsport-berichts sein adäquates Abbild findet. „6! Setzen!“, so lautet hier - salopp formuliert - das gleichermaßen grundlegende wie bedenkliche Fazit. Sämtliche Untersuchungen zeigten einerseits die herausragende Bedeutung von Bewegung, Sport und Spiel. Andererseits würden diese Effekte weder anerkannt noch fänden sie in praktischen Maßnahmen Berücksichtigung. 

Sportstunden als latente Ungleichung 
Ein Bild sei „16fach gebrochen“, berichtet Martin Schönwandt in Anspielung auf die unterschiedlichen Ausprägungen staatlicher Schulsportangebote in jedem einzelnen Bundesland und die föderale Komponente des bundesdeutschen Bildungssystems. Sport ist leider keines der PISA-Fächer und befindet sich in steter Konkurrenz zu anderen Fächern. Zu einem seiner großen Nachteile - leider auch aus Sicht vieler Eltern - gereicht diesem Fach laut Schönwandt, dass, anders als beim Diktat, einer gelösten Matheaufgabe oder einer hübsch gemalten Landkarte, bei den Leibesübungen oft genug ihr bleibender Wert entweder übersehen oder gering geschätzt wird. Wenig glücklich wirkt aktuell zudem, dass mehr als die Hälfte der Sportstunden von Lehrern betreut werden, die in diesem Metier nicht ausgebildet und Amateure statt professionelle Sportpädagogen sind. Haushaltstechnisch scheint es für die Landespolitiker vor diesem Hintergrund die einfachste Lösung, die Sportstunden dem begrenzten Personal anzupassen als anders herum dafür sorgen, angemessen viele Lehrer so gut auszubilden, dass drei Stunden Unterricht pro Woche in jeder Altersklasse und überall zum Standard werden könnten. Hinsichtlich der „Bewegungslehre“ beim Nachwuchs im Kindergarten- und schulpflichtigen Alter gehört Deutschland im Vergleich mit Skandinavien inzwischen zu den Entwicklungsländern, so haben Wissenschaftler festgestellt. 

Pausenlos und laut Alarm schlagen 
Offensichtlich lässt sich der große Widerspruch zwischen Wert und Wirklichkeit in diesem Fach so einfach nicht aus der Welt schaffen. Nach Lage der Dinge jedoch bleibt dem Dachverband und allen anderen Freunden und Förderern kindlichen Bewegungsdrangs nichts anderes übrig, als andauernd auf die Dringlichkeit des Themas hinzuweisen und pausenlos und lauter als bisher Alarm zu schlagen. Dabei gilt es nicht nur, die rein körperlichen Komponenten zu betonen und darauf hinzuweisen, dass regelmäßige körperliche Ertüchtigung Kids und Heranwachsende aktiv, gesund und belastbar macht. Zugleich sind die sozialen Nebenwirkungen und die Effekte für die etwa zum Teamwork gehörenden Charaktereigenschaften nicht zu unterschätzen.

Überdies hat ein adäquates Sportangebot an Kindergärten und Schulen jedweden Typs auch etwas mit gelebter Demokratie zu tun. Wie man spätestens seit der so genannten Sprint-Studie aus dem Jahr 2006 zur Situation des Sportunterrichts an Grundschulen weiß, schätzen die überwiegende Zahl der Mädchen und Jungen dieses Alters den Sportunterricht. Der Nachwuchs fühlt sich dabei äußerst wohl. Ein kindlicher Tenor, den die schulpolitische Elite mit ihrer Absage an qualifizierte Sportstunden ebenso ignoriert wie Warnungen von Medizinern. Mehr als 50 Studien aus den Jahren 2002 bis 2006 bezeugen den Rückgang motorischer Fähigkeiten bei Kindern. Bei den 6- bis 10-Jährigen - der Generation des so genannten „goldenen Lernalters“ also - stagniert in dieser Phase die Leistungsfähigkeit in Relation zum Körpergewicht. Ein Phänomen, das zwei Ursachen hat. Bewegungsmangel und die Neigung zu Übergewicht. Ein natürliches Geschwisterpaar, das keine Altersklasse zu verschonen scheint. 

Für eine „Allianz zwischen Politik, Schule, Eltern und Sport“ 
Trotz aller Kritik an den derzeit objektiv unbefriedigenden Zuständen hält Schönwandt nichts davon, das Schulsystem als Gegner des organisierten Sports zu definieren. Der zukunftsfähigere Weg besteht für den 55 Jahre alten Diplom-Pädagogen vielmehr in einer „Allianz zwischen Politik, Schule, Eltern und Sport“. Wobei die Sportvereine allerdings weder in der Lage seien noch in die Situation gebracht werden dürften, als „Ausputzer“ für die Versäumnisse des Sportunterrichts herzuhalten. „Wir müssen mit unseren Argumenten stärker wuchern als bisher. Wir müssen in die Offensive kommen und vehementer fordern, mehr qualifizierten Sportunterricht anzubieten. Dasselbe gilt für den Kindergarten“, erklärt Schönwandt den Sinn und Zweck der Bildungsoffensive 2009. Flankierend wirken Instrumente wie der Deutsche Schulsportpreis, der im Jahr 2010 das nächste Mal verliehen wird, oder der alljährliche ausgelobte dsj-Zukunftspreis „Kinder und Bewegung“. Schließlich führen positive Beispiele am authentischsten und überzeugendsten vor Augen, dass es auch anders geht



 

Sportunterricht.de

9. 1. 2009 - Bietigheimer Zeitung

An jedem Tag eine Sportstunde nötig
Prof. Renate Zimmer im Interview: Große Defizite an der Grundschule und im Kindergarten
 
Der Deutsche Olympische Sportbund hat Alarm geschlagen. Einmal mehr steht der Stellenwert des Schulsports auf dem Prüfstand. Prof. Renate Zimmer (Osnabrück), Autorin des 2. Kinder- und Jugendsportberichts, sagt, was besser werden muss.

Frau Prof. Zimmer, immer mehr Kinder und Jugendliche leiden wegen Bewegungsmangel unter Haltungsschwächen, Rücken- und Herz-Kreislauf-Problemen sowie Übergewichtigkeit. Um wie viel Prozent sind die körperlichen Fähigkeiten von Kindern schlechter geworden?

PROF. RENATE ZIMMER: Wir haben in unserer Studie bei Vier- bis Sechs-Jährigen festgestellt, dass die sich in den vergangenen 15 Jahren um 10 Prozent verschlechtert haben. Die Daten können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich einige verbessert haben, die Mehrheit sich aber noch mehr verschlechtert hat. Der Schereneffekt ist eindeutig größer geworden.

In der Grundschule könnte einiges an guter Bewegungserziehung getan werden. In Baden-Württemberg - und in anderen Bundesländern ist es nicht viel anders - wird der Sport aber bis zu 70 Prozent fachfremd von Grundschullehrern erteilt, die keine Sportausbildung haben. Wie beurteilen Sie die Situation?

ZIMMER: Das ist alles andere als der Idealzustand. Das ließe sich schnell abändern, wenn bei neuen Lehrern ein stärkerer Akzent auf die Sportausbildung gelegt würde.

Besserung ist aber nicht in Sicht. Zum Jahresende hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, dass der Sportunterricht bei der Ausbildung der Grundschullehrer in einem Bereich "Ästhetische Bildung" zusammen mit Kunst und Musik abgehandelt werden soll. An Bedeutung wird der Sport dadurch gewiss nicht gewinnen, der Deutsche Olympische Sportbund hat ja schon protestiert.

ZIMMER: Ich bin grundsätzlich gegen diese Änderung. Die Gefahr ist: Wenn ein Fach mit einem größeren Bereich zusammengeschlossen wird, wird es nicht aufgewertet, sondern es geht unter. Bremen hat das ja schon so gemacht, da hat es eine Reihe von negativen Erfahrungen gegeben. Die fachspezifischen Inhalte gehen einfach verloren.

Widerspricht das nicht den Handlungsempfehlungen, die die Kultusministerkonferenz 2007 mit dem DOSB zur Weiterentwicklung des Schulsports verabschiedet hat?

ZIMMER: Eigentlich ist die Ästhetische Bildung ja mein Ansatz von Sport. Aber ich bin selbst gegen die Änderung, weil ich sie nicht für sinnvoll halte. Der Stellenwert wird da verwässert und gefährdet.

Müssten die Grundschulkinder denn nicht die besten Sportlehrer haben und nicht die schlechtesten, weil am schlechtesten ausgebildet?

ZIMMER: Auch in die Kindergärten gehören die Besten, die können am meisten erreichen. Nicht im Sport ausgebildete Lehrer empfinden die Situation in der Sporthalle als belastend, z. B. beim Geräteaufbau mit lebhaften Kindern. Für jemand, der das nicht im Studium erfahren hat, ist die Situation unübersichtlich, der versteckt sich doch eher hinter Ballspielen. Ich halte im Sport auch nichts vom Klassenlehrerprinzip.

In Baden-Württemberg geht es mit der für sinnvoll erachteten bewegungsorientierten Grundschule nur zäh voran: Nur 500 von 2500 Grundschulen haben diesen Schwerpunkt. ZIMMER: Da gibt es auch in anderen Bundesländern eine Menge zu tun. Man könnte auch den Unterricht in anderen Fächern körperorientierter gestalten. Die Kultusministerkonferenz wäre gut beraten, das zu fördern. Eigentlich braucht jeder Grundschullehrer eine Ausbildung in Körpererziehung. Von Elternseite müsste mehr gefordert werden.

Die Schüler haben wöchentlich drei Stunden Sportunterricht, wenn er denn überhaupt erteilt wird und nicht ausfällt. Kann das ausreichen?

ZIMMER: Das ist die unterste Grenze. Eigentlich braucht man jeden Tag eine Sportstunde. Da könnte man tatsächlich differenzieren und jeden Tag einen neuen Schwerpunkt machen: mit Musik, im Freien oder in einem bewegungsreich gestalteten Klassenraum.

Im 2. Kinder- und Jugendsportbericht haben Sie und Ihre Kollegen bemängelt, dass kaum eine Erzieherin im Kindergarten eine vollständige Ausbildung erhält, wie sie sportliche Bewegung vermitteln soll.

ZIMMER: Wir haben nach der Veröffentlichung böse Rückmeldungen von Fachschulen bekommen. Ich weiß, dass es keine Berufsgruppe gibt, die so weiterbildungswillig ist wie die Erzieher. Und die Anforderungen an sie sind ja auch immens hoch: Sie sollen die Sprache fördern, musizieren und über Bewegung Bescheid wissen.

Bewegungsmäßig könnte im Kindergarten aber viel mehr getan werden.

ZIMMER: Die Ausbildung ist Ländersache. Das kann mal gut gehen, weil an einigen Fachschulen viel Wert auf Bewegung gelegt wird. Das kommt oft auf die Schulleiter an. Dass ist aber nur an einigen Orten so, es müsste flächendeckend sein.

Wird in Deutschland zu früh für einzelne Sportarten spezialisiert?

ZIMMER: Wir haben gegenüber den Vereinen immer deutlich gemacht, dass in den ersten Jahren die allgemeine koordinative Schulung wichtig ist. Die Spezialisierung darf frühestens mit neun oder zehn Jahren erfolgen. Irgendwie ist es verständlich, dass z. B. der Handball-Bund schon Vier- bis Fünfjährige handballmäßig schulen will. Aber das ist nicht vernünftig.

14- bis 18-Jährige wenden sich oftmals von den Vereinen ab, was machen die denn falsch?

ZIMMER: Das ist die nachpubertäre Zeit. Ich würde mehr auf den sozialen Zusammenhang setzen und die soziale Gruppe und den Zusammenhalt fördern. Die Strategie der Vereine ist manchmal etwas falsch. Die Jugendlichen müssten auch mehr in die Verantwortung genommen werden. Man müsste ihnen zeigen: Wir brauchen Dich! 


 


 
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