- Leistungsabfall trotz Trainings -
.Was ist eigentlich Übertraining ?


Training als Anpassungsvorgang     |   Text: Beim Krafttraining ist weniger oft mehr
 
 
     Manchmal machen wir die Erfahrung, dass intensives Training nicht zur erhofften Leistungssteigerung führt und teilweise sogar massive Leistungseinbußen festzustellen sind. Was ist passiert?
Ein Erklärungsansatz stellt die Theorie des "Übertrainings" bzw. das "Übertrainingssyndrom" dar.

"...Das Übertrainingssyndrom stellt nach wie vor eine sportmedizinische Herausforderung dar.

Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose bei trotz Regeneration mindestens ca. zwei Wochen anhaltendem Leistungsabfall ohne nachweisbare organisch krankhafte Ursache. Warnsymptome sind eine Verschlechterung der Leistungsfähigkeit bzw. der Technik mit verzögerter Erholung im Training und das Auftreten von Befindlichkeitsstörungen wie das Gefühl einer schweren Arbeitsmuskulatur und Schlafstörungen.
 

Die submaximale ergometrische Leistungsfähigkeit ist unverändert, die maximale Kurzzeitausdauerleistung in den meisten Sportarten erniedrigt. Die Bestimmung von Blutparametern unter Ruhebedingungen lässt die Diagnose eines Übertrainingssyndroms nicht zu. ....

Das Übertrainingssyndrom (ÜTS; engl. ”overtraining syndrome”, ”staleness”) ist charakterisiert durch einen Abfall der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit trotz weitergeführtem oder sogar intensiviertem Training mit teilweise ausgeprägten Befindlichkeitsstörungen, der auch nach einer verlängerten Regenerationsphase von (willkürlich festgelegten) 2 bis 3 Wochen noch nachweisbar ist. Bei einer kürzeren Dauer spricht man eher von einem Überlastungszustand (engl. ”overreaching”). "Übertraining" bezeichnet eigentlich nur den überlastenden Trainingsprozess per se....

Häufigste Ursache für einen Überlastungszustand sind über einen längeren Zeitraum wiederholt absolvierte hohe Trainingsintensitäten, insbesondere im anaerob-laktaziden oder hochintensiven Ausdauerbereich, hohe, innerhalb kurzer Zeit angestiegene Trainingsumfänge oder zu häufige Wettkämpfe. Nicht selten liegt auch eine zu hohe Intensität (evtl. auch Dauer) des zwischen den einzelnen Belastungsreizen liegenden regenerativ geplanten Trainings vor: Ständige monotone Belastungen sind problematischer als hohe Reizspitzen mit jeweils konsequenter Erholung.
 


 Häufig sind zusätzliche, bei der Trainings- und Wettkampfplanung unberücksichtigte, Stressfaktoren von wesentlicher Bedeutung. Hierzu gehören Prüfungssituationen, Beziehungsprobleme, ständige Engpässe im täglichen Zeitmanagement, zu schnelle Wiederaufnahme des gewohnten Trainings nach Infekten, ungenügende Regeneration in der Woche nach Trainingslagern mit hohen Belastungsumfängen, einseitige Ernährung mit ungenügender Nährstoffdichte oder eine unzureichende Höhenadaptation (oftmals zu intensives Training in der ersten Woche).
...
Obwohl das ÜTS nach wie vor eine der gefürchtetsten ”Erkrankungen” (besser ”Funktionsstörung”) des Leistungssportlers darstellt, existiert bis heute kein etabliertes Diagnoseschema. Insgesamt handelt es sich
um ein komplexes multifaktorielles Geschehen mit unterschiedlichen Stadien und teilweise auch unterschiedlichen Symptomen in den verschiedenen Sportarten (ausdauer- oder kraftbetont).

Typischerweise wird über ein Gefühl einer schweren Arbeitsmuskulatur (”schwere Beine” bei Radfahrern, Triathleten und Läufern) geklagt, das bereits bei ungewöhnlich niedrigen Belastungsintensitäten im Training, aber auch bei Alltagsbelastungen auftreten kann. Weitere häufige Beschwerden sind chronische Müdigkeit und Schlafstörungen..."


Urhausen A, Kindermann W.
In: Jahrgang 53, Nr. 4 (2002) DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN 121
Zeitschrift für Sportmedizin
 
 
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Vorsicht Übertraining
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