Reafferenz
Rückinformation über den Verlauf oder das Ergebnis einer Bewegung

"...Regelung ist nur möglich auf der Grundlage rückgekoppelter Informationen, physiologisch ausgedrückt: auf der Grundlage der Reafferenz. Darunter sind Rückmeldungen, das heißt auf afferentem Wege übermittelte Informationen über den Verlauf der Bewegung zu verstehen. Sie werden auch als Bewegungsempfindungen bezeichnet.

Diese Rückmeldungen können folgender Art sein:

Sie geben beispielsweise beim Hochsprung die jeweilige Lage des Schwungbeines oder des ganzen Körpers zur Latte während der Hauptphase an;

oder signalisieren bei den alpinen Skidisziplinen den Verlauf der Richtungsänderungen, die dabei erreichten Lageverhältnisse in bezug auf die Torstangen, den Verlauf der Piste, die jeweilige Gleichgewichtslage;

oder informieren bei der Anwendung eines verzögerten Fallwurfes im Handballspiel besonders über die Reaktionen des Gegners, auch über die erreichte Gliederstellung und die vorhandenen Bewegungsgrößen als Grundlage für die präzise, genau gezielte Ausführung des Wurfes.

Das Regelsystem des Ringers erhält durch die Reafferenz Informationen, inwieweit der Gegner dem ausgeübten Zug oder Druck Widerstand entgegensetzt oder nachgibt und inwieweit die eigene aufgewendete Kraft ausreicht. Beim Speerwerfer, Diskuswerfer und bei der Gymnastin werden neben der Information über den Verlauf der Gesamtbewegung sowie über die Bewegungen und Verlagerungen der einzelnen Körperteile auch Informationen über die Bewegungen der Handgeräte gewonnen. Hinsichtlich des Inhaltes der auf reafferentem Wege übermittelten Informationen trifft ANOCHIN ...folgende Unterscheidung, die für das Verständnis des Koordinationsprozesses wesentlich ist: Er unterscheidet die bewegungslenkende (auch »bewegungsrichtende«) von der resultativen Reafferenz (Ergebnisinformation)...

Die bewegungslenkende Reafferenz erfolgt vorwiegend auf dem Wege über die kinästhetischen Signale, die durch die Reizung der Propriorezeptoren in den Muskeln, Sehnen und Gelenken während des Bewegungsvollzuges entstehen.

Unter der resultativen Reafferenz wird die komplexe Information über den Erfolg der programmierten Handlung verstanden. Sie erfolgt etappenweise als sukzessive Information über das Ergebnis der Teilschritte des Gesamtverlaufes und bei Abschluß des Bewegungsaktes als endgültige oder sanktionierende Reafferenz ...

Ein ganz wesentlicher Teilvorgang in der Informationsverarbeitung ist die Zusammenfassung, die Synthese aus all den verschiedenartigen Afferenzen und Reafferenzen. Wir bezeichnen diesen Vorgang nach ANOCHIN als Afferenzsynthese.

(Meinel/Schnabel, 1998, S.46/47)


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