Sport und Gesellschaft
  Politische Parteien und Sport

 
Welche Vorstellungen über die Bedeutung und die Aufgaben des Sports haben die Parteien?
Die Textauszüge ermöglichen einen ersten Eindruck. 
Es empfiehlt sich, nach aktuellen Stellungnahmen zu suchen.

  SPD  | CDU | Bündnis 90 /Die Grünen | FDP | Die Linke
 


 
SPD Sportprgramm (ausführlich) Hamburger Programm der SPD (2007)
"Sport ist ein wichtiger Teil unserer Kultur. Er dient der Gesundheit,vermittelt Toleranz und Fairness, verbindet Menschen und hilft, soziale Gegensätze zu überwinden. Deshalb fördern wir den Breiten-, Leistungs und Behindertensport und seine Vereine. Dazu gehört der Kampf gegen Doping."
Sportprogramm der SPD
Beschlossen von der Kommission "Freizeit und Sport" des SPD-Parteivorstandes am 1.4.1993 in Leipzig
I. Sport und das kulturelle Leben

"Sport ist ein wesentlicher Teil der Kultur. Er trägt zu Lebensqualität und Lebensfreude bei." Im Berliner Programm von 1989 hat die SPD so ihre Grundposition beschrieben.
Der Sport als ein zusammenfassender Ausdruck der heutigen Bewegungs-, Spiel- und Leibeskultur leistet in unserer Gesellschaft weder austauschbare noch ersetzbare Beiträge zur individuellen und sozialen Entfaltung des Menschen.

Individuelle Entfaltung

Menschen können nur ins Leben hineinwachsen, die Welt nur "begreifen" wenn sie sich bewegen. In einer vom Bewegungsmangel geprägten Lebenswelt bietet der Sport notwendige Bewegungsformen und Bewegungsräume. Er hilft den Menschen, den "aufrechten Gang" zu lernen.
Sinnliche, körperliche und materiale Erfahrungen lassen den Menschen im Sport seine Ganzheitlichkeit bewusst werden.
Dem Spiel, einem Ursprungsphänomen der Kultur, begegnen vor allem Kinder und Jugendliche heute zunehmend über den Sport. Er wird damit zu einem Ort der Freiheit und Selbstverwirklichung. Sport erschließt Raum für die Entfaltung der Kreativität, er vermittelt ästhetische und meditative Erfahrungen ebenso wie Erlebnis und Abenteuer.

Leistungsvielfalt und Leistungsgrenzen werden individuell erfahren, aber auch Leistungsnormen der Gemeinschaft werden erlebt.
Der Sport dient der Gesundheit; er trägt zum körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefinden bei.
Der Sport kann Bildung und Erziehung fördern. Er eröffnet Wege der Selbsterfahrung und Selbstbestimmung, der Selbstbewahrung und der Eigenleistung. Er bietet ein Feld des sozialen Handelns. Faires Verhalten kann erprobt und erworben werden.
Immer mehr Menschen suchen und finden heute über den Sport Naturbegegnung und Naturerleben. Sie vertiefen dabei ihre Kenntnisse über die Natur.
Der Sport ist ein immer bedeutsamer werdender Bestandteil der Freizeit. Seine Vielfalt der Inhalte und Angebotsformen kann durch selbstbestimmte Gestaltung zu mehr Zeitsouveränität führen.
Der Sport ist schließlich eine gute Unterhaltung. Er kann zur Kultivierung des Zuschauens beitragen.
 

Neue Kultur des Zusammenlebens

Für eine neue Kultur des Zusammenlebens schafft der Sport grundlegende soziale Erfahrungen. Damit vermag er zwischenmenschliche Bindungen zu festigen sowie nationale und internationale Solidarität zu stärken.
Die Vereinskultur als Basis der Sportkultur kann sich nur entwickeln, wo Begegnung, Kommunikation und Geselligkeit gelingen. Die Vielfalt der ehrenamtlichen Tätigkeiten und der Sportpraxis schaffen Handlungsfelder zum Erlernen demokratischer Tugenden.
Die über 75000 Vereine des DSB basieren auf Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Selbstverwaltung. Die sportliche und gesellige Begegnung in offenen Vereinen ermöglicht partnerschaftliche Beziehungen zu Menschen aller gesellschaftlichen Schichten.
Die Zielsetzung "Sport für alle" enthält den Anspruch, allen die gleiche Chance zur Teilnahme an diesem Bereich der modernen Kultur zu eröffnen. Mit den Programmen der "Sozialen Offensive" sucht der Sport Defizite abzubauen, Behinderten und Notleidenden zu helfen. Soziale Gerechtigkeit erfordert, daß der Staat in subsidiärer Hilfe diese Bemühungen intensiv unterstützt.
In unserer zunehmend multikulturell geprägten Gesellschaft kann der Sport in besonderer Weise die Integration ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger fördern; er vermag durch seine Kontaktmöglichkeiten, die nicht nur auf die Sprache angewiesen sind, Isolation und Fremdheit zu überwinden und Toleranz zu wecken.
Die moderne Festkultur erfährt durch den Sport mit seinen vielfältigen Veranstaltungsformen eine wesentliche Bereicherung.
Der Sport wird so mehr und mehr zu einem Wegbereiter der Urbanität. Er macht unsere Städte menschlicher und kann zu Identität und zu städtischem Selbstbewusstsein beitragen. In diesem Sinne müssen in das Leitbild der menschengerechten Stadt die Elemente einer sportgerechten Stadt aufgenommen werden.
In einer sich anbahnenden Weltgesellschaft wird der Sport zum bedeutenden Symbol der Integration aller Rassen und Völker. Getragen von einer über Ideologien, Kulturen und Nationen hinausgehenden Zustimmung in der ganzen Welt kann der Sport eine den Frieden fördernde Wirkung ausüben. Seine Bindekräfte führen wie bei keinem anderen Begegnungsfeld die Völker der Welt zusammen.

Gefährdung des Sports

Im Prozess der Modernisierung der Gesellschaft werden aber auch immer deutlicher die Probleme des Sports erkennbar.
Besonders dort, wo die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen in der Umwelt bedroht sind, zeichnen sich Grenzen des Sportwachstums ab. Gewaltausübung und Unfairness bedrohen die Kultur des Sports ebenso wie pharmakologische Leistungsmanipulation (Doping).
Die Zeitgeschichte bietet zahlreiche Beispiele für die Instrumentalisierung und Fremdbestimmung des Sports. Bedingt durch die Konfrontation der politischen Systeme zwischen Ost und West hat in der Vergangenheit auf deutschem Boden eine beispiellose Konkurrenz im Spitzensport stattgefunden. Das politische System der DDR entwickelte - mit z.T. inhumanen Mitteln - einen überaus erfolgreichen Spitzensport. Andere wesentliche Bereiche des Sports wurden vernachlässigt.
Eine Fortsetzung des ideologisch motivierten Wettkampfes der Systeme im Sport muß angesichts der weltweiten politischen Entwicklungen und des Entspannungsprozesses als Relikt früherer Zeiten bezeichnet werden. Jegliche Form der Instrumentalisierung des Sports für ideologische Ziele verbietet sich aus unserem sozialdemokratischen Verständnis von Sport.
Auch eine verstärkte Kommerzialisierung bedroht die Freiheit und Selbstbestimmung des Sports. Sport darf nicht nur ein Konsum-, Dienstleistungs- oder Wirtschaftsgut werden, er muß im Wandel der Werte vor allem ein Kulturgut bleiben.
Angesichts der humanitären Werte des Sports ist der Staat aufgefordert, durch entsprechende Fördermaßnahmen und ordnungspolitische Rahmensetzungen den Sport zu schützen und seine Autonomie zu gewährleisten.

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CDUSportprgramm (ausführlich)
Grundsätze der CDU-Sportpolitik

Die CDU misst dem Sport hohe gesellschaftspolitische Bedeutung zu. Sie will diese Bedeutung im Bewusstsein der Öffentlichkeit stärken und den Sport vielfältig fördern, damit sein Wert für die Gesellschafts-, Bildungs- und Gesundheitspolitik mehr als bisher anerkannt wird.

Sport ist ein wichtiger Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Er wirkt den Folgen des Bewegungsmangels entgegen und fördert gesundheitsgerechtes Verhalten weit über die unmittelbare sportliche Betätigung hinaus.

Durch vernünftige Sportausübung können gesundheitliche Risikofaktoren verringert und zugleich die Kosten im Gesundheitswesen gedämpft werden. Sportärztliche Vorsorgeuntersuchungen sollen sportwilligen Bürgern und Bürgerinnen die Wahl der für sie am besten geeigneten Sportart erleichtern.

Grundlagen für lebenslanges Sporttreiben sollen früh gelegt, und der Wunsch nach sportlicher Freizeitgestaltung soll dauerhaft gefestigt werden. Möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern muß der Zugang zu den vielfältigen Formen des Sports eröffnet werden.

Träger des Sports sind Vereine und deren Organisationen, die ihre Aufgaben in freier Selbstverwaltung überwiegend ehrenamtlich leisten. Die Sportvereine wirken gesellschaftlich integrierend und sind Teil der kommunalen Kultur; ihre Arbeit dient dem Gemeinwohl und ist deshalb öffentlich zu fördern.

Für die CDU sind Unabhängigkeit und Selbstverantwortung des Sports Grundsätze partnerschaftlicher Sportpolitik.

Zur ganzheitlichen Erziehung des Menschen gehört neben der Entwicklung geistiger, seelischer und musisch-kultureller Fähigkeiten auch der Sport. Bewegungserziehung im Vorschulalter sowie Sport an Schule und Hochschule sind wichtiger Bestandteil der Erziehung junger Menschen. Hier können Grundlagen für sportliche Betätigung und aktive Freizeitgestaltung bis ins Alter gelegt werden.

Die CDU fordert daher die tägliche Bewegungszeit bzw. Sportstunde in Kindergarten und Schule und tritt für ein differenziertes Sportangebot an der Hochschule ein.

Wesentliches Merkmal des Sports ist der Leistungsgedanke. Dies gilt nicht nur im Spitzensport. Die Sportbewegung ist eine Einheit, ihre Grundlage ist der Breitensport. Der Spitzensport regt mit seiner Vorbildfunktion zur Sportausübung an. Die CDU bekennt sich zum Leistungsprinzip auch im Sport. Sie will Breiten- und Spitzensport angemessen fördern. Der Breitensport soll jedem Bürger die Möglichkeit bieten, nach seinen Neigungen und Fähigkeiten Sport zu treiben. Die Förderung des Spitzensports dient auch der Repräsentation des Landes; sie muß unseren Athleten und Athletinnen international gleiche Chancen ermöglichen. Beim Streben nach sportlicher Leistung müssen die ethischen und moralischen Grundsätze des Sports gewahrt werden.
 

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Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2005

Mehr Sport und Spiel für eine bewegte Gesellschaft

Wir setzen uns für bessere Rahmenbedingungen für Sport und Bewegung ein.
Dabei spielen Breiten- wie Spitzensport eine maßgebliche Rolle, die Integration und Gesundheitsprävention stärkt.
Es muss zu einer neuen Offensive im Sportstätten(um)bau kommen und wir brauchen mehr Sportgelegenheiten für eine spiel- und bewegungsfreundliche Umwelt. Dabei wollen wir die Prinzipien der Ökologie, Nachhaltigkeit und der demografischen Entwicklung beachten. Miteinander gewinnen und verlieren können und in Gemeinschaft Sport treiben sind neben der Gesundheitsprävention wichtige Erfahrungen in allen Altersgruppen, die Zivilgesellschaft und bürgerliches Engagement festigen.

Ehrenamtliches Engagement im Sport wollen wir fördern. Durch den Sport werden weltweit Brücken gebaut und Verbindungen geknüpft. Er ist daher ein besonders geeignetes Mittel in der internationalen Zusammenarbeit, um zu mehr Kulturaustausch und Völkerverständigung zu kommen. Wir fordern einen »sauberen«, das heißt dopingfreien und fairen, Spitzensport. Wir wollen die Möglichkeiten, die die Fußball-WM 2006 und weitere Sportgroßveranstaltungen in unserem Land bieten, dafür nutzen, um deutlich zu machen, dass Deutschland ein modernes, weltoffenes und sportfreundliches Land ist. Die Organisationsreform des deutschen Sports, mit dem Ziel, den Deutschen Sportbund und das Nationale Olympische Komitee zu einer schlanken und schlagkräftigen Sportorganisation zusammenzuführen, unterstützen wir ausdrücklich.
 


Pressemitteilung vom 21.05.2003

BERLIN. Zur öffentlichen Anhörung von Sachverständigen zum FDP-Antrag "Die Kompetenzen
des Sports bei Prävention und Rehabilitation besser nutzen" am heutigen Tage erklärt der
sportpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Detlef PARR:

Die FDP begrüßt die einhellige Unterstützung aller Sachverständigen Prävention und
Rehabilitation über den Sport zukünftig stärker zu fördern. Dem angeschlossen haben sich
Sachverständige der Sportmedizin und -wissenschaft, des Deutschen Sportbundes, des
Deutschen Behindertensportverbandes, der Krankenkassen und der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung. Die Zeit der Lippenbekenntnisse sei vorbei, konkretes Handeln
notwendig.
Daten aus der Schweiz, den USA und Kanada belegen eindeutig die
gesundheitsökonomischen Effekte körperlicher Aktivität. In der Schweiz sind Einsparungen von
1,6 Milliarden Franken jährlich ermittelt worden. In den USA und Kanada steht einer Investition
von 1 US-Dollar eine Einsparung für das Gesundheitssystem von 3,2 US-Dollar gegenüber.
Die Krankenkassen räumten ein, dass sie die im SGB V (§ 20) gesetzlich empfohlenen 2,62 €
pro Versicherten und Jahr nicht voll ausgeschöpft haben.
Notwendig ist für die Zukunft die koordinierte Zusammenarbeit von Schulen, Sportverbänden
und -vereinen, sowie kommerziellen Anbietern und Krankenkassen. Und zwar auf allen
politischen Ebenen in Bund, Ländern und Kommunen. Dabei muss der Gesundheitsvorsorge
besonderen Rang eingeräumt werden. Der gesundheitliche Zustand vor allem der Jugendlichen
ist besorgniserregend. Die dritte Sportstunde und tägliche Bewegungszeiten in unseren
Schulen müssen dringend angeboten werden. Für den Reha-Sport sollen die verkürzten
Behandlungszeiten kritisch überprüft werden.

 


 
 
Sportpolitische Grundsätze der PDS (2000)

Kultur schließt Sport als untrennbaren Bestandteil der Selbstverwirklichung der Menschen ein und bedeutet, nach Erhaltung und Festigung der Gesundheit, nach einer besseren Leistungsfähigkeit zu streben sowie aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Niemand darf wegen seiner Rasse, Abstammung, Nationalität oder Sprache, seiner wirtschaftlichen oder sozialen Lage, seines Geschlechts, Alters oder einer Behinderung, seiner religiösen, weltanschaulichen oder politischen Anschauungen wegen benachteiligt bzw. diskriminiert und vom Sport ausgeschlossen werden.

Aufgrund der Bedeutung des Sports für die Gesellschaft, seiner spezifischen Funktion und seiner integrativen Möglichkeiten betrachtet die PDS den Sport als Gegenstand und ein Feld ihres politisches Wirkens für ein demokratisches, antifaschistisches, friedliches, sozial gerechtes und ökologisches Gemeinwesen,  für die Verwirklichung der Menschenrechte in Gesellschaft und Staat, für die Gleichstellung und das partnerschaftliche Zusammenwirken aller Menschen.

Damit bewahrt und pflegt die PDS die humanistischen und völkerverbindenden Werte des Sports.
Die PDS tritt entschieden dafür ein, daß jede staatliche und gesellschaftliche Sportförderung vorrangig der sportlichen Betätigung, der Gesundheit und dem sozialen Wohlbefinden der Menschen von der frühen Kindheit an bis ins hohe Alter dienen sollen. Angesichts der zunehmenden Widersprüche, die sich auch in der Sportförderung auf allen Ebenen zeigen und des überall verbreiteten finanziellen Notstands für gemeinnützige Vereine sowie beim  Erhalt und Neubau von Sportstätten in der Bundesrepublik.
 
 


Fit durch Sport

Ob Fußball, Speerwurf, Laufen oder Tischtennis - sportliche Betätigung ist wichtig. Das gilt nicht nur für den Erhalt der Gesundheit, sondern auch für das Selbstbewusstsein und den Gemeinschaftssinn von  Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Doch der Sport ächzt unter erheblichen finanziellen Engpässen.

Deshalb fordert die PDS, die Förderung des Sports als Staatsziel in der Verfassung und als Pflichtaufgabe der Länder und Kommunen festzuschreiben. Die Sportvereine müssen Sporteinrichtungen kostenlos nutzen dürfen. Dem Bund wollen wir aufgeben, nicht nur den Hochleistungssport Erwachsener, sondern auch des Nachwuchses zu fördern und dabei SportlerInnen mit und ohne Behinderungen gleich zu behandeln. Ehrenamtlicher Tätigkeit in Sportvereinen wollen wir durch ein Gesetz zum Ehrenamt gesellschaftliche Anerkennung verschaffen.

Plenarprotokoll 14/29




 

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