Beweglichkeit, Dehnen, Funktionsgymnastik - Neue Theorien



Das Thema Dehnen im Sport bleibt umstritten.
Einige aktuelle Texte sollen dies deutlich machen.
 

A. Klee: Update Dehnen (2013)
Dehnen, Stretching und Flexibilität (Uni Wuppertal)
Beweglichkeit, Dehnen, Funktionsgymnastik - neue Theorien
Methoden und Wirkungen des Dehntrainings
Neue Erkenntnisse aus der Trainingslehre: Verschiedene Dehnungsmethoden im Vergleich
Text: Funktionsgymnastik /Stretching aber richtig
Beweglichkeit, Dehnen, Funktionsgymnastik (Neue Theorien)
Neue Erkenntnisse aus der Trainingslehre erfahrbar machen:
Verschiedene Dehnungsmethoden im Vergleich (2006)

Stretching verhindert keine Verletzungen (engl.) Auszug
Eine australische Untersuchung (2002) 

Dehngymnastik (Wikipedia)

 
 

Dehnen im Sport - Sinnvoll oder verzichtbar ?
Dr. A. Klee (Uni Wuppertal) - (2008)

Zur Effektivität des Dehnens
Aktuelle Zusammenfassung des Forschungsstandes (Uni Saarbrücken, 2004)

Verschiedene Dehnungsmethoden im Vergleich
Neue Erkenntnisse aus der Trainingslehre erfahrbar machen (Uni Wuppertal)
 

Klee, A. (2006): Zur Wirkung des Dehnungstrainings als Verletzungsprophylaxe
 
 
 

 

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Stretching beim Sport ist sinnvoll, nicht aber vor einem Wettkampf

Bevor es mit Dehnübungen losgeht, müssen die Muskeln warm sein

Sind Dehnübungen für die Katz, wenn es darum geht, beim Sport Muskelkater und Verletzungen zu vermeiden? Das legt zumindest eine Studie aus Australien nahe. Wird, wie beim Stretching, jedoch langsam gedehnt, kann dies das Verletzungsrisiko durchaus vermindern, sind deutsche Sportmediziner überzeugt.

Kaum ein Sportler, ob Profi oder Gelegenheitsjogger, verzichtet auf die Prozedur: Vor und nach dem Training werden einige Minuten lang die Muskeln gedehnt. Diese Zeit kann man sich sparen, urteilen Forscher der Universität Sydney in Australien. Egal ob die Muskeln vor, während oder nach dem Sport durch Stretching gedehnt werden, hat demnach keine signifikanten Auswirkungen auf das Verletzungsrisiko oder auf die Stärke des Muskelkaters, folgern sie aus einer Analyse von fünf Studien zu Stretching.

So pauschal kann man dies jedoch nicht sagen, berichtet Professor Dietmar Schmidtbleicher von der Universität Frankfurt der "Ärzte Zeitung". Schließlich gebe es auch genug Studien, die das Gegenteil belegten. Stretching, das heißt die Muskeln werden langsam gedehnt und die Dehnung wird lange gehalten. Dies, so der Sportmediziner, vermindere den Muskeltonus. Damit bringen die Muskeln zwar nicht mehr die maximale Kraft, das Verletzungsrisiko sinke jedoch ebenfalls.

Anders sehe es aus bei kurzen wippenden und zerrenden Dehnübungen, wie sie oft zur Leistungssteigerung vor dem Sport gemacht werden. Diese erhöhten den Tonus, damit die Muskelleistung, aber auch das Verletzungsrisiko.

"Entscheidend ist also, wer dehnt", so Schmidtbleicher. "Wer in den Wettkampf geht, darf vorher nicht stretchen, sonst reduziert er damit seine Siegchancen, für Hobbysportler ist Stretching aber prima."

Und hilft Dehnen gegen Muskelkater? Nicht unbedingt, so Schmidtbleicher. Wenn nach dem Sport bereits Mikrorisse in den Muskelfasern bestehen, können sie durch Dehnen vergrößert werden.

Solche Mikrorisse, die zu Muskelkater führen, können auch dann entstehen, wenn Muskeln beim Dehnen vor dem Sport noch kalt sind, warnt Professor Klaus Jung aus Mainz und rät: Erst Lockerungsübungen, dann Stretching.

(Ärtztezeitung 5.9. 2002)

Die gesamte Untersuchung im Internet




Klee, A. (2006):
Zur Wirkung des Dehnungstrainings als Verletzungsprophylaxe
eine Analyse der empirischen Untersuchungen unter besonderer Berücksichtigung der Verletzungsarten.
In: Sportwissenschaft, Heft 1, S. 23- 38.

Die Metaanalysen und Übersichtsarbeiten zu diesem Thema kommen zu dem
Schluss, dass die gesichteten empirischen Untersuchungen
widersprüchliche Ergebnisse liefern und dass man dem Dehnungstraining
keine bzw. nur eine geringe Wirkung bei der Verletzungsprophylaxe
beimessen kann. Die eigene Bewertung dieser Primärstudien zeigt, dass
bei der Beurteilung dieser Frage ausschlaggebend ist, welche
Aussagefähigkeit man den einzelnen empirischen Untersuchungen zubilligt.

Ein entscheidender Filter ist, von welchen Verletzungen man glaubt, dass
diese durch Dehnungstraining vermieden werden können. Hält man dies vor
allem für akute Sehnenverletzungen und für Muskelzerrungen und
-faserrisse für möglich und weniger für andere akute Muskelverletzungen
(Muskelprellungen) und weniger für akute Verletzungen und
Überlastungsschäden von anderen Strukturen (Bänder, Schleimbeutel,
Gelenke, Knochen), verlieren eine ganze Reihe von Untersuchungen ihre
Bedeutung, da in diesen die verschiedenen Verletzungsarten
undifferenziert erhoben und/oder ausgewertet wurden. Somit ist es zu
früh zu resümieren, Dehnen hätte keine Bedeutung bei der Vorbeugung von
Verletzungen, es sei denn, man betont bei dieser Aussage ausdrücklich,
dass mit Verletzungen alle Verletzungen aller Strukturen gemeint sind
und nicht ausschließlich Muskelzerrungen. Zwei neuere Untersuchungen
lassen eher den Schluss zu, dass Zerrungen durch Dehnungstraining
reduziert werden können.

Vor kurzem habe ich dieses Ergebnis in einer aktuellen internationalen
Publikation bestätigt gefunden:

Res Sports Med. 2008 Jul-Sep;16(3):213-31.
A systematic review into the efficacy of static stretching as part of a
warm-up for the prevention of exercise-related injury.
Small K, Mc Naughton L, Matthews M.
Department of Sport, Health and Exercise Science, University of Hull,
Hull, England.

A systematic review of the literature was undertaken to assess the
efficacy of static stretching as part of the warm-up for the prevention
of exercise-related injuries. Computer-aided literature search for
articles post-1990 and pre-January 2008 related to static stretching and
injury prevention using MEDLINE, SPORT Discus, PubMed, and ScienceDirect
databases. All relevant randomised clinical trials (RCTs) and controlled
clinical trials (CCTs) satisfying inclusion/exclusion criteria were
evaluated by methodological assessment to score the studies using
accredited criteria. Seven out of 364 studies met the
inclusion/exclusion criteria. All four RCTs concluded that static
stretching was ineffective in reducing the incidence of exercise-related
injury, and only one of the three CCTs concluded that static stretching
did reduce the incidence of exercise-related injury. Three out of the
seven studies noted significant reductions in musculotendinous and
ligament injuries following a static stretching protocol despite
nonsignificant reductions in the all-injury risk. All RCTs scored over
50 points (maximum possible score = 100), whereas all CCTs scored under
45 points. There is moderate to strong evidence that routine application
of static stretching does not reduce overall injury rates. There is
preliminary evidence, however, that static stretching may reduce
musculotendinous injuries.

A. Klee
www.biowiss-sport.de/kl-welcome.htm
 
 
 

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