Übersicht LK Sport

 

Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
(WIAD-Studie 2000)


Ergebnisse der Studie

.
Sport spielt nach wie vor eine herausragende Rolle
Mädchen treiben weniger Sport als Jungen
Jugendliche in höheren Altersgruppen treiben weniger Sport
Kinder sportlich aktiver Eltern treiben mehr Sport
Jugendliches Sportengagement in Ost und West gleicht sich an
Traditionelle Sportarten dominieren bei Jugendlichen
Jugendliche hätten gerne mehr Sportunterricht
Sportmotorische Leistungsfähigkeit verschlechtert sich
Schlussfolgerung
 

1. Sport- und Bewegungsaktivitäten spielen im Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen nach wie vor eine herausragende Rolle.

In den Ranglisten der Freizeitaktivitäten ist der Sport, vor allem im Jugendalter, nicht nur auf den ersten Rängen zu finden, sondern er steht auch in aller Regel vor seinen stärksten Konkurrenten wie Computer oder Fernsehen.

Für knapp die Hälfte aller Jugendlichen ist Sport 'wichtig' oder sogar 'eine der wichtigsten Sachen im Leben'.

Nach eigenen Angaben treiben ungefähr 84% der 12- bis 18-Jährigen über die obligatorischen zwei Schulstunden hinaus Sport. 34% verwenden sogar 6 Stunden und mehr pro Woche auf ihre sportlichen Aktivitäten.

Somit kann zunächst festgehalten werden, dass Sport- und Bewegungsaktivitäten sowohl in ihrer Bedeutung als auch im Zeitbudget der Kinder und Jugendlichen eine sehr große Rolle spielen. Bei genauerem Hinsehen aber erkennt man deutliche Unterschiede in Abhängigkeit vom Geschlecht, vom Alter oder auch vom Elternhaus.

 

 
2. Mädchen treiben deutlich weniger Sport als Jungen.

Für mehr als die Hälfte der Jungen (51%), aber nur für gut 40% der Mädchen ist Sport 'wichtig' oder sogar 'eine der wichtigsten Sachen im Leben'.

Ungefähr ein Viertel aller Mädchen (24,5%) treibt maximal 1-2 Stunden Sport pro Woche, d.h., ein Viertel der Mädchen betätigt sich nicht über den Schulsport hinaus. Bei den Jungen liegt dieser Anteil mit 16,5% deutlich niedriger.

Diese Tendenz schlägt sich auch im Vereinssport nieder: Mädchen weisen mit ca. 47% eine deutlich niedrigere Organisationsquote in Sportvereinen auf als Jungen mit 66%.

Mit zunehmendem Alter nimmt bei beiden Geschlechtern die sog. Sportvereinsquote ab (Jungen zwischen 12 und 18 Jahren von 71% auf 57%; Mädchen gleichen Alters von 57% auf 33%). Ab etwa dem 15. Lebensjahr ist mit steigender Tendenz die Mehrheit der Mädchen nicht mehr im Sportverein. Bei den Jungen dagegen bleibt der Anteil der Vereinsmitglieder durchgängig deutlich über dem der Nichtmitglieder.

 

 
3. Jugendliche der höheren Altersgruppen (17 und 18 Jahre) treiben weniger Sport.

Während der Anteil der weitgehend Sportabstinenten, die sich über den Schulsport hinaus nicht sportlich betätigen, in der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen bei knapp 14% liegt, trifft dies bei den 17- bis 18-Jährigen schon für ein Viertel der Befragten zu.

Dieser Alterseffekt ist teilweise durch das Ausscheiden aus der Schule bedingt. Jugendliche, die noch zur Schule gehen, sind in dieser Lebensphase sportlich aktiver als gleich alte Jugendliche, die die Schule bereits verlassen haben. Der Einstieg in ein Leben nach der Schule ist damit häufig gleichbedeutend mit dem Ausstieg aus dem Sport.

 

 
4. Kinder, deren Eltern aktive Sportler sind, treiben deutlich mehr Sport als Kinder inaktiver Eltern.

Während 38% der Kinder aktiver Eltern 6 Stunden und mehr in der Woche Sport treiben, sind dies bei den Kindern inaktiver Eltern nur 29%. Entsprechend liegt der Prozentsatz derjenigen, die zwei Stunden oder weniger in der Woche Sport treiben, d.h. die über den Schulsport hinaus nicht aktiv sind, bei den Kindern inaktiver Eltern bei gut 21%, während diese Gruppe bei den Kindern aktiver Eltern nur rund 12% ausmacht.

Eltern sind somit nach wie vor ein wichtiges Vorbild für ihre Kinder in Bezug auf Sport und Bewegung.

 

 
5. Nachdem das Sportengagement der ostdeutschen Jugendlichen nach der Wende stark rückläufig war, ist die allmählich erfolgte Angleichung inzwischen weit fortgeschritten.

In den neunziger Jahren haben die ostdeutschen Jugendlichen deutlich weniger Sport getrieben als die westdeutschen und waren entsprechend auch in geringerem Maße in Sportvereinen organisiert.

Es deutet allerdings viel darauf hin, dass dies vor allem auf einen Zusammenbruch der Strukturen der organisierten Freizeit im Allgemeinen und des organisierten Sports im Besonderen zurückzuführen war. Schon während der neunziger Jahre hat es sich abgezeichnet, dass dieses Vakuum zunehmend durch nachwachsende Strukturen ersetzt wurde und in diesem Zuge auch das Sportengagement der Kinder und Jugendlichen wieder zugenommen hat.

Bei der Menge des Sporttreibens können heute keine auffälligen Unterschiede mehr zwischen Ost- und Westdeutschland festgestellt werden.

Allerdings sind nach wie vor mit 50% signifikant weniger ostdeutsche Jugendliche in Sportvereinen organisiert als westdeutsche, die zu 57% Sport im Verein treiben. Darüber hinaus liegt auch die Quote derjenigen, die noch nie in einem Sportvereinen waren, mit 21% in Ostdeutschland deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtpopulation von 14% aller Befragten.

 

 
6. Auch bei den Jugendlichen dominieren weitestgehend traditionelle Sportarten. Von den so genannten neuen oder Trendsportarten hat sich nur das Inline-Skating auf breiter Ebene etabliert.

Besonders in den Sportvereinen betreiben die Jugendlichen hauptsächlich die traditionellen Sportarten. Es dominieren in der Rangliste Fußball (31%), Tennis (13%), Volleyball (10%), Handball (8%), Schwimmen (8%) Reiten (7%), Tischtennis (7%), Tanzen (6%), Leichtathletik (5%) und Basketball (4%).

Außerhalb der Vereine hat das Inline-Skating viele andere Sportarten überflügelt. Viele Vereinssportarten werden in der Freizeit außerhalb der Vereine erwartungsgemäß kaum ausgeübt. In der Rangfolge werden vor allem Rad Fahren (67%), Inline-Skating (42%), Fußball (40%), Schwimmen (40%), Jogging (30%), Tischtennis (25%), Basketball (22%), Fitnesstraining (18%), Volleyball (14%) und Squash/Badminton (12%) betrieben.

 

 
7. Die überwiegende Mehrheit der Schüler nennt den Schulsport als Lieblingsfach. Etwa 60% aller Befragten hätte entsprechend gern mehr Sportunterricht.

Unabhängig davon, ob sie nur 1 bis 2 oder 3 und mehr Stunden Schulsport pro Woche haben, wünschen sich etwa 60% der Schüler mehr Sportunterricht. Dieser Wunsch wird auch dadurch bestärkt, dass der Sportunterricht von der Mehrheit als Lieblingsfach angegeben wird und knapp zwei Drittel ihrem Sportunterricht die Noten ‚gut' oder ‚sehr gut' geben. Beide Tendenzen nehmen allerdings mit zunehmendem Alter deutlich ab und sind bei Mädchen weniger stark ausgeprägt als bei Jungen.

Etwa 13% des Sportunterrichts fallen nach Angaben der Schüler aus. Ungefähr die Hälfte der Befragten gibt an, dass der Sportunterricht aufgrund von Raummangel oder aufgrund mangelhafter Sportgeräte manchmal oder sogar häufig beeinträchtigt ist.

Grundsätzlich entsprechen die Inhalte des Sportunterrichts dem, was sich die Schüler wünschen. Nicht jede Mode muss demnach vom Sportunterricht aufgegriffen werden. Allerdings führt mit dem Inline-Skating bei 51% der Befragten eine relativ neue Sportart die Wunschliste für den Sportunterricht an.

 

 
8. Die sportmotorische Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen verschlechtert sich.

Eine Vielzahl von Untersuchungen deutet darauf hin, dass sich die sportmotorischen Fähigkeiten, also z.B. Ausdauer, Kraft und Koordinationsfähigkeit, der Kinder und Jugendlichen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten verschlechtert haben.

Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass die Datenlage in diesem Bereich defizitär und der Ergebnisstand aus diesem Grund uneinheitlich ist. Bislang gibt es keine breit angelegten Untersuchungen die diesen Zeittrend auf Basis einheitlicher Parameter untersucht haben.

Die beobachtete negative Tendenz kann aber von den Ergebnissen unserer eigenen Untersuchung bestätigt werden: Ein Bewegungs-Check-Up unter 313 Schülern der Klassen 5 bis 11, bestehend aus dem Münchner Fitnesstest und einem Kurzfragebogen, weist verglichen mit Ergebnissen von 1985 aber auch von 1995 bei den meisten Übungen deutliche Verschlechterungen auf. Dies betrifft vor allem konditionelle und koordinative Fähigkeiten wie Rhythmusfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit, Schnellkraft, Dehnfähigkeit und Ausdauerfähigkeit.

Dabei hat sich auch gezeigt, dass die Schüler - und hier vor allem die Jungen - ihre eigene Leistungsfähigkeit verglichen mit den Testergebnissen nahezu durchgängig als zu gut einschätzen. Damit einher geht eine hohe Selbstzufriedenheit mit der körperlichen Leistungsfähigkeit, die den objektiven Testergebnissen häufig nicht entspricht.

Überspitzt formuliert bedeutet dies, dass die Warnsignale einer mangelnden und abnehmenden körperlichen Leistungsfähigkeit noch nicht in den Köpfen der Betroffenen angekommen sind.

 
 
9. Schlussfolgerung: Das tatsächlich hohe Sportpensum und die allgemein sehr positiven Einstellungen zu Sport und Bewegung müssen als Potenziale verstärkt genutzt werden.

Der hohe Stellenwert, den der Sport im Spektrum aller möglichen Freizeitaktivitäten bei Kindern und Jugendlichen einnimmt, steht in krassem Gegensatz zu den Ergebnissen vergleichender sportmotorischer Untersuchungen.

Daraus kann geschlossen werden, dass ein hohes Sportengagement an sich noch nicht für eine ausgewogene Balance motorischer Grundfähigkeiten sorgt. Somit ergibt sich zum einen die Notwendigkeit, die Erforschung der Defizite weiter voranzutreiben. Zum anderen sind alle Bereiche der Gesundheitsversorgung sowie des organisierten und schulischen Sports aufgefordert, Angebot und Durchführung sportlicher Aktivitäten verstärkt auch auf eine Kompensation motorischer Defizite hin auszurichten.

Der Bewegungs-Check-Up in Schulen, wie er im Rahmen dieser Studie, aufbauend auf dem Münchner Fitnesstest von RUSCH/IRRGANG, entwickelt und getestet wurde, erfüllt neben seiner wissenschaftlichen Funktion insbesondere auch den Zweck, dass er Schülern, Sportlehrern und den für den Schulsport und Sport im Allgemeinen Verantwortlichen einen steten Überblick über die Entwicklung der sportmotorischen Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen und damit auch über Ansatzpunkte gibt, wie erkennbare Stärken gezielt unterstützt und Schwächen behoben werden können.

 

zurück
 Bewegungslehre   Trainingslehre  Sportsoziologie/-psychologie   Sport und Gesellschaft
Übersicht LK Sport