Koordinative Fähigkeiten und Sportpraxis
 (Modell von Hirtz)

Nach Hirtz lassen sich folgende 5 koordinative Fähigkeiten unterscheiden.
An dieser Stelle soll auch auf ihre allgemeine Bedeutung in der (Schul-)Sportpraxis, auf Lern- und Übungsmöglichkeiten
und auf ihren Zusammenhang untereinander eingegangen werden.
(Lit.: P. Hirtz: Koordinative Fähigkeiten im Schulsport, Berlin 1985)
 
1. Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit
2. Räumliche Orientierungsfähigkeit
3. Reaktionsfähigkeit
4. Rhythmusfähigkeit
5. Gleichgewichtsfähigkeit


 
Kinästhetische
Differenzierungsfähigkeit


 
 
 
 
 
 

 


Fähigkeit, einen Bewegungsablauf aufgrund einer feindifferenzierten und präzisierten Aufnahme und Verarbeitung vorwiegend kinästhetischer Informationen (Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken) mit hoher Genauigkeit vollziehen zu können.

Bedeutung in der Sportpraxis
In der Sportpraxis besitzt sie eine wesentliche Bedeutung in der feinmotorischen Abstimmung innerhalb von Bewegungshandlungen, in der Ökonomie von Teil- und Ganzbewegungen und in einer zweckmäßigen Muskelentspannung (Anspannung-Entspannung) erforderlich sind.

Lern- und Übungsmöglichkeiten
Die Differenzierungsfähigkeit verbessert sich durch Übungen, in denen die oben genannten Kriterien gefordert sind und durch häufige variantenreiche Wiederholungen.
Dadurch werden die Bewegungen zunehmend sicherer und  die Bewegungsqualität wird erhöht.

Zusammenhang zu anderen koordinativen Fähigkeiten
Der kinästhetische Differenzierungsfähigkeit hat einen zentralen Stellenwert innerhalb der koordinativen Fähigkeiten
(v.a. entscheidende Voraussetzung für Gleichgewichts- und Rhythmusfähigkeit).

 

Räumliche 
Orientierungsfähigkeit
 
 


Fähigkeit zur Bestimmung und  Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum.
Dabei ist die aktive Wahrnehmung der räumlichen Bedingungen der Handlung von besonderer Bedeutung. 

Bedeutung in der Sportpraxis
Ihre Praxisbedeutung ergibt sich aus der Dominanz visueller Informationen für Bewegungshandlungen in vielen Tätigkeitsbereichen.
 

Lern- und Übungsmöglichkeiten
In der Aneignungsphase von motorischen Lernprozessen, vor allem bei sämtlichen Sportarten, spielen die optischen Informationen eine bedeutende Rolle.
So können infolge einer effektiven Koordinationsschulung die Stellung des eigenen Körpers im Raum, die räumlichen Bedingungen, die Bewegungen der Mit- und Gegenspieler und die Rolle von Spielgeräten besser eingeschätzt werden.
 

Zusammenhang zu anderen koordinativen Fähigkeiten
Für die Reaktions-, Gleichgewichts- und Rhythmusfähigkeit trägt die räumliche Orientierungsfähigkeit Voraussetzungscharakter. Zur kinästhetischen Differenzierungsfähigkeit bestehen enge Beziehungen, da die räumliche Steuerung sich auch in wohldosierten Krafteinsätzen zeigt.

 

 Reaktionsfähigkeit
Fähigkeit einer schnellen zweck- und aufgabenentsprechenden Einleitung und Ausführung kurzzeitiger Bewegungshandlungen auf verschiedene Signale (optisch, taktil, akustisch) oder vorausgehende Bewegungshandlungen.

Bedeutung in der Sportpraxis
Ihre Bedeutung für die Sportpraxis ergibt sich aus der Notwendigkeit die Zeit zwischen Reizsetzung und motorischer Antwort zu verkürzen. Besonders bei Sportspielen und bei Startvorgängen (z. B. Laufen und Schwimmen) spielen sie eine wichtige Rolle.
 

Lern- und Übungsmöglichkeiten
Reaktionsübungen/Spiele, die eine schnelle Reaktionsfähigkeit erfordern.

 

 Rhythmusfähigkeit
 


Fähigkeit des Erfassens, Speicherns und Darstellens einer vorgegebenen oder im Bewegungsablauf enthaltenen zeitlich-dynamischen Gliederung.

Bedeutung in der Sportpraxis / Übungsmöglichkeiten
Jede Bewegung hat ihren eigenen Rhythmus. Die Bewegungsqualität wächst mit dem Erfassen und Umsetzen des Rhythmus einer Bewegung. 
In vielen Sportarten, wie der Leichtathletik (z.B. Anlaufrhythmus), den Sportspielen (z.B. Dribbeln beim Basketball) und bei tänzerischen und gymnastischen Elementen hat die Rhythmusfähigkeit einen leistungsbestimmenden Charakter.
 

Zusammenhang zu anderen koordinativen Fähigkeiten
In einem engen Wechselverhältnis fördert ein ausgeprägter Bewegungsrhythmus die Bewegungssicherheit. Enge Beziehungen bestehen zwischen der Rhythmus-, der kinästhetischen Differenzierungs-, der Muskelanspannungsfähigkeit (Anspannung-Entspannung).


 

Gleichgewichtsfähigkeit


Fähigkeit, einen intendierter Gleichgewichtszustand in Haltung oder Bewegung bei wechselnden Umweltbedingungen zu erreichen und aufrechtzuerhalten (statischem, dynamisches Gleichgewicht und Objektgleichgewicht).

Bedeutung in der Sportpraxis
Fast jede körperliche Übung beansprucht den Gleichgewichtssinn, fast jede sportliche Tätigkeit verlangt zuallererst eine ständige Erhaltung des Körpergleichgewichts.

Lern- und Übungsmöglichkeiten
Diese Fähigkeit wird insbesondere gefördert, wenn kleine oder sich bewegende Unterstützungsflächen ständige Verlagerungen des Körperschwerpunkte verlangen.
 

Zusammenhang zu anderen koordinativen Fähigkeiten
Zwischen Gleichgewichts-, kinästhetischer Differenzierungs- und räumliche Orientierungsfähigkeit bestehen enge Beziehungen, da eine wesentliche Grundlage von Gleichgewichtsleistungen das Zusammenspiel des statico-dynamischen, optischen und kinästhetischen Analysators bei der Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung ist.

Koordinative Fähigkeiten-Übersicht (Modell Meinel/Schnabel)


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