Milchsäure ist nicht Laktat

 
"Milchsäure ist lange Zeit für einige mehr oder weniger schmerzhafte Erscheinungen im menschlichen Körper verantwortlich gemacht worden. Heute nimmt man an, dass es sie in unserem Körper gar nicht gibt...

Milchsäure ist nicht Laktat
Während im deutschen Sprachgebrauch Milchsäure und Laktat in der Regel als Synonyme gebraucht wurden, unterscheidet man im englischen Sprachraum seit langem zwischen «lactic acid» und «lactate». Aus verschiedenen Gründen hat nun aber auch bei uns ein Umdenken stattgefunden. Da Milchsäure im Körpermilieu sofort in Laktat und Protonen zerfällt, gibt es sie in unserem Körper wahrscheinlich gar nicht. Wenn man weiß, dass Protonen positiv geladene Wasserstoffteilchen sind, wird klar, dass Laktat negativ geladen sein muss, also basisch und nicht sauer ist.

Endprodukt des Stoffwechsels
Aber wie entsteht Laktat im Muskel? Können die Kohlehydrate (Glukose) in der Muskulatur nicht in den Mitochondrien, den «Energiekraftwerken» in den Zellen verbrannt werden, so entsteht als Endprodukt Laktat. Gemeinsam mit einem Proton wird es dann durch die Muskelfasermembran transportiert - und dies in Richtung des Konzentrationsgradienten, d.h. dorthin, wo die Laktatkonzentration weniger hoch ist. Ist diese Konzentration im Blut tiefer als in der Muskulatur, so kann das Laktat die Muskelfaser zusammen mit einem Proton in die Blut bahnen verlassen.

Auswirkungen auf die Leistungsdiagnostik
Ändert diese «neue» Sichtweise etwas in der Leistungsdiagnostik? 
Solange Laktat und Protonen gemeinsam durch die Muskelmembran transportiert werden, wohl nicht. Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass die Übersäuerung - wie es der Name sagt - durch Protonen und nicht durch Laktat (und schon gar nicht durch Milchsäure) verursacht wird.
Weiter sei darauf hingewiesen, dass eine erhöhte Blutlaktatkonzentration nicht zwingend auf einen Sauerstoffmangel schliessen lässt. Außerdem wurde bereits vor zehn Jahren darauf hingewiesen, dass sich die tieferen Blutlaktatkonzentrationen von gut Trainierten vor allem durch eine bessere Verwertung des Blutlaktats - es wird vom Körper entweder vollständig zu C02 und H20 abgebaut oder in der Leber zurück in Glukose überführt- und nicht durch eine tiefere Laktatproduktion erklären lassen."

Prof. Dr. Urs Boutellier (Uni  Zürich) in "Mobile" 1/2007

Energiestoffwechsel

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