.
  Infotext - Warum ist die WM umstritten?

Unterricht - Unterrichtsideen


„Wenn Deutschland im Endspiel ist, fahre ich selbstverständlich hin.“
Bundeskanzler F. Merz in der Sendung "Caren Miosga", 3.5. 2026


Am 11. Juni beginnt eine WM, die so umstritten ist wie die letzte WM in Katar und die vorletzte in Russland.

104 Spiele finden diesmal statt - die umfangreichste WM aller Zeiten.
Eine Mega-WM mit 48 Mannschaften, 104 Spielen in 3 Ländern und in einem Zeitraum von über 5 Wochen.

Doch warum ist sie so umstritten?
Wem gehört die WM ? Den Fans, den Spielern oder geht es nur um Politik und Profit?







   
US-Präsident Trump scheint gewillt zu sein, die WM zur Propaganda für seine "Make America Great Again"-Kampgne (MAGA) zu nutzen. Offen unterstützt wird er dabei vom Präsidenten des Weltfußballverbandes FIFA, Gianni Infantino.
Der Deutsche Fußballbund (DFB) sieht zu.

Video (ZDF 24.5. 2026) - Fanfest oder Trump- FIFA-Show
Trump-Anbiederung auf die peinlichste Art (Video - Web.de)




Menschenrechtsverletzungen

Den USA werden Menschen- und Völkerrechtsverletzungen sowie Abbau und Bedrohung demokratischer Freiheiten vorgeworfen.
Amnesty International beklagt
Abschiebungen, Repressionen und Diskriminierung und fordert "Menschenrechte müssen bei der WM im Mittelpunkt stehen!"

Human Rights Watch
„Dies sollte eigentlich die erste Weltmeisterschaft überhaupt mit einem klaren Menschenrechtsrahmen sein: mit wichtigen Schutzmechanismen für Arbeiter*innen, Fans, Spieler und vulnerable Gruppen“, sagte Minky Worden, Direktorin für globale Initiativen bei Human Rights Watch. „Stattdessen führen die brutalen Maßnahmen der US-Regierung gegen Migrant*innen, ihre diskriminierende Politik und die Bedrohung der Pressefreiheit dazu, dass das Turnier Gefahr läuft, von Ausgrenzung und Angst geprägt zu sein.“

Die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) steht wegen einer massiven Zunahme von Gewalt, tödlichen Vorfällen und starker Militarisierung im Rahmen der Abschiebeoffensive der Trump-Administration unter massiver Kritik.

Menschenrechtsorganisationen listen mehrere Risiken für USA-Reisende auf: Sie müssen demnach auch während der Weltmeisterschaft mit einer willkürlichen Einreiseverweigerung, mit „Festnahme, Inhaftierung und/oder Abschiebung“ sowie mit Kontrollen ihrer elektronischen Geräte und Konten in Online-Netzwerken rechnen.

Video - Wie ICE in Trumps Auftrag die USA terrorisiert - Brutalität und Willkür (NTV)
Weitere Bilder (Google Bildersuche)

Fußball-WM 2026: Fußballfest oder Bühne für Menschenrechtsverletzungen?
Menschenrechtsorganisationen warnen Fans und Spieler vor Reisen zur WM ("Welt", 24. 4. 2026)




Völkerrechtsverletzungen - USA führt Krieg gegen Teilnehmerland

Völkerrechtler sind sich weitgehend einig, dass der Krieg gegen den Iran völkerrechtswidrig ist. Ebenso die Entführung des Präsidenten von Venezuela sowie angedrohte Maßnahmen gegen Kolumbien oder Kuba.

Almuth Schult, Fußball-Nationalspielerin:

"Wir haben bei der WM in Katar schon viel über Menschenrechte diskutiert. Jetzt hat das noch mal andere Dimensionen. Ich glaube, es war noch nie der Fall, dass ein WM-Ausrichter sich mit einem anderen Teilnehmer im Kriegszustand befunden hat.

Man kann das vom Fußball nicht weghalten, zumal wenn Fans von qualifizierten Ländern gar nicht einreisen dürfen. Wir sind mit der Weltpolitik und seinen vielen Unruheherden in einer neuen Findungsphase. Das macht einen traurig. Vielleicht hilft der Fußball, dass Konflikte wieder abebben? Ich weiß es nicht…

Einerseits wird gesagt, der Fußball sei nicht politisch, andererseits vergibt die Fifa einen Friedenspreis an US-Präsident Donald Trump. Deshalb bin ich gespannt, was mit der Eingabe der Norwegerin Lise Klaveness passiert, dies von der Fifa-Ethikkommission überprüfen zu lassen. Vermutlich wird das vor der WM gar nicht verhandelt." (Almuth Schult, Fußball-Nationalspielerin, FR 7.5. 2026)




    
Unterstützung von Trump durch FIFA-Präsident Infantino

Unter der Führung von Infantino hat sich die FIFA komplett in die Abhängigkeit von Diktatoren und Autokraten begeben – finanziell wie politisch.

Die Verleihung eines "Friedenspreises" an Trump anlässlich der WM-Auslosung in Washington hat viele rat- und sprachllos gemacht.

"Ich überreiche Ihnen diesen Preis im Namen der 5 Milliarden Fans." (Infantino)
 Aber gefragt wurden sie nicht.


Es sind die Fußballfans weltweit, die hilflos zusehen müssen, wie die Seele des Sports gegen ein Spektakel eingetauscht wird“, schrieb der englische „Mirror“.

"Der Skandal von Washington ist darin zu sehen, dass die FIFA der Politik, und dabei noch einer äußerst fragwürdigen menschenverachtenden und rassistischen Politik eine Bühne bot, wie sie weder zuvor und hoffentlich nie mehr wieder der Sport der Politik geboten hat".

So der Sportsoziologie Prof. Helmut Digel zur Verleihung des FIFA-Friedenspreises an Donald Trump.







Klima und Umwelt  -  Hohe Umweltbelastung

Mehr Teams, mehr Spiele, drei Ausrichternationen - die Fußball-Weltmeisterschaft 2026  wird nach einer Studie britischer Forscher doppelt soviele schädliche Treibhausgasemissionen verursachen wie die vergangenen Turniere.
Umweltbelastung bei WM 2026: Wie 6,5 Millionen Autos, die ein Jahr lang durchfahren.

Umstritten ist auch ein Hauptsponsor, der saudische Ölkonzern Saudi Aramco, der größte Öl- und Gaskonzern der Welt.
Ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf fossilen Energien basiert.
Vorwurf: Sportsponsoring, um das Image zu verbessern.

Das umweltschädlichste Turnier aller Zeiten (Sportschau)
Trotz der Klimaziele der FIFA: Warum die WM 2026 die klimaschädlichste aller Zeiten wird (ZDF)

ZDF-Dokumentation "Greenwashed? FIFA WM 2026: Grün ist hier nur der Rasen"

Ob dies mit den Umweltzielen des DFB in Einklang zu bringen ist - Wohl kaum.
 
"Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) baut sein Engagement für nachhaltigere Großveranstaltungen ...weiter aus. Ziel ist es, den ökologischen Fußabdruck  zu reduzieren, Ressourcen bewusster einzusetzen und Fans für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren.
"



Kommerzialisierung


Bei der Fußball-WM geht es um viel Geld. Der Weltfußballverband Fifa rechnet  mit 10,9 Milliarden Dollar (rund 9,3 Milliarden Euro).

10,9 Milliarden Dollar Umsatz – Die Fifa perfektioniert ihre Geldmaschine (Welt, 22.5. 2026)

Den größten Anteil der Einnahmen machen TV-Rechte und Werbung/Sponsoring aus, während Fans die höchsten Ticketpreise der WM-Geschichte zahlen müssen.

Alle 104 Spiele werden nach 22 Minuten für jeweils drei Minuten unterbrochen. Damit die Spieler etwas trinken können, sagt die FIFA. Damit die TV-Sender mit Werbung kräftig Kasse machen können, entgegnen die Kritiker. Beim Finale wird zudem die Pause für eine pompöse Halbzeitshow ausgedehnt, wahrscheinlich auf 30 Minuten.

Wer dachte, erst in acht Jahren zur WM in Saudi-Arabien würde sich das Sportswashing-Projekt des Wüstenstaats bei den großen Turnieren bemerkbar machen, liegt falsch. Denn: Auch die WM in diesem Sommer finanziert saudisches Geld mit.


11freunde.de


Demokratiedefizit und Korruptionsvorwürfe

Die FIFA wird oft wegen mangelnder demokratischer Strukturen, Intransparenz und der Bevorzugung autokratischer Systeme bei der Turniervergabe kritisiert. Dass ein Sportverband demokratische Regeln einhält, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Trotz formaler demokratischer Prozesse innerhalb ihrer Organisation – wie Wahlen durch die 211 Mitgliedsverbände – steht die Struktur im starken Kontrast zu den Werten, die sie vorgibt zu vertreten.
Die Macht und die Entscheidungen konzentrieren sich stark auf den Präsidenten (Gianni Infantino) und den FIFA-Rat, während die Basis und die Fans wenig Mitspracherecht haben.

Laut FIFA-Statuten soll der Weltfußball eigentlich „unpolitisch“ sein – eine Vorstellung, die schon immer weit entfernt war von der Realität. Russland, Katar und die Trump-USA werden hofiert. Auch die WM geht mit Saudi-Arabien an ein autokratisches System.
Die Vergabe der WMs ist immer wieder mit Korruptionsvorwürfen verbunden.

Dass die FIFA sich in ihren Statuten unter anderem zur Förderung von Menschenrechten und Antidiskriminierung verpflichtet, scheint für die Funktionäre der FIFA und ihren Präsidenten Gianni Infantino kein Widerspruch zu sein.




Bearbeitungshinweise

- Lies den Text durch - War war schon bekannt - was neu?
- Mit diesen Webseiten kannst du dein Wissen vertiefen
- Eigene Recherchen sind natürlich auch möglich und für aktuelle Entwicklungen sehr sinnvoll
- Fachbegriffe oder unbekannte Wörter kannst du mit der A-Z-Liste klären  
  (natürlich auch mit Google oder KI - aber möglichen Interessenshintergrund klären)


Weiterführende Überlegungen

- Lassen sich Fußball, Menschenrechte und Klimagerechtigkeit vereinen?
- Geht das nur in lokalen oder auch in nationalen und internationalen Strukturen des Profifußballs?
- Wo fangen meine persönlichen Einflussmöglichkeiten an und wo hören sie auf?



Weitere Unterrichtsmaterialien