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Körper- und Bewegungserfahrung
Überlegungen zur einer Turnstunde "Springen, Fliegen, Schwingen"
 
 

 


 


Körperspannung - 
grundlegende Erfahrungen beim Gerätturnen
 
 

Didaktische Überlegungen 
Turnen hat in den letzten Jahren einen erheblichen Bedeutungsverlust in der Schule zu verzeichnen. Dies ist einerseits auf die Einführung neuer und freizeitrelevanter Sportarten zurückzuführen. Andererseits wird von Schülerseite dieser Sportart nur wenig Begeisterung entgegengebracht.

Möglicherweise resultiert die Ablehnung des Turnens aus einer zu starken Orientierung an dem Sinnzusammenhang "Leistung und Wettkampf" bzw. normierter Bewegungsvorgaben und einer Vernachlässigung anderer Bewegungs-, Interaktions- und Sinnzusammenhänge.

Gerade Turnen bietet Erfahrungsmöglichkeiten, die in anderen Sportarten gar nicht oder nur bedingt zu erreichen sind: Beschleunigung des Körpers, Drehungen um die Körperachsen, Kopfübersein, Fliegen, Festhaltenmüssen und Festhaltenkönnen, Hoch-über-dem -Boden-Sein, Hin- und Herschwingen, Verlieren und Gewinnen des Gleichgewichts usw. 

Die damit angedeutete Möglichkeit, Gerätturnen als Bereich der "Körper- und Bewegungserfahrung" aufzufassen eröffnet der Turndidaktik und -methodik (neben der üblichen Klassifikation nach Geräten und Strukturgruppen) eine weitere Perspektive, die es wert ist, in der Schule aufgegriffen zu werden. Dies entspricht durchaus auch den Forderungen der Lehrpläne, über die rein motorischen Ziele hinauszugehen.

Die gekonnte Bewegung bleibt Ziel des Lernprozesses, die Wege dorthin müssen aber oft von den traditionellen Übungsreihen abweichen, um den Schülern weitere Lernmöglichkeiten und Erfahrungen zu ermöglichen.

Im Vollzug turnerischer Übungen und Elemente sollten die Schüler deshalb vielfältige motorische, soziale, materiale und kognitive Erfahrungen sammeln.


 
 

Didaktisch-methodische Überlegungen zur Stunde

Diese Stunde soll unter dem Aspekt der gezielten Wahrnehmungsschulung stattfinden, weil auf diese Weise gezielte Erfahrungen im Hinblick auf die Weiterentwicklung ihrer Turnfähigkeiten vermittelt werden können.

Ausgangs- und Endpunkt dieser Stunde bildet die kognitive Erfassung und praktische Erfahrung der Körperspannung und ihrer Funktionalität in verschiedenen (relativ einfach zu bewältigenden) Bewegungssituationen.

Bereits in der Aufwärmphase (mit Musik) sollen gezielt Körperwahrnehmungsaspekte angesprochen werden. Zunächst geht es darum, bewusst zu erfahren, was es heißt, den Körper anzuspannen.

Dies kann anhand von Aufgaben geschehen, die eine Körperspannung funktional notwendig erfordern. 

Falls Schwierigkeiten in dieser Lernphase auftauchen, kann der Effekt dieser Übungen durch kontrastives Arbeiten mit Spannung und Entspannung noch weiter verdeutlicht werden.

Ausgehend von diesen Erfahrungen und Erkenntnissen soll dann im nächsten Abschnitt die Funktionalität der Körperspannung auf einer höheren Stufe erfahren werden:
Beim Pendeln an den Ringen und beim Anflug zur Hocke am Kasten.
 


 
 
 
 


Die Einbeziehung der Schaukelringe mit ihrem weiträumigen und langdauernden Bewegungsverlauf ermöglichen für viele Schüler neue und interessante Bewegungserlebnisse. Die Pendelbewegung erfordert (verstärkt durch die lose Aufhängung der Ringe und die instabile Aufhängung des Körpers) die Körperspannung in einem hohen Maße, da ansonsten störende Zusatzbewegungen auftreten.

Für die Schüler ist der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gut sichtbar, so dass hier ein Anlass zur Analyse und Beprechung in der Gruppe gegeben ist.

Der andere Teil der Gruppe verdeutlicht sich das Prinzip der Körperspannung am Beispiel der Anflugphase bei der Hocke (bzw. Stützsprüngen generell) . Da dieser Bewegungsabschnitt für den Lernenden normalerweise nur schwer wahrzunehmen ist, kann durch taktile Unterstützung die Wahrnehmung durch Bewusstmachung verbessert werden. An dieser Station "Hocke" kann die Hilfe-und Sicherheitsstellung von Schülern übernommen werden. Sie sind hiermit schon vertraut gemacht worden.

Diese recht ungewöhnliche Hinführung zu genannten Übungen fördert m.E. die Bewusstheit im Lernprozess, schafft Voraussetzungen auch für das Erlernen anderer Turnübungen und setzt die Schüler in die Lage, selbst erforschend mit der Bewegung umzugehen.
 
 

Zielsetzungen

Die Schüler sollen:

  • selbständig und unter Anleitung Teile der Aufwärmphase übernehmen
  • in Gruppen Übungen zur Körperwahrnehmung durchführen und die wesentlichen Kriterien einer Körperspannung benennen können
  • die wesentlichen Phasen des Pendelns an den Ringen und die Bedeutung der Körperspannung für diese Übung kennen
  • die Übungen an den Ringen und am Kasten durchführen können
  • gegenseitig ihre Bewegungen analysieren (unter dem Aspekt der Körperspannung)
  • Spaß durch Bewegungserfahrung und Fähigkeitsentwicklung haben

Geplanter Verlauf

- Inoffizielle Phase ("Austoben"; es stehen Sprungseile, Gymnastikreifen, Weichbälle zur Verfügung)
- Anfangsplenum ( Bekanntgabe des Unterrichtsvorhabens; Schülerfragen)
- Aufwärmphase (Teil l): Aufgaben zur Körperspannung (mit Musik)
- Aufwärmphase (Teil 2): Gymnastik (von Schülern durchgeführt)
- Übungen zur Körperwahrnehmung in Gruppen  / Was ist Körperspannung ?
- Auswertung; ggf. Durchführung von Zusatzaufgaben
- Aufbau der Geräte (Schaukelringe und Sprung am Kasten)
- Durchführung und Analyse der Übungen
- Wechsel der Gruppen
- Abschlussplenum (gemeinsame Auswertung; Festlegung der nächsten Übungsschritte)

Medien
Overheadprojektor, Wandzeitungen, Kassettenrekorder sowie Matten, Weichmatten, großer Kasten, Schaukelringe

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