"Warenkunde Doping"
(Aus OJ 2/2000)


"... Zu den Stimulanzien zählen die "klassischen" Dopingmittel, wie z.B. Amphetamin, Ephedrin und Kokain. Sie werden i.a. kurz vor dem Wettkampf eingesetzt, um einen Effekt zu erzielen. Allerdings bereitet es dann keine Schwierigkeiten, sie nachzuweisen. 

Amphetamine sind vor allem deshalb gefährlich, weil es durch die Freisetzung von Dopamin und Noradenalin im Zentralnervensystem zu Euphorie und erhöhter Risikobereitschaft und Aggressivität kommt. Die Ermüdbarkeitsschwelle wird angehoben, und es werden die bisher durch Ermüdung geschützten Reserven angegriffen. 
 

Damit ist der Kreislaufkollaps programmiert. Zahlreiche Todesfälle sind bekannt. Problematisch ist auch Ephedrin, da es sich noch in zahlreichen Grippe- und Schnupfenmitteln findet.
Koffein, Narkotika, Diuretika
Ein fast "legales" Dopingmittel ist Koffein. Für Koffein wurde ein Höchstwert von 12 Mikrogramm pro Milliliter Harn festgelegt. Um
das zu erreichen, mufl man etwa 400 bis 600 mg Koffein einnehmen. Zum Vergleich: In einem Liter "Red Bull" befinden sich 320 mg Koffein. Narkotika spielen im Sport eine eher untergeordnete Rolle, da eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit durch sie nicht eindeutig nachweisbar ist. Allerdings wird ihr euphorisierender und beruhigender Effekt in manchen Sportarten wie Golf mißbraucht. Diuretika werden hauptsächlich in Sportarten mit Gewichtsklassen, wie z.B. Judo und Ringen, angewendet. Sie dienen einer erhöhten Wasserausscheidung, mit der das Erreichen des Gewichtslimits erleichtert werden soll. Allerdings ist die oft durchgeführte Kombination von restriktiver Diät und Sauna, Jogging u.ä. auch so für den Körper schon belastend genug (u.a. Elektrolytverlust), so dass eher ein Nachlassen der sportlichen Leistung zu erwarten ist.

Hormone
Zu den anabolen androgenen Wirkstoffen zählt man hauptsächlich das männliche Sexualhormon Testosteron und seine Derivate. Diese Stoffe dienen einem verbesserten Muskelaufbau und einer Steigerung der sportlichen Leistung. So ist eine Leistungssteigerung vor allem bei Schnellkraft-Sportarten zu beobachten. Allerdings kommt es dabei in der Regel auch zu schweren Nebenwirkungen: Da längere Zeit ein Vielfaches der therapeutisch üblichen Dosis genommen wird, sind bei Männern Verweiblichung (Testosteron wird zu östrogenen umgebaut), bei Frauen dagegen eine Uermännlichung zu beobachten. Bei Jugendlichen gar kommt es zu einer Wachstumshemmung. Da der Körper die Produktion von Testosteron einstellt, kommt es zum Syndrom des "schlafenden Hodens" (Hodenatrophie), das selbst noch Monate nach Absetzen der Mittel anhält. Häufig ist auch eine starke Akneentwicklung zu beobachten. Allerdings ist von außen dem Körper zugeführtes Testosteron nicht von körpereigenem zu unterscheiden. Rechtzeitiges Absetzen von Testosteron würde also zu einem "sauberen" Harn führen. Da aber Anabolika zu einer langfristigen Veränderung der Steroidprofile führen, wurde als Dopingkriterium der Konzentrationsquotient Testosteron/Epitestosteron im Harn, der normalerweise bei eins liegt, auf 6 bis 10 festgeschrieben. Dazu muss aber ausgeschlossen sein, dass der erhöhte Wert nicht durch Krankheiten und körperliche Besonderheiten hervorgerufen wird.

Das Problem der Unterscheidung zwischen vom Körper selbst produzierten und von außen zugeführten Stoffen besteht noch viel stärker bei der Gruppe der Peptidhormone. Besonders schwierig ist der Nachweis von Doping mit EPO und HGH. Ein Nachweis existiert für HCG. Dabei handelt es sich um ein Hormon, das in der Schwangerschaft bei Frauen gebildet wird. Dessen Anwendung bewirkt bei Männern eine Erhöhung der körpereigenen Produktion von Testosteron. Da HCG von Männern nicht im Körper gebildet wird, ist der Nachweis ein klarer und signifikanter Hinweis auf Doping.

Blutdoping
Als verbotene Methoden werden Blutdoping und alle Manipulationen von Dopingproben bezeichnet. Bei Blutdoping wird wenige Stunden vor dem Wettkampf eine Infusion von sauerstoffreichem Eigenblut, das ein bis zwei Monate vorher entnommen würde, vorgenommen. Dadurch wird die Sauerstofftransport-Kapazität des Bluts erhöht, was sich bei Ausdauerleistungen stark bemerkbar macht.
Beispiele für Manipulationen gibt es viele. Die Abgabe von Fremdurin ist eine solche. Auch werden sogenannte Maskierungsmittel genommen, die den Gebrauch von Dopingmitteln verschleiern sollen. So werden Diuretika auch als "Harnverdünner" missbraucht, um die Harnanalyse zu verfälschen. Das Mittel Azetazolamid erhöht außerdem den pH-Wert des Harns, wodurch die Ausscheidung von Amphetaminen behindert wird. In ähnlicher Weise kann man den pH-Wert des Harns erhöhen, indem man Natriumhydrogencarbonat (in Backpulver enthalten) nimmt. Nach einem Wettkampf sollte aber der pH-Wert abgesunken sein. Ein weiteres Maskierungsmittel ist Probenecid, das die Konzentration von Steroidhormonen im Urin auf unmessbare Werte absenkt. Durch einen Fall bei den Olympischen Winterspielen von Nagano sind auch die "weichen" Drogen, also Haschisch und Marihuana, ins Visier der Dopingkontrolleure geraten. Hier stellt das IOC aber den einzelnen Sportverbänden frei, wie damit umzugehen ist. Die meisten Sportverbände haben sehr restriktive Regelungen getroffen.

Die Dopingkontrolle
Wie läuft nun eigentlich eine Dopingkontrolle ab? Zuerst einmal muss eine verantwortliche Stelle die zu kontrollierenden Sportler aussuchen. Bei Wettkämpfen trifft es meistens die Medaillengewinner. Wird eine Trainingskontrolle durchgeführt, wird der Sportler ohne Ankündigung zu Hause aufgesucht. Von dem Moment ab, in dem der Sportler von der bevorstehenden Kontrolle weiß, wird er mehr oder weniger nicht mehr aus den Augen gelassen.. Zuerst wird ein Protokoll erstellt, dessen Durchschläge an die Anti-Doping-Kommission des DSB und an den Sportverband gehen. Seine Probe erhält eine Nummer, er kann auch angeben, ob er zur Zeit der Dopingkontrolle aus medizinischen Gründen Medikamente erhält, die auf der Dopingliste stehen. Ist der Sportler dann soweit, muß er unter Aufsicht des Kontrolleurs in ein Gefäß eine bestimmte Menge Harn abgeben. Der pH-Wert und Harndichte werden gemessen und die Probe auf die Gefäße für A- und B-Probe verteilt, die dann versiegelt und ins Labor zur Analyse gebracht werden.

Dort wird die Probe chemisch auf gearbeitet und gemessen. Dabei wird eine sogenannte Screening-Aufnahme gemacht, bei der nach auffälligen Signalen gesucht wird. Gibt es ein solches Signal, wird ein weiterer Teil der Probe so aufgearbeitet, dass die gesuchte Substanz, das Dopingmittel selbst oder ein Abbauprodukt, spezifisch isoliert und identifiziert werden kann. Ist die A-Probe dann tatsächlich positiv, erhalten die Anti-Doping-Kommission und der Sportverband eine Mitteilung mit der Nummer der Probe. Daraufhin wird der Sportler angehört, und gegebenenfalls werden Sanktionen verhängt. Zur Sicherheit kann auf Verlangen des Sportlers die B-Probe unter Auf sicht analysiert werden..."
 

(Aus: OJ 2/2000)


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