Biomechanische Prinzipien
 Das Go-and Stop-Prinzip
 (Göhner 2001)

 

Abb.1
Abb.2

Welche Phänomene werden mit dem Go-and-Stop-Prinzip angesprochen?
In den Abbildungen 1 und 2 werden verschiedene sportliche Bewegungsabläufe gezeigt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass ein Movendum (der Speer oder die Kugel) auf große Weite bzw. hohe Abfluggeschwindigkeit zu bringen ist, und in allen Fällen sind bei der Beschleunigung des Movendums mehrere Körperteile beteiligt. 

Bei genauer Betrachtung der einzelnen Bildfolgen ist zu erkennen, dass die betreffenden Körperteile zu unterschiedlichen Zeiten ihre Bewegung beginnen und beenden. Informiert man sich in der sportartspezifischen Fachliteratur, dann wird immer wieder ganz bewusst auf Beschleunigen (Go) und Abstoppen bzw. Blockieren (Stop) hingewiesen. Das legt nahe, ein Go-and-Stop-Prinzip zu formulieren und zu versuchen, für dieses mechanische Hintergründe bereitzustellen, so dass angemessenes Bewegungsverhalten einmal - etwa beim Werfen - erklärt sich auch auf andere vergleich bare Bewegungsvorgänge übertragen lässt.

Was sagt das Go-and-Stop-Prinzip aus?
Durch Beobachten der verschiedenen Bewegungsvorgänge erhält man als verallgemeinerbares Prinzip folgenden Sachverhalt:
 
Hat ein Sportler durch seine Extremitäten einem Movendum eine große Geschwindigkeit zu erteilen, dann sind die eingesetzten Körperteile so zu bewegen, dass zum Movendum hin ein sukzessives Beschleunigen und Stoppen stattfindet: 
Dem Movendum naheliegende Körperteile werden also später (in der gewünschten Bewegungsrichtung) auf hohe Geschwindigkeit gebracht und ebenso nacheinander mit Erreichen ihrer hohen bzw. höchsten Geschwindigkeit gestoppt.

Wie sieht eine dem Go-and-Stop-Prinzip entsprechende Bewegung aus?
Als Beispiel einer passenden sportlichen Bewegung; wählen wir den (möglichst weiten) beidhändigen Überkopfwurf.

Abb.3

Die Wurfaktion entspricht dem Go-and-Stop-Prinzip, wenn Folgendes zu beobachten ist (vgl. Abb.3):
Zunächst schieben die Oberschenkel das Becken nach vorneoben, während Oberkörper und Arme noch hinten bleiben (nicht in Abb. 3 dargestellt).
  • Dann wird dieses Schieben gestoppt und kurz zuvor bzw. etwa zu gleicher Zeit beginnt explosives Vorhochdrängen der Brust, die Arme bleiben jedoch noch hinten.

  •  
  • Das Vordrängen der Brust wird gestoppt und jetzt beginnen Schultern und Oberarme nach vorneoben zu beschleunigen. Dennoch bleiben dabei Handgelenke und Hände (und infolgedessen auch der Ball) noch hinten.

  •  
  • Abschließend werden mit dem Stoppen der Oberarme zuerst die Unterarme und danach die Hände in die Wurfrichtung geschleudert.
(nach Göhner in "Sportunterricht" 8/2001)



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