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Hans-Albrecht Pflasterer
Hat die Fairness eine Chance?
 
 
Fair Play für alle Was ist Fairness? 

Das englische Wort reicht von Inhalten wie schön, geziemend, höflich, aufrichtig, direkt, ehrlich, ruhig und gemessen bis sanft, gleichberechtigt und unparteilich. Wer fair ist, beachtet die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze, hält sich an die Prinzipien des Anstandes, des Taktes, der Gepflogenheiten.
Wo Fairness herrscht, sind  Zivilcourage und Gewaltlosigkeit, Aufrichtigkeit und Liebe zur Gerechtigkeit nicht fern.

Sind Sie fair?
Oder bluffen Sie gern?
Gehört Fairness in Lebensbereiche, in denen gekämpft wird, wie Politik oder Wirtschaft?
Bezeichnet Fairness eine bestimmte Form des Umgangs mit dem Gegner?
Haben Sie Gegner?
Achten Sie sie als Partner?

Hat das Prinzip Fairness überhaupt eine Chance, sich in unserer Gesellschaft, in der taktische Vorteilnahme und Verletzung der Normen zum Vorsatz gehören, durchzusetzen?

Es erfordert Toleranz und Ausgeglichenheit, einen Gegner fair zu behandeln.

Aber auch die Fairness selbst hat Gegner: die List und die Finte, den Trick und den Betrug. Wo mit harten Bandagen gekämpft wird, wo nur zählt, die Nummer eins zu sein, ist die Verführung groß, fünfe gerade sein zu lassen, die Spielregeln schon mal zu verletzen und zum eigenen Vorteil auszunutzen. Gewinnsucht und Erfolgsdruck lassen dem Geist der Fairness keinen Raum. Fairplay wird zum Luxus, Fairness zur Utopie.

Fairness meint anständiges Verhalten im täglichen Leben, doch der Begriff wurde mehr und mehr auf den Bereich des Spiels eingeengt. Zahlreich sind die Fair-play- Kampagnen des Sports. Die bekannteste vielleicht: Fair geht vor. „Fairness“, definiert das ,Lexikon der Ethik im Sport', „zeigt sich im Rahmen sportlicher Wettkampfhandlungen im Bemühen der Sportler, die Regeln konsequent und bewusst auch unter erschwerten Bedingungen einzuhalten.“

Fair geht vor. Geht fair vor? Der englische Schriftsteller George Orwell schrieb schon 1948: „Ernsthafter Sport hat nichts mit Fairplay zu tun. Er ist verknüpft mit Hass, Neid, Angebertum und der Missachtung aller Regeln.“ Der Beweis lässt sich leicht führen. Da ist der Bundesligaspieler, der am Tor vorbeizielt, doch der Schiedsrichter erkennt auf Treffer. Es wäre leicht, den Irrtum aufzuklären. Was der Kicker unterlässt. Da ist der Bundestrainer, der seinen Verteidiger mit den Worten anstachelt: „Deinen Gegner will ich heute Abend nicht beim Bankett sehen.“ 

Eine kaum verhohlene Aufforderung, ihn umzuknüppeln. Da ist der Weltklassemann, der den Ball regelwidrig mit der Hand ins Tor bugsiert und später auch noch prahlt, die Hand Gottes sei mit im Spiel gewesen. Da sind auf so vielen Feldern des Sports die
Versuche, den Körper mit Medikamenten vollzustopfen und sich so einen unerlaubten Nutzen zu verschaffen.

Unfairness hat vor allem diesen Namen: Doping. Die widersinnige Wortschöpfung vom fairen Foul gehört zur Alltagssprache des Fußballs. Und eine Vokabel wie Killerinstinkt ist verräterisch genug. Sie zerstört den Witz des Spiels und macht den
Gegner zum Feind. Was aber tun? Vor Jahren schon haben der Philosoph Hans Lenk und der Sportsoziologe Gunter A. Pilz darauf hingewiesen, dass eine Erziehung zum Fairnessgedanken unverzichtbar, förderungswürdig, ja dringlich geboten ist in einer
Gesellschaft, die vielfach zu einer rüden Erfolgsgesellschaft zu verkommen droht.

Und sie ermutigt dazu, mehr Gelassenheit und Lockerheit zu lernen und auf diese Weise automatisch faires Verhalten einzuüben. Der Spruch von Hardy Scharf über Urlaubsanfänge auf deutschen Autobahnen „Überholen, Überholen, Überholen
... Üb'Erholen!“ könnte geistesverwandt durch eine Sentenz zum existenziellen Überleben im Konkurrenzdschungel ergänzt werden: „Überleben, Überleben, Überleben ... Üb'Erleben! 

So ließe sich der böse Satz widerlegen: „Der erste Mythos über sportliche Fairness besteht in der Behauptung, es gäbe sie.“ Im Sport wie im sonstigen Leben.

Was ist fair? Der Maler Vincent van Gogh hat es so gesagt: „Man müsste sich ein bisschen Sonne suchen, ohne einen anderen in den Schatten zu drängen.“
 
 

Hans-Albrecht Pflasterer
Olympisches Feuer, 6/2000, S. 30-31
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