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Geschichten um Fairness und Unfairness im Sport

 
Was beim Hürdenlaufen so alles passieren kann . . .

Ein Hürdenläufer vergisst den Geist des Fair Play und wie ein Gegner darauf reagiert


 
... DLV verweigert Balzer Olympia-Nominierung
3.8.2000

Hürdensprinter Falk Balzer wird möglicherweise als erster Athlet vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) aus disziplinarischen Gründen von Olympischen Spielen ausgeschlossen.
Der DLV schlägt den 26-Jährigen vom TuS Jena nicht dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für die Nominierungssitzung am (morgigen) Donnerstag für die Spiele in Sydney vor. Dies teilte der Vorsitzende des DLV-Bundesausschusses Leistungssport (BA-L), Rüdiger Nickel, am Mittwoch mit.

Nickel begründete die vorläufige Nichtberücksichtigung des deutschen Jahresbesten über 110 m Hürden damit, dass Balzer «die Voraussetzungen zur Nominierung bisher deswegen nicht erfüllt hat, weil sein Verhalten bei den deutschen Meisterschaften nicht den in der Olympischen Charta und den DLV-Nominierungsrichtlinien niedergelegten Geist des Fairplay und der vorausgesetzten Eignung, der Jugend ein Vorbild zu sein, entspricht». Der DLV habe bei seiner Entscheidung insbesondere auch berücksichtigt, dass der Athlet im Frühjahr «wegen ähnlicher missbilligenswerter Verstöße vom BAL- Vorsitzenden abgemahnt wurde und unter Bewährung steht». Die Begründung, er sei kein Vorbild für die Jugend, findet Balzer «schlimm. Da müsste der Verband all denen die Autogramme, Bilder und T-Shirts entziehen, die in Braunschweig oder Chemnitz zu mir kamen und mich unterschreiben ließen».

Balzer hatte nach seinem dritten Platz im Finale über 110 m Hürden den Kölner Claude Edorh, von dem er sich vor dem Start gestört fühlte, beschimpft und geschubst und wurde durch Nickel von ernsthaften Handgreiflichkeiten abgehalten. Er war im Frühjahr von Nickel verwarnt worden, weil er seinen Intim-Feind Florian Schwarthoff beleidigt hatte. In Braunschweig zeigte sich Balzer auch noch als schlechter Verlierer, als Schwarthoff seinen elften Meistertitel feierte: «Florian Schwarthoff ist zwar Meister, aber die Leistung war unter dem Niveau, was ich bringen könnte.» Bei der Siegerehrung verließ er demonstrativ das Podest und verweigerte das übliche Siegerfoto der ersten Drei.
 



7.8.2000

"Der 'böse Bube' Falk Balzer hat im Olympia- Nominierungsstreit mit dem Deutschen Leichtathletik- Verband (DLV) Unterstützung ausgerechnet von einem Kontrahenten bekommen. "Balzer gehört nach Sydney, denn er ist der Beste", verteidigte Claude Edorh in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" seinen Konkurrenten, der ihn bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig tätlich angegriffen hatte. Sportlich konnte sich Balzer am Wochenende aber nicht empfehlen. Beim Grand-Prix-Meeting am Samstag in London wurde der Jenaer in mäßigen 13,57 Sekunden Dritter."



23.8.2000

Olympia doch mit Falk Balzer

Gnade für "enfant terrible"

Frankfurt/Main - Falk Balzer hat die letzte Hürde genommen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Sydney. Nachträglich nominierte das Nationale Olympische Komitee (NOK) für Deutschland den Weltcupsieger über 110 m Hürden auf Vorschlag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) am Dienstag für das ingesamt 433 Athleten starke Team.

Im "Fall Balzer" ließ das NOK Gnade walten. Der 26 Jahre alte Athlet hatte im Vorfeld im Falle einer Nicht-Berücksichtigung mit juristischen Schritten gedroht. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte Balzer wegen Attacken gegen seine Kollegen Claude Edorh und Florian Schwarthoff am 3. August nicht für die eigentlich letzte Nominierungsrunde der Leichtathleten vorgeschlagen, weil dieser gegen die Olympische Charta (Regel 26) verstoßen habe.

Doch zuletzt hatten allerdings Dr. Norbert Stein, Trainer des farbigen Kölner Hürdenläufers und Edorh selbst Balzer entscheidend entlastet: "Es gab keine rassistischen Anfeindungen gegen Claude." Stein und Edorh hatten sich unisono für eine Nominierung Balzers ausgesprochen.


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