Materialien zum Lehrplan Sport - Hessen
Gymnasialer Bildungsgang / Jahrgangsstufen 11-13

 
 

21.1. 2003 Gießener Anzeiger

Zum Sportunterricht gehen Liebigschüler ins Fitness-Studio
Schule hat neuen Oberstufenplan bereits umgesetzt – Gesundheitsorientiertes Krafttraining

GIESSEN. „Das traditionelle Sportartenkonzept ist meistens auf Leistung orientiert“, weiß Thomas Schiller. Und: „In der Schule lassen sich in zwei Stunden keine großartigen Trainingseffekte erzielen“, fügt der angehende Lehrer hinzu, der an der Liebigschule Sport und Erdkunde unterrichtet. Seit Beginn dieses Schuljahres gehen Schiller und seine Kollegen in Sachen Schulsport neue Wege. Bereits ein Jahr früher als vom hessischen Kultusministerium verordnet, hat die Liebigschule damit begonnen, den neuen Oberstufenlehrplan im Fach Sport umzusetzen. „Mit dem Konzept wird ein Ansatz verfolgt, der sich vom bisher praktizierten ,Sportarten lernen‘ unterscheidet“, erklärt Schiller.

Der ab dem kommenden Schuljahr für alle Schulen in Hessen verbindliche Lehrplan gehe von der Annahme aus, dass die Motive, warum sich Menschen Sport zuwenden, „sehr unterschiedlich sind“. Ziel des Schulsports sei, die Schüler zum außerschulischen und lebenslangen Sporttreiben anzuhalten. „Nur so kann das Fach der gesellschaftlichen Forderung nach Gesundheitsförderung überhaupt gerecht werden“, sagt Schiller. Allerdings scheint der bisherige Lehrplan dieser Vorgabe nicht mehr gerecht zu werden. Denn: „Vor allem die sportschwachen Schüler fallen dabei hintenrunter.“ Und deren Zahl nimmt nach Angaben des Pädagogen ständig zu. „Defizite zeigen sich bei Jugendlichen im motorischen Leistungsvermögen. Viele Schüler weisen daneben erhebliche körperliche Schwächen auf“, hat Schiller beobachtet. „Mit dem neuen Lehrplan wird versucht, alle Schüler gleichermaßen anzusprechen.“ So hat Schiller den Unterricht in seinem Oberstufenkurs der Klasse 11 in drei Einheiten aufgeteilt. Nach Beachvolleyball zu Beginn des Schuljahres haben die Schüler in der vergangenen Woche ihre zweite Einheit „Gesundheitsorientiertes Fitness-Training an und mit Geräten“ abgeschlossen.

Neun Wochen jeweils zwei Zeitstunden haben sich die Schüler im Gießener Fitness-Studio Team WOF (World of Fitness) mit dem Thema „Gesundheit und Körpererfahrung“ beschäftigt. Nach einem für alle zwölf Schüler verbindlichen Eingangstest stand in den vergangenen Monaten unter anderem gesundheitsorientiertes Krafttraining auf dem Programm. „Schon die für viele ernüchternden Ergebnisse des Tests schafften bei den Schülern ein erstes Problembewusstsein.“ In erster Linie in den Bereichen Kraftvermögen und Beweglichkeit hätten viele Schüler Schwächen offenbart.

Mit dem von ihm angewendeten Konzept sollen die Schüler auf „gesundheitlich bedeutende Zusammenhänge beim Sporttreiben aufmerksam“ gemacht werden, erklärt der Sportlehrer. Außerdem gehe es darum, die „wohltuende Wirkung von Bewegung und körperlicher Belastung zu erschließen“. Außerdem will Schiller neben dem Krafttraining an und mit Geräten auch Einblicke in andere Felder von Fitnesstraining ermöglichen. Aufbauend auf den Ergebnissen des Fitnesstests haben die Liebigschüler auch Programme zur Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur absolviert.

Großen Wert hat Schiller auf die Beleuchtung „sporttheoretischer, gesundheitserzieherischer und gesellschaftlicher Aspekte“ gelegt. Fragen nach den Ursachen von Rückenbeschwerden, der Funktion des Aufwärmens sowie Trainingsprinzipien und Trainingsmethoden standen hier auf dem Stundenplan. Weiterhin erhielten die Elftklässler Einblicke in andere Fitnessbereiche wie zum Beispiel Cardio-Training und Aerobic. „Das Ganze kam sehr gut an. Die Schüler waren während der neun Wochen bei jeder Unterrichtseinheit komplett anwesend“, freut sich der Pädagoge, der die Ergebnisse in seine Examensarbeit einfließen lassen will.

Peter Bernt, Geschäftsführer des Fitness-Studios, musste nach eigenem Bekunden bei dem Projekt nicht lange überlegen. „Ist doch ganz klar, dass wir da mitgemacht haben. Das ist doch unser zukünftiges Publikum. Das Ganze ist auch als Anreiz zu sehen, etwas für die Gesundheit zu tun.“ Schließlich hätten viele Jugendliche zum Beispiel überhaupt keine Rückenmuskulatur mehr.



Sport in der Sek.II
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