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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
Sportpädagogik-Online und Sportunterricht.de
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.. Hier erscheinen - ständig aktualisierte -  Meldungen rund um den Schulsport.
Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports
in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben.
 


Aktuelle Meldungen


Archiv 2000
 

31.12 2000 "Wiesbadener Kurier"

In der Schule lockt das Abenteuer
Sportunterricht soll attraktiver werden
 

WIESBADEN  Hessen will den Schulsport attraktiver machen und damit auch Übergewicht und Bewegungsdefiziten bei Kindern und Jugendlichen vorbeugen. Derzeit würden die Lehrpläne für die Mittelstufenklassen überarbeitet, sagte der Schulexperte im hessischen Kultusministerium, Klaus Paul, in einem Gespräch mit der Deutschen PresseAgentur. Zum neuen Schuljahr im Sommer nächsten Jahres sollten sie in Kraft treten.

Trendsportarten mit Erlebnischsrakter wie Inline-Skaten oder Klettern würden dabei berücksichtigt und der Gemeinschafts- und Gesundheitsvorsorgegedanke im Unterricht gestärkt. "Gesundheit, Gemeinschaft, Abenteuer sind neue Stichworte für den Sportunterricht", sagte Paul. Sportliche Schüler sollten damit von zweifelhaften Mutproben wie dem "S-Bahn-Surfen" abgehalten werden.
Neben der Leistung des einzelnen Schülers müsse mehr Wert suf den Zusammenhalt und den Erfolg der Mannschaften und Klassen gelegt werden. Damit sollten gerade auch die schwächeren Sportschüler mit Übergewicht und fehlendem Training gefördert werden, sagte Paul.
In Hessens Schulen werden bis zur achten Klasse drei und in der Neun und Zehn zwei Stunden Sport unterrichtet. Interessierte Schüler können außerdem in der Mittelstufe zwei Stunden als Wahlpflichtfach hinzunehmen. Erfahrungsgemäß täten schwache Schüler, die Förderiing besonders nötig hätten, dies aber gerade nicht.
Insgesamt sei der schulische Sportunterricht in Hessen nicht in der Lage, drohende Gesundheitsprobleme der Jugendlichen wegen Bewegungsmangels zu lösen, sagte Paul. Die Möglichkeiten der Schule seien begrenzt, sie könne nur Anregungen geben, zum Beispiel in Sportvereinen das Training fortzusetzen. Für eine gesunde Ernährung und positive Einstellung zum Sport komme es letztlich nach wie vor entscheidend auf die Eltern an.



Südwest-Presse 19.12

Mehr Sport für Sitzkinder

Eklatanter Bewegungsmangel bei vielen Schülern

Immer mehr Kinder gehören zu den "Sitzkindern'' - sie bewegen sich viel zu wenig. Dem soll ein Projekt an fünf Grundschulen entgegenwirken. Dort erhalten die sechs- bis zehnjährigen Schüler eine zusätzliche Sportstunde in der Woche.

Trotz Ballettstunde, Fußball oder Turnen: Im Alltag fehlt es Kindern an Bewegung. Mit dem Projekt "200 Minuten Sport in der Woche'' versuchen Schulen in Baden-Württemberg dem Bewegungsmangel von Kindern zu begegnen. Eine der fünf Grundschulen, die sich an dem Projekt beteiligen, ist die Franz-Josef-Mone-Schule in Bad Schönborn-Mingolsheim (Kreis Karlsruhe).

Zu den drei Stunden Sportunterricht erhalten Grundschüler hier vier Jahre lang eine zusätzliche Sportstunde. Außerdem sollen Lehrer im Unterricht "Bewegungszeiten'' einbauen, erläutert Schulrektor Stefan Brühl.

Zwei Lehrer kümmern sich seit diesem Schuljahr im Sportunterricht um die Kinder. "Der Unterricht ist intensiver und vielfältiger geworden'', sagt Gabi Heidrich. Die Lehrerin hat eine Bewegungslandschaft aus Matten, großen und kleinen Kästen und Bänken aufgebaut, in der die Sechs- bis Zehnjährigen springen, eine Sprossenwand erklimmen oder ihr Gleichgewicht üben können. Jedes Kind darf sich frei bewegen und seine Lieblingsübungen so oft wiederholen, wie es möchte.

Dabei trainieren die Kinder ganz natürliche Bewegungsabläufe ein. Denn in der Förderschule kommen zur weit verbreiteten Bewegungsarmut allgemeine Entwicklungsrückstände hinzu. Manchen Kindern fällt selbst eine Rolle vorwärts schwer. Mit der Zeit macht ihnen der Umgang mit ihrem Körper sichtlich Spaß: Dominik bekommt vor Eifer ganz rote Bäckchen. Und Florian ist stolz darauf, dass er alle Übungen schon beherrscht. Er ist einer der wenigen in der Gruppe, die sich auch außerhalb der Schule körperlich betätigen. Fußball spielt er, zum Schwimmen und Badminton nehmen ihn seine Eltern mit.

Fatale Spätfolgen

Ideal wäre nach Meinung von Professor Klaus Bös vom Sportinstitut der Universität Karlsruhe - er ist der Initiator des Projekts - eine Stunde Sport täglich für jedes Kind. Eine Stunde, in der es rennt, tobt und schwitzt. Ohne Leistungsdruck, nur so zum Spaß. Doch aus Grundschülern sind "Sitzkinder'' geworden, wie eine Befragung von 1000 Schülern belegt. Danach bewegen sie sich gerade mal eine Stunde am Tag. Je neun Stunden liegen und sitzen sie, fünf Stunden stehen sie. Die Folgen: mangelnde Fitness und damit erhöhte Unfallgefahr, Verzögerungen bei der Entwicklung der Persönlichkeit, Lernprobleme und Aggressionen. Spätfolgen können Zivilisationskrankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen sein.

Weil Sport sich positiv auf die Gesundheit auswirkt, engagieren sich auch Krankenkassen bei dem Schulprojekt. Sportstudenten wollen mit Fitness- und Ausdauertests dokumentieren, wie sich die körperliche Verfassung der Kinder durch mehr Bewegung verbessern lässt. Hauptzielgruppe sind Kinder aus sozial schwachen oder schwierigen Familienverhältnissen.

"Die Schule ist oftmals die einzige soziale Bindung der Kinder über eine längere Zeit hinweg'', sagt Bös. Zugang zu Sportvereinen hätten in der Regel nur Kinder aus der Mittel- und Oberschicht. Allerdings verhindere auch dort "das Hin- und Herzappen zwischen verschiedenen Vereinen'' ein echtes Dazugehörigkeitsgefühl. Umdenken ist angesagt - bei Lehrern, Kindern und Eltern. Sie will der Sportprofessor für das Thema sensibilisieren. Denn noch immer ertönt ein Aufschrei, wenn wegen Krankheit eines Lehrers eine Stunde Mathe ausfällt. Die ausgefallenen Sportstunden aber hat bisher noch keiner gezählt.


Frankfurter Rundschau 16.11.
 

Beim Flag-Football geht fair vor / Schulturnier in Kalbach

Was haben Abraham Lincoln und die Mädchengruppen, die am gestrigen Freitag in der Leichtathletikhalle im Sport- und Freizeitzentrum Kalbach für Stimmung sorgten, gemeinsam? Laut dem Organisator des vierten Galaxy Bowls, Frank Fischer, das Cheerleading, denn Lincoln sei als erster Cheerleader in der Geschichte der USA bekannt geworden (wofür er allerdings den Nachweis schuldig blieb).

Ähnlich wie das organisierte Jubeln am Spielfeldrand wird auch Football eher der US-amerikanischen Sportszene zugeordnet. Doch was sich dem Zuschauer bei den hessischen Schulmeisterschaften im Flag-Football zeigte, hatte nicht viel gemeinsam mit den bis zur Unkenntlichkeit geschützten Sportlern, die sich gegenseitig zu Boden reißen. Der Grund liegt bei den Regeln, die die sonst doch recht brutal wirkende Sportart in einen fairen körperkontaktlosen Sport verwandeln, der somit Mädchen und Jungen gleichermaßen zugänglich gemacht worden ist.

" Es gibt kaum ein faireres Turnier, als das, was wir heute gesehen haben", sagte der Lehrer der Siegermannschaft "Eastside" von der Integrierten Gesamtschule Gießen Ost nach dem Sieg. Acht von 37 Mannschaften erreichten nach regionalen Qualifikationsturnieren die Endrunde, in deren Finale sich der Titelverteidiger gegen die "Tumbling Stones" von der Freiherr-vom-Stein Schule Frankfurt durchsetzen konnten. Dadurch qualifizierten sich die Gießener wie im vergangenen Jahr für die Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf, wo sie auf die Gewinner aus den anderen deutschen Regionen treffen.

Initiiert wurde der Galaxy Bowl von der Frankfurt Galaxy, die das Flag-Football durch ihren Schulsportkoordinator Frank Fischer in der Region verbreiten will. "Die Kinder sollen die Sportart in der Schule kennenlernen und dann vielleicht in einen Verein gehen und so zum Tackle-Football geführt werden", formuliert Fischer das Ziel der Galaxy. 500 Lehrer bildete der Verein bereits aus, 200 davon aus Hessen.

Als "sehr geeignet" hält der Berliner Berd Gottschalk die Sportart für die Schule, "da mit ihr Schlüsselqualifikationen, wie Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz, vermittelt werden können." Außerdem sei der Sport für jeden offen, da man keine Normtypen bräuchte, denn jedes Können sei taktisch einbaubar. Der Deutschland-Koordinator für Flag-Football wurde gerade von der Stadt Berlin für seine "Arbeit für den Schulsport" geehrt. Er bezeichnet als Fernziel, dass sein Sport 2002 eine Disziplin bei "Jugend trainiert für Olympia" wird.

Die Verbreitung des relativ neuen Sports hängt noch sehr von dem Engagement einzelner Lehrer und der Unterstützung der Galaxy ab. Zwar zeigte sich die hessische Kultusministerin Karin Wolff als Schirmherrin des Turniers, doch gerade finanziell sind die Lehrer auf sich alleine gestellt. An der Freiherr-vom-Stein Schule waren beispielsweise in diesem Schuljahr 70 Schüler und Schülerinnen an einer Flag-Football-AG interessiert. Da jedoch nur eine AG-Stunde zur Verfügung steht, mussten zwei Gruppen gebildet werden, die abwechselnd in die Halle dürfen. Eine weitere Stunde wurde unbezahlt vom Lehrer angeboten.


Lippische Landeszeitung 16.12.

Aufrichtender Unterricht
Stadtgymnasium integriert krankengymnastische Elemente in die Sportstunden
 

"...Die modernen Zeiten fordern ihren Tribut von den Knochen und Muskeln. Vom Computer bestimmte Arbeits- und Freizeitgestaltung hinterlässt besonders bei Kindern und Jugendlichen körperliche Folgen: Haltungsschäden, schlecht ausgebildete Muskelgruppen und motorische Defizite. Das Stadtgymnasium Detmold begegnet dieser Entwicklung mit einem Sportunterricht, der krankengymnastische Elemente einer Rückenschule einbindet.

 Mittwochmorgen. Sportunterricht bei der Klasse 5b des Stadtgymnasiums Detmold. Referendarin Silke Krebs und ihre Schüler sitzen auf großen grünen Gummibällen, die im eigentlichen Sinne keine Sportgeräte sind: so genannte Pezzibälle. Und die werden gewöhnlich in der Krankengymnastik verwendet. Gleichgewichts- und Koordinationsübungen im Sportunterricht. Auf dem Ball sitzend, wird mal das eine, dann das andere Bein angehoben. Und schließlich beide. Sportlehrerin Christel Gust, die die Übungen beobachtet, erklärt: "Man kann sehen, dass einige Kinder motorische Probleme haben. Die Schule muss auf solche negativen Entwicklungen reagieren."

 Motorische Probleme waren nicht das einzige Defizit, das Christel Gust und acht Kollegen der Fachkonferenz Sport bei den Schülern beobachteten. Haltungsschäden, Konditionsmängel und schlecht ausgebildete Muskelgruppen sind die Hypothek aus der Bewegungsarmut in der schönen neuen Welt der Virtualität, in der die Freizeit körperlos gestaltet werden kann. Und die Fachkonferenz reagierte auf diese Realität, forderte eine Lehrerfortbildung mit dem Ziel, eine Rückenschule in den Unterricht einzuführen.

 Schulleiter Dr. Roland Clauß beschreibt die weiteren Schritte des Projektes Rückenschule, das das Stadtgymnasium ein Stück weiter in Richtung "Gesunde Schule" rücken soll: "Dafür werden wir als eine von 25 Schulen in ganz Deutschland von der Stuttgarter Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Die Kosten für das Material, die Pezzibälle und Therabänder, hat die AOK Lippe übernommen. Das zeigt: Es können auch ohne städtische Finanzmittel derartige Projekte umgesetzt werden. Es müssen nur genügend Kräfte gebündelt werden." Wie auch die der Bezirksregierung, die die Maßnahmen an der Detmolder Schule unterstützt. Aus dem Topf für schulinterne Lehrerfortbildung wurden fünf Ausbildungsstunden finanziert. Dabei erklärte die Krankengymnastin Katja Brand den Sportlehrern Techniken und Methoden einer Rückenschule. Katja Brand: "Diese Grundlagen sollen in den Unterricht integriert werden. Das ist jetzt die Aufgabe der Lehrer."

 Eine Aufgabe, die je nach Alter der Schüler unterschiedlich gelöst werden muss. Christel Gust: "Die Rückenschule wird zunächst bei den fünften Klassen als fester Bestandteil eingesetzt. Dort kann die Konzentration natürlich nicht wie bei älteren Schülern lange Zeit auf einem hohen Level gehalten werden. Wir müssen die Übungen in abwechslungsreiche, spielerische Elemente einbauen."

 Zum Beispiel als Staffelspiel. Zwei Mannschaften jagen möglichst schnell Pezzibälle durch ihre Reihen. Hoch über den Köpfen der Kinder, die ihren Rücken strecken müssen: Das Strecken ist die Schule hinter dem sportlichen Wettstreit.
 



 

9.12. Frankfurter Rundschau

"Sport und Kultur sind Weggefährten"

Der Deutsche Sportbund hatte an seinem Ehrentag mächtig aufgefahren

Von Ulrike Spitz (Hannover)

"..
Auch der Bundespräsident zeigte sich von 50 Jahren DSB genauso angetan wie von der Bedeutung des Sports für die Gesellschaft, wobei er, ähnlich wie Flimm, in Frage stellte, ob "das Medienereignis Sport eigentlich noch Sport ist, also fairer Wettkampf zwischen Sportlern." Rau merkte kritisch an, man könne nicht auf der einen Seite entschieden gegen Doping eintreten und auf der anderen nur die mediengerechte Höchstleistung mit öffentlicher Beachtung und mit Geld belohnen."

Dass derlei Theorie die eine, die Praxis aber die andere Seite ist, lässt sich am besten am Thema Schulsport ablesen, dessen Bedeutung der Bundespräsident ein ganzes Kapitel widmete. Auch Otto Schily setzte sich vehement für einen intakten Schulsport ein. "Wer den Schulsport vernachlässigt, der schadet der inneren Sicherheit" sagte der Innenminister, der damit auf das Erlernen des Fairplay und der Achtung vor anderen abhob. Allerdings wird in der Praxis der Schulsport vernachlässigt, was auch aus den, wenn angesichts der festlichen Stimmung eher vorsichtigen Worten des DSB-Präsidenten heraus zu hören war: Es sei alles andere als ein Ruhmesblatt zum Jubiläum, sagte Richthofen, dass der Schulsport ausgerechnet im Jahr 2000 nicht gerade neue Höhen erlebe.

Ein kleines Geschenk immerhin, so Richthofen, aber wirklich nur ein kleines, habe Willi Lemke, der Präsident der Kultusministerkonferenz, mitgebracht, nämlich eine gemeinsame Erklärung Lemkes, von Richthofens und Steffen Reiches, dem Vorsitzenden der Sportministerkonferenz, über "die Bedeutung des Schulsports für lebenslanges Sporttreiben." Leider stehen nur schöne Bekenntnisse wie "der Schulsport ist ein unaustauschbarer Bestandteil umfassender Bildung und Erziehung" drin, nicht aber etwa Zusagen konkreter Forderungen wie die Einstellung von mehr Sportlehrern oder die flächendeckende dritte Sportstunde. Dass Insider sagen, diese Erklärung sei doch schon mal viel besser als nichts, lässt auch nicht gerade auf eine schnelle Verbesserung hoffen.

Verbessert aber hat sich in den vergangenen 50 Jahren hier zu Lande zweifellos die Möglichkeit, Sport zu treiben. Und zwar dank des so genannten "Zweiten Weges" des DSB, der anderen Seite des Sports, auch in der Breite, längst haben neben den großen Ereignissen auch die kleinen sportlichen Freuden ihren Platz. Doch mittlerweile ist dem organisierten Sport auf diesem Feld heftige Konkurrenz durch Privatanbieter und -initiativen erwachsen, und Professor Christian Wopp gab während der nach mittäglichen Diskussion dem DSB mit auf seinen weiteren Weg,noch deutlicher zu machen, wofür er stehe und wodurch sich der Sport im Verein von anderen Bewegungen unterscheide."
 


Darmstädter Echo 8.12.

Schulsport soll wichtiger werden

Nun steht es fest: Der Schulsport soll wieder eine wichtigere Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Nach einer gemeinsamen anlässlich der 50-Jahr-Feier des DSB in Hannover am Freitag unterzeichneten Erklärung der Präsidenten der Kultusministerkonferenz der Länder, der Sportministerkonferenz und des Deutschen Sportbundes (DSB) soll dem Schulsport in Zukunft mehr Bedeutung zugemessen werden.

Der Schulsport sei ein "unaustauschbarer Bestandteil umfassendender Bildung und Erziehung, als einziges Bewegungsfach leistet der Sportunterricht seinen spezifischen Beitrag für eine ganzheitliche Persönlichkeitserziehung" ist in der von Bremens Kultursenator Willi Lemke vorgestellten Erklärung zu lesen.

Der ehemalige Manager des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen verband mit der Erklärung aber auch konkrete Hoffnungen auf Investitionen. DSB-Präsident Manfred von Richthofen hatte den Schulsport zuvor als ein Thema bezeichnet, dass den "DSB seit den Gründertagen herausfordert. Es ist alles andere als ein Ruhmesblatt zum Jubiläum, dass der Schulsport ausgerechnet im Jahr 2000 ganz nach unten zeigt. Da ist die Absicht der Kultusminister zumindest ein Hoffnungsschimmer".

Bocholter Volksblatt
"...
Die unter dem Motto "Sport - ein Kulturgut unserer Zeit" stehende Festveranstaltung im Congress Centrum der niedersächsischen Hauptstadt wurde zu einem besonderen Plädoyer für den Schulsport. Die Kultusministerkonferenz der Länder kündigte über DSB-Präsident Manfred von Richthofen eine Initiative zur Verbesserung der als weitgehend unbefriedigend eingeschätzten Schulsport-Situation an. EU-Kommissarin Reding will demnächst die Erziehungs- und Sportminister der EU zusammenrufen, um den Schulsport europaweit "auf eine neue Ebene" zu bringen.

"Wer den Schulsport vernachlässigt, der schadet der inneren Sicherheit", sagte Schily. Für Rau gehört der Sportunterricht zur ganzheitlichen Bildung, zur Gesundheitsförderung und zur Prävention. Schon deshalb dürfe der Sportunterricht nicht fehlen. "Wer sagt: Schulen ans Netz, der muss auch sagen: Schüler auf den Sportplatz", sagte der Bundespräsident. DSB-Präsident Richthofen will die Schulsport-Passage der Rau-Rede an alle Kultusminister der Länder als Mahnung verschicken."...



 

Fränkischer Tag 1.12.

Abwechslungsreiches Sportangebot

Lockere Atmosphäre bei Sportabend im Frankenwald-Gymnasium

KRONACH. Das Frankenwald- Gymnasium hatte die Eltern und Schüler der fünften Klassen zu einem gemeinsamen Sportabend in die Dreifachhalle am Schulzentrum eingeladen.

Der Gedanke, die Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus zusammen mit den Sportlehrern auch in der Turnhalle zu realisieren, mobilisierte viele Eltern gleichzeitig mit ihren Sprösslingen über die schulsportlichen Zielsetzungen zu reflektieren und in lockerer Atmosphäre ein abwechslungsreiches Sportangebot zu erleben. Schulleiter Hubert Wicklein bedankte sich bei seiner Begrüßung für das sehr zahlreiche Erscheinen und stellte die vielfältigen Aufgaben des Schulsports als einziges Bewegungsfach in den Vordergrund.

Abwechslung

Angesichts des zunehmenden Bewegungsmangels in unserer Gesellschaft und zum Ausgleich der überwiegend kognitiven Beanspruchung im Schulalltag müsse der Sport für Ausgleich und Abwechslung sorgen und die Reize setzen, die für eine harmonische Gesamtentwicklung des jugendlichen Organismus und die Erhaltung und Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit notwendig seien. Als wichtigsten Aspekt im neuen gymnasialen Lehrplan räumte Fachbetreuer Ulrich Zeuß der Gesundheitserziehung oberste Priorität ein. Bei gekürzter Sportstundenzahl sei ein Erfolg dieser Lehrplaninitiative natürlich auch von der Unterstützung der Eltern für genügend Bewegung und entsprechend ausgewogener Ernährung abhängiger geworden.

Als Übergang zum sportpraktischen Teil ging Hermann Werner mit einigen Folien auf die wichtigsten Haltungsschwächen und muskulären Dysbalancen bei den Schülern ein. Mit einem kleinen Laufprogramm wurde das Herz- Kreislaufsystem der Eltern und Schüler angeregt, um sich auf die kommenden Belastungen einzustellen. Die aktuellsten Erkenntnisse vom Dehnen wurden anschaulich in die Praxis umgesetzt, wobei die zunehmende Bedeutung für die Beweglichkeit und verletzungsfreies Training durch abwechslungsreiche Übungen verdeutlicht wurde. Mit fast 70 Basketbällen forderte Wolfgang Ferner alle Aktiven zu konzentrierter Ballbehandlung und kleinen Spielformen auf.

Zu einem kurzweiligen Bewegungsangebot luden anschließend fünf Stationen mit entsprechendem Wechsel ein. Dabei wurden alle parallel beim Badminton, Übungen zur Kraftausdauer, Minitrampolin mit großer und schräg gestellter Weichbodenmatte (Christine Habich), Teppichfliesen als Sportgerät und Volleyballtechnik (Alf Merkel) mit interessanten Sportmöglichkeiten vertraut gemacht. Eine Staffel aller fünf Gruppen mit großen Filzpantoffeln wurde von vielen Anfeuerungsrufen begleitet. Die abschließende Entspannungsphase brachte Eltern und Kinder gefühlsmäßig näher, als sie sich gegenseitig eine leichte Rückenmassage mit Tennisball gönnen konnten. Die Anregung zu einer kleinen Nachbesprechung mit dem Ausgleich der Flüssigkeitsverluste im Sportunterricht wurde gerne angenommen. Die uneingeschränkt positive Resonanz verbindet sich mit der berechtigten Hoffnung, dass Schüler und Eltern über die Bedeutung von Schul- und Freizeitsport künftig häufiger sprechen und nach Bewegungsmöglichkeiten suchen.


Bocholter Volkszeitung 30.1

Start ab dem nächsten Schuljahr
Ost-Modell fasst im Westen Fuß

Berlin (sid). Ein Ost-Modell fasst im Westen Fuß. Die Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) der ehemaligen DDR werden mit Beginn des Schuljahres 2001/2002 auch in den Westteil der Metropole "exportiert". "Wir werden zwei Klassen mit jungen Athleten einrichten, die pro Woche zehn Stunden Sportunterricht haben, davon acht in ihrer jeweiligen Spezialdisziplin. Und abends wird in den Vereinen trainiert", erklärt Rüdiger Barney, Leiter der für das Modell vom Berliner Sensat ausgewählten Poelchau-Oberschule im Stadteil Charlottenburg, die zudem eine gymnasiale Oberstufe erhalten wird.
Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), nennt den nach langer Anlaufzeit getroffenen Beschluss des Senats ein "leuchtendes Beispiel". "Es wird Zeit, dass wir endlich auch im Westteil derartige Schulen bekommen", erklärte von Richthofen, der in der Analyse der Olympischen Spiele von Sydney in den vergangenen Wochen kein Blatt vor den Mund nahm. Bei der Heranbildung künftiger Olympioniken müsse sich der deutsche Sport generell auf die Elite-Einrichtungen nach DDR-Version besinnen, "natürlich ohne das alte propagandistische Beiwerk". Im Ostteil Berlins existieren noch drei Nachfahren des alten DDR-Modells mit insgesamt über 1.000 Schülern.

Ganz in diesem Sinne war man bei "Poelchaus" schon 1997 daran gegangen, den Sport im schulischen Alltag zu betonen. Im Kampf mit den Behörden und in Kooperation mit umliegenden Vereinen wurde im ersten Jahr 94 Teenagern ein erweitertes Sportangebot vorgestellt. "Die Sportklassen waren eine Reaktion auf die veränderte Situation in unserem Umfeld, die Zahl der Schulpflichtigen hat in den letzten Jahren um 600 abgenommen", berichtet Barney und hofft mit seinem "Profil Sport" bundesweit auf Nachahmer. "Wenn eine Schule heute auf Dauer bestehen will, muss sie attraktiv sein. Sport ist unsere Chance."

Über die Plätze entscheiden die Verbände

Derzeit gehen über 300 der insgesamt 650 Schüler in den Klassen sieben bis zehn zum Training, bevor für sie die erste Unterrichtsstunde beginnt. Für eine Klasse pro Jahrgang soll das so bleiben, drei weitere Klassen werden als Regelklassen geführt.

Die Sport-Klassen sind dem Leistungssportgedanken in den Disziplinen Leichtathletik, Hockey, Schwimmen, Wasserball, Rudern und Moderner Fünfkampf verbunden. "Allein die Klassenstärke von jeweils 25 Schülern ist ein Luxus", sagt Barney. "An wen die Plätze vergeben werden, entscheiden die Landesfachverbände und der Landessportbund, der auch viele Trainer bereitstellen wird."

Entscheidender Unterschied zu den drei Eliteeinrichtungen im Osten, wo einst Schwimm-Weltrekordlerin Franziska van Almsick oder Bahn-Olympiasieger Robert Bartko die Schulbank drückten und 40 der insgesamt 59 Berliner Sydney-Starter ihre Karrieren vorbereiteten: Dem "Modell Poelchau" ist kein Internat angeschlossen. Das war bei der klassischen Variante unabdingbar, weil zu DDR-Zeiten die meisten Olympioniken in spe aus anderen Städten in die Zentren und zu den großen Klubs delegiert wurden. "Wir brauchen kein Internat", sagt Barney. "Unsere Sportler kommen alle aus Berlin und die Eltern wollen, dass ihre Kinder zuhause schlafen."


Karlsruher Nachrichtenmagazin 29.11.

Papa Boris bringt Bewegung in Deutschlands Schulen

Unsportliche und übergewichtige Schulkinder gehören, wenn es nach Ex-Tennisstar und Vater Boris Becker geht, demnächst der Vergangenheit an. Die Spielgefährten seines sechsjährigen Sohnes Noah Gabriel haben ihn auf die Idee gebracht, mit Unterstützung seines Internet-Partners AOL die Initiative "Fit for Future" zu gründen. In zunächst zehn deutschen Städten werden ab Februar insgesamt 500 Schulen mit Tonnen ausgestattet, in denen sich jeweils über 100 verschiedene Spiel- und Sportgeräte befinden, die für eine "aktive Pause" genutzt werden sollen.

"Wir müssen unsere Kinder wieder mehr für Sport begeistern und ihnen vor allem Bewegungsmöglichkeiten bieten", sagte Becker am Dienstag bei der Präsentation der werbewirksamen Initiative in Hamburg: "Noah ist sehr sportlich, das liegt wohl auch am Vater. Aber viele seiner Freunde haben nur wenig Ball- und Bewegungsgefühl."Insgesamt drei Millionen Mark will sich AOL die Aktion kosten lassen. Jede der zu Spieltruhen umfunktionierten Mülltonnen soll einen Wert von 3.000 Mark haben. Die Kultus- und Bildungsministerien der Bundesländer sollen die Aktion unterstützen und bei der Auswahl der Schulen helfen. Bundesweit finden derzeit im Schnitt nur 2,65 Wochenstunden Sportuntericht statt. Für 60 Prozent der Schüler ist der Schulsport die einzige sportliche Betätigung.

Hamburger Abendblatt 29.11.

Ein Doppel für den Schulsport

"Ich bin drin!" Diesen Werbeslogan kennt inzwischen jeder und verbindet ihn mit einem Namen: Boris Becker. Doch der war noch lange nicht drin, als die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Turmweg gestern Mittag lauthals und vor laufenden Fernsehkameras im Foyer des Milchstraßenverlags "Boris, Boris!" riefen. Für die Kids ein Riesenspaß, doch "Bobele" kam vorerst nicht.Auch zur Pressekonferenz des Internetdienstleisters AOL mit seinem größten Zugpferd Becker erschien er erst eine halbe Stunde später. Zuvor stellten Robert Lübenoff, Geschäftsführer der lübMedia GmbH, und Uwe Hedendorp, Vorsitzender Geschäftsführer AOL Deutschland, die Pläne und Ziele des neuen Projekts "AOL fit for future by Boris Becker" vor.
Die privatwirtschaftlich geförderte Boris-Becker-Schulsportinitiative mit rund drei Millionen Mark Gesamtbudget stiftet in diesem Schuljahr 500 mit Sportgeräten gefüllte Mülltonnen für 500 Schulen in zehn deutschen Städten. "In der Klasse meines Sohnes Noah sind so viele Kinder trotz ihrer sechs bis sieben Jahre schon übergewichtig, dass mich das alarmiert hat. Deshalb muss in den Schulen unbedingt etwas getan werden", sagt der Tennisstar."Es ist wichtig, dass die Schüler in den Pausen und Freistunden von den Lehrern animiert werden, sich mehr zu bewegen," unterstützt Lübenoff Beckers Anliegen. Auch die Kultusministerien ziehen. Sie wählen die Schulen aus, die dann sagen können: "Wir sind dabei".



 

Passauer Neue Press 28.11.

Alarmglocken läuten:
Soll- und Ist-Zahlen klaffen im Schulsport weit auseinander

Dass Soll- und Ist-Zahlen im Schulsport weit auseinander klaffen, belegte Regierungsschuldirektor Martin Hans am Wochenende bei der Jahrestagung des BLSV- Bezirks Niederbayern in Oberteisbach.
So würden im Hauptschulbereich im differenzierten Sport nur durchschnittlich 56 Prozent der vorgegebenen Stunden erfüllt. "Der Lehrplan steht, aber die Sportstunden werden überall gekürzt", sagte Hans, der sich vor allem mit der Situation in den Grund- und Hauptschulen beschäftigte. Dass diese alarmierenden Zahlen aber auch auf weiterführende Schulen übertragen werden können, bestätigte ein anwesender stellv. Schulleiter eines Gymnasiums.
Martin Hans hinterfragte die Umsetzung der neuen Lehrpläne und wie es um die Qualität der Lehrer bestellt ist. Die "beste Ausbildung" haben laut Regierungsschuldirektor die Fachlehrer an den Hauptschulen vorzuweisen. Aber hier komme auf die Gesellschaft ein "großes Problem zu, wenn diese Fachlehrer in einigen Jahren in die Pension gehen!" Dann müsse der Sportunterricht von den Volksschullehrern aufgefangen werden. Der Regierungsschuldirektor appellierte an die Politik, die Sportstunden an den jeweiligen Schulen nicht zu kürzen. Andererseits müsse man auch zugeben, dass nicht genügend qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung stehen würden. Hans warb für die Schulsport- Arbeitsgemeinschaften mit den Vereinen ("Sport nach 1"), informierte über Stützpunktschulen und sorgte sich über den Rückgang bei den Schulsport-Wettbewerben.
Angesprochen wurde auch die sogenannte "Budgetierung" an den Gymnasien, weil hier den jeweiligen Schulleitern der "Schwarze Peter" zugeschoben werde. MdL Udo Egleder, zugleich stellv. BLSV-Bezirksvorsitzender, sprach gar von einer "Bewegungskatastrophe für unsere Kinder", weil die Ausfälle von "zigtausend Stunden beim Basissport" unter dem Teppich gekehrt würden...
 



Kitzinger Volksblatt 24.11.

Bewegende Momente für Eltern
Der angekündigte Eltern-Sportabend im Franken-Landschulheim Schloss Gaibach stieß wiederum auf eine Super-Resonanz.

Ein Projekt, das im Rahmen des Seminars "Lernen lernen" inszeniert worden war. Zahlreiche interessierte Eltern hatten sich in der Turnhalle eingefunden, in der die Sportlehrer Katrin Abraham und Peter Hien über die "Bedeutung der körperlichen Bewegung der Kinder für ein positives Lernen" referierten. Die Information war breitgefächert, beinhaltete auch genügend Übungen, die gleich praktiziert wurden. Fleißigster Turner war Realschulrektor Jòzsef Bogàr, der vom "warming up" bis zum Endspurt mit von der Partie war. Auf alle Fälle gab es genügend Tipps und Anregungen für "lernwillige" Eltern, die begeistert bei der Sache waren und die neuen Ideen zu rhythmischer Musik gerne aufgriffen.

Bewegungs-, Spiel- und Sporterziehung sind wesentliche und nicht ersetzbare Bestandteile der Gesamterziehung. Sie tragen zur Bildung der Gesamtpersönlichkeit und zum Erhalt der Gesundheit bei, so das Credo des Abends. Schließlich fände man immer häufiger im Kindes- und Jugendalter psychosomatische Störungen, Übergewicht, Koordinations- und Haltungschwächen sowie insgesamt geringere Belastbarkeit. Eine der Hauptursachen hierfür sei nachweislich der Bewegungsmangel. Auch der Schulsport werde immer wichtiger, verwiesen die beiden Lehrkräfte auf den neuen Lehrplan für die bayerischen Gymnasien und die Förderung der Gesundheitserziehung im Sportunterricht.

So wolle man sich auch am Franken-Landschulheim dieser Thematik verstärkt widmen, unterteilten die Sportlehrer in den Lernbereich "Gesundheit" mit gesundheitsorientierten Fitnessfaktoren, Bewegungserleben, Entspannungsfähigkeit und Ernährung, in den Lernbereich "Umwelt" mit Kenntnissen über die Bedeutungsvielfalt der Begriffe Sport und Umwelt sowie den Lernbereich "Fairness/Kooperation". Die unter dem Lernbereich "Leisten/Gestalten/Spielen" dargestellten Sportarten seien der Ausgangspunkt zur Verwirklichung der anderen drei Lernbereiche.

Wechselweise führten Abraham und Hien die Leitziele für einen modernen Sportunterricht an, belegten dies auch gleich mit praktischen Beispielen. Genannt wurde unter anderem: Freude an der Bewegung schaffen, für lebenslanges Sporttreiben sensibilisieren, das Miteinander fördern, das Gegeneinander abbauen, aber auch Belastungen individuell dosieren, Überforderungen vermeiden und Lernfortschritte in positive Verstärkung umsetzen.

Zu den Schwerpunkten der Gesundheitserziehung im Schulsport führten sie das Ziel an, Geschicklichkeit und Fitness zu erwerben. Kurzum, das "aktive Rezept". Dabei seien die Gemeinsamkeit und das Bewegen im Freien besonders wichtig. Vor allem aber soll der Schulsport allen, auch leistungsschwächeren Schülern Spaß machen. Und gerade Eltern könnten wesentlich zum Erfolg der Initiative beitragen, nannten sie die Förderung der sportlichen Aktivität der Kinder in der schulfreien Zeit und die gesunde Ernährung. Außerdem wäre ein gutes Vorbild in Sachen Bewegung und Gesundheit am besten.

Dass sportliche Bewegung durstig macht, ist keine Frage. Und so wartete auf die Eltern ein Buffet mit durstlöschenden, kalorienarmen Getränken und ohne Zucker angerichtet. Lehrerin Isabelle Pfaff, die schon beim Seminar "Lernen lernen" mit zündenden Ideen und überraschenden Tipps zur Ernährung aufgewartet hatte, empfahl hier unter vielen Kombinationen auch Mineralwasser, Apfeldirektsaft ohne Konservierungsstoffe und kalten Früchtetee
 


Sächsische Zeitung 23.11.
 

Zum Schulsport überzeugen, nicht bloß animieren

Im Medienzeitalter verlieren immer mehr Jugendliche das Interesse an der Bewegung

Dass sich die Zeiten geändert haben, dies sieht Sportlehrer Wolfgang Lehmann täglich in der Turnhalle der 2. Mittelschule in Weißwasser. Wenn er den Schülern beim Sport zusieht, überkommt den 48-jährigen Pädagogen mitunter das Grausen. Der Grund: "Viele von ihnen beherrschen ja nicht einmal die Rolle vorwärts." Dann ist Lehmann gefordert, muss Hilfestellung geben, damit "sich keiner das Genick bricht".
Nicht einmal die einfachsten Dinge könne man heutzutage im Sportunterricht von den Schülern verlangen, klagt Lehmann, der wie viele seiner Kollegen regelrecht darunter leidet, dass es mit der körperlichen Leistungsfähigkeit der Heranwachsenden alles andere als gut bestellt ist. Denn im Medienzeitalter werden Kinder und Jugendliche in Deutschland zunehmend bewegungsfauler und träger, leiden unter Haltungsschäden und Übergewicht, weisen aufgrund fehlender Spielerfahrungen oftmals große motorische Schwächen im Bewegungsablauf auf.
Untersuchungen ergaben, dass in Deutschland 40 Prozent der zwölfjährigen Schüler an Herz-Kreislauf-Problemen leiden, 30 Prozent Haltungsfehler haben und 20 Prozent übergewichtig sind. Kein Wunder, dass da vor kurzem der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Alarm schlug und, als eine von vielen Maßnahmen, auch eine Aufstockung des Sportunterrichtes forderte.

Bildschirm ist wichtiger als das Fahrrad

Ob allerdings eine Erhöhung von den in Sachsen derzeit drei vorgeschriebenen wöchentlichen Sportstunden das Problem beseitigt, daran glaubt, wie eine Umfrage der SZ unter den Sportlehrern im Kreis ergab, kaum einer. Das grundsätzliche Problem sei doch, findet der 39-jährige Andreas Socke, der seit 1990 am Nieskyer Gymnasium als Sportlehrer unterrichtet, dass in der heutigen Informationsgesellschaft schon für die Sechs- bis Zehnjährigen der Bildschirm wichtiger sei als das Fahrrad oder der Ball. Wenn schon Kinder im Vorschulalter stundenlang vor dem Computer sitzen, brauche man sich doch nicht wundern, dass da "körperliche Koordinationsschwächen" auftreten.
Socke versucht sich mit diesen Gegebenheiten zu arrangieren. Man sei nun als Sportlehrer gefordert, meint der Nieskyer, der sich vor jeder Unterrichtsstunde "einen Kopf macht", wie er seine Schüler für den Sport motivieren könne. Wichtig sei es vor allem, so Socke weiter, "schon alleine die Bemühungen der Schüler" zu honorieren. Norbert Breuer, Sportlehrer an der 3. Mittelschule in Weißwasser, findet gar, dass sich das Berufsbild der Sportlehrer seit einiger Zeit um einige Nuancen verschoben hat. Breuer: "Wir sind zu Animateuren geworden, die den Schülern die Freude an der Bewegung neu vermitteln müssen."
Kein einfaches Unterfangen, denn bei vielen Jugendlichen hat sich die Erkenntnis fest gesetzt, dass man in einer kopfgesteuerten, medien-hörigen und bildschirmorientierten Berufswelt nur mithalten kann, wenn man täglich einige Stunden vor dem Computer verbringt, "um infomäßig am Ball zu bleiben", wie das der 16-jährige Mittelschüler Werner K. (Name geändert, d. Red.) bezeichnet. Mit Sport braucht man dem Weißwasseraner nicht kommen: "Interessiert mich nicht". Vom Sportunterricht drückt er sich "wo es nur geht". Lieber surft er im Internet herum. Stundenlang. "Ist besser als das Herumgehopse in der Turnhalle" meint er und gehört damit zu der Klientel, die den Krankenkassen zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Denn auch dort hat man bereits registriert, dass Bewegungsmangel-Krankheiten in den kommenden Jahren eine immense Kostenlawine auslösen werden.
Um das zu verhindern, versucht man präventiv tätig zu werden. So bietet die AOK in Sachsen im kommenden Jahr Kurse für Kinder und Jugendliche an. Unter dem Motto "Spielend aktiv" will man Freude an der Bewegung vermitteln. Gleichzeitig strebt man bei der AOK eine intensivere Zusammenarbeit mit den sächsischen Schulen an, um mit Projekten wie "Gesunde Schule" Eltern und Pädagogen auf die Bedeutung von Sport für die Heranwachsenden hinzuweisen.

Die Schüler geschickt motivieren

Ganz so schwarz sieht ein Sportlehrer aus Rothenburg jedoch nicht: Man müsse die Jugendlichen ganz geschickt motivieren, meint der Rothenburger. Wenn man Kinder bereits im Vorschulalter zum Sport treiben animiere und sie von der Notwendigkeit der Bewegung überzeugen könne, und zwar derart, dass sie ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie mal nicht regelmäßig Sport treiben, dann hätte man künftig kaum noch Probleme mit "übergewichtigen und bewegungsfaulen Schülern"



Iserlohner Stadtanzeiger 23.11.

Pädagogischer Aspekt im Vordergrund

Die endgültige Antwort auf die Frage, wie der Schulsport zukünftig wieder einen von allen Anwesenden geforderten, höheren Stellenwert erhalten könne, musste zwar bis zum Veranstaltungsende offen bleiben, doch ein Besuch der Podiumsdiskussion zum Thema "Schulsport im Spannungsfeld zwischen Leistungs- und Gesundheitssport" war auch so lohnenswert....

 Nachdem die Veranstaltung mit dem provokanten Zitat von Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler (. . . den Schulsport in Deutschland können wir abschaffen . . . Erbsenweitspucken sollte nicht das Ziel sein; Kinder sollten laufen, werfen, springen . . .) eröffnet worden war, bekannte sich Armin Baumert zunächst eindeutig zum weiterhin geltenden Leistungsprinzip in unserer Gesellschaft, so dass auch der Schulsport vor allem Belastungsreize setzen sollte. Seiner Meinung nach sind zwar auch in Deutschland noch genügend potentielle Talente vorhanden, es fehlen jedoch die nötigen Vorbilder, sowohl in der Schule (d. h. unter den Sportlehrern) als auch in den Vereinen. Baumert plädierte daher für die flächendeckende Schaffung von "sportbetonten" Schulen ähnlich der Kinder- und Jugendsportschulen in der früheren DDR.

 Harald Schmid, früher ebenfalls als Sportlehrer tätig, sah o. g. Konzept dagegen eher kritisch und wählte einen völlig anderen, individuelleren Ansatz. Schmid appellierte in einem flammenden Plädoyer an die Sportlehrer, den Schülern vor allem wieder Spaß beim Sportuntericht zu vermitteln und als Vorbild und Ansprechpartner zu dienen. Außerdem sollten die Sportlehrer sich selbst mehr Anerkennung im Schulkollegium verschaffen und so ihrem Fach einen höheren Stellenwert verschaffen. Schließlich müsste die Zusammenarbeit zwischen Schule und Vereinen erheblich verbessert werden, um im Schulsport entdeckte Talente auch spezifisch fördern zu können.

 In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde vor allem von den anwesenden Sportlehrern Zweifel geäußert, dass es nicht die Aufgabe der Lehrer sein könne, neue Weltmeister hervor zu bringen, da beim Schulsport eindeutig der pädagogische Aspekt für alle Schüler im Vordergrund stehen müsse. Man könne lediglich versuchen, eventuelle Talente zu entdecken und dann an die Vereine weiter zu vermitteln.

 In ihrem Schlusswort einer gelungenen Veranstaltung zu dem vielschichtigen Thema Schulsport wies Dagmar Freitag dann nochmals auf die Bedeutung einer guten Kooperation zwischen Schule und Verein zur besseren Talentförderung hin und erntete für ihre Forderung nach mehr "Sportverrückten" wie z. B. Heiner Meyer und Werner Glingener aus dem Iserlohner Raum nochmals Applaus aus dem Auditorium.



Saarbrücker zeitung 21.11.

Die Schüler wollen auch im Unterricht skaten

Sportliche Leistungsfähigkeit der Schüler in Deutschland laut einer neuen Studie erschreckend schwach - 60 Prozent sagen aber: Sport ist mein Lieblingsfach

Werden die Deutschen zum Volk von Bewegungs-Krüppeln? Eine neue Studie des Instituts der Ärzte in Deutschland stellt erhebliche Defizite in der Beweglichkeit und Ausdauer der zwölf- bis 18-Jährigen fest.

Berlin. Die körperliche Leistungs-Fähigkeit der jungen Generation in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten in erschreckendem Maße nachgelassen. Das betrifft vor allem Fähigkeiten wie Ausdauer, Kraft und Koordinationsvermögen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (Wiad) mit dem Titel "Aufschwung oder Abschwung - wie fit ist Deutschlands Jugend?" Die Studie wurde jetzt in Berlin vorgestellt. Einen entsprechenden Auftrag hatten der Deutsche Sportbund (DSB) und der AOK-Bundesverband erteilt. Beide Einrichtungen arbeiten seit längerer Zeit eng zusammen.

Wiad-Geschäftsführer Dr. Lothar Klaes erläuterte als ein Ergebnis der Studie, dass "56 Prozent der 1057 in die Untersuchung einbezogenen Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren Haltungsschäden und 40 Prozent Übergewicht haben. Aber 60 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in diesem Alter sagen, dass Sport ihr Lieblingsfach in der Schule ist. Sie hätten gerne noch mehr Schulsport-Unterricht. Dieser fällt aber aus den verschiedensten Gründen zu 13 Prozent aus oder wird gekürzt."

Auch was den Inhalt des Schulsports betrifft, wünschen sich die Befragten eine Änderung. Der Unterricht sollte ihrer Meinung nach, ihrem aktuellen Freizeit-Verhalten angepasst werden. Deshalb sprachen sich 51 Prozent der Befragten für Inline-Skating in der Schule aus. Klaes machte in seinen Aussagen auf weitere interessante und zu Schlussfolgerungen herausfordernde Fakten aufmerksam. So treiben 84 Prozent der Zwölf- bis 18 Jährigen über die obligatorische Schulstunde hinaus Sport. Darunter 34 Prozent mehr als sechs Stunden in der Woche. Mädchen machen deutlich weniger Sport als Jungen. Diese Tendenz schlägt sich besonders deutlich im organisierten Sport nieder. Vereinen gehören 66 Prozent männliche, aber nur 47 Prozent weibliche Jugendliche an. Etwa ab dem 15. Lebensjahr gehört mit steigender Tendenz die Mehrheit der Mädchen keinem Sportverein mehr an.

Außerdem heißt es in der Studie: "Die Eltern sind nach wie vor ein wichtiges Vorbild für ihre Kinder in Bezug auf Sport und Bewegung. Bei der Menge des Sporttreibens wird zwischen Ost und West kein auffälliger Unterschied mehr festgestellt. Allerdings sind immer noch weit weniger Jugendliche aus den neuen Bundesländern in Sportvereinen organisiert als westdeutsche Jugendliche."

In den Sportvereinen liegen bei den Jugendlichen die traditionellen Sportarten wie Fußball (31 Prozent), Tennis (13), Volleyball (10), Handball und Schwimmen (je 8), Reiten und Tischtennis (je 7), Tanzen (6), Leichtathletik (5) und Basketball (4) an der Spitze. Außerhalb der Vereine verteilen sich die größten Interessen auf Radfahren (67 Prozent), Inline-Skating (42), Fußball (40), Schwimmen (40), Jogging (30), Tischtennis (25), Basketball (22), Fitnesstraining (18), Volleyball (14) und Squash/Badminton (12). Die Studie legt dieses Fazit vor: "Der hohe Stellenwert des Sports bei Kindern und Jugendlichen steht in krassem Gegensatz zu den Ergebnissen vergleichbarer sportmotorischer Untersuchungen. Daraus ist zu schließen, dass ein hohes Sport-Engagement an sich noch nicht allein für eine ausgewogene Balance motorischer Grundfähigkeit sorgt. Deshalb ist es notwendig, die Erforschung der Defizite weiter voranzutreiben. Zum anderen sind alle Bereiche der Gesundheits-Versorgung sowie des organisierten und schulischen Sports jetzt aufgefordert, Angebot und Durchführung sportlicher Aktivitäten verstärkt auch auf eine Veringerung motorischer Defizite hin auszurichten."

"Der Deutsche Sportbund macht sich große Sorgen um den Schulsport", stellte DSB-Präsident Manfred von Richthofen fest. Eine erste Initiative hat die AOK als Partner des Deutschen Sportbundes inzwischen in ihrer Verantwortung um die Gesundheit der Bürger bereits ergriffen. Unter dem Motto "Fit sein macht Schule" stellt sie allen Sportlehrern der Bundesrepublik einen "Bewegungs-Check-Up" zur Verfügung. "Mit seiner Hilfe können sich Klassen und Schulen miteinander messen und vergleichen", sagte der AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Hans-Jürgen Ahrens. Es ginge darum, zu verhindern, "dass wir ein Volk von Bewegungskrüppeln werden."


Hamburger Morgenost 2011.

Haltungsschäden - Übergewicht - Leistungsschwund

Studie Schulsport: Alarmstufe ROT

Die Hälfte aller Schulkinder hat Haltungsschwächen, 40 Prozent leiden unter Übergewicht, und die körperliche Leistungsfähigkeit hat beim Nachwuchs erheblich nachgelassen. Das ist das alarmierende Ergebnis einer Studie, die der Deutschen Sportbund und die AOK in Auftrag gegeben haben.

Mitarbeiter des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) befragte und untersuchte bundesweit 1050 Jungen und Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren. Das Ergebnis: Vor allem bei Bewegungs-Übungen, die viel koordinative Fähigkeiten erfordern (Ballprellen), schnitten die getesteten Schüler nur "ausreichend" bis "schlecht" ab. Ebenso negativ fielen Kraftübungen (Halten im Hang) und Ausdauertests (Stufensteigen) aus.

Bekannt ist diese Problematik auch in der Hansestadt. Bei einer Sportausschuss-Sitzung zum Thema betonte ein Hamburger Sportmediziner, dass immer mehr Kinder bereits mit fünf bis sechs Jahren ausgeprägte Haltungsschäden haben. Immer öfter treten auch Herz-Kreislaufprobleme und Übergewicht im Kindesalter auf. Der Mediziner forderte eine Ausdehnung des Schulsports. Tatsächlich wünschten sich auch 60 Prozent der in der WIAD-Studie befragten Schüler mehr Sportstunden und klagten über Unterrichtsausfälle.

Auch in Hamburg kritisieren Lehrer, GEW und Vertreter der CDU, dass es zu wenig Sportunterricht gibt. Laut Richtlinie können seit knapp zwei Jahren etwa Grundschulen selbst entscheiden, ob sie zwei oder drei Stunden Sport anbieten. "Dadurch ist es auf breiter Front zu Kürzungen im Schulsport gekommen", sagt Bettina Pawlowski, Familienpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Die GEW sieht die Lage ähnlich: "Sowohl die Schulen als auch Eltern stufen Mathe und Deutsch einfach höher ein als Sport", sagt Rainer Kuhfeld vom GEW-Sportausschuss. "Und mit der flexiblen Stundenregelung wurde der Schulsport zum Abschuss freigegeben." Die GEW fordert drei Sport-Pflichtstunden und die stringente Umsetzung des Konzepts "Bewegte Schule". Dadurch soll nicht nur im Sportunterricht, sondern auch auf dem Schulhof und im Klassenzimmer mehr Raum für Bewegung geschaffen werden.

Das Amt für Schule will von angeblichen Kürzungen im Sportunterricht nichts wissen. Und da es kein Datenmaterial zum Thema Sportstunden gibt, weiss niemand so genau, wie viel Sport denn nun tatsächlich gegeben wird und wie viel ausfällt. Doch Rainer Kuhfeld ist sich in einer Sache sicher: "Hinter dieser Politik steckt vor allem ein Sparpaket."


Volksblatt Kitzingen 18.11.

In die Schule kommt Bewegung

Mit dem Startschuss für die Initiative "Bewegte Schule" an den Nymphenburger Schulen in München dehnte das Bayerische Kultusministerium die 1997 gestartete Initiative "Bewegte Grundschule" auf alle Schularten aus. Auch das Franken-Landschulheim Schloss Gaibach steht der "bewegten Schule" positiv gegenüber.

Bewegungsförderung stelle im Konzept der "bewegten Schule" einen Beitrag zu einer ganzheitlichen Erziehung dar. Mehr Bewegung beeinflusse nicht nur Lernmotivation und Lernklima positiv, sondern auch kognitive Prozesse. Neuere Untersuchungen belegten eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit durch bewegungsfördernde Maßnahmen in der Schule.

Das Konzept der "bewegten Schule" sieht fünf Elemente vor. Zum "Bewegten Verhalten" beeinhaltet es die richtige Körperhaltung und die Vermeidung von Fehlbelastungen durch dynamisches Sitzen, zur "Bewegten Pause" konkrete Bewegungsangebote und Gestaltung der Pausenbereiche in Lauf-, Spiel und Ruhezonen. Der dritte Punkt ist die Rhythmisierung des Schultages. Ein Angebot von Bewegungs- und Entspannungsübungen in allen Fächern und Unterrichtsstunden, daneben die Bewegungsförderung durch Schulsport und schließlich die Schulaktionen für ein "Bewegtes Leben" wie Projekttage, Klassenfeste, Schulfeiern, Aufführungen oder beispielsweise Elternabende.

Im Zusammenhang mit dem erfolgreich abgelaufenen Seminar "Lernen lernen" verweisen Schulleitung und Elternbeirat des Franken-Landschulheimes auf den für Mittwoch, 22. November, 1930 Uhr, geplanten Eltern-Sportabend in der Turnhalle I in Gaibach, unter Leitung der Sportlehrer Katrin Abraham und Peter Hien. Das Thema: "Welche Bedeutung hat körperliche Bewegung unserer Kinder für ein positives Lernen?"


Nürnberger Zeitung 17.11.

Kultusstaatsekretär Karl Freller im NZ-Gespräch

„Die dritte Stunde wurde eigentlich nie gestrichen“

Nach vier Jahren soll die volle dritte Sportstunde wieder an bayerischen Schulen eingeführt werden. Die NZ sprach mit dem Kultusstaatssekretär Karl Freller über diese Korrektur der Staatsregierung zum Thema Schulsport.

NZ:Ist das Zugeständnis der Staatsregierung, die dritte Sportstunde wieder einzuführen, auf die massiven Proteste von Seiten der Lehrer, Vereine und Mediziner zurückzuführen?

 FRELLER: Diese dritte Stunde wurde ja eigentlich nie gestrichen. Sie sollte nur an den weiterführenden Schulen nicht mehr von hauptamtlichen, sondern von nebenberuflichen und nebenamtlichen Lehrkräften erteilt werden. Und hier hat sich herausgestellt, dass die Lehrkräfte nicht im erhofften Umfang bereitstehen. Daher wollen wir das wieder korrigieren. Wir sind selbst davon überzeugt, dass der Sportunterricht wichtig und notwendig ist. Wobei ich betonen möchte, dass die Grundschule von dieser Problematik nie berührt wurde.

 NZ: Seit diesem Schuljahr kommen bereits 20 000 Schüler der 5. und 6. Klasse wieder in den Genuss einer dritten Sportstunde. An welchen Schulen ist das noch nicht der Fall, nach welchen Kriterien hat man entschieden?

 FRELLER: Es fand keine konkrete Auswahl etwa nach Schularten statt. Uns war es wichtig, dass vor allem unsere jungen Schüler ausreichend Sportunterricht erhalten. Hier muss präventiv gegen Bewegungsmangel vorgegangen werden. Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass es nicht in allen Schulen zu einer Redu zierung auf zwei Pflichtstunden kam. An etlichen Schulen hatten wir noch 2,5 Stunden Sport.

 NZ:Wie lange wird es dauern, bis die dritte Stunde landesweit wieder eingeführt ist?

 FRELLER: Das lässt sich noch nicht absehen. Das wird von den Beratungen des nächsten Doppelhaushalts abhängen. Wir beginnen in diesem Jahr mit drei Millionen Mark, für den kommenden Doppelhaushalt 2001/2002 sind 10 Millionen Mark für den Schulsport vorgesehen. Wir werden natürlich versuchen, diese Mittel in den künftigen Verhandlungen zu steigern. Hier einen zeitlichen Rahmen abzustecken, ist unmöglich.

 NZ: Es müssen sicher auch Planstellen geschaffen werden, um dieses 3-Stunden-Pensum abdecken zu können. Nicht zuletzt auch deshalb, da heute bereits Sportstunden ausfallen müssen.

 FRELLER: Was den Sportunterricht an Grundschulen anbelangt, können wir verbindlich sagen, dass er zu 97 Prozent auch gegeben wird. Natürlich muss man zwei Dinge berücksichtigen. Wenn die Schülerzahlen wieder zurückgehen, haben wir wieder Kapazitäten frei. Auf der anderen Seite werden wir selbstverständlich versuchen, die dritte Sportstunde für alle Schüler auch mit zusätzlichen Stellen zu erreichen. Darüber hinaus haben wir Beschlüsse der Staatsregierung, dass jährlich 500 zusätzliche Stellen in Bayern geschaffen werden, und hier wird auch das Fach Sport profitieren.


Thüringer zeitung 16.11.

Sportliche Höhenflüge zu Disco-Klängen

ARNSTADT (ak).Zum mittlerweile 9. Robert-Bosch-Wettkampf "Alternativer Hochsprung mit Musik" gingen gestern die besten Hochspringer der Bosch-Schule in Arnstadt an den Start. Heute findet dieser Ausscheid im Regelschulteil in Holzhausen statt, an dem auch einige Viertklässler teilnehmen.

Wie bei seinem bekannten Vorbild werden auch die Sprünge der Schüler von moderner Musik aus der Konserve begleitet. Doch die Bewertung der Leistung erfolgt etwas anders als üblich. Hier gewinnt, wer seiner Körpergröße am nächsten kommt. "Das hat den Vorteil, dass Kleinere wie Größere eine Chance erhalten", erklärte Sportlehrer Manfred Göldner den Modus. Die Idee für diesen alternativen Wettkampf, für den sich die besten Fünf aus jeder Klasse im Sportunterricht qualifizieren, haben die Arnstädter übrigens kurz nach der Wende aus der Partnerstadt Kassel mitgebracht.

 Die besten Springer erhalten Urkunden und für die Sieger in jeder Altersklasse gibt es auch Pokale...



 

Sindelfinger Zeitung 16.11.

Schlapp


Der Herzinfarkt mit 30 wird zur Normalität. Mangels Nachfrage werden Turnhallen in Internet-Cafés umgewandelt. 70-Jährige laufen schneller und springen höher als 20-Jährige. Ist das nur eine Horrorvision, die Gesundheitspolitiker beschleicht, wenn sie an den Gesundheitszustand der deutschen Jugend denken? Nicht unbedingt.

 Denn was Krankenkassen große Sorgen macht, muss endlich auch Gesundheitspolitiker und Kultusminister wachrütteln: Mehr als die Hälfte aller Schüler haben Haltungsschäden. 40 Prozent sind zu dick. Ursache: Bewegungsmangel. Schulsport fällt zu oft aus. 15Prozent aller 18-Jährigen treiben in der Woche weniger als eine Stunde Sport. Sie sitzen vor Fernseher und Computer. Bei Lehrermangel fällt Sport nicht selten zu Gunsten von Mathe und Latein aus. Sportlehrer sind zu alt oder Mangelware. Hier muss sich vieles ändern, sonst brauchen wir bald auch noch eine Green Card für Sportlehrer. Die Deutschen von morgen: ein Volk von Bewegungskrüppeln?

 Wer von der Schule zum Sport bewegt wird, für den bleibt Sport treiben wichtiger als für diejenigen, die keinen Sportunterricht haben. Also muss der Schulsport gestärkt und damit die Gesundheit der jungen Leute gefördert werden. Sonst sind nicht mehr nur deutsche Medaillen bei Olympia in Gefahr, sondern auch unser Gesundheitssystem.

 60 Milliarden Mark kostet die schlappe Jugend die Kassen - und damit uns alle - bereits jedes Jahr. Und das ist viel zu viel. Kultusministerkonferenz und Landesregierungen müssen die Sportkultur an deutschen Schulen schnell verbessern. Fit sein muss Schule machen.
 


Sindelfinger Zeitung 16.11

Dick, krank und unbeweglich

Jugend immer unsportlicher


 Berlin - Jugendliche lieben es, fernzusehen oder vor dem Computer zu sitzen. Das hat, verbunden mit falscher Ernährung und zu wenig Bewegung, weit reichende Folgen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenprobleme und Übergewicht nehmen stark zu. Ursache ist der Bewegungsmangel.

 Experten schätzen, dass die Folgekrankheiten jährlich Kosten von mehr als 60 Milliarden Mark für die gesetzlichen Krankenkassen verursachen. Eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (Wiad) hat im Auftrag der AOK und des Deutschen Sportbundes (DSB) die Fitness der 12- bis 18-jährigen Schüler überprüft. Das Ergebnis ist erschreckend. In den letzten fünf Jahren scheinen einfache motorische Fähigkeiten wie Ballprellen oder Standhochsprung verkümmert zu sein. ¸¸Da schrillen bei uns als Krankenkasse die Alarmglocken'', sagt Hans-Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

 Weitere Ergebnisse: Mädchen trieben deutlich weniger Sport als Jungen. Rund 60 Prozent der Kids wünschen sich mehr Unterricht in ihrem Lieblingsfach Schulsport. Aber dieses wird oft vernachlässigt oder fällt häufig ganz aus. 84 Prozent der Jugendlichen treiben über die Schulstunden hinaus Sport, doch haben bei ihnen Ausdauer, Kraft und Konzentrationsfähigkeit erheblich nachgelassen, betont der Geschäftsführer von Wiad, Klaes.

 Angesichts der Tatsache, dass 56 Prozent aller Schüler Haltungsschäden und 40 Prozent Übergewicht haben, ist es für DSB-Präsident Manfred von Richthofen ¸¸fünf Minuten vor zwölf'', den Verfall der Schulsportkultur ¸¸aufzuhalten und deutlich zu verbessern''. Hier müssten die ¸¸politischen Sonntagsredner'' zu Alltagstaten gezwungen werden, sagte von Richthofen, der durch die ¸¸latente Schulsportmisere'' die Sichtung von Sporttalenten gefährdet sieht. Die Olympischen Spiele seien dafür ein Beweis. ¸¸Nach endlosen Verhandlungen mit Kultusministerkonferenz und Vertretern der Landesregierungen sehe ich aber einen kleinen Silberstreif am Horizont'', so von Richthofen. Unter dem Titel ¸¸Schlechte Noten für Sportlehrer'' berichtete der DSB-Präsident, dass in Hessen ein Sportlehrer durchschnittlich 51 Jahre alt sei. ¸¸Das ist dann etwa so, als wolle der Großvater den Enkel für Sport und Spiel begeistern.''


Donau-Zeitung 16.11.

Jugend ohne Saft und Kraft

BERLIN (dpa). Die körperliche Leistungsfähigkeit der jungen Generation in Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren in erschreckendem Maße nachgelassen. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Die von WIAD-Geschäftsführer Lothar Klaes kommentierte Untersuchung unter dem Titel „Aufschwung oder Abschwung - wie fit ist Deutschlands Jugend“ sagt unter anderem aus, dass „rund 60 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren mehr Unterricht in ihrem Lieblingsfach Schulsport wünschen, dieser aber oft vernachlässigt wird und häufig ganz ausfällt“.

Klaes erklärte weiter: „Ungefähr 84 Prozent der Jugendlichen treiben über die Schulstunden hinaus Sport, doch haben bei ihnen nachgewiesenermaßen Ausdauer, Kraft und Koordinationsfähigkeit erheblich nachgelassen.“

40 Prozent mit Übergewicht

Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, bezeichnete angesichts der Tatsache, dass 56 Prozent der Schulkinder Haltungsschäden und 40 Prozent Übergewicht aufweisen, die Situation mittlerweile als „fünf Minuten vor zwölf“. Er sieht trotzdem positiv in die Zukunft: „Nach endlosen Verhandlungen mit der Kultusministerkonferenz und Vertretern von Landesregierungen einen kleinen Silberstreif am Horizont, den Verfall der Schulsportkultur aufzuhalten und diese zu verbessern“.

Richthofen betonte auch, dass in einem turbulenten sportpolitischen Herbst der Zustand des Schulsports endlich auch einmal im Zusammenhang mit der großen olympischen Leistungsschau in Sydney gesehen wurde.



Hamburger Abendblatt 14.11.

Moby Dick wird schlank

Sport und Gesundheitsberatung gehen Hand in Hand


..Gleich drehst du dich um und gehst. Wenn du weg bist, träume ich davon, dass ich wie du im Sportunterricht den Basketballkorb treffe, dass ich weit über den Kasten springe und dass ich beim Fußball mit dem Ball geschickt durch die Halle flitze. Ich wünsche mir, dass ich einen Freund hätte, der mich auffangen könnte, wenn ich an mir selbst zweifle. Aber weißt du, eigentlich wünsche ich mir nur, dass du mich akzeptierst, so wie ich bin, dicker als du.
"Wenn jemand zu mir sagt, ich sei dick, dann gucke ich ihn mir an, gucke, welche Schwächen er hat, und dann sage ich zum Beispiel: "Was hast du für eine hässliche große Nase!`" Jasmin Tutewohl wehrt sich, wenn sie blöde Sprüche über ihr Gewicht hört. Sie ist zwölf Jahre alt, übergewichtig, und in den letzten Monaten hat sie ein neues Ziel angepeilt: nicht weiter zuzunehmen. Wenn sie wächst, wird ihr Gewicht automatisch das richtige Verhältnis zur Körpergröße bekommen. Und das ist der dauerhafte Weg, um nicht krank zu werden.

 Jasmin nimmt am Programm "Moby Dick" für übergewichtige Kinder in Harburg teil. "Hier macht Sport mehr Spaß, weil einen hier keiner auslacht", erklären Manuel Afonso (12) und Jan Malte Gaigalat (10). Manuel hat schon einmal die Schule gewechselt, weil er in der alten Klasse wegen seines Gewichts gehänselt wurde. Bei Moby Dick fühlt er sich wohl, auch wenn er noch neu in der Gruppe ist.

 Die zehn Teilnehmer treiben einmal in der Woche zunächst eineinhalb Stunden Sport. Bei den Spielen in der Turnhalle fliegen die Bälle. Beim Fangen und Abwerfen wird unermüdlich hin und her gelaufen. Es macht allen Spaß, viel mehr Spaß als in der Schule. Dann kocht die Gruppe zusammen, isst und redet über die Erlebnisse einer langen Woche. "Schade, dass wir uns nur einmal treffen", bedauert Jacqueline Bathen (8), "mittwochs und freitags, das wäre toll."
Am Anfang stand für alle Teilnehmer des Gesundheitsprogramms ein Informationsabend, gemeinsam mit den Eltern. "Da mussten wir uns wiegen, und dann haben sie Creme auf die Hand geschmiert und viele kleine Kabel draufgesteckt", erzählt Jan Malte Gaigalat. Der anfängliche Gesundheits-Check dient später der Erfolgskontrolle.

Manchmal ist es auch schon eine kleine Warnung. Wenn der Körper zu viel Gewicht im Verhältnis zu seiner Größe tragen muss, können die Gelenke im Wachstum geschädigt werden, das Gewicht könnte zu Haltungsschäden führen oder zur Zuckerkrankheit. Dann kann der Erkrankte nicht mehr alles essen, muss sich später vielleicht immer spritzen.

Bei Moby Dick wird deshalb vorgebeugt. Dazu gehört eine Umstellung der Ernährung. Jasmin Tutewohl, Nadja Horváth und Frederike Arndt kochen zu Hause in der Woche für sich allein. Meist gibt es bei ihnen etwas, was ganz schnell geht. Was Fast Food und Fertigessen allerdings so an sich haben: Sie sind selten gesund und meist fetthaltig. Wie es anders werden kann, kann man lernen. "Meine Freunde sind alle dünn", sagt Jan Malte Gaigalat, "aber wenn ich dicke Freunde hätte, dann würde ich ihnen sagen: "Kommt doch einfach mal mit!`"
   Und ich? Wenn ich dich wieder sehe, werde ich dich fragen, ob wir Freunde werden. Ich weiß nicht, warum ich darüber vorher nie nachgedacht habe. Liegt es an dir oder an mir, dass wir ein bisschen verschieden sind?
...



 

Frankfurter Rundschau 8.11.

Die Sensibilität für den Schulsport ist auf allen Ebenen gestiegen

Landessportbund Hessen und Kultusministerium ziehen positive Zwischenbilanz / Drei neue Wettbewerbe gestartet

Von Katja Sturm

Wie lang sind 100 Meter ? Zugegeben, die Frage ist nicht schwer, doch sie dürfte unterschiedliche Antworten nach sich ziehen. Man könnte sie in Zentimetern geben (10 000), aber auch aus ganz persönlicher Sicht. Wer 100 Meter beispielsweise mit dem Rad fährt, empfindet sie sicher als kurz; wer sie im Krebsgang zurücklegt, dem könnten sie (un-) endlich lang vorkommen. Im Mathematikunterricht sind 100 Meter jedoch meist nichts Anderes als ein trockener Wert, mit dem sich mal mehr, mal weniger einfach operieren lässt.

Zumindest bis jetzt. Denn ginge es nach den Wünschen des Landessportbundes Hessen (lsb h) und des hessischen Kultusministeriums, sollten Schüler von ihren Lehrern dazu angehalten werden, derartige Angaben mit Inhalten zu füllen, indem sie sie, so Ministerialrat Klaus Paul, "auch mal abgehen und so handelnd erfassen". Und zwar eben nicht nur im Sportunterricht. "Lernen und Bewegen gehören zusammen", erklärte Paul bei einer Pressekonferenz in Frankfurt. Um dies in den Köpfen von Schülern, Lehrern und Eltern gleichermaßen zu verankern, haben die Kooperationspartner vor fünf Monaten das mit vielfältigen Veranstaltungen gefüllte "Jahr des Schulsports" ausgerufen, dessen Zwischenbilanz sie jetzt zogen.

Die war ausgesprochen positiv. Von den insgesamt 2200 hessischen Schulen hätten sich fast drei Viertel an einer der bisherigen Aktionen beteiligt; mehr als 10 000 Schüler und Schülerinnen waren im August zum Festival des Sports nach Wetzlar gekommen. "Und wir spüren schon jetzt, dass auf allen Ebenen die Sensibilität für den Schulsport gestiegen ist", sagte lsb h-Vizepräsidentin Svea Rojahn.

Doch damit geben sich die von zahlreichen Sponsoren unterstützten Initiatoren noch nicht zufrieden, haben ihr Engagement dieser Tage gar noch erheblich verstärkt. So beschäftigten sich parallel zu der Pressekonferenz 225 Lehrer und Lehrerinnen bei einer Tagung in den Räumen des lsb h mit Möglichkeiten, das Schulleben insgesamt bewegter zu gestalten. Eine für Spiel und Sport geeignete Schulhofgestaltung gehörte ebenso dazu wie ergonomische Sitzgelegenheiten im Klassenzimmer, der Einbau von Bewegungssequenzen in sämtliche Unterrichtsfächer, aber auch Entspannungsmethoden.

Darüber hinaus starteten am gestrigen Dienstag drei Wettbewerbe, die, da sie sich, so Paul, "nicht auf den sportpraktischen Teil beziehen", einen Versuch darstellen, "an Schüler heranzukommen, die dem Sport fern stehen". Laut Rojahn soll so die Bedeutung des Sports in anderen Lebensräumen aufgezeigt werden. Die Wettbewerbe fordern dazu auf, sportliche Themen auf einer eigens dafür gestalteten Homepage, in einer Schwerpunktausgabe der Schülerzeitung zu behandeln oder im Bild festzuhalten. Neben Sachpreisen wie Foto- oder PC-Ausrüstungen und einer Beachvolleyball-Anlage gibt es auch "Unbezahlbares" zu gewinnen wie ein Besuch des hr XXL-Teams, der Presseabteilung der Frankfurt Galaxy oder der Sportredaktion der Frankfurter Rundschau.

Die Sieger und ihre Werke sollen dann im kommenden Juni bei der so genannten Abschlussveranstaltung des "Jahr des Schulsports" in Wiesbaden der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Außerdem wollen die Organisatoren bei dieser Gelegenheit, so Rojahn, "alle Landesteile in eine Stafette einbeziehen, die die Forderungen der hessischen Schüler direkt in den Landtag bringt". Inwieweit sich derartige Aktionen auch längerfristig auf den Schulunterricht auswirken werden, lässt sich von den Verantwortlichen nicht beantworten. Ihr Engagement dahingehend wollen sie zumindest noch lange nicht einstellen.

Infos zu den Wettbewerben gibt es unter Tel. 0 69 / 67 89 - 4 03 oder im Internet unter www.lsbh-jahr-des-schulsports.de.



 

Berliner Morgenpost 6.11.

Schonungslose Kritik

Deutsche Sportfunktionäre fordern in Leipzig vehement eine Kurskorrektur bei der Spitzenförderung

 
Leipzig - Selten zuvor sind dem deutschen Spitzensport nach den enttäuschenden Leistungen bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney so schonungslos die Leviten gelesen worden wie bei der Mitgliederversammlung des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) in Leipzig. Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), und DSB-Vize Leistungssport Ulrich Feldhoff verlangten «dringende Kurskorrekturen».

Großreinemachen ist angesagt, und dabei suchte der deutsche Spitzensport zehn Tage vor dem Olympia-Gipfel in Frankfurt/Main den Schulterschluss mit der Bundesregierung. Manfred von Richthofen forderte nach dem fünften Rang von Sydney ein neues Bekenntnis zum «Wettstreit mit der Weltspitze»: «Wir scheuen den Wettbewerb nicht und bekennen uns zu ihm.»

In einem emotionsgeladenen Vortrag forderte der DSB-Präsident vor allem auch ein Umdenken in den Spitzensportverbänden und zielte damit unausgesprochen auf Schwimmer, Schützen und Judoka, die in Sydney ein Debakel erlebten: «Der Umgang mit Millionengeldern in den Sportverbänden gehört in professionelle Hände.»

Neben Forderungen zur weiteren Konzentration der Spitzensportförderung will Richthofen auch die Trainerstruktur verändern: «Ich habe bei dem Großseminar in Erfurt die Selbstkritik vermisst. Wir wollen keine Beamtenlaufbahnen. Wir brauchen einen Fonds zur Abfindung von Trainern, die nicht mehr den Anforderungen des modernen Hochleistungssports genügen.» Im Kampf gegen Doping forderte der DSB-Präsident «eine harte und konsequente Fortsetzung des eingeschlagenen Weges, mit uns wird es keine Liberalisierung geben».

Für die Sportentwicklung wies Manfred von Richthofen den Schulen größte Bedeutung zu: «Die Situation an unseren Schulen ist alles andere als zufriedenstellend, wir haben zu wenig Schulsport und zu wenig sportbetonte Schulen.» In der Kultusministerkonferenz soll der Weg aus der Krise gesucht werden....




Stuttgarter Zeitung 6.11.

Ommo Grupe wird 70
Ruhestand ist für ihn ein Fremdwort

 TÜBINGEN. Der Gedanke, dass der ehemalige Direktor des Tübinger Sportinstituts einmal in den Ruhestand gehen würde, war schwer vorstellbar. Und es ist gekommen, wie erwartet. Ommo Grupe ist vor drei Jahren zwar gegangen, aber er ist auch geblieben. In "seinem'' Institut. Der pensionierte Sportwissenschaftler hat noch immer einen Schreibtisch im Hauptgebäude des Instituts für Sportwissenschaften, und er ist immer noch aktiv dabei. Grupes Nachfolger Helmut Digel, der auch der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist, sieht die Sache so: "Grupe lebte - und lebt! - für den Sport.'' Heute feiert Professor Ommo Grupe seinen 70. Geburtstag.

 Der gebürtige Ostfriese gilt als Nestor der Sportwissenschaften in Deutschland. 1968 habilitierte er in dieser Disziplin - als erster in der Bundesrepublik überhaupt. Durch sein Engagement haben sich die Sportwissenschaften zu dem entwickelt, was sie heute sind. Vor allem die pädagogischen und ethisch-moralischen Fragen im Sport haben Grupe fasziniert und beschäftigt. Der Schulsport, wie er auch heute noch stattfindet, trägt in hohem Maße die Handschrift der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Ordinarius und seiner Tübinger Mannschaft in den frühen siebziger Jahren. Als jahrzehntelanger Direktor hat der Sportpädagoge dem Tübinger Institut einen guten Ruf verschafft und ist vielen Sportwissenschaftlern zum Vorbild geworden.

 Im Nebenberuf war Grupe aber auch immer Funktionär, und er ist es noch. Seit 1962 ist er Mitglied des Beirats im Deutschen Sport-Bund (DSB), seit 1974 gehörte er dem Präsidium an, und von 1986 bis 1994 war er Vizepräsident des DSB. 26 Jahre lang amtierte er als Vorsitzender des Direktoriums des Bundesinstituts für Sportwissenschaft in Köln. Grupe sorgte sich stets um die Unabhängigkeit des Sports von der Ministerialbürokratie. "Die Interessen des Sports liegen nicht immer auf einer Linie mit den Interessen der Ministerien. Man wird um Unabhängigkeit kämpfen müssen'', hat Grupe immer wieder betont...



Straubinger Tageblatt 1.11.

Schulsport im Abseits - Bayern Schlusslicht

Kienbaum-Gutachten löse fast 50-prozentigen Kahlschlag beim Sportunterricht aus
Landau. Am 12. Oktober setzte sich MdL Udo Egleder als schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion im Bildungsausschuss in einem leidenschaftlichen Plädoyer gegenüber Staatssekretär Freller dafür ein, dem Sportunterricht an den bayerischen Schulen wieder den Raum und die Bedeutung zurückzugeben, der ihm seiner Wichtigkeit als einzigem Bewegungsfach nach zukommt.

Egleder: "Durch das ,Foulspiel' des ehemaligen Finanzministers Erwin Huber mit dem Kienbaum-Gutachten am Sportunterricht ist inzwischen ein fast 50-prozentiger Kahlschlag beim Schulsport zu bedauern. Wir müssen nicht nur die Kürzungen beim differenzierten Sportunterricht und beim erweiterten Basis-Sportunterricht einrechnen, sondern auch die verschärfte Situation im Basis-Sportunterricht selbst. Wir wissen, dass von den ausfallenden Stunden in Bayern die Sportstunden - und hier gerade der Basis-Sportunterricht - besonders hart betroffen sind. Sage und schreibe ein Drittel der Basis-Sportunterrichtsstunden fallen aus. Damit ergibt sich ein dramatischer Ausfall, der die Bewegungsarmut unserer Kinder drastisch verschärft. Durch das ,Foulspiel', wie ich es nennen möchte, um beim Sportausdruck zu bleiben, sind Bayerns Schulen und unsere Schüler von Platz eins in der Rangliste der Bundesländer beim Sportunterricht auf Platz 15 abgerutscht. Das dürfen wir nicht hinnehmen. Wir müssen es unbedingt wieder schaffen, in die Spitzenposition zu kommen. Wenn die CSU-Staatsregierung weiterhin abblockt, können wir uns nicht wieder nach oben kämpfen und beim Schulsport wieder etwas nach vorne rücken."Das aktuelle Angebot an Sportstunden an den Grundschulen ist unzulänglich. Es gibt, ohne Übertreibung, für vier Jahrgangsstufen gerade mal elf Sportstunden. Beim BLSV und beim Deutschen Sportbund gab es einmal das Ziel, die tägliche Sportstunde für die Kinder einzuführen. Davon sind wir inzwischen Jahrhunderte entfernt. Mit blumigen Verbalverrenkungen und zähneknirschenden Schuldeingeständnissen, wie sie Staatssekretär Freller im Namen und Auftrag von Kultusministerin Hohlmeier im Bildungsausschuss von sich gab, wird sich, so Egleder, die jetzige Situation nicht ändern lassen. Auch werde es wenig hilfreich sein, wenn sich die Herren vom Kultusministerium und der CSU-Staatsregierung gegenseitig dafür loben, dass sie, gemäß dem Motto "besser spät als nie", einsehen, gravierende Fehler bei der Einschätzung der Situation des Schulsports gemacht zu haben und sich untereinander für diese Erkenntnis danken. Diese Einsicht wäre leichter und früher zu haben gewesen, wenn sie sich zum Zeitpunkt des Kienbaum-Gutachtens den Prognosen von MdL Egleder und der SPD-Landtagsfraktion angeschlossen hätten, der bereits damals das Scheitern des von der CSU-Staatsregierung vorgelegten Schulsport-Konzeptes vorhersah. Die jetzige Misere könne man leider weder wegloben noch wegdanken.

"Großspurige Worthülse"
Die "Trendwende", die Staatssekretär Freller nun plötzlich bei der Situation des Schulsportes sieht, bestehe wieder einmal nur aus einer großspurigen Worthülse, denn mit den nun von Kultusministerin Hohlmeier locker gemachten drei Mill. Mark in diesem und 10 Mill. Mark im nächsten Jahr, sei eine Rückführung auf den ehemaligen Stand der Sportstunden, geschweige denn das Erreichen der in dem Stundenfach verbindlich vorgeschriebenen vier Pflichtstunden Sport unmöglich. Selbst wenn die CSU in dieser Weise weiterhin dazuflicken würde, wären die Sportstunden erst in 20 Jahren erreicht, rechnet Egleder vor. Was die Gesellschaft bereits bis dahin für Bewegungsmangel-Krankheiten und Reha-Maßnahmen ausgeben muss, wird ein Vielfaches dessen sein, was die Staatsregierung heute am Schulsport kürzt.MdL Egleder: "Kinderärzte, Orthopäden und Psychologen schlagen Alarm, auch die lokalen Medien berichteten. Wir haben es heutzutage mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die sich durch das Umfeld bedingt weniger bewegen und bei denen deswegen Bewegungsarmut vorliegt. Diese Annahme kann man wissenschaftlich untermauern. Es gibt eine bedenklich hohe Zahl von motorischen Auffälligkeiten, eine Menge en, Koordinationsstörungen, Organleistungsstörungen und andererseits gibt es Kinder, die hyperaktiv sind, die also nicht wissen, wohin sie mit ihrer Energie sollen. Vertreter der AOK Bayern nennen erschütternde Zahlen: Bereits 20 Prozent der Grundschüler haben erhöhte Cholesterinwerte, 16 Prozent haben Probleme mit dem Körpergewicht, 20 Prozent haben Bluthochdruck, der der Beobachtung zugeführt werden sollte. Ähnliche Zahlen zur Jugendgesundheit ergaben sich aus einer Untersuchung, die Ärzte an 13- bis 15-Jährigen durchführten.

Schnelleres Zuschlagen
Viele Kinder sind gewaltbereiter. Sie schlagen beim Kräftemessen eher zu als früher. Vor wenigen Jahren noch war bei einer Rauferei der Kampf beendet, wenn einer am Boden lag. Heutzutage tritt man mit den Füßen nach. Die Funktion des Sports, nämlich Entwicklung und Förderung sozialer Talente und des sozialen emotionalen Lernens, kommt zu kurz. Dieses Lernen findet nicht in der Einsamkeit vor dem Bildschirm statt, sondern auf dem Sportplatz und in der Sporthalle. Die Kinder und Jugendlichen müssen lernen, mit Sieg und Niederlage umzugehen. Das können allzu viele nicht mehr, sie verkraften keine Niederlage. Der faire Wettbewerb, das faire Kräftemessen und der Ansporn zur Leistungssteigerung, die Möglichkeit, Aggressionen adäquat abzubauen, den Teamgeist zu entwickeln, die Schlüsselqualifikationen zu lernen, sich die Gebote der Fairness anzueignen, die Beachtung von Regeln zu lernen, findet nicht mehr im nötigen Umfang statt.Der Versuch der bayerischen Staatsregierung, die alleinige Schuld an dieser katastrophalen Entwicklung wieder einmal den Eltern in die Schuhe zu schieben, weil diese etwa dem Sportunterricht nicht die nötige Bedeutung beimessen würden oder gar selbst kein gutes Vorbild seien, stellt eine ungeheuere Beleidigung und Dreistigkeit dar, die sich nur durch blanke Verzweiflung und dem Bemühen, die Tatsachen zu verschleiern, erklären lässt."Engagiert setzte MdL Udo Egleder seine flammende Rede fort: "Aus diesen Gründen müssen wir darauf drängen, dass Sportstunden schneller zurückgegeben werden. Die CSU-Staatsregierung stellt es so dar, als ob den Schulen etwas Neues und Zusätzliches gegeben würde. Das ist nicht so. Das ist nur die teilweise Rückgabe dessen, was ihnen weggenommen wurde. Was als 100 Prozent der Ausgangssituation dargestellt wird, ist die Situation von 1996/97, als die vierte Sportstunde schon nicht mehr gegeben wurde und von der dritten nur noch 20 bis 50 Prozent. Das darf nicht als 100-prozentiges Ausgangsniveau genommen werden. Wir sehen, dass die Kürzung des Sportunterrichts dramatische Auswirkungen hat. Beim Schulwettkampfwesen haben wir Einbrüche zu verzeichnen. Die Teilnahme bei den Schulsportwettbewerben ist zurückgegangen. Das ist direkt und ursächlich auf die Wegnahme des differenzierten Sportunterrichts zurückzuführen.Die Vereine schreiben Petitionen an den Landtag, dass ihnen der Partner - die Schulen - der den Vereinen die Sportlerinnen und Sportler zuführen soll, Zug um Zug wegbricht. Die Vereine müssen immer mehr Aufgaben übernehmen. Sie strengen sich an. Aber es kann nicht hingenommen werden, dass die staatlichen Aufgaben immer mehr von Ehrenamtlichen übernommen werden müssen. Wir wollen, gemäß unserem Antrag zum Haushalt, dass die dritte Sportstunde wieder erreicht wird. Wir sind realistisch und meinen, dass vier Sportstunden nicht in einem Zug erreicht werden können. Zunächst muss zuverlässig abgesichert die dritte Sportstunde erreicht werden. Dazu sind 900 Planstellen notwendig. Das möchten wir innerhalb der nächsten beiden Haushaltsjahre erreichen."

Die Basis entzogen
Dramatisch sei auch die Situation der Sportlehrerinnen und Sportlehrer, denen die Basis entzogen wurde, weil keine hauptamtlichen Kräfte den erweiterten Basissportunterricht und differenzierten Sportunterricht erteilen sollen. Das wurde teilweise zurückgenommen, was ein Schrittchen in die richtige Richtung gewesen sei. Es müsse aber sichergestellt werden, dass der Sport weiterhin von fachwissenschaftlich ausgebildeten Kräften gegeben werden muss. Es sei keinesfalls hinnehmbar, die Position des Sportunterrichts zurückzufahren und zu meinen, es komme nicht darauf an, wie gut und qualifiziert die Ausbildung der Lehrkräfte ist, betonte Egleder.Was nütze der von der CSU-Staatsregierung kreierte Slogan von "Laptop und Lederhose", wenn vor diesen Laptops nur noch Einzelkämpfer sitzen und in der Lederhose körperlich und seelisch kranke Menschen stecken? Selbsterkenntnis sei zwar der erste Weg zur Besserung, diese Besserung werde mit Lippenbekenntnissen und frommen Reden aber nicht zu haben sein. Kultusministerin Hohlmeier müsse sich von uns allen daran messen lassen, ob sie endlich wenigstens ein Quentchen der Privilegien, die sie ihren eigenen Kindern in der für viele unerschwinglichen und privaten Waldorf-Schule angedeihen lässt, allen bayerischen Schulkindern zukommen lässt, um die sie sich ja angeblich so immens sorgt.



 

Ostesee-zeitung 25.10

Zahl der Sportunfälle nimmt zu

Die Unfallkasse M-V schlägt Alarm: „Die Hälfte aller Schülerunfälle passieren heute nicht auf dem Schulhof oder Schulweg sondern während der Sportstunde“, sagt Diektor Christian Feldmann. Im vergangenen Jahr habe man 25 000 Verletzungen registriert. Bis Ende September 2000 waren es an den 915 Schulen und Berufsschulen im Land fast 19 000.
Die Behandlungskosten für Prellungen bis zur Querschnittslähmungen beziffert er auf jährlich rund 20 Millionen Mark.
Und die Unfälle im Sportunterricht nehmen zu. Das hat auch Dr. Siegfried Siegmund vom Gesundheitsamt Schwerin beobachtet. Schuld sei der Drill. „Je missmutiger die Schüler sind, desto mehr Unfälle passieren“, behauptet Siegmund. Weil der Unterricht zu wenig Spaß mache, versuchten immer mehr Schüler über Schulsport- oder Zensurenbefreiung dem Unterricht zu entkommen.
Die Qualität eines Sportunterrichts lasse sich mittlerweile an der Anzahl der Befreiungen messen“, stellt der Direktor der Unfallkasse klar. Die Stunde sei nicht dafür da, Leistungssport zu betreiben.
Das Problem: Der Altersdurchschnitt von Sportlehrern liege derzeit bei über 50 Jahren. Im Grundschulbereich hätten gar 30 Prozent der Sportlehrer keine Ausbildung.
Dennoch sei Sportunterricht heute wichtiger den je, sagt Dr. Siegmund. Denn Kinder litten immer häufiger an Hör- und Sehstörungen oder hätten Probleme ihre Bewegungen zu koordinieren. Schuluntersuchungen belegen, dass 30 Prozent der Kinder an Übergewicht und Haltungsfehlern leiden. Daher müsse die Zahl der Sportstunden erhöht werden.


Obermain Tagblatt 18.10.

Beim "Rope Skipping" schwitzen die Eltern
Realschule lud Mütter und Väter zum Sportabend ein

Elternabende finden in der Regel im Klassenzimmer statt, ein Lehrer referiert, im Anschluss werden noch einige Fragen diskutiert und die Eltern gehen wieder nach Hause. Nicht so beim Elternabend für die 7. und 8. Klassen an der Realschule. Erstmals schwitzten an Stelle der Schüler deren Mütter und Väter in der Obermainhalle.Diesmal waren allerdings nicht die schwachen Zensuren ihrer Sprößlinge der Grund, sondern die Idee, neue Formen und Inhalte des Sportlehrplans praktisch zu vermitteln. Thematische Schwerpunkte waren die Freude an der Bewegung zu demonstrieren sowie Einblicke in den modernen Sportunterricht zu gewähren.
Der schwache Gesundheitszustand bei Kindern und Jugendlichen ist unter anderem auf Bewegungsmangel, zurückzuführen, wurde von den Sportlehrern betont. Auch das Sozialverhalten der jungen Leute sei teilweise alarmierend: Gewalt- und Aggressionsbereitschaft steigen kontinuierlich an.
Im Sportlehrplan der Realschule werde dieser bedenklichen Entwicklung Rechnung getragen, indem man versucht die vier Lernbereiche "Gesundheit, Fairness/Kooperation, Leisten/Gestalten/Spielen und Umwelt" wirksam umzusetzen. So sollen die Schüler zu mehr Bewegung innerhalb, aber auch außerhalb der schulischen Sportstunden motiviert und aktiviert werden.
Dabei könne die Elternschaft einen beachtlichen Beitrag leisten. Sie soll nicht nur Interesse an den schulsportlichen Aktivitäten ihrer Kinder haben, sondern auch auf genügend Bewegung und eine gesunde Ernährung ihrer Kinder achten. Dass dabei das eigene positive Vorbild von entscheidender Bedeutung ist, verstehe sich von selbst, wurde unterstrichen.

Neue Formen

Mit dem Sportelternabend wolle man neue Formen und Inhalte im Schulsport vermitteln. Die Begrüßung der zahlreich erschienenen Eltern übernahm Direktor Hermann Seiß, der ebenfalls einen Trainingsanzug trug und eifrig "mitsportelte". Auch die Sportlehrkräfte Uwe Schönfeld, Silke Geier und Sandra Maier hießen die Eltern herzlich willkommen, bevor sie durch das eineinhalbstündige Programm führten.
Das Miteinander fördern, das Gegeneinander abbauen, so lautet eines der Leitziele des modernen Sportunterrichts. Zu fetziger Musik liefen die Eltern in der Halle durcheinander und bei jeder Begegnung mit einem anderen Elternteil stellte man sich vor. Dabei schüttelten sie sich die Hände, hakelten sich mit den Armen und dann mit einem Bein ein und sprangen eine Runde im Kreis, bevor sie wieder weiterliefen, um den Nächsten zu begrüßen. Somit lernten sich die Eltern von erster Minute an kennen und bauten Berührungsängste ab.
Anschließend galt es für die Eltern ihre Geschicklichkeit und ihre Belancefähigkeit unter Beweis zu stellen. Sie hatten einen Parcour zu durchlaufen, der bereits in einem weiteren Hallenteil aufgebaut war. Diesen Aktivitäten schloss sich eine kurze theoretische Einheit an. Sportlehrer Uwe Schönfeld informierte die Eltern zum Thema Sicherheit im Sportunterricht. Diese beginne bereits bei der Sportausrüstung. Leider komme es immer wieder vor, dass Schüler nicht entsprechend gekleidet zum Sport er- scheinen.
Nach den theoretischen Informationen konnten die Eltern wieder aktiv den im Lehrplan neuen Bereich der Bewegungskünste kennenlernen. Auf dem Programm stand Jonglieren mit Tüchern. Auch die weiteren Tipps nahmen die "Jongleure" an. So war es innerhalb einer Viertelstunde möglich, den Eltern das Jonglieren der sogenannten Kaskade mit drei Tüchern beizubringen....



 

Stuttgarter Nachrichten 14.10.

Der Schulsport soll aufgewertet werden

 Ludwigsburg (pfa) - Das baden-württembergische Kultus-Ministerium will dem Schulsport neue Bedeutung verleihen: Zusammen mit dem Landessport-Verband Baden-Württemberg und insgesamt 16 weiteren Partnern stellte Staatssekretär Rudolf Köberle das gemeinsame Kommuniqué "Schulsportoffensive'' am gestrigen Freitag im Ludwigsburger Forum vor. Zentrales Anliegen der Partner ist, "die Unterstützung des Schulsports im Land'', sagte Staatssekretär Köberle. Die geschaffenen Synergien sollen außerdem dazu beitragen, "dass das kindliche Recht auf eine körperliche und seelische Entwicklung durch Bewegung, Spiel und Sport eingelöst wird'', meinte Köberle.

 Ziele der gemeinsamen Anstrengungen: die derzeit wöchentlichen drei Schulsportstunden sicherzustellen und zwischen Schul- und Vereinssport bestehende Hemmschwellen abzubauen. Denn: Es werde zunehmend deutlich, "dass die Schule nicht alleine der gesellschaftlich begründeten Bewegungsarmut begegnen kann'', so Köberle.



DSB-News 13.10.

Neuer Lehrberuf: Sport-/Fitnesskaufmann

Mit dem Beginn des Schuljahres 2001 soll erstmals eine Ausbildung in dem neuen Lehrberuf Sport-/Fitnesskaufmann bzw.Sport-/Fitnesskauffrau begonnen werden. Dieser neue Lehrberuf ist nicht zuletzt auch auf Initiative des Deutschen Sportbundes entstanden. Auch von  Seiten der Sozialpartner, der Politik und der Öffentlichkeit werden hohe Erwartungen an diesen neuen beruflichen Werdegang gestellt. Das  Präsidium des Deutschen Sportbundes hat sich in seiner Sitzung in Frankfurt am Main mit diesen neuen Möglichkeiten und Chancen befasst und die Entwicklung zustimmend zur Kenntnis genommen.


DSB News 13.10

DSJ-Projekt "Straßenfußball für  Toleranz" gestartet

Der Fußball ist zu klein, die Mannschaften gemischt, statt Schiedsrichtern gibt es Berater  und die Spielregeln werden ausgehandelt. Das soll Fußball sein? Ja, der von der besonderen Art, wo erst ein Mädchen ins Tor treffen muss, bevor  überhaupt gezählt wird. So geschehen am Tage 1 nach Wembley in Potsdam, in Anwesenheit von  viel Prominenz aus Politik und Sport.

Aber auch hier alles ganz anders - es ging nicht um Repräsentation. Bundestagsvizepräsidentin Dr. Antje Vollmer und der DSB-Präsident von  Richthofen waren beispielsweise tätig und  beauftragt, den Spielbetrieb von 150 Jugendlichen  aus Brandenburg, Berlin und Hessen sowie zwei Gast-Teams aus Medellin/Kolumbien auf vier Spielfeldern in Schwung zu bringen.

So geschehen beim offiziellen Start des landes-  und bundesgeförderten Projektes "Straßenfußball  für mehr Toleranz" unter der Projektträgerschaft  der Deutschen und der organisatorischen  Verantwortung der Brandenburgischen Sportjugend. Der DSJ-Vorsitzende Norbert Petry erläuterte die Zielsetzungen: "Um einen aktiven Beitrag zur Gewaltprä-vention, zur Förderung von  Teamgeist und zum sozialen Verhalten in einer  Zeit zu leisten, wo Gewalt schon bei Kindern und  Jugendlichen ein Problem ist." Und die   Bundesjugendministerin Dr. Christine Bergmann begründet das finanzielle Engagement des Bundes  bis Ende 2003 wie folgt: "Sportbetonte Angebote sind häufig die einzige Möglichkeit, um gefährdete Jugendliche zu erreichen und zu integrieren. Deshalb bietet das Projekt einen guten Ansatz,  denn Sportangebote können Gewaltbereitschaft bei  Jugendlichen senken. Gerade bei benachteiligten Jugendlichen in sozialen Brennpunkten kann der selbstorganisierte Sport das Selbstwertgefühl nachhaltig stärken. Der Straßenfußball ermöglicht den Jugendlichen, sich auszutoben und dabei soziales Verhalten zu trainieren."



 

Ärzte Zeitung, 12.10.2000

Gute Noten für Schulskikurse

Skifahren macht fit. Doch welchen Einfluß hat Skifahren eigentlich auf Schüler? Das fragten sich Sportwissenschaftler aus Bayreuth - und machten eine Studie daraus. 113 Jugendliche, die an drei Schulskikursen teilgenommen hatten, wurden nach ihrem Befinden befragt.
Ergebnis: Die 12jährigen Ski-Schüler fühlten sich danach nicht nur fit, sondern auch den schulischen Anfragen besser gewachsen.
 



 

Heinbronner Stimme 6.10.

"Es war schwieriger, als wir gedacht hatten"

23 Schüler der 9a der Heinrich-von-Kleist Realschule bauen im Rahmen des WVR-Schulprojekts ein Beachvolleyballfeld

Im Schullandheim entstand die Idee: Ein Beachvolleyballfeld kommt auf " den Acker", wie Keinert es bezeichnet. Eine der jüngsten olympischen Sportarten sollte im Schulsport Einzug halten.  Im Rahmen des Schulprojekts Wirtschaften-Verwalten-Recht machten sich 23 Achtklässler vor einem Jahr ans Werk. Jetzt wurde das Spielfeld eingeweiht.

"Es war dann doch schwieriger, als wir gedacht hatten", erzählt Birgit Wagner. Die Schüler merkten schnell, dass sie sich organisieren mussten. So enstanden Planungs-, Finanz- und Rechtsabteilung, eine Bauleitung sowie eine Abteilung für Materialbeschaffung innerhalb der Klasse.

Die Eltern packten mit an und Unternehmer der Region sponsorten das Vorhaben. "Es war schon eine heiße Sache", sagt Klassenlehrer Gerhard Friedmann. Allein 180 Tonnen Sand mussten angekarrt werden, um das 18 mal neun Meter große Feld zu füllen. Drunter kamen eine Trenage und 60 Tonnen Kalksteinschotter, damit das Wasser abfließt. "Ohne Sponsoren hätten wir das nicht geschafft", weiß Wagner.
Material, Bagger, Traktoren und Arbeitskräfte stellten Firmen aus Heilbronn, Weinsberg und Bad Friedrichshall zur Verfügung.
"So ein Spielfeld kostet normalerweise 20 000 Mark", erklärt Friedmann. Die Klasse 9a brauchte durch ihre Eigenleistung nur 5000 Mark.

Das Projekt Wirtschaften-Verwalten-Recht gibt es seit 1997. Seit diesem Jahr wir es an allen Realschulen des Landes praktiziert. Von der Schülercafeteria bis zum Jugendkino - alles kann dabei entstehen. Die Schüler arbeiten themenübergreifend. Die dafür vorgesehene Wochenstunde reicht meist nicht aus: die Heilbronner Schüler trafen sich oft nachmittags und samstags.

So entstünden reale Lernsituationen, sagt Schulrat Alfred Zwickel. " Die Schüler übernehmen die Verantwortung für ihr Tun." Der Lehrer sei dabei nur Ratgeber und Motivator. Das fördere das Selbstvertrauen der Schüler und helfe so manchem bei der Berufswahl.

Außerdem öffnet sich die Schule mit solchen Aktionen nach außen und integriert Eltern und Wirtschaft in das Schulgeschehen.


Weser-Kurier6.10.

Extraportion Fitness für die Schulkinder

Gemeindschaftsprojekt der Grundschule und des Grün-Weiß Beckedorf soll Spaß am Sport fördern

Schwanewede-Beckedorf. Die Musik spielt. 19 Jungen und Mädchen setzen sich in Bewegung. Mit schlenkernden Armen spazieren sie durch die Beckedorfer Schulturnhalle. Leichtes Aufwärmtraining für die Kinder-Aerobic, die sie in den nächsten 90 Minuten ins Schwitzen bringen wird. Die kleinen Sportler sind Vierklässler aus der Wiesenschule, ihre Übungsleiterin Karin Koopmann kommt vom Grün-Weiß Beckedorf. Um den Sport zu fördern, arbeiten Grundschule und Sportverein zusammen.Der Landessportbund gab mit einem Aktionsprogramm den Startschuss. Nach dem Motto "Tür auf – Spiel, Sport" hat der Landkreis zu Beginn des Schuljahres die Tür geöffnet.

Bis Ende Juli 2002 fördert er Kooperationsprojekte zwischen Grundschulen und Sportvereinen.Die Gruppe in der Wiesenschule ist ganz frisch dabei. Seit dem 27. September gibt’s für Freiwillige aus den vierten Klassen jeden Mittwoch Mittag in der Turnhalle eine Extraportion Fitness. "Zusätzlich zu den zwei Wochenstunden Schulsport", wie Schulleiterin Barbara Groß betont. Die Aktion hält sie für wichtig. "Wir stellen immer wieder fest, dass viele Kinder kein Körpergefühl besitzen und ihre Kraft nicht richtig einschätzen können."Wo es hakt, weiß auch Karin Koopmann. "Die Ausdauer ist ein Problem. Da merkt man, dass sich etliche Kinder kaum noch bewegen." Tatsächlich atmen die ersten nach dem Aufwärmen erleichtert auf, als sie sich auf dem Boden kurz ausruhen. "Hach" und "Aah" kommt es aus dem Kindermund. Schon geht’s weiter. "Hockt eure Beine an, hebt sie senkrecht in die Luft, winkelt sie wieder an und streckt sie langsam auf dem Boden aus", fordert die Übungsleiterin die Kinder auf. Bei einigen geht das ziemlich geräuschvoll ab. "Ihr plumpst ja runter wie ein Bierdeckel", meint Karin Koopmann. Nochmal. Dann wird’s ein bisschen schwieriger. "Jetzt versucht mal, den Po mit hoch zu nehmen", spornt die Vorturnerin an. Einige schlanke Grazien haben damit keine Probleme. "Das ist eine Superkerze", lobt Koopmann ein Mädchen. Andere stemmen die Beine bedrohlich schwankend in die Höhe. "Vielen Kindern fehlt es an Körperspannung", weiß die Trainerin. Darum gibt’s später noch Bauchmuskel-Training.

Dass es auch gar nicht so einfach ist, mit geschlossenen Augen auf einem Bein zu stehen, merken einige bei der nächsten Übung. Vor allem die Jungen geraten schnell aus dem Gleichgewicht. Die Schulleiterin freut sich, dass sie überhaupt dabei sind. Viel Überrredung bei den Eltern sei notwendig gewesen, erzählt sie. "Die spielen doch im Verein Fussball", hieß es immer wieder. Ebenso unermüdlich machte Barbara Groß ihnen klar, welche vielseitigen Bewegungsmöglichkeiten die Kinder-Aerobic bietet. Zwischen den einzelnen Übungen streut Karin Koopmann Phasen ein, wo es etwas ruhiger zugeht. "Sinnvolle Pausen" nennt sie das. Nach dem Motto "Horch, wo kommt der Ton her?" wird die Wahrnehmung geschult, beim "Blinde Kuh"-Spiel der Orientierungssinn. Beim Hüpfen im Pferdchengalopp kommen alle noch einmal richtig aus der Puste. "Das hier ist anstrengender als im Sportunterricht. Aber es macht mehr Spaß", meint die neunjährige Ann-Christine. Felix findet es toll, dass er "neue Sachen" ausprobieren kann.Die Wiesenschule arbeitet auch mit dem Beckedorfer Tennisverein zusammen. Parallel zur Aerobic in der Turnhalle lernen vier Kinder dort das Spiel mit dem Racket. Für jede Projektstunde gibt es als Zuschuss jeweils zehn Mark vom Landessportbund und vom Landkreis. Die Wiesenschule würde das Angebot gerne ausweiten. Kontakte mit dem SV Löhnhorst, der Reit- und Fahrgemeinschaft Auetal und einem Reiterhof in Leuchtenburg sind schon geknüpft. Doch es gibt Hindernisse. Mal ist kein lizenzierter Übungsleiter da, mal scheitert es am Mittagstermin. An den aber ist die Schule wegen des Schulbusses gebunden. Und mit Zuschüssen allein lässt sich auch keine Reitstunde von 70 Mark pro Nase finanzieren


"Frankfurter Neue Presse" 30.9.
Immer mehr Kinder verunglücken beim Sportunterricht

Von den jährlich fast 1,5 Millionen Schülerunfällen in Deutschland geschehen rund die Hälfte im Sportunterricht. Das teilte die Bundeszentrale der Unfallkassen in München gestern mit. Die Unfallzahlen im Schulsport hätten damit ohne große regionale Unterschiede einen alarmierenden Stand erreicht. Auf einer Fachkonferenz in Rostock berieten gestern Sportwissenschaftler, Mediziner und Pädagogen, wie die Voraussetzungen für den Unterricht verbessert werden können.

Zu Unfallrisiken werden nach Ansicht des Sportmediziners Siegfried Siegmund auch Übergewicht und Haltungsfehler. Sie treten etwa bei jedem dritten Kind auf, wie Schuluntersuchungen bestätigen. Bei 30 Prozent liegt auch der Prozentsatz an Kindern mit Sehschwächen und Hörstörungen, die, unerkannt oder im Sportunterricht nicht beachtet, ebenfalls eine erhöhte Unfallgefahr darstellen.

Ein weiteres Risiko ist die Ausbildung der Lehrer. So sei es gerade in den alten Bundesländern keine Seltenheit, dass bis zu 50 Prozent des Unterstufen-Sportunterrichts von hierfür nicht ausgebildeten Lehrern erteilt werde. Im Osten liegt diese Zahl bei 70 Prozent.


Südwest Presse 23.9.

Lehrerverband will mehr Schulsport

Gegen eine Verengung von Bildung auf wirtschaftliche Bedürfnisse hat sich der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), ausgesprochen.

 BLLV-Präsident Albin Dannhäuser hat zu Beginn des neuen Schuljahres gewarnt: Angesichts der rasanten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sei eine zu spezifische Qualifikation eher schädlich. Sie entlasse die Schulabsolventen zu wenig flexibel in den Arbeitsmarkt, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Selbstverständlich sei eine enge Kooperation mit Wirtschaft und Handwerk nötig. Die werde aber gerade an den Hauptschulen seit Jahren erfolgreich praktiziert. Doch eine zu starke Verengung der schulischen Ausbildung sei wenig konstruktiv. Angesichts der rasanten Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt bräuchten die Schüler eher eine breit gefächerte Allgemeinbildung. "Nur dann werden sie vernetzt denken und sich flexibel auf neue Erwartungen einstellen können'', meinte Dannhäuser.

Im Arbeits- und Berufsleben sei auch soziale Kompetenz gefragt, die in der Schule aber immer weniger eingeübt werde: "Mit einem neu einzuführenden Fach Wirtschaft kämen gerade die immer wichtiger werdenden Qualifikationen, wie Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und lösungsorientiertes Denken wieder zu kurz.

Der BLLV-Präsident fordert auch die Rückgabe der zwei Stunden ¸¸differenzierter Sportunterricht'', die vor einigen Jahre gestrichen worden waren. Sport in der Schule werde immer wichtiger, da immer mehr Schulkinder bereits bei der Einschulung an motorischen Störungen litten. Außerdem sei nach Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bereits jedes sechste Kind im Einschulungsalter zu dick.

Keine Stillsitzschulen

"Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, den sie durch die Struktur der Schulstunden häufig nicht ausleben können.'' Der 'differenzierte Sport' komme Kindern aller Schularten zugute, stellte Dannhäuser fest. Durch ihn könne späteren Haltungs- und Gesundheitsschäden vorgebeugt werden. Gerade die Grundschule dürfe keine ¸¸Stillsitzschule'' sein, da dies den natürlichen Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werde. "Bewegungsübungen in jeder Form tragen auch dazu bei, Stress und Aggressionen abzubauen und die Konzentration in den ruhigen Phasen zu erhöhen'', meinte Dannhäuser.lby
 



19.09.00 DSB-News

Kinder brauchen mehr Bewegung

"Mehr Bewegung für Kinder!" lautet die Forderung der Deutschen Sportjugend anlässlich des  Weltkindertags am 20. September 2000. Außerdem verweist die DSJ darauf, dass auch die Kinderrechte gemäß der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen immer noch ihrer Erfüllung harren. Ungelöste Probleme seien vor allem der gestiegene Einsatz von Kindern als Soldaten und vielerorts weiterhin bestehende Ausbeutungsverhältnisse bei der Kinderarbeit.

In Deutschland mangele es Kindern und Jugendlichen immer mehr an Bewegungsräumen, kritisiert der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Norbert Petry. In der Praxis hätte sich gezeigt, dass bei der Stadtentwicklung unverändert die Autogerechtigkeit im Vordergrund stünde und der Anteil der Kinder unter Bewohnern der innerstädtischen Bereiche statistisch immer stärker zurück geht. Die geistige und körperliche Bewegung von Kindern, so Petry, trage aber ganz wesentlich zur Ausbildung einer stabilen Ich-Identität von Kindern bei. Bewegung wirke außerdem - vor allem in Gemeinschaft - auf vielen  Gebieten präventiv, z.B. in der Gewalt- und Suchtproblematik. Zwangsläufig ungenutzt blieben daher zu häufig die Qualitäten, die Sport und Bewegung bei der Ausbildung sozialer Qualitäten besitzen.

Einmal pro Woche Sport im Verein zu betreiben, sei nicht genug, so Petry. Die DSJ fordere deshalb, im öffentlichen Raum wieder ungefährliche Bereiche für spielende Kinder zu schaffen und auch im privaten Raum für mehr Bewegung zu sorgen. Petry nennt ein Beispiel der Deutschen Turnerjugend, die das Programm "Das bewegte Kinderzimmer" entwickelt hat, mit dem sie sich speziell an Kindergärten und Vereine sowie an Eltern drei- bis sechsjähriger Kinder wendet, um über die Bedeutung von Sport, Spiel und Bewegung im Vorschulalter aufzuklären.



Hamburger Abendblatt 19.9.

Warum deutsche Sportler in Sydney so viele Niederlagen einstecken müssen

Sydney - Wie viele Chancen hat Deutschland denn nun bei Olympia? ....

Mit dem deutschen Sport, so scheint es, geht es weiter bergab. Nach den Fußballern müssen jetzt auch Schwimmer, Fechter, Militaryreiter und von der nächsten Woche an wohl die Leichtathleten ihre internationalen Grenzen erkennen. Der Grund: Deutschland einig Vaterland hat sein Herz für den Sport verloren.
Das Geld fehlt, die Übungsstätten, die Trainer und der Anreiz. Für Australiens Schwimmer wird ihr Sport zum Millionen-Geschäft, die meisten deutschen Olympiastarter müssen dazubezahlen. Die Chancengleichheit ist nicht mehr gewahrt, stellte Winfried Leopold, der Teamchef des Deutschen Schwimmverbandes, in Sydney resignierend fest.
Es beginnt mit dem Sportunterricht an den Schulen und endet in der Dopingproblematik. Die zubetonierten Städte nehmen den Kindern ihren natürlichen Bewegungsraum, die Schulen bieten keine Kompensation. Sportstunden werden vor allen anderen gestrichen, die volkswirtschaftlichen Folgekosten für eine haltungsgeschädigte Nation gehen in den zweistelligen Milliardenbereich. Weil keine Industrie am Kinder- und Jugendsport verdient, findet sich keine Lobby. Um wiederum die immer weniger werdenden Talente zu fördern, fehlen Geld und die notwendigen Strukturen.

Bleibt das Thema Doping. Wer in Sydney eine Medaille gewinnt, ist nicht über jeden Verdacht erhaben. Die Treibmittel der Leistungen, da sind sich Mediziner, Sportwissenschaftler und Trainer einig, kommen aus dem Labor. Diejenigen aber, die nicht im Urin und Blut nachgewiesen werden können, haben ihren Preis. Und da schließt sich der Kreis. Zudem können sich Australier und Amerikaner leichter vor Trainingskontrollen drücken. Das ist protokolliert.
Die Repräsentanten unseres Sportsystems müssen in Sydney die Konsequenzen öffentlich ausbaden. Sie mit dem unappetitlichen Etikett Versager zu belegen, ist ein Leichtes. Die Verantwortung tragen andere.



 

Straubinger Tagblatt 18.9.

Schulsport-Wettbewerbe bringen Neuheiten

Broschüre der Schulsport-Wettbewerbe - Auch im Landkreis laufen erste Meldungen
Cham. (pe) Die 29. Broschüre, besser gesagt, ein Buch mit 265 Seiten, mit dem Titel "Schulsport-Wettbewerbe in Bayern" zeigt eindrucksvoll, welch hohen Standard sie in 29 Jahren erreicht haben. Das vielseitige Angebot reicht von attraktiven Spiel- und Sportfesten, spielerischen Grundschulwettbewerben, breitensportorientierten und auch behindertengerechten Mehrkämpfen über Sportabzeichenwettbewerbe bis hin zu Mannschaftswettbewerben in 25 Sportarten.

Gesundheitsorientierte, leistungsfördernde und sozialerzieherische Komponenten bilden das tragende Fundament aller Schulsport-Wettbewerbe, die im Einzelnen immer wieder auf ihre Aktualität hin überprüft werden, so dass sie möglichst optimal auf die unterschiedlichen sportlichen Begabungen, Neigungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler abgestimmt bleiben.Im Vorwort von Staatsministerin Monika Hohlmeier und Staatssekretär Karl Freller heißt es weiterhin in der Broschüre: "Ziele und Aufgaben des Schulsports können durch den Basissportunterricht allein nicht ganz erfüllt werden. Da die Teilnahme an einem Schulsport-Wettkampf für viele Schülerinnen und Schüler aber oft einen Höhepunkt im Schuljahr bedeutet und zudem ein Erlebnis ist, an das sie sich auch nach der Schulzeit noch gerne erinnern, rufen wir neben Lehrerinnen und Lehrern auch alle, die außerdem an der Vorbereitung und Durchführung der verschiedenen Schulsportveranstaltungen mitarbeiten, auf, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass dieses wertvolle Erfahrungsfeld im Bereich des Sports erhalten bleibt - schwierigen Zeiten zum Trotz!"Im alpinen Skilauf wird der "Kreisel" durch die "Wellenbahn" ersetzt. Beachvolleyball: In der Wettkampfklasse II der Jungen und Mädchen wird der Milch-Cup Beachvolleyball bis zum Landesfinale eingeführt. Dafür wird im Volleyball die Wettkampfklasse I gestrichen.Bundesjugendspiele: Ab dem Schuljahr 2000/2001 gilt der neue Wettkampf im Gerätturnen. Es sind die entsprechenden neuen Unterlagen zu verwenden. Einführung einer "Wildcard-Regelung" in den Sportarten Basketball, Fußball und Volleyball.Rhythmische Sportgymnastik: In der Wettkampfklasse I werden die Schwierigkeitsstufen L7,L8 und L9 mit den neuen Höchstwertungen 16, 18 und 20 Punkten bewertet.Tanz: Entsprechend der neuen Schulkonzeption in Bayern wurden die vier Tanzbereiche inhaltlich genau festgelegt. Die detaillierten Wertungsrichtlinien für alle vier Tanzbereiche werden den Schulen nach erfolgter Meldung durch die Arbeitskreise zugesandt.Volleyball: Änderungen in der Wettkampfklasse IV bei Turnierform und Zählweise.Wettkampfklasse IV: Die Jahrgänge der Wettkampfklasse IV wurden nach unten geöffnet, das heißt, die Wettkampfklasse IV ist heuer meist Jahrgang 1988 "und jünger", also kein bestimmter Mindestjahrgang. Grundschüler dürfen aber weiterhin nicht teilnehmen!Drei der erfolgreichen Sonderaktionen des letzten Jahres werden fortgeführt (Badminton, Inline Skaten, Sportklettern). Ein Workshop "Flagfootball", sowie zwei Sonderaktionen im Rope Skipping und Sportförderunterricht wurden neu ins Leben gerufen.EDV-Programme im Schulsport: Die Programme für Leichtathletik und Schwimmen werden aktualisiert und sind in diesem Schuljahr in der neuen Version einsetzbar. Das Meldeprogramm für Schwimmen und Leichtathletik wird ab April 2001 auf der CD "Bayerische Schulverwaltungsprogramme", die an alle Schulen verschickt wird, enthalten sein. Das Schülersportmagazin im Bayerischen Fernsehen von Helgret Ruff wird immer am ersten Donnerstag des Monats von 16.35 bis 17 Uhr gesendet. Start ist am Donnerstag, 2. November, mit dem Landesfinale im Sportklettern, Junioren-EM Beachvolleyball, Snakebord, Inline Skating und Synchronschwimmen.


Darmstädter Echo 13.9.

Etappen der europäischen Sportbewegung

Der Sport ist die größte Bürgerbewegung in der Europäischen Union (EU): 70 Millionen Menschen in 700 000 Vereinen – etwa 20 Prozent der 360 Millionen Menschen in den 15 EU-Mitgliedsstaaten – zählt sie. Die großen Länder Frankreich (170 000 Vereine und 102 Fachverbände) sowie Deutschland (86 000 Vereine/56 Fachverbände) sind zugleich die größten „Sportnationen“ der EU.

 Schon 1975 wurde die Charta „Sport für alle“ entworfen. Seit 1965 existiert die Europäische Fair-Play-Initiative. Zusammenarbeit pflegen seit 30 Jahren im zweijährigen Turnus die Nationalen Olympischen Komitees und die Dachorganisationen in der Engso. 1992 gründete sich die Europäische Akademie des Sports, in der die Sportwissenschaft kooperiert. Erste Harmonisierungen gibt es beim Sportstudium. Große Unterschiede in den 15 Staaten herrschen dagegen im Schulsport.

 1999 machte die Europäische Sportministerkonferenz, bisher ein Gremium in der EU mit empfehlendem Charakter, Dampf im Kampf gegen Doping und übte Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) aus. Folge, das IOC beschloss 1999, beim ersten Dopinggipfel in Lausanne, zum Jahr 2000 die Gründung der Weltdopingagentur (Wada). Die EU stellt zunächst fünf Millionen Euro bereit. Eine Finanzspritze, die künftig jedoch nicht garantiert ist....



 

Die Welt 2.9.

Sportunterricht an Schulen: CDU fordert mehr Stunden

Im Streit um die Kürzungen beim Sportunterricht an Schulen fordert die CDU erneut, die Zahl der Wochenstunden auszuweiten und die durch die Anwendung der Flexibilisierungsrichtlinie erfolgten Kürzungen zurückzunehmen. "Der Senat verschließt seit Jahren die Augen vor den Folgen der anhaltenden Geringschätzung des Schulsports", kritisierte der sportpolitische Sprecher der Bürgerschaftsfraktion, Volker Okun, am Freitag.

Schon im vergangenen Jahr hatte die CDU in einem Antrag gefordert, die Wochenstundenzahl im Sportunterricht an Grund-, Haupt- und Realschulen wieder auf drei zu erhöhen. Der Antrag wurde in die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Auf einer Anhörung zur Bedeutung des Schulsports erklärten Wissenschaftler und andere Experten, dass regelmäßige Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche von großer Bedeutung sind. Die Kinder, die den Sportunterricht am nötigsten hätten, erreiche man nur über die Schule, so Fachleute vom Hamburger Sportbund. Die dritte Stunde Schulsport sei aus gesundheitlichen Gründen erforderlich und pädagogisch gerechtfertigt. Die Sachverständigen kritisierten ebenfalls die fehlende statistische Erfassung von ausgefallenen Sportstunden, sowie der Anzahl fachlich nicht für den Sportunterricht ausgebildeten Grundschullehrer und die fehlende Analyse der Auswirkungen von Sportunterrichtsausfällen auf die geistige und körperliche Entwicklung.

Doch auch die neue Schulsenatorin Ute Pape habe noch überhaupt keine Position zum Schulsport bezogen, kritisiert die CDU. "Selbst im Rahmen der Vorstellung der Konzepte hat sie den Schulsport mit keinem Wort erwähnt", sagte Okun. Auch dass es Probleme mit dem Gutscheinsystem im Berufsschulsport gebe, sei unerwähnt geblieben. Gerade aber in sozialen Brennpunkten hat der Sport in der Schule positive Auswirkungen, so Okun.

Deswegen fordert die CDU von der Schulbehörde nicht nur die Rücknahme der Kürzung, sondern darüber hinaus, sicherzustellen, dass genügend Sportlehrer für den sich daraus ergebenden Bedarf ausgebildet werden. Außerdem solle die gescheiterte Gutschein-regelung in den Berufsschulen zurückgenommen werden sowie der Schulsport schrittweise verpflichtend wieder eingeführt werden. "Wir brauchen endlich eine Gleichbehandlung des Schulsports mit anderen Fächern", fordert Volker Okun.


Berliner Zeitung 31.8

Der Niedergang des Schulsports
FDP-Politiker Klaus Kinkel beklagt Stundenausfall und überaltertes Lehrpersonal

Turnvater Jahn" hat der "Spiegel" den früheren Bundesaußenminister Klaus Kinkel (FDP) spöttisch genannt. Hintergrund ist das Engagement des 64-Jährigen für den Schulsport. Kinkel ist Mitglied des Sportausschusses im Deutschen Bundestag und sportpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Er prangert seit einiger Zeit den "Niedergang des Schulsports" an.

Warum liegt der Schulsport für Sie im Argen?
Die Gründe kann ich Ihnen sagen. Etwa ein Drittel der Sportstunden fällt durchschnittlich dem Unterrichtsausfall zum Opfer. Die Sportlehrerschaft ist zum Teil überaltert. Gleichzeitig gibt es in Deutschland mehr als 1 300 als arbeitslos gemeldete Sportlehrer. 40 Prozent der zwölfjährigen Schüler in Deutschland haben Kreislaufprobleme, 30 Prozent Haltungsfehler, 20 Prozent Übergewicht. Wir werden international bereits belächelt als ein Schulsportentwicklungsland. Dazu kommt eine immer freizügigere Vergabe von Attesten durch Eltern und Ärzte zur Befreiung vom Schulsport. Und - das ist kein Witz, wenn Schulsport stattfindet, dann dauert nach den Messungen der Sportexperten eine durchschnittliche Sportstunde nach Abzug von Umkleidezeiten usw. zwischen 3,7 und 14 Minuten.

Warum sind die drei Stunden Schulsport in der Woche so wichtig?
Es wird in Zukunft ohne Schulsport keinen Breitensport und vor allem keinen Spitzensport geben. Und dann sind da die gesundheitlichen Konsequenzen. Es gibt zum Beispiel diesen berühmten Test, bei dem man junge Leute im Alter von zwölf Jahren auf die Strecke schickt und sagt, nun lauft mal so schnell ihr könnt, eine bestimmte Strecke in der und der Zeit. Die schaffen heute nur noch die Hälfte der Distanz im Vergleich zu früher. Das heißt, die Bewegungsfähigkeit, die Motorik hat gewaltig abgenommen. Das muss ja Gründe haben. So etwas kommt nicht aus dem hohlen Bauch.

Können die Vereine diese Lücke nicht auffüllen?
Schulsport ist eine staatliche Aufgabe. Der Staat kann sich nicht von seiner Aufgabe dadurch befreien, dass er sie den Vereinen überlässt. Man muss den Schülern beibringen, im Elternhaus, über Sportvereine, aber vor allem auch in der Schule, was der Sport bedeutet: Dass Menschen, die sich sportlich betätigen, im Allgemeinen gesünder sind.

Schulsport ist Ländersache. Wie reagieren die Kultusminister auf ihr Engagement im Bundestag?
Ich merke, dass sie rumbocken und uns Bundespolitikern natürlich sagen, wir seien nicht zuständig. Das ist etwas, womit wir leben müssen. Wir steuern jetzt im Sportausschuss des Bundestags auf ein zweites Gespräch zu, mit den zuständigen Sportministern und Senatoren der Länder.

Was muss sich Ihrer Meinung nach als Erstes ändern?
Wir haben bislang keine bundesweit gültige Studie, die die Situation des Schulsports wissenschaftlich durchleuchtet und das dringend benötigte Datenmaterial liefern könnte. Das heißt, wir brauchen eine Shell-Studie für den Schulsport. Außerdem brauchen wir wieder obligatorische Einschulungsuntersuchungen für junge Schulanfänger. Und es muss natürlich dafür gesorgt werden, dass wieder drei Sportstunden pro Unterrichtswoche stattfinden und zwar bundesweit und an allen Schulen. Ich fordere einen runden Tisch des Schulsports, wo sich die Kultusministerkonferenz, die Sportministerkonferenz, die Vereine, der Sportausschuss des Deutschen Bundestages und die Verbände zusammensetzen und darüber diskutieren, wie diese Situation verändert werden kann. Da tickt vor allem eine gesundheitspolitische Zeitbombe.
 



 

31.8 Freie Presse Online -Chemnitz

Jugendärztlicher Dienst macht Ungleichgewicht zwischen Pokémon-Training und Toben aus
Bewegungsrückstand auch Ursache für Unfälle

Das Zeitalter von Computer und Gameboy hinterlässt Spuren - Spuren auf die Beweglichkeit von Kindern und Jugendlichen. Mögen die beim Knöpfe drücken noch so schnell sein, als Pokémon-Trainer ihre kleinen Taschenmonster selbst für den härtesten Kampf gestählt haben, was ihre Geschicklichkeit außerhalb der virtuellen Welt betrifft, treten inzwischen besorgniserregende Mängel auf. Bei jedem 17. Erstklässler machte das Gesundheitsamt im jüngsten statistisch erfassten Schuljahr 1998/99 so genannte "motorisch-koordinative Entwicklungsrückstände" aus. Die Zahl der bewegungstechnisch zurückgebliebenen Abc-Schützen ist somit binnen zwei Jahren auf mehr als das Dreifache gestiegen.

 "Es wird zweifelsfrei zuviel Zeit vorm Fernseher oder dem Computer verbracht", urteilt Helgard Morgenstern, die für den kinder- und jugendärztlichen Dienst der Stadt zuständige Abteilungschefin. Ihre Mitarbeiter begutachten regelmäßig Einschüler, Zweit-, Fünft- und Neuntklässler mit Blick auf solche Defizite. Auf einem Bein stehen, rückwärts laufen und Bewegungsspiele mit Fingern und Daumen gehören zum Testprogramm, aber auch alltägliche Fertigkeiten wie An- und Ausziehen, Papier zerschneiden oder ähnliches. "Einige stellen sich bei diesen Dingen sehr schwerfällig an, in extremen Fällen kriegen sie noch nicht einmal die einfachsten Abläufe hin", beklagt Morgenstern.

 "Früher fanden viele Spiele draußen statt, Bewegung gehörte dazu: wie bei Fischer, wie hoch ist das Wasser?' zum Beispiel", erinnert sich die Frau vom Gesundheitsamt. "Heute bekommen Kinder statt dessen oft fertiges Spielzeug vorgesetzt." Sicher, es helfe nicht, den allgegenwärtigen Gameboy zu verteufeln. "Man kann die Technik nicht zurückdrehen, aber das Maß gibt den Ausschlag", meint Morgenstern. Ihr Tipp: Für jede Stunde vor Glotze oder Computer auch mal raus ins Grüne. "Eltern sollten mit ihren Kinder halt auch über einen Bach hüpfen oder auf einem Baumstamm lang balancieren." In den Schulhorten werden gerade auf solche Betätigung im Freien viel Wert gelegt.

 Auch das Spielplatzkonzept des Gartenamtes zielt in diese Richtung. So schwärmte Amtschefin Herma Heinze genau aus jenem Grund für ihren "Traumspielplatz", der im Vorjahr im Park der Opfer des Faschismus installiert wurde: Ein riesiges Kletternetz, das alle Attraktionen miteinander verbindet. Das Kleinod in der City kostete die Stadt zwar schlappe 300.000 Mark, doch sah Heinze das als Investition in die Zukunft. Schließlich stellt die Bewegungsretardierung von Schülern für die Kommune einen weit erheblicheren Kostenfaktor dar: in Form der Behandlungskosten nach Schülerunfällen. Im vergangenen Jahr schlugen die allein mit 1,2 Millionen Mark zu Buche.

 Der für die Erfassung solcher Missgeschicke im Sportunterricht und auf dem Pausenhof zuständige Personalamtsleiter AlbertLonsdorfer machte Bewegungsrückstände der Kinder bereits vor Jahren als wesentliche Ursache aus. Daran hat sich nach Auskunft der Behörde nichts geändert. Zwar ist seit den Negativrekordjahren 1997 und 1998, wo im Schnitt fast jeder elfte Chemnitzer Schüler verunglückte, die Zahl wieder geringfügig abgeebbt. Dennoch registrierte man im Vorjahr in sämtlichen städtischen Schulen zusammen immer noch 4044 Unfälle - 60 Prozent davon im Schulsport. Auf 1000 Schüler kamen somit im Vorjahr je 90 Unfälle. Unabhängig von den Bewegungsmankos hält die Statistik natürlich auch die häufigsten Unfallsituationen fest: Am riskantesten sind die Ballsportarten - mit klassischem Resultat: Prellung oder Verstauchung.



Stuttgarter Zeitung 29.8.

Vom Schulsport an die Weltspitze

 STUTTGART (leo). Mehr als eine Million Mark stellen die Volks- und Raiffeisenbanken für die sogenannte "VR-Talentiade'' zur Verfügung, mit der sechs württembergische Sportfachverbände ihre Nachwuchsarbeit erweitern wollen. Jährlich erhalten die Verbände der Fußballer, Handballer, Skisportler, Tennisspieler, Turner und Leichtathleten 350000 Mark für das Projekt. An über 100 Orten sollen zunächst Jungen und Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren gesichtet werden. Die Besten messen sich in der zweiten Phase des Projekts in Einzel- und Mannschaftswettbewerben und haben die Chance, sich für das Talentteam zu empfehlen.

 "Langfristig erhoffe ich mir eine höhere Erfolgsquote im internationalen Spitzensport'', sagt Erwin Kuhn, der Präsident des Genossenschaftsverbandes der Banken. Deshalb sei das Konzept auf immerhin drei Jahre fixiert. "Nachwuchsarbeit muss langfristig angelegt sein, Eintagsfliegen sind nicht gefragt'', sagt Kuhn.

 Bei dem Konzept wird vor allem auf eine Zusammenarbeit mit den Schulen gesetzt. "Was ich mir erwarte, ist, dass in den Schulen systematischer Sportunterricht eingeführt wird. Die Lehrer sollen den Gedanken der Förderung annehmen und im Unterricht umsetzen'', sagt Rainer Brechtken, der Präsident des Schwäbischen Turnerbundes. "Im Sportunterricht müssen Grundlagen vermittelt werden. In welcher Sportart die Kinder später landen, ist dabei zweitrangig'', sagt Brechtken. Das bisherige Konzept der Talentsuche der einzelnen Verbände wird größtenteils übernommen, so auch beim Württembergischen Tennis-Bund (WTB). "Wir werden den Nachwuchs über das bereits bestehende Kleinfeld-Championat sichten'', sagt Walter Knapper, der Präsident des WTB.



28.8. Stuttgarter Nachrichten

Zu dick, zu unbeweglich: Fitnesstest für Schüler

Karlsruhe - Timo balanciert, läuft über Hindernisse, sprintet - das alles macht der Neunjährige nicht nur zum Spaß. Er ist einer der Grundschüler in Bad Schönborn, die als Testpersonen für ein bald bundesweites Projekt der Universität Karlsruhe dienen.

 VON INGRID VOLLMER

 "Gesundheitsförderung in der Schule'' heißt eine länderübergreifende Untersuchung, mit der Professor Klaus Bös vom Institut für Sportwissenschaften der Uni dem Bewegungsmangel bei Kindern auf die Spur kommen will. 1500 Schülerinnen und Schüler werden dazu nach den Sommerferien getestet. Klaus Bös hat bereits mit jahrelangen Studien in Hessen erschreckende Ergebnisse zu Tage gebracht: Grundschüler sind bewegungsarm, oft zu dick, haben Rückenprobleme. "Diese fehlende Fitness im Kindesalter führt später oft zu erheblichen Gesundheitsproblemen'', sagt Bös.

 Die Schule, so meint der Sportwissenschaftler, müsse da viel mehr ausgleichen als früher. "Da sollten wir alle mehr investieren, als wir tun'', sagt Bös und schielt nach Landes- und Bundesmitteln für seine Tests. Für Baden-Württemberg kann der Professor mit einer Finanzspritze des Kultusministeriums rechnen. Schüler der Wilhelm-Hauff-Schule Heilbronn, der Schule an der Bottwar in Kleinbottwar, der Grund- und Hauptschule Langenbrücken und der Rennbuckelschule in Karlsruhe werden mit Landesgeldern auf ihre Fitness getestet. Auch eine Förderschule aus Bad Schönborn im Kreis Karlsruhe ist mit dabei.

 "Für die flächendeckenden Tests sind wir auf Sponsoren angewiesen'', sagt Bös und hat sie auch bereits gefunden. Acht Gemeindeunfallversicherer unterstützen das Projekt. So werden ab Herbst die Tests auf Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz und Hessen ausgeweitet. Zwei Jahre lang erhalten Bös und sein Team jeweils 100000 Mark für die Studie.

 "Die Bewegungsunfähigkeit unserer Grundschulkinder darf sich nicht zu einem Zukunftsproblem ausweiten'', fordert Bös. Seiner Bestandsaufnahme, die im regulären Sportunterricht stattfinden wird, wird ein Maßnahmenkatalog folgen. "Die Studie soll anschieben'', erhofft sich Bös. Haltung und Beweglichkeit der Grundschüler mehr zu fördern, wird dann Aufgabe des Kultusministeriums und der Lehrer sein.


Westline 26.8

Mini-Training hinter der Theke
Lünen (ko) - Leibesübungen zwischen Broten sollen bei Bäckereifach-Verkäuferinnen Muskel- und Skelett-Erkrankungen verhindern.

Ob Fußwippe oder Katzenbuckel - auf so genannten Fit-Karten, entwickelt von Sportwissenschaftlern der Universität Dortmund, sind die gymnastischen Übungen genau beschrieben, die Bewegung in die Bäckerei und hinter die Bedientheke bringen sollen.

Das Fit-Karten-Konzept stellten jetzt Lehrer des Gisbert-von-Romberg Berufskollegs (Dortmund) gemeinsam mit Fachverkäuferinnen mit einer kleinen Theatereinlage in der Deutschen Ausstellung für Arbeitsschutz (DASA) beim Aktionstag zur Gesundheitsförderung vor. Eine Bäckerei-Fachverkäuferin braucht Stehvermögen, das sie mit Rücken- und Nackenschmerzen, manchmal brennenden Füßen "bezahlt".
Auch Heben, Tragen und das Säubern von Backblechen und Theken sind eine Belastung. Nach Angaben der Innungskrankenkasse (IKK) Dortmund-Lünen liegt die Krankenquote für Verkäuferinnen im Bäckereigewerbe bei 5,6 Prozent.

Hosentaschenformat

18 Karten im Hosentaschenformat sollen jetzt helfen, mit Kräftigungs-, Dehnungs- und Entspannungsübungen sowie zusätzlichen Verhaltensempfehlungen den Krankenstand zu senken. Gymnastische Übungen am Arbeitsplatz, drei bis sieben Minuten über den Tag verteilt, können den Beschwerden vorbeugen, meint Prof. Stephan Starischka vom Dortmunder Uni-Institut für Sport und seine Didaktik, der mit seinen Mitarbeitern das Konzept mit den Fit-Karten eigens für das Verkaufspersonal in Bäckereien entwickelt hat.

Er hat Idee in Bewegung umgesetzt, die Willi Feldkamp, stellv. Obermeister der Bäckerinnung Dortmund-Lünen-Bochum, angestoßen hatte. Von März bis November des vergangenen Jahres z.B. untersuchten die Sportwissenschaftler in einem Meisterschülerkursus der Bäckereifachschule Olpe, ob regelmäßiges, maßgeschneidertes Mini-Training den individuellen Gesundheitszustand der Teilnehmer verbessert.
Die Ergebnisse der Langzeiterprobung sind durchweg positiv, erläuterte die Sportwissenschaftlerin Claudia Kauert. Die Verkäuferinnen gaben an, nach Anwendung der Fit-Karten weniger Beschwerden, z. B. an Schultern und Nacken zu haben und sich wohler zu fühlen.

2500 Frauen

Allein in Dortmund und Umgebung arbeiten rund 2500 Frauen in Bäckereien, die mit den Fit-Karten entlastet werden können. Deshalb sollen die Karten allen Bäckerei-Betrieben der Innung zur Verfügung gestellt und in den Sportunterricht an Berufsschulen aufgenommen werden .
Unterstützt wurde das Projekt von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten, der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, der IKK-Regionaldirektion Westfalen-Lippe und den Bäckerinnungen des Verbandes Westfalen-Lippe.



DSB News   25.08.00

Mit Sport gegen Gewalt und  Fremdenfeindlichkeit

Im Rahmen der "sozialen Offensive des Sports" hat der Landessportverband Schleswig-Holstein bereits 1994 mit Unterstützung der Landesregierung das Projekt "Sport gegen Gewalt,  Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit" ins Leben gerufen. Innerhalb kurzer Zeit hat es sich zum erfolgreichsten Präventionsprojekt im Lande  entwickelt. Aktu-ell werden in über 80 regelmäßig stattfindenden Projektgruppen Woche für Woche über 1.600 Kinder und Jugendliche mit einem  gewaltpräventiven Sportangebot betreut.

Landesweit stehen hierfür über 30 Projekt-mitarbeiter zur Verfügung, die auch in die Organisation von jährlich über 100 Sonderveranstaltungen wie Projekttage, Turniere und insbesondere die mit großer Resonanz stattfindenden "Midnite-Streetball"-Veranstaltungen, eingebunden sind. 

Die Chance, Sport als Mittel gegen die zunehmende Gewaltbereitschaft vor allem von Kindern und Jugendlichen einzusetzen, hat der Landessportverband Schleswig-Holstein damit sehr frühzeitig erkannt und umgesetzt. "Landesweit flächendeckend können mit den vielfältigenMöglichkeiten des Sports Alternativen zu Aggression und Gewalt aufgezeigt werden", bewertet LSV-Präsident und DSB-Ehrenpräsident Hans Hansen das Projekt. "Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit" lebt von der Zusammenarbeit und Kooperation zahlreicher Partner aus der Jugend- und Sozialarbeit. Die enge Einbindung der in Schleswig-Holstein effektiv arbeitenden "kriminalpräventiven Räte" gewährleistet, mit dem Projekt nicht nur eine Vielzahl Jugendlicher anzusprechen, sondern auch  direkten Kontakt zu den "sozialen Problemgruppen" herzustellen.


Darmstädter Echo 17.6. 00

Jahr des Schulsports in Hessen

 "...Mit einer Hallen-Sportschau fiel am gestrigen Freitag beim Hessentag in Hünfeld der Startschuss für das „Jahr des Schulsports“ in Hessen. 20 hessische Schulen demonstrierten zum Auftakt Ausschnitte aus ihrer Bewegungsarbeit und Sportangeboten: Tanzgymnastik, Rhönradturnen oder Jonglage-Nummern.

 Das „Jahr des Schulsports“ wurde vom Landessportbund Hessen (LSBH) und der Sportjugend 1999 angeregt. Es soll die Misere des Sportunterrichts in allen Schulformen des Landes der Öffentlichkeit bewusst machen und die Qualität zahlreicher Initiativen für den Schulsport stärken.

 Sportunterricht fristet ein kümmerliches Dasein. Je nach Schulform und Jahrgangsstufe fallen von durchschnittlich 70 Minuten pro Woche zehn bis 30 Prozent aus. Mit 8500 Sportlehrern sei die Personaldecke in Hessen nicht zu dünn. Aber viele Schulleiter setzten ihre Lehrkräfte in anderen Fächern ein, um dort die Engpässe auszugleichen, sieht das Kultusministerium in Wiesbaden einen Grund für die Misere.

 Kultusministerin Karin Wolff (Darmstadt), von Haus aus Lehrerin, gab gestern bei der Sportschau auf den Hessentagen in Hünfeld mit Sportminister Volker Bouffier und der Vizepräsidentin des LSBH, Svea Rojahn, selbst Sonderschullehrerin, den Startschuss. Das Max-Planck-Gymnasium Groß-Umstadt war mit einer Gruppe der Rhythmischen Sportgymnastik vertreten.

 Nachdem der Hessische Landtag das „Jahr des Schulsports“ abgesegnet hat, wird die Initiative von der Landesregierung mit 880 000 Mark in den Haushalten 2000 und 2001 unterstützt. Der Landessportbund Hessen investiert zur Aufwertung des Schulsports 100 000 Mark.

 Bisher habe über die Hälfte aller hessischen Schulen ihre Beteiligung am „Jahr des Schulsports“ angemeldet, heißt es aus Wiesbaden. Geplant sind im Schuljahr 2000/2001 Projektwochen, Foren, Podiumsdiskussionen oder Sportfeste an den Schulstandorten und in den 38 hessischen Sportkreisen, darunter auch in Südhessen.

 Die Schulsportkoordinatoren für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt planen in Zusammenarbeit mit den staatlichen Schulämtern Anfang September eine „Woche des Schulsports“.

Das Programm soll eine Auswahl aus zahlreichen Ideen bilden: Sport- und Spielfest für Grundschulen in der Stadt Darmstadt, Sportabzeichentag (zentrale Veranstaltung), Spielfest (Halle) der Schulen für Lernhilfe, Kreis-Schulsportfest in Seeheim-Jugenheim, Fortbildungsveranstaltungen für Sportlehrer, Podiumsdiskussion „Erwartungen an den Schulsport“ mit dem Arbeitskreis Schulsport."

Mannheimer Morgen 17.6. 00
 

"Bewegung macht Büffeln leichter"

"...Mit dem "Jahr des Schulsports" will die hessische Landesregierung die oft unterschätzte Bedeutung von sportlicher Bewegung für die Gesamt-Entwicklung von Kindern stärken. Mehr als die Hälfte der hessischen Schulen hätten inzwischen Projekte auf die Beine gestellt und bei den staatlichen Schulämtern angemeldet, berichtete Kultusministerin Karin Wolff (CDU) zum Auftakt der Aktion gestern beim Hessentag in Hünfeld.

So sollen im Schuljahr 2000/2001 besondere Initiativen wie ein autofreier Schultag, ein Marathon-Lauf und Schnupperkurse bei Sportvereinen die Begeisterung für körperliche Fitness wecken. Das Ministerium will mit dem sportlichen Schuljahr vor allem darauf hinweisen, dass Sport auch das "Büffeln" in der Schule erleichert.

Wie Innenminister Volker Bouffier (CDU) sagte, ist der Schulsport "eine Brücke zum Vereinssport". Er helfe damit bei der schwierigen Aufgabe, ausländische Kinder zu integrieren. Das "Jahr des Schulsports" sei eine der wenigen Initiativen im Landtag gewesen, die alle Fraktionen mitgetragen hätten, so der CDU-Politiker weiter. Das Schulsport-Projekt wird getragen vom Landessportbund und dem Land Hessen. 880 000 Mark stehen zur Verfügung.

Die Vizepräsidentin des Landessportbundes, Svea Rojahn, betonte, viele Eltern hätten noch nicht erkannt, dass Sport und Motorik gerade für das Lernen wichtig seien und das Denken förderten. Einig waren sich Sportbund und Ministerien darin, dass die Aktionen auch über das Schuljahr 2000/2001 hinaus weitergehen sollen.

Einen ersten Vorgeschmack auf das Schulsport-Jahr gab es bereits gestern auf dem Hessentag: Dort zeigten Schüler von rund 20 Schulen eine Sportshow mit Tanzgymnastik, Rhönrad-Turnen und Jongleur-Nummern..."



 

Westdeutsche Zeitung 14.6. 00

Weite Schläge und zaghaft hoppelnde Bälle

"... Unterricht auf der Driving Range:
Die Klasse 6 a der Emil-Barth-Realschule machte Dienstag beim Golfclub Düsseltal einen Schnupperkurs.

Stefanie nimmt den Ball ins Visier, holt schwungvoll aus und trifft. Langsam kullert die Kugel übers Grün, bleibt nach einigen Meter liegen. "Puh", stöhnt Stefanie, "das ist aber ganz schön schwer." Schon nach ein paar Minuten tun die Hände weh, und den Golfball zu treffen, ist auch nicht immer leicht. Aber: "Es macht echt Spaß", freut sich die Zwölfjährige, den Tag auf der Anlage des Golfclubs Düsseltal zu verbringen. Gemeinsam mit ihren Mitschülern der Klasse 6a der Emil-Barth-Realschule schnupperte sie gestern auf der Driving Range Golfluft.

Mit einer Wanderung von der Schule zur Golfanlage hatte der Vormittag begonnen. Auf ihrer Route durch den Steinbruch konnten die Schüler gemeinsam mit Lehrer Rolf Feldbrügge zusätzlich ihre Erdkunde- und Biologie-Kenntnisse erweitern. Feldbrügge war es auch, der den Kontakt zum Golfclub hergestellt hatte. Er ist Beauftragter der Bezirksregierung für den Schulsport an den Realschulen im Kreis Mettmann und in Düsseldorf und zudem selbst Mitglied im Golfclub. Ein Schnuppertag für Lehrer etwa, den er angeregt hatte, trägt schon erste Früchte.

"Es geht nicht darum, Golf als Schulsport zu etablieren", machte Feldbrügge deutlich, wenngleich in Zukunft auch eine Golf-AG an der Realschule eingerichtet werden solle. "Unser Ziel ist es, die Schule für Angebote in der Gemeinde zu öffnen und den Schülern zu zeigen, was sie in Haan alles unternehmen können", erläuterte der Lehrer den pädagogischen Hintergrund. Der Golfclub wiederum möchte bei den jungen Menschen Interesse wecken für einen Sport, bei dem für viele Menschen noch eine Hemmschwelle besteht.

Hemmungen hatten die jungen Golf-Neulinge überhaupt nicht. Begeistert gingen sie mit den Golflehrern Graham Hillier und Renata Brydlowa auf den Rasen, ließen sich die richtige Schlägerund Körperhaltung erklären. Nachdem die Schüler eine kurze, humorvolle Einweisung in die Regeln des Golfsports erhalten hatten, durften sie dann endlich selbst zum Schläger greifen.

Während die meisten die Bälle zaghaft über die Wiese hoppeln ließen, erwies sich der elfjährige David als Naturtalent. Zwar hatte er schon vorher einmal den Schläger geschwungen, doch seine weiten Bälle verblüfften alle Klassenkameraden."


Darmstädter Echo 13.6.00

Ein Käfig voller Schläger
Einstieg in die Welt des Baseballs

".. Lennart Ebeling ist skeptisch. Es scheint dem Kleinen nicht geheuer zu sein, was sich dort hinter dem Netz abspielt. „Nee, erst du“, sagt er schüchtern zu Vater Björn, der ohne zu Zögern in den „Home Run Hitter“ steigt. Dort bekommt er professionelle Anweisung: „Beine noch ’n bisschen knicken“, rät Jason (14). Und: „Nicht runtergehen beim Schlagen.“ Baseball für Anfänger.

 Strike! Dies gilt, wenn der Batter (Schläger) nach einem Ball schlägt, ihn aber nicht trifft. Oder wenn er nicht nach dem Ball schlägt, obwohl dieser durch die Strike-Zone fliegt. Es gilt also nicht für Björn Ebeling. Chance verpasst. Gut dagegen ist ein Home Run, noch besser ein Grand Slam. Da dürfen alle heimlaufen.

Dies und mehr erfuhren Interessierte am Samstag auf dem Karolinenplatz. Die Major League Baseball (MLB), der Deutsche Baseballverband und der hiesige Baseballverein „Darmstadt Whippets“ hatten zur „Roadshow“ geladen, die gerade durch Deutschland tourt. Die Besucher konnten sich per Eintritt in zwei aufblasbare Käfige in die Welt des Baseball begeben: Hier Werfen, dort Schlagen.

„Das sollte Schulsport werden“, findet Peter Hoffmann vom Deutschen Baseballverband, der schon lange dafür wirbt, dass der amerikanische Volkssport auch hier zu Lande mehr an Bedeutung gewinnt. „Spielerisch Grundmotoriken lernen“, nennt er den Effekt, den Baseball erzielen kann – gerade im Kinder- und Jugendbereich sei das wünschenswert. „Die haben viele Defizite“, sagt er. Seit drei Jahren bieten sie an Schulen Kurse an, da könne man sehen: „Manche werfen so schlecht, die können nicht mal ein Scheunentor treffen.“

 Simon Desire hat damit kein Problem. Der Elfjährige spielt bei den „Darmstadt Whippets“ und weiß, wo seine Stärken liegen: „Beim Pitchen“ (Werfen). Ihm mache das sehr viel Spaß, „das Zusammenspiel von Zielen und schnell Werfen“, erklärt er, eine „09“ auf dem T-Shirt, das schwarze Baseballkäppi auf dem Kopf.

 Er ist einer von rund 30 000 Deutschen, die in ihrer Freizeit den keulenhaften Schläger in die Hand nehmen und auf Amerikanisch über das Spielfeld flitzen. Das kommt nicht von irgendwo, denn seine Mutter ist die zweite Vorsitzende des erst acht Jahre jungen Darmstädter Vereins, der ihren Angaben zufolge „wächst und wächst“, aber noch immer keinen eigenen Platz zum Trainieren habe. „Überall und nirgendwo“ würden sie üben, händeringend seien sie auf der Suche..."


Frankfurter Neue Presse 8.6.00

Schüler liefen für ihren Schulsport

Limburg. Eine pfiffige Idee der Limburger Theodor-Heuss-Schule: Die Schulleitung veranstaltete einen Ausdauerlauf, der zum Erwerb des Laufabzeichens führte und gleichzeitig als Sponsorenlauf zählte. Diese Sportveranstaltung löste die Bundesjugendspiele ab, die bislang alljährlich an der Schule stattgefunden haben.

 Jeder Schüler der Theodor-Heuss-Schule musste im Vorfeld dieses Sponsorenlaufes an Eltern, Verwandte oder Bekannte herantreten, um mit diesen potenziellen Geldgebern einen Sponsorenvertrag abzuschließen. Das Sponsoring bezog sich auf eine Laufzeit, die mindestens 15 Minuten und maximal zwei Stunden betragen durfte. So tummelten sich am gestrigen Mittwoch zahlreiche Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf bis zehn am Spielplatz "Schafsberg", um den Rundkurs mit einem Abstecher zur Limburger Tilemannschule in Angriff zu nehmen. Je weiter die jungen Läuferinnen und Läufer also kamen, desto mehr Geld kam durch die ausgehandelten Sponsorenverträge mit Mama, Papa, Oma oder Opa in die Kasse.

Eigeninitiative ist notwendig

 Der Erlös dieser Veranstaltung soll ausschließlich dem Sport an der Theodor-Heuss-Schule zu Gute kommen. Anschaffungen von Geräten, Schlägern und Ballmaterial seien dringend notwendig, auch für die Pausengestaltung. Mit dieser Aktion sollen diese Maßnahmen finanziert werden. Auf Grund der schlechten Lage, so die Schulleitung, sei Eigeninitiative notwendig. So entstand letztlich eine gelungene Aktion, an der sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler beteiligten und die sicherlich Vorbildcharakter für andere Schulen haben dürfte.
 


Südkurier 6.6.2000

Sport hilft den Krebskindern

Wissenschaftliche Untersuchung geplant
Furtwangen (wei) Auch Herzpatienten und Prothesenträger sind in der Lage, Inlineskates zu fahren oder Mountainbike-Touren zu machen. Dass dies möglich ist und vor allem auch für die Psyche der kranken Jugendlichen unglaublich positive Auswirkungen hat, zeigt sich seit nunmehr einem Jahr auf der Katharinenhöhe. Die subjektiven Eindrücke über die Auswirkung der sportlichen Aktivitäten sollen nun auch wissenschaftlich belegt werden.
Anstoß für diese Erkenntnis gab Dr. Lisa Eimert, die am 1. Juni 1999 ihren Dienst in der Reha-Klinik aufgenommen hat. Die junge Sportwissenschaftlerin wollte mit kranken Kindern arbeiten und kam so nach erfolgreichem Abschluss ihrer Doktorarbeit am Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen in die Schwarzwälder Nachsorgeklinik.
Durch sie kam "eine gewisse Regelmäßigkeit" in die sportlichen Aktivitäten auf der Katharinenhöhe. Montags und freitags ist für die Gruppe der "Jugendlichen und jungen Erwachsenen" Hallensport angesagt, am Mittwoch bietet das Fitnessstudio "Galimar" in Villingen ein kostenloses Training für die Patienten an.
Wert legt die junge Frau darauf, dass es sich beim Hallensport nicht um den typischen "Schulsport" handelt, den doch viele mit eher negativen Erinnerungen verbinden.
Auch Dr. Eberhard Leidig, Arzt an der Katharinenhöhe, konnte sie mit ihrer Arbeit trotz seiner anfänglichen Zweifel überzeugen: "Bisher war ich der Meinung, man müsse die Patienten schonen und größere Anstrengungen beim Fitness seien nicht möglich." Doch jetzt sehe er, "dass dies sehr wohl geht", lobt er die Sportlehrerin.
"Sportlich aktive Menschen überstehen Chemotherapien besser."

Er bestätigt, dass sportlich aktive Menschen Chemotherapien besser überstehen und es in vielen Fällen sicherlich die falsche Vorgehensweise sei, die kranken Kinder zu "schonen", in dem sie zum Beispiel vom Schulsport ausgeschlossen werden. Geplant ist nun, die positiven Auswirkungen des Sports auch wissenschaftlich zu belegen. "Es wäre toll, wenn es gelänge, die subjektiven Erkenntnisse zu objektivieren", so Leidig.
Auch Stefan Maier, Leiter der Katharinenhöhe, zeigt sich begeistert von der Leistung Dr. Eimerts. "Man muss sich nur einmal die Patienten zu Beginn ihres Aufenthaltes anschauen und am Ende nach vier Wochen Reha, die Erfolge sind nicht zu übersehen."
Alle "haben die Möglichkeit, durch den Sport etwas zu finden, was sie trotz ihrer Krankheit tun können und wo sich mit recht wenig Aufwand bald Ergebnisse zeigen", erläutert Lisa Eimert das Erfolgsrezept. Ihre arbeitsintensiven Studien und Auswertungen belegen, dass gerade bei Jugendlichen das Körperselbstwertgefühl sehr ausschlaggebend für das Gesamtselbstwertgefühl ist.
Ein Großteil der Jugendlichen betreiben auch nach der Kur weiter intensiv Sport. "Die jungen Leute merken, dass sie ihren Körper, der sie durch die Krankheit so im Stich gelassen hat, doch noch ein Stück weit beeinflussen können", erklärt sie weiter.
"Dies alles ist nur möglich, durch das große Engagement von Frau Eimert", hebt Klinikleiter Stefan Maier hervor. Um ihre "Projektstelle" in eine feste Anstellung umwandeln zu können, laufen derzeit Zuschussanträge.
Bisher war die aus dem Raum Tübingen stammende Sporttherapeutin bereit, sowohl Fahrtkosten als auch Wohnungskosten selbst zu tragen und sogar auf ein festes Gehalt zu verzichten, denn ihr macht die Arbeit "einfach Spaß". Um ihr wenigstens ein Stück der entstandenen Kosten zu erstatten und ihren Einsatz somit auch finanziell zu würdigen, übergab Ekkehard Günther vom "Förderverein für krebskranke Kinder" der Klinik einen Scheck in Höhe von 15.000 Mark.
Die "Urväter der Katharinenhöhe", wie Günther sich ausdrückt, sind seit 1984 für die Katharinenhöhe engagiert und haben immer wieder "helfend unter die Arme gegriffen".
Diese "Anschubfinanzierung" hilft der Klinik ein Stück weit, doch die dauerhafte Stelle für die Sportmedizinerin kann nur durch einen positiven Bescheid der "Krupp-Stiftung" über den gestellten Zuschussantrag verwirklicht werden.


Bewegung in Bayern - wieder mehr Sportunterricht ?
(Donau- Zeitung, 3.6. 00)

"Beim Verbandstag des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) am Donnerstag in München kündigte Stoiber an, im Schuljahr 2000/2001 würden drei Millionen Mark für die zusätzliche Sportstunde zur Verfügung gestellt. Im Doppelhaushalt 2001/2002 seien weitere zehn Millionen Mark für den Schulsport vorgesehen. „Dies bedeutet konkret, dass schon ab dem nächsten Schuljahr wieder rund 20.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern eine dritte Sportschulstunde erhalten“, sagte Stoiber.

„Tropfen auf den heißen Stein“
Die SPD kritisierte dies als einen „Tropfen auf den heißen Stein“. Bayern sei in Sachen Schulsport zusammen mit dem Saarland das Schlusslicht unter den Bundesländern, erklärte Fraktionsvize Franz Maget. Er forderte einen konkreten Stufenplan, wie die dritte Stunde verbindlich wieder für alle Schüler eingeführt werden solle. Der SPD-Bildungsexperte Eberhard Irlinger rechnete vor, dass in Bayern pro Schuljahr mehr als zwei Millionen Sportstunden ausfielen. Nach Angaben des Kultusministeriums seien die Ausfälle im laufenden Schuljahr nochmals um fast fünf Prozent angestiegen. In der Grundschule gebe es rechnerisch nur noch 2,7 Wochenstunden Sport, in der Realschule 2,1 und im Gymnasium 2,5.

„Stubenhocker“ häufig krank
 Derzeit sind zwei Stunden allgemeiner Sportunterricht verbindlich vorgeschrieben. Daneben gibt es als eine Art Wahlpflichtfach zwei Stunden differenzierten Sport, der teilweise auch von Übungsleitern aus Sportvereinen erteilt wird.

Laut Stoiber soll die Rückkehr zur dritten Stunde durch hauptamtliche Lehrkräfte schneller als geplant erfolgen. Dafür vorgesehen seien zunächst die  fünften und sechsten Jahrgangsstufen, für die Bewegung eine besondere Bedeutung habe. Irlinger zufolge sind Kinder heutzutage durch „Stubenhocken“, Fernsehen und Computerspiele zunehmend gesundheitlich gefährdet.
Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge hätten 40 Prozent der Zwölfjährigen Kreislaufprobleme. Jedes dritte Kind zeige Haltungsfehler, jede zweite Muskelschwächen."

erarbeitet von Fischer, Violetta

Hamburger Abendblatt 26.5.

GAL: Sport an Berufsschulen wieder einführen

"Der GAL-Bürgerschaftsabgeordnete Hans-Peter de Lorent sieht Chancen zur Wiedereinführung des Berufsschulsports. Der Hamburger Sportbund (HSB) hat wie berichtet beschlossen, die Vereinbarung über das  Gutscheinsystem mit der Schulbehörde zum Jahresende zu kündigen. Grund: Zuletzt hatten nur 14,6 Prozent der Berufsschüler das Angebot genutzt, gegen Eintausch des  Gutscheins Sport im Verein zu treiben. Dem Wunsch von  Kammern und Verbänden, Auszubildende länger in Betrieben zu behalten, hatte die Behörde nachgegeben und den Berufsschulsport 1997 gestrichen.  De Lorent, der auch sportpolitischer Sprecher seiner  Fraktion ist, schlägt als Konsequenz aus dem Scheitern des Gutscheinmodells flexible Lösungen vor. "Die Politik ist  jetzt gefragt. Wir brauchen differenzierte Angebote",  sagte de Lorent. In Berufen, in denen Sport eine wichtige Gesundheitsprophylaxe darstellt, könne der Sportunterricht wieder eingeführt werden. Unter anderem könnten zum Beispiel Programme spezieller Rückengymnastik direkt in den Unterricht übernommen werden. Hier gebe es auch keinen Widerstand der Ausbildungsbetriebe..."
 
 


Vorschulkinder ertrinken am Häufigsten
Aufklärungskampagne gestartet -  DLRG rettete 464 Menschen das Leben

Berlin / Bad Nenndorf (ots) - Die Deutsche Lebens- Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat eine bundesweite Aufklärungskampagne ins Leben gerufen, um den Ertrinkungsfällen von Kindern zu begegnen. Gemeinsam mit Kindergärten und Grundschulen wollen die ehrenamtlich tätigen Lebensretter Vorschulkinder über die Gefahren im und am Wasser aufklären und ihnen frühzeitig das Schwimmen beibringen.
Hintergrund der Aktion: 1998 ertranken 93 Mädchen und Jungen bis zu zehn Jahren. 58 Opfer waren noch im Vorschulalter als sie ihr Leben verloren. Insgesamt starben 477 Menschen durch Ertrinken. In den ersten Monaten dieses Jahres ertranken nach Angaben der DLRG bereits 15 kleine Kinder, zumeist in der Nähe ihrer Wohnung. Diese Zahlen gab DLRG - Präsident Dr. Klaus Wilkens jetzt in Berlin bekannt.

DLRG


15.05.2000 - Westfalenpost

 Schnuppersport für Grundschüler

Lippborg. Computer und Co. sind eine Gefahr für die Vereine. Das stellen inzwischen auch die heimischen Sportler fest. Um neuenNachwuchs an den VfJ Lippborg heranzuführen, ist gestern ein Programm mit der Ludgerus Grundschule angelaufen. Die Kinder können den Sportunterricht so von ganz anderen Seiten kennenlernen. Und es klappt - alle machen mit.
"Tor, Tor, Tor", brüllt Peter Feldkötter begeistert und reißt dabei die Arme zum Jubel hoch. "Wenn ihr ein Tor gemacht habt, dann müsst  ihr euch auch richtig darüber freuen und jeder darf ganz laut schreien". Der Lippborger Jugendkoordinator und A-Lizenz-Trainer des VfJ hat sich eine schierige Aufgabe gestellt. "Ich will Kinder wieder an den Vereinssport heranführen und für Gruppenaktivitäten interessieren", sagt der Trainer. Er hat festgestellt, dass Grundschüler "lieber vor dem Computer sitzen und dort eher alleine Olympiade spielen, als selber herumzulaufen". Das bestätigt auch Andrea Hansmeier, Lehrerin der 2b. "Ihre" 31 Kinder machen da keine Ausnahme, machten andererseits gestern auch gerne den Anfang beim VfJ Schnuppertrainig. Gameboy und Fernsehen waren plötzlich  abgemeldet. Andrea Hansmeier freute sich über die tobende Klasse und meinte begeistert: "Sport auf dem Fußballplatz ist doch was völlig anderes, etwas neues und daher macht es mehr Spaß als die sonst üblichen drei Turnstunden in der Schule." Grundschuldirektor Franz Driever strahlte an dem gestrigen Schokoladentag mit der Sonne um die Wette. Er und VfJ-Vorsitzender Helmut Meyer  beschreiten nämlich Neuland indem sie Sportunterricht auf der Vereinsanlage stattfinden lassen. Besser und professioneller vollen bis zu fünf VfJ-Betreuer alle Klassen der Ludgerus Grundschule in regelmäßigen Abständen trainieren. Eine Kinderverwahranstalt will der Verein nicht werden, aber gerne durch die Hintertür Mitglieder gewinnen, die Fußball, Tisch Tennis, Tennis, Basketball oder am Breitensport 


14.5.

Helmpflicht für Inline-Skater ?
Berlin (dpa) - Krankenkassen und Politiker fordern die Einführung einer Helmpflicht für
Inline-Skater. Beim Skating ohne Schutzkleidung könnte es zu schwersten Verletzungen
kommen, erklärte Udo Barske vom AOK-Bundesverband gegenüber der "Bild am Sonntag".
Eine Helmpflicht in der Straßenverkehrsordnung sei deshalb ein wichtiger Schritt. Mit dem
Skater-Problem befassen sich inzwischen auch die Verkehrsminister. Sie haben bei der
Bundesanstalt für Straßenwesen eine Studie in Auftrag gegeben, die Inline-Skating sicherer
machen soll.


Südwestpresse 10.5.

Ein Herz für den Sport
KOMMENTAR


Gewiss, das hört sich gut an: der Sport als Staatsziel in der Landesverfassung. Immerhin wird dadurch der hohe Stellenwert des Sports dokumentiert. Was andere Bundesländer längst vollzogen haben, holt Baden-Württemberg auf diese Weise nach: Nicht nur die Bedeutung des Sports für Gesundheit und soziale Integration wird anerkannt. Der Staat beweist überdies, dass er das bürgerschaftliche Engagement von Tausenden von Ehrenamtlichen honoriert.

Sport in der Verfassung - nur eine symbolische Hilfestellung? Die Zukunft könnte zeigen, dass sich das mehrjährige Ringen um eine Einigung doch gelohnt hat. Natürlich wird die Erhebung zum Staatsziel nicht unmittelbar Auswirkungen haben auf eine höhere Sportförderung, ist die doch eine freiwillige Leistung des Landes. Bei juristischen Auseinandersetzungen kann sich der Sport aber künftig möglicherweise mehr Gehör verschaffen. Zwar sind Staatsziele nicht unmittelbar einklagbar, vor Gericht könnten aber Belange des Sports gegenüber anderen gesellschaftlichen Bereichen stärker gewichtet werden.

Eine automatische Lösung aller Probleme liefert der Sport als Staatsziel allerdings keineswegs. Das zeigt schon das Stiefkind der Nation, der Schulsport. Solange nicht einmal die drei Wochenstunden in den Lehrplänen verwirklicht sind, helfen auch vollmundig verkündete Ziele nicht. Weiterentwicklung des Sport heißt auch, die Hausaufgaben zu machen.
 


NW Bielfeld 5.5. 00

Der Schulsport geht an Krücken

Kinder in schlechter körperlicher Verfassung /Wissenschaftler schlagen Alarm

VON ANSGAR MÖNTER

Bielefeld. Kranke Kinder, dicke Kinder, aggressive Kinder, unkonzentrierte Kinder - was hat das mit Sport, oder besser zu wenig Schulsport zu tun? Eine ganze Menge, meinen Dr. Elisabeth Sahre, Prof. Dr. Dietrich Kurz und Bernd Trenner. Sie appellieren an Eltern und Schulen, die Bedeutung des Fachs Sport endlich zu erkennen - als Förderer von Gesundheit, Selbstbewusstsein und Intelligenz.

Mit deutlichen Worten skizzieren die drei einen bedenklichen Ist-Zustand. "Schulkinder und Jugendliche sind körperlich noch nie so schlecht auf den beruflichen Alltag vorbereitet gewesen wie heute", sagt Trenner. Der Pädagoge bereitet Referendare auf den Lehrer-Alltag an der Schule vor.
...

In Zahlen ausgedrückt liest sich das so: 30 Prozent der Kinder heute haben Übergewicht, 20 Prozent haben Haltungsschäden und - besonders alamierend -
mindestens 15 Prozent sind psychisch auffällig.
"Eine entkörperlichte und entsportlichte Welt der Kinder darf nicht hingenommen werden", warnt Prof. Dr. Kurz von der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft an der Uni Bielefeld. "Immer wieder wird von den sozialen Schwierigkeiten an den Schulen gesprochen. Aber die Rolle des Sports, der ideal soziales Verhalten lehrt", wird dabei missachtet."

Kinder lernen über den Sport den Umgang mit Aggression und Gewalt, sie lernen Verlieren, ebenso Zusammenspielen und Gewinnen. Sie entwickeln ihre Sinne weiter und stellen fest, dass beharrliches Üben zu Fortschritten führt.

Die schlechte körperliche Verfassung hat nach Erkenntnissen von Prof. Dr. Kurz Auswirkungen auf das Gesundheitswesen: "Fast jeder hat heute irgendwann einen Bänderriss, wenn nicht sogar einen Achillessehnenabriss. Das hat es in dieser Häufigkeit tatsächlich früher nicht gegeben."

Bereits 1920 erkannten deutsche Pädagogen die Bedeutung von Bewegung für Körper und Seele - vor allem bei Kindern. Sie forderten die tägliche Sportstunde. Heute - 80 Jahre danach - sind in NRW drei Stunden Sport vorgeschrieben, tatsächlich jedoch liegt der Durchschnitt, auch in Bielefeld, bei 2,4
Stunden, Ferien eingerechnet sogar nur bei 1,8 Stunden pro Woche. Abzüglich umziehen, anziehen und Pausen bewegen sich Schüler laut Expertenberechnung maximal 14 Minuten. Der Schulsport geht an Krücken.

"Drei Stunden pro Woche", postuliert Dr. Elisabeth Sahre, Sportlehrerin am Ceciliengymnasium und  Wissenschaftlerin an der Uni für Sportunterricht und
Erziehung, "sind das absolute Minimum." Und Prof. Kurz sekundiert: "Es ist ein Trugschluss vieler Eltern, dass sie glauben, die Sportvereine könnten die fehlenden Schulsportstunden auffangen. Dort wird sehr spezialisiert Sport betrieben, die Schule bietet Bewegung in der Breite, und zwar für alle." Hinzu kommt, dass Kinder kaum noch Platz zum Klettern, Toben und Budenbauen in ihrer unmittelbaren Umgebung finden. Deshalb gibt es heute so genannte Bewegungskindergärten. "Wir Menschen sind darauf angelegt, uns zu bewegen. Das ist wichtig für Körper und Geist", betont Kurz.

Zirkeltraining und Wettläufe bestimmen längst nicht mehr den Charakter der Sportstunde. Sollten sie zumindest nicht. "Das Fach ist konzeptionell in
Deutschland weit entwickelt", erläutert Trenner.

...
 

NW Bielfeld 5.5. 00 



 

Mit Inline-Skating zum Deutschen Sportabzeichen

Neue Trends der Bewegungskulturen sollen berücksichtigt werden

Pünktlich zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde das Deutsche Sportahzeichen fit gemacht für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: Mit Inline-Skating wird erstmals eine Bewegungsform in den Leistungskatalog des bekanntesten deutschen Fitness-Abzeichens aufgenommen, die nicht zu den klassischen Sportarten zählt. Die Verantwortlichen für das Sportabzeichen beim Deutschen Sportbund (DSB) und den Landessportbünden haben auf ihrer Herbsttagung diese Neuerung beschlossen, die seit dem 1. Januar 2000 in Kraft ist. Hintergrund für diese Öffnung in Richtung moderner Bewegungsformen ist nach Ansicht von Jochen Schütte, Beauftragter des DSB für das Deutsche Sportabzeichen, die Notwendigkeit, Trends in den Bewegungskulturen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aufzugreifen und deren Leistungsaspekte im Regelwerk des Sportabzeichens zu integrieren. "Wenn wir auch künftige Generationen an das Deutsche Sportabzeichen heranführen wollen", so Schütte, "dann dürfen wir solche Entwicklungen nicht ausgrenzen."
Für den Sprint- und Ausdauerbereich werden jeweils zwei Strecken angeboten: 300 und 500 Meter und 5.000 und 10.000 Meter. Für die Abnahme der Prüfung ist es besonders wichtig, geeignete Strecken auszuwählen, die vom Belag und der Streckenführung den Notwendigkeiten dieser Sportart entsprechen. Um die Prüfer und Prüferinnen auf diese Aufgabe vorzubereiten, werden im Frühjahr von den Landessportbünden in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) entsprechende Fortbildungen angeboten. Dass Inline-Skating aufgrund der hohen Geschwindigkeiten nicht ganz ungefährlich ist, wissen auch die Verantwortlichen für das Deutschen Sportabzeichen.
Daher wurde in die Richtlinien die Verpflichtung aufgenommen, dass eine komplette Schutzausrüstung (Helm, Knie- und Ellenbogenschützer und Handgelenkschutz) getragen werden muss.

(nach "Olympische Jugend" 2/2000)


Haltlos geht unser Kreuz zu Grunde
(Saarbrücker Zeitung" 29.3. 00)

Professor Eduard Schmitt beklagt: "Schlechte Haltung mindert die schulische Leistung"

               Professor Eduard Schmitt, Orthopäde der Saar-Uni, ist
               wissenschaftlicher Berater von "Kid-Check". Wir fragten ihn
               nach den Ursachen der Haltungsfehler bei Kindern.

               Frage: Was sind die häufigsten Ursachen für
               Rückenschmerzen bei Kindern?
               Schmitt: Im Kindesalter sind Rückenschmerzen relativ
               selten. Haltungsfehler, Haltungsschwächen und
               Haltungsschäden verursachen in diesem Lebensabschnitt
               noch keine wesentlichen Schmerzen. Diese treten meist
               erst in späteren Jahren auf. Die Wirbelsäule des
               Erwachsenen wird von den Fehlern in der Kindheit geprägt.
               Die häufigste Ursache der Rückenschmerzen sind wohl
               Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule und der
               Bandscheiben, die mit zunehmendem Alter häufiger werden.
               Bewegung und Belastung verursachen dann Beschwerden,
               die Beweglichkeit wird eingeschränkt.

               Frage: Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einer
               Haltungsschwäche und einem Haltungsschaden?
               Schmitt: Man spricht von einer gesunden Haltung, wenn es
               im Stand gelingt, die Wirbelsäule voll aufzurichten und diese
               Haltung 30 Sekunden lang beizubehalten, wenn man die
               Arme horizontal nach vorne streckt. Bei einer
               Haltungsschwäche ist es zwar möglich, die Wirbelsäule voll
               aufzurichten, doch diese Haltung sinkt mit vorgehaltenen
               Armen innerhalb von 30 Sekunden ab. Die Schultern
               rutschen dann nach vorn, es bildet sich zunehmend ein
               krummer Rücken. Man nennt das schlechte Haltung oder
               Haltungsverfall. Man unterscheidet drei Wirbelsäulenformen
               bei Haltungsschwäche: den hohlrunden Rücken, den
               Rundrücken sowie den Flachrücken. Diese Veränderungen
               können anfänglich durch Kräftigung und Dehnung der
               Muskulatur wieder rückgängig gemacht werden. Besteht ein
               solcher Haltungsfehler jedoch über längere Zeit, wird die
               Wirbelsäule teilweise zu stark belastet, es kommt zu
               Wachstumsstörungen, einzelne Abschnitte der Wirbelsäule
               versteifen sich. Das ist ein Haltungsschaden, der nicht mehr
               zu beheben ist.

               Frage: Welches sind die schlimmsten Haltungsschäden
               bei Jugendlichen?
               Schmitt: Bei Kindern wachsen die Wirbelkörper noch und
               sind sehr empfindlich gegen einseitige Druckbelastung.
               Trägt ein Kind zum Beispiel eine schwere Schultasche
               ausschließlich auf einer Seite, kann das zu
               Wachstumsstörungen führen. Durch den einseitigen Druck
               verknöchern die noch weichen Wirbelkörper auf der
               betroffenen Seite frühzeitig, auf der anderen Seite wachsen
               sie noch weiter, so dass sich die Wirbelsäule seitlich
               verkrümmt. Man spricht von Skoliose. Häufiger bildet sich
               bei einer langdauernden Fehlhaltung der Wirbelsäule jedoch
               ein Rundrücken. Bei Haltungsschwächen mit nach vorn
               hängenden Schultern werden vorwiegend die vorderen
               Abschnitte der Wirbelkörper belastet. Dadurch wird ihr
               Wachstum an dieser Stelle frühzeitig gestoppt, hinten
               wachsen die Wirbel jedoch weiter. Dadurch entwickelt sich
               zunehmend eine Rundrückenform.

               Frage: Gibt es Möglichkeiten, Haltungsschwächen zu
               beseitigen, und wie sieht das bei Haltungsschäden aus?
               Schmitt: Ein kräftiger Muskelmantel ist im Stande, auch
               eine ungünstige Statik der Wirbelsäule auszugleichen.
               Leute mit gut trainierter Rückenmuskulatur haben
               wesentlich weniger Beschwerden als solche mit schwacher,
               untrainierter Muskulatur. Wichtigste Partner sind die
               Rücken-, Gesäß- und Bauchmuskeln, Muskeln des
               Schultergürtels und Brustmuskeln. Regelmäßige sportliche
               Betätigung, die die Muskulatur kräftigt, kann bleibende
               Schäden verhindern. Wichtig ist es auch, Faktoren
               auszuschalten, die die Wirbelsäule schädigen. Ich meine
               damit Bewegungsmangel, ungeeignete Sportarten oder
               unzweckmäßige Sitz- und Ruhemöbel. Haltungsschäden
               sind, wie oben erwähnt, nicht mehr zu beheben.
               Nichtsdestotrotz kann ein gut trainierter Muskelmantel
               derartige Schäden besser ausgleichen. Geeignete
              Kräftigungs- und Dehnungsübungen können bei einem
              Krankengymnasten erlernt und dann täglich zu Hause
               durchgeführt werden. Kinder erlernen das Gefühl für die
               richtige Haltung durch tägliche Übungen vor dem Spiegel
               sowie durch Sport und Spiel im Freien, am besten in der
               Gruppe. Haltungsschwache Kinder sollen am
               Sportunterricht in der Schule teilnehmen; davon befreit
               werden sollten nur solche mit krankhaften Störungen.
               Empfehlenswerte Sportarten sind Schwimmen und Reiten,
               bei kleineren Kindern tänzerische Gymnastik.

               Frage: Welche Muskelgruppen müssen besonders trainiert
               werden?
               Schmitt: Für die Haltung verantwortlich sind
               Rückenmuskulatur, Gesäß- und Bauchmuskulatur, Muskeln
               des Schultergürtels und Brustmuskeln. Werden sie
               angespannt, richtet sich der Körper voll auf, erschlaffen sie,
               nimmt der Körper eine Ruhehaltung ein. An der Aufrichtung
               der Wirbelsäule sind viele Muskelgruppen beteiligt. Um den
               Körper gegen die Schwerkraft aufzurichten, verbrauchen die
               Muskeln Energie. Sie können daher ermüden. Eine schlaffe
              Bauchdecke und eine verkürzte Brustmuskulatur, bei der
               die Schulter nach vorne sinkt und sich die Brustwirbelsäule
               verkrümmt, führen zu einer Verkleinerung des
               Brustkorbumfanges, was die Atemfunktion einschränkt. Die
               Sauerstoff-Versorgung wird schlechter, der Energie-Umsatz
               gemindert. Schlechte Haltung ist keineswegs nur ein
               belangloser kosmetischer Mangel, sondern führt zu
               anhaltender Leistungsminderung im Schul- und Berufsleben.

               Das Gespräch führte MARTIN LINDEMANN



 
 

TAZ. 18.3. 2000

Kein Bock auf Bockspringen

Schulsport ist langweilig, abschreckend, zu leistungsorientiert. Sagen die Kritiker. Damit die Schüler wieder Lust am Sportunterricht finden, sollen neue Konzepte und Sportarten her. Zum Beispiel Tai Chi, Walking und Inline-Skaten.


Unmut macht sich breit. Artur will nicht schon wieder im Barren hängen, und Kathrin hat keinen Bock aufs Bockspringen. Sebastian quält sich die Reckstange hoch. An der Mattenbahn würgen ein paar Schüler widerwillig eine Radwende hin. Ein halbes Dutzend Mädchen und Jungen haben Atteste dabei und sich von allem Übel befreit.

Szenen des Alltags im Sportunterricht. Schon seit geraumer Zeit kränkelt er vor sich hin. Doch nun herrscht plötzlich Aufregung in den Sporthallen der Republik. Neue Lehrpläne sollen für Genesung sorgen. In Nordrhein-Westfalen sind sie schon in Kraft getreten. Das war längst überfällig.

Seit zwei Jahrzehnten hagelt es Kritik. Dem Schulsport wird die rote Karte gezeigt. Abgesehen von den Einlassungen der Unverbesserlichen, die Sportunterricht immer schon für eine entbehrliche Veranstaltung hielten, gibt es auch substanziellere Deutungsversuche. Deren Gehalt: Zu konkurrenz- und wettkampforientiert werde Sport in der Schule betrieben; mit der Überbetonung des "schneller - höher - weiter" und mit alten Methoden würden solche Kinder und Jugendliche abgeschreckt, die Bewegung am nötigsten hätten. "Leichtathletik hieß bei uns immer nur: im Kreis rennen - bis zum Kotzen", berichtet etwa die 17-jährige Janina aus Dortmund.

Zudem stünde, so ein weiterer Kritikpunkt, nur das traditionelle Angebot der Vereinssportarten im Mittelpunkt. Schulischer Sportunterricht kann einen Teil der Schülerschaft, die sich nachmittags in Halfpipes, auf Inlinern und beim Streetball bewegen, nur noch sehr bedingt erreichen. Niemand will mehr in nervenden Übungsreihen an die Errungenschaft des Kippaufschwungs rücklings-rückwärts herangeführt werden.

Was Schüler im schulischen Sportunterricht lernen konnten, war ein systematisches Üben innerhalb ausgewählter Sportarten, sodass sie letztendlich - etwa zum Abitur - manchmal bessere Sportler waren. Zu wenig, wie viele Kritiker meinen. Der Hauptvorwurf an den Schulsport nämlich lautet: Er nutzt die ihm innewohnenden pädagogischen Chancen gar nicht.

Dieser Überlegung tragen neuere Konzepte Rechnung. Sie verabschieden sich vom herkömmlichen Sportartenprinzip. Stattdessen wählen sie einen bewusst pädagogischen Blickwinkel und bekennen sich zu einem "erziehenden Sportunterricht", so Dr. Heinz Aschebrock vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest. Wertevermittlung rückt fortan in den Vordergrund. Der neue Sportunterricht soll von kritischer Reflexion des eigenen sportlichen Tuns begleitet werden. Einem solchen Schulsport liegt ein paradoxes "Zurück in den Fortschritt" zugrunde, wie Sportlehrer Peter Meurel die Stoßrichtung der neuen Vorgaben umschreibt.

Endlich, so der Pädagoge, knüpfe Sportunterricht wieder stärker an der ursprünglichen Vorstellung an, wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen zu können. Er tut dies, indem er zurückkehrt zu den "Wurzeln von Sport und Bewegung, nämlich Laufen, Springen und Werfen, zu basalen Körpererfahrungen wie Rollen und Schwingen, zur Auseinandersetzung mit der Umgebung (Wasser, Eis, Schnee), zum Spielen mit und ohne Ball."

Neue Inhalte sollen her: Roll-, Boots- und Wintersport, auch Bewegungskünste wie Jonglage und Akrobatik als lockere Variante des Turnens sowie Entspannung und Meditation. Tai Chi ist jetzt ebenso denkbar wie das Erproben von Spielen anderer Kulturen, Bewegungstheater und Powerwalking oder Skateboard fahren. Beabsichtigt ist nicht nur eine "Öffnung der Schule hin zur außerschulischen Bewegungskultur, sondern auch eine größere Flexibilität im Hinblick auf künftige Entwicklungen", sagt Aschebrock.

Erste Signale aus den Schulen deuten darauf hin, dass der Neuansatz bei den SchülerInnen Wirkung zeigt. Anscheinend lassen sich nun auch wenig sportbegeisterte Mädchen und Jungen mehr als bislang für den Sport gewinnen, da sich durch die Absage an eine bloße Leistungsorientierung Stigmatisierungen vermeiden lassen.

"Es hat Spaß gemacht", sagt Janina, "eine ganz neue Erfahrung!" Sie hat einen mehrwöchigen Unterricht miterlebt, bei dem Laufen und Springen als vielseitige Erlebnisfelder erfahren werden konnten. Eine Stoppuhr und ein Maßband hat sie in dieser Zeit nicht zu Gesicht bekommen.

Unter SportlehrerInnen sind aber auch skeptische Stimmen zu hören: "Wie kann bei all dem wünschenswerten Nachdenken über das Phänomen Sport gewährleistet werden, dass das Eigentliche, die Bewegung, nicht zu kurz kommt? Und: Gibt es innerhalb einer hoffnungslos überalterten Sportlehrerschaft überhaupt so viel Innovationspotenzial? Wie lassen sich die neuen Ideen den Schülern nahe bringen? "Die schiere Existenz eines neuen Lehrplans wird Siebtklässler, die bislang zu Stundenbeginn vehement ,Fußball, Fußball!' skandierten, nicht dazu verleiten, in Zukunft die ,Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit durch die Schulung koordinativer Fähigkeiten im Fußball' einzufordern", sagt Aschebrock. Die hehren Ziele müssen sich mit der Wirklichkeit in den Schulen verbinden.

Wichtig dabei: die Sportlehrerinnen und Sportlehrer. Ihnen wird durch die neuen Richtlinien viel mehr abverlangt. Sie werden wieder stärker als Pädagogen gefordert. Viel Kooperationsbereitschaft wird vonnöten sein. Die oft belächelte Lehrermentalität ("Richtlinien kommen und gehen, mein Unterricht bleibt bestehen") wird infrage gestellt. Damit wäre ja in den Schulen schon einiges gewonnen. Und am Ende macht vielleicht sogar Bockspringen wieder Bock.



 

Südwestpresse 4.3. 2000

Erstes Experten-Treffen: Offensive tut Not

Start mit einigen Anlaufschwierigkeiten

Aufbruch zu neuen Ufern im Schulsport? Unter Federführung des Kultusministeriums haben sich in Karlsruhe verschiedene Verbände getroffen, um in einer ersten Anhörung ein Aktionsbündnis für den Schulsport anzupeilen. Ein sinnvolles Unterfangen, bei dem es aber noch Anlaufschwierigkeiten gibt.

KLAUS VESTEWIG

Inzwischen haben es auch ein paar Eltern kapiert: Dass Schulsport kein notwendiges Übel ist, sondern, wenn er denn von allen ernst genommen wird, nachhaltig dazu beiträgt, nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen zu stärken und Aggressionen abzubauen. Dass Sportunterricht mehr als andere Fächer ausfällt, wird nicht mehr von allen Eltern unhinterfragt hingenommen.

Schulsport, im Deutschen Sport-Bund nach Jahren der Ignoranz zuletzt zunehmend ernster genommen, will nun auch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport zu seiner Sache machen. Ein Aktionsbündnis für den Schulsport, wie es bereits in elf Bundesländern besteht, hatte der Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) bereits für den Frühsommer 1999 geplant, erst jetzt hat sich der Sachverständigenrat aber tatsächlich zum ersten Mal in Karlsruhe getroffen.

Ein paar Unzulänglichkeiten haben freilich einen schwungvollen Start des begrüßenswerten Projekts erschwert. Zugegen war in der Europahalle nämlich nur der ¸¸interne Zirkel'': der LSV, der Sportlehrerverband, der Sportärztebund, ein Vertreter der Hochschulen und des Unfallversicherungs-Verbands. Auf Grund der reichlich kurzfristigen Einladung fehlten so wichtige Institutionen wie der Städte- und Gemeindetag, der Landeselternbeirat, der Landesschulbeirat, der Landesjugendring und der Schülerbeirat.

Unter der Regie von Rudolf Köberle - der Staatssekretär steht fest zur dritten Schulsportstunde, eine Position, die Kultusministerin Annette Schavan, freilich mit weniger Überzeugung, ebenfalls vertritt - umrissen die Vertreter der Verbände ihre Positionen. Der Probleme gibt es genug: der häufige Unterrichtsausfall, der fehlende Sport für Berufsschüler, die Streichung der Sport-AGs, die Überalterung der Sportlehrerschaft mangels Einstellung junger Kollegen, der fachfremde Sportunterricht in Grund- und Hauptschulen, fehlende Lehrerinnen im Mädchensport, Schulunfälle auf Grund mangelnder Körperbeherrschung und die fortschreitende Bewegungsverarmung schon der Grundschüler. Schwierigkeiten, die ohne ein Gesamtkonzept, freilich auch ohne Kosten, kaum wirksam angepackt werden können.

Bei weiteren Treffen sollten die Experten nun zügig erarbeiten, in welcher Weise sich die Partner einbringen können. Immerhin ist auch bei manchen Eltern inzwischen eine Sensibilisierung eingetreten. Kein Wunder, belegen doch immer mehr Untersuchungen, dass das wirksamste Mittel gegen Haltungsschwächen, Übergewichtigkeit und Herz-Kreislauf-Probleme bei Kindern eben das Sporttreiben ist.

 


22.2. 2000 Fürther Nachrichten

Große Ausfälle beim differenzierten Sportunterricht beklagt
Keine Ideallösung
Modell mit nebenberuflichen Lehrkräften hat sich nicht bewährt

FÜRTH – Der bayerische Schulsport steckt nach Ansicht von Sportpädagogen in einer Krise. Grund ist ein Beschluss der Staatsregierung des Freistaats aus dem April 1996, wonach hauptamtliche Lehrkräfte durch Nebenberufler, wie arbeitslose Sportlehrer und Fachübungsleiter, ersetzt werden sollen. Ziel war die Einsparung von 900 Sportlehrer-Planstellen.

 Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass dieser Beschluss doppelt unwirksam ist. Zum einen musste das Kultusministerium eingestehen, dass die Kosten für die nebenberuflichen Kräfte mindestens genauso hoch sind wie die für hauptamtliche Sportpädagogen. Zum anderen ist das staatlich garantierte Angebot von zwei Basis-Sportstunden plus zwei Stunden differenzierter Sport (DSU) nicht mehr haltbar, da die Aufgabe für Nebenberufler angesichts der Bezahlung und Auslastung zu unattraktiv ist. Leidtragende sind die Schüler, die auf die Hälfte des differenzierten Sports verzichten müssen.

 Missliche Situation

 Schon Ende Januar machte der Schulausschuss des Bayerischen Landes-Sportverbandes auf die missliche Situation aufmerksam. Jetzt haben sich Schüler und Lehrer der Fürther Gymnasien zur Lage geäußert. Gerhard Lochner, stellvertretender Rektor des Helene-Lange-Gymnasiums (HLG), bezeichnet die Zustände als katastrophal. Am HLG ist der Basissportunterricht zwar gesichert, der zusätzliche DSU kann aber wegen fehlender Lehrerkapazitäten nicht komplett angeboten werden.

 Das Problem bleibt auch beim Hardenberg-Gymnasium (HGF) bestehen. „Mehr als sieben Stunden DSU für 1000 Schüler sind pro Woche nicht herauszuholen“, sagt Gerhard Staudigl, Lehrer am HGF. Er findet das traurig, denn eine eigene Halle sei vorhanden. „Es mangelt an Übungsleitern, die sich um die Schüler kümmern. Wir dürfen ja nicht mehr“, klagt Gerhard Staudigl.

 Wenig attraktiv

 Warum ist es so schwierig, geeignete Übungsleiter zu finden? Meistens geht der differenzierte Sportunterricht am Nachmittag oder am frühen Abend über die Bühne. Nur sehr wenige Fachkräfte finden die Muße, zu solchen Zeiten Schüler zu betreuen. Außerdem ist die Entlohnung dürftig. Die Einstellung der Schüler zum Nachmittagssport ist geteilt. „Sport am Nachmittag ist doch Mist, wenn ich mit dem Zug noch nach Hause muss. Vor 16 Uhr bin ich nicht daheim“, erzählt einer der Pennäler. „Lieber mehr Sport als Kunst oder Religion“, fordert dagegen ein anderer. Das schmale Angebot wird von Schülerseite kritisiert. „Wir machen immer dasselbe, auf Dauer wird das langweilig“, schimpft ein Neuntklässler. Tenor des Ganzen aber ist: „Wir möchten mehr Sportunterricht.“

 Die Lehrkräfte wissen um die Probleme. „Die Bewegung fehlt den Kindern, manche sitzen schon im Klassenzimmer sehr träge herum“, schildert Staudigl die Verfassung seiner Zöglinge. Um eine Änderung herbeizuführen, bedarf es aber einer Intervention der Elternverbände. „Die Eltern müssen sich zu Wort melden, auf uns Lehrer hört man an entscheidender Stelle weniger“, gibt ein Pädagoge zu bedenken.

 Sehr umständlich

 Bis jetzt war der Elternverband noch zu keiner Aussage zu bekommen. Auch nicht zum Fall des Schliemann-Gymnasiums. Dort ist die Schülerschaft auf städtische und vereinseigene Hallen angewiesen (MTV Fürth). Da aber auch die anderen Schulen in der Innenstadt ihr Recht einfordern, müssen die Schliemänner teilweise bis nach Stadeln reisen, um der Bewegungsarmut vorzubeugen. Die Folge sind Mehrkosten durch den Busbetrieb und massiver Zeitverlust. KURT HOFMANN


Passauer Neue Presse 18.2. 2000

Zeitbombe Schulsport

Auch der Sport braucht "Die bessere Schule"
Was hat das Volksbegehren "Die bessere Schule" mit dem Sport zu tun? Wenn schon an eine Schulreform gedacht wird, müsste eigentlich alles besser werden. Auch und gerade der Sport, weil es hier himmelweit fehlt.
Der Sportausschuss des Deutschen Bundestages beschäftigt sich in einer öffentlichen Anhörung am 23. Februar mit dem Thema "Schulsport". Es handelt sich um eine ernstzunehmende Herausforderung an uns alle: der Bewegungsmangel des Nachwuchses ist Hauptursache für Haltungsfehler und Kreislaufbeschwerden. Gerade noch eine Stunde täglich bewegen sich im Schnitt die Grundschüler in Deutschland. Kinder sitzen mindestens zwölf Stunden in der Schule, vor dem Computer und vor dem Fernseher. Gezielte Bewegung oder fördernder Sport ist Mangelware. Viele Experten halten die Entwicklung für eine gesellschaftliche Zeitbombe. Untersuchungen bei 12- Jährigen zeigen, dass 40 Prozent von ihnen Kreislaufprobleme haben, jedes dritte Kind weist Haltungsfehler auf, jedes zweite Muskelschwächen und jedes fünfte Übergewicht. Kopf- und Rückenschmerzen sind die Folge, immer häufiger werden Tabletten konsumiert. Da zum Bewegungsmangel auch noch Fast Food und Soft Drinks kommen, steigen die Risikofaktoren gewaltig. Kinder verlieren die Beherrschung über ihren Körper, sie werden ungelenker, es fehlen die natürlichen Lebensräume zum Austoben. Dadurch stauen sich Aggressionen auf, die durch akute Schmerzen verstärkt werden. Was also ist zu tun?
Die Schule erfasst zwar alle Kinder, aber leider scheint der Sportunterricht pauschal gesprochen zum "Sitzenbleiber der Nation" geworden zu sein. Sogar im Musterland Bayern wurde der Schulsport stiefmütterlich behandelt. Dass Ärzte vermehrt Atteste zur Befreiung vom Sportunterricht schreiben, passt ins Bild. So werden die Kinder schon in der Grundschule zum Hocken erzogen und in weiterführenden Schulen mit allem möglichen Wissensstoff traktiert, aber nicht mit der Kenntnis des eigenen Körpers. Mehr vom alten Korporalgedanken des alten Lateiners wäre wünschenswert: Mens sana in corpore sano. Der klare Verstand in einem gesunden Körper befähigt zu lebenslanger Leistung. Da muss die Schulreform aktiv sein.

 

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