Archiv
2003
26.9. 2003 Kieler Nachrichen
Sportlehrer-Fortbildungstag
Raufen und Ringen - die neue
Disziplin im Sport
Kiel – Sportforum der Universität
Kiel: Alle gucken und zwei prügeln sich. "Prügeln", nein "Raufen".
Denn dieses ist eine wieder im Sportunterricht geübte Disziplin. Und
über die wollten alle, die gestern zum Sportlehrer-Fortbildungstag
gekommen waren, etwas lernen. Darüber und über andere Möglichkeiten,
den Körper bewusst einzusetzen – und zwar fair.
Die
Schwerpunkte "rhythmisch bewegen" und "Raufen, Ringen und Verteidigen"
hatten sich die Lehrer in einer Umfrage selber gewählt. "Oft wird
mit unfairen Mitteln gekämpft", erklärt Gymnasiallehrerin Susanne
Scheibe aus Lübeck. Überschrift ihrer Fortbildungs-Lektion: "Wo
rohe Kräfte sinnvoll walten". Die Gymnasiallehrerin hat das Konzept
am eigenen Leib getestet: Zuerst Tuchfühlung mit einzelnen Körperteilen
des Gegenübers aufnehmen – dann beim Reiterspiel rücksichtsvoll
versuchen, den anderen vom Rücken zu schütteln – und schließlich
das Raufen. "Ich hoffe, dass damit der Kraftüberschuss in gelenkte
Bahnen kommt", sagt die Lehrerin. Das hofft auch Hauptschullehrer Christian
Struve aus Elmshorn. Oft hieße es auch bei fiesen Prügeleien
auf dem Schulhof "war ja nur Spaß". Darum seien auch die Regeln so
wichtig, die beim "Raufen, Ringen und Verteidigen" eingeübt werden
könnten. Und, wenn es gut läuft, entscheidet sich der eine Schüler
oder die andere Schülerin auch für eine Sportart wie Judo oder
Karate.
Gleich neben der Halle mit
den "Ringern" fand man gestern auch noch andere Unterrichtsangebote, um
den Körper bewusster wahrzunehmen: Fitness, Jazz-Tanz oder "Step for
two". Denn Sportunterricht ist lange nicht mehr "nur" im Winter Geräteturnen
und im Sommer Leichtathletik. Es gehe viel mehr darum, auf unterschiedliche
Weise der "bewegungslosen Zeit" entgegenzutreten, erklärte Walter
Mielke, Vorsitzender des Landes-Sportlehrerverbandes Schleswig-Holstein,
der den Tag organisiert. Zufrieden war er, dass rund 600 Schleswig-Holsteinische
Referendare und Sportlehrer nach Kiel gekommen waren. Zwar habe das Bildungsministerium
gegen Unterrichtsausfall aufgerufen, doch wenn sich die Lehrer für
Fortbildung vertreten ließen, hielte er dies für ein vernünftiges
Modell.
Straubinger Zeitung 24.9.
2003
"Schulsport tut Bayern
gut"
In drei Wochen erfolgt
der Start - Info noch möglich
Cham. Vom 13. bis 17. Oktober
läuft die bayerische Schulsportveranstaltung unter dem Motto "Schulsport
tut Bayern gut". Das Kultusministerium und der Bayerische Landessportverband
(BLSV) haben die Schulen und ihre Partnervereine im Lande dazu aufgerufen,
sich an dieser Aktion zu beteiligen. An die Schulleiter und Lehrkräfte
erging der Appell, den Sport an ihren Schulen zu repräsentieren -
nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Sportvereinen.
Der Sportunterricht gehört
neben den kognitiven Fächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch
zur ganzheitlichen schulischen Bildung. Als einziges Bewegungsfach im schulischen
Alltag hat der Sportunterricht eine herausragende Bedeutung. An jeder bayerischen
Schule soll es deshalb im Rahmen dieser Aktionswoche einen Tag geben, der
allen am Schulleben Beteiligten die positiven Wirkungen des Sporttreibens
vor Augen führt und erfahrbar macht; einen Tag, der die ganze Schule
sportlich bewegt und eine Art Schaufenster des Schulsports darstellt.
Den vielen kreativen Lehrkräften
dürfte es nicht schwer fallen, ein mitreißendes sportliches
Fest zu organisieren. Wer noch Anregungen sucht, kann sich an den Ideen
anderer Schulen orientieren. Einige Ideen sind in der Broschüre "Schulsport-Wettbewerbe
in Bayern 2003/2004" veröffentlicht. Diese Ideen sind auch auf der
Homepage des BLSV (www.blsv.de) unter
"Aktuelles" zu finden.
Weitere Informationen erteilt
die BLSV-Schulsportreferentin Birgit Dethlefsen, Tel. 089/15 702-512, Fax
089/15 702-517, E-Mail: schulsport@blsv.de
Main-Rheiner 23.9. 2003
Erster Duathlon war nicht
der letzte
Eltviller Gymnasium plant
nach großem Erfolg Neuauflage
Eltville. Der 1. Eltviller
Duathlon des Gymnasiums fand so großen Anklang bei Schülern,
Lehrern, Eltern und Zuschauer, dass Schulleiter Bernward Messer versprach,
dass es nicht der letzte gewesen sein wird. Der Schulleiter könnte
sich sogar vorstellen, die Veranstaltung auszudehnen. Außer den Sechst-
bis Zehntklässlern des Eltviller Gymnasiums wie bei der Premiere,
könnten vielleicht auch Eltern oder Schüler anderer Schulen starten.
Glücklich und stolz
waren auch die 180 Gymnasiasten, die erst gelaufen und sich dann aufs Rad
geschwungen hatten. Diejenigen, die nicht antreten wollten, und die mangels
Vorbereitungszeit gesperrten 130 Fünftklässler blickten neidisch
auf die Kameraden, die verschwitzt, aber strahlend im Ziel hinter dem Schulhaus
einliefen. In fünf Gruppen waren sie am Morgen gestartet. Sie rannten
einmal um die Schule, schnappten am Parkplatz ihre Räder und strampelten
mit fünf Vätern zweieinhalb Kilometer auf die Rausch. Auf dem
Hügel zwischen Rauenthal und Kiedrich entschied jeder selbst, ob er,
begleitet von Eltern, ein, zwei oder drei Runden à 2,7 Kilometer
für Bronze, Silber oder Gold rennen wollte, bevor es mit dem Rad wieder
zum Schulparkplatz und im Schlusssprint unter dem Jubel der Zuschauer ins
Ziel ging.
Auf der ganzen Strecke waren
Malteser, Eltern und fast alle Lehrer verteilt. Sie passten auf, fotografierten,
drückten pro Runde einen Stempel in die Laufkarte, die jeder am Arm
trug, und versorgten alle mit Wasser. Eltviller Jungfunker sorgten für
ständigen Kontakt. Die Stadt hatte den Wiesweg für zwei Stunden
gesperrt und zwei Hilfspolizistinnen gestellt. Sogar die Feuerwehr war
vor Ort.
Mit dem Duathlon wollte Lehrerin
Manon Ritzau den Kindern Freude am Ausdauersport vermitteln, der wichtig
für die Gesundheit sei und Selbstbewusstsein und Erfahrung für
die Teilnahme an einer der vielen Sportveranstaltungen im Rheingau vermittele.
Auf die Idee brachten Ritzau Schüler, mit denen sie seit vier Jahren
am Frankfurter Minimarathon teilnimmt. Im Sportunterricht waren alle Schüler
auf den Duathlon vorbereitet worden.
In zahllosen Stunden organisierte
Ritzau seit April das sportliche Ereignis. Eltern, Schulförderverein
und Kollegium warben derweil so engagiert Sponsoren, dass jeder Teilnehmer
zu Medaille, Urkunde und T-Shirt noch Preise wie Bälle, Fahrradschlösser,
Mützen, Rucksäcke, Gesellschaftsspiele und Ähnliches mitnehmen
konnte.
Fabian Massing lief nach
43 Minuten und acht Kilometern als Erster verschwitzt, fix und fertig,
aber strahlend ins Ziel und nahm so glücklich wie sieben Minuten später
Klassenkameradin Anja Kossack die Bronzemedaille entgegen. Antje Wilhelm,
ebenfalls aus der 6a holte sich die erste Goldmedaille bei den Mädchen,
während das erste Gold bei den Jungen an Fabian Evers (7a), Julian
Schupp (6a) und Sebastian Piontek (6b) ging. Sie wurden von Eltern, Lehrern
und Mitschülern schließlich so gefeiert, dass für viele
der diesmal noch bewegungsfaulen jungen Zuschauer feststand: "Nächstes
Jahr bin ich auch dabei."
WAZ/DPA
22.9. 2003
Schüler sollen lernen:
"Sport ist Lebensstil"
WAZ
Essen. Fett, faul, fernsehsüchtig. Dazu noch schlapp und unsportlich.
Nein, das oft verbreitete Bild von Kindern und Jugendlichen trifft so nicht
zu, betonen die Sportwissenschaftler. Sie legten gestern in Essen den ersten
Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht vor.
"Mit
Abstand ist Sport für Kinder und Jugendliche die wichtigste Freizeitbeschäftigung",
sagt der Essener Professor Werner Schmidt. Noch nie gab es so viele Kinder
im Alter von vier bis sechs Jahren in Sportvereinen. Im Schnitt gehörten
vier von fünf Jugendlichen einmal im Leben einem Verein an, im Schnitt
sogar acht Jahre lang. So weit, so gut.
Dennoch, stellen die Wissenschaftler
fest, gehen motorische Fähigkeiten zurück, lassen Koordination
und Kondition nach. Die Ursachen sehen sie im Umfeld. Zu viel Verkehr,
zu wenige Bewegungsräume zum Toben, zum Klettern, zum Spielen. Die
Wissenschaftler räumen in ihrem Bericht, der im Auftrag der Krupp-Stiftung
erstellt wurde, auch mit einem anderen Slogan auf: Nicht immer ist Sport
gesund. Unbestritten sei, so Prof. Wolf-Dietrich Brettschneider von der
Uni Paderborn, dass Jugendliche, die regelmäßig in der Woche
Sport trieben, bessere Schulleistungen zeigten, weniger stressanfällig
und besser sozial integriert seien. Auch subjektiv fühlten sie sich
gesünder. Doch es gebe Risiken, gerade bei Leistungssportlern. Magersucht,
Essstörungen, Drogenmissbrauch ständen mit Sport leider auch
in Verbindung.
Bundesinnenminister
Otto Schily und der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von
Richthofen, nahmen den Bericht vom Vorsitzendem der Krupp-Stiftung, Prof.
Berthold Beitz, in Empfang. Geknüpft daran war die deutliche Kritik
der Forscher, dass Sport bisher in den Kinder- und Jugendberichten der
Bundesregierungen nur eine Rolle am Rande gespielt habe. Dabei, so Prof.
Ilse Hartmann-Tews aus Köln, sei nichts für die körperliche,
soziale und emotionale Entwicklung der Kinder so wichtig wie Sport. Deshalb
appellieren die Wissenschaftler an die Politiker, dringend mehr Bewegungsmöglichkeiten
in Wohngebieten zu schaffen. Mehr zu tun für Mädchen, für
Kinder aus sozial schwachen Familien sowie für Kinder mit Migrationshintergrund.
Denn sie sind in Sportgruppen noch deutlich unterrepräsentiert. 63
Prozent aller Jungen an Gymnasien treiben Sport, aber nur 15 Prozent der
Mädchen an Hauptschulen.
Länder
übergreifende Qualitätsstandards werden für den Schulsport
gefordert. Die Botschaft an die Schüler sollte heißen: Sport
ist Lebensstil. Schmidt plädiert für eine bessere Sportausbildung
der Kindergärtnerinnen und Übungsleiter. Hier sieht er zum Teil
erhebliche Defizite. Für junge Leistungssportler wünschen sich
die Wissenschaftler kräftige Unterstützung von Elternhaus, Schule
und Verein. Nur dann seien die Extrem-Belastungen zu meistern.
Nordwest-Zeitung 18.9.2003
Von Sportfesten der etwas
anderen Art
Universität präsentiert
neue Lehrmodelle – Alltagsmaterialien ersetzen Hürden und Co.
Nicht nur die individuelle
Leistung zählt. Auch das Gruppenerlebnis spielt eine große Rolle.
OLDENBURG - Zum krönenden
Abschluss eines gelungenen Sport- und Spielfestes flogen zahlreiche bunte
Luftballons in den sonnigen Himmel. Auf den Sportflächen in Wechloy,
wo sonst die Studenten aktiv sind, tummelte sich die fröhliche Schar
von Nachwuchssportlern, die unter der Obhut des Sportdozenten Claus Heemsoth
und von zahlreichen Studenten ihrem emsigen Treiben nachgingen.
In Zusammenarbeit mit den
umliegenden Grundschulen wurden von der Sportwissenschaft der Universität
bereits eine Reihe solcher Sportfeste organisiert. „Unser ausgearbeitetes
Modell soll Bestandteil einer Lehrerfortbildung werden, wo die neuen Möglichkeiten
der Vermittlung anschaulich dargestellt werden“, erläutert Heemsoth
weitere Pläne in Kooperation mit der Bezirksregierung.
Es hat sich also etwas geändert
in der Sportlandschaft der Schulen und Universitäten: Dort wo früher
nur Bundesjugendspiele angeboten wurden, und von Hindernisspurts über
Bananenkartons, Weitwerfen von unterschiedlichsten Flugobjekten oder Partner-
und Mannschaftsaufgaben keine Rede war, dort hat ein Umdenken stattgefunden.
Jetzt berücksichtigt man neben der individuellen Leistung auch die
gemeinsam erzielten Ergebnisse.
„Bei unserer Art des Sportfestes
zählt jede Weite, jede Höhe und ist Teil des Gruppenergebnisses.
Zudem werden nicht mehr nur die objektiven Ergebnisse gemessen, sondern
diese werden in Relation zur Körpergröße oder zum Alter
gebracht. Die Kinder wollen sich vergleichen, allerdings soll es dabei
gerecht zugehen – dann kommt der Spaß am Sport von ganz alleine“,
betont Heemsoth.
Der Sportunterricht der Zukunft
orientiert sich zudem nicht mehr ausschließlich an den olympischen
Sportarten, sondern versucht, die Grundformen des Bewegens wie beispielsweise
„Laufen, Werfen und Springen“, welche in so genannten „Erfahrungs- und
Lernfeldern“ zusammengefasst werden, auf motivierendere Art und Weise zu
vermitteln. Wie dies aussehen kann, lässt sich auf dem Sportplatz
beobachten. Bei der Bewältigung eines kniffligen Hindernis-Parcours,
der mit „Schaumstoffdünen“ einer Strandlandschaft nachempfunden ist,
müssen die Schüler möglichst schnell einen Slalom durchlaufen
und dabei allerdings noch Zusatzaufgaben, wie Gleichgewichts- und Geschicklichkeitsübungen
bewältigen. Anderswo gibt es Sprungwettbewerbe über einen beachtlichen
Turm aus alten Kartons.
„Wir wollen auch, dass die
Lehrer neue Ideen mit in die Schule nehmen und sehen, mit welch einfachen
Materialien man ein Sportfest organisieren kann“, führt Heemsoth aus
und zeigt auf den Sportplatz. Dort sieht man keine teuren Geräte und
aufwendige Aufbauten, sondern strahlende Gesichter und bekannte Alltagsmaterialien,
die sich in einem neuen Anwendungsgebiet bewähren müssen. Dass
dies gelungen ist, davon zeugen Nachwuchssportler, denen man die Freude
an der Bewegung an den Augen ablesen kann.
Lausitzer Rundschau 17.9.2003
Lieblingsfach Sport steht
im Abseits
In Sachsen-Anhalt fehlen
für die dritte Stunde die Voraussetzungen
Kinder und Jugendliche sind
zu schlapp. Sie bewegen sich zu wenig und ernähren sich oft falsch,
sagen Wissenschaftler und fordern in einer Studie, mehr Sport zu treiben.
Wie ist es um Schüler-Fitness und die Möglichkeiten des Sporttreibens
in Sachsen-Anhalt bestellt? Für mehr Schulsport in einer dritten Stunde
fehlen derzeit die Voraussetzungen.
Schon die Trikots der Abiturienten
vom Bitterfelder Walter-Rathenau-Gymnasium lassen auf Sportbegeisterung
schließen. Stephan Wagners
T-Shirt weist auf die Teilnahme
am Mitteldeutschen Marathon hin, das von Thomas Adler auf den 23. Berliner
Halbmarathon, Dirk Krüger outet sich als Fußball-Fan. Ohne Pause
hetzen die Jungs während des Unterrichts dem runden Leder nach, werfen
Medizinbälle und schwitzen beim Klimmziehen. Genug haben sie auch
nach zwei Stunden nicht. «Schulsport kommt im Stundenplan zu kurz
weg. Es könnte mehr sein.» Die Meinung am Bitterfelder Gymnasium
ist einhellig. Christian Höher unterstreicht das mit einer Beobachtung
vom Schulhof: Was da in den unteren Klassen an Dicken rumläuft.
Doch zwischen dem Wunsch
nach mehr Sportunterricht und der Wirklichkeit klafft eine Lücke.
Nach einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands
(WIAD) würden bundesweit 60 Prozent der Schüler zwischen zwölf
und 18 Jahren gern mehr Sport in der Schule treiben. Doch ihr Lieblingsfach
steht vielerorts im Abseits, obwohl mehr Bewegung nötig wäre
(siehe Info-Kasten). Das von den Kultusministern und dem Deutschen Sportbund
anvisierte Ziel von drei obligatorischen Sportstunden haben bisher nur
Thüringen, Berlin und Nordrhein-Westfalen festgeschrieben. Um in Sachsen-Anhalt
generell eine dritte Sportstunde einzuführen, fehlen, so das Magdeburger
Kultusministerium, personelle und materielle Voraussetzungen.
«Der Stundenplan lässt
es einfach nicht zu» , betont der Bitterfelder Sportlehrer Ulrich
Weitkunat. Beispielsweise müssten in den neunten Klassen 37 Wochenstunden
untergebracht werden. Da viele der 900 Bit-terfelder Gymnasiasten von auswärts
kommen, setzten schon die Abfahrtszeiten der Schulbusse Grenzen. Das wirke
sich auch negativ auf die Teilnahme an den Arbeitsgemeinschaften Schulsport
und an der Aktion «Jugend trainiert für Olympia» aus.
Aufschwung oder Abschwung
im Schulsport? Viel hänge dabei nach Ansicht von Christiane Mälzer,
Sportlehrerin an der Sekundarschule Teuchern im Landkreis Weißenfels,
auch von jedem Lehrer ab. Lächeln, ermutigen, gute Laune verbreiten.
«Das schätze ich besonders an unserer Sportlehrerin» ,
sagt Tanja Konieczny. «Und das sie alles, was sie von uns verlangt,
auch selbst vormacht» , ergänzt Tony Kleineidam.
In Sachsen-Anhalts Schulen
unterrichten in diesem Schuljahr 3934 Lehrerinnen und Lehrer im Fach Sport.
Deren Durchschnittsalter von 46,3 Jahren wird vom Deutschen Sportlehrerverband
in Sachsen-Anhalt als noch nicht dramatisch eingeschätzt. Anlass zur
Sorge gebe vielmehr, so Geschäftsführerin Rosemarie Hermann,
die Situation im Grundschulbereich. Die zusätzlichen Stunden, die
seit Beginn des neuen Schuljahres in Grundschulen für Deutsch und
Mathe bereitgestellt werden, gehen vor allem zu Lasten des Sportunterrichts.
Und während an den Sekundarschulen und Gymnasien meist gute Bedingungen
vorhanden sind, ist an 15 Prozent der Grundschulen im Land weder eine Sporthalle
noch ein geeigneter Raum für planmäßigen Schulsport vorhanden.
Straubinger Tagblatt 17.9.
2003
Ärztlicher Kreisverband
schlägt Alarm
"Bayerns Kinder werden immer
dicker", schlägt Dr. med. Wolfgang Bomfleur, Vorsitzender des Ärztlichen
Kreisverbandes Straubing, rechtzeitig zum Schulbeginn Alarm. Wissenschaftliche
Untersuchungen verschiedener Arbeitsgruppen zeigten in Deutschland eine
beängstigende Entwicklung: Bereits jedes fünfte Kind sei zu schwer;
noch einmal so viele Kinder gelten als gefährdet. "Beunruhigend ist
vor allem das sinkende Alter der Betroffenen. Jeder zehnte Erstklässler
in Bayern ist übergewichtig", mahnt Dr. Bomfleur.
Manche von ihnen seien genetisch
dazu veranlagt. Meistens aber führe das Zusammenspiel von Bewegungsmangel,
falscher Ernährung und psychischen Belastungen zum Übergewicht.
"Statt Obst, Gemüse, Milch- und Vollkornprodukten, die den Organismus
mit den notwendigen Vitaminen, Ballaststoffen und wichtigem Eiweiß
versorgen, bestimmen Fast-Food-Produkte, zuckerreiche Erfrischungsgetränke
und Gelegenheitssnacks die Essgewohnheiten der Kinder", so der Mediziner.
"Das stundenlange Sitzen
vor dem Fernseher, Computer oder Gameboy fördern zusätzlich die
Fettpölsterchen. Das Spielen im Freien gehört längst der
Vergangenheit an", kritisiert Dr. Bomfleur. Solch ein Lebens stil habe
gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit und das seelische Gleichgewicht
der Kinder. "Die übergewichtigen Kinder werden in der Schule gehänselt
und leiden dann unter mangelndem Selbstbewusstsein. Dies beeinträchtigt
ihre soziale Integration und führt zu schlechteren Leistungen in der
Schule."
Nicht weniger besorgniserregend
seien die körperlichen Schäden. Bei fast allen übergewichtigen
Kindern stellten Ärzte Veränderungen am Knochenbau, erhöhten
Cholesterinspiegel und motorische Koordinationsstörungen fest. "Außerdem
steigt das Risiko, im Alter an Diabetes zu erkranken. Auch Bluthochdruck
und koronare Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind als Spätfolgen
nicht auszuschließen", so Dr. med. Wolfgang Bomfleur weiter.
Dem gefährlichen Trend
des "Immer-Dicker-Werdens" unserer Kinder könne durch gestärkte
Prävention entgegengewirkt werden. "Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe. Sie hilft Krankheiten zu vermeiden, die viel Leid verursachen
und deren Behandlung viel Geld kostet. Prävention verlangt die Mitwirkung
von Kindergarten und Schule, beginnt allerdings in der Familie", betont
der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes. Ohne das Vorbild der
Eltern könne kein Kind sein Ess- oder Freizeitverhalten ändern.
Dabei müsse eine gesunde
Lebensführung nicht anstrengend sein, wenn sie spielerisch vermittelt
werde und Freude bereite. "Radfahren, Schwimmen oder Inlineskaten sowie
zusätzliche Sportangebote neben dem Sportunterricht fördern unbewusst
die Bewegungslust bei den Kindern und steigern ihre Leistungsfähigkeit."
Ostseezeitung 11.9. 2003
Alarmierend:
Unfälle im Sportunterricht nehmen zu
Je älter, desto mehr
Rostocker Kinder sind zu dick, haben Probleme mit den Augen und Haltungsschäden.
Alarmierende Zahlen weist der Gesundheitsbericht 2002 für die Hansestadt
Rostock aus, den Dr. Angelika Baumann, Koordinatorin für Gesundheitsförderung
im Gesundheitsamt, gestern Abend den Mitgliedern des Gesundheits- und Sozialausschusses
vorstellte. Neben der Auswertung der Schuleingangsuntersuchung (OZ berichtete)
sind darin auch Ergebnisse der Reihenuntersuchungen erfasst, die für
die Mädchen und Jungen in der vierten und achten Klasse durchgeführt
werden.
Danach waren 2002 vor dem
Schulanfang 4,8 Prozent der Kinder zu dick. Von den Viertklässlern
waren es im gleichen Jahr 11,8 Prozent, von den Achtklässlern 13,2
Prozent. Die Herabsetzung der Sehschärfe stieg von 11,5 Prozent bei
den Abc-Schützen auf 28 Prozent am Ende des Grundschulalters und 34,7
Prozent bei den 14-Jährigen. Veränderungen am Bewegungssystem
wurden bei 9,4 Prozent der jüngsten Schüler festgestellt. Von
den Viertklässlern waren 15,5 Prozent betroffen. In den achten Klassen
wiesen 29,3 Prozent der Mädchen und Jungen solche Veränderungen
auf.
Die Reihenuntersuchungen
abzusichern, den Impfschutz zu überprüfen und Impfungen anzubieten,
ist aus Sicht des Gesundheitsamtes eine der wichtigsten Aufgaben. Außerdem
sollten schulärztliche Sprechstunden und Fördermaßnahmen
in Kitas ausgebaut werden.
Deutlich erhöht hat
sich die Anzahl der Unfälle im Sportunterricht. Die Gesundheitsberichterstatter
haben Überbelegungen der Sporthallen und zu große Klassen als
Hauptursachen ausgemacht. Stadtverwaltung und Bildungsministerium sollen
enger zusammenarbeiten, um die Zahl dieser Unfälle zu senken.
Hamburger Abendblatt 6.9.
2003
Neues Schulfach: RAUFEN
erwünscht
Hamburg -"Es macht richtig
Spaß!" Merema Osmani (11) spricht aus, was allen Kindern der sechsten
Klasse der Gesamtschule Maretstraße in Harburg anzusehen ist. Die
Jungs und Mädchen sind die Ersten, die in Hamburg unter Anleitung
von Ringtrainer Oleg Koklikow "Ringen und Raufen", also faires Kräftemessen
ohne Gewalt, im regulären Sportunterricht lernen - dürfen.
Koklikow, der schon in Kasachstan
als Sportlehrer gearbeitet hat, ist Entertainer und Übungsleiter zugleich,
seine witzige Art macht den Schulstress vergessen. Er strahlt mit seinen
Schülern um die Wette: "Ich arbeite sehr gern mit Kindern, ich fühle
mich wie neu geboren."
Die Kinder sehen neben dem
Spaß im Unterricht den Nutzen nach der Schule. Merema: "Bald kann
ich mich schützen, wenn ich Ärger bekomme", und Mohammed Tayem
(12) gibt sich selbstbewusst: "Hier bin ich der Champion." Schon bald will
er zu Hause gegen zwei ältere Brüder das TV-Programm bestimmen.
Sadri Loshaj (13) ist pessimistischer: "Das macht Spaß, aber wenn
es ernst wird, kann man die Tricks nicht anwenden. Das dauert lange, bis
man das kann."
Die Euphorie für die
neue Unterrichtsform ist groß, sie soll den Kindern Zeit und Raum
geben, um sich auszutoben und ihnen gleichzeitig den Fairplay-Gedanken
vermitteln. Der Zusammenhalt in der Klasse ist stark, es gibt keine Außenseiter,
und Prügeleien kommen höchst selten vor.
Trotzdem macht sich Klassenlehrer
Marco Schönbrunner Sorgen, dass sich weniger sportliche Schüler
ausklinken könnten, doch danach sieht es nicht aus. Schönbrunner,
der sonst den Sportunterricht leitet, zeigt sich überrascht vom Engagement
einiger schüchterner Kinder, nur ein Junge kam mit den Bodenturnübungen
in der Erwärmung nicht zurecht und zog sich in die Umkleidekabine
zurück. Der will sich aber wieder rankämpfen, denn die Begeisterung
seiner Klassenkameraden dürfte ihm nicht entgangen sein. "Die Erwärmung
war sehr anstrengend, aber dafür kann ich jetzt schon den ersten Griff",
sagt Amira Dhifallah (13) nicht ohne Stolz.
Damit sich niemand verletzt,
legt Koklikow bei alldem Spaß großen Wert auf Disziplin und
eine intensive Vorbereitung. Die Schüler müssen technische Grundregeln
kennen, Schläge und Tritte sind tabu. Der Diplomsportlehrer hofft,
eventuell ein oder mehrere Talente zu entdecken, die in seinem Verein,
SC Roland (Sternschanze), regelmäßig trainieren könnten:
"Vielleicht finden wir einen Schatz."
Westfälische Rundschau
4.9. 2003
Kooperation von Schulen
und Vereinen
Die
Präsidentin der Kultusministerkonferenz und hessische Kultusministerin,
Karin Wolff (CDU), zu Fragen rund um den Schulsport
WR:
Die Fitness vieler Kinder wird von den Expersten als erschreckend eingestuft.
Besonders Übergewicht gilt als ein Riesenproblem. Zu diesem Ergebnis
kommt eine langfristige Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte
Deutschland (WIAD). Wie wichtig sind solche Längsschnitt-Untersuchungen,
und wird die Politik Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen?
Wolff:
Über die Fakten aus punktuellen Untersuchungsergebnissen hinaus ist
es bedeutsam, durch Längsschnittuntersuchungen Entwicklungen zu erkennen,
um daraus politisches Handlen abzuleiten. Ich beobachte mit Sorge - und
dies gilt gleichermaßen für meine Kolleginnen und Kollegen in
der KMK - die zunehmenden gesundheitlichen Probleme und Krankheitsbelastungen
der Kinder und Jugendlichen. In den schon früh auftretenden Entwicklungsstörungen,
Defiziten und Verhaltensauffälligkeiten, die auch durch unsere eigenen
hessischen Schuleingangsuntersuchungen bestätigt werden, sehe ich
eine ernst zu nehmende Folge heutiger Lebensweisen, die den realten physischen,
psychischen, emotionalen und sozialen Bedürfnissen der jungen Menschen
nur noch teilweise entspricht. Ich halte daher eine frühzeitige Gesundheitsförderung
- wie wir dies in den Schulen zunehmend leisten - für wesentlich.
Bewegung, Spiel und Sport sind in diesem Kontext unverzichtbar. Frühzeitige
Gesundheitsförderung unterstreicht aber auch die besondere Verantwortung
der Eltern. Dies setzt im Hinblick auf das gerade bei den Kindern stark
ausgeprägte Vorbild-Lernen ein Erziehungsverhalten voraus, das von
körperlicher und lustbetonter Bewertung, von ausgewählter schmackhafter
und ernährungsphysiologisch vernünftiger Ernähung, von kontrolliertem
Umgang mit Suchtmitteln und schließlich vom Bewusstsein geprägt
ist, dass die Befriedigung von Bedürfnissen nicht stets und unmittelbar
erfolgen muss.
WR:
Die WIAD-Studie zeigt auch, dass die Fitness dann schlechter wird, wenn
der Schulsport vernachlässigt wird. Ist der Schulsport auf Grund der
Ergebnisse der PISA-Studie als so genanntes weiches Fach in eine schwächere
Position geraten, und ist ein Abbauch von Schulsportstunden zu befürchten?
Wolff:
Zunächst muss das Ergebnis der WIAD-Studie noch einmal verdeutlicht
werden: bei dem durchgeführten Bewegungs-Check-up schneiden diejenigen
besser ab, die drei oder mehr Stunden Schulsport pro Woche haben. Dies
ist eine andere Aussage als die in der Frage unterstellte. Es gibt danach
einen engen Zusammenhand zwischen der Bewegungszeit insgesamt und der körperlichen
Leistungsfähigkeit - alles andere wäre auch mehr als überraschend.
Vor diesem Hintergrund ist auch das Untersuchungsergebnis zu sehen, wonach
die Zahl der Sportstunden in der Schule das Testergebnis bei den Mädchen
erheblich - je mehr, desto besser - beeinflusst, bei den Jungen, die nach
der Studie insgesamt mehr Sport treiben, nur ein geringer Einfluss festzustellen
ist.
Es
geht im Schulsport aber nicht nur um Fragen der sportmotorischen Leistungsfähigkeit.
Aus pädagogischer Sicht geht es ganz wesentlich auch um die Vermittlung
breiten- und freizeitsportlicher Inhalte und um vielfältige Körper-
und Bewegungserfahrungen als Ausgleich gegenüber weitgehend sitzenden
Tätigkeiten in der Schule und in der Freizeit, und darum, gemeinsam
spielerische und sportliche Aktivitäten als kommunikative, sozial-integrative
Begegnungsmöglichkeiten bewusst zu erleben. Die in der Presse und
auch vom DSB regelmäßig vorgetragene Sorge von Unterrichtskürzungen
im Fach Sport wegen der PISA-Ergebnisse teile ich nicht. Die engen Zusammenhänge
zwischen Motorik und Kognition, die gerade bei Kindern noch sehr gut zu
beobachten sind, sind hinreichend bekannt. Um auf die Frage zurückzukommen:
Wir brauchen Bewegung, Spiel und Sport in der Schule nicht trotz PISA,
sonden wegen PISA.
WR:
Was können Sie als Präsidentin der KMK tun, um die Fitness der
Kinder wieder zu verbessern? Müsste nicht die Kooperation mit der
Sportministerkonferenz (SMK) mehr belebt werden?
Wolff:
Wie aus meiner Antwort zu PISA und Schulsport zu ersehen ist, bin ich überzeugt,
dass wir auch mit Blick auf die steigenden Kosten im Gesundheitswesen alles
tun müssen, den durch die WIAD-Studie aufgezeigten Trend der nachlassenden
Fitness der Kinder und Jugendlichen zu stoppen. Die Kooperation mit der
Sportministerkonferenz ist dabei sehr eng, zumal ein Großteil der
KMK-Mitglieder auch Mitglied in der SMK ist. Offenkundig ist aber, dass
die Bewegungszeit der Kinder und Jugendlichen sich verändert hat.
Prof. Klaus Bös hat es einmal auf den Nenner gebracht: Immer mehr
Kinder und Jugendliche machen immer weniger Sport, immer weniger Kinder
und Jugendliche machen immer mehr Sport. Das verweist darauf, dass alle
für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen Verantwortlichen aufgerufen
sind, ihren spezifischen Beitrag zu leisten. Das schließt insbesondere
auch die Eltern und die außerschulischen Institutionen wie Sportvereine
mit ein.
WR:
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Verbänden wie dem Deutschen
Sportbund für den Kampf gegen das Übergewicht?
Wolff:
Gerade das aufgezeigte Problem der rückläufigen Bewegungszeiten
verweist darauf, dass die Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen
eine Antwort sein können. Erschreckend ist dabei das WIAD-Ergebnis,
wonach bis zu einem Alter von 15 Jahren noch deutlich mehr als die Hälfte
der Kinder und Jugendlichen Mitglied in einem Sportverein sind, bei den
älteren Jugendlichen diese Quote nur noch bei 38 Prozent liegt, nochmals
mit einem deutlichen Unterschied zu Ungunsten der Mädchen. Diese Tendenz
wird auch durch die Brettschneider-Studie "Jugendarbeit im Sportverein
- Anspruch und Wirklichkeit" bestätigt. Ich begrüße deshalb
ausdrücklich, dass auf der Sitzung der Kontaktkommission von KMK und
dem DSB im Juni dieses Problem aufgegriffen wurde und gemeinsame Überlegungen
angestellt werden.
Pressemitteilung
GEW-Hamburg vom 29. 8. 2003
Jahr des Schulsports eröffnet
Aber die Misere des Schulsports
hat sich weiter verschärft
Was für
ein Widerspruch! Da wird öffentlichkeitswirksam durch den Ersten Bürgermeister
mit einem großen Fest das Jahr des Schulsports eröffnet. Und
gleichzeitig hat der Senat durch das Arbeitszeitmodell die Rahmenbedingungen
für die sportpädagogische Arbeit drastisch verschlechtert.
Mit dem
Arbeitszeitmodelle erfahren die Sportlehrkräfte eine Diskriminierung
und Abwertung ihrer fachlichen Arbeit. Die unbegründet geringe
und realitätsferne Faktorisierung des Faches Sport führt für
viele KollegInnen zu einer drastischen Erhöhung ihrer Unterrichtsverpflichtung.
Für die Organisation und Durchführung außerunterrichtlicher
Veranstaltungen, die bisher gern und freiwillig geleistet worden sind,
bleibt einfach keine Zeit mehr. Die Tätigkeit der Sportlehrkräfte
wird sich zwangsläufig auf das Halten von Unterricht beschränken
müssen. Das bedeutet konkret: Hamburgs SportlehrerInnen haben ihre
Mitarbeit am Jahr des Schulsports aufgekündigt, schulübergreifende
Sportwettkämpfe können nicht mehr ausgerichtet werden. So nimmt
Hamburg zum ersten Mal nicht an "Jugend trainiert für Olympia" teil.
Die Hamburger Meisterschaften werden ebenfalls nicht mehr beschickt. Erste
Großverstaltungen wie Haake-Cross-Lauf, der Harburger Staffellauf,
die Basketballmeisterschaften, der Fußball-Pausenpokal wurden bereits
abgesagt! Nicht zu vergessen ist, dass an vielen Schulen die 3. Sportstunde
nicht gegeben werden kann, weil die Hallenkapazitäten nicht ausreichen.
Vor diesem
Hintergrund ist das Fest zum Jahr des Schulsports blanker Hohn und ein
weiterer Versuch die Öffentlichkeit über die katastrophale Lage
des Hamburger Schulsportes zu täuschen.
Die Teilnahme
vieler Klassen an den Eröffnungsveranstaltungen haben die Lehrkräfte
deshalb ermöglichen können, weil das Ereignis während der
Unterrichtszeit stattfindet und keinen zusätzlichen Aufwand erfordert.
Eine solche schulübergreifende sportliche Veranstaltung wird allerdings
ein singuläres Ereignis bleiben und keine Wirkung in die Schulen hinein
entfalten können. Statt mit geeigneten Maßnahmen den Schulsport
zu stärken, hat der Hamburger Senat mit dem Arbeitszeitmodell, das
ein Sparmodell ist, dafür gesorgt, dass die sportpädagogische
Arbeit abqualifiziert wird und der Hamburger Schulsport an Attraktivität
verliert. Die Verlierer dieser kurzsichtigen Bildungspolitik sind wieder
einmal die Schülerinnen und Schüler und darüber kann auch
so ein großes Fest nicht hinwegtäuschen!
Frankfurter Rundschau 21.8.
2003
Olympische Ehre von der Kultusministerin
Stephan
Köberle organisierte im Kurpark für Mitschüler einen Orientierungslauf
und erhielt eine Medaille
Zum ersten Mal hat der
Landessportbund einen Abiturpreis Sport vergeben: Stephan Köberle
aus Wehrheim-Obernhain ist einer von 59 hessischen Abiturienten, die die
Pierre de Coubertin-Medaille von Kultusministerin Karin Wolff (CDU) überreicht
bekamen.
BAD HOMBURG . Sie ist so
groß wie olympische Medaillen, silbergrau und schwer und sie zeigt
auf der Vorderseite das Porträt des französischen Namensgebers
Baron Pierre de Coubertin. Auf der Rückseite steht "Voir loin. Parler
franc. Agir ferme", einer der Leitsprüche des Vaters der Olympischen
Spiele der Neuzeit: "Weitsichtig sein. Freimütig sprechen. Entschlossen
handeln." Die Medaille hat Stephan Köberle, Abiturient des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums
(KFG) in Bad Homburg, zum Interview ins Eiscafé ebenso mitgebracht
wie die Urkunde. Auf der ist sein Name falsch geschrieben: Koberle statt
Köberle. "Naja, kann ja mal passieren", sagt er und rückt die
Sportuhr mit Pulsmesser am Handgelenk zurecht.
Der 19-Jährige ist
seit seiner Kindheit sportlich: Waren es erst Fußball und Turnen,
kam er mit etwa 14 Jahren durch seinen Bruder und dessen Engagement in
einer Funker-AG zu zwei recht exotischen Sportarten: Orientierungslauf
und Funkpeilung. Die Medaille erhielt er jedoch nicht dafür, sondern
für "herausragende Leistungen im Schulsport, verbunden mit fairer
Haltung und persönlichem Engagement für die Schulgemeinschaft".
So steht es auf der Urkunde geschrieben.
Konkret hatte Stephan Köberle
sich für eine Projektwoche des KFG Ende September 2002 ins Zeug gelegt.
"Ich wollte etwas Besonderes anbieten". So sprach der schmale, aber durchtrainierte
junge Mann mit seinem Sportlehrer Peter Braun darüber, Funkpeilen
im Kurpark für Mitschüler zu organisieren. Der Lehrer war angetan.
"Das passende Kartenmaterial hätte ich ja gehabt. Aber ein Empfänger
kostet rund 80 Euro - das wäre dann doch zu teuer geworden". Also
verlegte er sich aufs Angebot Orientierungslauf. Er stellte eine Strecke
im Kurpark zusammen, zeichnete spezielle Karten, hängte Kontrollpunkte
(Prismen) in Büsche und Bäume. 25 Mitschülerinnen und Mitschüler
nahmen teil; das ungewöhnliche Angebot gefiel. Stephan Köberle,
Jahrgang 1983, ist gebürtiger Stuttgarter. Seine Eltern zogen mit
ihm und seinem Bruder 1997 aus beruflichen Gründen nach Hessen, genauer
Wehrheim-Obernhain im Hochtaunuskreis. Damals war er 14 und schon ehrgeizig,
wollte unbedingt "auf eine gute Schule" und entschied sich gemeinsam mit
dem Bruder fürs KFG. "Vor allem wegen der naturwissenschaftlichen
Angebote." Dafür nahm er auch den weiten Weg nach Bad Homburg in Kauf.
Nun hat er die Schule geschafft, das Abitur in der Tasche mit einem Notendurchschnitt
von 2,2 (was ihn etwas ärgert, er hatte 1,8 angestrebt). Und den Abiturpreis
Sport dazu.
Bei der Übergabe
des Preises in Grünberg (Kreis Gießen) kurz vor den Sommerferien
sagte Kultusministerin Karin Wolff (CDU) unter anderem: "Die Auszeichnung
erinnert nicht nur an die olympische Idee, Körper, Geist und Charakter
zu einer vollkommenen Einheit zu formen, sondern ist gleichzeitig ein gutes
Instrument, junge Menschen in ihrem Engagement positiv zu bestärken".
Geehrt würden "herausragende Leistungen der Schülerinnen und
Schüler in Sachen Schule und Sport, verbunden mit sozialem Engagement".
Die offiziellen Worte findet
Stephan Köberle zwar ein "bisschen großspurig". Aber der Preis
freut ihn "schon, es ist halt eine Anerkennung". Aber damit rumzuprotzen,
nein, das fiele ihm nicht ein. Auch als Vorbild sieht er sich "eher nicht".
Er will einfach nur weitermachen wie bisher, also täglich trainieren.
ARD-Sport
19.8. 2003
Eine
alarmierende Vision und ihr Hintergrund
Schulsport kontra Edelmetall?
Wenn die Vision Manfred
von Richthofens zutrifft, geht die deutsche Leichathletik Medaillen armen
Zeiten entgegen. "Zunehmende Bewegungsarmut von Kindern und Jugendlichen"
sowie "beklagenswerte Zustände" im Schulsportunterricht veranlassen
den Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB) zu der Prognose, "dass
wir bei Olympia in den kleinen Randsportarten die Medaillen holen müssen.
In der Kernsportart Leichtathletik profitieren wir jetzt nur noch von den
älteren Sportlern." Was steckt hinter dieser alarmierenden Formulierung?
"Es ist dramatisch, was in
Untersuchungen festgestellt wurde. Zum Beispiel, dass 40 Prozent der Kinder
nicht rückwärts laufen können", betont Ulrich Feldhoff,
DSB-Vizepräsident und verantwortlich für den Leistungssport.
"Mehr und mehr Kinder, die in die Vereine kommen, müssen erst mal
fit gemacht werden. Und immer weniger sind am Leistungssport überhaupt
interessiert."
Körperliche Fitness
sinkt stark
Werden immer mehr Kinder
"Sportanalphabeten"? "Ja" lautet die Aussage einer aktuellen Studie . Darin
wurde die körperliche Fitness von mehr als 20.000 Schülern getestet.
Demnach geht es mit den Kindern und Jugendlichen körperlich bergab.
Der Test ergab allein bei den 10- bis 14-Jährigen seit 1995 einen
Rückgang der Fitness um 20 Prozent bei Jungen und um 26 Prozent bei
Mädchen.
Die Studie
dokumentiert auch einen Zusammenhang zwischen Schulsport und seiner Wirkung
auf die Physis der Jugendlichen. Genau die Schüler schneiden besser
ab, die drei oder mehr Stunden Schulsport pro Woche haben. In der Praxis
ist dies aber selten der Fall. 63 Prozent der Schülerinnen und Schüler
müssen sich mit maximal zwei Stunden Schulsport begnügen.
Zahlreiche Mängel
im Schulsport-System
 |
 |
| Schwindende Fitness,
steigendes Übergewicht |
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"Wenn sich hier nichts ändert,
werden wir im Leistungssport Probleme bekommen", befürchtet Feldhoff.
Eine "Riesenchance" sieht der DSB-Vizepräsident in der Einführung
der Ganztagsschule. Und er appelliert an die Politik: "Unsere Gesundheitspolitiker
müssen dem aktuellen Zustand entgegen wirken. Sonst kommt es zu Schädigungen,
an die wir heute noch gar nicht denken."
An den Gesundheitsaspekt
denkt auch Dr. Wolfgang Sigloch, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg
im Deutschen Sportlehrerverband. "Mit dem Schulsport sind keine Goldmedaillen
zu gewinnen", sagt er. Die Aufgabe sei eine ganz andere. Er ordnet die
Aussagen von Richthofens als bewusst plakativ ein, um das Interesse auf
das Thema Schulsport zu lenken.
Mängel
am System kennt Sigloch zuhauf: "70 Prozent des Grundschul-Sports in Baden-Württemberg
werden fachfremd, also von nicht ausgebildeten Sportlehrern, erteilt. Die
Lehrerinnen und Lehrer werden immer älter. Die Klassengrößen
steigen. Manchmal kann man Sportunterricht nur noch als Beschäftigungstherapie
bezeichnen", lautet Siglochs wenig schmeichelhaftes Urteil.
Signale durch neue Untersuchung
Dringend müssten neue
Kolleginnen und Kollegen eingestellt werden. Doch der Schulsport besitze
keine Lobby: "Eltern, die bei einer ausgefallenen Stunde Mathematik sofort
protestieren, sagen bei Sport nichts." Dabei hätten Untersuchungen
gezeigt, dass eine tägliche Stunde Schulsport die Fitness enorm fördere.
"Es passieren weniger Unfälle durch bessere Koordination. Das Schulklima
wird besser, die Intelligenzleistungen verbessern sich, Aggressionen werden
minimiert", zählt Wolfgang Sigloch auf.
Immerhin: Die Situation des
Schulsports wird sich schon bald klarer darstellen lassen. Bis Ende 2004
werden erste Ergebnisse der jetzt begonnenen bundesweiten "Untersuchung
der aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland" vorliegen, die
vom DSB und der Deutschen Sportjugend in Auftrag gegeben wurde. Manfred
von Richthofen sieht damit Bewegung in die Debatte mit der Politik kommen.
"Wir erhoffen uns von der Studie eine deutliche Signalwirkung", sagt er.
Vielleicht auch für die Medaillenspiegel kommender Generationen.
Thüringische Landeszeitung
18.8. 2003
Salsa-Aerobic beliebter
als Barren und Reck
»Frisch, fromm, fröhlich, frei«. Unter diesem Motto erfand
Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) vor 200 Jahren in Neubrandenburg das
Turnen. Er lockte die Jugend an Barren, Reck und Hanteln, eröffnete
in Deutschland Turnplätze und initiierte die Turnbewegung. Im Jahr
2003 sind viele Turnarten aus der Zeit von Jahn unbeliebt, weil sie zu
anstrengend sind.
Selbst
einfache Turnübungen beherrschen viele junge Leute nicht mehr. Fun-Sportarten
liegen mehr im Trend. Andererseits meldet der Deutsche Turnerbund seit
seiner Gründung 1845 Jahr für Jahr steigende Mitgliederzahlen.
Derzeit sind es fünf Millionen Mitglieder in mehr als 20 000 Vereinen.
Vor
genau 200 Jahren begann Jahn seinen Job als Hauslehrer bei einem Baron
in Neubrandenburg. Der junge Lehrer wanderte, schwamm und turnte viel mit
den Söhnen des Hauses. Bei den Unternehmungen scharten sich mehr und
mehr Jungen um ihn. So »erfand« er den gemeinschaftlichen Turnsport.
Die Bewegung, die Jahn in den Jahren danach ausbaute, kannte keine sozialen
Schranken: An Barren und Reck waren Standesunterschiede aufgehoben, mühten
sich Adlige und Bürgerliche gemeinsam ab.
Im
Turnen sah Jahn eine Möglichkeit, während der napoleonischen
Herrschaft die »Kraft des Volkes« zu stärken. 1811 richtete
er in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz ein. Zu seinen Übungen
zählten Fechten, Schwimmen, Laufen, Spiel und Tanz. 1816 erschien
sein Buch »Die Deutsche Turnkunst«. 1848 wurde Jahn in die
Deutsche Nationalversammlung gewählt. Vier Jahre später starb
er in Freyburg an der Unstrut in Sachsen-Anhalt.
»Jahn
ist der Begründer des Turnens wie Daimler der Erfinder vom Benz«,
sagt Dieter Donnermeyer vom Deutschen Turnerbund. »Aber das Turnen
hat sich wie das Auto weiterentwickelt. Und nur ein Bruchteil unserer Mitglieder
wird etwas mit Jahn anfangen können.« Noch immer bieten zwar
die Turnvereine das ursprüngliche Turnen an - doch beliebter sind
modernere Bewegungsformen, wie Aerobic und Salsa- Aerobic. »Es gibt
viele Lifestyle-Sportarten, die mehr Spaß machen als das Gerätturnen,
das oft weh tut«, berichtet Donnermeyer.
»Turnen
heißt, ich muss mich quälen«, meint Wolfgang Remer, Präsident
des Landessportbundes Mecklenburg-Vorpommern. »Aber in unserer Gesellschaft
muss alles Spaß machen. Deshalb ist Turnen out.« Selbst beim
Schulsport werde nur noch wenig geturnt. Oft würden solche Lehrer
Sport unterrichten, die dafür gar nicht ausgebildet sind; etwa Mathe-
und Physiklehrer: »Turnen findet oft gar nicht mehr statt, weil der
Lehrer nicht weiß, wie man die Geräte aufbaut«, sagt der
Sportbundpräsident.
Die
Bewegungsfreunde scheint die Jüngsten der Gesellschaft in zwei Extrem-Gruppen
zu splitten: Die Zahl bewegungsfauler Kinder steige, ebenso aber auch die
Zahl der Kinder in den Turnvereinen, sagt Donnermeyer. 1,7 Millionen Kinder
bis 14 Jahre sind in einem Verein des Deutschen Turnerbunds. »Die
Eltern geben ihre Kinder in die Vereine, weil sie dort gut aufgehoben sind«,
meint der Turnerbund- Sprecher.
»Es
muss einen schon erschrecken, wenn man lesen muss, dass es Kinder gibt,
die keinen Purzelbaum mehr können«, gibt zugleich Bundesfamilienministerin
Renate Schmidt zu Bedenken. Sie hat beobachtet, dass junge Leute immer
unsportlicher werden. »Das ist kein Problem mehr, dass zu vernachlässigen
ist!« Kinder in Deutschland hätten eine zunehmend schlechtere
Kondition, sagt der Leiter des Instituts für Trainingstherapie und
medizinisches Gesundheitsmanagement »Physiotec«, Harald Maier.
Kraft und Beweglichkeit von Rücken und Bauch gingen immer mehr zurück
Nordwest-Zeitung 2.8. 2003
Durch
Daten Leben retten
Zahl
der Schwimmer sinkt
Statistiken können informieren,
erschrecken, aber vor allem langweilen. Kein Zweifel: Es gibt zu viele
Statistiken. Um so überraschender ist die Tatsache, dass für
einen besonders im Küstengebiet (überlebens-)notwendigen Bereich
so gut wie kein verwertbares Zahlenmaterial existiert. Der Alarm, den die
Deutsche Lebens-Rettungs- Gesellschaft (DLRG) in dieser Woche in der Region
schlug, weist deutlich auf das Problem hin: Man weiß, dass die Zahl
der Schwimmer kontinuierlich abnimmt, dass immer weniger Kinder lernen,
sich im nassen Element zu bewegen. Objektives Zahlenmaterial dafür
gibt es aber nicht. Geradezu lebensgefährlich stellt sich dieser Daten-Mangel
im Schulsport dar. Die Rahmenrichtlinien des Kultusministeriums besagen
eindeutig, dass jede Schülerin und jeder Schüler in der Grundschule
bis zum Abschluss des vierten Schuljahres das Schwimmen gelernt haben soll.
Vorzugsweise in der dritten und vierten Klasse soll wöchentlich mindestens
eine Stunde Schwimmunterricht erteilt werden. Das gilt im Bezirk
zurzeit für 50 000 Schülerinnen und Schüler dieser Klassen.
Angesichts schrumpfender
Schwimmstätten-Bestände oder/und mangels entsprechend ausgebildeter
Lehrer fällt der Unterricht häufig aus. Da die Schulen weder
über die Anzahl der nach der 4. Klasse schwimmfähigen Schüler
noch über ausgefallenen Unterricht Buch führen müssen, ist
der tatsächliche Fehlbedarf nicht erkennbar. Schulaufsichtsbehörde
oder Ministerium können nicht eingreifen und gezielt gegensteuern.
Dabei wäre die Einführung
einer klassenweisen Statistik (kinder-)leicht. Sie könnte den Verantwortlichen
einschließlich der Eltern die Augen öffnen darüber, was
den Kindern an lebensnotwendigem Rüstzeug in der Grundschule bereits
mitgegeben worden ist und wo an weiterführenden Schulen im Schwimmunterricht
noch nachzusetzen ist. Ein einfacher Vermerk im Zeugnis nach der 4. Klasse
könnte schon viel bewirken.
Schwimmen zu können,
ist nicht nur ein Stück Kultur, sondern auch eine Lebensversicherung.
Eine Lebensversicherung, bei der die Rendite garantiert ist.
Westdeutsche zeitung 30.7.
2003
Rund 60 Prozent
der Heranwachsenden haben Haltungsschwächen
Bad Füssing. Bis zu 60 Prozent
der Kinder und Jugendlichen haben Wissenschaftlern zufolge Haltungsschwächen.
Jeder dritte Heranwachsende zwischen 7 und 17 Jahren klage über Kopf-
und Rückenschmerzen, teilte die Bad Füssinger Medizinerin Meike
Küster am Mittwoch mit.
Die Deutsche Gesellschaft für
Physikalische Medizin und Rehabilitation (DGPMR) befürchtet, dass
chronische Rückenschmerzen im Erwachsenenalter künftig noch öfter
als bisher auftreten. Die Gesellschaft mit Sitz in Hannover und Jena hatte
eine Studie Küsters an 200 bayerischen Schulkindern betreut.
Die Ärztin testete bei den Kindern
insbesondere Kondition und Koordination sowie die Beweglichkeit der Wirbelsäule.
Kein einziger Schüler habe die Leistung «Gut» oder «Sehr
gut» erreicht, erklärte sie. «Insgesamt bewegen sich die
Kinder viel zu wenig.»
Die DGPMR forderte, dass Kinder täglich
mindestens 45 Minuten Sport treiben sollten - das sei die beste Prophylaxe
gegen Rückenschmerzen. Dem Schulsport käme dabei eine herausragende
Rolle zu. Durch ein breites Angebot könnten die Kinder erfahren, wie
die Lebensqualität durch sportliche Aktivitäten zunehme.
Aachener Zeitung 24.7.
2003
HipHop-Projekt: Tanzen
auf dem Stundenplan
Alsdorf. Yorgos Theodoridis
ist
begeistert von seinen Schülern. «Eins-zwei-drei-vier»
gibt Theodoridis den Takt vor, und die Jungens und Mädels lassen Hüften,
Bauch und Arme kreisen, voller Engagement und exakt so, wie es die Klänge
aus der Stereoanlage vorgeben. Eine tolle Show ist das, und man vermutet
nicht gleich, dass es hier vor allem um Dinge wie Pädagogik oder soziales
Verhalten geht.
«HipHop-Projekt»
nennt sich die Veranstaltung, zum fünften Mal machen sie das an der
Elisabethschule für Lernbehinderte in Alsdorf, und 37 Schüler
beteiligen sich, Jungen und Mädchen in etwa zu gleichen Anteilen.
Während Tanzpädagoge
Theodoridis die Zwölf- bis 16-Jährigen durch die Turnhalle scheucht,
erläutert Sportlehrerin Astrid Lauber, die Projektleiterin, das Konzept.
«Das ist großes soziales Lernen», sagt Lauber.
«Wenn im Sportunterricht
zum Beispiel Fußball gespielt wird, kommt es oft zu Aggressionen,
weil der Sport zum Gegeneinander wird. Hier beim Tanzen ist alles ein großes
Miteinander. Man sieht ja, mit welcher Begeisterung alle bei der Sache
sind.»
Daniela Meise, die zwölf
Jahre und das erste Mal dabei ist, bestätigt: «Das macht riesigen
Spaß.» Gamse Arslan (15) ist schon zum vierten Mal dabei und
«eine ganze Menge» hat sie dabei gelernt. Auch privat übt
sie oft und sogar aufgetreten ist sie schon ein paarmal.
Zum Unterricht gehört
das Tanzprojekt nicht, das Kommen ist also freiwillig, doch das tut dem
Zustrom keinen Abbruch. HipHop, ein musikalischer US-Import, ist einfach
«in», «natürlich finden alle auch die Musik klasse»,
erklärt Astrid Lauber, «aber im Mittelpunkt steht schon der
Tanz».
Und weil die Schüler
so begeistert bei der Sache sind, haben sie wohl gar nicht bemerkt, was
für Musik ihnen Yorgos Theodoridis da teilweise untergemischt hat.
Bei der großen Abschlusspräsentation
vor Lehrern, Eltern und Mitschülern tanzen die Jungen plötzlich
zu Frank Sinatra und die Mädchen: zu Schwanensee. Spaß haben
sie trotzdem alle.
Leipziger
Volkszeitung 24. Juli 2003
Programm für mehr
Sport und Bewegung in Kitas und Schulen
Dresden. Immer mehr Schüler
in Sachsen haben Übergewicht. "Unsere Kinder werden immer dicker,
haben vermehrt Haltungsschwächen und Sprachstörungen", sagte
gestern Sozialministerin Helma Orosz (CDU). Sie kündigte ein Programm
für mehr Sport und Bewegung in Kitas und Schulen an. Auch die Eltern
seien nun gefordert.
Während 1997 nur 4,6
Prozent der Erstklässler Übergewicht hatten, so waren vier Jahre
später als Fünftklässler bereits 15 Prozent betroffen. Inzwischen
stieg auch der Anteil der übergewichtigen Einschüler auf 5,1
Prozent. Als dick gelten Kinder, die mehr als 20 Prozent vom normalen Körperindexmaß
abweichen. Ursachen seien Bewegungsmangel und zu fetthaltige Nahrung, so
Ministerin Orosz. Jungen und Mädchen sind gleichermaßen betroffen,
häufiger jedoch Kinder von sozial schwachen Eltern. Viele Familien
hätten sich auf Fastfood eingestellt, Kinder würden dann die
Essgewohnheiten ihrer Eltern übernehmen. Angesichts der Gesundheitsrisiken
im Erwachsenenalter wie Herzkrankheiten und Diabetes sei die Entwicklung
"höchst beunruhigend", sagte Helma Orosz.
Um den Negativtrend zu durchbrechen,
seien Ernährungsaufklärung und mehr spielerische Bewegung schon
in Kindergärten nötig. Zudem soll ein Projektverbund aus Ministerien,
Kassen und der TU Dresden mit zehn Schulen ein Konzept für gesundheitsfördernde
Einrichtungen entwickeln. Ziel sei es, Sport, gesunde Ernährung, Suchtprävention
und Stressbewältigung zu fördern. Die geeigneten Schulen werden
im August ausgewählt. Es müssten aber auch Eltern mit gutem Beispiel
vorangehen, forderte die Ministerin.
Einen drastischen Anstieg
gibt es auch bei den Sprachstörungen. Fast ein Viertel der Erstklässler
wiesen 2001 Probleme auf, 50 Prozent mehr als 1994. Schuld daran sei ein
übermäßiger Medienkonsum wie Computerspielen und Fernsehen.
In vielen Familien werde kaum noch miteinander gesprochen. Um Störungen
der Schullaufbahn und des Sozialverhaltens zu verhindern, werde nach den
Sommerferien in Kitas begonnen, Vierjährige in aufwändigen Tests
auf ihr Sprachvermögen zu untersuchen.
Darüber hinaus haben
immer mehr Kinder Haltungsschwächen. Der Anteil der betroffenen Fünftklässler
wuchs von 7,3 auf 8,7 Prozent. Der Schulsport sei daher unverzichtbar.
Ärztezeitung 23.7. 2003
"Fit für Pisa" -
Modellprojekt soll Grundschulkinder auf Trab bringen
Mediziner und Pädagogen
schlagen seit längerer Zeit Alarm: Weil Kinder sich zu wenig bewegen
und zu lange vor Computern und Fernsehapparaten sitzen, sind körperliche
und psychosoziale Beeinträchtigungen häufig. Untersuchungen haben
gezeigt, dass 20 Prozent der Schulkinder Übergewicht, 30 Prozent Haltungsschäden,
25 Prozent Herz-Kreislaufschwächen, 40 Prozent Koordinationsschwächen
haben.
Mit dem Modellprojekt "Fit
für Pisa" will der Göttinger Internist und Präventionsbeauftragte
der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. Thomas Suermann, jetzt gegen diese
Entwicklung angehen: Ab dem kommenden Schuljahr bekommen die Eingangsklassen
mehrerer Göttinger Grundschulen zusätzliche Sportstunden. Das
Besondere daran: Der zusätzliche Unterricht wird privat finanziert.
 |
Spiel, Spaß und Sport:
Ein Göttinger Modellprojekt
bietet
Schülern an Grundschulen
zusätzliche
Sportstunden an. |
Vier Grundschulen machen
bei der Vergleichsstudie mit
Beteiligt sind die Ärztekammer
und die Kassenärztliche Vereinigung, das Institut für Sportwissenschaft
der Universität Göttingen, die Universitätskinderklinik,
das Gesundheits- sowie das Sport- und Bäderamt der Stadt Göttingen,
der Sportärztebund Niedersachsen, ein Sportverein sowie vier Göttinger
Grundschulen.
Das Vorhaben ist als Vergleichsstudie
angelegt: An drei Schulen wird das intensivierte Sportprogramm angeboten,
an der vierten Einrichtung erhalten die Kinder dagegen das bislang übliche
Sportangebot.
Ziel des auf fünf Jahre
angelegten Projekts sei es, die körperliche Fitneß der Kinder
zu verbessern und den Einfluß des Schulsports auf die kindliche Entwicklung
zu untersuchen, sagt Suermann. Deshalb werden die 120 Kinder der beteiligten
Grundschulen, die nach den Ferien im August eingeschult werden, regelmäßig
auf ihren Gesundheitszustand, ihre motorische Entwicklung und ihre Befindlichkeit
hin untersucht.
Wer sich bewegt, kann
sich besser konzentrieren
Nicht nur für die körperliche
Gesundheit der Schüler sei Bewegung wichtig, sagt Suermann: "Vermehrte
Bewegung ist die Voraussetzung dafür, daß Kinder sich besser
konzentrieren und lernen können." Leider hielten viele Eltern Bewegung
nicht für so wichtig, häufig werde der Bewegungsdrang von Kindern
abgeblockt. Auch an den Schulen würden die Kinder zu wenig auf Trab
gebracht. Nicht selten fielen die zwei Sportstunden pro Woche aus, und
wenn sie stattfinden, werde häufig nur Völkerball gespielt.
Die an "Fit für Pisa"
beteiligten Kinder erhalten dagegen ein intensiviertes Programm mit wöchentlich
fünf Sportstunden: "Es gibt einen strukturierten Unterricht, bei dem
die Kinder auch neue Sportarten ausüben können", sagt Suermann.
Die zusätzlichen Sportstunden werden von Sportstudenten und diplomierten
Sportlehrern gegeben.
Das Fitnessprogramm soll
sich im Sinne des Konzepts der "bewegten Schule" auf den gesamten Schulalltag
erstrecken und so beispielsweise auch mehr Bewegung in die Pausen bringen.
Die Initiatoren erwarten
dadurch auch ein insgesamt besseres Schulklima. Untersuchungen hätten
gezeigt, dass Kinder, denen viel Sport und Bewegungsmöglichkeiten
angeboten werde, viel lieber zur Schule gehen, sagt Suermann. Außerdem
würden durch Sport auch Aggressionen abgebaut.
FAZIT
"Bewegung ist die Voraussetzung
dafür, dass Kinder sich besser konzentrieren und lernen können",
sagt der Göttinger Internist Dr. Thomas Suermann. Ab dem kommenden
Schuljahr sollen deshalb für Schüler an Göttinger Grundschulen
zusätzlich fünf Sportstunden angeboten werden. Das Modellprojekt
"Fit für Pisa" finanziert sich aus Spendengeldern und ist auf fünf
Jahre angelegt. Damit die Kinder bei der Sache bleiben, werden unter anderem
auch neue Sportarten zum Ausprobieren angeboten.
Wiesbadener Tagblatt 22.07.2003
Sportunterricht im Fitnesscenter
Rike Fischer studierte
mit ihrer Klasse des Hessenkollegs Swiss-Training
Cheftrainer
und Manager im Swiss-Center: Alexander Lehmann zeigt den Hessenkollegiaten
Julien und Alex, wie man sich an den Kraftmaschinen richtig "anstellt".

Sportunterricht einmal anders:
Die Klasse zwölf des Wiesbadener Hessenkollegs hat zweieinhalb Monate
ihren regulären zweistündigen Sportunterricht im Fitnesscenter
"Swiss-Training" durchgeführt.
Die Idee zu diesem Projekt
entstand Anfang Mai im Gespräch mit den Verantwortlichen des Centers,
die bereitwillig ihre Kooperation anboten, und den Absolventen des Hessenkollegs
unter der Leitung von Rike Fischer. Die Sport- und Englischlehrerin ist
selbst Fitnesstrainerin. Klaus Becker, der Leiter des Swiss-Centers, sowie
Cheftrainer und Manager Alexander Lehmann boten einmal wöchentlich
bis Ende Juli zwei Stunden betreuten Trainings zu einer symbolischen Aufwendungspauschale
an.
Ziel des zwölfwöchigen
Projektes war, Fitnesscenter kennen und kritisch bewerten zu lernen, verschiedene
Trainingsmethoden auszuprobieren, sich individuelle Trainingsziele zu setzen
und zu verwirklichen sowie in den Bereichen Kraft- und Ausdauertraining
theoretische wie praktische Grundkenntnisse zu erwerben.
"Die Notwendigkeit
einer solchen unterrichtlichen Aufklärung", sagt Rike Fischer, "liegt
in der Tatsache begründet, dass Fitnesscenter sich längst zu
einem eigenständigen Sportbereich entwickelt haben und kontinuierlich
an Einfluss gewinnen." Fitnesscenter würden aus vielfältigen
Gründen aufgesucht: Sie dienten der Stressreduktion, der Gesundheit,
der Selbstverschönerung und der Kontaktsuche. "Diese Verlockungen
bergen jedoch auch Gefahren, denen durch Aufklärung vorgebeugt werden
kann."
Die Sportlehrerin bedauert,
dass "Fitness" an Regelschulen in Hessen bisher nicht in den Pflichtkanon
mit aufgenommen seien - im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt, wo "Gesundheitsorientierte
Fitness" seit 1999 für die Klassen 7 bis 13 als verbindliches Fach
unterrichtet werde. Rike Fischer: "Fitness bedeutet Ausdauertraining zur
Fettverbrennung und für das Herz-Kreislauf-System, Krafttraining und
Stretching."
Das Projekt des Wiesbadener
Hessenkollegs sah so aus: Einmal wöchentlich für zwei Stunden
traf sich die Klasse nachmittags im Swiss-Center und wurde von drei Trainerinnen
und der Lehrkraft betreut. Vor dem Training wärmten sich die Kollegiaten
an den Ausdauergeräten auf und wurden anschließend mit individuellen
Programmen an den Nautilus-Krafttrainingsmaschinen eingewiesen. Im Anschluss
erfolgte Ausdauertraining zur Fettverbrennung und abschließendes
Stretching. Sobald die Schüler selbstständig trainieren konnten
und eingewiesen waren, fand jeweils vor dem Training ein halbstündiger
theoretischer Unterricht durch die Lehrkraft statt. In diesen Theorie-Einheiten
wurden die verschiedenen Ausrichtungen von Fitnesscentern verglichen, über
die Ausbildung von Fitnesstrainerinnen informiert, die Rechte der Trainierenden
besprochen, es wurden Grundkenntnisse über Trainingssteuerung und
Trainingsmethoden vermittelt und der Umgang mit gängigen gesundheitlichen
Problemen wie etwa Rückenschmerzen behandelt. Weiterhin erhielt die
Klasse Einblick in verschiedene Aerobicformen und Rope Skipping, einer
modernen von Musik begleiteten Art des Seilspringens.
Von den Trainierenden wurden
im Verlauf des Projektes sowohl sportwissenschaftliche Kompetenz als auch
bessere Fitness erworben. Das Projekt wurde von ihnen einstimmig als "sehr
positiv" bewertet. Die Teilnehmenden fühlen sich befähigt, selbstständig
zu urteilen und ihr Training gezielt zu gestalten. Auch der Beitrag zum
Stressabbau wurde gelobt.
Rike Fischer leitet aus ihren
Erfahrungen einen Wunsch ab: "Dass Fitness auch seinen Weg in die Regelschule
findet und dass mehr Fitnesscenter mit Schulklassen kooperieren, um die
Bevölkerung aufzuklären, bevor Frustration und Sportverletzungen
auftreten."
Straubinger Tagblatt 19.7.2003
Der Bewegungsmangel ist erschreckend
Die Initiative proSchulsport
setzt sich gegen weitere Stundenkürzungen ein
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Landau. 24 Stunden hat ein
Tag, neun davon verbringt der durchschnittliche Schüler im Liegen,
weitere neun im Sitzen, fünf im Stehen und eine Stunde bleibt übrig
für Bewegung. Eingerechnet in diese 60 Minuten sind alle Dinge der
Alltagsmotorik wie der regelmäßige Gang zur Toilette.
Erschreckende Zahlen, die
den Bewegungsmangel unserer Jugend verdeutlichen. Darauf wollte die Initiative
proSchulsport aufmerksam machen mit einer Veranstaltung, die am Donnerstagabend
im Glassaal des Kastenhofs kaum Beachtung fand. |
Die Realität des Schulsports
sieht heute so aus: Statt der in der Stundentafel verankerten vier Wochenstunden
Sport werden im Landesdurchschnitt 2.52 Stunden Sport erteilt. Ab kommendem
Schuljahr sollen an den Gymnasien nur noch zwei Pflichtsportstunden erteilt
werden.
Sport aber ist ein anerkanntes
Mittel zur Prävention von Gewalt, Kriminalität und Drogen, fördert
neben Gesundheit Werte wie Fairness, Teamgeist, Integrationsfähigkeit
und macht geistig fit. Deshalb fordern Ärzte, Wissenschaftler, Pädagogen,
Lehrer und Eltern: Schulsport ist unverzichtbar.
Über den akuten Bewegungsmangel
unserer Schüler machte sich Ministerialrat a.D. Ewald Wutz als stv.
Vorsitzender des Deutschen Sportlehrerverbands Bayern schwerwiegende Gedanken.
Muskel- und Haltungsschäden, Koordinationsschwierigkeiten, Herz- und
Kreislaufbeschwerden, Übergewicht und auffälliges psychosoziales
Verhalten unter den Heranwachsenden nehmen zu, sagte er. Konnten 1970 noch
93 Prozent der befragten Schüler einen Klimmzug machen, waren es 2000
erschreckende fünf Prozent. Zwischen den Jahren 1995 und 2000 musste
eine signifikante Zunahme der grob- und feinmotorischen Defizite verzeichnet
werden. Und in Zeiten, da Integration von Aussiedlern oder Ausländern
zu Problemen führt, ist Sport als non-verbale Kommunikationsmöglichkeit
durch Körpersprache unverzichtbar. Die Mehrzahl der Kinder zwischen
zehn und 14 Jahren leiden bereits an Vorstufen der Verkalkung der Herzkranzgefäße,
Altersdiabetes ist bei Jugendlichen auf dem Vormarsch, bestätigte
auch der Sportmediziner Dr. Hans Hulla.
Für MdL Udo Egleder
vom Landessportbeirat ist der Ausfall von wöchentlich 50.000 Stunden
Schulsport an bayerischen Schulen ein gravierender Grund für die Nachwuchssorgen
der Sportvereine. Vor allem der differenzierte Sportunterricht, der den
Sparmaßnahmen der Regierung verstärkt zum Opfer fällt,
bildete die Brücke zwischen Schulsport und Vereinen, und entzieht
diesen die Basis an Nachwuchs.
Aufgefordert sind ebenfalls
die Eltern, unterstreicht auch der 1. Vorsitzende von proSchulsport e.V.,
Herbert Baumgärtner. Sie sind als Anwälte der Kinder zuständig
für mehr Bewegung. Laut Egleder soll eine ähnliche Veranstaltung
zu einem späteren Zeitpunkt folgen, denn die Thematik ist zu akut,
um wegen Terminüberschneidungen oder zeitlicher Überbelastung
der Angesprochenen zum Schuljahresende in Vergessenheit zu geraten.
Thüringer Landeszeitung
19.7. 2003
Thüringen - "Jahr
des Schulsports 2004" geplant
Sport macht und hält
fit
Eichsfeld.
(tlz) Bewegung, Spiel und Sport haben eine sehr hohe erzieherische, gesundheitsfördernde
sowie für die geistige und körperliche Entwicklung der Jugend
wichtige Funktion. Daher haben die schulsportlichen Wettbewerbe, die im
Landkreis Eichsfeld sehr intensiv durchgeführt werden, zur Ergänzung
des täglichen Sportunterrichts in den unterschiedlichen Schulformen
einen hochrangigen Stellenwert. "Sie sind besonders wichtig angesichts
des ständig steigenden Mangels an Bewegung beim Nachwuchs", erklärt
der Eichsfelder Schulsport-Koordinator Eckhard Piornak.
Wichtiger
Faktor
Sicherlich
war diese Erkenntnis ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung von Kultusminister
Dr. Michael Krapp, das kommende Jahr nach 1999 in Thüringen wieder
zum "Jahr des Schulsports 2004" zu deklarieren. Im Freistaat wird Dr. Krapp
am 11. November in der Landeshauptstadt die zwölf Monate des Schulsports
feierlich eröffnen, auf Kreisebene wird eine Ehrung bei den Kreismeisterschaften
in der Leichtathletik der Altersklassen acht bis elf zwei Wochen später
in der Leinefelder Lunaparkhalle erfolgen. "Dazu wollen wir einen aktuellen
oder ehemaligen Prominenten der Leichtathletik einladen", erwähnt
Piornak.
Zum
zweiten Mal wird der "Tag des Sportabzeichens" am 27. Mai 2004 im Heiligenstädter
Stadion durchgeführt. Im Beisein sportlicher und politischer Prominenz
legte Ministerpräsident Dieter Althaus vor vier Jahren in der Kreisstadt
als Kultusminister inmitten von annähernd 1000 Schülern aus Heiligenstadt,
Geisleden und Uder vorbildhaft das Sportabzeichen ab. "Eine weitere Veranstaltung
ist noch im ostthüringischen Zeulenroda geplant", erklärte Piornak
nach einem Besuch mit dem Kreissportbund-Geschäftsführer Rigobert
Gessner bei der Spitze des Landessportbundes mit dem Präsidenten Peter
Gösel und dem Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt in Erfurt.
Neben
dem "Tag des Sportabzeichens" werden noch weitere außerschulischen
Großveranstaltungen wie das beliebte Sport-, Spiel- und Spaßfest
der Grundschulen und Kindergärten, die 20 Kreisjugendspiele, der Eichsfelder
Jugendtag sowie die Schulsport-Konferenz das "Jahr des Schulsports" inhaltlich
füllen. "Aber auch die Schulen vor Ort sollen mit Einbeziehung der
Schüler ihren Beitrag leisten", so Eckhard Piornak.
Das
große Interesse an den schulsportlichen Wettbewerben aus Eichsfelder
Sicht beweisen die Zahlen für das Schuljahr 2002/2003. Im Bundeswettbewerb
"Jugend trainert für Olympia" kämpften 196 schulische Teams aus
dem Kreis um den Einzug in die Regional-, Landes- und Bundesfinals. Daneben
nahmen noch 3700 Eichsfelder Pennäler an insgesamt 31Þ schulsportlichen
Wettbewerben teil, die vom Arbeitskreis Schulsport organisiert werden.
Plattinger Anzeiger 17.7.
2003
Sportunterricht einmal
anders
Flagfootball an Hauptschule
Plattling
Schüler der siebten
Klasse begeistert
Plattling. Am Mittwoch erwartete
die Schüler der siebten Klassen an der Hauptschule Plattling eine
Überraschung. Sportlehrer Richard Löschel machte es möglich,
dass die American Football-Abteilung des TSV Natternberg einen zweistündigen
Sportunterricht an der Hauptschule durchführen durfte, um den "kids"
diese Sportart näher zu bringen.
Nach einer mündlichen
Anfrage durch Spartenleiter Roland Ertl an der Hauptschule Plattling zeigte
sich Löschel, der selbst Mitglied beim TSV ist, sofort bereit, im
Rahmen des Sportunterrichts eine Flagfootball-Übungsstunde durchzuführen.
Über 40 Schüler erschienen daraufhin, um mehr über Football
zu erfahren. Flagfootball ist die kontaktarme Variante des American Football.
Die Jugendlichen benötigen hierzu keinerlei Ausrüstung. Ihnen
wird lediglich ein Gürtel umgebunden mit zwei seitlich herabhängenden
Fähnchen. Der Ballträger wird also nicht wie in der Tacklevariante
mittels Körpereinsatz gestoppt, sondern durch Geschicklichkeit, indem
man dem Gegner eines der Fähnchen aus dem Gürtel zieht.
Um die Jugendlichen nicht
durch theoretische Erklärungen zu ermüden, wurde ihnen mittels
"Learning by doing" die Sportart binnen zwei Stunden nahe gebracht, so
dass am Ende sogar noch ein richtiges Spiel stattfand. Begriffe wie "Quarterback",
"Running back" oder "Offensive Line" waren für die Schüler bald
keine Fremdwörter mehr.
Dass es sogar zu einigen
beeindruckenden und sehenswerten "Touch downs" kam, übertraf sogar
die Erwartungen der Trainer. Auch die Mädchen waren anfangs verblüfft,
dass sie mitspielen durften. Football sei nur was für Jungs, war das
meistgehörteste Argument. Doch nach einigen Minuten "Aufwärmphase"
waren auch sie mit vollem Eifer dabei und ließen manchen Jungen "alt"
aussehen.
Zum Schluss wurde ihnen noch
Ausrüstungsgegenstände gezeigt und Fragen beantwortet. Nach einem
gemeinsamen Gruppenfoto verabschiedeten sich die Schüler in den Unterricht.
Die "Black Hawks" bedanken sich nochmals bei Rektor Alois Bachmeier und
Sportlehrer Richard Löschel, die den Unterricht ermöglicht hatten.
Backnanger Zeitung 17.7.
2003
Schwitzen
für die Gruppe ist "geil, Mann"
650
Kinder in 130 Staffeln aus 11 Schulen beweisen reichlich Energie beim Halbmarathon
des Projekts Power ohne Fäuste.
Nicht nur
die Reaktion der Sechstklässler der Backnanger Max-Eyth-Realschule
fiel eindeutig aus. Die Halbmarathon-Staffel im Rahmen der Reihe Sport
macht Freunde des Gewaltpräventionsprojekts Power ohne Fäuste
war auch für einen anderen der 650 Schüler einfach nur "geil,
Mann". Und das, obwohl im Stadion des Weissacher Bildungszentrums tropische
Temperaturen herrschten. Der Lauf-Begeisterung tat jedoch selbst der in
Strömen fließende Schweiß keinerlei Abbruch.
16 Schulen
aus Backnang und Umgebung beteiligen sich seit zwei Jahren an Power ohne
Fäuste (wir berichteten). Ziele des Präventionsprojekts für
Schüler der Klassenstufen fünf bis acht sind unter anderem: Eindämmung
von Gewalt von Kindern und Jugendlichen; Stärkung der Mädchen
und Jungen, denen gewaltähnliche Handlungsweisen eher fremd sind;
schulartübergreifender und regionaler Ansatz als Gewährträger
für erfolgreiche Präventionsarbeit; Aufklärungsarbeit gegenüber
Schüler, Eltern und Lehrkräften; Nachhaltigkeit in der Gewaltprävention
durch unterschiedlichste Angebote wie beispielsweise jüngst das Musical
Game over, gestern die HalbmarathonStaffel und am Freitag, ab 9 Uhr, ein
Volleyballturnier an der Backnanger Mörikeschule.
In Weissach
ging es darum, dass eine Staffel aus fünf Kindern und Jugendlichen
zwischen 11 und 14 Jahre insgesamt 21,1 Kilometer bewältigt. Dabei
musste jeder Schüler den 1070 Meter langen Rundkurs viermal durchlaufen.
Wer dachte, dass die Jungs und Mädels null Bock auf so viel Stress
haben, täuschte sich: Chef-Organisatorin Birgit Thürmer und ihr
Lehrerteam vom Weissacher Bildungszentrum und der Backnanger Max-Eyth-Realschule
hatten bereits im Vorfeld eine Mammutaufgabe zu bewältigen. 650 Kinder
in 130 Teams aus 11 Schulen bevölkerten das Bize-Stadion. Die Nachwuchssportler
bewiesen, dass sie sich absprechen sowie Regeln beachten können und
dass sie bereit sind, ihre physischen sowie psychischen Stärken und
Schwächen kennen zu lernen. Damit waren die drei Ziele erreicht, die
sich die Veranstalter gesteckt hatten.
Schüler
überraschen ihren Lehrer positiv
Für
Klaus Digel, Lehrer der Backnanger Max-Eyth-Realschule und Ende der siebziger,
Anfang der achtziger Jahre zur Spitze der deutschen 800-Meter-Läufer
zählend, war dies keine Überraschung. Seit zwei Jahren misst
der frühere Mittelstreckler dem Laufen im Sportunterricht mehr Bedeutung
bei, dabei den Vorteil nutzend, "dass wir im Karl-EuerleStadion eine Rundbahn
haben". Beispielsweise müssen die Schüler der Klassen fünf
bis sieben 4000 Meter bewältigen. Für die Acht- bis Zehntklässler
stehen 6000 Meter auf dem Stundenplan. Sportschwache Kinder dürfen
wählen, ob sie 4 000 oder 6000 Meter laufen und erhalten dann mindestens
die Note 3 oder 4. "Während man manche Kinder zum Reckturnen fast
schon prügeln muss, sind sie beim Laufen mit Begeisterung dabei",
hat Digel festgestellt und fügt hinzu: "Es gibt mittlerweile sogar
Schüler, die laufen im Unterricht freiwillig 10000 Meter." Selbst
für einen, der bei deutschen Meisterschaften viermal Sechster über
800 Meter wurde, kam diese Bereitschaft überraschend: "Das hätte
ich mir nie vorstellen können."
Pressemitteilung
Niedersäschsisches
Kultusministerium 16.7.2003
"Athletik kinderleicht!"
Gemeinsam für mehr
Bewegung an den Schulen sorgen
Kultusministerium und
Leichtathletik-Verband verabreden intensive Kooperation
"Athletik kinderleicht!",
war das Motto einer gemeinsamen Tagung des Niedersächsischen Kultusministeriums
und des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbands
(NLV). Jüngste Studien weisen auf einen deutlich zunehmenden Bewegungsmangel
bei Kindern und Jugendlichen hin. "Auch der Schulsport ist aufgerufen,
sich damit auseinanderzusetzen", erklärte Kultusminister Bernd Busemann.
Wenn etwa die Bundeswehr einen viel zu hohen Anteil übergewichtiger
Soldaten melde, unterstreiche das, wie wichtig eine früh einsetzende
und konsequent weitergeführte Sportförderung sei. "Die moderne
Freizeit- und Konsumgesellschaft bringt zwar immer neue Trend- und Extremsportarten
hervor. Sie fördert aber auch Bewegungsarmut und Passivität.
Dem müssen wir gemeinsam entgegenwirken", so Busemann weiter. Neben
der Gesundheitsvorsorge müsse auch der Bedeutung des Sportunterrichts
für die wichtigen Bereiche Sozialkompetenz und Handlungskompetenz
ein hoher Stellenwert beigemessen werden.
Vor allem in der Sportlehrerausbildung
und in der Fortbildung der Sportlehrkräfte könnten neue Akzente
in einer intensiven Kooperation mit dem NLV gesetzt werden. Der Verband
bietet seine Erfahrungen bei altersgerechten und zielgruppenorientierten
Aktionen wie "Fun in athletics" an, unterstützt Schulen bei der Durchführung
witziger und spannender Sportfeste und stellt einen Pool an Referentinnen
und Referenten zur Verfügung, die in Fortbildungen eingesetzt werden
können.
In Niedersachsen laufen bereits
verschiedene erfolgreiche Kooperationen, so z. B. an den Hochschulstandorten
Oldenburg, Hannover und Osnabrück. Das Niedersächsische Kultusministerium
verwies in diesem Zusammenhang auf die stark nachgefragte Broschüre
"Sportunterricht in Bewegung: 222 Ideen und Anregungen für die Klassen
1-6", die im Buchhandel erhältlich ist. Klaus Jakobs, Präsidiumsbeauftragter
des NLV, unterstrich, dass der Sportunterricht an Schulen wieder stärker
die Kinder auffordern müsse, sich zu bewegen. Attraktive Sport- und
Spielgeräte könnten dabei motivieren. "Kinder und Jugendliche
sind laufend unterwegs. Wir wollen sie dabei unterstützen und durch
verstärkte Kooperation zwischen Hochschule, Verband und Schulbehörden
für mehr Bewegung an den Schulen sorgen!", lautete das gemeinsame
Fazit.
Südkurier 16.7. 2003
Judo-Unterricht hält
Einzug in den Schulsport
Pilotprojekt an der Pestalozzi-Hauptschule
soll auch soziale Werte vermitteln
Friedrichshafen - Als erste
Schule im Bodenseekreis wagte sich die Pestalozzi-Hauptschule in Friedrichshafen
an das Experiment "Judo als Schulsport". 35 Kinder und Jugendliche lernen
seit Herbst 2002 im Sportunterricht unter Anleitung ihrer beiden Trainer
Claudia Colas und Hans Peter Heilig Judo.
Ein großes Augenmerk
wird dabei, neben dem sportlichen Aspekt, von beiden Trainern auf die Vermittlung
judospezifischer Werte gelegt. Denn Judo ist nicht nur eine Kampfkunst,
sondern auch eine Lebensphilosophie. Werte wie Freundschaft, Hilfsbereitschaft,
Respekt, Disziplin und Bescheidenheit, um nur einige zu nennen, werden
den Schülern erklärt und vermittelt, um ihnen richtungsweisende
Anhaltspunkte für soziales Verhalten zu geben. Keine andere Sportart
sei laut Heilig hierfür prädestinierter als Judo, in der eine
Vielzahl philosophischer Betrachtungen fernöstlicher Denkensweise
verankert sind. Allein die der Ausübung dieses Sports zugrundeliegenden
Zeremonien, wie das Verbeugen vor dem Gegner als Zeichen des gegenseitigen
Respekts und der Ehrerbietung machen diese Sportart so einzigartig und
erzieherisch wertvoll.
Dennoch wird im Dojo der
Bodenseesporthalle aber auch geschwitzt. Hauptaugenmerk beim Vermitteln
der Würfe, Hebel, Halte- und Würgegriffe, wird von beiden Trainern
auf eine saubere und exakte Technik gelegt. Denn nur, wer seine Techniken
beherrscht, wird sich selbst damit zum Sieg führen. Dass dieses Konzept
aufgeht, haben Norman Ziemdorf, Dieter Ott und Ralf Würzebesser bewiesen,
die vor wenigen Tagen zusammen mit weiteren Prüflingen des Judo und
JuJutsu Clubs Friedrichshafen (ehemals VfB Friedrichshafen, Abteilung Judo)
die Prüfung zum 8. Kyu (weiß/gelber Gürtel) mit hervorragenden
Leistungen abschlossen.
In punkto "Judo als Schulsport"
und der damit verbundenen Gewaltprävention an Schulen gebe es, so
Heilig, einen bemerkenswerten Satz des Vaters des Judo, Jigoro Kano: "Auch
ein Weg von 1000 Meilen beginnt mit einem Schritt." Die Pestalozzi-Hauptschule
Friedrichshafen hat diesen ersten Schritt getan.
DSB-News 15.07.2003
Der
Deutsche Fußball-Bund animiert Schulen zur Fantasie
 |
|
In
das Projekt „Schulen zeigen Fantasie“ wird der Deutsche Fußball-Bund
(DFB) nach den Sommerferien bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006
rund 3,5 Millionen Euro investieren. Kinder und Jugendliche in Grundschulen
und weiterführenden Schulen sollen mit dieser Kampagne angeregt werden,
sich kreativ mit der WM auseinander zu setzen.
|
Neben
dem künstlerischen steht auch ein fußballerischer Wettbewerb
auf dem Programm.
Die
Besten werden mit Preisen rund um die WM ausgezeichnet.
WAZ
14.7. 2003
Eine
andere Sportstunde
Kung
Fu in der Schule
Wenn´s
um Selbstverteidigung geht, muss jeder Handgriff sitzen - doch manchmal
ist schon das Anpusten des Gegners die halbe Miete: Ein Crashkurs in Kung
Fu bringt einen zum Staunen, hier und da zum Lachen, aber ganz besonders
ins Schwitzen.
 |
. |
Wovon
sich die Schüler der Klasse 4a der Städtischen Evangelischen
Grundschule Neviges gestern überzeugen konnten. Statt Fußball
oder Turnen stand im Sportunterricht eine Einführung in fernöstliche
Kampfkunst auf dem Stundenplan. Thomas Malz, Inhaber einer Schule für
Shaolin-Kung Fu in Langenberg, fungierte als Lehrmeister.
|
"Ha!"
- Ein Schrei, der die Zehnjährigen zusammenzucken lässt. Malz
demonstriert lautstark, wie chinesische Kämpfer ihre Trainingseinheiten
geräuschvoll untermalen. Was aber hier, in der Turnhalle der Grundschule,
nicht zur Regel werden soll. Statt dessen gilt: "Richtig ausatmen!" Ein
Dampflok-artiges Schnaufen ertönt, als die zehn Mädchen und neun
Jungen zu einer Trockenübung übergehen: Nach links drehen, "wischen"
mit der linken Hand, fausten mit der rechten - teils recht flüssig,
teils noch ein wenig unkoordiniert, was die Schüler hier präsentieren.
Doch
bevor sie sich der Seele des Shaolin-Kung Fu nähern durften, mussten
sie erst ihre Körper in Form bringen. Denn Aufwärmübungen
sind auch beim "Ausrichten einer guten Arbeit" (denn nichts anderes bedeutet
"Kung Fu") unerlässlich: Vom Hüften kreisen lassen, das für
Kichern sorgt, bis zum Rumpfbeugen.
"Die
haben morgen alle Muskelkater", kommentiert Sportlehrerin Karin Gockeln-Lenga
lachend die Bemühungen ihrer Schützlinge. "Die neuen Sport-Richtlinien
sehen auch Kämpfen und Ringen vor", erklärt die Pädagogin.
Weshalb es interessant sei, mal in solch eine Kampfsportart reinschnuppern
zu können.
Kampf
hin oder her - am besten, es kommt gar nicht erst dazu: Kung Fu dient allein
der Abwehr von tätlichen Angriffen, niemals offensiver Gewalt, was
Malz mit Assistentin Sarah, die seit zwei Jahren seine Schule besucht,
demonstriert: Etwa mittels eines Zeitlupen-Tritts vors Schienbein. "Aber
das tut doch weh!": Eine Mischung aus Staunen und Protest regt sich bei
den Viertklässlern. Manchmal, erklärt Malz hinzu, reiche es schon,
dem Gegner ins Gesicht zu pusten, um ihn aus dem Konzept zu bringen. Und
ihn dann mit ein paar anderen Griffen und Kniffen zur Räson zu bringen.
Eine
etwas andere Sportstunde also, die für die Grundschüler keine
Eintagsfliege bleiben soll.
Gießener Anzeiger 14.7.
2003
Frühe Förderung
enorm wichtig
„Mehr Bewegung für
Kinder“ in Grünberg:
Viele Mitmachangebote
– Ertragreiche Diskussionen – Faktor Spaß entscheidet
GRÜNBERG „Mehr
Bewegung für Kinder“: Unter diesem Motto stand am Wochenende in Grünberg
zum vierten Mal ein regionaler Aktionstag zur Förderung von Sport
und Bewegung bei Jugendlichen. Diesmal beschränkten sich die Veranstalter
nicht allein auf kluge Fachreferate hinter verschlossenen Türen, sondern
praktizierten Bürgernähe: Sie boten außer Vorträgen
im Barfüßer-Kloster und in der Theo-Koch-Schule auch Aktionen
vor dem Grünberger Rathaus und Mitmachangebote in der Sporthalle.
Veranstalter waren das Bildungswerk
des Landessportbundes Hessen und der Sportkreis Gießen. „Auch wenn
sich eine positive Entwicklung abzuzeichnen beginnt, muss gegen das Bewegungsdefizit
der Kinder dringend etwas unternommen werden. Am besten sollte man diese
Problematik mit vereinten Kräften von Eltern, Sportvereinen, Erziehern
und Schulsportlehrern angehen“, sagte die Leiterin des Bildungswerks, Sabine
Roth. Die Folgen von Bewegungsmangel klingen wie eine volksgesundheitliche
Katastrophe: Jedes fünfte Kind ist übergewichtig, ein Drittel
hat Haltungsschäden und ein weiteres Drittel psychomotorische Störungen.
Dazu kommen Kreislaufprobleme, Muskelschwäche, Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung,
fehlende Sinnesschulung und Unfähigkeit, mit sozialen Konflikten umzugehen.
Auf Gymnastikbällen
sitzend, sprachen Sabine Roth sowie Bildungswerk-Referent Frank Obst-Kitzmüller,
Sportkreis-Vorsitzender Heinz Zielinski, Sportpsychologe Jörn Munzert
(Universität Gießen) und Bürgermeisterkandidat Klaus Peter
Kreuder (zugleich Leiter der Basketballabteilung beim TSV-Grünberg)
über die vielfältigen Probleme und deren mögliche Lösungen.
Es sei sehr schade, dass man sich mit diesen Fragen beschäftigen müsse,
da es doch eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass die Kinder
sich bewegen, austoben und miteinander spielen, stellten die Diskussionspartner
fest. Übereinstimmend wurde dann die Lösung für die Verbesserung
der Situation gefunden: Frühe und qualifizierte Bewegungsförderung
noch im Vorschulalter solle den Kindern zu den „motorischen Basiskompetenzen“
verhelfen.
Obst-Kitzmüller erklärte,
„die motorische Entwicklung eines Kindes beginnt direkt nach der Geburt
und nicht irgendwann im Sportunterricht der Grundschule“. Schon im zehnjährigen
Alter sei es sehr schwierig,die Bewegungskompetenz nachzuholen, die in
der frühen Kindheit nicht ausreichend gefördert wurde. Einig
waren sich die Diskussionsteilnehmer auch darüber, dass die Kinder
eine andere Sicht auf sportliche Betätigung haben als die Erwachsenen.
„Einem sechsjährigen Kind könne man nicht erzählen, es solle
Sport treiben, um gesund zu bleiben“, sagte Munzert. „Kinder wollen schlicht
Spaß an ihrer Bewegung haben.“ Zum Abschluss des Gesprächs,
dem fast ausschließlich weibliche Zuschauer die Aufmerksamkeit schenkten,
bilanzierte Zielinski: „Bewegung ist das Tor für die allgemeine Entwicklung
der Kinder, alles andere kommt von selbst.“ Sport und Bewegung seien deshalb
„viel wichtiger als Englisch oder Mathe“. Zum Glück bessere sich die
Situation zunehmend, „solche Aktionstage tragen unumstritten dazu bei“,
so Zielinski...
Gießener Anzeiger 14.7.
2003
Bewegungsmangel ist auch
schuld an Unfällen
Erfahrener Motopädagoge
Jonny Kiphard zu Gast in Grünberg
GRÜNBERG (jr). Es gibt
Kinder, die können keinen Purzelbaum schlagen. Andere wissen nicht,
wie sie sich auf eine Schaukel zu setzen haben oder wie sie ihren Körper
auf einen Schlitten oder Rollwagen legen sollen. „Ganz selbstverständliche
Bewegungsabläufe können manche Kinder heute nicht mehr ausführen“,
bedauerte Ernst Jonny Kiphard. Der 80-jährige emeritierte Professor
des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Frankfurt
war am Wochenende „Stargast“ des 4. Aktionstages „Mehr Bewegung für
Kinder“ in Grünberg.
Kiphard, früher auch
Akrobat, Artist und Zauberer, referierte vor rund 50 Erziehern, Pädagogen
und Sportübungsleitern in der Halle der Theo-Koch-Schule und ließ
zur Begrüßung der Zuhörer ein Papiertaschentuch in seiner
Hand verschwinden, um es aus dem Mund wieder hervorzuholen.
Danach benutzte er allerdings
seinen Mund zum Reden – langsam und bedächtig, mit seinem weißen
Haar beinahe an den Zauberer Gandalf aus dem „Herrn der Ringe“ erinnernd.
Kiphard, Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, wurde nicht müde,
Freude und Humor als die beiden wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiches
(Bewegungs-) Lernen in den Vordergrund zu stellen. „Wer fröhlich ist,
lernt besser.“ Und: „Wer sich nicht mehr für etwas begeistern kann,
dessen Seele bekommt Runzeln“, zitierte er Albert Schweitzer. Kiphard bemängelte,
dass Bewegung bei vielen jungen Menschen zu sehr vernachlässigt wird:
„Dies ist ein Jammer, denn sie ist der Motor für die Gesamtentwicklung.“
Für einige Menschen im Büro sei schon das Herumrollen auf ihren
Schreibtischstühlen die einzige Bewegung. So verwundere es nicht,
dass viele Unfälle – auch schon im Kindergarten- auf einen Mangel
an Bewegungserfahrung zurückzuführen seien.
In der anschließenden
Diskussion betonte die Vorsitzende des Landeselternbeirats Hessen, Sibylle
Goldacker, die wichtige Bedeutung des Schulsports für das Lernen:
„Bewegung und Sport machen den Kopf frei, und nur in einen freien Kopf
bekommt man etwas hinein.“ Lehrer Karl-Heinz Schneider, an dessen Friedrich-Ebert-Schule
seit zwölf Jahren schon das Projekt „Täglicher Sportunterricht
für alle Schüler“ läuft, berichtete, dass seine Schüler
alle gerne in die Schule gehen und sie trotz des im Stundenplan von Fächern
wie Deutsch oder Sachkunde „abgezwackten“ Sportunterrichts nicht leistungsschwächer
seien als Schüler anderer Schulen. Sabine Roth versicherte als Geschäftsführerin
des Bildungswerkes des Landessportbundes Hessen, dass ihre Institution
in Sachen Schulung und Weiterbildung alles tun werde, um Pädagogen,
Übungsleitern und Erziehern gute Instrumente an die Hand zu geben,
von denen Kinder beim Sport- und Bewegungsunterricht profitieren könnten.
Gießener Anzeiger 12.7.
2003
Aktionswoche Schulsport
in Grünberg gestartet
Gute Laune
GRÜNBERG Ein herrliches
Bild bot sich bei strahlend blauem Wetter auf dem Schulhof der Theo-Koch-Schule
in Grünberg: Pünktlich um 10 Uhr stiegen 16 Brieftauben sowie
über 100 bunte Luftballons in den Himmel und bildeten farbig-bewegte
Tupfer vor dem leuchtenden Horizont.
Es war der offizielle Startschuss
zur „Aktionswoche Schulsport in Hessen“, die nun für die nächsten
sieben Tage die Schülerinnen und Schüler der Gallusstadt in Atem
halten wird. Die Kinder waren naturgemäß schon seit dem frühen
Morgen bester Laune, denn für sie fällt nun der normale „Büffelstress“
bis zu den Sommerferien flach. Stattdessen stehen Sport und Bewegung im
Mittelpunkt. „Das ist viel besser als Unterricht und macht viel Spaß“,
freute sich der 16-jährige Jonas. Die 15-jährige Nina pflichtet
ihm bei: „Die Sportwoche ist eine coole Aktion, die könnte von mir
aus öfters im Jahr stattfinden.“ Viele Workshopangebote,von Akrobatik,
Reiten, Golf, Tanz, Streetball, Tennis, Inlinern und Turm- und Wasserspringen
sorgen in den kommenden Tagen für Spaß und Kurzweil. Auch Spiel,
Musik und Tanz wird geboten, da auch musische und künstlerische Begabung
bei den Schülern gefördert werden soll.
Den Bogen zurück zum
Unterricht spann dann Landrat Willi Marx in seiner Begrüßungsansprache:
„Wenn Sport in der Schule richtig Spaß macht, macht gelegentlich
sogar Mathe Spaß“, erklärte er den Schülern. Neben Marx
wohnten auch Grünbergs Bürgermeister Siegbert Damaschke, die
erste Vorsitzende des TSV Grünberg, Ursel Repp, Schulleiter Herbert
Stündl und der Abteilungsleiter im Kultusministerium, Jürgen
Will, der Eröffnungszeremonie bei.
„Die Aktionswoche soll die
Schüler zum Sport motivieren und Schwung auch auf andere Landkreise
übertragen“, formulierte Will die Ziele der Aktion, für die Kultusministerin
Karin Wolff und Landessportbund-Präsident Rolf Müller die Schirmherrschaft
übernommen haben. In den letzten beiden Jahren wurde die Aktionswoche
Schulsport bereits mit gutem Erfolg in Rheinland-Pfalz und in Brandenburg
durchgeführt.
Erlanger Nachrichten 12.7.
2003
Schulsportfeste sollen
moderner und attraktiver werden
Freude am Schulsport
„Fitteste Schulklasse“
— Konzept zweier Erlanger Sportlehrer
Allen Widrigkeiten zum Trotz
— wie Kürzung des Unterrichtsumfangs oder der allgemein um sich greifenden
Bewegungs-Müdigkeit — versuchen manche Sportlehrer, den Schulsport
moderner und attraktiver zu gestalten. Aktuelle Beispiele sind die alljährlichen
Sportfeste der Schulen.
An der Werner-von-Siemens-Realschule
Erlangen erprobt und nächste Woche auf einem Multiplikatoren-Lehrgang
vorgestellt wird das Konzept der „fittesten Schulklasse“, wobei das Schulsportfest
unter dem Motto „bewegte, sportliche Schule“ steht. Bei einem Spielefest
wird dabei in Form eines Klassenwettbewerbs die sportlichste Schulklasse
herausgefunden.
„Es handelt sich um den Versuch“,
erläutert Harald David, „Wettkampf, Leistung und spielerische Elemente
in der Leichtathletik miteinander zu einem für alle Schülerinnen,
Schüler, Eltern und Lehrkräfte attraktiven Bewegungserlebnis
zu verbinden.“ Die Sportlehrer Harald David (zuständig für die
Realschulen), und Friedhelm Elias (Grund- und Hauptschulen) haben die Idee
entwickelt und ausgebaut; sie hoffen, nun auch die Gymnasien begeistern
zu können. Grundidee ist, den üblichen Leichtathletik-Dreikampf
— in der Praxis ein fünfstündiges Herumstehen für drei Disziplinen
— innerhalb der Schulsportfeste zu ersetzen durch eine Sport- und Spielstunde
ohne Stillstand. „Es geht um kooperieren, es geht um Mannschaftsgeist“,
erklärt David. „Und darum, auch sportlich Schwächere voll einzubinden,
ihnen Spaß und Freude an der körperlichen Betätigung zu
vermitteln.“
Die gesamte Klasse, unterstützt
von Eltern und Lehrern, bildet eine Mannschaft. Jeder kann seine Übungsstationen
frei wählen und trägt zum Gesamtklassenergebnis aktiv bei. Denn
in der festgelegten Zeit sollen verschiedene Aufgaben an zwanzig Lauf-,
Sprung-, Bewegungs- und Geschicklichkeitsstationen bewältigt sowie
damit die Belohnung — so viele Chips wie möglich — für die Klasse
gesammelt werden.
Für ein abgerundetes
Programm beim WvS-Schulfest sorgten die Schulband, ein Streetsoccer-Turnier,
einige „Bewegungskünstler“, Verköstigung durch den Elternbeirat
und natürlich die Siegerehrung.
„Voll gelungen“ sei der Versuch,
bilanziert David. Denn die Teilnahme sei „äußerst rege und engagiert“
gewesen und die Resonanz aller Beteiligten positiv.
Westfalenpost
12.7.2003
Festival
des Sports
"Das müsste es häufiger
geben"
Sundern.
"Ein bisschen wackelig war es schon"" meinte der 13- jährige Christopher,
als er von Bord der St. Christina stieg. Zusammen mit drei Klassenkameraden
nutzte der Schüler der Klasse 7 a des Städtischen Gymnasiums
Sundern die Chance beim gestrigen "Festival des Sports"" um einmal Segeln
auszuprobieren.
Auf
dem Wasser war er noch nie in seinem Leben, aber zusammen mit Ernst Stiefele
vom Kanu- und Segelclub Hemer (KSCH) haben die jungen Leute bleibende Erinnerungen
gesammelt. "Wir mussten Segel setzen, und auf dem See durfte ich an die
Pinne", so Christopher. Auch, "was vom Wind abfallen" ist, konnte er anschließend
gut erläutern.
Ein
Ziel, das das Schulsport-Festival sich gesetzt hatte: "Wir wollen Kinder
und Jugendliche an den Sport heranbringen, ihnen zeigen, wie schön
und spannend Sport sein kann", so Michael Heise, Pressesprecher des Landessportbundes
(LSB). Gelegenheit dazu hatten die fast 4500 Schüler aller Sunderner
Schulen ausreichend.
Besonderen
Spaß machte den meisten Schülern das Acro-Bunjee: Eine neue
gemäßigte Form des Bunjee-Jumpens, bei dem sowohl hohe Sprünge
als auch Überschläge möglich sind. "Eine super Sache", freut
sich der neunjährige Christian von der Grundschule Stockum. "Das müsste
es häufiger geben."
Begeistert
zeigte sich auch Marika: Die 13-Jährige hatte mit Eispickeln in der
Hand und Pickelschuhen den Eisberg erklommen. Auch für die beiden
15-Jährigen Lucas und Mike war das Eisberg-Klettern ein Erlebnis:
"Es war unsere erste Aktivität, aber es hat richtig Spaß gemacht.
Besonders im steilsten Teil wird es anstrengend", erzählt Lucas nach
dem schweißtreibenden Gang auf die fast 10 Meter hohe Wand, die natürlich
nicht aus Eis, sondern aus einem hochmodernen Material aus dem Isolationsbau
stammt. Die Eispickel bleiben darin feststecken, die Schüler sind
noch per Gurt und Seil gesichert.
Anschließend
zog es die beiden Freunde zum Abschlag beim Golfsport Sorpesee. Doch der
Weg ist weit dorthin, denn auf der gesperrten Straße am Sorpesee
vergnügen sich die Schüler bei den unterschiedlichsten Aktivitäten:
Vom Seilchenspringen, Einradfahren, Tauziehen, Frisbee über Hullahopp
gibt es zig Möglichkeiten, neue Sportarten auszuprobieren.
Der
1. Badminton Club Sorpesee hat die Straße zu einem riesigen Spielfeld
umfunktioniert. Daneben spielen spontan gebildete Teams im Street- Soccer-Käfig
gegeneinander. Und am Tischtennis-Mobil kann man sich an ungewöhnlichen
Geräten erproben: Entweder ist der Tisch ganz klein oder aber der
Schläger ist ganz lang. Erfahrene Cracks können sich von der
Ball-Kanone im Rückschlag testen lassen.
Am
heutigen Samstag wird das Festival des Sports in der Fußgängerzone
Sundern fortgesetzt. Dann stellen sich neben den Höhepunkten Bob,
Acro-Bungee und Eisklettern mehr als 30 Sportvereine aus dem Sauerland
vor. Am morgigen Sonntag findet das Festival in der Willi-Weyer-Sportschule
in Hachen seinen Abschluss und Höhepunkt. Beginn ist dann um 10 Uhr
mit einem Feldgottesdienst, bevor neue und junge Sportarten wie etwa Speedminton
oder Climbing erlebt, erklärt und erprobt werden können. Nähere
Informationen unter
Wiesbadener Kurier 10.7.
2003
Bunte Bändchen für
schnelle Läufer
4 000 Schüler beim
Sponsorenrennen
Laufen für behinderte
Kinder: 4 000 Schülerinnen und Schüler waren beim Sponsorenlauf
dabei.
Wiesbaden. Sponsorenlauf:
Wer sich bei diesem Begriff vorstellt, dass schon etwas ältere honorige
Herrschaften in Schlips und Kragen schwitzend auf dem Sportplatz ihre Runden
drehen, der irrt. Der wirkliche Wiesbadener Sponsorenlauf zugunsten behinderter
Kinder brachte gestern 4 000 Schülerinnen und Schüler fast aller
Altersstufen auf die Beine.
10.30 Uhr, vor den Rhein-Main-Hallen:
Der vierte Lauf beginnt. 450 Grundschüler rennen johlend los. 800
Meter hat eine Runde, die Friedrich-Ebert-Allee hinunter in Richtung Bahnhof
und auf der anderen Seite wieder zurück. Je mehr Runden die Kinder
schaffen, desto tiefer müssen die Sponsoren - Eltern, Freunde und
Bekannte - ins Portemonnaie greifen.
Die Jungen und Mädchen
hatten sich in den letzten Tagen und Wochen ihre Förderer ausgesucht
und mit ihnen einen individuellen "Rundenpreis" ausgemacht - in der Regel
zwischen zwei und fünf Euro. Beim ersten Wiesbadener Sponsorenlauf
vor zwei Jahren waren sage und schreibe 375 000 Mark "erlaufen" worden,
berichtet Jürgen Gräber, Schulsportreferent der Stadt Wiesbaden.
Wieviel Geld in diesem Jahr
zusammenkommt, steht erst in zehn Tagen fest. Denn die Kinder müssen
jetzt zunächst mal das Geld bei ihren Sponsoren eintreiben. Für
Tristan (10) aus der 4 b der Delkenheimer Karl-Gärtner-Schule wird
es besonders viel Arbeit geben: er hat 34
Erlös für behinderte
Kinder
Profitieren wird davon die
Lebenshilfe: Der gesamte Erlös des Sponsorenlaufs, der zum Programm
der Fun-Sport-Tage gehört, kommt dieser Organisation zugute, die behinderte
Kinder unterstützt.
Die 450 Läuferinnen
und Läufer haben inzwischen die erste Runde geschafft, das Feld ist
schon ziemlich auseinandergezogen. Einige gehen zwischendurch ein Stück.
Dürfen sie, meint Gräber, Hauptsache sie drehen ihre Runde. Streckenposten
wachen darüber, dass die Kinder nicht mogeln und keine Abkürzung
über den Mittelstreifen der Ebert-Allee nehmen. Nach jeder geschafften
Runde gibt es ein buntes Bändchen. Am Ende wird gezählt.
Die 4 b aus Delkenheim ist
zufrieden. Einige haben drei Runden geschafft, die meisten aber vier. Kira
(10) auch. Spaß hat es gemacht, aber es war "voll anstrengend, voll
heiß". Daher sind sie und ihre Freundinnen unterwegs auch mal ein
bisschen gegangen - "aber nur ein kleines bisschen", versichert sie.
Der Sponsorenlauf der Schulkinder,
betont Organisator Gräber, ist mehr als ein Event, auch mehr als eine
Spendensammel-Aktion. Er ist eine Botschaft an die Kinder. Die sollen wissen,
dass es Jungen und Mädchen gibt, denen es nicht so gut geht. Und sie
sollen wissen, dass sie den behinderten Kindern helfen können. Auch
das kann Spaß machen.
Nürnberger Nachrichten
3.7. 2003
DSB-Präsident beklagt
Bewegungsarmut von Kindern
Die zunehmende Bewegungsarmut
von Kindern bereitet Fachleuten große Sorge: Der Präsident des
Deutschen Sportbunds (DSB), Manfred von Richthofen beobachtet an Schulen
„beklagenswerte Zustände“ und fürchtet gar um die Zukunft des
Leistungssports. Der DSB wolle mit einer Untersuchung über tatsächlich
abgehaltene Sportstunden an den Schulen „Druck machen“, dass Sportstunden
wieder planmäßig stattfinden.
Dass der Sportunterricht
oftmals zu kurz kommt, ist auch für den Nürnberger Schul-Sportbeauftragten,
Thomas Burger, eine Besorgnis erregende Entwicklung. Übergewicht,
Koordinationsstörungen und Rückenprobleme bei Kindern seien die
Folge. Die Stadt unterstütze deshalb das bayernweite
Aktionsbündnis für Schulsport, damit der Stellenwert des
Sportunterrichts an den Schulen wieder steige.
Sindelfinger-Böblinger
Zeitung 2.7. 2003
Podiumsdiskussion zur
Bedeutung von Bewegung für Kinder
Bewegung ist gut für
den Geist
"Wer sich nicht bewegt,
bleibt sitzen". Bewusst provokant hatte die Leiterin der Eichholzschule,
Barbara Knöbl, den als sicher geltenden Zusammenhang von körperlicher
und geistiger Leistung ausgedrückt. Ein direkter wissenschaftlicher
Beweis für diese These lässt sich nicht führen. Studien
haben allerdings belegt, dass körperliche Bewegung die geistige Entwicklung
verbessern kann.
"Fördert man Bewegung,
fördert man Intelligenz." Mit der Bewegungsarmut ist es wie mit dem
Rauchen. Die Folgen machen sich erst spät bemerkbar. Dann treten sie
als die so genannten Volkskrankheiten auf. Eine Veranstaltung in der Grund-
und Hauptschule Eichholz hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Eltern und
Lehrer zu motivieren, etwas gegen die Bewegungsarmut ihrer Kinder zu tun.
Gegenüber früher fallen immer häufiger Kinder auf, die aktiv,
ja hyperaktiv wirken, aber zum Beispiel Schwierigkeiten haben, auf einem
Bein zu hüpfen, rückwärts zu gehen, freihand ein Quadrat
zu zeichnen oder koordiniert im Kreis herum zu laufen.
16 Prozent mit Übergewicht
Etwa 16 Prozent aller Kinder
im Vorschul-, Grund- und Hauptschulalter leiden unter Übergewicht.
Bereits in so frühen Jahren werden die Ursachen für die späteren
Krankheiten der Gefäße und der Wirbelsäule gelegt. Bei
der Reduzierung des Übergewichts scheint Bewegung eine ebenso große
Rolle zu spielen wie die Essgewohnheit. Eine Untersuchung hat herausgefunden,
dass Kinder in diesem Alter im Durchschnitt am Tag etwa 23 Stunden liegen,
sitzen, stehen, sich aber nur eine Stunde bewegen. Die Folge davon ist
ein bemerkenswerter Leistungsabfall, den eine andere Studie auch in Zahlen
ausdrückt. Von 1976 bis 1996 hat die körperliche Leistungsfähigkeit
der Kinder um etwa 14 Prozent abgenommen. Insgesamt belegen alle Untersuchungen
den inneren Zusammenhang von sportlicher Aktivität, geistiger Entwicklung,
Gefühlsentwicklung und sozialer Entwicklung.
Der Diplom-Psychologe Julius
Kraus vom Landratsamt Böblingen versuchte die Hintergründe für
diese Defizite zu erhellen. Die Macht der Medien, die die Kinder passiv
an die Bildschirme fesselt, eine kinderfeindliche Umwelt und die Eltern
und Erzieher haben Teil an der Verantwortlichkeit für diesen Besorgnis
erregenden Zustand. Eigene Erfahrungen der Elterngeneration, wohl hauptsächlich
Frustrationen beim damaligen Schulsport, haben bei vielen eine Abneigung
gegen Leistungs- und Wettkampf orientierten Sport bewirkt. Diese negative
Einstellung beeinflusst auch die Kinder.
Dietrich Duncker, Diplom
Sportpädagoge der AOK, zeigte eindrucksvolle Beispiele für die
innige Verbindung von Sport und Spiel. Kleine Spiele in einer Gruppe, vorzugsweise
in freier Natur und ohne Leistungsdruck, wirken in idealer Weise auf das
Verhalten der Kinder. Ein Kind sollte die Erfahrung machen können,
dass es unabhängig von seiner Leistung geschätzt und akzeptiert
wird. Hier könnten Ausdrucksspiele ansetzen. Mit wenigen Utensilien
lassen sich für Kinder Situationen schaffen, die sie zu komplexen
Bewegungen anregen. Mit Stäben einen Luftballon dirigieren, ein Bettlaken
und mehrere Bälle zu einem Geschicklichkeitsspiel umfunktionieren
oder Spiele zur Körperwahrnehmung - Kinder entwickeln hierbei eine
eigene Kreativität.
Im Alter von zehn bis zwölf
Jahren käme eine Bewegungsförderung schon fast zu spät.
Die Schulleiterin, Barbara Knöbl, und AOK-Sportpädagoge, Dietrich
Duncker, kamen am Ende der Veranstaltung deshalb überein, an der Eichholzschule
für auffällige Kinder einen Förderkurs einzurichten. Erfahrene
Kursleiter des VfL-Sindelfingen haben ihre Mitarbeit signalisiert. Voraussichtlich
werden die Kurse im Herbst beginnen.
Auswirkungen
von Sport und Bewegung aufs Gehirn
Frankfurter Rundschau 2.7.
2003
Coole Kletterer und lange
Schlangen
Beim Abschluss-Fest des
Schulsport-Wettbewerbs war sogar das Zuschauen spannend
FRANKFURT A. M. Nein, so
hatte sich Alina das Ganze wirklich nicht vorgestellt. Nicht so laut, nicht
so bunt, nicht so schrill und vor allem nicht so groß. "Das ist ja
ein riesiger Sportplatz. Und so viele Spielstationen", äußerte
sich die Neunjährige positiv überrascht. Ins Staunen über
die Vielfalt der Möglichkeiten kam am gestrigen Dienstag aber nicht
nur Alina, die zum ersten Mal beim großen Abschluss-Spielfest des
Schulsport-Wettbewerbs unter der Patenschaft der Frankfurter Sparkasse
und der Frankfurter Rundschau dabei sein durfte. Restlos begeistert
waren auch die anderen Schüler und Schülerinnen aus insgesamt
54 Frankfurter Schulen, die in den vergangenen Wochen die 100 Felder ihrer
Trimmspiralen ausgefüllt hatten. 2500 von ihnen durften auf dem Sportplatz
der Philipp-Holzmann-Schule dabei sein, wo das Team vom Abenteuerspielplatz
Riederwald wieder ein tolles Programm zusammengestellt hatte, das keine
Wünsche offen ließ.
An 20 Spielstationen konnten
sich die Jungen und Mädchen austoben, und für einige brauchte
es schon eine gehörige Portion Courage. Wer etwa den Kletterturm erklimmen
wollte, musste nicht nur mutig, sondern auch schwindelfrei sein. Schließlich
sind sechs Meter Höhe kein Pappenstiel, und so kam auch Katherina
ziemlich ins Schwitzen bei ihrem Ausflug in luftige Höhen. "Ich habe
es bis ganz oben geschafft", berichtete die Zehnjährige hinterher
stolz. Der Kletterturm, den die Kinder - mittels Gurten selbstverständlich
gut abgesichert - zum ersten Mal überhaupt beim Spielfest erklimmen
durften, war dann auch eine der beliebtesten Stationen, vor der sich entsprechend
schnell eine lange Schlange wagemutiger Mädchen und Jungen bildete.
Doch auch um auf dem elektrischen
Bullen reiten zu können, bedurfte es einiger Geduld. Schließlich
zählte der schon im vergangenen Jahr zu den Favoriten der Kinder,
und auch gestern wollten viele einen Ritt wagen. Wem es allerdings zu langweilig
in der Schlange wurde, der machte auch schon mal einen Abstecher zur Schokokussschleuder,
der Riesenmurmelbahn oder übte sich im Werkzelt beim Hämmern,
Sägen oder Basteln. So wie Jil, die sich vorher schon am Kletterturm
versucht hatte und nun mit Nägeln und Garn ihr eigenes kleines Kunstwerk
entwerfen wollte. "Eigentlich gefällt mir hier alles ganz gut", sagte
die Zehnjährige, "nur das Anstellen in der Reihe ist echt bescheuert."
Das Einreihen in die Warteschlange
gehört allerdings seit jeher zum Spielfest dazu, schließlich
wollten auch gestern alle Kinder und zwar am liebsten sofort in die Kletterlandschaft
eintauchen, sich im Sackhüpfen messen oder auf den riesigen Luftkissen
toben. Geduld brauchten sie zwar auch, wenn sie zum Kistenklettern wollten.
Hatten sie dann aber endlich ihren eigenen Turm aus Flaschenbehältern
gebaut, war die Zeit in der Schlange schnell vergessen.
Ohnehin konnte das Zuschauen
auch ganz spannend sein, vor allem dann, wenn jemand wie Janika gerade
mal eben ganze 15 Kisten locker aufeinander gestapelt hatte und sich dazu
noch ziemlich stabil auf dem wackeligen Turm hielt. "Das ist cool, wie
die da oben hängt", fand Michael, der sich auch von Janikas Abgang
beeindruckt zeigte, jenem Moment also, in dem der Kistenstapel sich zur
Seite neigte und die Neunjährige am Sicherungsseil wieder herunter
auf den Boden gelassen wurde. "Ich habe ganz doll gezittert und war sehr
aufgeregt", erzählte Janika, als sie wieder festen Boden unter den
Füßen hatte, "aber ich wollte unbedingt so hoch wie möglich
hinaus."
Wem die Luft dort oben ein
wenig zu dünn war, der durfte auch auf der Erde bleiben und sich und
andere am Wasserspielmobil so richtig nass machen, auf den Rollenrutschen
den Wind um die Nase wehen lassen oder sich im Schminkzelt in Spiderman,
eine Eisprinzessin oder einen Tiger verwandeln. Und wer bei all dem Durst
bekam, konnte diesen am Rosbacher-Stand löschen.
Umlagert war auch der Stand
der Basketballer der Opel Skyliners, an dem Alex King und Roger Sieger
fleißig Autogramme schrieben. Auch wenn nicht jedes Kind ganz genau
wusste, wessen Unterschrift es sich da gerade hatte geben lassen. "Irgendein
Fußballer", wie ein Mädchen ihrer Freundin versuchte zu erklären,
war es jedenfalls nicht.
Sehr kurzfristig abgesagt
hatte dagegen die Frankfurt Galaxy, weshalb zum ersten Mal seit Jahren
kein Lederei beim Spielfest flog. Premiere feierte dafür eine Fortbildungsveranstaltung
für Lehrer, die die Frankfurter Sport-Universität am Rande des
Spielfestes anbot...
Westfalenpost 27.6.2003
Mit Sport fällt das
Lernen von Rechnen und Lesen leichter
Mehr als 30 Kinder bei
Gemeinschaftsaktion von Skiclub und Grundschule Wunderthausen
"Besser
lernen durch Sport" hieß es jetzt bei einer Gemeinschaftsaktion des
Skiclubs und der Grundschule Wunderthausen.
Als
mittlerweile wissenschaftlich erwiesen gilt, dass das Erlernen von Lesen
und Rechnen sportlich aktiven Kindern wesentlich leichter fällt. Vor
allem kann der Sport helfen, motorische Defizite nachhaltig zu beseitigen.
Praktisch umgesetzt werden diese Erkenntnisse in der Grundschule mit dem
Inkrafttreten des neuen Lehrplanes für den Sport am 1. Februar 2000.
Die
Wahrnehmungsfähigkeit ist für die Entwicklung und das Lernen
im Kindes- und Jugendalter grundlegend. Bewegungsaufgaben, die z.B. Anforderungen
an Gleichgewichts- und Spannungsregulierung, Auge-Hand-Koordination und
räumliches Sehen stellen, sind daher unverzichtbare Elemente im Schulsport.
Geschicklichkeit,
Ausdauer und Beweglichkeit spielerisch zu trainieren war auch das Ziel
des Skiclubs Wunderthausen, der in Zusammenarbeit mit der Grundschule Wunderthausen
zu einem Schnuppertag im Rahmen der Talentförderung des Landessportbundes
NRW am Fronleichnamstag eingeladen hatte. Mehr als 30 Kinder nutzten das
Angebot und versuchten sich unter fachkundiger Anleitung vieler Vereinsmitglieder
auf Skirollern, Pedalos und Inlinern.
Tatkräftig
unterstützt wurde der Skiclub von Grundschullehrer Rolf Stremmel.
Zudem konnten die Sporthalle und der geräumige Schulhof für sportliche
Aktivitäten in Anspruch genommen werden.
Stelzenlaufen,
Wettrennen und Ballspiele standen ebenfalls auf dem Programm, das von den
Kindern ausnahmslos begeistert angenommen wurde. Hier wurde deutlich, dass
es für die Kinder in der Regel Ansporn genug ist, aktiv Sport zu treiben,
wenn sie mit ihresgleichen zusammen trainieren können und spielerisch
dazu ermuntert werden.
Beim
gemeinsamen Mittagessen konnten wieder Kräfte gesammelt werden für
weitere Spiele. Am Nachmittag erfreuten sich die selbst gebackenen Waffeln
großen Absatzes. Krönender Abschluss der Veranstaltung war die
Verleihung der Urkunden, die an alle jungen Teilnehmer vergeben wurden.
Für viele Kinder stand schon fest, dass sie der Einladung des Skiclubs
zum Zeltlager am 2. und 3. August auf jeden Fall folgen werden.
Nordkurier 26. Juni 2003
Im Zirkus lernen Kinder
den Körper beherrschen
Projekt an der Wallmower
Dorfschule läuft bald ein Jahr
Wallmow. Kann jeder ein Clown
sein? Was muss ein Clown können? Nur rumblödeln? Und ist das
wirklich schon lustig?
Die Mädchen und Jungen
aus der Wallmower Dorfschule wissen mittlerweile, dass hinter einem lustigen
Clown ganz ernste, harte Arbeit steckt. Schließlich können sie
aus nächster Nähe und auf Wunsch auch am eigenen Leibe erfahren,
was es bedeutet, so zu stolpern, dass sich das Publikum ausschüttet
vor Lachen und man sich selbst nicht dabei verletzt.
Denn seit Oktober vergangenen
Jahres ist ein Zirkus-Theater-Projekt in die freie Schule integriert. Die
freischaffende Schauspielerin Jana Frey, auch als Puppenspielerin in der
Uckermark bekannt, trainiert seither einmal in der Woche für zwei
Stunden mit 13 Kindern im Alter von 7 bis 12 Jahren.
"Teilweise nutzen wir auch
den Sportunterricht in der Turnhalle in Schmölln, um akrobatische
Übungen einzustudieren. Dreimal haben wir schon an den Wochenenden
Workshops mit Zirkuspädagogen aus Berlin durchgeführt, damit
alle Kinder die gleichen Grundlagen erlernen", berichtet die junge Mutter,
deren Sohn ebenfalls an der Wallmower Schule lernt und zum Beispiel gern
in die Rolle des Clowns schlüpft.
Trotzdem wird natürlich
nicht jedes Kind Clown und nicht jedes einmal auf der Spitze einer Pyramide
stehen. "Aber jedes Kind ist wichtig für den Gesamterfolg" wird durch
das Zirkustheater den Jüngsten vermittelt, die schon so manches Fest
in der Uckermark mit ihrem Programm bereicherten.
Die kleinen Zarten, manchmal
Stillen, die sonst schnell übersehen werden, stehen auf der Pyramide
mal ganz oben. Die Kräftigen, die sonst wegen ihrer Körperfülle
und Unbeweglichkeit abgelehnt oder verspottet werden, sind plötzlich
als Untermänner diejenigen, auf die sich alle anderen verlassen.Was
ist es für ein schönes Gefühl jemanden tragen, halten zu
können? Eine Pyramide funktioniere nur, wenn alle zum gleichen Zeitpunkt
diszipliniert zusammenarbeiten. Niemand kann einfach abspringen, nur weil
er keine Lust mehr hat, denn sonst bricht alles zusammen. "Und das Schöne
ist, der Lehrer muss nicht kritisieren, die Kinder passen selbst aufeinander
auf und korrigieren sich", spricht Jana Frey von dem, was Kinder alles
im Zirkus für das Leben lernen können.
Weitere Partner gesucht
"Die Kinder machen auf spielerische
Art Körpererfahrungen, die manch ein Erwachsener nie erlebt hat und
die doch so wichtig wären für das Selbstwertgefühl", schwärmt
Jana Frey mit Blick auf die ersten Ergebnisse der Arbeit mit den Kindern.
Bleibe man bei der Pyramide,
so erfahren die Mädchen und Jungen schnell, dass sie leichter werden,
wenn sie ihren Körper beherrschen und in die richtige Spannung bringen.
"Zieht euch erst mal mit
eurer Hand am Schopfe ganz nach oben", erinnert sie die Knirpse. "Und probiert
es selbst vor dem Spiegel: Plötzlich steht ein ganz anderer Mensch
vor Euch." Aufrecht, in Würde.
Beim Zirkus dürfen
sich die Kinder groß machen, wenn sie sich mit Stolz auf die eigene
Leistung präsentieren.
Jana Frey würde diese
Erfahrung gern noch mehr Kindern vermitteln. In einem langfristig angelegten
größeren Zirkusprojekt. Noch ist sie dafür auf der Suche
nach geeigneten Partnern und Räumlichkeiten. Vielleicht findet sie
sie im evangelischen Jugendhaus, vielleicht gibt es noch andere Interessenten,
die den Wert einer solchen Arbeit schätzen und fördern möchten.
Thüringer Allgemeine
25.6. 2003
Integratives Sportfest
Schulsport: Nichts über
uns ohne uns
ERFURT.
"Nichts über uns ohne uns", das ist das Motto im Europäischen
Jahr der Menschen mit Behinderungen. Der Umsetzung dieses Zieles diente
auch das integrative Sportfest des Thüringer Kultusministeriums im
Erfurter Steigerwaldstadion. Für das Staatliche Schulamt Artern ging
dabei eine Kombination von 60 Schülern aus der Rothenbach-Förderschule
und der Fichte-Regelschule Sömmerda an den Start.
Im
gemeinsamen sportlichen Wettbewerb galt es, in fairer Weise an verschiedenen
Stationen unter dem Motto "Sport verbindet Europa" zu wetteifern, wobei
der Spaß und Freude an sportlich-sinnlicher Betätigung im Vordergrund
stehen sollte. Voraussetzung dafür boten attraktiv gestaltete Länderstationen,
die unter verschiedenerlei Leitideen wie "Wir sind schnell" (Großbritanien),
"Gemeinsam sind wir stark" (Griechenland) oder "Verständigung ohne
Worte" sowie Muskeln als auch intellektuelle Fähigkeiten verlangten.
Ganz besonders aus dem Behindertenbereich abgeleitet waren solche Angebote
wie "Ich bewege mich anders" auf einer Rollstuhlhindernisstrecke und "Ich
sehe anders" auf einem mit verbundenen Augen zu bewältigenden Hindernisparcour,
wo neben vorausgesetzter Geschicklichkeit auch noch die Beschaffenheit
von zu überschreibenden Materialien zu erkennen war.
In
drei Altersklassen zwischen 9 und 16 Jahren mussten an allen Stationen
unterschiedlich schwierige Anforderungen gemeistert werden, darunter auch
echte sportliche Highlights. Beim "Wintersport" wartete auf die AK 9 bis
11 eine Biathlonstrecke mit Luftballons als Zielscheiben, die 12- bis 14-Jährigen
maßen ihre Kräfte beim Skiroller-Doppelstockschub, wo eine echte
Portion Geschick gefragt war. Die Jungen und Mädchen der Altersklasse
15/16 stellten an der von Bob-Olympiasieger André Lange und seiner
Mannschaft betreuten Original-Anschubstrecke ihre Kraft und Schnelligkeit
unter Beweis.
Dass
am Ende auch eine sportliche Reihung vorgenommen wurde, war eigentlich
zweitrangig. Neben der bereits angesprochenen Freude an der gemeinsamen
Meisterung der Aufgabenstellungen Stationen ging es vor allem darum, sich
gegenseitig zu unterstützen und Achtung vor den Leistungen vor allem
der behinderten Menschen zu gewinnen. Dieses Ziel dürften am Ende
alle Teams verwirklicht haben.
Das
Sömmerdaer harmonierte jedenfalls blendend miteinander. Der für
den 7. Gesamtrang gewonnene Pokal, der natürlich noch zusätzliche
Begeisterung auslöste, soll deshalb nur am Rande erwähnt werden.
Trotz wiederholter Regenschauer fuhren die 60 Teilnehmer jedenfalls vollauf
zufrieden und um sportliche, ganz besonders aber um menschliche Erfahrungen
reicher nach Hause. Daran hatten die sechs sie betreuenden Pädagogen
Claudia Loff, Jutta Böhm, Katrin Lilie (Fichte-RS) sowie Frank Kästner,
Iris Müller und Uta Siebrand (Rothenbachschule) einen hohen Anteil.
Deshalb sei abschließend ihnen, den beiden Schulleitungen für
ihre Unterstützung bei der Vorbereitung sowie unserem Schulamtsleiter,
Jürgen Reichardt, für seine Anwesenheit vor Ort und dem mehrfachen
Weltmeister und Olympiasieger im Rennschlittensport, Jörg Hoffmann,
der in Erfurt als sportlicher Pate fungiert, ganz herzlich gedankt. Besonders
erfreulich wäre es, wenn ähnliche Veranstaltungen auch über
das Jahr der Menschen mit Behinderungen hinaus auf verschiedensten Ebenen
verstärkt popularisiert und durchgeführt werden könnten.
Erfahrungen existieren im Landkreis vor allem im Bereich Buttstädt/Rastenberg
schon seit einiger Zeit.
Wiesbadener Kurier 25.06.2003
Alternatives Schulsportfest
Leichte Schürfwunden
und Heiserkeit
Hofheim. Startschüsse,
Jubelschreie und Anfeuerungsrufe waren schon von weitem durch den Wald
zu hören. Beim Sportfest der Main-Taunus-Schule auf dem Sportpark
Heide wurde wieder gemeinsam um die Ehre der sportlichsten Klasse gekämpft.
Sebastian zog und zerrte
mit seinen Klassenkameraden wie der Teufel am Tau, denn galt es doch, den
selbstgewählten Namen der "Red Devil" zu repräsentieren. Während
beim Tauziehen natürlich gemeinschaftliche Kraftanstrengung und vor
allem Ansporn durch Gebrüll bis zur Heiserkeit gefragt war, kam es
bei den klassischen Leichtathletikdisziplinen wie Sprinten, Weitsprung,
Ballwurf und Kugelstoßen auf die Leistung des Einzelnen an. "Um den
kooperativen Faktor mit einzubeziehen, haben wir wieder Klassenspiele mit
in den Wettbewerb genommen," so Horst Emrich, Fachschaftsleiter Sport an
der MainTaunus-Schule und Koordinator des Sportfestes.
Über 800 Schüler
der Unter- und Mittelstufe traten bei diesem Wettbewerb gegeneinander an,
betreut von ihren Lehrern und über 100 Helfern aus der Oberstufe.
Ob es nun leichte Schürfwunden zu verarzten, das Maßband anzulegen,
den Sand wieder gerade zu rechen oder die Ergebnisse in die Laptops einzugeben
gab, großes Schülerengagement war gefragt. Dieses zeigte auch
der "nette Sauhaufen", wie der betreuende Physiklehrer seine Schüler
liebevoll betitulierte. Der Wettbewerb um das schönste Mannschaftsschild
war dem Sauhaufen jedenfalls sicher. Auch ihre ungewöhnliche und ausgefallene
Sportbekleidung sorgte für Aufsehen. Hatten die "Agros" der Klasse
10 c sich doch vom Physikunterricht, in dem gerade Radioaktivität
auf dem Lehrplan stand, so beeinflussen und auch faszinieren lassen, dass
ein Großteil der Klasse in weißen Schutzanzügen auf dem
Sportplatz antrat.
An fantasievollen Mannschaftsnamen
fehlte es nicht beim Sportfest. Ob "Gelbe Blitze", "Tintenkiller", "Grüne
Könige", "Weiße Panther", "Schlümpfe", "die Simpsons" oder
die bösen "Slytherins", auch "Donnerstürme", die "Gestörten"
und sogar "die Knechte des Systems" gaben trotz großer Hitze ihr
Bestes. Wie beim Tauziehen kam es auch beim "Rasenski" auf Teamgeist an.
Doch vor allem war Koordination gefragt. So manche Vierergruppe auf den
Holzbrettern kam aus dem Rhythmus und dann ging nichts mehr. Entweder sie
blieben wie festgewachsen auf dem Rasen stecken oder sie fielen einfach
um. Dann war das Gelächter groß und es galt von Neuem sich in
den "rechts, links, rechts" Rhythmus einzufinden. Wilde Anfeuerungsrufe
spornten die Mitschüler an und sorgten für Stimmung.
Das galt auch bei der Disziplin
"Biathlon". Hier musste zuerst gerannt, dann mehrere kleine Ringe durch
einen großen Ring geworfen werden. Für jeden "Nichttreffer"
musste eine Strafrunde gedreht werden, ganz wie beim berühmten Biathlon
auf Langlaufskiern. Da das Ganze auf Zeit ging und die Sonne erbarmungslos
auf den Kopf brannte, waren diese Runden nicht besonders beliebt. Ein bisschen
Kraft musste schließlich noch für die Halbrunden- und Umkehrstaffeln
aufgespart werden, die es am Ende des Sportfestes noch zu absolvieren galt.
Als besonderen Anreiz winken
den zwei sportlichsten Klassen Wanderpokale, die am letzten Schultag feierlich
überreicht werden,und jeweils ein Satz Klassen-T-Shirts, die der Förderverein
der Main-Taunus-Schule spendiert hat.
Hamburger Abendblatt 24.6.
2003
Eine Pause als Erlebnis
Schulhof-Aktion: Wie
man Kinder mit Spaß zu mehr Bewegung bringt
Hamburg -Morgens halb zehn
in Deutschland - nein, es geht nicht um locker-leichte Haselnusswaffeln,
es geht um die große Schulpause. Tag für Tag sehnt sich ein
jeder Schüler nach dem so erlösenden Klingeln, das ihn zumindest
kurzzeitig von Mathe oder Deutsch befreit. Was aber passiert in den 20
unterrichtsfreien Minuten? Auf Hamburgs Schulhöfen ist zwar viel Betrieb,
aber außer einer Tischtennisplatte, einem Hüpfseil und, schon
seltener anzutreffen, einem Fußball findet sich meist nichts, was
den Bewegungsbedarf der Kinder genügend befriedigen könnte.
Dabei ist Bewegung ein "vollwertiges
Lebensmittel", weiß Holger Laurisch. Der 63-jährige Pädagoge
hat das Konzept der "Aktiven Pause" entwickelt, mit dem er Schülern
wichtige motorische Fähigkeiten mit auf den Weg geben möchte.
Etwa 300 Schulen hat Laurisch bereits besucht, zuletzt die Förderschule
für lernbehinderte Kinder in Kirchdorf. Mit einem Kleinbus voller
Unihocschläger, Pedalos, Drei-Rad-Variationen, verschiedensten Gleichgewichtsspielen
und noch vielem mehr wird den Schülerinnen und Schülern ein Pausenerlebnis
der ganz besonderen Art geboten.
"Das ist einfach viel besser
als die normale Pause", freut sich die zehnjährige Sema. Gemeinsam
mit dem gleichaltrigen Dennis sitzt sie an einer Kuhattrappe und übt
das Melken "schon fast eine Viertelstunde lang". Langweilig wird ihr dabei
nicht. Für Kevin ist die künstliche Milch- beziehungsweise Wassergewinnung
hingegen nichts Neues. Der Zehnjährige war immerhin schon auf einem
Bauernhof, kennt also echte Kühe. Dafür kann er sich für
die kleinen Pedal-betriebenen Fahrzeuge begeistern. "Jede Pause sollte
so sein", fordert er noch, bevor er auf seinem roten Flitzer davonbraust.
Dabei muss Kevin aber auch seine Umgebung im Auge behalten, schließlich
ist er nicht der einzige "Motorisierte" auf dem Schulhof.
Gerade diese Wahrnehmungsschulung
ist ein entscheidender Faktor im Konzept der "Aktiven Pause". Elementare
Fähigkeiten, wie der Blick aus dem Augenwinkel, sollten Kinder sich
so früh wie möglich aneignen. Nirgendwo geht das so gut wie bei
einem künstlich erschaffenen Chaos. Eben das ist auch ideal für
einen weiteren Kernpunkt: die Erforschung des Unbekannten. Neue Spielgeräte
ohne Betriebsanleitung oder feste Vorgaben auszuprobieren fordert und fördert
Kreativität ebenso wie das Selbstbewusstsein. Die Kinder lernen ihre
Umwelt nachhaltiger kennen, und sie tun es eigenständiger.
Die Resonanz auf die "Aktive
Pause" ist sehr gut, auch von Seiten der Schulen. Viele Lehranstalten folgen
dem Konzept und sorgen somit dafür, dass es nicht bei einer Eintagsfliege
bleibt, vielmehr schaffen sie selbst Spielgeräte an, die bei den Kindern
zuvor auf besonders große Beliebtheit gestoßen waren.
Wieder rauscht Kevin vorbei,
immer neue Routen entdeckt er über den abgegrenzten Fahr-platz. Vorbei
an Mitschülern und "geparkten" Dreirädern passiert er auch das
Unihoc-Feld, wo Leeroy, Manuel und Christopher aus seiner Klasse gerade
ein neues Spiel beginnen. Leeroy hat schon einmal Hockey gespielt, aber
noch nie in der Schule. "Das ist die beste Pause die ich jemals hatte",
freut er sich. "Am liebsten würde ich das jeden Tag machen!" Schon
sind die drei Zehnjährigen in ihrem Element und jagen den kleinen
Plastikball über das Spielfeld. Von Langeweile in der großen
Pause findet sich hier keine Spur.
Für Holger Laurisch
ist dies die schönste Entlohnung für seine Arbeit. Er sieht,
dass es den Kindern Spaß macht. Deswegen will er nach seiner anstehenden
Pensionierung auch ehrenamtlich weitermachen, 125 Schulen warten schließlich
noch auf seinen Besuch. "Die tägliche Freude ist die beste Rendite",
erklärt er seine Motivation. Man glaubt es ihm aufs Wort.
Braunschweiger Zeitung 21.6.
2003
Lernen ist an die Bewegung
gekoppelt
Im Mittelpunkt unserer
Serie heute:
Peter-Räuber-Schule
als Einrichtung für geistig behinderte Schüler
"Wir machen alles, was man
in anderen Schulen auch macht – nur in veränderter Form", betont Sportlehrerin
Andrea Stier. Das bezieht sich auch auf den Sportunterricht der Peter-Räuber-Schule,
Sonderschule für geistig Behinderte. Sport spiele eine wichtige Rolle
im Leben der Behinderten. "Das Lernen ist an die Bewegung gekoppelt. Kinder,
die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, brauchen die Bewegung, um
wach zu bleiben", erklärt Krankengymnastin Regine Winkler-Agyei.
Durch den Sport sollen die
130 Schüler im Alter von 6 bis 20 Jahren ihr Selbstbewusstsein stärken
und das Miteinander fördern. "Sie werden durch den Sport mutiger und
können das in den normalen Alltag übertragen", erklärt Andrea
Stier.
Veränderte Lage
Durch Veränderung der
Lage ändere sich auch die Wahrnehmung der Schüler, weiß
Rektor Klaus Bätcke. "Manche werden durch die Veränderung von
der Waagerechten in die Senkrechte ein ganz anderer Mensch", betont der
Rektor. So auch Dorothea Milch: Sie sitzt im Rollstuhl. Am Sportunterricht
nimmt sie jedoch krabbelnd teil. Werfen ihre Mitschüler in den Basketballkorb,
trifft die 12-Jährige die Kiste auf dem Boden.
Der Sportunterricht ist auf
jeden individuell zugeschnitten, die Anforderungen richten sich nach dem
Können. Lediglich sieben Schüler sind in einer Klasse zusammengefasst.
Mindestens zwei Lehrkräfte unterstützen den Sportunterricht und
können so auf die unterschiedlichen Probleme der Schüler eingehen.
Eine Doppelstunde Sport steht
auf dem Stundenplan. Zusätzlich erhalten einige Krankengymnastik.
Allerdings fehlten die Kapazitäten, um alle bedienen zu können.
Eine eigene kleine Sporthalle
steht den Schülern zur Verfügung, zudem nutzt die Schule eine
Turnhalle und Außenanlage gemeinsam mit der Schule am Teichgarten.
Räume für die Krankengymnastik und ein Therapiebad stehen zusätzlich
bereit. Schwimmen ist die große Leidenschaft von Dorothea, die neben
den Schulschwimmstunden im Lehrschwimmbecken einmal in der Woche mit ihrer
Familie ins Wasser steigt. Auch ihr Mitschüler Sebastian Voges ist
vom Schwimmunterricht begeistert. "Ich mag tauchen", erzählt der 13-Jährige.
Die Schüler der Peter-Räuber-Schule
lernen durch die Wahrnehmung. So werden im Unterricht zum Beispiel Buchstaben
abgelaufen. "Wahrnehmung, Handeln und Denken stehen in einem engen Zusammenhang",
betont Stier. Die Bewegung nimmt auch im Unterricht einen großen
Stellenwert ein. Musik, Aufstehen und Hinsetzen sowie der Wechsel von sozialen
Orten bringen Abwechslung in den Unterricht. Möglichst alle Sinne
sollen angesprochen werden. Lernen durch Begreifen, nennt Bätcke das
Konzept.
"Die Körperwahrnehmung
im umfänglichsten Sinne ist ganz wichtig", betont der Rektor. Diese
ganzheitlichen Ansätze der Sonderschule werden auch in den Grundschulen
schon nachgeahmt. "Die allgemeine Bewegungszeit ist wichtig, sonst ist
nichts mehr möglich", erklärt Stier.
Aktive Pausenbetätigung
Auch in den Pausen können
sich die Schüler aktiv betätigen: Rutschen, Schaukeln, Wackelbrücke,
Bälle und Spielzeug laden zum Spielen ein. Diese Chance lässt
sich auch die 12-jährige Annika Fricke nicht entgehen. "Ich schaukel
und spiele Fußball", erzählt sie.
Das runde Leder kickt sie
in der Fußball-Ag. Weitere Arbeitsgemeinschaften sind Laufen, Akrobatik
und eine Sport-Ag für Rollstuhlfahrer. An letzterer nimmt auch Dorothea
teil – natürlich mitsamt ihres Rollstuhls. "Wir schaukeln, rollen
mit Matten und spielen mit dem Ball", erzählt sie begeistert. Ehrgeiz
wird bei der Teilnahme am Fußball-Turnier in Braunschweig und beim
Südseelauf geweckt. In der Peter-Räuber-Schule ist eben doch
fast alles genauso, wie in anderen Schulen.
Thüringer Allgemeine
19.6. 2003
GutsMuths-Gedenkspiele
2003 - Traditionspflege
SCHNEPFENTHAL
(db). Die etwas steifen Bezeichnungen wie "das Klimmen an der Stange" oder
"der fortgesetzte Sprung" wurden umgewandelt in "Klettern nach Zeit" und
"Schlussviersprung", ansonsten entstammten die Übungen der GutsMuths-Gedenkspiele
2003 der Zeit des bekannten, an der Schnepfenthaler Schule wirkenden Pädagogen
GutsMuths
.Bis
vor fünf Jahren gehörten die Gedenkspiele zur guten Tradition
des ehemaligen Gymnasium Salzmannschule, nun veranstaltete das neu etablierte
Spezialgymnasium für Sprachen gestern seine ersten Spiele in diesem
historischen Rahmen. Fangball, Schlussviersprung, Klettern, Reifentreiben
mit Stöckchen, Stelzenlauf, Crosslauf, Volleyball und Ball über
die Schnur waren die zu absolvierenden Disziplinen.
Während
vor Jahren noch Gastteams aus München und sogar Schweden starteten,
beschränkte man sich bei der Neuauflage auf einen kleineren Einzugsbereich.
Die Mannschaften kamen aus den 5. und 6. Klassen von sieben verschiedenen
Schulen des Landkreises und gingen gut vorbereitet an den Start.
"Die
Grundübungen gehören zum Lehrprogramm im Sportunterricht, ansonsten
sind hier Universalsportler gefragt". Regina Schleicher ist Sportlehrerin
am Gymnasium in Friedrichroda und berichtet vom großen Andrang bei
der Mannschaftsnominierung, "Ein Mädchen der 5. Klasse war als Ersatzstarterin
aufgestellt und ist nun ganz traurig, weil sie nicht zum Einsatz kommt".
Auch
die Mannschaft des Gymnasiums Gleichense aus Ohrdruf wurde vom Sportlehrer
rekrutiert. Dieser schien auf Nummer sicher zu gehen und stellte einige
Biathleten der SG Jugendkraft Crawinkel, die ja für ihre Vielseitigkeit
bekannt sind, in sein Team. Während Sandra Blaschczok und Jana Gruhner
eindeutig das Stelzenlaufen favorisieren - "das haben wir schon im Hort
gemacht" - findet Sabine Lesser wohl als Einzige das Klettern toll. In
der Wettkampfpause greifen die Mädchen aber dann doch zu ihrem Game
Boy - soviel zu den Grenzen der Traditionsverbundenheit.
Die
Mannschaft des Sprachengymnasiums Schnepfenthal genießt Heimrecht
und rückt mit einer entsprechend großen Abordnung an. "Wir sind
die Sprachis, uns schockt gar nichts. Wir sind die GutsMuths Mannschaft,
die, die alles schafft", intonieren sie im Sprechgesang und feuern ihre
Wettkämpfer an. Weil pro Strophe aber nur ein Sportler besungen wird,
stocken sie kurzerhand das Team um weitere Mitschüler auf - aber nur
im nun fast endlosen Lied.
Gewertet
wurden die Leistungen der Sportler nur im Mannschaftswettberb - dem Gemeinschaftgedanken
von GutsMuths entsprechend.
 |
REIFEN-TREIBER:
Viel Geschicklichkeit war
beim "Reifentreiben mit Stöckchen" gefragt.
Sandra Blaschczok vom Gymnasium
Gleichense aus Ohrdruf meisterte aber auch diese Station der GutsMuths-Gedenkspiele. |
Hamburger Abendblatt 19.6.
2003
860 Kinder entdecken Tennis
Schulsport: Der 2. Volksbank
Tennis-Talente-Tag auf dem Buttermarkt mobilisiert am Freitag 38 Elmshorner
Klassen.
Elmshorn -Was im vergangenen
Jahr auf den Parkplätzen vor dem Krückaustadion mit rund 630
enthusiastischen Kindern begonnen hatte, aber wegen Sturm und Regen schon
nach knapp zwei Stunden abgebrochen wurde, findet am Freitag (9 bis 14
Uhr) seine Neuauflage - mit 860 Schülern.
"Das Interesse überstieg
unsere Erwartungen", sagte Tennis-Senior Günther Staubes (LTC Elmshorn),
der den "Tennis-Talente-Tag" erdachte und mit der Volksbank Elmshorn einen
engagierten Partner fand. Das Informationsgespräch mit den Schulen
im Februar habe gefruchtet.
Es gehe darum, so Staubes,
Jugendliche zu motivieren, es mit Tennis zu probieren. Der Titel sei insofern
missverständlich: "Auf dem Butterberg mitmachen kann jeder, wenn seine
Klasse unter den 38 gemeldeten ist."
Obwohl der Spaß auf
den 40 Kleinfeldern (11 x 6 Meter) im Vordergrund steht, wird auch ernsthaft
um Punkte gespielt (Spielzeit: fünf Minuten, K.o.-System, Aufschlag
von unten), um die besten Spieler aus den Klassen 3 bis 6 zu ermitteln.
"Wir wollen die Durchlässigkeit
zwischen Schule und Verein und den Zusammenhalt in den Klassen fördern",
nannte Marketingleiter Volker Großmann die Motive der Volksbank,
diesen außergewöhnlichen Schultag mitzugestalten. Dessen Institut
sponserte zehn Netze und einige der 50 Preise. Weitere stellten Elmshorner
Sportgeschäfte und die Stadt zur Verfügung.
Das weitere sportliche Equipment
stellen die Tennislandesverbände Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein
zur Verfügung. Jugendschläger und Softbälle kommen aus den
Vereinen.nde erhalten jedoch alle.
"Ich hoffe, dass die Jugendlichen,
die Gelegenheit zum Tennisspielen und -lernen reichlich nutzen", sagte
Günther Staubes. "Da es immer freie Plätze geben wird, besteht
laufend die Möglichkeit zum freien Spiel."
Die Leitung der Matches und
die Betreuung der Spieler auf den Feldern des 8000 Quadratmeter großen
Buttermarktes obliegt den acht Elmshorner Tennisclubs. "Wir haben alles
doppelt besetzt, um jederzeit technische Hilfen geben und Fragen beantworten
zu können", sagte Mitorganisator Ferdinand Schratzberger (Holsatia
Elmshorn).
"Dieser Tag ist eine Gemeinschaftsleistung
der Elmshorner Tennisvereine, der Stadt und den Schulen", hob Volker Großmann
hervor. Wie groß die Identifikation mit dem "Tennistag" ist, beweist
auch die neue Schule in Horst. Obwohl kein Schüler teilnimmt, werden
Helfer geschickt.
"Es ist zwar keine Sichtung",
sagte Günther Staubes, "aber wir als Vereine hoffen natürlich,
dass viele Jugendliche später auch in unseren Clubs auftauchen. Zudem
könnten die Schulen ihre Projektwochen öfter für Tenniskurse
nutzen." Das LTC-Projekt mit der Realschule Nord (18 Kinder) sei nachahmenswert.
Damit sich das Kommen zum
Buttermarkt auch für "Nichtspieler" lohnt, wurden die Plätze
so angelegt, dass am Rand Platz für anfeuernde Fans ist. Außerdem
gibts den "Yonex"-Parcours zum testen der Geschicklichkeit, und in den
Pausen wird der TennisZirkus des VfL Pinneberg Showeinlagen bieten. Langeweile
wirds nicht geben, was man nicht von jedem Schultag sagen kann.
Westfalenpost 18.6. 2003
Grundschul-Olympiade
Auf die Plätze, fertig,
los: Grundschüler im Startblock
Werl.
Ein Spektakel der besonderen Art: Beliebt, etabliert, preisgekrönt
und mit Liebe organisiert. Rund 300 Kinder beteiligen sich heute ab 10
Uhr im Werler Buchgeisterstadion an der 7. Grundschul-Olympiade der DJK
Grün-Weiß Werl.
Olympikus |
.. |
Ein
Hauch Olympia zieht tatsächlich durch das Buchgeisterstadion, wenn
die Kinder der 3. und 4. Schuljahre aller Werler Grundschulen - und diesmal
erstmalig auch mit einer Klasse aus Wickede - auflaufen. Das Stadion füllt
sich, die Athleten, zuschauenden Klassenkameraden und Lehrer rücken
ein und sammeln sich im Stadion. Musik, Moderation und viel Stimmengewirr.
Dann die erste Frage durchs
Mikro: "Norbertschüler, seid ihr hier?", fragt der Mann am Mikro.
Und antworten werden sie mit einem lauten und langgezogenen "Jaaa!". Alle
werden antworten, alle werden da sein.
|
Im
siebten Jahr der Grundschul-Olympiade liegt die Teilnahme der Werler Grundschulen
wieder nahezu bei 100 Prozent - nur eine Klasse fehlt wegen einer Klassenfahrt.
Mit dabei sind auch die Schüler der sonderpädagogischen Einrichtungen
Fröbel- und Peter-Härtling-Schule. Hinzu kommt erstmals auch
eine Klasse der Wickeder Engelhardschule. Die ausrichtende Leichtathletikabteilung
der DJK Werl, die heute wieder fast 40 Helfer für die Vormittagsveranstaltung
mobilisiert, erfreut sich ungebrochener Resonanz.
Die
Veranstaltung hat sich etabliert. Die Grundschul-Olympiade hat einen festen
Platz im Terminkalender der Schulen. Schon Wochen vorher wird die Leichtathletik
in den Schulsport eingebracht, damit die Kinder für die Olympiadisziplinen
50m-Lauf, Scherhochsprung, Pfeiffballwurf und 4-Minuten-Lauf üben
können. Pro Disziplin dürfen je ein Junge und ein Mädchen
für die Klasse an den Start gehen. Die anderen Kinder sind Zuschauer
- ihnen wird jedoch im Rahmenprogramm an Spielstationen ebenfalls etwas
geboten. Zudem besteht die Möglichkeit zusätzliche Kinder bei
der abschließenden Schul-Pendelstaffel einzusetzen.
Die
Grundschul-Olympiade ist als Mannschaftsspiel angedacht. Jeder Athlet startet
und punktet für seine Klasse - individuelle Siegerehrungen gibt es
deshalb nicht. Am Ende gekürt werden die Grundschul-Olympiasieger
der 3. und 4. Klasse - es siegt das Team. Medaillen bekommen alle Teilnehmer.
Für Getränke wird gesorgt - ihre mitzubringenden Trinkflaschen
können die Kinder im Stadion auffüllen lassen.
Alle
Teilnehmer starten wie in jedem Jahr in Olympia-T-Shirts - geziert vom
Logo "Olympikus" aus der Feder des WP-Karikaturisten Jürgen Tomicek.
Jede Schule wird durch eine eigene Farbe symbolisiert. Auch das trägt
zum farbenprächtigen Bild der Grundschul-Olympiade bei.
Das
Konzept der DJK Werl ist preisgekrönt: Die perfekte Vorbereitung,
die wenig Arbeit auf die Schultern der Schulen lastet, sondern so ziemlich
alles vorbereitet, bringt und abholt, kommt ebenso an wie die begleitende
Fortbildungsreihe für Grundschulsportlehrer. Vom Vereine Freunde der
Leichtathletik - ein Zusammenschluss ehemaliger deutscher Spitzenleichtathleten
- wurde die Grundschul-Olympiade im Vorjahr als ein besonders förderungswürdiges
Projekt unter vielen nationalen Mitbewerbern eingestuft.
Solche
Lorbeeren und Beweihräucherungen aus der Erwachsenenwelt interessieren
die Kinder heute nicht. Sie wollen einfach nur ihren Spaß bei der
Werler Grundschul-Olympiade.