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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
. Beiträge zur Bedeutung des Sports in der Schule - Hinweise auf innovative Projekte
. Am Ende des Artikels werden weiterführende Links zum jeweiligen Thema angeboten.
. Archiv 2003
Stuttgarter Zeitung 13.6. 2003
Kindern beim Sport auf die Sprünge helfen
Landessportinstitut will mehr Bewegung in Kindergartenalltag bringenLudwigsburg - Spaß an Sport und Spiel, selbstverständlich für Kinder? Die Zahl der Übergewichtigen spiegeln das nicht wieder. Bewegung in den Kindergarten will nun das Landesinstitut für Schulsport bringen.
Die Zahlen sind Besorgnis erregend, sagt Roland Kromer, kommissarischer Leiter des Landesinstitutes für Schulsport (LIS). Fast 40 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter Haltungsschäden, 30 Prozent kämpfen mit Übergewicht. Alarmierend sei die Entwicklung auch deshalb, weil diese Auffälligkeiten in den vergangenen 20 Jahren fast um ein Drittel zugenommen hätten. "Es gibt Kinder, die können nicht einmal mehr rückwärts laufen."
Erschreckend ist dabei auch: Der Trend macht selbst bei den Drei- bis Sechsjährigen nicht Halt. Der Studiendirektor räumt ein, dass bei den Kleinen in diesem Alter die Symptome zwar noch nicht so ausgeprägt sind, gerade aber in dieser Entwicklungsphase der Grundstein für die Bewegungsfähigkeiten der Kinder gelegt wird.
Verantwortlich für Organ- und Bewegungsschwächen, Koordinations- und Konzentrationsdefizite macht Kromer die mangelnde Motivation, Körperfertigkeiten zu schulen. Denn immer mehr Kinder versacken vor dem Computer und spielen lieber mit dem Gameboy als mit Freunden im Freien. Dabei schadet Trägheit nicht nur der Gesundheit, sagt er. "Bewegen und Spielen ist ganz entscheidend für die Entwicklung des Gehirns und für die Lernleistung." Denn was Kinder mit den Händen begreifen, begreifen sie auch mit dem Kopf.
Das Landessportinstitut will deshalb Erzieherinnen und Grundschullehrern Hilfestellungen im Umgang mit dieser Problematik geben. Kromer weiß: "Es gibt nur wenige Erkenntnisdefizite, dafür aber Umsetzungs- und Handlungsdefizite." Bei einem zweitägigen Seminar am 21. und 22. Juni erfahren die insgesamt 120 Teilnehmer, wie spielend leicht Freude am Sport vermittelt werden kann. Auch Eltern haben sich zu diesem zweitägigen Seminar angemeldet. Gerade das ist Kromer wichtig: "Bewegung, Spielen und Ernährung sind Aufgabe des Elternhauses. Der Kindergarten kann nur familienergänzend oder -begleitend, niemals jedoch -ersetzend sein."
Ziel ist es, in Ludwigsburg ein Netzwerk von Erziehern, Pädagogen, Eltern und Vereinsvertretern zu knüpfen, die sich für mehr Bewegung im Alltag engagieren. Die zusammengefassten Erfahrungen der Teilnehmer, die auch nach Ende des Seminares weiter vom LIS begleitet werden, sollen als Projekt Ludwigsburg 2003 landesweit Schule machen
Schaumburger Zeitung, 12.6.2003
Kinder, die sich mehr bewegen, sind besser in Mathe und Deutsch
Beim Wettkampf der Grundschulen steht nicht allein der Sport im Vordergrund
Obernkirchen/Auetal. Ein Lob der Grundschule Auetal: Mit einem Team sind die Schüler im Freibad Obernkirchen vertreten, wo Angelika Dierking zum Wettkampf der Grund- und Sonderschulen geladen hat. Neben den Auetalern haben nur noch sieben weitere Grundschulen des Landkreises eine Mannschaft geschickt, die Sonderschulen glänzen komplett durch Abwesenheit und würden schon länger keine Teams mehr schicken, bedauert Angelika Dierking. Sie ist seit acht Jahren Fachberaterin für den Schulsport und sitzt an der Nahtstelle zwischen Bezirksregierung und den Landkreis-Schulen. Das grundschulgerechte Schwimmfest dient dabei an diesem Morgen auch dem Sport, aber im Vordergrund steht ein anderer Aspekt: „Das Mannschaftsgefühl fördert das soziale Verhalten.“ Und dieses Mannschaftsgefühl, das müssen die zehn Mitglieder eines jeden Teams erst einmal aufbauen. Sicher, die meisten kennen sich vom Schulhof, aber mehr auch nicht. Daher ist die erste Übung eine, die nur gemeinsam erfolgreich absolviert werden kann: Ein T-Shirt muss angezogen, durch das Wasser transportiert und ausgezogen dem nächsten Teammitglied übergeben werden – was schlecht funktioniert, wenn nicht jeder jedem hilft. „Wir wollen hier keine Einzelkämpfer, sondern echte Mannschaft, in der jeder für jeden kämpft“, erklärt Angelika Dierking, die an der Albert-Schweitzer-Schule in Lauenau unterrichtet.
Am Outfit erkennt man den Schwimmprofi: Lisa Nähring von der Grundschule Auetal ist im Wasser in ihrem Element und weiß, wie Auge, Hand und Körper zu koordinieren sind. Fotos: rnk
Der Schulsport, so bedauert die ehemalige Niedersachsen- und Westfalen-Meisterin im Fünfkampf, verliere immer stärker an Bedeutung. Zwar seien drei Schulstunden pro Woche vorgeschrieben, doch in aller Regel würden nur noch zwei unterrichten werden. Aus ihrer Sicht ein Schritt in die falsche Richtung: Gerade die Bewegung habe große Auswirkungen auf den kognitiven Bereich der Heranwachsenden. Darum wird beim Schwimmfest auch die so genannte „Auge-Hand-Koordination“ trainiert: Ein Ball muss beim Sprung durch einen Reifen geworfen werden – eine einfache Übung, die dennoch vielen Schülern Probleme bereitet.
Der Bewegungsdrang der Schüler habe in den letzten Jahren massiv nachgelassen, erklärt die Lehrerin: „Die Kinder sitzen viel länger als früher vor dem Fernseher, dazu kommt die stetig steigende Arbeit am Computer.“ Es müsse sich daher auch im Bewusstsein der Eltern deutlich stärker verankern, dass die Bewegung dem kognitiven Bereich auf die Sprünge hilft: „Wer sich mehr bewegt, hat bessere Noten in Mathe oder Deutsch“, verweist Angelika Dierking auf einschlägige Untersuchungen. Und rhythmische Bewegungsübungen hätten sichtbare Fortschritte in der Rechtschreibung zur Folge. Als Musterland sieht sie dabei Holland: Dort hätte die Praxis gezeigt, dass Kinder von Ausländern, die die neue Sprache mit rhythmischen Bewegungsübungen erlernen würden, schon nach sechs Wochen deutlich besser sprechen würden als Kinder, die nach einer konventionellen Methode lernen würden.
Sportlich gewertet wurde gestern Mittag trotzdem: Den ersten Platz teilten sich die Kinder der Grundschule Süd aus Rinteln und die Mannschaft aus Obernkirchen, die Auetaler landeten auf einem guten dritten Platz. Und werden allein schon deshalb im nächsten Jahr wieder mitmachen.
Main-Rheiner 11.06.2003
Ein erster Flirt mit US-Import Baseball
"Play Ball Roadshow" gastiert an Mainzer Schulen / Aufnahme der Disziplin im Lehrplan?![]()
Auf den richtigen Schwung kommt es an: Uli Wermuth zeigt den IGS-Schülern, wie die Keulen richtig gehandhabt werden.
Die Kinder könnten sich Baseball im Unterrichtsplan durchaus vorstellen - so viel Spaß hatten sie an der Übungsstunde.
BRETZENHEIM - Dass auf dem Schulhof der Integrierten Gesamtschule (IGS) in den Pausen buntes Treiben herrscht, ist normal. Nicht normal war das, was gestern Vormittag auf dem gepflasterten Hof abging. 180 Jungen und Mädchen versuchten mit Alukeulen eine weiße Rosshaarkugel von der Größe eines Tennisballs möglichst weit durch die Gegend zu feuern oder mit aller Kraft gezielt gegen eine Plastikplane zu pfeffern. Möglich machte es die "Play Ball Roadshow", die in Mainz Station machte, um den Schülern den Baseballsport näher zu bringen."Wir wollen versuchen, Baseball so gut es geht als Schulsport akzeptiert zu bekommen", erklärt Uli Wermuth, der als Roadshow-Trainer seit Anfang Mai durch die deutschen Lande tourt. Der 22-Jährige, der in Los Angeles lebt und für die Whittier Poets in der College-Liga die Keule schwingt, freut sich, dass er auf diese Weise auch seinem alten Verein Mainz Athletics helfen kann. Für die A´s war der Centerfielder einst vier Jahre lang in der Bundesliga aktiv.
Neben Wermuth entführen der Australier Ian Young, US-Boy Andi Berglund, Ex-Nationalspielerin Jessica Milbers sowie A´s-Pitcher Manuel Möller die IGS-Schüler mit einer lustigen Präsentation in die faszinierende Welt des Baseballs. Im Anschluss sind actiongeladene praktische Übungen angesagt. Spielerisch werden die Kinder in die Techniken des Schlagens, Laufens, Werfens und Fangens eingeführt. Zur Grundausstattung der Road-show zählen neben Schlägern, Bällen und Handschuhen spezielles Zubehör.
Aufblasbare blau-rote Einrichtungen wie Batting Cage (Schlagkäfig), Pitching Tunnel (Wurfeinrichtung) sowie ein Minifeld lassen die Einführung in die in den Staaten äußerst populäre Disziplin zum unvergesslichen Erlebnis für die Schüler werden.
"Verdammt, ist das schwer", entfährt es der schwarzbehelmten Jessica Haub (12 Jahre) aus der sechsten Klasse, als sie im Wurfkäfig das Spielgerät zunächst partout nicht treffen will. Tabea Graffé aus der 6 d trifft die Kugel bei sechs Versuchen immerhin zwei Mal. "Der Schläger ist so groß und immer noch so weit hinten, wenn der Ball kommt", sagt die Zwölfjährige. Auch wenn sie nicht vorhaben, gleich einen Aufnahmeantrag bei den Athletics zu unterzeichnen, so sind sich die jungen Damen einig: Baseball wäre eine Bereicherung für den Schulsport.
Das sieht IGS-Sportlehrer Ernst Schäfer genauso. Aber bis Baseball Einzug in den Lehrplan hält, dauert es noch. "Das große Problem ist, dass sich unsere Sportlehrerschaft nicht schnell genug fortbilden kann", sagt Ernst Schäfer. Und Wermuth bedauert in diesem Zusammenhang, dass "Paragraphenreiter und Bürokraten in Deutschland einem immer wieder in die Suppe spucken". Wie auch immer: Ricarda Hinderkopf, Jugendmanagerin bei den A´s und Koordinatorin des Projekts, hofft, "dass der eine oder andere hängen bleibt". Diese Woche gastiert die Roadshow noch am Rabanus-Maurus-Gymnasium, am Gutenberg-Gymnasium und an der Gleisbergschule.
Westfalenpost 7.6.2003
Schulsportprojekt
In zehn Stunden Marathon geschwommenDrolshagen. 24 Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrganges der Gemeinschaftshauptschule Drolshagen unternahmen diese Woche einen Rekordversuch im Schwimmen, der eigentlich ins Guinessbuch gehören würde.
In 10 Stunden versuchten sie, im Stadtbad Drolshagen die Marathonstrecke von 42,2 km in Form einer Pendelstaffel zu bewältigen. Bei den 1688 Bahnen wurden sie von einigen Lehrern und auch vom Schulleiter Rainer Bracht unterstützt.
42,2 Kilometer in 10 Stunden, das sind 25 Meter in durchscnnittlich 21,3 Sekunden. "Der Grundgedanke war, die Schüler durch eine spektakuläre sportliche Leistung zu motivieren und mal eine besondere schulische Veranstaltung im Schwimmbad stattfinden zu lassen", sagte Initiator Claus-Dieter Neumann, in dessen Sportunterricht auch entsprechend trainiert wurde.
Es hat sich gelohnt, denn der Rekordversuch gelang. In nur 9 Stunden und 48 Minuten legten sie die Marathonstrecke zurück und schafften in den insgesamt 10 Stunden im Wasser sogar 1717 Bahnen, also beinahe 43 Kilometer.
Sportlehrer Claus-Dieter Neumann ist stolz auf seine Schüler: "Mit einem solchen Ergebnis musste man nicht unbedingt rechnen. Nach diesem Erfolg planen wir auf jeden Fall eine Wiederholung. Die wird dann eventuell als Sponsorenschwimmen gestaltet."
Möglich war diese sportliche Höchstleistung der Schüler vor allem durch ihren Zusammenhalt getreu dem Schulmotto "Gemeinsam sind wir stark". Doch auch zahlreiche Helfer trugen einen erheblichen Teil zum Gelingen der Veranstaltung bei. So bekamen die Schwimmer während des Rekordversuches eine wettkampfgerechte Ernährung von einer anderen Schülergruppe und Musik erleichterte den Schwimmern so manche Bahn. Auch die verantwortungsvolle Aufgabe des Zählens der 1717 Bahnen wurde von Schülern gemeistert.
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Lippische Landeszeitung 6.6.2003Eine Frage des Kopfes
Im Unterricht: Schüler seilen sich vom Schlossturm abLemgo-Brake. Den etwas anderen Sportunterricht erlebten gestern Schülerinnen und Schüler des Engelbert-Kämpfer-Gymnasiums: Sie seilten sich vom Turm des Braker Schlosses ab.
.. "Noch gehts. Aber mal sehen, wenn ich da gleich raus gehe", sagt Edda Rosenbaum. Oben im Turm, 22 Meter über dem Erdboden.
Sie ist die erste, die natürlich gesichert und mit Helm aus dem Fenster klettert und den Abstieg wagt. Wobei es eher eine Frage des Kopfes ist, denn für die Sicherheit sorgt Georg Heil, Leiter des Lemgoer Jugendzentrums, Experte für alles, was mit Klettern zusammenhängt.
Sein von ihm "Wagen und Verantworten" genanntes Angebot hat der angehende Sportlehrer Carsten Lindkamp dankend angenommen, und auch die Schüler der 10b, vorwiegend Mädchen, sind begeistert.Edda Rosenbohm, am Erdboden angekommen: "Das war Spitze." Sie oder auch Nele Meier, Christine Steinke, Lars Henning, Saena Höfing und Sandra Schulte warten jetzt schon gespannt auf die Kletterwand, die das EKG im Rahmen des Projektes "Gesunde Schule" demnächst bekommen wird. Auch wenn die natürlich nicht 22 Meter hoch sein wird.
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Pressemitteilung 4.6.2003
Kooperation Schule-Verein beim Mädchenfußball
1.FC Ohmstede, Integrierte Gesamtschule Flötenteich und Bezirksregierung Weser-Ems gehen neue Wege der Kooperation„Unsere Mädchen müssen sich in den Punktspielen fortlaufend mit Jungen-Mannschaften messen. Dies ist auf die Dauer nicht sehr befriedigend.
Nun wollen wir mit einem Schulturnier der Grundschulen mehr Mädchen in Oldenburg für das Fußballspiel begeistern“, erklärt Ludger Popken, Jugendwart des FC Ohmstede zu der etwas anderen Kooperation von Schule, Verein und Bezirksregierung. Am Freitag, dem 4.7.2003, 8.45-12Uhr werden SchülerInnen der Integrierten Gesamtschule Flötenteich ein Fußballturnier für Mädchenmannschaften auf dem Sportplatz Rennplatzstraße organisieren.„Die Jugendlichen der 7. bis 9. Klasse müssen den Spielplan organisieren, schiedsen und ein kleines Rahmenprogramm organisieren. Sie üben damit soziale Verantwortung zu übernehmen und werden damit unmittelbar auf künftige Lebensaufgaben vorbereitet, stellt Kai Gericke, Sportlehrer an der Integrierten Gesamtschule Flötenteich ergänzend fest. Einen Vormittag sollen sich Mädchen aus den Oldenburger Grundschulen auf dem Sportplatz des FC Ohmstede miteinander messen und dadurch leichter den Weg in die Mädchen-Fußballangebote von Post SV, GVO Oldenburg und dem FC Ohmstede finden.
Lutz Alefsen, zuständiger Fachberater für den Sport in der Bezirksregierung Weser-Ems, ergänzt: „Es gibt leider immer noch deutlich weniger Mädchen als Jungen, die Mitglied in einem Turn- und Sportverein sind. Fußball ist für Mädchen eine immer noch etwas seltene Sportart. Mit dieser neuen Kooperation zwischen Schule und Verein wollen wir das vielseitige, regelmäßige Sporttreiben fördern. In den vergangenen Jahren ist gerade dem FC Ohmstede die Gewinnung auch von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen gelungen und er ist in Folge dessen für seine soziale Integrationsarbeit mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden“.
Schulen können sich bis zum 16.6.2003 unter der Tel. 382054 anmelden.
Hildesheimer Zeitung 2.6.2003
Mehr Sport für Kinder
Experten diskutieren über BewegungsmangelTreiben unsere Kinder zu wenig Sport in der Schule? Der Vorstand des Kreissportbundes Hildesheim (KSB) hatte zu einer Gesprächsrunde, die sich mit der Schulsportsituation beschäftigte, in die Lehrstätte nach Himmelsthür eingeladen. Die gute Resonanz der Expertengruppe zeigte, wie groß das Interesse ist, die Bewegungsangebote in Schule und Verein zu forcieren, um dem Bewegungsmangel der Kinder und Jugendlichen entgegenzusteuern.
Seit vielen Jahren fordern Pädagogen und Politiker aller Fraktionen die dritte Sportstunde. Doch fehlt vielfach nicht nur das Geld und die Sportstätten, sondern auch die Lobby für den Sportschwerpunkt, obwohl überall das mangelnde Bewegungsverhalten festgestellt wird.
Aus medizinischer Sicht zeichnete Dr. Bettina Langenbruch vom Kreisgesundheitsamt bei mehr als 25 Prozent der Einschulkinder mit motorischen Schwächen ein eher düsteres Bild. Sie erinnerte an die hoheitliche Aufgabe, aus gesundheitsorientierten Gesichtspunkten für ein entwicklungsgemäßes Bewegungsangebot zu sorgen.
Einhellig waren alle Beteiligten der Meinung, dass im Kindergarten und in den Schulen Initiativen unternommen werden sollten, um das Bewegungsangebot für die Heranwachsenden zu erhöhen. Dabei sollte die Möglichkeiten der Aktion "Schule und Verein" in der Stundenverteilung der Schulen nicht missbraucht werden, um den normalen Sportunterricht zu ersetzen.
Der Sportwart des KSB, Hubert Hartmann, stellte heraus, dass der KSB sehr bemüht sei, in Kindergärten und in Schulen durch zusätzliche sportpraktische Angebote Anregungen und Starthilfe für mehr Bewegungszeit zu initiieren. Neben Sporttagen in Grundschulen, der Schwimm-AG und einem Workshop für Erziehern am 21. Juni in Himmelsthür stehe der Sportverband jeder Innovation aufgeschlossen gegenüber.
Der "Runde Tisch 3. Sportstunde" will sich in unregelmäßigen Abständen treffen, um Vorschläge und Strategien zu erarbeiten, um dem allgemeinen Bewegungsmangel entgegen zu wirken.
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Europäische Kommission 2.6.2003Europäisches Jahr der Erziehung durch Sport 2004
Die EU stellt für das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport 2004 Mittel in Höhe von 11,5 Mio. Euro zur Verfügung und fordert zur Einreichung von Vorschlägen auf.Angestrebt werden mit dem Europäischen Jahr eine Verbesserung der Partnerschaft zwischen Erziehung und Sport, die bessere Nutzung sportlicher Werte in der Erziehung und der Integration sowie eine Förderung des Ehrenamts im Sport. Das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport fällt mit sportlichen Großereignissen wie der Fußball-Europameisterschaft in Portugal und den Olympischen Spielen in Athen zusammen und wird vom Europäischen Parlament und dem Rat mit Mitteln aus dem EU-Haushalt unterstützt.
Instrument für eine bessere Gesellschaft
"Ich bin überzeugt, dass das Europäische Jahr des Sports dazu beiträgt, dass in Europa der Sport und die damit verbundenen Werte stärkeren Niederschlag in der Erziehung finden und damit die Auffassung gestärkt wird, dass Sport ein wertvolles Instrument zur Gestaltung einer offeneren, toleranteren Gesellschaft ist.
Ich rufe alle Akteure, Ausbilder, Verantwortungsträger aus dem Bereich des Sports ebenso wie die öffentliche Hand dazu auf, aktiv an diesem Europäischen Jahr mitzuwirken und sich in diesem Sinne mit innovativen, hochwertigen Projekten an dem jetzt ausgeschriebenen Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen zu beteiligen", erklärte die für Bildung, Sport und Kultur zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding.
Sportprojekte werden gefördert
Teilnahmeberechtigt sind auch die zehn neuen Beitrittsländer: Sie können Anträge auf finanzielle Unterstützung in der zweiten und dritten Phase einreichen. Bei Projekten, denen eine gemeinschaftsweite Dimension zukommt (d. h. aktive Mitwirkung von Partnern aus mindestens 8 verschiedenen Ländern) können bis zu 80 % der anfallenden Kosten bezuschusst werden.
Die Auswahl der förderfähigen Projekte erfolgt durch die Kommission. Für Projekte auf örtlicher, regionaler, nationaler oder transnationaler Ebene kann die Finanzierung bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten des jeweiligen Projekts betragen. Die hierfür in Frage kommenden Vorhaben werden von der jeweiligen nationalen Koordinierungsstelle für das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport 2004 ausgewählt. Eine solche Koordinierungsstelle gibt es in jedem Land, das beim Europäischen Jahr des Sports mitmacht.
Die Beihilfen werden Projekten gewährt, die den Zielen des Europäischen Sportjahrs gerecht werden und in deren Rahmen solide Partnerschaften zwischen Bildungseinrichtungen und Sportorganisationen zustande kommen.
Der Neue Tag 29.5. 2003
Auf neuen Wegen im Schulsport
Alternative zu den BundesjugendspielenWackersdorf. Ein Sportfest der besonderen Art sollte es werden. Neue Wege des Schulsports wollten die Organisatoren bestreiten, weg von den überkommenen, starren Formen der guten alten Bundesjugendspiele.
Zehn Spiel- und Sportstationen, Kinder, die mit Begeisterung mitmachten, engagierte Eltern als Zuschauer, Helfer und Kampfrichter und der TV Wackersdorf als Teilnehmer: dieser Erfolg bestätigte die örtliche Volksschule und ermuntert zu Neuauflagen.
... Die erfolgreiche Taekwondo-Abteilung ließ eingangs mit einer gekonnten Vorführung ihres Nachwuchses einiges von der Eleganz und Kraft der fernöstlichen Sportart erahnen, ehe es an die Spielstationen ging.
Bei einem "Hindernis-Sprint" kam es darauf an, über Bananenkarton-Hürden zu hüpfen und im Slalomlauf durch Stangen möglichst schnell am Start zurück zu sein. Beachtliche Leistungen waren beim Hochsprung zu sehen, wo sich manche Schüler als begabte Leichtathleten entpuppten. Gar nicht so einfach war es, mit Schweifbällen möglichst weit entfernte Zonen zu erreichen oder tückisch hüpfende Tennisringe in die Mitte konzentrischer Kreise zu platzieren.
Bei einem "Zonen-Weitsprung" half ein Turnkasten-Deckel als Absprunghilfe und ließ erst gar kein Übertreten aufkommen. Viel Hallo gab es bei der Station "Wassertransport", der viel Geschick erforderte, während Vertrauen zu einem Partner und koordinative Fähigkeiten beim "Sacklauf" Garanten guter Zeiten waren.
Angenehm gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem TV Wackersdorf, der sowohl mit seiner bestens geeigneten Anlage wie drei Spielstationen zu diesem Schulsportfest beitrug. Die Handballer ließen von verschiedenen Entfernungen auf Dosen werfen, was sich viel schwieriger erwies als angenommen. Und bei der Zielschieß-Station der Tischtennisabteilung erwies sich leichter Wind ein zusätzliches Handicap. Fast wie im "Aktuellen Sportstudion" ging es bei der Torwand der Fußballer zu, an der sich auch das eine oder andere Mädchen als zielsicheres Talent outete.
Nun werden die Resultate nach den einzelnen Jahrgangsstufen ausgewertet, und für alle gibt es dann Teilnehmer-, Sieger- oder gar die begehrten Ehrenurkunden. Ganz so wie früher, als der Dreikampf der altehrwürdingen Bundesjugendspiele keinen mehr so recht vom Hocker riss. "So ein Sportfest hätte ich mir zu meiner Schulzeit auch gewünscht!", brachte es eine Mutter auf den Punkt.
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Stuttgarter Zeitung 23.5. 2003Kinder sollen mehr rennen und hüpfen
Landessportverband startet Projekt in Vaihingen - Motivation für Eltern und ErzieherinnenImmer mehr Kindern fehlt die Lust an der Bewegung. Die Folgen sind Übergewicht, Haltungsschäden und oft auch Probleme bei der Sprachentwicklung. Der Landessportverband will mit einem Aktionsbündnis gegensteuern. Auch ein Ideenwettbewerb ist geplant.
In der Turnhalle des Sonderschulzentrums Hengstäcker lassen sich die Kinder aus dem benachbarten Kindergarten Sonnenblume nicht lange bitten: Die aufwendig gestaltete Bewegungslandschaft mit gespannten Seilen, Kletterwänden, Kriechtunnels, Trampolin und Pedalos lädt geradezu zu Bewegung und Austoben ein. Auch die körperbehinderten Kinder, die von ihren Betreuern durch die Tunnels gerollt oder von allen gemeinsam auf einem großen Tuch gedreht werden, freuen sich sichtlich an den Sinnesimpulsen.
Und genau dies ist auch das Ziel, das der Landessportverband mit seinem Projekt verfolgt, Arbeitstitel: "Gesunde Kinder und Jugendliche durch Bewegungsförderung". Gemeinsam mit dem Schwäbischen und dem Badischen Turnerbund sowie der Unterstützung durch die Landesstiftung Baden-Württemberg soll eine Fortbildungskampagne für Erzieherinnen und Eltern bewirken, dass Kinder wieder Spaß an der Bewegung finden.
Bewusst wende man sich an Kindergärten. Denn das Bewegungsverhalten im Alltag werde früh angelegt. Doch leider sei die Ausbildung der Erzieherinnen unzureichend, bedauert Birgit Pfänder vom Landessportverband, die das Projekt koordiniert. Vizeverbandspräsident Heinz Janalik begründet das Projekt damit, dass sich die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen "dramatisch geändert" hätten - nicht nur wegen der Dominanz von Fernsehen und Computer, sondern auch durch fehlende öffentliche Spielflächen. Und: es fehle Kindern zunehmend am Leistungswillen. Körperlichkeit werde auch im Bewusstsein der Eltern zurückgedrängt. "Eltern werden sich nie aufregen, wenn der Sportunterricht ausfällt", meinte Janalik.
Ähnlich argumentierte auch der Freiburger Sportmediziner Aloys Berg. Vielen Kindern fehle zudem die Motivation dafür, sich im Alltag zu bewegen. Dies betreffe keineswegs nur übergewichtige Kinder. Die Folge: die Kinder seien auch in der Qualität ihrer Bewegung reduziert. Dies bestätigte auch ein Übungsleiter aus dem Turnverein Cannstatt: "Viele Kinder können kein Gleichgewicht halten; vorwärts geht"s grad noch, aber rückwärts geht nichts."
Bei den Kindern des Kindergartens Sonnenblume, auch den gesunden, zeigt sich eine große Leistungsspanne: Während ein kleiner Bub auf einer Wippe balancierend noch einen Ball fangen kann, kommen viele Kinder kaum mit dem Pedalo klar, das einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn erfordert.
Geplant sind nicht nur Fortbildungen, sondern auch landesweit 200 Kooperationsmaßnahmen Kindergarten - Sportverein sowie ein Bewegungswettbewerb für Kindergärten. 60 mal tausend Euro stehen als Anschubfinanzierung bereit, um die Ideen der einfallsreichsten Kindergärten zu realisieren.
Infos über Telefon 3 48 07-16 oder im Internet:
http://www.gesundekinder-in-bw.de
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Tagesspiegel 22.5. 2003Sparen durch Prävention
Bei einer öffentlichen Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages waren sich am Mittwoch die Fachleute aus dem Gesundheitswesen und der Sportwissenschaft einig: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Bedeutung des Sports bei der Prävention und Rehabilitation sind ungenügend und müssen gefördert werden.
Öffentliche Anhörung im Sportausschuss des Deutschen BundestagesDurch ein mögliches Präventionsgesetz könnten 25 bis 30 Prozent der potentiellen Behandlungskosten eingespart werden. Einig war man sich auch, dass hinsichtlich einer Prävention das Angebot bei Kindern im Schulsport, aber auch im Vereinssport sowie im Bereich des Betriebssports zu gering sei.
Deshalb müsse der Bund auch Signale senden, um drohende Kosten einzusparen, lautete der gemeinsame Tenor der Krankenkassen. „Die eingeschränkten Bewegungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen sind Besorgnis erregend. Wenn wir mehr Unterstützung vom Bund erhielten, wäre das sehr wichtig“, meinte Dr. Eckhart Fiedler, Vorstandsvorsitzender der Barmer Ersatzkasse.
Im Zuge der Gesundheitsreform werden die Handlungsmaßnahmen der Krankenkassen erweitert. Zur Zeit ist ein Betrag von 2,56 Euro pro Jahr und Versicherten für Maßnahmen zur Prävention vorgesehen.
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Sudwestpresse 22.5. 2003
Reformpädagogik als Wurzel für heutige Konzeptionen
Von "schiefen Mädchen" bis zu WandervögelnDie Wurzeln des heutigen Schulsports liegen in den vergangenen drei Jahrhunderten. Dr. Franz Begov hat sich auf einen Streifzug durch die Geschichte der Leibeserziehung eingelassen. Im folgenden Interview schlägt der Tübinger Sporthistoriker den Bogen zur Gegenwart.
Auf den Spuren der Geschichte
der Leibeserziehung:
Dr. Franz Begov.
Herr Begov, heute wird von Schulsport gesprochen. Wo liegen denn die Ursprünge der Leibeserziehung?FRANZ BEGOV: Den Begriff Schulsport gibt es erst seit der Curriculum-Theorie Ende der 60er-Jahre. Gymnastik, angelehnt an das griechische Vorbild, wurde aber schon Ende des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal in den schulischen Lehrplan integriert. Die erste Anstalt wurde 1774 in Dessau gegründet, die bedeutendste war dann Schnepfental bei Oberhof im Thüringerwald. 1793 schrieb GutsMuths seine "Gymnastik für die Jugend". Ein Philanthropin war allerdings eine exklusive Einrichtung, die nur von den Kindern wohlhabender Leute besucht wurde.
Welches Bewegungsgut entsprach denn den Vorstellungen der Pädagogen um GutsMuths?
BEGOV: Der Körper sollte der Lehrer für die geistige Entwicklung sein. Es ging um die Vervollkommnung des Menschen. Bildung wurde als unvollständig angesehen, wenn sie das Körperliche nicht in angemessener Weise berücksichtigte. Wichtig waren Klettern, Laufen, Springen, Balancieren, Schwimmen, auch Eislaufen. Dazu kamen an den Heimschulen Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Holzhacken.
Heute wird der schlechte körperliche Zustand von Kindern und Jugendlichen beklagt. Waren denn schon in der Zeit der Gymnastik körperliche Missstände erkennbar?
BEGOV: Zivilisationskrankheiten waren das Thema der Aufklärungsmedizin im ausgehenden 18. Jahrhundert: Verweichlichung, Übergewicht, Haltungsschwächen, Kurzatmigkeit, psychische Störungen, auch Kleidung, die die Atmung eingeengt hat. Die Pädagogik jener Zeit hat diese Gedanken aufgenommen. Die Missstände sollten beseitigt werden. Ab 1832 wurden auch Übungen für die sogenannten "schiefen Mädchen" eingeführt.
Um den Sinn von Zensuren im Sportunterricht ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gestritten worden. Gab es denn in jener Zeit schon Noten?
BEGOV: Es gab bei den Philanthropen erste Ansätze. Bei besonders guten Leistungen wurde in eine Meritentafel aus Holz ein kupferner Nagel eingeschlagen. Es gab also durchaus Gütemaßstäbe im Hinblick auf Lernfortschritte. Mit der Einführung des Schulturnens Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Fach in den Lehrplan und die Note ins Zeugnis aufgenommen. 1842 wurde nämlich beschlossen, dass Turnen ein notwendiger und unentbehrlicher Bestandteil der männlichen Erziehung sein sollte. Zunächst wurde es an höheren Schulen, dann an Volksschulen und später auch für Mädchen eingeführt.
Unter Spiess haben im Schulturnen mechanistische Bewegungs-Anweisungen dominiert. Warum?
BEGOV: Die medizinische Argumentation war, dass bei Untersuchungen zur Wehrtauglichkeit die Anforderungen zunehmend nicht erfüllt wurden. Die Schule sollte Abhilfe schaffen: mit Ordnungsübungen, die mit mechanistischem Drill ausgeführt wurden, mit einer Sucht nach Systematisierung, mit exerziermäßigem Marschieren nach vorgegebenem Takt und Befehl.
Welche Phase der einstigen Entwickung hat denn den Schulsport von heute am meisten beeinflusst?
BEGOV: Die Wurzeln sind in der Reformpädagogik um die Jahrhundertwende zu suchen. Der Ansatz kam aus einer Zivilisations-Kritik. Gefordert wurde natürliches Turnen, das kind- und entwicklungsgemäß war. Der Lehrer trat in den Hintergrund und wurde mehr Berater. Bewegung sollte einfach, lebensnah, praktisch und umweltbezogen sein. Skilaufen, Schwimmen, Wandern waren wichtig. Anstöße der Jugend-, Wandervogel- und Landerziehungsheim-Bewegung förderten das soziale Erleben. Überdies wich das Korsett einer weiten und bequemen Kleidung. Das ging bis zur Nacktkörperkultur auch an Schulen.
Heutzutage werden häufig nicht einmal die im Stundenplan vorgeschriebenen drei Wochenstunden Sportunterricht erteilt. War es damit einst besser bestellt?
BEGOV: Bei den Philanthropen war die tägliche Stunde nicht Forderung, sondern Realität. Später wurde das Schulturnen an höheren Schulen viermal wöchentlich angeboten. Zu Zeiten der Reformpädagogik wurden in einer Gesetzesinitiative sechs Wochenstunden empfohlen. Das zeigt, dass unser heutiges Schulsystem weit zurückgefallen ist hinter die damaligen Forderungen. Was den Erziehungsanspruch betrifft, war man damals in vielem fortschrittlicher als wir es heute sind.
Ende des 18. Jahrhunderts war die tägliche Bewegungsstunde
der Schüler Realität: u. a. mit Klettern und Stabweitsprung.
Aus: "Gymnastik für die Jugend", 1793
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Junge Welt 21.5. 2003Sport - PISA
Fußpilz und Malaria
Zu Weihnachten 2004 wird Wissen über Deutschland gestreut werden wie Puderzucker über den Dresdner Stollen.
Neuigkeiten werden aber nicht über den gesunden Geist kundgetan, sondern über den kranken Körper. Ende nächsten Jahres sollen die ersten Ergebnisse der gerade begonnenen Untersuchung des deutschen Schulsports vorliegen – auf Bundesniveau. Ob allerdings wirklich von Niveau gesprochen werden kann, wird sich erst noch zeigen. Vorläufig gibt es Skepsis: »Der Schulsport krankt«, sagt Ingo R. Weiss, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend, »aber wir wissen nicht, ob es Fußpilz oder Malaria ist.«Weiss verspricht sich von der Untersuchung eine Bestandsaufnahme der Schulsportsituation und vor allem Argumente für die Diskussion mit den Kultusministern. Für ihn ist klar, daß es nicht zum besten steht mit dem Schulsport. Bisherige wissenschaftliche Untersuchungen belegen mangelnde Fitness unter den Kindern und Jugendlichen.
Die »Untersuchung der aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland«, so die offizielle Bezeichnung der Studie, ist gemeinsachaftlich vom Deutschen Sportbund (DSB) und der Deutschen Sportjugend in Auftrag gegeben worden. 250000 Euro stehen bereit, vom DSB und den Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen, Hamburg und Nordrhein-Westphalen. Das vordringlichste Ziel der in Europa einmaligen Studie ist es, die Rahmenbedingungen an allen sechs Schultypen zu erforschen. Dazu sollen Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter befragt und die Datensätze dann miteinander in bezug gesetzt werden.
Durch die Studie würde sich ein Ranking der Länder ergeben, eben ein Schulsport-PISA. DSB-Präsident Manfred von Richthofen glaubt, daß sich dadurch bei den Kultusministern ein Druck zum Handeln ergeben wird.
Die Befragung wird in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Schleswig-Holstein und Hamburg durchgeführt. Einbezogen sind die Universitäten von Paderborn, Magdeburg, Essen, Frankfurt (Main) und Augsburg sowie die Deutsche Sporthochschule in Köln.
DSB - Presse 20.05.2003
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Ganztagsschulen - eine Herausforderung für den SportGanztagsschulen schaffen neue Aufgaben auch für Sportvereine. Die in einigen Bundesländern unter dem Eindruck des Pisa-Schocks im Schweinsgalopp verordnete Ganztagsbetreuung - vorrangig im Primarbereich (6 bis 10 Jahre), offen (freiwillig) oder geschlossen (Pflicht) - ist für Großvereine durchaus zu meistern. Für die kleinen Vereine, vor allem im ländlichen Raum, bauen sich schwer überwindbare Hindernisse auf. Poolbildung - orts- und schulübergreifende Zusammenarbeit - heißt dort die Einstiegsformel.
Professor Walter Tokarski, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, empfiehlt die einmalige Vereinskultur zu stärken, fürchtet aber erhebliche Auswirkungen der Ganztagsschule auf die Vereinslandschaft: „Der Sportbegriff dort ist weniger auf Leistung und Lernen ausgelegt, sondern auf Freiwilligkeit und Freizeitgestaltung. Die Mischform von Vereins- und Schulsport bevorzugt stärkere Freizeitorientierung. Es geht nicht allein um Partnerschaft, es geht auch darum, die gesellschaftliche Entwicklung von Jugendlichen aufzugreifen.“ Sylvia Glander, die neugewählte Vorsitzende des Freiburger Kreises, der das Thema Ganztagsschule bei seinem Frühjahrsseminar bei der SG Langenfeld diskutierte, pocht auf die Führungsrolle der Großvereine: „Die Vereine müssen in den Kommunen das Konzept in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass das Sportkonzept in das pädagogische Konzept eingebunden wird.“ Sie erwartet angemessene Mitsprache und kompetente Ansprechpartner in Stadt und Land, sowie ein Minimum an Bürokratie.
Der Freiburger Kreis, die Arbeitsgemeinschaft von 165 Großvereinen, ist bereit, einmal mehr Lokomotive zu spielen in der Schul- und Sportentwicklung. Wobei wegweisende Pionierdienste in diesem Bereich vor allem dem Landessportbund Rheinland-Pfalz zugeschrieben werden müssen. Auch Nordrhein-Westfalen spielt bei der Umsetzung der Ganztagsbetreu-ung eine führende Rolle, was Kooperation, Finanzierung und Handreichung zwischen Landessportbund und Politik betrifft. NRW-“Kultusministerin“ Ute Schäfer („Wir machen Schule nicht dadurch besser, dass wir am Nachmittag eine Gegenwelt inszenieren“) wirbt für die Partnerschaft. Neuer Rhythmus im Schultag, verlässlicher, zeitlich begrenzter Rahmen, neue Lernfelder und neue Arbeitsatmosphäre böten Chancen für bessere Lernqualität. Der Einstieg in die Ganztagsschule eröffne Vereinen die Chance, für sich zu werben und eine neue Klientel anzusprechen. Erste Erfahrungen von Großvereinen zeigen Mitgliederverluste, wenn sich Angebote überschneiden und Kinder zur Wahl zwingen.
Beim Frühjahrsseminar des Freiburger Kreises schwankte die Stimmung zwischen Selbstbewusstsein und Bedrohung. Pferdefüße wurden offenbar. Viele reden von Ganztagsbetreuung und werben darum, die Vereine mit ins Boot zu holen, doch existieren weder Rahmen-vereinbarungen noch Kooperationsmodelle.
Die Vereine verlangen, die Ausgestaltung mitbestimmen zu können. Bedenken und Vorbehalte gibt es reichlich: Ganztagsschulen entwickeln Konkurrenz, werben Übungsleiter ab und schmälern Trainingszeiten in kommunalen Sporthallen. Bleiben sie nach großzügiger Anschubfinanzierung durch Bund (vier Milliarden Euro), Länder (820 Euro pro Kind und Jahr), sowie Kommunen (410 Euro) nach dem Jahr 2007 auf den Kosten sitzen? Gehen andere Fördertöpfe für den Sport verloren? Qualifizierte Betreuung - vor allem am Nachmittag - bittet auch die Eltern zur Kasse. Die politisch gewollte, selbständige, selbst verwaltete und vielleicht sogar selbst finanzierte Schule droht Gefälle und Wettbewerb zwischen Bundesländern, Kommunen und Schultypen zu verschärfen.
Schulleiter Andreas Lindemeier, Mitglied im Ausschuss für Breitensport und Sportentwicklung im LSB Niedersachsen, vermisst an vielen Stellen Sachorientierung: „Wir waren eigentlich im Schulsport auf gutem Weg vor Pisa.“ Angesichts der Finanznot der Kommunen heißt nun das Gebot: Wie kann ich das möglichst kostengünstig organisieren? Lindemeier: „Der Sport im Verein kann nicht staatliche Verpflichtungen übernehmen.“ In vielen Landessportbünden ist das Reizthema noch gar nicht angekommen. Eine Reihe von Ländern verweigern sich: „Da sind 16 Bundesländer auf unterschiedlichem Weg.“ Der Mangel an Personal und Sportstätten, erschreckende körperliche Defizite der Schüler, sowie unterschiedliche Wertigkeit des Sports bei Eltern, Kindern und Schulleitungen erschweren den Einstieg in sportbetonte Ganztagsschulen.
Am einfachsten erscheinen sportliche und inhaltliche Ausgestaltung der Ganztagsbetreuung vor allem durch die Großvereine. Der ausgeschiedene Vorsitzende des Freiburger Kreises, Bodo Bollmann, verriet Selbstbewusstsein: „Wir sind ganz vorne, was die Angebote anlangt.“ Grundsätzlicher Klärungsbedarf herrscht bei Finanzierung, Kooperations- und Vertragsgestaltung - Partner sind die Kommunen, nicht die Schulen - und bei der Qualität von Angebot und Personal. Die Vereine werden Ländern und Kommunen nicht die staatliche Pflichtaufgabe Schulsport abnehmen oder zu Billigtarifen Sportunterricht an Schulen sichern. Die Autonomie des Sports bleibt höchstes Gebot. Daran lässt auch Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes, keinen Zweifel. Er sagt aber gleichzeitig: „Wir müssen die Ganztagsschule als große Chance für den Sport begreifen, über den staatlichen Bildungsauftrag eines qualifizierten Schulsports hinaus neue Akzente für die Bewegungs- und Leistungsorientierung von Kindern und Jugendlichen zu setzen.“
Märkische Zeitung 14. 5. 2003
Gezielte Förderung der BewegungErgotherapeutin Sabine Kramer bietet Kindern der Grundschule Oberbrügge ein besonderes Sportprogramm"Bewegungsförderung" heißt das neue Konzept an der Grundschule Oberbrügge. Ergotherapeutin Sabine Kramer bietet dieses neue Sportprogramm für die Kinder der Grundschule an. In einer Art besonderem Sportunterricht lernen die Kleinen ihren Körper besser kennen und finden wieder Spaß an der Bewegung. "Die meisten Kinder leben in einer sehr bewegungsunfreundlichen Atmosphäre. Heutzutage fehlen einfach Bewegungsanreize für die Kids", so Brigitta Schmitt, Leiterin der Grundschule Oberbrügge.
Um dem entgegenzuwirken, beschäftigt sich Sabine Kramer einmal die Woche mit den "Kleinen" und versucht ihnen ein natürliches Gesundheitsbewusstsein zu vermitteln. "Ich versuche ihnen klar zu machen, dass Bewegung ihnen gut tut, und durch den Sport bekommen sie auch mehr Selbstbewusstsein", erklärt die Ergotherapeutin. Durch dieses neu gewonnene Selbstvertrauen sollen die Mädchen und Jungen eine größere soziale Kompetenz aufbauen, und Kontaktaufnahme untereinander erleichtert werden.
Die Wahrnehmung steht bei Sabine Kramers Unterricht im Mittelpunkt. So versucht sie ihre Stunden unter ein bestimmtes Motto oder ein Thema zu stellen und bindet die Bewegungsabläufe so weit wie möglich in eine Geschichte ein. So war gestern das Thema "Fuß" für die Kinder wichtig. "Viele Kinder haben eine schlechte Fußmuskulatur und daher auch Probleme mit den Füßen", erklärte Sabine Kramer.
Schnell wurden Schuhe und Socken ausgezogen und dann sollten beispielsweise kleine Kirschkernsäckchen mit den Zehen aus einer Kiste genommen werden.
15 Kinder finden sich je in einer Gruppe für die Bewegungsförderung zusammen. "Mehr Kinder können nicht in eine Gruppe, die Individualität würde dann auf der Strecke bleiben", erklärt die Ergotherapeutin. Die Idee zur Bewegungsförderung entstand bei der Beobachtung der Schulneulinge, deren Entwicklungsstand dabei auch bewertet wird. Viele der Kinder hatten vor der Einschulung keinen bis nur wenig Sport betrieben. Auf Rat ihrer Klassenlehrer wurden sie in das Bewegungsförderungsprogramm der Grundschule aufgenommen.
Der Unterricht findet für die Kinder am Morgen statt, so dass sie direkt nach dem Unterricht in die Sporthalle können. So müssen weder Eltern noch Kinder besonders viel Freizeit opfern oder lange Fahrten mit Auto oder dem Bus auf sich nehmen. "Das Konzept hat sich wirklich bewährt, wir sind sehr zufrieden", freut sich auch Schulleiterin Brigitta Schmitt. Und genau deshalb wird das Konzept auch im nächsten Halbjahr wieder für die Kinder angeboten.
Erste Ergebnisse der Schulsportuntersuchung Ende 2004
Die Situation des Schulsports in Deutschland wird sich schon bald viel klarer darstellen lassen. Bis Ende nächsten Jahres werden die ersten Ergebnisse der jetzt begonnenen bundesweiten „Untersuchung der aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland“ an allen Schultypen vorliegen, die gemeinschaftlich vom Deutschen Sportbund und der Deutschen Sportjugend in Auftrag gegeben wurde. Nach Angaben von Prof. Wolf-Dietrich Brettschneider von der Universität Paderborn, der unter sechs sportwissenschaftlichen Instituten die Federführung inne hat, ist der Zeitrahmen zwar knapp gesteckt, aber einzuhalten.
Bis Mitte dieses Jahres sollen als erstes die Fragebogen als Instrumentarium ausgearbeitet und mit den Kultusministerien abgestimmt sein. Anschließend erfolgen die Befragungen an rund 200 Schulen mit circa 7000 Schülerinnen und Schülern sowie die ersten Auswertungen. „Die Untersuchung kann einen wertvollen Beitrag leisten, Strategien und Maßnahmen zu finden, die Qualität des Schulsports zu sichern und verbessern, gleichzeitig aber auch erkennbare Defizite zu beseitigen“, sagte Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes, bei der Präsentation der Untersuchungs-Details in Berlin.
Der Deutsche Sportbund teilt sich mit den fünf Bundesländern der nationalen Olympia-Bewerberstädte - Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen - die Finanzierung der Kosten von 250.000 Euro für die in Europa bisher einmalige Analyse. Aus der Sicht von Ingo R. Weiss, des Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend, sollen durch die Untersuchung eine Bestandsaufnahme der Schulsport-Situation und vor allem Argumente für die Diskussionen mit den Kultusministerien geliefert werden.
„Es geht um den Nachweis einer Situation“, meinte Weiss in Berlin. „Bisher können wir nichts nachweisen, wenn wir kritisieren. Deshalb müssen wir vorsichtig mit unserer Kritik umgehen.“ Für ihn ist klar, dass es nicht zum Besten um den Schulsport bestellt ist: „Der Schulsport krankt, aber wir wissen nicht, ob es Fußpilz oder Malaria ist.“ Alle wissenschaftlichen Untersuchungen belegen aber die mangelnde Fitness unserer der Kinder und Jugendlichen, worauf auch Manfred von Richthofen in Berlin noch einmal hinwies.
Das vordringlichste Ziel von Brettschneider ist es, die Rahmenbedingungen an allen sechs Schultypen in Deutschland zu untersuchen, um dann etwas über die Wirkung des Schulsports sagen zu können. Dafür will er Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter befragen und diese Datensätze dann miteinander in Bezug bringen. Neben einer allgemeinen Befragung wird es bei extrem schlechten oder guten Ergebnissen auch noch Einzelfall-Untersuchungen für ein genaueres Urteil geben. Ziel der Analyse sind unter anderem die Lehrpläne der Länder, die Leistungsbereitschaft von Schülern und Lehrern, die Belastung durch den Sport, schulische Bedingungen sowie die Vor- und Ausbildung von Lehrern. Aber auch die Atmosphäre an den Schulen, ob sportgünstig oder eher ablehnend, soll ebenso in die Untersuchung einfließen wie die Sportstätten-Situation. „In dem Forschungsvorhaben wird es generell darauf ankommen, das Spannungsverhältnis, das zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht, offen zu legen“, meinte Richthofen.
Die Befragung wird auf die sieben Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg, NRW, Schleswig-Holstein und Hamburg konzentriert sein. Die Ergebnisse werden durch eine spezifische, wissenschaftlich abgesicherte Auswahl für Deutschland repräsentativ sein. Neben der Universität Paderborn sind noch die Universitäten von Magdeburg (Dr. Rüdiger Heim), Essen (Prof. Werner Schmidt), Frankfurt (Prof. Robert Prohl) und Augsburg (Prof. Helmut Altenberger) sowie die Deutsche Sporthochschule in Köln (Prof. Volker Rittner) involviert. Jede einzelne Hochschule befasst sich mit einem spezifischen Themenbereich. In Paderborn erfolgt die Zusammenführung.
DSB-Präsident Manfred von Richthofen sieht nach jahrelangem Schweigen über die Situation des Schulsports endlich Bewegung in der Debatte mit der Kultusministerkonferenz. „Wir erhoffen uns von der Studie eine deutliche Signalwirkung“, sagte Richthofen. Durch die Studie würde ein Ranking der Länder entstehen, und es würde einige geben, die in dieser Rangfolge unten stehen. Bei den Kultusministern glaubt der DSB-Präsident dann an einen Druck zum Handeln. Die Wichtigkeit des Themas Gesundheit der Kinder werde immer mehr Verantwortlichen bewusst. Beim Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder sei es immerhin die Nummer eins der Tagesordnung gewesen. „Es geht um das Wertvollste, das unsere Gesellschaft besitzt, um unsere Kinder und Jugendlichen, um unsere Zukunft“, sagte Richthofen.
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Hamburger Abendblatt 13.5.2003Protest: Lehrer streichen die Sportfeste
Streit um Arbeitszeit: Kein "Jugend trainiert", kein Alster-Schachturnier, keine Schülermeisterschaft - der Beschluss der Sportlehrer.Hamburg -Vom 14. August an soll es in Hamburg keine schulübergreifenden Sportwettkämpfe mehr geben: Aus Protest gegen das neue Arbeitszeitmodell haben Hamburgs Sportlehrer beschlossen, im Schuljahr 2003/2004 die Aktivitäten ausfallen zu lassen, die über den Unterricht hinausgehen. Betroffen sind alle Hamburger Schüler-Meisterschaften, die Wettkämpfe von "Jugend trainiert für Olympia", das Schachturnier rechtes gegen linkes Alsterufer und die Sonderaktionen zum Jahr des Schulsports.
Da das Lehrerarbeitszeitmodell den Sportlehrern extreme Mehrarbeit zumute, könne diese zusätzliche, freiwillige Arbeit nicht mehr getan werden, heißt es in dem einstimmig gefassten Beschluss der Sport-Kreisbeauftragten und Schulsport-Fachausschussvertreter. Die Versammlung repräsentiert die Sportlehrer, die Schulwettkämpfe organisieren.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt die Entscheidung. "Sportlehrer müssen nach dem neuen Arbeitszeitmodell drei bis vier Stunden mehr pro Woche unterrichten als bisher", sagte GEW-Sprecherin Ilona Wilhelm. "Da bleibt für außerschulische Aktivitäten keine Zeit mehr." Bisher unterrichten die Sportlehrer je nach Schulform zwischen 27 und 30 Stunden wöchentlich.
Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) reagierte gelassen: "Ich bin sicher, dass das nicht so kommen wird." Ende Mai könnten die Schulleiter die exakte Arbeitsbelastung ihrer Lehrer berechnen, weil dann die Schülerprognosen und der Bedarf für die einzelnen Schulen vorlägen. "Dann werden die Sportlehrer feststellen, dass außerschulische Aktivitäten mit dem Modell sogar stärker berücksichtigt werden als bisher."
Behördensprecher Alexander Luckow räumte ein, dass man niemanden zu freiwilliger Arbeit zwingen könne. Sollte es zu echten Streiks kommen, werde man "alle Sanktionen des Beamtenrechts ausschöpfen - inklusive Gehaltskürzungen". "Dass es an den Schulen brodelt, wusste ich", sagte Elternkammer-Vorsitzende Sabine Bick. "Das Ausmaß, das jetzt zu Tage tritt, überrascht mich aber doch." Den Beschluss der Sportlehrer betrachte sie "sehr zwiegespalten". Die zusätzlichen Sportangebote der Schulen müssten bleiben, da "nicht alle Hamburger Schüler privat teuer für ihren Sport bezahlen können".
Schülerkammer-Vorstand Björn Maas sagte, der Streit dürfe nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden. Nach Abendblatt-Informationen planen die Schüler Ende Mai oder Anfang Juni einen großen Schulstreik - aus Solidarität mit den Lehrern.
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Hamburger Abendblatt 13.5.2003Schulsport - Im Gespräch
Hamburgs Bildungssenator Rudolf Lange (61, FDP) hat 2003 zum Jahr des Schulsports ernannt. Gleichzeitig kündigte er eine Modernisierung des Sportunterrichts und die stärkere Berücksichtigung von Trendsportarten im Freien wie Inline-Skating an. Dahinter verbirgt sich auch, dass seit Einführung der dritten Sportstunde für die Klassen eins bis zehn im August 2002 nicht genügend Hallen vorhanden sind, immer häufiger nach draußen ausgewichen werden muss. Außerdem brachte die zusätzliche Sportstunde die Schulen wegen Lehrermangels in Schwierigkeiten, was Proteste nach sich zog.
Aber Schulsport war immer ein Thema, über das gestritten wurde: So beschloss die Bürgerschaft bereits 1978 die Erteilung einer dritten Sportstunde. Als der Beschluss 1981 noch immer nicht umgesetzt war, warfen Kritiker dem Senat vor, er sei verantwortlich dafür, dass 60 Prozent der Schüler an Haltungsschäden, 30 Prozent an Übergewicht litten. Doch ganz so schlimm ist es wohl nicht: In einer Langzeitstudie kam die Uni Hamburg 2002 zu dem Ergebnis, dass die Schüler immer fitter werden.
Schulsportuntersuchung
Macht Toben schlau?
Der 59-jährige Wolf-Dietrich Brettschneider
ist Professor an der Universität Paderborn,
Leiter der Projektgruppe Schulsportuntersuchung und passionierter Volleyballer.ND: Bis Ende 2004 wollen Sie die erste wissenschaftliche Studie zur Lage des Schulsports in der Bundesrepublik vorlegen. Was wird dazu soziologisch nachgefragt?
Brettschneider: Wir nehmen uns die Rahmenbedingungen vor. Also die materiellen an den Schulen, weiter die Sportlehrer, die Schülerinnen und Schüler selbst, die Eltern.Wo passiert und wann beginnt alles?
An rund 200 Schulen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hamburg, und es wird den Sportunterricht von rund 7000 Schülerinnen und Schülern betreffen. Beginnen wollen wir nach den Sommerferien.Bei PISA wurde und wird zehn Mal mehr gefragt. Werden Sie dennoch repräsentative Ergebnisse liefern können?
Bei PISA sind auch die Kosten um einen ähnlichen Faktor höher. Wir haben lediglich 250000 Euro zur Verfügung. Dennoch werden wir zum Untersuchungsgegenstand für Deutschland repräsentative Werte vorlegen.Ihr Auftraggeber, der Deutsche Sportbund, macht kein Hehl aus seiner Erwartung, dass Ihre Ergebnisse die gängige Meinung, die Schulsport-Situation werde immer mieser, stützen wird – und dass er mit diesen Zahlen dann noch mehr Druck auf die Politik machen will. Fühlen Sie sich dadurch als Wissenschaftler auch selbst unter Druck gesetzt?
Nein, sonst hätte ich den Auftrag nicht angenommen. Ich bin allein an wissenschaftlichen Ergebnissen interessiert. Und dass ich auch Konflikte mit dem DSB aushalte, hat meine Studie zur Situation von Jugendlichen in Vereinen gezeigt. Die hat so manchem auch nicht in den Kram gepasst.Sie wollen sich nun nur der Schulsport-Rahmenbedingungen annehmen. Würden direkte Leistungstests die Aussagekraft nicht erhöhen?
Ja, sicher. Aber das ist eine Kosten- und Zeitfrage. Außerdem ist die Fitness-Situation von Schülerinnen und Schülern über mehrere Jahre, jüngst erst wieder in der WIAD-Studie, recht gut dargestellt worden. (ND, 12. März 2003: »Deutschlands Jugend geht die Puste aus«)Meinen Sie denn, dass die Politik, konkret: die für den Schulsport verantwortlichen Kultusminister der Länder, von einer wissenschaftlichen Studie mehr zu beeindrucken sein wird als von den vielen, jetzt schon bekannten katastrophalen Einzelbeispielen an Schulen?
Ach, man sollte die faktische Kraft so einer Studie nicht unterschätzen. Die, mit der wir in den 90er Jahren beispielsweise die Sinnhaftigkeit der Sport-Eliteschulen für die Bundesrepublik belegen konnten, hat auch viele politische Vorbehalte ausgeräumt und zu Akzeptanz und Unterstützung beigetragen.Als wesentliches Argument für mehr und besseren Schulsport wird häufig der positive Effekt für die Entwicklung der Kinder insgesamt angeführt, also die fruchtbare Wirkung der motorischen auf die kognitive Entwicklung. Teilen Sie diesen Zusammenhang?
Ich bin sehr sportverbunden, aber als Wissenschaftler argumentiere ich auch da lieber auf der Basis gesicherter Ergebnisse. Das Motto »Toben macht schlau« mag zwar griffig sein, aber eine so schlichte Kausalität ist eben wissenschaftlich noch nicht belegt – und deshalb in der öffentlichen Diskussion auch angreifbar.
"Eine Pisa-Studie für den Sport an der Schule"
Initiative des Sportbunds / Neue Hoffnung fürs HerzogenhornNEUSTADT. Mehr Sport und Bewegung in der Schule! Das bleibt eines der großen Zukunftsthemen in Deutschland, und der Badische Sportbund Freiburg (BSB) tut gut daran, immer neu darauf hinzuweisen. Vieles drehte sich bei der alljährlichen Sitzung des BSB-Präsidiumsbeirates um die Frage, wie Sportvereine und Schulen noch enger zusammenarbeiten könnten. In Titisee-Neustadt forderten Fachleute, die Debatte um Schulreformen breiter anzulegen - also an mehr zu denken als an Deutsch, Chemie und Mathematik.
Äußerst "kopflastig" findet Matthias Krause, der Geschäftsführer des BSB, auch die so genannte Pisa-Studie. Welche motorischen Fähigkeiten Kinder haben, wurde dort erst gar nicht untersucht. "Bewegung, Wahrnehmung und Sprache hängen aber eng miteinander zusammen", sagte Krause und berichtete von Untersuchungen, nach denen bewegungsfreudige Kinder sich besser konzentrieren und mehr lernen könnten als Stubenhocker. Führt spitzenmäßiger Schulsport zu besseren Noten in den "Kopf"-Fächern? Einiges deutet darauf hin. "Eine Pisa-Studie für den Sport" sei dringend erforderlich, so Krause...
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Leipziger Volkszeitung 5.5. 2003Mehr Bewegung in den Sportunterricht
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Leipzig. Das durchschnittliche Fitness-Pensum der aufstrebenden Generation fällt überschaubar aus. Jung und dynamisch soll die Verbindung im Idealfall sein, aber sie ist von der Bestnote weit entfernt. Denn Bewegung in der Schulturnhalle wird (zu) oft in die Kategorie "Vergiss es!" eingeordnet, viel lieber legt der junge Mensch den Weg vom Computer-Stuhl zum Kühlschrank hin und zurück. Jetzt winkt Olympia - und alles wird dynamischer?
"Normalerweise müsste täglich eine Stunde Bewegung auf dem Plan stehen. In den skandinavischen Ländern ist das so, die lagen in der Pisa-Studie weit vor uns. Deshalb muss die dritte Sportstunde kommen, dafür machen wir uns stark", sagt Detlef Stötzner, Präsident des Sächsischen Sportlehrer-Verbandes. Dritte Sportstunde?, wird sich mancher verwundert fragen, die gibt es in Sachsen doch längst.
Im allgemeinen Olympia-Plus-Katalog vor der Entscheidung für Leipzig natürlich, doch im speziellen Fall eben nicht. Während an Grund- und Mittelschulen sowie am Gymnasium bis Klasse 7 der wichtigen Körperkultur drei Stunden eingeräumt werden, spielt sich für Gymnasiasten ab der Achten nur zweimal Sport ab. In Berufs- und Förderschulen ist im Durchschnitt eine Stunde eingeplant oder es findet gar kein Sport statt. "Da muss etwas passieren", fordert Detlef Stötzner, "wenn wir uns auf der einen Seite als Sportland und Olympiastadt präsentieren, dann muss auf der anderen auch die Basis gestärkt werden." Der 43-jährige Pädagoge, mit seiner Position schon oft an höherer Stelle angehört, für gut befunden und doch wieder vertröstet, hofft, dass jetzt mit der Olympia-Euphorie im Rücken die Sache vorwärts getrieben wird.
Genügend Hallen (moderner Art), umfassende Ausstattung (Trend darf sein) und ausreichend Lehrer (ausgebildet und motiviert) - geschieht endlich Neues unter olympischer Sonne? Landessportbund-Präsident Hermann Winkler setzt sich dafür ein: "Wir wollen den Zuschlag für die Spiele. Doch da dürfen wir alles andere wie Schul- und Breitensport nicht vernachlässigen." So regte Winkler unmittelbar nach dem Leipziger Triumph im nationalen Bewerberwettstreit einen "Sportgipfel" an, an dem neben dem LSB Vertreter der Staatsregierung, der Partnerstädte sowie Verbände und Kreissportbünde teilnehmen werden. Ministerpräsident Georg Milbradt hat den Vorschlag aufgegriffen und lädt am 21. Mai nach Dresden ein. Konkrete Maßnahmen sollen am Ende auf dem Tisch liegen.Kerstin FörsterBeate Melior (43), Mittelschule Krostitz: Es wäre wichtig, dass das Fach Sport aufgewertet und als Prüfungsfach zugelassen wird. Damit die Schüler ein Ziel haben, wofür sie kämpfen müssen. Gerade im Sportunterricht werden den jungen Leuten doch Eigenschaften wie Einsatzwille, Kameradschaft und Teamgeist vermittelt, die für die berufliche Ausbildung sehr wichtig sind.
Lehrerstimmen
Kathi Borck (37), Förderzentrum "Johannes Trüper" Chemnitz: Bei uns ist die dritte Sportstunde bis zur 9. Klasse obligatorisch. Das ziehen wir durch, weil unsere Kinder einen extremen Bewegungsdrang haben. Aber die finanziellen und materiellen Rahmenbedingungen lassen zu wünschen übrig. Beispielsweise würden wir gern Inlineskaten anbieten, doch an die Ausrüstung ist nicht zu denken. Bis zum Vorjahr hatten wir nicht mal eine eigene Halle.
Hella Schütze (53), Kreuzschul-Gymn. Dresden: Wir können nicht die simpelsten Sachen kaufen, Bänke, Parkett, Geräte - alles kaputt. Eigentlich müsste unsere Halle gesperrt werden. Die dritte Sportstunde ist in keiner Klasse möglich, weil wir sie materiell und personell nicht absichern können. Wir haben viele Ideen, die deshalb auf der Strecke bleiben. Olympia kann mobilisieren und aufmerksam machen, wo es klemmt.
Elvira Liß (46), MS Bad Düben: Die Hallen-Bedingungen müssten unbedingt verbessert werden. Wenn sich 60 Kinder auf einem Volleyballfeld drängen, ist an interessanten Unterricht kaum zu denken. Wir brauchen mehr ausgebildete und engagierte Sportlehrer, dann kommt im Nachwuchs auch eine andere Breite nach.
Andrè Kamm (40), Lichtwehr-Gymn. Wurzen: Die dritte Sportstunde bis zur Oberstufe wäre gut, damit sich die Schüler mehr bewegen. Wie heißt es so richtig: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Doch die Umsetzung ist illusorisch, es fehlt am Geld.
Michael Gatzke, Gymn. Schkeuditz: Ich möchte uneingeschränkt das Leistungsprinzip. Vor dem Spaß kommt die Arbeit. Wenn dieser Grundsatz gilt, ist mir auch um Olympia nicht Bange. Mein Wunsch ist, dass Unihockey 2012 Demo-Sportart wird. An unserer Schule haben wir damit angefangen, wollen in diesem Jahr noch einen Verein gründen.
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Ostseezeitung 3.5. 2003Fußball in der Hofpause
Sportliche Aktivitäten machen Schüler aufnahmefähigerBrinckmansdorf (OZ) Florian und seine Klassenkameraden spielen Fußball. Nicht im Sportunterricht, sondern während der Hofpause. „Macht voll Spaß“, sagt der zehnjährige Viertklässler, schnappt sich einen Ball und hämmert ihn mit Anlauf aufs Tor. Daniela versucht, auf Stelzen zu laufen. Caroline rollt auf einem so genannten Pedalo über den Basketballplatz. Nebenan tummeln sich Grundschüler auf der Skaterbahn des Wossidlo-Parks.Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Kinder sich zu wenig bewegen und ihre Leistungsfähigkeit bereits im Grundschulalter stark eingeschränkt ist. Die Grundschule Brinckmansdorf versucht seit Sommer 2001 mit dem Projekt „Bewegte Schule“ dagegenzusteuern, hat beispielsweise zusätzliche sportliche Angebote in den Ferien, Eislaufen in der vierten Klasse, Mathematik-Eckenflitzen und Englisch-Bewegung zu Liedern auf dem Stundenplan.
Seit vergangener Woche wurden zugunsten sportlicher Bewegung sogar die Unterrichtszeiten verändert und die erste Hofpause auf 20 Minuten ausgedehnt. Über den Schulverein konnten Spiel- und Sportgeräte angeschafft werden, die die Kinder in der Hofpause nutzen.
„Als wir den Kindern gesagt haben, dass sie wegen des guten Wetters jetzt wieder Sport in der Hofpause machen können, sind sie in Jubelstürme ausgebrochen“, erzählt Grundschullehrerin Catrin Leiding. Zwei Wochen sind seitdem vergangen, erste Folgen seien bereits spürbar. „Nach den sportlichen Aktivitäten in der Hofpause sind die Schüler weitaus aufnahmefähiger und konzentrierter“, hat Catrin Leiding festgestellt. Somit profitieren nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer.
Frankfurter Rundschau 30.4.2003
Vielen Jugendlichen ist der Hintern eingeschlafen
Hessische Ärzte untersuchen Folgen von Bewegungsmangel und stellen Rezept aus: mehr und besserer Schulsport
Kinder und Jugendliche bewegen sich immer weniger und ernähren sich immer öfter falsch - das hat erhebliche Folgen für die Gesundheit. Diese Diagnose ist nun erstmals in Hessen von einem Projekt des Kreises Waldeck-Frankenberg und des Medizinischen Zentrums Parkhöhe in Bad Wildungen bestätigt worden. Die Mediziner liefern auch ein Rezept: Mehr und besserer Sportunterricht könnte Abhilfe schaffen.
BAD WILDUNGEN. Verkürzte Muskeln, Haltungsschäden, zu viel Körperfett - das war die Bilanz, die der Mediziner Hermann Buhl vom Zentrum "Parkhöhe" im Schuljahr 2001/02 ziehen musste. 150 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren hatten sich freiwillig an dem Gesundheits-Check beteiligt, der vom Kreis Waldeck-Frankenberg und dem hessischen Kultusministerium finanziert worden war. Für die Bad Wildunger Reha-Klinik, die unter anderem Stoffwechsel- und orthopädische Erkrankungen behandelt, war das nicht nur ein Akt des guten Willens. Geschäftsführer Rolf-Peter Hoehle befürchtet weitere Einschnitte in diesem Bereich, deshalb will er "eine Diagnostik entwickeln, die auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit ausgerichtet ist".
Viele Krankheiten, die in seiner Klinik behandelt werden, so war die These, entstehen bereits im Kinder- und Jugendalter - die Studie sollte das belegen. Kürzlich hatte das Wissenschaftliche Institut der Ärzte in Deutschland (WIAD) im Auftrag des Deutschen Sportbundes und der AOK ermittelt, dass jedes fünfte bis sechste Kind bereits im Vorschul- und Einschulungsalter zu dick ist und dass die körperliche Leistungsfähigkeit von Kindern generell abnimmt. Aus der Sicht des im hessischen Kultusministerium für den Sportunterricht zuständigen Referenten, Klaus Paul, löste das Bad Wildunger Projekt vor Ort die nötige Betroffenheit aus.
Die Schüler mussten sich einer umfangreichen Prozedur unterziehen: EKG, Zahnstatus, Wirbelsäule, auch die Fußformen wurden überprüft. Und da traten erhebliche Abweichungen vom Normalzustand zu Tage, so Projektleiter Buhl. So habe sich etwa bei den Zehn- bis Zwölfjährigen gezeigt, dass nur die Hälfte über einen normalen Muskelzustand verfügt. Bei über 50 Prozent der Achtzehnjährigen seien die Sitzmuskeln verkürzt oder abgeschwächt - ein Zeichen für mangelnde Bewegung und vorwiegend sitzende Tätigkeiten.
Die Bad Wildunger Mediziner fanden heraus, dass der Körper von Schülern es gerade mal schafft, fünf Minuten lang seine Energie aus Fetten zu gewinnen, dann "schaltet" er quasi auf Kohlenhydrate um, weil die leichter verfügbar sind. Im Vergleich dazu kann ein Sportler immerhin 25 Minuten lang sein Fett abbauen. So ist es kein Wunder, dass Kinder viel zu dick sind. Im Gegensatz dazu stehen die Aussagen der Schüler, dass sie sich regelmäßig bewegen - doch meist nur bei Trendsportarten wie Basketball oder Inlineskating. Dabei entsteht jedoch laut Buhl nicht die Belastung, die für Fettabbau sorgt. Auch bei der Überprüfung des Sportunterrichts stellten die Mediziner fest, dass dort gerade mal acht bis zehn Minuten echte Belastungszeiten erreicht werden.
Nach der Diagnose kommt das Rezept, sagt Buhl: "Ein Jahr lang soll Sportunterricht nach unseren Vorstellungen stattfinden." Und zwar in der 6. Klasse der Bad Wildunger Ense-Schule, wo pro Woche eine Sportstunde mehr im Stundenplan stehen soll. Die Mediziner wollen während des Sportunterrichts überprüfen, was ein Lauf von zehn Minuten oder eine Turnübung bringt. Ihr Ziel: Durch intensivere Ausdauerübungen sollen pro Woche 2000 Kilokalorien umgesetzt werden, derzeit sind es laut Buhl etwa 500 Kalorien.
Schulleiterin Marianne Naumann-Boucsein verweist darauf, dass zunächst die Fachkonferenz der Sportlehrer und der Elternbeirat ihre Zustimmung geben müssen. Kultusministeriumsreferent Paul wendet ein, dass mehr Sportunterricht zu Lasten anderer Fächer gehe. Er gesteht zwar ein, dass das jetzige Maß an Sport "das Minimum ist", doch von einer Misere will er nicht reden. Schulsport sei "nicht nur das, was in der Stundentafel steht", hinzu kämen 400 Kooperationen von hessischen Schulen mit Sportvereinen, auch "Jugend trainiert für Olympia" oder die Bundesjugendspiele. In einigen Schulen, so räumt Paul ein, gebe es allerdings Probleme, weil die Sportanlagen nicht ausreichen. Der Referent für Schule und Sport bei der hessischen Sportjugend, Stephan Schulz-Algi, bemängelt zudem, dass häufig fachfremde Lehrer Sportunterricht halten.
Die gesundheitlichen Defizite bei Kindern und Jugendlichen sind aber aus Pauls Sicht "ein gesamtgesellschaftliches Problem" - da könne man "nicht alles auf die Schule abwälzen". So berichtet die Leiterin des Gesundheitsamtes im Kreis Waldeck-Frankenberg, Hannelore Wend, dass schon bei der Überprüfung der Schulreife von Fünf- bis Sechsjährigen immer öfter Haltungsschäden festgestellt werden. Für Schulsportreferent Paul ein Indiz dafür, dass in der "ersten Erziehungsphase" etwas schief läuft. Und so sollen dann auch bei dem Bad-Wildunger-Projekt die Väter und Mütter angesprochen werden: "Wir wollen", kündigt Projektleiter Buhl an, "sie auffordern, ihre Kinder zu unterstützen und selbst mehr Sport zu treiben."
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23.4. Sportunterricht.de
Presseerklärung Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport NRW (10.4.)Initiativprogramm zur Stärkung des Schulsports in NRW
Das Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport sowie das Ministerium für Schule, Jugend und Kinder haben eine Reihe von Schritten zur Stärkung des Schulsports in Nordrhein-Westfalen beschlossen. Sie setzen damit ein von der Landesregierung beschlossenes Initiativprogramm in die Tat um. „Wir wollen mit diesem Maßnahmen den Sport in den Schulen stärken, regelmäßige Bewegungszeiten vor allem für jüngere Schüler einführen und die sachgerechte Förderung der Kinder und Jugendlichen im Rahmen der Sport- und Gesundheitsförderung ausbauen“, erklärte Sportminister Michael Vesper.
„Wir nehmen die wachsenden Klagen über eine zunehmende Bewegungsarmut von Kindern und Jugendlichen und damit verbundene gesundheitliche Risiken sehr ernst“, betonte Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer. „Mit drei Stunden Sport pro Woche während der gesamten Schulzeit nimmt Nordrhein-Westfalen im Vergleich der Bundesländer zwar einen Spitzenplatz ein“, erklärte sie, „aber wir wollen weitere Anstöße liefern und Schwerpunkte setzen.“
In besonderer Weise kooperieren in Nordrhein-Westfalen Schulen und Sportverbände bei der Suche nach Talenten. Im Rahmen des Landesprogramms „Talentsuche und Talentförderung“ werden junge Kaderathletinnen und -athleten sowie sportlich talentierte Kinder in den
Kooperationsprojekten „Sportbetonte Schule“ und „Partnerschule des Leistungssports“ zur Zeit an 40 Standorten besonders gefördert. Bis 2010 wird angestrebt, in jeder kreisfreien Stadt bzw. in jedem Kreis ein Kooperationsprojekt einzurichten. Sportbetonte Schulen werden in das
Modellprojekt abitur-online einbezogen, um Unterricht in anderen Fächern auch an schulfernen Trainings- und Wettkampfstandorten zu ermöglichen.Mit den verabredeten Maßnahmen zur Umsetzung des „Initiativprogramms zur Stärkung des Schulsports in Nordrhein-Westfalen“ sollen nun weitere Anstöße zur Stärkung des Schulsports gegeben und Schwerpunktsetzungen empfohlen werden.
Das Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport (MSWKS) sowie das Ministerium für Schule, Jugend und Kinder (MSJK) haben insbesondere folgende Vereinbarungen getroffen:
- In Zusammenarbeit zwischen MSWKS, MSJK und den Bezirksregierungen wird ein Handlungskonzept zur Sicherung des Sportunterrichts entwickelt. Ein Kernpunkt darin ist die Empfehlung der Ministerien, einen Schwerpunkt beim Sportunterricht in den Klassen 5 und 6 zu setzen. Deshalb sollten im Rahmen der vorgeschriebenen Bandbreite von zwei bis vier Wochenstunden für die Sekundarstufe I in diesen Klassen möglichst 3 oder 4 Stunden Sport erteilt werden.
„Der Sportunterricht ist wichtig, um die körperliche Fitness und Gesundheit zu fördern“, betonte Minister Vesper. Ohne eine Ergänzung durch individuelles Sport-Treiben oder Sport in Vereinen sowie eine gesunde Lebensführung laufe er aber mittelfristig ins Leere. „Unverzichtbar für die
- An fünf Grundschulen je Bezirksregierung wird ein Modellversuch zur täglichen Sportstunde geplant.
- In einer landesweiten Aktion werden „bewegungsfreudige Schulen“ prämiert. Als Anregung für weitere Schulen werden die prämierten Beispiele ins Internet eingestellt.
- Ein Forschungsauftrag zur Entwicklung von Qualitätsstandards im Fach Sport wird erteilt.
- Bei der Erarbeitung der Kerncurricula für das Studienfach Sport durch die Hochschulen sollen die neuen Rahmenvorgaben und Lehrpläne für den Schulsport Berücksichtigung finden.
Bewegungsförderung der Kinder inner- und außerhalb der Schule ist daher die Kooperation mit den Eltern“, erklärte Schäfer. Deshalb würden Informationen und Empfehlungen als Gesprächsgrundlage für die Eltern in Schulpflegschaften und Schulkonferenzen entwickelt. Schäfer
verwies darauf, dass durch den Aufbau offener Ganztagsgrundschulen vielerorts auch das außerunterrichtliche Sportangebot in den Grundschulen ausgebaut werden könne.
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Neumarkter Nachrichten 5.4. 2003Alarmruf der Experten:
Immer mehr Jugendliche sind unsportlich - Frühe Erziehung legt den GrundsteinBewegung ist für viele Kinder ein Fremdwort
Fernsehen und Gameboy statt Klettern und Sport - Vor allem Mädchen sind betroffen - Eltern als Vorbild„Die breite Masse der Jugendlichen ist einfach unsportlicher als noch vor zehn, zwanzig Jahren“, ist sich Karin Pfeiffer sicher. Die Sportlehrerin vom Ostendorfer-Gymnasium sieht die Gründe für eine derartige Entwicklung vor allem in der Erziehung ihrer Schüler.
„In der frühen Erziehung wird der Grundstein gelegt, ob aus den Kindern bewegungsfaule Stubenhocker oder gesunde und aktive Menschen werden“, so Erzieherin Ute Böhm von der Kinderarche in Neumarkt.
Ein Beispiel: Packt der Papa bei den ersten Schneeflocken seine Brettl, um sich auf der Piste auszutoben, liegt nahe, dass es ihm der Filius bald gleichtun wird. Findet Wintersport hingegen nur im Fernsehen statt, ist nur in den seltensten Fällen zu erwarten, dass der Nachwuchs Begeisterung für aktives Bewegen im Schnee weckt.
Keine große Rolle
Die Wohnung an sich spielt nach Meinung Böhms für die Entwicklung des Kindes keine so große Rolle. „Ein Garten ist nicht unbedingt nötig“, so die Erzieherin. Wohl aber, mit den Kleinen auf Spielplätze zu gehen, wo sie ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen können. Und dass bei kleinen Kindern diese Lust am Bewegen mehr denn je vorhanden ist, daran hat Böhm keine Zweifel: „Die Kinder sind nicht bewegungsfaul.“
Sie werden es jedoch, steuern die Eltern nicht entsprechend gegen. „Ich weiß von vielen Eltern, die ihre Kinder regelrecht vor dem Fernseher parken, damit sie Ruhe geben“, erzählt Böhm. Fernsehen, Computer und Gameboy interessieren die wissbegierigen Kleinen. Für Stunden. „Es ist ja positiv, dass sich die Kinder schon so früh mit den Medien beschäftigen. Aber eben nicht nur. Die Eltern müssen ihrem Nachwuchs mehr bieten“, fordert die Pädagogin.
Seit 20 Jahren arbeitet Böhm schon im Kindergarten. „Ich bilde mir schon ein, dass es heute mehr dicke und unsportliche Kinder gibt als früher“, so Böhm. Die Gründe sind nicht bei den Kindern selbst zu suchen. „Die Voraussetzungen sind die gleichen geblieben“, ist sich Böhm sicher. Vielmehr hätten die Eltern weniger Zeit für die Sprösslinge. „Wenn die Mutter den ganzen Tag gearbeitet hat, erlaubt sie, vom schlechten Gewissen geplagt, dem Sohn eben eine ,Extraportion Milch‘ mehr“, sagt Böhm. Gerade wenn die Werbung den Müttern suggeriere, sie täten ihren Kindern mit Süßigkeiten etwas Gutes.
„Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass Kinder von Eltern mit besserer Schulausblidung und höherem Einkommen sportlicher sind und oft auch gesünder Leben“, so Böhm.
Die Auswirkungen dieser Entwicklungen schlagen sich besonders in der täglichen Arbeit der Lehrer mit den Kindern und Jugendlichen im Sportunterricht nieder. Als unsportlich bezeichnet Pfeiffer die breite Masse der Schüler.
Besonders eklatant sei es bei den Mädchen von der siebten bis zur zehnten Klasse. Wobei die Gymnasiallehrerin ihre Aussage differenziert verstanden haben will. Schüler, die im Verein aktiv sind, brächten demnach genauso wie vor Jahren schon sportlich sehr gute Leistungen. „Die Diskrepanz zu den Mitschülern, die nicht im Verein Sport treiben, ist nur größer geworden“, so Pfeiffer.
Grundlegende sportmotorische Fähigkeiten seien weniger ausgeprägt, die Beweglichkeit oft miserabel. „Die meisten Schüler sind gar nicht fähig, an ihre körperlichen Leistungsgrenzen zu gehen“, so Pfeiffer. Die fehlende Leistungsbereitschaft steht in Zusammenhang mit dem verringerten Körperbewusstsein der Jugendlichen.
Viele Jugendliche beschäftigen sich in ihrer Freizeit lieber mit anderen Dingen, als Sport zu treiben. Sie stehen in der Schule unter großem Leistungsdruck und wollen sich in ihrer freien Zeit lieber mit weniger anstrengenden Aktivitäten beschäftigen, ist sich Pfeiffer sicher.
Magersucht nicht unbekannt
Dass es mehr übergewichtige Jugendliche gibt, will Pfeiffer nicht bestätigen. „Generell glaube ich schon, dass es so einen Trend bei Jugendlichen gibt, bei uns am Gymnasium ist das aber nicht der Fall.“ Die „gehobene Mittelschicht“ der Gymnasialgänger ernähre sich gut. „Allerdings haben wir pro Jahrgangsstufe mindestens einen Magersuchtsfall“, meint Pfeiffer.
In der Oberstufe ändert sich das Verhalten der Jugendlichen in der Regel wieder. „Plötzlich ist das Interesse auch am eigenen Körper wieder da“, sagt Pfeiffer.
Mit den geänderten Anforderungen hat sich auch der Sportunterricht gewandelt. Weg vom klassischen Turnen, hin zu Trendsportarten. „Ich versuche, den Schülern zu vermitteln, wie viel Spass Sport und Bewegung macht“, erzählt Pfeiffer. Laufen, das nicht zuletzt durch den Neumarkter Stadtlauf auch bei den Jugendlichen auf einmal „in“ ist, steht ebenso auf dem Programm wie Step-Aerobic, Klettern oder Eislaufen.
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Augsburger Allgemeine 4.4. 2003Schwache Lobby für Schulsport in Bayern
Auch wissenschaftliche Begleitung schlecht ausgestattetBayerische Sportwissenschaftler stellen der Schulsportforschung in Bayern ein schlechtes Zeugnis aus. Der Arbeitskreis für Sportwissenschaft und Sport (AKS) der Universitäten in Bayern beklagt eine unzureichende staatliche Unterstützung. Die Stärkung der Schulsportforschung wurde zwar vor beinahe drei Jahren im Landtag beschlossen, doch würden erforderliche Mittel nicht zur Verfügung gestellt, teilte der AKS am Mittwoch auf seiner Frühjahrstagung in Eichstätt mit.
AKS-Geschäftsführer Dr. Klaus Lutter vom Sportzentrum der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt beschreibt den „Teufelskreis“, in dem sich der Schulsport befindet. Die Forschung in diesem Bereich fristet laut Lutter ein „absolutes Randdasein“. Zum einen könnten kaum Forschungsgelder eingeworben werden, zum anderen seien die hochschuleigenen Sachmittel und das Personal nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Auch an Drittmittel sei nur sehr schwierig heranzukommen, weil der Schulsport in der Vergangenheit zum Teil jedenfalls für verzichtbar gehalten worden sei. Als Beleg führt er die Streichung oder Kürzung von Sportstunden an: Keine guten Schlagzeilen, um die werbende Wirtschaft als Finanzpartner zu gewinnen.
Die Lobby für den Schulsport sei auf Sportlehrer, Sportärzte und Sportinstitute beschränkt, stellte AKS-Vorsitzender Prof. Peter Kapustin fest. „Das ist zu wenig. Wir brauchen die Eltern und die gesamte Lehrerschaft als Partner“, sagte der Würzburger Sportwissenschaftler, gleichzeitig Präsident des Bayerischen Landessportverbands (BLSV).
Kapustin bereitet es vor allem Sorgen, dass die Schere zwischen sportlich aktiven jungen Menschen und denen, „die fast bewegungslos sind“ immer weiter auseinander geht. Allein aus diesem Grund sei der Sport in der Schule „ein genauso unverzichtbares Fach wie Deutsch oder Mathematik“. Leider entdecke man die integrative Kraft oder die soziale Komponente des Sports erst, um damit beispielsweise einen Zugang zu erziehungsschwierigen Kindern zu finden: Sport als Ventil für Gewalt.
Resignieren will Kapustin freilich nicht und auch nicht „jammern, denn das alleine bringt uns nicht vorwärts“. Um staatliche Mittel für die Schulsportforschung soll gekämpft werden. Der BLSV-Präsident möchte mehrere Ministerien (Gesundheit, Soziales, Kultus und Wissenschaft) dafür gewinnen, trotz der schwierigen Situation der öffentlichen Haushalte Gelder für die Forschung. lockerzumachen.
Dass Kinder und Jugendliche Bewegung nur von Actionfilmen her kennen, hält der Wissenschaftler für ebenso gravierend wie die durch die Pisa-Studie aufgedeckten Defizite in Bildungsfächern. Schulsport sei das einzige Bewegungsangebot, das alle Kinder auch erreiche.
Kapustin: „Hier geht es nicht darum, Talente für den Sport zu gewinnen. Hier geht’s ans Eingemachte - etwa um die Frage, ob in den Wartezimmern von Orthopäden in Zukunft vornehmlich die 20- bis 25-Jährigen sitzen.“
Probleme beim Purzelbaum
Die Lobbyarbeit für den Schulsport kommt nur langsam voranWenn ein Problem alt wird, kann etwas nicht stimmen, und das Problem um die allgemeine körperliche Befindlichkeit der Jugend in diesem Land ist alt geworden. Seit Jahren schallt aus Arztpraxen und wissenschaftlichen Labors die Kunde vom bedenklicher werdenden Gesundheitszustand der Kinder: Altersdiabetes im Schüleralter, zunehmende Fettleibigkeit und eine Motorik, welche die Jüngsten schon an der Herausforderung eines Purzelbaums scheitern lässt. Der Hinweis, dass der Schulsport aufgewertet gehört, ist deshalb auch nicht besonders originell, aber weiterhin aktuell wie das Neueste vom Tage.
Denn die Lobby kommt nur langsam voran, das hat der Arbeitskreis für Sportwissenschaft und Sport in Bayern (AKS) diese Woche nach seiner Frühjahrssitzung wieder bestätigen müssen. Der AKS ist die Interessengemeinschaft bayerischer Sportuniversitäten und hat als solche am Schulsport als Forschungsobjekt ein lebhaftes Interesse. In der Tat wäre es bitter nötig, die Qualität des Sportunterrichts genauer zu prüfen, um das Problem besser darstellen zu können. Aber das geht nicht umsonst. Immerhin, kürzlich haben die fünf deutschen Olympiabewerber und der Deutsche Sportbund (DSB) 240000 Euro für eine bundesweite Schulsportstudie unter der Federführung des Paderborner Sportwissenschaftlers Wolf-Dietrich Brettschneider aufgebracht. In Bayern dagegen gab es zuletzt eine Enttäuschung: 2000 beschloss der bayerische Landtag, die Schulsportforschung zu stärken, leitete den Auftrag ans Kultusministerium weiter, das wiederum den AKS einschaltete. Der legte im Frühjahr 2002 ein Konzept zum „Qualitätsmanagement im Schulsport in Bayern“ vor. Kostenpunkt: 600000 Euro für zwei Jahre. Wissenschaftsminister Hans Zehetmair begrüßte die Vorlage schriftlich. Ohne Folgen, denn Ende 2002 erfuhren die Wissenschaftler auf „informellem Wege“, wie es in einem AKS-Papier heißt: Geld gibt’s keins. Die Sache ruht wieder. Und das Problem wird immer älter.
Korfball - Fair geht vor
KORFBALL / Das körperlose Spiel aus den Niederlanden findet hier immer mehr Anhänger.
Weil es ganz einfach Spaß macht.Keine blauen Flecken, aufgeplatzte Lippen oder blutige Nasen. Korfball heißt diese faire Sportart. In der jagen Männer und Frauen in einem Team mit je acht Spielern nach der runden Kugel. Entzückend. Die Gleichberechtigung der Geschlechter hat ihre sportliche Krönung gefunden. Das könnte lustvoll werden. Denkste. Antatschen gibt´s nicht. Berühren des Gegners ist im Korfball total verboten. Vielleicht ein Grund für die Attraktivität des Spiels, das sich bei uns zunehmender Beliebtheit erfreut. So steigt die Junioren-Weltmeisterschaft 2004 in Duisburg-Homberg, und bei den "World-Games" 2005 in Duisburg steht Korfball ebenfalls auf der Liste der Mannschaftssportarten.
Familiensport vor 10 000 Zuschauern
Um die vorletzte Jahrhundertwende in den Niederlanden erfunden, hat sich Korfball jenseits der Grenze zum Familien- und Leistungssport entwickelt. Ligaspielen folgen dort oft bis zu 10 000 Zuschauer. Die bei uns zunehmende Beliebtheit verdankt dieses Spiel dem Schulsport. "Anfang der 60er Jahre begann Korfball in Castrop-Rauxel als Modell-Projekt. Grundlage war die Städtepartnerschaft mit dem niederländischen Delft. Heute kämpfen dort 40 Mannschaften, auch in Vereinen, um Titel", erzählt Udo Schade, Korfball-Koordinator des Rheinischen Turnerbunds, in dem die NRW-Vereine organisiert sind.An der Homberger Erich Kästner Gesamtschule gibt es die etwas andere Sportart seit sieben Jahren. In einer Arbeitsgemeinschaft, die Antje Groh-Grüter leitet. Ende Januar war die Schule Ausrichter der Rheinischen Schulmeisterschaft und gewann auch den Wettbewerb der Jahrgangsstufe 10. Am Niederrhein spielen außerdem Teams an Schulen in Voerde und Kamp-Lintfort. Das Mit- und Gegeneinander in Geschlechterpaaren, intelligent und sozial angelegt, birgt obendrein pädagogische Elemente. "Es gibt keine Vormachtstellung für Dribbelkünstler", erklärt Antje Groh-Grüter. "Korfball ist die Antwort auf die Problemsituation von Jungen und Mädchen, im pubertären Alter gemeinsam Sport zu treiben", ergänzt die Diplompädagogin Alexandra Janssen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, so Janssen, dass Jungen im koedukativen Sportunterricht wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhielten als Mädchen.
Kraft allein reicht nicht
"Aufgrund der Regeln kommt im Korfball der anatomisch bedingte körperliche Vorteil der Männer nicht zum Tragen." Jungs und Mädels spielen nicht direkt gegeneinander, sondern haben immer den gleichen Gegner aus dem eigenen Geschlecht vor sich. Durch die Aufbauarbeit in den Schulen entwickelten sich in den letzten Jahren die Universitäten zu Zentren dieser Sportart. Hochburgen in NRW sind Köln, Münster, Dortmund, Aachen und die alte Bundeshauptstadt.Insgesamt schätzt Udo Schade die Anzahl der Wettkampfteams auf rund 150, die in 40 Vereinen spielen, alle im Deutschen Turnerbund. Der Nationalkader von WM-Coach Detlef Dülfer (26) umfasst 16 Spieler. Im Nachwuchsbereich gibt es insgesamt vier Teams, von der U16 bis zur U23. Um die Pflege dieser außergewöhnlichen Sportart an Schulen kümmert sich der "Verein zur Förderung des Korfballspiels" (VFK).
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Siegener Zeitung 26.3. 2003
Die Großen trainieren die Kleinen
Lebendiges Schülerprojekt mit Spaß und Sport am Städtischen Gymnasium Bad Laasphe
Bad Laasphe. Na, herrscht denn akuter Lehrermangel im Sportunterricht des Städtischen Gymnasiums? Wer dienstags punkt 13 Uhr einen Blick in die Turnhalle der Schule wirft, der traut seinen Augen nicht. Da stehen Schüler der Jahrgangsstufe Zwölf vor den Knirpsen der Fünf und sagen an, was jetzt als nächstes geschieht. Nein, freilich steht auch eine Lehrerin zur Verfügung, die sich um die Kleinen kümmert: Barbara Pinnig.Was dort am Städtischen Gymnasium in Bad Laasphe geschieht, hat einen Sinn. Denn während Barbara Pinnig als Leiterin des Sportförderunterrichts zuvor durch die Klassen gegangen war, um zu beobachten, welches Kind für eine Förderung in Frage kam, legte Studienreferendarin Imke Oberhoff ein interessantes Konzept auf den Schulleiter-Tisch. Und: Winfried Damm ist begeistert. »Solche Projekte beleben in erfreulicher Weise die Schulgemeinschaft.« Das Projekt heißt »Schüler lehren Schüler«. Dabei bringen die Großen den Kleinen motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten bei. Es gebe Kinder, erläuterte Barbara Pinnig gestern im Gespräch mit der Siegener Zeitung, die motorische Probleme aufwiesen, deren Bewegungsapparat nicht so sicher aufgebaut sei wie bei anderen Kindern. Die jeweiligen Sportlehrer hätten bereits eine Vorauswahl derer getroffen, die für einen Sportförderunterricht in Frage kamen. Dann seien die Eltern angeschrieben worden. Imke Oberhoff und ihre Zwölfer-Jahrgangsstufentruppe warteten gestern Nachmittag mit einem tollen Unterricht auf – wobei das komplette Konzept mit den Oberstufenschülern abgesprochen wird. »Die haben den Parcours sogar selbst entwickelt«, verriet Imke Oberhoff. Und dann ging es los mit dem Abenteuer: Auf dem Boden liegende Ringe stellten Steine in einem Bach dar.
Die Kinder mussten von Ring zu Ring springen. An einem Barren hingen bunte Kletter-Seile herunter, wie bei einer Hängebrücke. Zwei Matten in bunte Hüftreifen eingefasst sollten als Höhlen dienen. Auf dem großen Kasten galt es, sich dort an einem Seil über zwei dicke Matten zu hangeln. Unten lag der See, in dem sich gefährliche Krokodile tummelten. Spiel, Spaß und Sport, gepaart mit sportwissenschaftlichen Erkenntnissen: Das vermittelte Imke Oberhoff ihren Schülern. Und dabei überträgt sich der Lerneffekt auf beide Gruppen. Auf Groß und Klein. Die Großen vertiefen ihr Wissen über sportmotorische und physiologische Zusammenhänge, etwa Rückenschule, Koordinations- und Ausdauertraining oder Fitnessübung. Überdies lernen sie, sich mental auf die Jüngsten in der Schule einzustellen und sie für Gesundheitsförderung durch spielerischen Sport zu gewinnen.
Die Schüler der Jahrgangsstufe Zwölf entwickelten innerhalb von drei Wochen verschiedene Fang- und Bewegungsspiele, erfanden Yoga-Geschichten, entführten die Fünftklässler in eine Erlebnis- und Fantasiewelt, bauten einen Abenteuerparcours und ließen ihre Kreativität sprudeln. Den kleinen Gymnasiasten gefiel der Sportförderunterricht, der spielerisch und kindgerecht freilich auch Konzentration fördert. Barbara Pinnig begeistert: »Haben wir nicht liebe Schüler?«
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23.03.2003 Neue Osnabrücker Zeitung
Lernen mit Herz, Kopf, Hand und Fuß
Das Stillsitzegebot im Klassenzimmer gehört der Vergangenheit an. Stattdessen sollen Kinder jetzt im Schulunterricht auf Gymnastikbällen hüpfen und sich möglichst viel bewegen. Was im ersten Augenblick wie ein Aprilscherz klingt, ist die Zielrichtung des Konzepts „Bewegte Schule“, bei dem es darum geht, Kindern mehr Freiräume für Bewegung in der Schule zu ermöglichen, um ihre Leistungen in allen Fächern zu stärken.
Zu diesem Themenfeld haben der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Christian Wopp von der Uni Osnabrück und seine 25-köpfige Projektgruppe jetzt ein neues Internet-Portal eingerichtet, das Lehrer, Schüler und Eltern kostenlos über die bewegten Unterrichts- und Schulkonzepte informiert.
Zudem gibt es jede Menge Anregungen zum Mitmachen oder Nachmachen:
Besucher der Website finden Konzepte, Vorschläge und Infomaterialen in Hülle und Fülle, die kostenlos herunter geladen und genutzt werden können. Es gibt ein Diskussions-Forum, über das sich Interessierte austauschen können, ein Newsletter informiert über Neuerungen in dem Portal.Herzstück ist eine Infobörse, in der sich Literatur und Materialien zu „Bewegte Schule“ finden und viele Aspekte für eine moderne Unterrichts- und Schulgestaltung vorgestellt werden. Porträts von Schulprojekten sind vorhanden, die verdeutlichen, wie „Bewegte Schule“ in der Praxis umgesetzt werden kann: Zum Beispiel wird hier die Umgestaltung des Pausenhofs der Grund- und Hauptschule Wellingholzhausen vorgestellt, die unter dem Motto „Vom Asphaltschulhof zum Freizeittreff“ eine moderne Spiel- und Sportfläche für die 6 bis 16-jährige Schülerschar eingerichtet hat.
„Wir berichten nicht nur über die Konzepte, sondern informieren auch darüber, welche Finanzierungsmöglichkeiten die Schulen haben – etwa über Sponsoren“, erklärt Wopp, nach dessen Worten es viele Beispiele dafür gibt, wie günstig sich bewegte Unterrichts- und Schulkonzepte auf die Leistungen der Schüler auswirken. So habe etwa eine Frankfurter Grundschule eingeführt, täglich eine Stunde Sportunterricht zu erteilen. Die dafür erforderliche Zeit sei einfach von der Stundenzahl anderer Fächer abgezwackt worden – als Folge hätten sich die Zensuren der Schüler in sämtlichen Fächern verbessert: Gesunder Geist in gesundem Körper, das wussten bereits die alten Römer.
Mit dem Portal „Bewegte Schule online“, das derzeit täglich zwischen 150 und 200 Besuchern verzeichnet, setzen Wopp und seine Studenten auf eine Verzahnung der Ziele des Multimedia- und Internetförderprogramms „N21“ und des Projekts „Niedersachsen macht Schule durch
Bewegte Schule
„Bewegte Schule online“ soll Lernen voneinander und miteinander fördern und viertiefen, Wopp und seine Studenten verstehen es als Serviceangebot. Projektträger sind das Kultusministerium sowie die Förderinitiativen, außerdem sitzen Sponsoren mit im Boot. Die Finanzierung ist nach Angaben von Wopp bislang nur bis zum Sommer gesichert, so dass nun weitere Sponsoren und Förderer gesucht werden, um das Projekt auch im neuen Semester fortsetzen zu können.
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