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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
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Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports
in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben.

Archiv

 

Siegener Zeitung 26.3. 2003

Die Großen trainieren die Kleinen

Lebendiges Schülerprojekt mit Spaß und Sport am Städtischen Gymnasium Bad Laasphe

Bad Laasphe. Na, herrscht denn akuter Lehrermangel im Sportunterricht des Städtischen Gymnasiums? Wer dienstags punkt 13 Uhr einen Blick in die Turnhalle der Schule wirft, der traut seinen Augen nicht. Da stehen Schüler der Jahrgangsstufe Zwölf vor den Knirpsen der Fünf und sagen an, was jetzt als nächstes geschieht. Nein, freilich steht auch eine Lehrerin zur Verfügung, die sich um die Kleinen kümmert: Barbara Pinnig.

Was dort am Städtischen Gymnasium in Bad Laasphe geschieht, hat einen Sinn. Denn während Barbara Pinnig als Leiterin des Sportförderunterrichts zuvor durch die Klassen gegangen war, um zu beobachten, welches Kind für eine Förderung in Frage kam, legte Studienreferendarin Imke Oberhoff ein interessantes Konzept auf den Schulleiter-Tisch. Und: Winfried Damm ist begeistert. »Solche Projekte beleben in erfreulicher Weise die Schulgemeinschaft.« Das Projekt heißt »Schüler lehren Schüler«. Dabei bringen die Großen den Kleinen motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten bei. Es gebe Kinder, erläuterte Barbara Pinnig gestern im Gespräch mit der Siegener Zeitung, die motorische Probleme aufwiesen, deren Bewegungsapparat nicht so sicher aufgebaut sei wie bei anderen Kindern. Die jeweiligen Sportlehrer hätten bereits eine Vorauswahl derer getroffen, die für einen Sportförderunterricht in Frage kamen. Dann seien die Eltern angeschrieben worden. Imke Oberhoff und ihre Zwölfer-Jahrgangsstufentruppe warteten gestern Nachmittag mit einem tollen Unterricht auf – wobei das komplette Konzept mit den Oberstufenschülern abgesprochen wird. »Die haben den Parcours sogar selbst entwickelt«, verriet Imke Oberhoff. Und dann ging es los mit dem Abenteuer: Auf dem Boden liegende Ringe stellten Steine in einem Bach dar.

Die Kinder mussten von Ring zu Ring springen. An einem Barren hingen bunte Kletter-Seile herunter, wie bei einer Hängebrücke. Zwei Matten in bunte Hüftreifen eingefasst sollten als Höhlen dienen. Auf dem großen Kasten galt es, sich dort an einem Seil über zwei dicke Matten zu hangeln. Unten lag der See, in dem sich gefährliche Krokodile tummelten. Spiel, Spaß und Sport, gepaart mit sportwissenschaftlichen Erkenntnissen: Das vermittelte Imke Oberhoff ihren Schülern. Und dabei überträgt sich der Lerneffekt auf beide Gruppen. Auf Groß und Klein. Die Großen vertiefen ihr Wissen über sportmotorische und physiologische Zusammenhänge, etwa Rückenschule, Koordinations- und Ausdauertraining oder Fitnessübung. Überdies lernen sie, sich mental auf die Jüngsten in der Schule einzustellen und sie für Gesundheitsförderung durch spielerischen Sport zu gewinnen.

Die Schüler der Jahrgangsstufe Zwölf entwickelten innerhalb von drei Wochen verschiedene Fang- und Bewegungsspiele, erfanden Yoga-Geschichten, entführten die Fünftklässler in eine Erlebnis- und Fantasiewelt, bauten einen Abenteuerparcours und ließen ihre Kreativität sprudeln. Den kleinen Gymnasiasten gefiel der Sportförderunterricht, der spielerisch und kindgerecht freilich auch Konzentration fördert. Barbara Pinnig begeistert: »Haben wir nicht liebe Schüler?«




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23.03.2003 Neue Osnabrücker Zeitung

Lernen mit Herz, Kopf, Hand und Fuß

Das Stillsitzegebot im Klassenzimmer gehört der Vergangenheit an. Stattdessen sollen Kinder jetzt im Schulunterricht auf Gymnastikbällen hüpfen und sich möglichst viel bewegen. Was im ersten Augenblick wie ein Aprilscherz klingt, ist die Zielrichtung des Konzepts „Bewegte Schule“, bei dem es darum geht, Kindern mehr Freiräume für Bewegung in der Schule zu ermöglichen, um ihre Leistungen in allen Fächern zu stärken.

Zu diesem Themenfeld haben der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Christian Wopp von der Uni Osnabrück und seine 25-köpfige Projektgruppe jetzt ein neues Internet-Portal eingerichtet, das Lehrer, Schüler und Eltern kostenlos über die bewegten Unterrichts- und Schulkonzepte informiert.

Zudem gibt es jede Menge Anregungen zum Mitmachen oder Nachmachen:
Besucher der Website finden Konzepte, Vorschläge und Infomaterialen in Hülle und Fülle, die kostenlos herunter geladen und genutzt werden können. Es gibt ein Diskussions-Forum, über das sich Interessierte austauschen können, ein Newsletter informiert über Neuerungen in dem Portal.

Herzstück ist eine Infobörse, in der sich Literatur und Materialien zu „Bewegte Schule“ finden und viele Aspekte für eine moderne Unterrichts- und Schulgestaltung vorgestellt werden. Porträts von Schulprojekten sind vorhanden, die verdeutlichen, wie „Bewegte Schule“ in der Praxis umgesetzt werden kann: Zum Beispiel wird hier die Umgestaltung des Pausenhofs der Grund- und Hauptschule Wellingholzhausen vorgestellt, die unter dem Motto „Vom Asphaltschulhof zum Freizeittreff“ eine moderne Spiel- und Sportfläche für die 6 bis 16-jährige Schülerschar eingerichtet hat.

 „Wir berichten nicht nur über die Konzepte, sondern informieren auch darüber, welche Finanzierungsmöglichkeiten die Schulen haben – etwa über Sponsoren“, erklärt Wopp, nach dessen Worten es viele Beispiele dafür gibt, wie günstig sich bewegte Unterrichts- und Schulkonzepte auf die Leistungen der Schüler auswirken. So habe etwa eine Frankfurter Grundschule eingeführt, täglich eine Stunde Sportunterricht zu erteilen. Die dafür erforderliche Zeit sei einfach von der Stundenzahl anderer Fächer abgezwackt worden – als Folge hätten sich die Zensuren der Schüler in sämtlichen Fächern verbessert: Gesunder Geist in gesundem Körper, das wussten bereits die alten Römer.

Mit dem Portal „Bewegte Schule online“, das derzeit täglich zwischen 150 und 200 Besuchern verzeichnet, setzen Wopp und seine Studenten auf  eine Verzahnung der Ziele des Multimedia- und Internetförderprogramms „N21“ und des Projekts „Niedersachsen macht Schule durch

Bewegte Schule
„Bewegte Schule online“ soll Lernen voneinander und miteinander fördern und viertiefen, Wopp und seine Studenten verstehen es als Serviceangebot. Projektträger sind das Kultusministerium sowie die Förderinitiativen, außerdem sitzen Sponsoren mit im Boot. Die Finanzierung ist nach Angaben von Wopp bislang nur bis zum Sommer gesichert, so dass nun weitere Sponsoren und Förderer gesucht werden, um das Projekt auch im neuen Semester fortsetzen zu können.
 



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Der Neue Tag 20.3. 2003

Bewegteste Schule Bayerns

 In den Kastler Schulalltag kommt Bewegung. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn die dortige Volksschule hat sich an dem bayernweit ausgeschriebenen Wettbewerb "Die bewegteste Schule Bayerns" teilgenommen.

Mit großem Erfolg: Kastl wurde Sieger. Staatssekretär Karl Freller kommt zur Preisverleihung am Montag in den Landkreis.

Montag, 10 Uhr, Volksschule Kastl, Klosterburg 6: Ein großer Tag, denn Kultus-Staatssekretär Karl Freller die Siegerschule auszeichnet. Der Wettbewerb "Die Bewegteste Schule Bayerns" wurde vom Bayerischen Gemeindeunfallversicherungsverband (GUVV), der Bayerischen Landesunfallkasse und der Unfallkasse München ausgerichtet und unterstützt damit die Initiative "Bewegte Schule", die vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus 1997 zunächst für die Grundschulen und im Jahr 2000 für alle Schularten gestartet wurde.

Ziel der Initiative und des angegliederten Wettbewerbs ist es, mehr Bewegung in den Schulalltag, vor allem in den Klassenzimmerunterricht und in die Pausen zu bringen. Alle bayerischen Schulen waren aufgefordert, Projekte und Aktionen zu einem oder mehreren von fünf Bereichen auf die Beine zu stellen und zu dokumentieren:

Ideen und Initiativen waren gefragt zum bewegten Verhalten (richtige Körperhaltung, Vermeidung von Fehlbelastungen durch "dynamisches Sitzen", ergonomische Schulmöbel), zur bewegten Pause (konkrete Bewegungsangebote sowohl im Freien als auch in der Halle, Gestaltung der Pausenbereiche in Lauf-, Spiel- und Ruhezonen).

Gedanken sollten sich die Teilnehmer auch machen zur Rhythmisierung des Schultages (Angebot von Bewegungs- und Entspannungsübungen in allen Fächern und Unterrichtsstunden) oder zur Bewegungsförderung durch Schulsport. Auch Schulaktionen wie Projekttage, Klassenfeste, Schulfeiern, Aufführungen oder Elternabende mit thematischem Schwerpunkt können für ein bewegtes Leben sorgen.

Die preisgekrönten Ideen der Volksschule Kastl werden beim Besuch von Staatssekretär Freller am Montag ausführlich vorgestellt. Wie das Kultusministerium in München mitteilt waren die Kastler in allen fünf Bereichen nachhaltig aktiv und zeichnete sich besonders im Bereich der bewegten Pausengestaltung aus. Die Ideen zahlen sich nun in barer Münze aus, denn der erste Preis ist mit 2000 Euro dotiert.



 

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DSB-News 19.3. 2003

Sport erhöht Lernerfolg und macht schlau

 „Sport macht schlau“ – diesen Zusammenhang will Theo Lamberts, Mitglied im Arbeitskreis Schulsport des Landessportbundes Rheinland-Pfalz und Rektor der Grundschule Daun, mit Erstklässlern seiner Schule beweisen und damit den Zusammenhang zwischen sportlicher Betätigung und Lernleistung herausstellen. Ob der Sport Lernerfolge in anderen Fächern steigern kann, prüft die Grundschule Daun seit Beginn des Schuljahres mit dem Pilotprojekt „Die tägliche Sportstunde“. Während der Lehrplan grundsätzlich nur drei Sportstunden pro Woche vorsieht, hat diese Klasse eine tägliche Sportstunde.
 
 


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Augsburger Allgemeine 14.3. 2003

Dem bewegten Kind gehört die Zukunft
Experten: Bewegungserziehung muss früh einsetzen

Viele Kinder sind zu dick, jedes fünfte Kind hat Haltungsschäden, die Kleinen können nicht mehr rückwärts gehen, keinen Ball fangen, kaum klettern und locker laufen. Die Bilanz, die die Experten beim Bewegungssymposium an der Augsburger Uni zogen, war deprimierend. Sportwissenschaftler wie der Veranstalter Professor Helmut Altenberger warnen schon seit Jahren vor den Folgen: Aus dicken Kindern, die sich nicht bewegen können, werden dicke und kranke Erwachsene, die die Gesellschaft teuer zu stehen kommen.

Der Münchner Kindermediziner, Professor Detlef Kunze, stellte eine neue Studie aus den USA vor. Von 1000 untersuchten Schülern trieben nur sechs Prozent täglich Sport, ein Drittel hat einmal in der Woche eine Schulsportstunde. Die Sportstunde reduziere sich auf 33 Minuten Bewegung, wovon 12 Minuten intensiv seien. Dagegen verbrächten die Schüler täglich bis zu fünf Stunden vor dem Computer, dem Fernseher und bei Videospielen.

Bisher sei man immer davon ausgegangen, dass schlechte Ernährung der Grund für die Fettleibigkeit der Schüler sei. Jetzt aber sei erwiesen, dass mangelnde Bewegung die Ursache des Übels ist. Amerikanische Mediziner fordern jetzt mehr Schulsport.

Bewegungserziehung muss bereits in der Familie beginnen. Renate Hendriks aus Frankfurt, die Vorsitzende des Bundeselternrates, forderte eine bessere Aufklärung der Eltern. Wie in England müsse dies Staatsaufgabe sein. Viele wüssten gar nicht, dass sie mit ihrer Fürsorge zur „Bewegungsbremse“ für ihre Kinder würden. Schon ganz kleine Kinder würden in Babywippen zwar überall hin mitgenommen, doch bei dieser vermeintlichen Mobilität seien die Kleinen durch stramme Haltegurte zur Unbeweglichkeit verdammt. Zur Schule und zum Kindergarten werden Kinder mit dem Auto gebracht und sei die Strecke auch noch so kurz. Hendriks schlug den Vereinen vor, vermehrt Elternsport anzubieten, nicht genutzte Turnhallen und Sportplätze für Familienspiele zu öffnen.

Bewegungserziehung werde künftig ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit im Kindergarten sein, versicherte Bayerns Familienministerin Christa Stewens (CSU). Im neuen Bildungs- und Erziehungsplan sei eine generelle Neuordnung der Arbeit an Kindergärten geplant. Die Einrichtungen sollen zu Familienhäusern ausgebaut werden, in denen sich gesellschaftlich relevante Gruppen wie Vereine den Kontakt zu den Kindern und Eltern knüpfen können, wo Eltern Beratungsangebote vorfinden. „Wir müssen die Erziehungsberatung wieder zu den Eltern bringen, der Kindergarten ist der richtige Ort für ein derart niedrigschwelliges Angebot“, so Stewens.

Der Würzburger Sportwissenschaftler Peter Kapustin sieht Eltern, Kindergarten, Schule und Vereine in einer Verantwortungsgemeinschaft. Kinder müssten, um sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten entwickeln zu können, mit der eigenen Leiblichkeit umgehen lernen. „Das macht sie stark, sie schützen sich besser gegen Nikotin-, Alkohol und Drogensucht.“

Wie spielerisch Bewegungserziehung im Kindergarten aussehen kann, beweist seit zehn Jahren die Knaxiade. Rund 300000 Kinder in Schwaben haben bisher an der Aktion des Turnbezirks Schwaben in Zusammenarbeit mit den schwäbischen Sparkassen teilgenommen.


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Heilbronner Stimme 14.3. 2003

Fit fürs Helfen im Sportunterricht

T-Shirt, Teilnehmerurkunde und ein Ausweis mit Bild gab's für die neuen Schülermentoren nach ihrer Ausbildung. In 32 Stunden lernten 23 Jungen und Mädchen, wie sie beim Sport in Schule und Verein den Lehrern und Übungsleitern beistehen können.

Helfen wollen ist ja schön und gut. Aber man muss schon auch wissen, wie. Das lernten die Schülermentoren in der Sporthalle Leingarten. Sie sind zwischen 14 und 17 Jahre alt und kommen aus acht Haupt- und Werkrealschulen.

Der Mentorenkurs war zum zweiten Mal vom Schulamt Heilbronn angeboten. Heidi Freund (Eppingen), Sybille Braun (Wartbergschule Heilbronn), Mathias Beer (Ludwig-Pfau-Schule Heilbronn) und Martin Rall (Albrecht-Dürer-Schule Heilbronn) machten die Jugendlichen fit.

An der Wartbergschule, der Fritz-Ulrich-Schule, in der Albrecht-Dürer- und der Elly-Heuss-Knapp-Schule, an der Wilhelm-Hauff- und der Ludwig-Pfau-Schule und in den Hauptschulen Eppingen und Neuenstadt können die Mentoren jetzt eingesetzt werden.

Und was haben sie gelernt? Aufwärmen in der Sportstunde oder Sport-AG, Spielformen für Basket-, Volley-, Hand- und Fußball. Parterre-Akrobatik, Übungsformen beim Tischtennis, Badminton und Rope skipping rundeten das vielfältige Sport-Lern-Angebot ab.

Auch gab es Anregungen für den Pausensport in der Schule. Die Mentoren können jetzt bei der Einführung des Jonglierens assistieren, sie kennen viele Kontakt- und Kennenlernspiele.

Sie lernten auch, wie man sich bei einem Unfall verhält, wie Sportler sich vernünftig ernähren. Sie wissen sogar, wie man Turniere oder Sportfeste organisiert. In einer Sammelmappe haben die Jugendlichen ihr neues Wissen gespeichert.

Am letzten Tag der Ausbildung mussten sie einen kleinen Ausschnitt aus einem Erwärmungsprogramm oder eine kleine Sport-Unterrichtseinheit leiten und mit den anderen Teilnehmern durchführen. Sie meisterten die Aufgabe gut. Im Herbst ist ein Treffen der alten und neuen Schulsportmentoren geplant, da können sie Erfahrungen austauschen und ihre Ausbildung weiter zu vertiefen. (red)
 



 

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Kölner Stadtanzeiger 11.3. 2003

Deutschlands Schüler werden immer schlapper

Berlin - Die körperliche Fitness von Kindern und Jugendlichen nimmt in Deutschland kontinuierlich ab. Dies ist das Ergebnis einer Studie mit mehr als 20.000 Schülern im Alter von sechs bis 18 Jahren, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Allein unter den Zehn- bis 14-Jährigen sind heute 20 Prozent der Jungen und 26 Prozent der Mädchen weniger fit als 1995. Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, nannte die Ergebnisse der Studie ”niederschmetternd”. AOK-Chef Hans Jürgen Ahrens warnte gar vor einer Generation von Frührentnern.

 ”Der körperliche Zustand unserer Kinder und Jugendlichen ist nicht zufriedenstellend”, sagte Richthofen bei der Vorstellung der Daten, die das Wissenschaftliche Institut der Ärzte Deutschlands (WIAD) im Auftrag des DSB und des AOK-Bundesverband ausgewertet hat. Die Heranwachsenden hätten einfach zu wenig Bewegung. ”Anstatt im Freien zu toben, sitzen sie vor dem Computer oder vor dem Fernsehapparat”, sagte der DSB-Chef. Die zweite WIAD-Studie belege die Tendenz der ersten Untersuchung aus dem Jahre 2000.

 Ein Check der Ausdauer-, Kraft- und Koordinationsfähigkeiten deutscher Schüler ergab bereits 1995 deutliche Hinweise auf nachlassende sportmotorische Leistungen, wie WIAD-Geschäftsführer Lothar Klaes erläuterte. Die Daten belegten nun erneut einen signifikanten Rückgang. Jungen wie Mädchen hätten heute häufiger Schwierigkeiten in puncto Koordination - und Mädchen noch stärker als Jungen auch in puncto Ausdauer. Es gebe ferner Anzeichen dafür, dass die bisher fitteren jüngeren Jahrgänge in ihrer Leistungsfähigkeit überdurchschnittlich stark abbauten. Klaes warnte davor, dass eine schlechtere körperliche Fitness im Kindesalter nicht nur lebenslange Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnten, sondern auch die Lebensqualität, das Sozialverhalten und das Lernvermögen von Kindern und Jugendlichen beeinflussten.

 Der aktuellen WIAD-Studie zufolge treiben Mädchen noch weniger Sport als Jungs. Mehr als ein Drittel der Mädchen und 20 Prozent der Jungen sind demnach höchstens einmal die Woche sportlich aktiv. Dabei würde sich mindestens die Hälfte der Kinder und Jugendlichen nach eigenem Bekunden gern mehr bewegen. Der Sport allerdings werde von anderen Freizeitaktivitäten mehr und mehr verdrängt, erläuterte Klaes. Dies liege nicht nur an einem gesteigerten Medienkonsum, sondern auch daran, dass den Schülern immer weniger Raum zum Spielen zur Verfügung stehe.

 Alle Beteiligten an der Studie betonten den positiven Einfluss von Schulsport auf die körperliche Leistungfähigkeit der Kinder und Jugendlichen. In allen Übungen des Bewegungs-Checks - bestehend aus Ballprellen, Zielwerfen, Rumpfbeugen, Standhochspringen, Halten im Hang und Stufensteigen - hätten diejenigen deutlich besser abgeschnitten, die drei oder mehr Stunden in der Woche Sportunterricht hätten. Allerdings komme im Schnitt nur jeder dritte Schüler in den Genuss von drei und mehr Sportstunden in der Woche. Als Hoffnungsschimmer nannte Klaes, dass schon durch drei Monate Trainung sich die Fitness um 15 Prozent steigern lasse.



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DSB-News 11.3. 2003

Computer und TV setzen Kindern zu: Fitness lässt weiter nach

Die stetig anwachsende Zahl der Stunden vor den Computern und den TV-Geräten setzt Kindern und Jugendlichen in Deutschland mehr und mehr zu. Durch das viele Sitzen wird die körperliche Fitness der 6- bis 18-Jährigen kontinuierlich schlechter und muss den Verantwortlichen Anlass zur Besorgnis geben. Dieser seit Jahren beobachtete Trend wird durch jüngste Ergebnisse aus einem bundesweit durchgeführten Bewegungs-Check-Up im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative „Fit sein macht Schule“ der AOK-Die Gesundheitskasse, des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) mit mehr als 20.000 Schülern und Schülerinnen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren untermauert. Diese Zahlen sind in den Zeiten der Diskussionen um die Konsequenzen aus der PISA-Studie ein weiteres Alarmsignal für das deutsche Bildungssystem.

Der in den letzten beiden Jahren durchgeführte Test ergab allein bei den 10- bis 14-Jährigen einen Rückgang der Fitness um 20 Prozent bei Jungen und um 26 Prozent bei Mädchen, bei einem schon schwachen Ausgangsniveau 1995. Besonders drastisch ist bei beiden Geschlechtern der Rückgang im Bereich der Koordination (gemessen mit der Übung Ballprellen) sowie in der (anaeroben) Ausdauer. Basierend auf den aktuellen Ergebnissen des Bewegungs-Check-Ups kann allein für den relativ kurzen Zeitraum von zwei Jahren zwischen 2001 und 2002 auf einer nunmehr sehr breiten Datengrundlage ein Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit der 6- bis 18-Jährigen verzeichnet werden.

Regelmäßiges Sport-Treiben kann den körperlichen Zustand der Kinder und Jugendlichen wesentlich verbessern. Wer täglich Sport treibt, hat eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit als derjenige, der sich höchstens ein Mal in der Woche sportlich betätigt. Aber selbst die Sportbegeisterten unter den Jugendlichen und Kindern zeigen deutliche Schwächen in der Ausdauer, wie die Tests jetzt ergaben.

Der Check-Up wurde 2000 erstmals erprobt. Kernstück ist eine sportmotorische Leistungs-Überprüfung, der Münchner Fitnesstest (MFT) nach Rusch/Irrgang. Zudem werden in einem Kurzfragebogen bewegungsbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen sowie Sportvorlieben der Kinder und Jugendlichen heraus kristallisiert. Im Rahmen dieser umfangreichen Aktion können Schulen einen für sie kostenlosen Test mit ihren Schülern und Schülerinnen durchführen, mit dem körperliche Fitness gemessen und Daten zum Bewegungsstatus erfasst werden. Die gesamten Ergebnisse werden vom WIAD ausgewertet, mit bundesweiten Trends verglichen und den AOKs und Schulen für gezielte Interventionen zur Verfügung gestellt. Die Aktion wird laufend weiter fortgesetzt.

Stärker als bisher wird der Einfluss der Schulen auf den körperlichen Zustand der Kinder und Jugendlichen deutlich. In allen Übungen schneiden diejenigen besser ab, die drei oder mehr Stunden Schulsport haben. Diese Stundenzahl ist allerdings eher die Seltenheit, denn 63 Prozent der Schüler und Schülerinnen haben maximal zwei Stunden Schulsport in der Woche. Nur 37 Prozent erhalten drei Stunden und mehr. Relativ am besten ist die Situation noch in den Grundschulen und den Gymnasien mit durchschnittlich 2,9 bzw. 2,6 Stunden pro Woche. Insgesamt bleibt der Sportunterricht vielfach unterhalb der von allen Experten einhellig und in den Lehrplänen der meisten Bundesländer und Schulen auch vorgesehenen Schwelle von mindestens drei Wochenstunden.

Diese Kürzungen sind meist nicht im Sinne der Betroffenen, denn etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen möchte künftig mehr Sport treiben als sie es derzeit tut. Der Wunsch taucht umso häufiger auf, je nötiger sie es haben, so Dr. Lothar Klaes, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) in Bonn. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit einer verbesserungswürdigen Fitness sowie Schüler mit nur wenig Schulsport äußern überdurchschnittlich häufig den Wunsch, sportlich aktiver zu sein. Durchschnittlich haben 45 Prozent der Kinder und Jugendlichen den Wunsch, mehr Sport zu treiben. Überdurchschnittlich ausgeprägt ist dieser Wunsch mit 50 Prozent bei Mädchen, darüber hinaus mit ebenfalls 50 Prozent bei den Nicht-Mitgliedern in einem Sportverein. Bei Berufsschülern erreicht er sogar einen Wert von 61 Prozent.

Allerdings klafft hier eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit, so Dr. Hans Jürgens Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Diese Differenz kann nur durch gezielte, attraktive Angebote geschlossen werden, wie sie derzeit auch schon in Kooperation mit den AOKs realisiert werden. Obwohl das ausgeprägte Bekenntnis der Schüler zu mehr sportlicher Betätigung ermutigt, ist es sehr schwierig, die weniger aktiven Kinder und Jugendlichen dauerhaft an den Sport heranzuführen. Gerade bei ihnen wird der Wunsch nach mehr Sport häufig von konkurrierenden Freizeit-Aktivitäten, demotivierenden Erfahrungen im Schulsport, einer fehlenden Heranführung an geeignete Sportarten sowie unzulänglichen Angeboten verdrängt. Dies sind die Punkte, an denen der Schul- und Vereinssport in Kooperation mit den AOKs vor Ort ansetzen kann. Beide können attraktive Angebote schaffen, die den Schwächeren zu mehr körperlicher Betätigung verhelfen und ihnen damit letztlich eine bessere körperliche Fitness verschaffen.

Durchgängig bei allen sechs Übungen des Bewegungs-Check Ups schneiden Vereinsmitglieder besser ab als Nichtmitglieder. Mitgliedschaft in einem Sportverein und körperliche Fitness stehen allerdings in einem engen, wechselseitigen Zusammenhang. Wer körperlich fit ist und sich sportlich betätigen will, geht eher in einen Sportverein. Wer in einem Verein aktiv ist, erhöht seine körperliche Leistungsfähigkeit.

Auf Grund dieser Erkenntnisse fordert der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, Schulen und Vereine auf, enger zu kooperieren und sich verstärkt um Gemeinschaftsangebote zu bemühen. Mit einer solchen Zusammenarbeit sollen gerade diejenigen an den Sport herangeführt werden, die es besonders nötig haben und den Wunsch nach mehr körperlicher Betätigung auch aussprechen.

Es gibt ein weiteres Alarmsignal. Kinder und Jugendliche haben auf Grund fehlender körperlicher Erfahrung immer mehr einen Hang zur krassen Selbstüberschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit. Diese Neigung ist bei Jungen stärker ausgeprägt als bei Mädchen und nimmt mit zunehmenden Jugendalter ab. 37 Prozent der Mädchen und 41 Prozent der Jungen geben sich selbst die Noten sehr gut oder gut, obwohl ihre Fitness nach den Ergebnissen des Bewegungs-Check-Ups bestenfalls mit ausreichend benotet wurde. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Selbstüberschätzung kein guter Ratgeber ist. Hier sind vor allem die Sportlehrer aufgerufen, ihren Schüler und Schülerinnen mehr Realitätssinn beizubringen.

Die beiden Hauptziele der Aktion sind schon jetzt erreicht. Erstmals liegen bundesweit umfassende Daten zum Bewegungsstatus von Kindern und Jugendlichen vor, die in Zukunft als breite Vergleichsbasis eine genauere Beobachtung der Entwicklung erlauben werden. Zugleich konnte mit dieser Aktion innerhalb kurzer Zeit eine deutliche Sensibilisierung und Motivation der Schulen erreicht werden.

Deutscher Sportbund – AOK-Die Gesundheitskasse – Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschlands



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Frankfurter Rundschau 9.3. 2003

Mit mehr Schulsport Fettleibigkeit bekämpfen

BAD WILDUNGEN. Die zunehmende Fettleibigkeit von Jugendlichen will der nordhessische Kreis Waldeck-Frankenberg mit zusätzlichem Schulsport bekämpfen. Eine Studie im Auftrag des Landkreises habe ergeben, dass knapp ein Drittel der Zehn- bis 18-Jährigen zu dick ist, teilte die Klinik Parkhöhe in Bad Wildungen am Freitag mit.

Noch in diesem Jahr solle ein Pilotprojekt in einer sechsten Klasse des Kurortes starten, bei dem die Zahl der Sportstunden pro Woche von drei auf viereinhalb erhöht wird. Vorgesehen ist ein spezielles Ausdauertraining zur Gewichtsabnahme.

Die Studie der Klinik ergab, dass von hundert untersuchten Kindern und Jugendlichen ortsansässiger Schulen mehr als 30 Prozent einen zu hohen Körperfettgehalt haben und sich zu wenig bewegen, erklärte Chefarzt Hermann Buhl.
 





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Westfälische Rundschau - Meinerzhagen 26.2. 2003

"Hurra Hurra, die Schule rennt"

- unter diesem Motto veranstaltete die Fraktion der Grünen im Landtag NRW eine sportpolitische Fachtagung im Düsseldorfer Landtag, zu der über 150 Lehrkräfte, Politiker und Sportverbandvertreter gekommen waren. Zu den Referenten gehörten u.a. Dr. Vesper, Ute Schäfer, Prof. Dr. Zimmer, Prof. Dr. Kurz, Johannes Eulering, Helmut Zimmermann
Von Ronald Pfaff

„Sport unterrichtet man nicht leicht nebenher”, stellte Prof. Dr. Dietrich Kurz (Uni Bielefeld) im Forum „Die Voraussetzung: qualifizierte und engagierte Sportler/innen” bei der Fachtagung der GRÜNEN im Düsseldorfer Landtag fest und erhielt aus dem Kollegenkreis Zustimmung.

Guter Schulsport setzt gute Lehrkräfte voraus, darüber waren sich die Forumteilnehmer einig. Und Kurz ergänzte: „Gerade in den Grundschulen wird viel zu viel Sport noch fachfremd unterrichtet.” Seine statistischen Erhebungen erweckten dann jedoch noch viel mehr die Aufmerksamkeit. Denn gerade bei den Sportlehrer gibt es viele frühzeitige Aussteiger. Für Kurz leicht erklärbar: „Weil Schulsport ein sehr anstrengendes Fach ist. Sportlehrer haben oft zwischen ihren Stunden keine Pause, im Gegensatz zu ihren Kollegen. Gut, die Vorbereitung einer Unterrichtsstunde läuft gelegentlich etwas schneller, doch die Durchführung der Stunde ist anstrengender.”

Der Bielefelder Sportwissenschaftlicher liefert auch die Argumente: „Eine Sportstunde ist lauter, unübersichtlicher und unter Umständen auch gefährlicher. Jetzt noch die bewegungsfreudige Schule, das ist eine zusätzliche Herausforderung.”

Aus der Praxis weiß Prof. Dr. Kurz, der damit gleich auch einen Appell an die Politik richtete, das Lehrpläne nötig sind, aber die Lehrer mehr praktische Hilfe benötigen. „Und”, so Kurz weiter, „mehr junge Leute, die neue Ideen und Elan haben.”

Doch, wie so oft, müssen alle Vorschläge an den Kosten und damit an den vorhandenen Ressourcen gemessen werden. „Deshalb”, so Kurz abschließend, „möchte ich mich auf zwei Vorschläge beschränken: eine Verzahnung von Schulen und Hochschulen fördern sowie die Fortbildung intensivieren.”

Zu den Forderungen nahm das Forum auf, dass in naher Zukunft auf Seiteneinsteiger nicht verzichtet werden kann, aber die Qualitätssicherung gehalten werden muss.

In weiteren Foren beschäftigten sich die insgesamt rund 150 Tagungsteilnehmer mit folgenden Themen, die allesamt mit konkreten Forderungen an die Politik geleitet werden: „Die Vision: Die tägliche Sportstunde”, „Die Pflicht: Mit Kompensatorischem Sport den Zugang zum Sport erleichtern”, „Die Chance: Ganztagsbetreuung und Sport”, „Die Kriterien: Landesauszeichnung 'Bewegungsfreudige Schule'.

Aspekte wie Zusammenarbeit mit Sportvereinen, Praktiker in die Konzepte einbeziehen und ein Umdenken in den Köpfen vorantreiben zogen sich wie ein „roter Faden” durch alle Ergebnisse der fünf foren bei der Fachtagung der GRÜNEN.
 


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Minister Vesper erinnert an Visitenkarte "Der Sport schmückt die Schule"

(-rp-). Die Ruderregatta auf der Themse zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge hat nicht nur Tradition seit 1775, sondern hat vor allem die beiden Universitäten weltberühmt gemacht.

"Der Sport schmückt die Schule - diese Ansicht hat sich bei uns noch nicht durchgesetzt. In Amerika oder anderen europäischen Ländern zeigen Schulen und Hochschulen ihre Sporterfolge vor", erinnerte Dr. Michael Vesper, Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport. Zugleich sprach er seine Zuversicht aus, dass das Gewicht Schulsport dadurch gestiegen ist, dass DSB-Präsident Manfred von Richthofen den Schulsport in Zusammenhang mit der Olympia-Bewerbung gesetzt hat.

"Wir wollen die Olympiabewerbung für den Schulsport nutzen und auch nach dem 12. April am Ball bleiben - so oder so", versprach Ewald Groth (MdL), sport- und kommunalpolitischer Sprecher der GRÜNEN. Unter dem Aspekt der Ganztagsschule wird dem Schulsport ohnehin eine erweiterte Bedeutung zukommen. Ute Schäfer, Ministerin für Schule, Jugend und Kinder, formulierte dies so: "Die Schule der Zukunft soll in NRW ein Zentrum des öffentlichen Lebens werden, zu dem Kinder auch gerne am Nachmittag kommen."

"Somit haben wir zwei Fürsprecher für den Schulsport", sah Dr. Michael Vesper nur eine Aufwertung darin, dass in NRW die Schule in zwei Ministerien verankert ist. Vesper selbst gehört klar zu den Verfechtern der täglichen Sportstunde: "Von der heutigen Veranstaltung erhoffe ich mir eine Signalwirkung für den Schulsport. Dazu müssen für die Eltern als Paten für den Schulsport gewinnen. Bei vielen Eltern fehlt häufig noch das Bewusstsein für die Wichtigkeit."

Den Spielball nahm Prof. Dr. Renate Zimmer (Universität Osnabrück) gerne auf: "Herr Vesper, wenn Sie begeistert sind von der Ruhe und Konzentration heute im Landtag, dann laden Sie uns doch öfters ein und lassen uns entscheiden!" Denn die Sportwissenschaftlerin aus Osnabrück zählt zu den vehementen Befürwortern des Schulsports und dessen Stärkung. "Bewegung ist in den ersten zehn Lebensjahren wichtig für Verschaltungen und Vernetzungen genauso wie in den letzten zehn Jahren eines Lebens."

Dazwischen darf man die Bewegung natürlich nicht vernachlässigen. Prof. Dr. Zimmer: "Noch hat Pisa den Körper nicht entdeckt und die langfristigen Folgen sind noch gar nicht abzusehen. Das Draußen-Spielen hat abgenommen, die Konkurrenz von indoor-Aktivitäten nimmt zu. Kinder haben heute ein Problem, in einen Baum zu klettern."

Aus der Praxis und aus Studien hat Zimmer die Zusammenhänge zwischen Bewegung und Lernen in ihre wissenschaftlichen Thesen umgesetzt. So fordert sie: "Am besten wäre es nach einer Stunde lernen, eine Stunde Fußball zu spielen, oder nach einer Stunde Klassenarbeit, eine Stunde auf dem Pausenhof zu rennen. Der Sportlehrer als Bewegungslehrer! In den NRW-Richtlinien steht es drin, es muss nur umgesetzt werden."

Spiel, Sport und Beweggung haben in der Schule der Zukunft einen zentralen Stellenwert - so das Fazit von Ewald Groth, der den Ruf nach mehr Sport und Sportlehrern vernommen hat. "Die Ergebnisse von heute will unsere Fraktion fördern. Zudem werden wir zwei Anträge in den Landtag einbringen: Sport im Ganztagsangebot sowie Schulsport für die Breite und besonders Begabte."
 


 

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Rheinpfalz 26.2. 2003

Umfrage ergibt: Schulsport besser als sein Ruf
85 Schulen in Frankenthal und Umgebung reagieren auf Aktion der Olympischen Gesellschaft - "Bedeutend für Teamfähigkeit"

"Sport ist Mord" sagen die einen, der weitaus größte Teil der Jugendlichen und Kinder jedoch ist völlig anderer Meinung. Als willkommene Abwechslung im Schulalltag wird er von ihnen ebenso wie von Schulleitern gesehen. Dies hat eine Umfrage der Deutschen Olympischen Gesellschaft Pfalz (DOG) an 103 Schulen in Frankenthal, Ludwigshafen Stadt und Land ergeben. Daher möchte der DOG seine Befragung auf ganz Rheinland-Pfalz ausweiten und zugleich den olympischen Gedanken durch verstärkte Aktivitäten fördern

Die Sport-Fragebögen wurden von 85 Schulen ausgefüllt, wobei sich Lehrer ebenso wie Schüler äußern konnten. Gefragt wurde nach Auswirkungen des Sports auf das soziale Verhalten und die Persönlichkeitsentwicklung ebenso wie Rahmenbedingungen und Teilnahme an Wettbewerben. In den Grundschulen wünschten sich 40 Prozent eine zusätzliche Sportstunde in den Klassen eins und zwei und 27 Prozent in drei und vier.

Der Soll-Unterricht werde vorwiegend eingehalten. In den Realschulen und Gymnasien gaben 40 Prozent der Befragten an, dass eine Sollstunde zu wenig angeboten werde. 60 Prozent wünschten sich weitere Sportstunden. Die Schüler bezeichneten diesen Unterricht überwiegend als sehr wichtig. Teamfähigkeit, Rücksichtnahme und Einsatzbereitschaft werden durch Sport gefördert, meinten über 90 Prozent und Sport sei für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig. Als Wünsche wurden eingetragen, mehr Sportfachkräfte für die Grundschulen, mehr sportliche Angebote für berufsbildende Schulen und eine Verbesserung der Hallensituation. Wettbewerbe werden unterschiedlich bewertet.

Der hohe Stellenwert des Sports wurde von Frankenthaler Schulleitern auf Anfrage bestätigt. Die Schiller-Realschule und das Karolinen-Gymnasium erteilen demnach vollen Sportunterricht. Im Albert-Einstein-Gymnasium fehlt in den Stufen 5, 7 und 8 derzeit jeweils eine Stunde, da nicht genügend Lehrerwochenstunden vorhanden sind, so Schulleiter Hans-Werner Tautz. Diese Schulen bieten aber, ebenso wie Grundschulen, zusätzlich Arbeitsgemeinschaften an.

In der Robert-Schuman-Haupt- und Grundschule wird das Sportsoll erfüllt. Als Ausgleich sei die Bewegung sehr wichtig, so Schulleiter Edgar Hoffmann. Bei den älteren Schülern sei zwar das Fußballspielen am beliebtesten, aber die Motivation für andere Arten werde ebenfalls gefördert. Die Lessing-Grundschule hat speziell ausgebildete Sportlehrkräfte, so Schulleiter Christoph Baum, und bietet zudem Förderunterricht für Kinder mit Haltungsschäden an. Dieser werde in anderen Grundschulen ebenfalls erteilt. Gerade für Leistungsschwächere sei der Sport eine gute Möglichkeit, Stärke zu zeigen, meinte Bernd Fiene, Leiter der Friedrich-Ebert-Grundschule. Etwas knapp sei es manchmal bei der Hallenbelegung.

In der Berufsbildenden Andreas-Albert-Schule gehört das Sportfach zu den beliebtesten, so Schulleiter Knut Karsten. Die angehenden Sport- und Fitnesskaufleute können an der Schule eine Trainerlizenz erwerben. Dazu sei man eine Kooperation mit dem Sportbund eingegangen.

Die Olympische Gesellschaft wurde ursprünglich von Georg von Opel - einst vierfacher deutscher Rudermeister - initiiert und hat bundesweit 5700 Mitglieder. Die Zweigstelle Pfalz, geleitet von seinem Sohn Carlo von Opel - vom Hofgut Petersau - hat rund 40 Mitglieder und möchte sich künftig wieder stärker engagieren. Die im November angekündigten Patenschaften für den talentierten Nachwuchs wurden inzwischen übernommen. In diesen Genuss kamen Janine Witte (Schwimmen), Dino Ziegler (Leichtathletik), Katrin Lau (Sportklettern) und Marcel Schmitt (Surfen).


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Gifhorner Rundschau 25.2.2003

Klettern, schwingen, balancieren lernen

300 Lehrer aus dem Bezirk beim erstmals ausgerichteten Grundschul-Sporttag an der TU Braunschweig

BRAUNSCHWEIG. Der erstmals ausgerichtete Grundschul-Sporttag hat eine enorme Resonanz gefunden. Fast 300 Lehrkräfte aus dem ganzen Bezirk nutzten gestern das Angebot, sich am sportwissenschaftlichen Institut der TU Braunschweig praktische Tipps und Ideen für den Unterricht zu holen. Rund ein Drittel aller Sportstunden an Grundschulen wird immer noch durch nicht speziell dafür ausgebildete Lehrkräfte erteilt. Die vorgesehene dritte, flexibel einsetzbare Sportstunde opfern die meisten Schulen für andere Fächer.

"Der Bewegung in der Schule und deren Bedeutung für das Lernen der Kinder wird immer noch zu wenig Bedeutung zugemessen", sagt Professor Dr. Reiner Hildebrandt-Stramann. Bewegung ist eine Lebensform des Kindes und ein Weg, sich mit sich selbst, der sozialen und materialen Welt auseinander zu setzen, sagt der Sportpädagoge.

Für Krimhild von Bredow-Dahlke von der Bezirksregierung, die den Grundschul-Sporttag neben den Gemeindeunfall-Versicherungsverbänden Braunschweig und Hannover mit veranstaltete, hat der Sportunterricht an Grundschulen eine Schlüsselfunktion für die Entwicklung der Kinder. "Er ist ein wichtiger Baustein und darf nicht vernachlässigt werden."

Ausgerechnet die Pisa-Ergebnisse und deren anschließende Diskussion werten die Sport-Experten als herben Rückschlag, der Bewegung den ihr zustehenden Platz in der Schule zu verschaffen. "Es wird nur noch über die rein gedankliche Ebene geredet, die Verkopfung des Lernens gepredigt. Dabei ist das an den Körper gebundene Wissen unersetzlich", sagt Hildebrandt-Stramann.

Um das optimal zu nutzen, müssten nicht unbedingt mehr Stunden her, aber ein anderer Unterricht: Sich bewegen statt Sport treiben, Bewegungsanlässe schaffen und sie lösen statt normierte, isolierte Bewegungen vorgeben. Körper und Material erfahren, laufen, springen, werfen, aber auch klettern, schwingen, schaukeln, balancieren, tanzen gehören dazu, aber auch üben und der Leistungsvergleich. Es muss ja nicht immer nur Fußball sein.

Mehr ausgebildete Sportlehrer für die Grundschulen fordert Hildebrandt-Stramann, anonsten könnten Pflichtseminare für Erstbewegungs- und Erstschwimm-Unterricht für alle innerhalb der Lehrerausbildung schon mal weiterhelfen. Nicht zu vergessen regelmäßig wiederkehrende Grundschul-Sporttage. Sie sollen zur Dauereinrichtung werden.


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Rheinpfalz 20.2. 2003

Gleichgültigkeit im Schulsport am Pranger
 

"Schulleitungen, Eltern- und Sportlehrer tragen eine Mitverantwortung an der seit langem bekannten Misere des Schulsports".

Mit dieser Feststellung wendet sich Dr. phil. Günter J. Glasauer, Studiendirektor am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium und Schulsport-Didaktiker, an die Öffentlichkeit.

Wie insgesamt zehn weitere Kolleginnen und Kollegen in Rheinland-Pfalz arbeitet der 55-jährige Pädagoge als Fachleiter für Sport an einem Studienseminar für Gymnasien (in seinem Fall in Speyer) und ist somit zuständig für die Ausbildung von Sportreferendaren. Rund 60 dieser angehenden Lehrer hat er in den vergangenen 21 Jahren auf ihren Beruf vorbereitet.

"Seit vielen Jahren ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Notwendigkeiten eines zielgerichteten, systematischen Sportunterrichts und dessen Verwirklichung festzustellen", klagt Glasauer. Zwar unternehme "die Politik im Rahmen ihrer immer stärker werdenden finanziellen und personellen Zwänge durchaus das Machbare", doch wenn Kürzungen an Schulen anstünden, träfen sie stets die sogenannten Randsparten des Unterrichts wie Sport, Musik, Kunst, Religion - "es trifft die, bei denen der geringste Widerstand zu erwarten ist".

Im einzelnen nennt Günter Glasauer: "Erstens: Viele Schulleitungen kürzen den Sportunterricht von wöchentlich drei auf zwei Stunden, mitunter sogar auf eine Stunde, verlegen ihn auf Randzeiten, wie die erste oder sechste Stunde, oder gar auf die im Grunde unterrichtsfreien Nachmittage der Sekundarstufe I.

Zweitens: Die Elternschaft erhebt kaum Widerspruch. Sie reagiert nur vereinzelt auf Veränderungen, vielen Eltern ist es offenbar weitgehend gleichgültig. Das zeigt sich auch daran, dass Eltern oftmals jedwede Entschuldigung für die Befreiung vom Sportunterricht unterschreiben und bei Schülern unterer Klassen häufig nicht einmal nachsehen, ob überhaupt Sportkleidung mitgenommen wird.

Drittens: Viele Sportlehrer-Kollegen unterrichten zunehmend evasiv. Das bedeutet, dass sie den Weg des geringsten Widerstands einschlagen, Strategien zur Konfliktvermeidung verfolgen. Sie wählen inhaltlich-methodisch eine weder sie noch die Schüler physisch oder psychisch anstrengende Art des Unterrichts" (Anmerkung der Red.: "Evasiv" laut Duden "ausweichend, Ausflüchte suchend").

Zudem gebe es Sportlehrer, die ohne entsprechende Sportkleidung den Unterricht führten, andere, die nur zuschauten, und wieder andere, die "die Schüler machen lassen, was die gerade wollen": Und es gebe gar Lehrer, die während der Sportstunde überhaupt nicht in der Halle seien.

All diese Behauptungen seien belegbar, sagt Glasauer, zuständig für die Sportreferendar-Ausbildung an zwölf Gymnasien in Germersheim, Haßloch, Ludwigshafen, Schifferstadt und Speyer mit rund 100 Sportlehrern. Seine Erklärungen basieren auf "Schulsport-Untersuchungen, sportpädagogischen Forschungsergebnissen, Befragungen und eigenen Beobachtungen".

Eine Mitschuld an dem dritten Punkt seiner Erklärungen gibt Glasauer den Schulleitungen und dem zuständigen Fachbereich der Struktur- und Genehmigungsbehörde Süd in Neustadt an der Weinstraße, früher Bezirksregierung: "Es wird einfach nicht kontrolliert, was im Sportunterricht an den Gymnasien geschieht. Vielen Schulleitungen ist das Schulsport-Konzept der eigenen Fachkonferenz gleichgültig. Im Speyerer Schwerd-Gymnasium zum Beispiel war seit 1975 noch keiner der Fachberater der Bezirksregierung vor Ort".

Glasauer: "Ist die Hallentür erst mal zu, dann kümmert sich niemand darum, ob und wie sinnvoll die Richtlinien des Lehrplans umgesetzt werden".
 


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Hamburger Abendbaltt 19.2.2003

Vom Lieblingsfach zum Stiefkind?
Schulsport: Viele Kinder haben Übergewicht, Haltungsschäden oder können nicht mehr rückwärts laufen. Experten schlagen Alarm - doch nicht nur die Lehrer sind gefordert. Teil eins der neuen Abendblatt-Serie

Von Jan Haarmeyer

Hamburg -Natürlich kommt die Rede schnell auf Bad Homburg und die dortige Friedrich-Ebert-Schule. Immer wenn hierzulande über neue Wege im Schulsport und zunehmenden Bewegungsmangel, übergewichtige Schüler und eine gesunde Entwicklung von Kindern debattiert wird, muss diese Grundschule in Hessen herhalten. Quasi als bewegtes Beispiel dafür, wie es auch geht. Seit 1993 ist das nun so. Damals startete ein vierjähriger Modellversuch, dessen revolutionäre Neuerung - die tägliche Sportstunde als Pflicht für alle Schüler - zumindest in der Friedrich-Ebert-Schule längst zur Regel geworden ist.

Und das hat (gute) Gründe. So nahm die Zahl der Unfälle und Verletzungen dramatisch ab, es gab nur noch halb so viele Aggressionen und Raufereien in den Pausen. Übergewichtige machten rasante Fortschritte, auch in Sachen Integration. Die meisten Schüler gingen jeden Tag mit Spaß zur Schule, ihre Konzentrationsfähigkeit stieg - genau wie die Zahl derjenigen, die auf das Gymnasium wechseln konnten.

Na prima, möchte man sagen, dann sollten die Verantwortlichen im Lande die tägliche Sportstunde - zumal das in Bad Homburg kostenneutral geschehen ist - doch bitteschön flächendeckend einführen. Allein: Die Realität bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Von wegen täglich. Nicht einmal die dritte Sportstunde ist in Deutschland die Regel. In Bayern und im Saarland wurde sie vor Zeiten abgeschafft. "Die Situation ist dramatisch", sagte Renate Hendricks, Vorsitzende des Bundeselternrates, jetzt auf dem 1. Schulsportforum des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS) in Münster mit dem Titel: "Vom Lieblingsfach zum Stiefkind." Und schilderte die Lage schonungslos aus Sicht der Eltern. "Es fehlt Bewegung an der Schule, es fehlt Gesundheitsbewusstsein, es fehlen Sportlehrer, es fehlen Sportstätten, der Sport hat keine hohe Priorität, regelmäßig und als erstes fallen immer die Sportstunden aus", so die Erfahrungen der fünffachen Mutter.

Die Lage ist katastrophal
Prominente Unterstützung erhielt sie von Manfred von Richthofen. "Die Lage ist, mit einem Wort: katastrophal", sagte der Präsident des Deutschen Sportbundes. Und untermauerte sein Urteil mit alarmierenden Zahlen. So seien mittlerweile 18 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig, sieben Prozent leiden unter Fettsucht. "Viele Kinder", so von Richthofen, "können nicht mehr rückwärts oder auf einem Bein laufen." 40 Prozent aller Schulkinder litten an Haltungsschäden leiden, ihre motorischen Fähigkeiten seien unterentwickelt. Das Schlimme: Besserung sei nicht zu erwarten. Denn, so von Richthofen, der betonte, dass sein Vorgänger Willi Weyer noch die tägliche Sportstunde gefordert habe: "Die dritte Sportstunde steht doch meist nur auf dem Papier."

Jahr des Schulsports
Da bedurfte es schon einiger verbaler Klimmzüge von Klaus Paul, die Sache in ein anderes Licht zu rücken. Er wolle hier zwar nichts schönreden, so der Ministerialrat im Hessischen Kultusministerium, aber: "Der Schulsport ist besser als sein Ruf." Es gebe den Bundeswettbewerb "Jugend trainiert für Olympia", an dem seit Einführung in Deutschland "mehr als 19 Millionen Schüler" teilgenommen hätten. Es gebe Projekttage, Skireisen, Sportfeste, Ideenwettbewerbe. Es gebe Sportabzeichen, verstärkte Kooperationen mit Sportverbänden und Vereinen. Es gebe Eliteschulen und sportbetonte Klassen, das Thema "bewegte Schule" und: "Mehr als die Hälfte der Bundesländer hat das ,Jahr des Schulsports' ausgerufen." Paul warnte davor, die Diskussion "nur auf die dritte Sportstunde zu beschränken". Denn: "Wer immer nur mit dem Düsenflugzeug über die Schulsportlandschaft jagt, wird die Vielfalt nicht entdecken." Und so forderte er die Teilnehmer des Forums auf: "Steigen Sie in den Hubschrauber um!"

Am Boden, an der Basis, arbeitet Harald Schmid. Der Lehrer und frühere Weltklasseathlet und Europameister über 400-Meter-Hürden steht für die Aktion "Kinder stark machen", eine Kampagne des Gesundheitsministeriums. Er ist ganz Praktiker. "Wir haben seit 1995 rund 9000 Übungsleiter ausgebildet - und die sind alle hochmotiviert. Wie ist das bei den Sportlehrern? Ich weiß es nicht. Ist das schon mal untersucht worden?", fragt er. Sein Credo: "Kinder wollen vor allem eins: Spaß. Und Sport kann Spaß bieten. Und Freundschaft, Abenteuer, Erlebnisse. Kinder müssen vom Sport nach Hause kommen und sagen: Das war heute einfach genial." Schmid gehört aber nicht zur Fraktion der Dramatiker. "Vielleicht ist der Sportunterricht ja gar nicht schlechter geworden", mutmaßte er. "Vielleicht sind ja nur die Anforderungen an ihn durch die gesellschaftlichen Veränderungen enorm gestiegen."

Das war das Stichwort. "Früher", sagte Renate Zimmer, "ist man doch von der Schule nach Hause gekommen und dann erstmal raus zum Toben. Heute kommen die Kinder nach Hause und entspannen sich - vor dem Fernseher." Die Professorin für Sportpädagogik an der Universität Osnabrück stellte sogar die These auf: "Die Bewegung in der Schule ist heute oft der Ausgleich für das Sitzen vor dem Fernseher - das ist paradox, und da macht die dritte Sportstunde auch nichts aus." Dann erzählt sie von dem "Babysafe", den sich viele Eltern heute als allererstes anschaffen würden. "Der passt ins Auto, auf den Einkaufswagen und den Küchentisch. Da kann man das Baby rein setzen, und es kann sicher seinen Alltag verbringen." Allerdings könnten die Eltern dann auch sicher sein, dass das Kleinkind keinerlei Erfahrungen mit der Schwerkraft und dem Gleichgewicht machen werde. "Gegen den Babysafe ist der Laufstall von früher ja geradezu ein Paradies", sagte sie und fragte: "Was tun wir den Kindern heute an?"

Sitz- statt Bewegungswelt
Klaus Bös hat sie einfach gefragt. 1000 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren. Er hat sie ein Bewegungstagebuch führen lassen. Eine Woche lang. Das Ergebnis? "Die Kinder liegen neun Stunden, sitzen neun Stunden, stehen fünf Stunden - und bewegen sich eine Stunde", so der Professor am Institut für Sportwissenschaft in Karlsruhe. Für Bös sind das mittlerweile "dramatische Veränderungen" der Umwelt: "Die Bewegungswelt unserer Kinder wurde zur Sitzwelt."

Ähnlich sind die Beobachtungen von Rolf Engels. Der Sportlehrer an der Berufsschule für Technik im westfälischen Ahaus hat schon vor Jahren beobachtet, dass die Jugendlichen "nicht mehr fallen, sondern stürzen". Schüler würden heute "rund 80 Prozent ihrer Zeit versitzen". Engels spricht von einem "sitzenden Stehvermögen" der jungen Leute - und wollte sich damit nicht abfinden. Vor 18 Jahren begann er, mit seinen Schülern eigene Fitnessgeräte herzustellen, an denen diese dann natürlich "mit einer ganz anderen Motivation" ihre Beweglichkeit, ihren Muskelaufbau und ihre Körperhaltung verbessern konnten. Und? "Die meisten ziehen mit", sagt er. In der letzten Woche hat er seinen "zehnten Fitnessraum" in einer Schule eingeweiht. Ja, weiß er, "man muss schon ganz dicke Bretter bohren".

Da waren die jüngsten Ergebnisse der Pisa-Studie, die den deutschen Schülern im europäischen Vergleich ein eher schlechtes Zeugnis ausstellte, nicht gerade hilfreich. "Viele Eltern verlangen jetzt nach mehr Deutsch, mehr Mathe und nach einer zweiten Fremdsprache schon ab der 5. Klasse", weiß Renate Hendricks und fragt: "Wo bleibt der Sport?" Einem Mathelehrer sei eben oft nicht klar, was es bedeutet, "wenn die Schüler fit sind". Und dass der Sport, so Klaus Bös, "sowohl positive Emotionen vermittelt, als auch dabei hilft, negative Emotionen zu verarbeiten". Bös: "Ohne Bewegung gibt es keine Persönlichkeitsentwicklung." Wo aber sind die Auswege aus der Bewegungskrise? "Man muss die Eltern an die Hand nehmen", sagt Renate Hendricks und erzählt von kanadischen Supermarkt-Kassen, an denen regelmäßig Flugblätter mit Erziehungstipps für Eltern liegen würden. "Bei uns dagegen werden die Eltern völlig allein gelassen."

Olympiabewerbung als Chance
Renate Zimmer will viel früher ansetzen. "Schulsport ist ganz wichtig, aber das Fundament wird eher gelegt", plädiert sie für mehr sportliche Betätigung im Kindergarten. Schließlich gebe es in keiner Altersstufe "mehr Zusammenhänge zwischen Bewegung und Entwicklung".

Für Hansjörg Kofink, Ehrenpräsident des Deutschen Sportlehrerverbandes, ist entscheidend, dass sich die Qualität der Ausbildung von Grundschullehrern verbessert. Denn: "Mehr als die Hälfte der Pädagogen, die dort Sport unterrichtet, ist dafür gar nicht ausgebildet."

Vielleicht tragen ja die fünf Ringe zu einer Verbesserung der Lage bei. "Eine bessere Plattform als die deutsche Olympiabewerbung können wir uns nicht wünschen", hat Manfred von Richthofen erkannt. "Wer sich um Olympia bewirbt und gleichzeitig den Schulsport vernachlässigt, der stellt die Weichen falsch und hat schlechte Karten." So seien die aktuellen Anstrengungen, die Hamburg jetzt mit der Einführung der dritten Sportstunde unternommen hat, ausdrücklich zu loben. "Davor ziehe ich meinen Hut", so von Richthofen, der abschließend betonte, worum es bei der Schulsport-Diskussion wirklich geht: "Es geht um das Wertvollste, was unsere Gesellschaft besitzt - um unsere Kinder."
 


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Südwest Presse 13.2. 2003

 Bundeselternrats-Vorsitzende Hendricks setzt sich für höheren Stellenwert des Sports ein

Mangel an Bewegung verhindert das Lernen

Körperliche Bewegung muss im Schulalltag eine deutlich größere Rolle spielen, ja ohne Bewegung ist Lernen kaum möglich: So lautet die wichtigste Forderung von Renate Hendricks. Die Vorsitzende des Bundeselternrates ist engagierte Fürsprecherin für den Schulsport.

Fragt man Eltern, auf welche Schulfächer denn am ehesten verzichtet werden könne, kommt auch heute noch vielfach die Antwort: Sport und Religion. "Sport hat keine hohe Priorität an der Schule", bestätigt Renate Hendricks. Das sei, so die Vorsitzende des Bundeselternbeirates, zum Beispiel in den USA oder Skandinavien ganz anders. In der Tat: Fällt hierzulande eine Stunde Sportunterricht aus, wird das von den meisten Eltern ignoriert, Unterrichtsausfälle in Mathematik, Deutsch, den Naturwissenschaften oder den Fremdsprachen rufen die Erziehungsberechtigten hingegen schnell auf den Plan.

"Die Quote der Entschuldigungen, die Eltern für den Sportunterricht schreiben, steigt ständig", hat Renate Hendricks überdies festgestellt. In der Folge der Pisa-Studie könnten darüberhinaus die kopfgesteuerten Fächer gestärkt werden - zu Lasten des Sportunterrichts.

Dabei, so haben Forschungen in den vergangenen Jahren hinreichend bewiesen, schafft erst Bewegung eine Vernetzung der Gehirnzellen - notwendige Voraussetzung für das Lernen in den kognitiven Fächern. "Bewegungsmangel verhindert Lernen", führt Renate Hendricks aus, "körperliche Bewegung ist schon vom Tag der Geburt an wichtig für die Entwicklung." Eigentlich müsse in der Schule an jedem Tag für körperliche Bewegung gesorgt werden. Gerade das funktioniere in Skandinavien besser: "Weil die sich mehr bewegen, können die auch besser lernen."

Überdies streicht die 50-Jährige aus St. Augustin bei Bonn die Erziehungsaufgabe des Sports heraus: "Sport richtig unterrichtet und gelebt ist wichtiger Bestandteil des Erziehungsprozesses in einer Schule und dient der menschlichen und sozialen Entwicklung jedes Einzelnen und der Gemeinschaft." Sportliche Aktivitäten könnten zudem zum sozialen Zusammenhalt und zur gegenseitigen Toleranz verschiedener ethnischer und kultureller Minderheiten führen.

Um die Lobby für den Schulsport zu stärken, gibt Renate Hendricks den Eltern einige Hausaufgaben mit auf den Weg. Bei der Bewältigung des Schulwegs fängt es schon an. Dass viele Eltern ihre Kinder selbst bei bestem Wetter mit dem Auto zur Schule fahren und wieder abholen, ist kaum nachzuvollziehen. Fallen dann ein paar Tröpfchen Regen oder ein paar Flocken Schnee, dann bricht vor vielen Grundschulen geradezu ein Verkehrschaos aus. "Wir sollten Kinder selbständig werden lassen und nicht überbeschützen. Schüler können viel mehr", mahnt die Bundeselternrats-Vorsitzende. Weiterer Tipp: Fernseh- und Computer-Zeiten der Youngsters klar einschränken und stattdessen draußen Bewegungsanlässe schaffen. Renate Hendricks räumt freilich ein, dass diese Anregung in zugebauten Städten nur schwierig umzusetzen ist.

Die fünffache Mutter beklagt auch den desolaten Zustand vieler Sportstätten und Geräte. Gerade in dieser Hinsicht seien die Eltern eine wichtige Lobby gegenüber dem Schulträger. Ebenso müsse die Sprachlosigkeit zwischen Schule und Elternhaus überwunden werden: "Eltern, Schule und Schüler müssen sich auf gleicher Augenhöhe begegnen."

KLAUS VESTEWIG


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Kieler Nachrichten 6.2. 2003

Mehr Sport ja, aber mit Lehrer

Kieler Wissenschaftler: Zusätzliche Angebote von außen können dritte Unterrichtsstunde nicht ersetzen

Die Kieler Sportwissenschaftler haben gestern massiv den Trend kritisiert, den Mangel an Schulsportunterricht mehr und mehr durch Angebote von außen zu ersetzen. "Als zusätzliches Angebot sind diese Initiativen hilfreich – den dringend notwendigen Sportunterricht können sie aber nicht ersetzen", sagte Prof. Wolf-Dietrich Miethling, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Kieler Universität und kritisierte damit vor allem das Engagement der AOK bei einem Pilotprojekt an Kieler Schulen.

Bereits 1985 hat die Kultusministerkonferenz festgelegt, dass Schülern als Minimum drei Stunden Sportunterricht geboten werden müssen. Doch die Realität sieht seither nicht nur in Schleswig-Holstein anders aus: Es wurden zu wenig junge Sportlehrer eingestellt. Folge: Die Sportlehrer an weiterführenden Schulen sind überaltert. An Grundschulen geben 70 bis 80 Prozent der Lehrer ohne Fachausbildung Sportunterricht. Und angesichts knapper Stundenkontingente wird an vielen Schulen die dritte Sportstunde anderen Fächern geopfert. In den ersten zwei Grundschulklassen sieht die Stundentafel ohnehin nur zwei Sportstunden vor. "Der Mangel ist lang gewachsen und lässt sich nicht kurzfristig beheben. Daher begrüßen wir zunächst alles, was mehr Bewegung in die Schulen bringt", sagt Sportmediziner Prof. Hans Rickert.

Die Schulen gehen dabei drei Wege: Schulen organisieren ohne Zuschüsse mehr Sportunterricht – wie in den Grundschulen Schwartbuck und Selent. Ein Beispiel für die zweite Variante ist die Fockbecker Grund- und Hauptschule: Dort treiben die Schüler täglich in Großgruppen eine Stunde Sport – betreut von einem Sportlehrer plus Übungsleitern. Letztere werden vom Landes- und Kreissportverband, der Gemeinde und Sponsoren finanziert.

Drittens gibt es das Pilotprojekt, bei dem den Zweitklässlern dreier Kieler Schulen von einem Diplom-Sportlehrer eine dritte Sportstunde geboten wird – finanziert vom Turn-, Leichtathletikverband und der AOK. Für die Wissenschaftler ein "unzulässiges Outsourcing des Unterrichts".

Die Hauptkritikpunkte: Das Land überträgt ureigene Bildungsaufgaben an Außenstehende, die nicht für den Schulunterricht ausgebildet wurden. Der Unterricht kann nicht bewertet werden und ist nicht integriert in den Sportunterricht, in dem Kinder ein positives Körpergefühl entwickeln, Sozialverhalten trainieren, die geistige Leistungsfähigkeit aktivieren und Aggressionen zu kanalisieren lernen. Sportwissenschaftler wie Dr. Manfred Wegener halten das Kassen-Engagement gar für eine "Instrumentalisierung der Kinder, der sie sich nicht entziehen können". Dabei begrüßen die Sportwissenschaftler unisono, wenn Sponsoren wie die GEK mit dem Landessportverband freiwillige Sportangebote schaffen – zusätzlich, außerhalb des Unterrichts: "Aber die dritte Sportstunde muss regulärer Unterricht sein. Wir bieten den Schulen deshalb hiermit aktive Hilfe an, die dritte Sportstunde und mehr Bewegung im Schulalltag zu verwirklichen."
 



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Süddeutsche Zeitung 5.2. 2003

Eine Studie gegen den Unsinn

Vom großen Unsinn soll man sich keine falsche Vorstellung machen, der kommt bisweilen auch aus berufenem Munde, und so ist es eigentlich gar nicht so erstaunlich gewesen, dass der Schriftsteller und frühere Lehrer Walter Kempowski in einem Interview mit einer süddeutschen Zeitung (dieser nämlich) unlängst zum Themenkreis Schule und Sport bemerkte: „Entbehrlich ist der Sport. Die ganzen Sportlehrer würde ich sofort entlassen.“

Gut, der Mann ist nicht der Jüngste, Jahrgang 1929, und wohl nicht auf dem neuesten Stand. Geistreicher wird seine Einlassung deswegen trotzdem nicht, denn in Wirklichkeit ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass der Sportlehrer weit mehr ist als ein gut gebauter Nichtsnutz. Schulsport lehrt soziales Miteinander, schafft einen Ausgleich zum Alltag im Sitzen, vermittelt Spaß an der Bewegung. Und Bewegung wiederum ist gerade in Zeiten überforderter Krankenkassen ein Gut, das keiner unterschätzen sollte: weil sie Muskeln und Kreislauf der Jugend stärkt und damit den gängigen Zivilisationskrankheiten vorbeugt.

Es hat also schon seine Richtigkeit, dass es zuletzt immer mehr Initiativen gab, die versuchten, den darbenden Schulsport zu stärken. Und dass nun endlich die ersehnte, 250000 Euro teure Studie zum bundesweiten Zustand des Schulsports auf den Weg gebracht ist. Es hat ohnehin viel zu lange gedauert, bis ein Wissenschaftler anfangen konnte zu prüfen, wie wenig Sportunterricht deutsche Schüler tatsächlich erteilt bekommen. Die Politik kam nicht in die Gänge, erst jetzt, da Deutscher Sportbund und die deutschen Olympia-Bewerber die Finanzierung gesichert haben, erging der Auftrag an den Paderborner Professor Wolf-Dietrich Brettschneider, bis Ende 2004 Zahlen zur Misere zu liefern.

Ein erfreulicher Wurf. Die Studie wird zusätzliches Bewusstsein für den Missstand wecken und als Argument im Kampf um Schulreformen dienen. Dennoch: Zu hoch sollte die Begeisterung nicht schlagen. Eine Studie bedeutet noch keinen neuen Anstrich. Den müsste schon die Politik besorgen. Und in der gibt es noch genügend Leute, denen Kempowskis Irrtum näher liegt als das Votum der Sportlobby. Man kennt das: Der Unsinn ist ein hartnäckiges Unkraut.

Von Thomas Hahn



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3.2. 2003, Sportunterricht.de

Newsletter "Bewegte Schule"

Das Internetportal  "www.bewegteschule.de"  hat am 3. Februar ihren ersten Newsletter herausgegeben.
Thema in dieser Ausgabe: VOM ASPHALTSCHULHOF ZUM FREIZEITTREFF.

Als eine Ursache für die wachsende Anzahl adipöser Kinder kann Bewegungsmangel  angenommen werden. In der Schule sollten daher vielfältige Möglichkeiten genutzt werden, um Kinder zu aktivem körperlichen Tun zu bewegen. Dazu gehört auch ein attraktiv gestalteter Pausenhof, der Bewegungsanreize bietet.

In der Stadt Melle ist die Grund- und Hauptschule Wellingholzhausen einen ungewöhnlichen Weg gegangen, um in kurzer Zeit eine phantasielosen Asphaltfläche in einen attraktiven "Sport- und Freizeitschulhof" umzuwandeln. Dass dieses kein einfaches Unterfangen war, versteht sich von selbst.

Der vorliegende Newsletter informiert ausführlich über das Projekt.  Wesentliche Aspekte von der Planung über die Sponsorensuche und Finanzierung bis zur Umsetzung können hier nachvollzogen werden.

Auf der Internetseite werden weitere Online-Materialien zum kostenlosen Download angeboten.

http://www.bewegteschule.de/
 



 

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DSB News 3.2. 2003
 

DSB hat Schulsportuntersuchung in Auftrag gegeben

Das Präsidium des Deutschen Sportbundes (DSB) hat in seiner Sitzung in Frankfurt am Main die seit Jahren geforderte Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland auf den Weg gebracht. Das Gremium beschloss, die Bearbeitung des Forschungsvorhabens als Forschungsträger an die Universität Paderborn mit dem auf diesen Gebiet erfahrenen Prof. Dr.Wolf-Dietrich Brettschneider zu vergeben. Brettschneider soll die Aufgabe im Forschungsverbund mit Dr. Rüdiger Heim (Universität Magdeburg) und mit Prof. Dr. Werner Schmidt (Universität Essen) in Angriff nehmen. Für Einzelmodule der Untersuchung werden noch andere Universitäten hinzugezogen. Erste Ergebnisse sollen Ende des Jahres 2004 vorliegen. Finanziert wird die 250.000 Euro teure Untersuchung je zur Hälfte vom Deutschen Sportbund und den deutschen Bewerberstädten für Olympia 2012, einschließlich der Segelreviere.
 
 


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Main-Rheiner 1.2. 2003

Bewegte Eltern

Sportliches Pilotprojekt an der IGS

Sport-Elternabend heißt das Pilotprojekt, das seine Premiere in der Turnhalle der Integrierten Gesamtschule in Bretzenheim hatte. Rund 50 Eltern von Fünftklässlern waren dem Aufruf der Schule gefolgt und versammelten sich zur Leibesertüchtigung dort, wo sonst ihre Sprösslinge schwitzen.

Richtige Ernährung, Fitness, Trendsport, richtige Kleidung und Selbsterfahrung waren die Themenschwerpunkte, über die die Eltern informiert wurden. Und natürlich wurde Theorie auch in die Praxis umgesetzt, nämlich bei praktischen Übungen.

Die ursprüngliche Idee erklärt Sportlehrer Harald Beinhauer wie folgt: "Es gab ein Bedürfnis der Sportlehrer, gemeinsam mit den Eltern etwas zu bewegen." Lehrer wissen um die Bedeutung der Eltern bei der Motivation der Schülerinnen und Schüler. Daher soll den Eltern vermittelt werden, wie moderner Sportunterricht aussieht und wie viel Spaß er machen kann.

 Harald Beinhauer und sein Kollege Sigfried Käufer schrieben gemeinsam eine Broschüre, um ihre rheinland-pfälzischen Kollegen an den rund 1700 Schulen anzuregen. Doch bevor die Broschüre herausgegeben wird, wollten die Initiatoren praktische Erfahrungen sammeln. Das Echo war beeindruckend. Mit sichtbarem Spaß folgten die Eltern dem aufgebauten Parcours. "Wir sind auf die Anregungen und Rückmeldungen der Teilnehmer angewiesen", erklärt Beinhauer das Konzept. Es soll dadurch noch verfeinert und verbessert werden. Die Übungen selbst wurden mit Kameras dokumentiert und sollen auf Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer gezeigt werden.
 


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Nordkurier 1.2. 2003

Was können die Eltern für Kinder tun?

Pasewalk. Zu dick, zu faul - so lautet heute das Urteil über viele Kinder, die zumeist nur noch vor dem Computer sitzen oder mit dem Handy hantieren. Ärzte beklagen, dass Kinder Übergewicht und Koordinationsschwierigkeiten haben. Über die Probleme sprach unser Redaktionsmitglied Thomas Krause mit Uwe Vogler, Arzt im jugendärztlichen Dienst des Landkreises Uecker-Randow, der regelmäßig Untersuchungen an Schulen durchführt.

Welche Erkenntnisse haben Sie bei Ihren Untersuchungen gewonnen?
Wir haben bei den Schülern hauptsächlich Augen- und Wirbelsäulenschäden festgestellt. Im vergangenen Jahr mussten wir beispielsweise aus den vierten Klassen 2,8 Prozent der Schüler zum Orthopäden schicken - sie litten unter Wirbelsäulenverkrümmungen.

Wo liegen für Sie die Ursachen?
Man sieht das vor allem bei Einschülern, sie kennen nur die "neue Welt". Viele sind motorisch ungeschickt, können schlecht das Gleichgewicht halten, haben große Schwierigkeiten, auf einem Bein zu stehen. Dazu kommen die vielen übergewichtigen Kinder. Da lag die Quote im Jahr 2002 bei etwa elf Prozent.

Das Land hat jetzt das "Jahr des Schulsports" ausgerufen. Sind die Probleme wirklich allein mit mehr Schulsport zu lösen?

Das glaube ich nicht. Man sieht es ja auch daran, dass viele gar nicht am Sportunterricht teilnehmen, weil sie Angst vor schlechten Noten haben. Sport ist gesund und wichtig. Aber das Grundproblem ist, dass es kaum noch Sportmöglichkeiten gibt, die kein Geld kosten. Es müssen heute eben die modernen Sportarten sein. Sich einfach einen Ball nehmen und losspielen, wie wir das früher gemacht haben, das gibt es doch kaum noch.

Was können die Eltern für ihre Kinder tun?
Sie sollten die Kinder jeden Tag an die frische Luft schicken. Nicht für fünf Minuten, sondern für Stunden. Außerdem sollten sie auf die Ernährung ihrer Kinder achten. Zu viel Fett ist zu vermeiden. Das ist nämlich das Hauptproblem.



 

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Stuttgarter Nachrichten 1.2. 2003

Offensiv die Freude an Bewegung fördern

1000 Kinder beim Tag des Schulsports im Glaspalast

Sindelfingen - Rekrutierungshilfe für Sportverbände oder Vermittlung von Spaß an der Bewegung? Über die Aufgaben, die Schulsport zu erfüllen hat, gibt es unterschiedliche Ansichten.

Donnerstagmorgen im Sindelfinger Glaspalast. Etwa 1000 Kinder erfüllen am Tag des Schulsports die Sporthalle mit Leben. Es hätten ruhig etwas mehr sein können, die im Marathon-Staffellauf ihre Runden drehen, Purzelbäume schlagen oder versuchen, sich ohne anzuecken durch "Spinnenseile" zu winden. 120 Schulen, so Joachim Tröster vom Staatlichen Schulamt Sindelfingen, wurden angeschrieben. 30 haben Kinder der Klassen drei bis sechs in den Glaspalast geschickt. Es sind vorwiegend Grund- und Hauptschulen, die Interesse zeigten.

Die Veranstaltung ist Teil der im Oktober 2000 vom Kultusministerium in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund gestarteten Schulsportoffensive. Geboren wurde die Aktion aus der Erkenntnis, dass Bewegungsmangel bei Kindern zunehmend zum Problem wird. Schließlich haben sich die Zeiten geändert: Früher mag Hausarrest für Mädchen und Jungen eine harte Strafe gewesen sein. Heute ist es ihnen vielfach eher unangenehm, vor die Tür geschickt zu werden - in Kinderzimmern mit Spielecomputer und TV-Gerät lässt sich"s gut aushalten.

"Schulsport leistet für die ganzheitliche Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen einen unverzichtbaren Beitrag. Er ist von ganz besonderer Bedeutung für eine gesunde, geistige, soziale und emotionale Entwicklung", heißt es im Kommuniqué zur Offensive. Darin waren sich gestern die Teilnehmer einer Gesprächsrunde zum Schulsporttag einig. Unterschiedliche Meinungen gab"s aber auch.

So erwartet Dieter Locher vom Württembergischen Leichtathletikverband, dass Grundschulen "motorische Grundlagen" vermitteln. Daran herrsche bei Kindern, die in Vereine kommen, ein Defizit. Und: "Der Schulsport ist die Zelle, wo wir unsere Kinder finden." Ursula Duppel-Breth, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats, will dagegen vom "Rekrutierungspotenzial für Sportverbände" nichts wissen: "Schulsport soll Kindern Spaß machen und zu lebenslanger Bewegungsfreude verhelfen." Deshalb sollte er auch nicht benotet werden. "Strikt dagegen" ist Martin Bizer vom Oberschulamt Stuttgart, während für Edwin Gahai vom Kultusministerium die Notengebung nur ein "Randbereich" ist. Hans Drexler, Sportkreisvorsitzender in Böblingen, findet die Synthese für Locher und Duppel-Breth: "Kinder sollen Freude am Sport haben." Und wenn sich durch die Kooperation von Schulen und Sportverbänden "etwas entwickelt, ist es gut für alle".

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"Wir dürfen nicht nachlassen"

Die stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats Ursula Duppel-Breth steht hinter der Schulsportoffensive des Landes, weil sie Bewegung in die Schule bringt. Getan werden sollte aber noch mehr.

Was halten Sie von der im Jahr 2000 vom Land gestarteten Schulsportoffensive?

Kinder sind heute oft bewegungsarm und koordinationsgestört. Die Schulsportoffensive ist gut. Weil sie Impulse gibt und über viele verschiedene Module die Möglichkeit besteht, dass etwas Bewegung in die Schule kommt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Reicht dazu der klassische Sportunterricht nicht aus?

Ich habe eine sehr differenzierte Meinung zum Schulsport. Es ist wichtig, dass er erteilt wird - vollständig. Das sind drei Stunden die Woche. Er fördert die soziale Kompetenz, die Kreativität und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Eine Sportnote aber ist nicht unbedingt notwendig. In angelsächsischen Ländern zum Beispiel entscheiden die Kinder, ob sie ihre sportlichen Leistungen benotet haben wollen oder nicht. Ein unsportliches Kind bekommt vielleicht eine Drei oder sogar eine Vier. Das ist der pure Frust. Dabei ist doch die Hauptsache, dass sich das Kind bewegt.

Gibt es, vom Sportunterricht abgesehen, nicht noch andere Möglichkeiten, Kinder im Schulalltag für Sport zu begeistern?

Leider sind viele Schulhöfe nicht so gestaltet, dass bewegungsarme Kinder zum Turnen angeregt werden. Die Grundschule in Heimsheim zum Beispiel hat ein großes Rindenmulchfeld, über das eine frei schwebende Brücke an Kettengliedern führt. So etwas trainiert die Koordination unheimlich. Solche Geräte sind zwar teuer, laden die Kinder aber so richtig zum Spielen ein. So etwas brauchen wir in den Schulhöfen. Doch leider haben nur wenig Schulen solche Geräte. Durch die Schulsportoffensive hat sich in den vergangenen zwei Jahren durchaus etwas bewegt. Aber wir dürfen nicht nachlassen. Zu der Initiative gehört auch das Projekt bewegungsfreundliche Grundschule. An die 300 gibt es davon. Das ist aber nur ein Bruchteil der Grundschulen im Land.


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