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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
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Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports
in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben.
Aktuelle Meldungen

Archiv

 
Januar 2003
Heilbronner Stimme 22.1. 2003

Ein Plädoyer für mehr Bewegung

"Hier sitzt die Auslese." Der das am Montagabend feststellte, war Sportpädagoge Professor Klaus Bös, gemeint waren die Gäste, die zur Info-Veranstaltung und Podiumsdiskussion rund um das Thema "Die sport- und bewegungsfreundliche Schule" in die Hoffenheimer Gemeindehalle gekommen waren.

Viele Lehrkräfte füllten die Plätze, um dazuzulernen, obwohl gerade die Schulsportoffensive des Landes augenscheinlich Früchte trägt. Kinder der GHWRS Hoffenheim zeigten mit Rhythmik- und Bewegungsspielen, was außer dem klassischen Sportunterricht im Schulalltag möglich ist.

Das staatliche Schulamt in Heidelberg und die Stadt Sinsheim hatten zu dem Info-Abend geladen und ein hochkarätig besetztes Podium organisiert. Als leidenschaftlicher Verfechter für mehr Bewegung an Schulen war Klaus Bös von der Karlsruher Universität angetreten.

Seine Thesen zur Wirkung entsprechender Bemühungen belegte er empirisch: Nicht nur, dass nachweislich in den Neunzigern knapp doppelt so viele Kinder übergewichtig sind, wie noch 20 Jahre zuvor - eine Modellstudie weist auch interessante Sekundärwirkungen täglicher Sporttätigkeit nach: Die Kinder haben weniger Unfälle, heftige Aggressionen nehmen ab, Lehrer berichten über ein besseres Schulklima und Eltern über weniger Schulunlust.

Eine positive Persönlichkeitsentwicklung werde deutlich durch mehr Bewegung gefördert und zwar von klein auf. Den Zusammenhang zwischen Gewaltprävention und Bewegung stellte Professor Gunter Pilz von der Uni Hannover her: Junge Menschen brauchen Bewegungsräume, um Körper-Erfahrungen zu machen. In Erfolgen, die Kinder und Jugendliche oft nur im Sport erfahren, erlebten sie sich positiv.

Können und Spaß liegen nah beisammen, brach Pilz eine Lanze für alternative Sportarten, die Anerkennung bringen und helfen, Gewalt zu vermindern. American Football, Breakdance und Co. unterstütze das staatliche Schulamt Heidelberg, erklärte Thomas Buttendorf.

Dass eine Ideal-Kooperation zwischen Schulen, Kommune und Jugendpflege, wie sie Pilz beschrieb, in Sinsheim nicht möglich sei, stellte Oberbürgermeister Horst Sieber klar: Den als Gemeindezentrum gestalteten Schulhof "können wir uns leider nicht leisten". Erfahrungen aus der Psychiatrie steuerte Sabine Kubesch von der Uni Ulm bei: Ausdauertraining habe vergleichbare Wirkung wie Antidepressiva, zeigte sie auf und übertrug diese Erkenntnis auf Symptome wie Schulangst oder aggressives Verhalten.

Nicht zu unterschätzen sei, dass sich bis zum 25. Lebensjahr der Gehirnteil heranbilde, der das Sozialverhalten steuert. Sport nannte Kubesch ein Übungsfeld zum "Lernen durch Probehandeln".

Die Diskussion legte einen Schwerpunkt auf die frühe Förderung der Grundmotorik, die laut Ministerialrat Karl Weinmann künftig auch in der Erzieherinnenausbildung mehr Gewicht bekommen soll.
 



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21.1. 2003, Gießener Anzeiger

Zum Sportunterricht gehen Liebigschüler ins Fitness-Studio
Schule hat neuen Oberstufenplan bereits umgesetzt – Gesundheitsorientiertes Krafttraining

GIESSEN. „Das traditionelle Sportartenkonzept ist meistens auf Leistung orientiert“, weiß Thomas Schiller. Und: „In der Schule lassen sich in zwei Stunden keine großartigen Trainingseffekte erzielen“, fügt der angehende Lehrer hinzu, der an der Liebigschule Sport und Erdkunde unterrichtet. Seit Beginn dieses Schuljahres gehen Schiller und seine Kollegen in Sachen Schulsport neue Wege. Bereits ein Jahr früher als vom hessischen Kultusministerium verordnet, hat die Liebigschule damit begonnen, den neuen Oberstufenlehrplan im Fach Sport umzusetzen. „Mit dem Konzept wird ein Ansatz verfolgt, der sich vom bisher praktizierten ,Sportarten lernen‘ unterscheidet“, erklärt Schiller.

Der ab dem kommenden Schuljahr für alle Schulen in Hessen verbindliche Lehrplan gehe von der Annahme aus, dass die Motive, warum sich Menschen Sport zuwenden, „sehr unterschiedlich sind“. Ziel des Schulsports sei, die Schüler zum außerschulischen und lebenslangen Sporttreiben anzuhalten. „Nur so kann das Fach der gesellschaftlichen Forderung nach Gesundheitsförderung überhaupt gerecht werden“, sagt Schiller. Allerdings scheint der bisherige Lehrplan dieser Vorgabe nicht mehr gerecht zu werden. Denn: „Vor allem die sportschwachen Schüler fallen dabei hintenrunter.“ Und deren Zahl nimmt nach Angaben des Pädagogen ständig zu. „Defizite zeigen sich bei Jugendlichen im motorischen Leistungsvermögen. Viele Schüler weisen daneben erhebliche körperliche Schwächen auf“, hat Schiller beobachtet. „Mit dem neuen Lehrplan wird versucht, alle Schüler gleichermaßen anzusprechen.“ So hat Schiller den Unterricht in seinem Oberstufenkurs der Klasse 11 in drei Einheiten aufgeteilt. Nach Beachvolleyball zu Beginn des Schuljahres haben die Schüler in der vergangenen Woche ihre zweite Einheit „Gesundheitsorientiertes Fitness-Training an und mit Geräten“ abgeschlossen.

Neun Wochen jeweils zwei Zeitstunden haben sich die Schüler im Gießener Fitness-Studio Team WOF (World of Fitness) mit dem Thema „Gesundheit und Körpererfahrung“ beschäftigt. Nach einem für alle zwölf Schüler verbindlichen Eingangstest stand in den vergangenen Monaten unter anderem gesundheitsorientiertes Krafttraining auf dem Programm. „Schon die für viele ernüchternden Ergebnisse des Tests schafften bei den Schülern ein erstes Problembewusstsein.“ In erster Linie in den Bereichen Kraftvermögen und Beweglichkeit hätten viele Schüler Schwächen offenbart.

Mit dem von ihm angewendeten Konzept sollen die Schüler auf „gesundheitlich bedeutende Zusammenhänge beim Sporttreiben aufmerksam“ gemacht werden, erklärt der Sportlehrer. Außerdem gehe es darum, die „wohltuende Wirkung von Bewegung und körperlicher Belastung zu erschließen“. Außerdem will Schiller neben dem Krafttraining an und mit Geräten auch Einblicke in andere Felder von Fitnesstraining ermöglichen. Aufbauend auf den Ergebnissen des Fitnesstests haben die Liebigschüler auch Programme zur Kräftigung der Bauch- und Rückenmuskulatur absolviert.

Großen Wert hat Schiller auf die Beleuchtung „sporttheoretischer, gesundheitserzieherischer und gesellschaftlicher Aspekte“ gelegt. Fragen nach den Ursachen von Rückenbeschwerden, der Funktion des Aufwärmens sowie Trainingsprinzipien und Trainingsmethoden standen hier auf dem Stundenplan. Weiterhin erhielten die Elftklässler Einblicke in andere Fitnessbereiche wie zum Beispiel Cardio-Training und Aerobic. „Das Ganze kam sehr gut an. Die Schüler waren während der neun Wochen bei jeder Unterrichtseinheit komplett anwesend“, freut sich der Pädagoge, der die Ergebnisse in seine Examensarbeit einfließen lassen will.

Peter Bernt, Geschäftsführer des Fitness-Studios, musste nach eigenem Bekunden bei dem Projekt nicht lange überlegen. „Ist doch ganz klar, dass wir da mitgemacht haben. Das ist doch unser zukünftiges Publikum. Das Ganze ist auch als Anreiz zu sehen, etwas für die Gesundheit zu tun.“ Schließlich hätten viele Jugendliche zum Beispiel überhaupt keine Rückenmuskulatur mehr.
 

Sport in der Sek. II/Hessen

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Nordkurier, 18.1. 2003

Sportunterricht rückt in den Mittelpunkt
Bildungsministerium ruft 2003 zum "Jahr des Schulsports" aus

Sportunterricht - für einige das Lieblingsfach in der Schule, für andere ein lästiges Übel: Bewegung soll Spaß machen, möglichst jedem. Das Bildungsministerium des Landes hat das Jahr 2003 zum "Jahr des Schulsports" ausgerufen. Wie Kreisschulsportberater Hilmar Reich gegenüber Nordkurier sagte, soll auf die Komplexität der Aufgaben des Schulsports aufmerksam gemacht werden. Mit verschiedenen Aktionen von sportlichen Wettbewerben über interessante Projekte zum Thema Sportunterricht bis hin zu wissenschaftlichen Veranstaltungen zur Schulsportforschung soll das Thema in seiner ganzen Breite im Mittelpunkt stehen, nannte Reich das Ziel aus der Konzeption. Es gelte Lobbyarbeit für den Schulsport zu leisten.

Auftakt in Jarmen

"Alle Wettkämpfe im Kreis werden dieses Jahr unter diesem Motto stehen", erklärte der Schulsportberater. "Wir wollen den Eltern erklären, warum Sport wichtig ist." Noch bevor die zentrale Eröffnungsveranstaltung in Rostock am 25. Januar stattfindet, macht die Grundschule Jarmen heute den Auftakt im Landkreis Demmin. Ab 9 Uhr treffen sich Lehrer, Schüler und Eltern zu einem Familiensportfest. Die Hallenleichtathletik-Kreismeisterschaft der Grundschulen im März in Sarow werde dann der erste Wettkampf auf Kreisebene sein.
Zuvor jedoch vertritt die Grundschule Malchin den Landkreis am 25. Januar in Rostock und nimmt dort am großen Staffellauf der Schulen teil. Wie Christian Friederich, Verantwortlicher in Schwerin, gegenüber Nordkurier gestern ankündigte, wird in diesem Rahmen Bildungsminister Hans-Robert Metelmann den Startschuss für das "Jahr des Schulsports" geben. Zum traditionellen Hallensportfest der Rostocker Schulen seien diesmal Einrichtungen aus dem ganzen Land eingeladen worden.
Derzeit sei man in Schwerin dabei, Internetseiten über Termine und Aktionen des Jahres zu erarbeiten. Auf dieser Homepage zum Schulsport könne sich jeder informieren, aber auch eigene Initiativen einstellen, so Friederich. Er und auch Hilmar Reich wünschen sich, dass viele Schulen viele Ideen für Aktionen entwickeln.

Fortbildungen geplant

Neben den zentralen Veranstaltungen wie dem Auftakt in Rostock, die Landesfinals im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" im März in Schwerin und im Juni in Rostock sowie die Abschlussgala im Dezember in Neubrandenburg seien noch andere Wettbewerbe, Wettkämpfe und Projekte geplant. So sollen Aktionen an Schulen laufen, die den Sportunterricht bereichern. Für Sportlehrer werden Fort- und Weiterbildungslehrgänge angeboten. So plant Hilmar Reich für April/Mai Fortbildungen in den Sportarten Volleyball in der Kultur- und Sporthalle sowie Tischtennis in der Waldschulhalle Demmin. Im September soll in den Schulen ein "Tag des Schulsports" gestaltet werden.
Unterdessen hat der Kreisschulsportberater die bewährten Wettkämpfe der Vorjahre auch in den Terminkalender von 2003 wieder aufgenommen. Nach der Hallenleichtathletik stehen die Fußball-Runden im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" an. Zudem werden wieder die Medaillen in der Leichtathletik in Basepohl vergeben. Und im Herbst kämpfen die Schulen des Kreises beim Mittelstreckentag um den Pokal des Nordkurier/Demminer Zeitung.



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Gießener Allgemeine Zeitung, 17.01.2003

Motorische Auffälligkeiten nehmen Jahr für Jahr zu
Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport schlägt Alarm und fordert stärkere Bewegungsförderung in Schule und Kindergarten

Gießen. Rund 29 Prozent der Kinder in Hessen seien im Jahr 2000 nach den Einschulungstests für eine motorische Förderung vorgeschlagen worden. Im Schulamtsbezirk Gießen seien es sogar über 50 Prozent gewesen. An drei Vierteln der Schulen fällt zudem die laut Stundentafel vorgesehene dritte Sportstunde aus.

Mit diesen Zahlen warteten vor kurzem Kurt Drolsbach und Walter Müller vom Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport auf. Gemeinsam mit Vertretern aus verschiedenen schulischen Bereichen forderte der - wie berichtet – im Sommer vergangenen Jahres gegründete Arbeitskreis eine stärkere Bewegungsförderung nicht nur im Sportunterricht, sondern bereits im Kindergarten.

Vor allem die als Expertin eingeladene Ärztin im Kreisgesundheitsamt, Dr. Eleonore Föller-Gaudier, beklagte die Jahr für Jahr zunehmenden motorischen Auffälligkeiten bei Kindern in Einschulungstests. Statt ihre Fertigkeiten durch Roller- oder Fahrradfahren zu schulen, würden Kinder in vielen Fällen »nachmittags zu Hause vor dem Fernseher ruhig gestellt«, beklagte die Ärztin. Sie plädierte dafür, bereits im Kindergarten ein größeres Augenmerk auf Bewegungsförderung zu legen.

»Da läuft nicht sehr viel«, zog Walter Müller eine ernüchternde Zwischenbilanz zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein. Der Vorsitzende des MTV 1846 Gießen  (»Wir arbeiten mit über 1000 Jugendlichen«) ärgert sich auch darüber, dass man zu einem dem Staatlichen Schulamt im August 2001 vorgelegten Fragebogen über die Situation des Schulsports »keine Rückmeldung« erhalten habe. Auch auf eine Anfrage an die Liebigschule, bei der es um eine Zusammenarbeit mit dem MTV in der Talentförderung gegangen sei, habe es keine Antwort gegeben. Sein Verein werde versuchen, im laufenden Jahr für bewegungsauffällige Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren psychomotorische Entwicklungsförderung anzubieten. Der MTV 1846 werde zudem an der »Aktion Kindernotfallausweis« teilnehmen, sagte der Vorsitzende, der im Namen der Selbsthilfegruppe die verschiedenen mit dem Schulsport verbundenen Gremien weiterhin zur Mitarbeit aufforderte.

 »Unterstützung von Elternseite« sagte Ulrike Schober-Steinemann der Gruppe zu. Die Kreiselternbeiratsvorsitzende beklagte, dass Sport an der Grundschule oft fachfremd unterrichtet werde. Es gehe allerdings nicht darum, »einen Schuldigen zu finden«, sondern darum, motorische Fähigkeiten der Kinder möglichst früh zu fördern. Deshalb sei es wichtig, »vom örtlichen Verein bis zur Hochschule« viele Institutionen an die Schule anzubinden.

Unterstützung für die Ideen des Arbeitskreises signalisierte für die Gießener Schülerschaft Felix Diehl. Der Stadtschulsprecher sprach sich für eine sportliche Förderung vor allem in der Breite »und nicht als reine Talentsuche« aus. Schulsport beinhalte eine große soziale Komponente und solle vor allem Spaß machen.

Kurt Drolsbach unterstrich noch einmal den Handlungsbedarf in Sachen Bewegungsförderung. Die inzwischen zutage getretenen Defizite seien selbst bei kompletter Erteilung der dritten Sportstunde nicht zu beheben. In den kommenden Wochen sei ein Treffen mit Kinderärzten geplant, bei dem der Arbeitskreis die Möglichkeit weiterer Schritte diskutieren möchte.

Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport

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DSB-News 16.1. 2003

Förderung des Schulsports und Kampf gegen Doping angemahnt

Die amtierende Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung (ICSSPE), Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper (Berlin), hat beim weltweiten „Runden Tisch“ für Sport- und Bildungsminister aus über 160 Ländern in Paris konkrete Maßnahmen zur weiteren Förderung des Schulsports und im Kampf gegen Doping angemahnt.

Bei ihrem Grundsatzreferat in Anwesenheit von IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge (Belgien) und dem zuständigen UN-Berater für Sport, Adolf Ogi (Schweiz), wies Doll-Tepper darauf hin, dass die Beschlüsse des ersten Weltgipfels für Schulsport in Berlin 1999 immer noch zu wenig Beachtung und Anwendung finden: „Das im Schulsport liegende Potenzial ist bekannt, viele kostengünstige Maßnahmen ließen sich unbürokratisch umsetzen.“ In Zusammenhang mit dem Doping-Problem, das auch immer weitere Kreise im Freizeit- und Breitensport zieht, setzte sich die Präsidentin dafür ein, dass mehr Aufklärung und Information bereits in den Schulen stattfindet.
 



 

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DSB-News 16.1. 2003

VDS-Schulsporttagung „Vom Lieblingsfach zum Stiefkind“

„Vom Lieblingsfach zum Stiefkind – Analysen und Perspektiven zum Schulsport in Deutschland“ lautet das Thema eines Forums zum Schulsport, zu dem der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS)  am 21. und 22. Januar 2003 nach Münster in Westfalen einlädt. Dabei soll den Sportjournalisten die seitens des organisierten Sports oft kritisierte Problematik des Schulsports in Deutschland nähergebracht und nach Wegen der Besserung gesucht werden.

Zu den Referenten und Diskutanten zählen unter anderen der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Ingo Rolf Weiss, der langjährige Vorsitzende des Deutschen Sportlehrerverbandes, Hansjörg Kofink, der Vertreter der Kultusministerkonferenz, Klaus Paul, die Vorsitzende des Bundeselternrates, Renate Hendricks, sowie Dr. Harald Schmid für die Kampagne „Kinder stark machen“ und die Wissenschaftler Prof. Dr. Renate Zimmer, Prof. Dr. Klaus Bös und Prof. Dr. Dietrich Kurz. Interessierte Kolleginnen und Kollegen sind vom Verband Deutscher Sportjournalisten aufgefordert, sich zahlreich an dieser wichtigen Tagung zu einem elementaren Thema unserer Gesellschaft zu beteiligen.

Anmeldungen nimmt Hans-Reinhard Scheu unter Fax 07221/9929-2035 oder per E-Mail unter Hans-Reinhard.Scheu@SWR.de entgegen.
 



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Göttinger Tageblatt 15.1. 2003
 
 
„Es ist gut, wenn uns der DSB mit seiner großen Lobby hilft“
GT: Die Kultusminister-Konferenz hat gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund die Pisa-Studie Schulsport in Auftrag gegeben. Was erwarten Sie von dieser Untersuchung?
 
. Willi Lemke: Für den DSB und uns Kultusminister ist es wichtig, erst einmal zu einer grundsätzlichen Überprüfung zu kommen, wie es im Schulsport aussieht. Es geht nicht um einen Leistungsvergleich, es ist vielmehr eine aktualisierte Bestandsaufnahme. Ziel ist es, die vorhandenen Strukturen zu verbessern. Wir haben in Bremen und auch in Niedersachsen bereits damit begonnen. Zum Beispiel durch verschiedene kreative Ansätze im Rahmen der Verlässlichen Grundschule und durch verstärkte, gezielte Kooperationen von Sportvereinen und Schulen.

Die Probleme des Schulsports sind allgemein bekannt. Wo klaffen Ihrer Meinung nach die größten Lücken, und was muss getan werden, um diese zu schließen?

Ich glaube, das ist aber nur eine Analyse der Bremer Schulen, dass der Lehrkörper dringend verjüngt werden muss. Es gibt kein Fach, wo das so notwendig ist wie im Sport. Wer kurz vor der Pensionierung steht, dem fällt es manchmal schwer, seine jungen Schüler und Schülerinnen zu sportlicher Leistung zu motivieren. Wir müssen dringend junge Lehrer einstellen, die dynamisch in den Unterricht gehen und die Schüler motivieren können. Die Losung heißt weg von Barren und Reck hin zu modernen Sportangeboten. Darüber hinaus sollten wir auch bereit sein, den Schulalltag noch intensiver für den Sport zu nutzen. Bewegte Schule nutzt auch Pausenelemente, damit sich Kinder sportlich bewegen können.

Das waren alles Verbesserungsvorschläge, die an den Schulen greifen. Wie beurteilen Sie die Ausbildung des Lehrpersonals?

Die Lehrer- und Sportlehrerausbildung müsste wesentlich praxisorientierter sein und das mit einem klaren pädagogischen Schwerpunkt. Bei der Sportlehrerausbildung müssen wir Wert darauf legen, dass wir nicht nur die klassischen Sportarten ausbilden.

Bund und Länder wollen in Zukunft mehr Geld in Bildung investieren. Es sollen mehr Lehrer eingestellt werden. Besteht die Gefahr, da bei der Pisa-Studie nur das Wissen in den sogenannten Hauptfächern abgefragt wurde, dass der Sport hinten an steht?

Nein, alle Fächer werden profitieren. Unsere Schüler haben auch motorisch erhebliche Defizite. Uns ist klar, dass ein erheblicher Bedarf vorhanden ist. Das können die Lehrer aber nicht allein schaffen. Wir müssen daran arbeiten, die Eltern mit in das Boot zu bekommen. Wenn Schulstunden ausfallen müssen, dann sind Eltern sehr gerne bereit auf die Musik-, Religion-, Kunst- oder Sportstunde zu verzichten. Das ist aber falsch. Da muss sich dringend etwas im gesellschaftlichen Bewusstsein ändern. Da ist es gut, wenn der DSB uns mit seiner großen Lobby hilft.

Ihr niedersächsischer Amtskollege Thomas Oppermann hat gesagt, dass die Probleme des Schulsports nicht von der Kultusminister-Konferenz gelöst werden können. Wo werden sie denn gelöst?

Sie werden nur in den Schulen gelöst. Es kommt darauf an, ob sie engagierte Sportlehrer haben, die noch die Kraft haben, sich gegen den Elternwillen zu stellen und sich auch in den Schulkonferenzen durchsetzen, dass mehr für den Sport getan wird. Sportlehrer der nächsten Generation müssen sich wieder mehr in den Sportvereinen engagieren, um dafür zu sorgen, dass die Schüler und Schülerinnen auch am Nachmittag Sport treiben. Wenn das erreicht wird, habe ich keine Sorge um die weitere Entwicklung des Schulsports.

Sie betonen oft die Bedeutung der Clubs. Es scheint, als hinge Ihr Herz sehr am Vereinssport. Planen Sie eine Rückkehr dorthin?

Das kann ich so nicht sagen. Ich kandidiere jetzt im Mai für meine Partei, habe sozusagen einen Vertrag für die nächsten vier Jahre bei der Bremer SPD unterschrieben. Jetzt könnte es höchstens sein, dass die Wähler sagen: Nein, wir wollen diese Bildungspolitik nicht mehr.
 



 

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Wiesbadener Tagblatt 11. 01. 2003

"Wer als Kind mal auf einen Baum geklettert ist, sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel"

Klaus Paul sorgt seit 30 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes für Bewegung in den hessischen Schulen

Seit 30 Jahren ist er Schulsportreferent im hessischen Kultusministerium. Doch Klaus Paul dämmert längst nicht seiner Pensionierung entgegen. Dem Dotzheimer ist die Aufgabe Berufung " man spürt es in jedem seiner Sätze. Quasi als Beleg führt er als Vorsitzender noch ehrenamtlich die Deutsche Schulsportstiftung. Der 61-Jährige steckt voller Pläne und Ziele " und das in allen drei Bereichen: der Talentsichtung zur Förderung des Leistungssports im Lande; dem Freizeit- und Breitensport, um den Entwicklungsschäden entgegenzuwirken, die Bewegungsmangel verursacht; schließlich die Integration behinderter Schüler durch Sport.

 "Wir stehen vor riesigen Aufgaben, die keiner allein schaffen kann", predigt der Ministerialrat Kooperation von Eltern, Schulen und Vereinen in Sachen Bewegung, Spiel und Sport. "Die Schule hat sich geöffnet", erwartet er nun vor allem von den Verbänden und Vereinen, aber auch von den Familien eine aktivere Mitarbeit: "Erste Erziehungsinstanz sind und bleiben die Eltern."

Dass die Lehrer oft heftigen Angriffen der Sportorganisationen ausgesetzt sind, hält Paul schlicht für ungerecht: "Das Bild der Lehrer und Sportlehrer in der Öffentlichkeit ist falsch. Die Funktionäre und Trainer haben in der Regel ganz spezifische Erwartungen. Und wenn die nicht erfüllt werden, wird auf den Schulsport eingeschlagen. Wir haben aber ganz vielfältigen Ansprüchen gerecht zu werden", richtet der Ministerialrat den Blick auf die unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Bedürfnisse einer heterogenen Schülerschaft: "Da wird hervorragende Arbeit geleistet, die so oft draußen gar nicht wahrgenommen wird."

 Stubenarrest ist Belohnung

Das größte gesellschaftliche Problem, das es für sein Referat zu bewältigen gilt, sei der "dramatische Rückgang der Bewegungszeit" der Kinder. In den 20 Jahren von 1976 bis 1996 sind die Zehnjährigen im Schnitt 7,8 Prozent schwerer geworden. Die Zahl der Übergewichtigen in diesem Alter hat sich im gleichen Zeitraum fast verdoppelt " auf 31,3 Prozent.

Vor manchen Grundschulen, berichtet Paul, der einst selbst am Landgraben unterrichtete, gebe es heute jeden Morgen einen Autostau, weil die Eltern ihre Kinder bis vor die Tür fahren: "Für uns war Stubenarrest früher eine Bestrafung. Jetzt ist es eine Belohnung. Da haben sie ihre Computer und Gameboys." Dabei führe Bewegungsmangel nicht nur zu Motorik- und Koordinations-Problemen, Übergewicht und den damit einhergehenden Gesundheitsrisiken: "Bewegung ist auch eine Hirnerfahrung. Ein Kind, das mal auf einen Baum geklettert ist, sieht die Welt in der Tat aus einem anderen Blickwinkel." Ausweichen, stoppen, fallen " all das könnten viele Kinder heute nicht mehr. "In den Städten", berichtet Paul von dem KellergesprächErgebnis einer Studie, "sind 50 Prozent nicht mehr in der Lage, einarmig Rad zu fahren." Und also eigentlich nicht verkehrstüchtig.

Die Defizite von daheim muss der Schulsport ausgleichen, zumal für das Ausbilden von Reaktions-, Rhythmus- und Gleichgewichtsfähigkeiten die Altersphase zwischen sechs und zwölf Jahren von herausragender Bedeutung ist. "Aber das schaffen wir nicht mit zwei, drei, vier Sportstunden und auch nicht, wenn man noch einmal vier Stunden im Verein draufpackt." Seit 2001 habe das Ministerium den Grund- und Sonderschulen ein Paket von Pausen-Spiel- und Sportgeräten "supergünstig" angeboten, um die tägliche Bewegungszeit zu erhöhen. Von 1068 hessischen Grundschulen haben 450 ihren Tausend-Euro-Anteil berappt und das Paket erstanden " allein in Wiesbaden 25: "Ein Riesen-Renner."

 Bewegter Unterricht

Das Schulsportreferat arbeitet auch mit Dr. Dieter Breithecker zusammen. Der Psychologe ist Chef der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung bei Kindern und Jugendlichen. Gemeinsam mit diesem in der Wiesbadener Friedrichstraße sitzenden Verein werden an den hessischen Schulen ganze Fortbildungstage zum Thema organisiert: "Erst demonstriert Breitheckers Team mit den Schülern, wie bewegter Unterricht aussehen kann. Dann wird mit den Lehrern gearbeitet und diskutiert. Schließlich folgt ein Elternabend." Paul hält solche Maßnahmen für zwingend, um die stetige Zunahme der Bewegungsmangel-Krankheiten einzudämmen: "Denn genetisch sind wir immer noch als Bewegungstiere angelegt."

 Es fehlt an Sportstätten

Immerhin: Dank der seit 1999 in drei Jahren um 134 gewachsenen Zahl von Sportlehrern können, so Paul, die Stundentafeln in Grundschulen zu hundert Prozent erfüllt werden: "Aber wegen des Sportstättenproblems kann es zu Engpässen kommen." Bei einem zum Jahr des Schulsports erbetenen "Wunschzettel" erreichten das Ministerium aus den Schulen denn auch weniger Bitten nach neuen Lehrern als nach Geräten und vor allem Sportstätten. Ihr Fehlen macht sich indes besonders im Leistungssportbereich negativ bemerkbar. "Wo die Sportstätten nicht verfügbar sind, kann ich keine Talentförderung machen", sagt Paul....



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Pforzheimer Zeitung 10.1. 2003

Weltrats-Präsidentin fordert Förderung des Schulsports
Der Schulsport steht im Mittelpunkt eines Treffens von Sport- und Bildungsministern aus 160 Ländern in Paris
 
 
. Die Berlinerin Gudrun Doll-Tepper, die Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes- /Körpererziehung, wird in Anwesenheit von IOC-Präsident Jacques Rogge, dem UN-Berater für Sport, Adolf Ogi, und dem UNESCO- Generaldirektor Koichiro Matsuura in einem Grundsatzreferat die Mängel im Schulsport ansprechen.

«Das im Schulsport vorhandene Potenzial ist bekannt, viele kostengünstige Maßnahmen ließen sich unbürokratisch umsetzen», sagte Gudrun Doll-Tepper. Trotzdem würde ihm zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es sei zwar positiv, dass sich die Länder auf eine internationale Zusammenarbeit geeinigt hätten, jedoch müssten nun Taten folgen. Insbesondere sollten die Gefahren des Dopings schon im Schulbetrieb angesprochen werden.



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Hildesheimer Zeitung  9.1. 2003

Niedersachsen

Image des Schulsports ist angeknackst
Jahrestagung der Sportkommission der GEW in Himmelsthür
 

Hildesheim (su). "Mit dem Schulsport geht es den Bach hinunter." Diese Befürchtung zog sich wie ein roter Faden durch die Jahrestagung der Sportkommission der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) in der Lehrstätte des Kreissportbundes Hildesheim.

Die Delegierten stellten fest, dass das Image des Schulsportes angeknackst ist, obwohl Krankenkassen, Ärztevereinigungen, der Landessportbund (LSB) und Experten immer wieder auf Haltungsschäden und Konzentrationsschwächen der Schüler hingewiesen haben. Kommissionsvorsitzender Heinrich Pohl (Bad Salzdetfurth): "Alle fordern mehr Schulsport. Trotzdem tut sich nichts. Die Konsequenz aus der PISA-Studie darf nicht nur die Förderung von Leseschreibschwächen und Diskalkulie sein, sondern es muss die ganzheitliche Erziehung berücksichtigt werden. Der Bedeutung des Sports, also der Bewegungserziehung, sollte erheblich mehr Beachtung geschenkt werden."

Die Kommission als außerordentliches Mitglied des LSB stellt den Wert des Schulsportes heraus. Durch Bewegung werden das Gedächtnis, Lernvermögen und Kreativität gefördert. "Ohne Bewegung kein Lernen. Motorisches Lernen schafft Voraussetzungen, um im kognitiven Bereich Erfolge zu erzielen ," führt Pohl weiter aus.

Der Landesregierung wird vorgeworfen, den Förderunterricht in den ersten beiden Grundschulklassen finanziell zu forcieren und gleichzeitig die Anzahl der Sportstunden zu streichen. Von wöchentlich drei Sportstunden habe man sich weit entfernt. Die GEW-Kommission fordert daher, den Schulen auch für einen Sportförderunterricht zusätzliche Lehrerstunden zur Verfügung zu stellen. Um Kindern frühzeitig Spaß am Sport zu vermitteln, müsse auch die tägliche Bewegungserziehung in Kindergärten Einzug halten. Deshalb müsse diese Richtung auch an den Fachschulen für Erzieher intensiviert werden.

Die Gewerkschaftler sehen in der geplanten Einrichtung von 500 neuen Ganztagsschulen eine große Chance, den Sport nachmittags in das schulische Geschehen einzubinden. Eine Zusammenarbeit mit fachkompetenten Trainern und Übungsleitern aus den Sportverbänden und Sportvereinen könne dabei als Ergänzungsmöglichkeit sehr hilfreich sein.

Darüber hinaus wird erneut eine Gleichstellung des Faches Sport mit anderen Fächern bei mündlichen Leistungsüberprüfungen im Sekundarbereich I postuliert. Nach wie vor sei Sport das einzige Fach, wo mündliche Prüfungen nicht stattfinden dürfen. Selbst im Wahlpflichtbereich seien keine mündlichen Prüfungen möglich. Es wird auch eine Änderung von Normen beim Bau von Sporthallen und Schwimmbädern angemahnt. Der Spitzensport setze sich zu sehr durch. Breitensportliche Gesichtspunkte würden kaum berücksichtigt.
 

GEW-Sportkommission

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Rheinpfalz 8.1. 2003

Zu viele Süßigkeiten, zu wenig Sport
Auch in Pirmasens sind Kinder immer dicker - Lehrer und Ärzte sehen Entwicklung mit Sorge - Problem vor allem vor Pubertät

Deutschlands Kinder werden immer dicker. Diese Entwicklung zeichnet sich auch in Pirmasens ab, wie Kinderärzte, Schulleiter und Lehrer feststellten. Schuld daran ist der übermäßige Verzehr von Süßigkeiten und Knabberzeug. Genascht wird hauptsächlich vor dem Fernseher oder "mal so nebenbei". Hinzu kommt, dass gerade die übergewichtigen Kinder nicht leicht zum Sport zu motivieren sind.

"Es ist wirklich auffallend, dass die Fettleibigkeit bei Kindern zugenommen hat", sagt Siglinde Riwoldt, Kinderärztin. "Dabei liegt der Fehler im Essverhalten nicht unbedingt im Elternhaus, sondern in der Zusatzkost, die sich Kinder selbst beschaffen." Sehr ungünstig auf den Konsum von Süßigkeiten und Knabberzeug wirkten sich die Kioske an den Schulen aus, glaubt Riwoldt. "Dort können die Kinder Süßigkeiten und Limonade erstehen, in denen unglaublich viel Zucker enthalten ist. Allerdings gibt es inzwischen Bestrebungen, diese Kioske abzuschaffen." Oft nicht gegessen werde das von den Eltern mitgegebene Pausenbrot. "Statt dessen kaufen sich die Kinder Chips oder Naschzeug."

Außerdem bewegten sich die Kinder heute zu wenig, kritisiert die Ärztin: "Zweimal in der Woche Schulsport ist zu wenig. Wenn man eine echte Wirkung erzielen will, muss ein Kind mehrmals die Woche Sport in einem Verein treiben." Der gemeinsame Sport mit Anderen wirke motivierend auf die Kinder.

Besonders in der Vorpubertät neigten Kinder zu Übergewicht, hat Gabriele Naab, Leiterin der Realschule, festgestellt. "Da werden schon auf dem Schulweg Süßigkeiten gekauft und mit in die Schule gebracht." Am Kiosk der Realschule können die Kinder nur Esswaren erstehen, die vom Elternbeirat und der Lehrerkonferenz abgesegnet sind. "Dazu gehören beispielsweise belegte Brötchen, Brezeln und Erfrischungsgetränke. Cola ist bei uns verboten." Übergewichtig seien die Kinder vor allem in der fünften und sechsten Klasse. "Ab der siebten Klasse setzt bereits ein anderes Körperbewusstsein ein, die Mädchen wollen den Jungen gefallen und achten auf ihre Figur." Dann drohe bei einigen allerdings die Gefahr der Magersucht.

Mollig zu sein sei ein Teufelskreis. "Die Kinder sind mollig, weil sie sich zu wenig bewegen. Und wegen der Komplexe, die dadurch entstehen, treiben sie noch weniger Sport", sagt die Schulleiterin. Sie habe einer Schülerin der Orientierungsstufe, die noch nicht richtig schwimmen konnte, vorgeschlagen, gemeinsam ins Plub zu gehen. "Die hat sich aber standhaft geweigert, weil sie glaubt, im Badeanzug hässlich auszusehen." Schwierigkeiten gebe es auch im Tanzunterricht der sechsten Klasse: "Vor allem die Buben weigern sich, da mitzumachen. Es kommt ihnen unmännlich vor." Grund für das Naschen ist nach Ansicht Naabs "mangelnde Zuwendung". "Die Eltern müssen mehr mit den Kindern reden", betont die Pädagogin. "Dafür muss man sich einfach Zeit nehmen."

Sport lasse sich am leichtesten im Verein praktizieren, glaubt Naab. "Man wird dann von den Anderen mitgezogen." Den Schülern der Realschule wird ein breites Spektrum an außerschulischen sportlichen Möglichkeiten geboten: "Am Nachmittag gibt es in unserer Turnhalle AGs zum Beispiel zu Basketball oder Tanz, angeboten werden außerdem Sportnachmittage, Reiten und Schwimmen."

Nicht immer sei der körperliche Umfang Schuld an der Unlust, Sport zu treiben. Zu dieser Erkenntnis gelangte Peter Kölsch, Sport- und Erdkundelehrer am Leibniz-Gymnasium. "Immerhin gibt es Kinder, die im Sport - trotz Übergewichts - gute Leistungen bringen." Vielen Kindern und Jugendlichen fehle heute die "Bewegungserfahrung", so der Pädagoge. "Früher bewegten sich die Kinder in einem Radius von sieben Kilometern um ihr Elternhaus herum, heute sind es gerade mal noch 300 Meter." Mit dem Bewegungsmangel einher gehe ein mangelndes Körpergefühl. "Es fehlen einfach die natürlichen Erfahrungen wie Klettern, Laufen und Springen." Sportunterricht in der Schule sei dann wirksam, wenn man ein "gutes Körpergefühl" entwickele und auch nach Abschluss der Schule sportlich aktiv bleibe.

"Schon seit zehn Jahren beobachte ich, dass die Kinder immer bewegungsärmer und übergewichtiger werden", erklärt Peter Schiel, Leiter der Robert-Schuman-Grundschule. "Das fällt schon bei der Einschulung auf. Leider ist die Tendenz steigend." Der Grund dafür sei meist in den Familien zu suchen. "Den Kindern wird zu wenig Bewegung geboten. Ich kenne Grundschüler, die noch nie einen Ball besessen haben." Auch bei der Ernährung machten einige Eltern Fehler, zu wenig vitaminreiche Kost werde angeboten. "Manche Ganztagsschüler kennen weder Broccoli noch Rosenkohl. Wenn sie es dann aber probieren, schmeckt es ihnen doch."

Schiel appelliert an die Eltern, sich gemeinsam mit Kindern zu bewegen. "Das kann Wandern, Ball spielen oder auch Tanzen sein. Ich selbst habe meinen Flur umgebaut, um mit meinem Sohn Fußball spielen zu können. Gut ist auch die Beteiligung in einem Sportverein."...



 

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Hamburger Abendblatt 7.1. 2003
 

Sport: Schüler besser als ihr Ruf
Ein Experte behauptet nach einer wissenschaftlichen Studie: Jungen und Mädchen sind aktiver als angenommen

Hamburgs Schüler überwiegend Sportmuffel? Der Erziehungswissenschaftler Prof. Jürgen Kretschmer (59) hat Überraschendes herausgefunden: Zumindest Hamburger Grundschüler sind fitter als angenommen und werden immer aktiver. Damit reagierte der Professor auf die Meinung von Kinderärzten, die eine mangelnde Fitness Hamburger Kinder festgestellt haben wollen (das Abendblatt berichtete).

Prof. Kretschmer, Leiter des Arbeitsbereiches Bewegung, Spiel und Sport an der Uni Hamburg, hatte 1999 insgesamt 76 Hamburger Grundschulklassen befragt und untersucht. Damals stellte er fest: Im Vergleich zu einem Test, der 1986 in Hamburg gemacht wurde, sind die Schüler nicht signifikant schlapper geworden. Lediglich in zwei koordinativen Übungsbereichen stellte er statistisch abgesicherte Verschlechterungen fest. In zehn von 48 Kategorien hatten die Kinder sich verbessert. 2002 wiederholte Kretschmer die Tests von 1999 an denselben Schülern. Die inzwischen neun und zehn Jahre alten Kinder sind nicht nur individuell besser geworden, sie schlagen auch die Vergleichsschüler, die 1999 neun und zehn Jahre alt waren. Im Vergleich zu den Kindern, die 1986 am Test teilnahmen, sind, so Kretschmer, "vor allem im Konditionsbereich deutliche Verbesserungen zu erkenne". Die komplette Studie von 2002 konnte bisher leider nicht ausgewertet werden: Es fehlen etwa 3000 Euro. Kretschmer sucht Spender. Für den Schulsport bedeuten die ersten Ergebnisse, so der Professor, "dass die Lehrer ihn als Freudespender präsentieren müssen. Die gesundheitlichen Folgen stellen sich dann von alleine ein. Sie dürfen nicht als Zweck, sondern als Folge verstanden werden."

Bildungssenator Rudolf Lange (61, FDP) hat das Jahr 2003 zum Jahr des Schulsports ernannt: Im Abendblatt kündigte er eine Modernisierung des Sportunterrichts und die stärkere Berücksichtigung von Trendsportarten wie Inline-Skating an. Sport- und Elternverbände stehen hinter dem Senator. Lehrer fordern: Zunächst müsse das Lehrpersonal aufgestockt werden.

Arno Becker (54), Chef des Lehrerverbandes, begrüßt Langes Plan. Doch: "Der Vorschlag ist nicht an der Realität ausgerichtet. Wir haben Sicherheitsvorgaben, die nicht erlauben, mal eben Skaten zu gehen. Die Turnhallen sind dafür nicht gebaut. Um die Idee umzusetzen, bräuchten die Schulen Geld und vor allem solide rechtliche Grundlagen."

Ilona Wilhelm (52), GEW-Vorsitzende: "Um die dritte Sportstunde Realität werden zu lassen, benötigen wir 150 neue Kräfte. Nur so ist qualifizierter Unterricht möglich." Anne Nyhuis (30), Sprecherin des Hamburger Sportbundes (HSB), ergänzt: "Auch Vereine, die Politik und Eltern sollten sich in diesem Punkt in der Pflicht sehen."

"Herr Lange soll erst mal seine vorherigen Versprechen umsetzen, bevor er mit zusätzlichen Vorschlägen kommt. Die dritte Schulstunde findet bis heute an vielen Schulen nicht statt", sagt die SPD-Bildungspolitikerin Britta Ernst (41). Langes Sprecher Hendrik Lange (28) widerspricht: "An vielen Schulen steht die dritte Sportstunde zwar nicht auf dem Lehrplan, doch versuchen die Lehrer dort, mit Ausflügen und Wettkämpfen auf die Regelstunden zu kommen."
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Hamburger Abendblatt 6.1. 2003

Lange will mehr Bewegung

Schulsport: Senat will Kinder fit machen
- mit modernen Sportarten und neuen Ideen
 

Bildungs- und Sportsenator Rudolf Lange (61, FDP) will den Sportunterricht an Hamburger Schulen modernisieren und plant eine Kampagne gegen Übergewicht und Bewegungsmangel bei Kindern. "Es sollte mehr moderne Sportarten wie Inlineskating im Schulsport geben", sagte Lange dem Abendblatt. "Es muss ja nicht immer Reck oder Völkerball sein." Die Schulen selbst seien an "kreativen Lösungen" interessiert. Mit der Einführung der dritten Sportstunde habe der Senat bereits einen wichtigen Schritt gemacht - allerdings funktioniert deren Umsetzung längst nicht überall reibungslos.

Schon bald wolle er zudem Gespräche mit dem Sportbund über das Thema Bewegungsmangel bei Kindern führen, kündigte Lange an. Trainer von Sportvereinen sollten verstärkt mit Sportlehrern zusammenarbeiten. Es müsse geprüft werden, ob eine Erhebung über das Ausmaß des kindlichen Übergewichts in Hamburg nötig sei. Bereits in den Kindergärten müsse der Bewegungsdrang gefördert werden. "Das Jahr 2003 wird auch das Jahr des Schulsports", so Lange. Beim Internationalen Sporttag im Februar im CCH könnten sich Sportlehrer mit neuesten Unterrichtskonzepten vertraut machen. Bürgermeister Ole von Beust (47, CDU) ist Schirmherr der Veranstaltung. Nach Schätzungen von Lehrern und Medizinern sind fast 25 Prozent der Schüler zu dick und leiden unter Bewegungsmangel. Heranwachsende müssten bei Schulwanderungen spätestens nach zwei Kilometern Pause machen. Sie sind kraftlos, leiden unter Koordinationsstörungen. "Manche Schüler schaffen es nicht mal, auf die Behandlungsliege meiner Praxis zu steigen", sagt ein Kinderarzt.

Die Schule kann Versäumnisse der Eltern kaum ausgleichen. Das Schulfach Sport zähle zudem, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, seit langem zu den Mangelfächern, für die der Nachwuchs an Personal nicht ausreiche. Folglich wird der Unterricht verstaubter, Trendsportarten werden nur selten angeboten.

Volker Schönstedt (56), Lehrer der Gesamtschule Eppendorf: "Seit zehn Jahren ist eine permanente Verschlechterung von Kraft und Beweglichkeit zu beobachten", sagt er. "Nur die wenigsten Kinder schaffen einen Klimmzug, viele können nicht rückwärts laufen oder auf einem Bein balancieren." Professor Dr. Gert Eichler (60), Sportwissenschaftler der Uni Hamburg, bestätigt diese Beobachtungen. Doch nicht die Kinder seien schuld: "Kinder haben Lust auf Bewegung". Mit der Wohlstandsentwicklung seien jedoch die Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt. Kletterbäume, Wiesen und Spielstraßen gäbe es kaum noch. Doch genau diese bräuchten Heranwachsende. "Kinder müssen toben und matschen dürfen", sagt Eichler. "Viele Eltern haben lieber ruhige Computercracks im Haus."

Auch Professor Dr. Kurt Ullrich (54), Chefarzt am UKE, sorgt sich um den Nachwuchs: "Haltungsschäden nehmen zu. Ebenso wie Übergewicht mit allen Folgeerscheinungen." Auch Norbert Baumann (56), Sportreferent der Behörde für Bildung und Sport, sieht Handlungsbedarf: "Die Lebensbedingungen haben sich verändert. Eltern, Schulen, Vereine und Politik müssen Hand in Hand arbeiten."
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Hamburger Abendblatt 6.1. 2003

Zwei Stunden Sport reichen nicht

Kommentar

Von Jan-Eric Lindner

Sportlehrer in Nordrhein-Westfalen haben sich jüngst dafür ausgesprochen, das Sumoringen stärker im deutschen Schulsport zu berücksichtigen. Der Vorstoß, der auf den ersten Blick amüsant erscheint, hat leider einen erschreckend ernsten Hintergrund. Nahezu ein Viertel aller Kinder ist dick und unbeweglich. Nach einer Studie der Uni Mainz leiden 60 Prozent der Schüler unter Haltungsschwächen. Jedes zweite Kind hat Schwierigkeiten, bei speziellen Anforderungen seine Gliedmaßen richtig zu koordinieren.

Computer, TV, Handy, Auto, Bus: Es sind Errungenschaften des Fortschritts, die Kinder lahm machen. Ihnen mangelt es an Bewegungsmöglichkeiten, folglich an Erfahrungen, Sinnesreizen, an Gesundheit. Viele Kinder würden sich entfalten, wenn sie nur wüssten, wie. Wenn schon die Eltern überfordert sind, reichen zwei oder drei Wochenstunden Schulsport nie und nimmer, um Heranwachsende zur Bewegung zu bewegen. Ziel einer neuen Bildungspolitik muss sein, Bewegung wieder mehr in den Alltag zu integrieren - auch in den Schulalltag. Dass für derartige Neuerungen kein Geld da ist, wird uns noch teuer zu stehen kommen.
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
Stuttgarter Zeitung 2.1. 2003
 

Sportliche Höhenflüge stoßen in den Hallen an Grenzen

Ministerium plant flächendeckenden Ausbau der bewegungsfreundlichen Schule
- Leibesübungen bald in allen Fächern?

STUTTGART. Bei einer Olympia-Bewerbung spielt auch der Schulsport mit. Das Kultusministerium hat eine Konzeption entwickelt, die bundesweit vorbildlich sein soll. Praktiker wenden aber ein, dass es für die Umsetzung oft an Hallen und Lehrern fehlt.

Im Zeichen von Olympia streicht das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport seine Zuständigkeit für den Sport besonders heraus. Sein neues Konzept für eine sport- und bewegungsfreundliche Schule soll Impulse für eine erfolgreiche Bewerbung liefern. Erklärtes Ziel von Ministerpräsident Erwin Teufel und Kultusministerin Annette Schavan (beide CDU) ist es, Kindern und Jugendlichen früh und umfassend den Sport nahe zu bringen und Talente intensiv zu fördern.

Da Kinder sich wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge immer weniger bewegen, geht es zunächst darum, die Schüler regelmäßig auf die Beine zu bringen. Immer mehr Kinder haben motorische Mängel. Die Bedeutung der Bewegung für das Lernen wird zunehmend höher bewertet, vor allem bei den Kleineren. Auch deshalb soll der Sport aus den Hallen und der Beschränkung auf stundenplanmäßige Leibesübungen befreit werden. Angestrebt wird tägliche Bewegung in allen Fächern. So soll der gesamte Unterricht in Schwung gebracht werden.

Lehrer aller Schularten können sich in einem Fortbildungsprogramm für die täglichen Leibesübungen fit machen. Gemeinsam mit den Sportbünden gibt es Spezialangebote für Lehrer, die nicht Sport studiert haben. Für Projekte gibt es Zuschüsse von der Stiftung Sport in der Schule. Die Stiftung wurde 1997 vom Land zusammen mit dem Sparkassen- und Giroverband, der AOK, der Handelskette Edeka und der Firma Kellogg gegründet. Die Stiftung fördert sportpädagogische Vorhaben außerhalb der Schule, vor allem ehrenamtliche Initiativen von Lehrern, Eltern und Schülern. Mit der Stiftung werde die Vorreiterrolle des Landes im Schulsport gestärkt, erklärt das Kultusministerium. Als zweites Standbein wurde vor zwei Jahren die Stiftung Olympia-Nachwuchs Baden-Württemberg gegründet. Sie unterstützt 60 junge Spitzensportler aus Baden-Württemberg bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Bei der Förderung des Schulsports setzt das Ministerium auch auf die Hilfestellung von Vereinen. Für die Zusammenarbeit der Klubs mit Schulen und Kindergärten stehen 1,4 Millionen Euro pro Jahr im Landeshaushalt.

Nicht nur Lehrer sollen im Training den Ton angeben. Knapp 7000 Schüler wurden bisher in 18 Sportarten zu Mentoren ausgebildet. Sie übernehmen Verantwortung bei der Mannschaftsbetreuung, in Arbeitsgemeinschaften und Projekten und gelten als Co-Trainer der Sportlehrer. Das Mentorenprogramm wendet sich an 13 bis 15 Jahre alte Hauptschüler. So genannte Tutoren spielen an den Partnerschulen der Olympia-Stützpunkte eine Rolle. Sie sollen helfen, dass die Spitzensportler durch versäumten Unterricht keine Defizite haben.

In der Schulsportoffensive wird angestrebt, dass an jeder Grund- und Hauptschule mindestens ein ausgebildeter Sportlehrer unterrichtet. Insgesamt gibt es nach Angaben des Kultusministeriums mehr als 18 650 Lehrer, die Sport unterrichten. Der Grundschule gilt dabei das besondere Augenmerk des Ministeriums. Im laufenden Schuljahr arbeiten bereits 475 Grundschulen an einem sport- und bewegungsorientierten Profil. Sie wollen mindestens 200 Minuten Sportunterricht pro Woche anbieten und machen ergänzende Bewegungsangebote. Das bedeutet täglich eine Stunde Sport oder Bewegung irgendeiner Art. Das Projekt wird durch das Institut für Sport der Universität Karlsruhe wissenschaftlich begleitet. Es soll in vier Jahren flächendeckend an allen Schulen des Landes verankert sein.

Allerdings stoßen die Konzepte der Landesregierung oft an der Infrastruktur an ihre Grenzen. Noch immer fielen viele Sportstunden aus, kritisiert Rainer Dahlem, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Für die meisten Klassenstufen an den weiterführenden Schulen sind drei Wochenstunden Sport vorgesehen. Dass diese tatsächlich stattfinden, sei eher die Ausnahme, bilanziert Heike Hauck, die Sportexpertin der GEW. Der Lehrerverband begrüßt zwar das Konzept der sport- und bewegungsfreundlichen Schule, wendet aber ein, dazu sei eine bessere Ausstattung notwendig. Zum Teil gebe es nicht genügend Sporthallen in den Gemeinden, zum Teil seien sie so weit entfernt gelegen, dass die Schüler länger mit Busfahren und Umziehen beschäftigt seien, als dass sie turnen könnten. Die GEW setzt sich auch für mehr ausgebildete Sportlehrer ein. Die größten Lücken tun sich in den Grundschulen und den beruflichen Schulen auf.

Die Sportbewegung im Land macht auch vor den Kindergärten nicht Halt. Vereinzelt gibt es bereits Betreuungsstätten mit Schwerpunkten in der Bewegungserziehung. Erzieherinnen können sich sportpädagogisch weiter- qualifizieren und zusätzlich eine Übungsleiterlizenz für das Eltern-Kind-Turnen oder das Vorschulturnen erwerben. Die Kindergärten hat das Ministerium in sein Schwerpunktprogramm für die nächsten fünf Jahre aufgenommen. Sie sollen langfristig mit den Grundschulen mit bewegungsfreundlichem Profil zusammenarbeiten. Angestrebt wird ein Gesamtkonzept, das die Bewegung der Kinder zwischen drei und zehn Jahren fördern soll. Dabei setzt das Land nicht mehr nur auf Reckturnen und Schwebebalken. Aus pädagogischen Gründen stehen im Schwerpunktprogramm für die nächsten fünf Jahre Trendsportarten wie Klettern und Inline-Skating ganz vorne auf dem Trainingsplan.


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