![]()
. ![]()
Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
Sportpädagogik-Online und Sportunterricht.de
.. Hier erscheinen - ständig aktualisierte - Meldungen rund um den Schulsport. Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben.
ARCHIV 2002
Westfälische Rundschau - Meinerzhagen 13.12. 2002
Schulsportdiskussion
Wichtigste Aufgabe für den Schulsport:
Er muss Spaß an Bewegung vermitteln"In Nordrhein-Westfalen gibt es tolle Programme, Lehrpläne und Konzepte für den Schulsport. Deshalb würde ich ihm eine gute Note geben." Werner Stürmann, Abteilungsleiter Sport aus dem Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport, rückte die Arbeit seines Ministeriums in helles Licht.
Allerdings räumte Stürmann, einer der engsten Mitarbeiter von Minister Michael Vesper, ein, dass nicht alles Gold sei, was glänze. "So wie der Schulsport in der Praxis läuft, kann ich kein sehr gut vertreten", sagte er bei der WR-Podiumsdiskussion am Mittwoch. In der allgemeinen Bewertung besitze der Schulsport leider keinen hohen Stellenwert. "Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik und die Naturwissenschaften laufen dem Schulsport den Rang ab." Das sei klar am Verhalten von Eltern und auch der Wirtschaft zu erkennen. Daran orientiere sich auch die Schule. "Wenn Unterricht ausfallen muss, ist meistens zuerst der Sport dran", klagte er.
Dabei müsse der Schulsport eigentlich mehr leisten, als nur bestimmte Fähigkeiten zu vermitteln", betonte Schulrat Dr. Werner Seegraef. "Er hat einen ganz klaren Erziehungsauftrag."
Dazu zählten alle Teilnehmer der Podiumsrunde vor allem eins: Schulsport soll Spaß und Lust an Bewegung vermitteln. Damit komme er dem Auftrag zur Gesundheitserziehung nach. Viel mehr könne er allerdings nicht leisten. Mängel im Bewegungsapparat von Kinder und Jugendlichen, der Trend zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder auch Übergewichtigkeit seien gesellschaftliche Probleme. Natürlich müsse die Schule darauf eingehen. Gefordert seien insbesondere aber auch die Eltern.
Kommentar:
Hausaufgaben des SchulsportTheorie 1, Praxis 3 und Stellenwert 5 - die Bemühungen um den Schulsport in Nordrhein-Westfalen sind zwar nicht versetzungsgefährdet, haben aber keinen Grund sich auszuruhen. Selbst die hochrangigen Vertreter aus Politik und Schulverwaltung räumten bei der WR-Podiumsdiskussion zum Theam Schulsport ein, dass es zwischen "Gesetzestext" und Wirklichkeit noch einige Differenzen gibt.
Stellenplan, Fortbildungen der Lehrkräfte und mangelnde Sportstätten sind auch weiterhin Hinderungsgrunde, die nur mit Eigenengament der Sportlehrer ausgeglichen werden können. Doch wie weit sind die Lehrer, denen im Volksmund-Image eine Menge Freizeit nachgesagt wird, noch belastbar. Von der Respektperson früherer Zeit scheint der Lehrer von heute ein ganzheitlicher Ausbilder des "Rohmaterials Schüler" geworden zu sein. "Pisa-Studie" oder Ereignisse wie in Erfurt haben zuletzt ohnehin die Diskussion um den Stand der Lehrkräfte ausgelöst.
Denn es bleibt die Frage, welche Rolle die Eltern bei der Entwicklung ihrer Kinder im schulischen Bereich übernehmen. Geben die Eltern ihre Kinder an der Schule mit der Meinung "macht mir einen perfekten Menschen aus ihn" ab oder bereiten sie gemeinsam mit den Kindern den Unterrichtsstoff im Leben nach - vor allem im Sport?
Enttäuschend, aber vielleicht auch bezeichnend, dass bei der WR-Podiumsdiskussion keine Eltern - wenn nicht gerade die Schul- oder Vereinsvertreter auch Eltern sind - zugegen waren, obwohl es eben um die Schüler und Schülerinnen geht, die nachweislich in der Masse erhebliche Defizite im Bereich der Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer aufweisen.
Können Schulen und Vereine alles auffangen?
Was würde eine dritte Sportstunde im Unterrichtsplan nützen, wenn nach 135 Minuten Schulsport pro Woche die Bewegung vor PC, Fernsehen oder Fastfood geparkt wird.
Ronald Pfaff
![]()
Thüringer Allgemeine 11.12.Schulsport:
Einmal kicken wie die großen BrasilianerDie Jungs und Mädchen der Grundschule Greußen waren mit Feuereifer bei der Sache. Es lag nicht nur an der Abwechslung im Sportunterricht. Sie hatten Spaß.
Margit Wedekind, für ein Jahr von Heldrungen in die Salamistadt abgeordnet, war beim Studium der TA auf einen Artikel zum "Futsal" gestoßen. Inzwischen hat die Fachberaterin für Sport an Grundschulen an einer Weiterbildung teilgenommen und gleich erkannt: "Das ist was für unsere Kinder!" Sie lud Dominik Tronnier vom "Sportpark Vogel" dazu ein, in Greußen eine Teststunde abzuhalten. Am Montag war es soweit. Mit dem beschriebenen Erfolg. Der Futsal-Instrukteur Tronnier und sein Verein "Doppelpass" scheinen auf gutem Weg, den Futsal in den Schulsport einzubauen. "Futsal", ein Fußball-Ableger auf Kleinfeld und mit kleinerem und weicherem, vor allem aber nicht gar so widerspenstig abspringenden Ball, biete sich für die Technik-Schulung im Kindesalter geradezu an, ist sich nicht nur Margit Wedekind sicher.
Wenn im Erwachsenen-Fußball hierzulande die im Vergleich zu den brasilianischen Ballzauberern geradezu dürftige technische Grundschule bedauert wird, liegt eine der Ursachen der Vorteile der Südamerikaner vielleicht gerade im Futsal begründet. Die Pele, Zico oder auch Ronaldo sind mit dem Futsal aufgewachsen, haben dabei ihre Fertigkeiten geschult und geschliffen. Denn Futsal ist keine Neuheit: Das von den spanischen Begriffen Futbol und Salon abgeleitete Spiel - also Fußball in der Halle - wurde in den 30-er Jahren in Uruguay erfunden und breitete sich auf die Nachbarländer aus. Inzwischen wird es - innerhalb der FIFA organisiert - in 90 Ländern und von über 25 Millionen Kickern gespielt. Dem relativ "weißen Fleck" Thüringen wollen u.a. die beiden Jenenser Ex-Profis Thomas Gerster und Thomas Vogel zu Leibe rücken.
Wichtige Lektion des Futsal ist auch die Absage an jede Art von Fouls oder körperbetontem Einsatz: Tacklings oder Grätschen? Fehlanzeige! Und jedes Foul wird konsequent bestraft. Ab dem fünften (und für jedes weitere) Mannschaftsfoul gibt es Strafstöße. Futsal ist also auch eine Lehrstunde in Fairness. Die Greußener Kinder hatten ihren Spaß - selbst in der engen Halle. Uwe Witters, Wedekinds Sportlehrerkollege, hakte nach: "Wir haben so viele sportbegeisterte Kinder, aber was für eine Turnhalle! Es regnet rein, das Parkett ist hinüber, die Fenster sind nur einfach verglast. Der einzige Vorteil ist, dass sie gleich neben der Schule ist." Der Zeitungsausschnitt mit der Ankündigung einer Zweifelderhalle für Greußen hängt seit Jahr und Tag im Sportlehrerzimmer . . .
![]()
5.12.Deister-Leine-Zeitung
Kampfsport soll Persönlichkeit von Hauptschülern stärken
Einen „Sportunterricht“ der besonderen Art erteilt seit einiger Zeit Olaf Zajonc aus Hannover in der Goetheschule. Der selbständige Sportlehrer und Selbstbehauptungstrainer will Hauptschülern bei der Entwicklung und Stärkung ihrer Persönlichkeit helfen.
Das Selbstbehauptungs- und Kommunikationstraining ist Teil eines Gesamtkonzeptes, dazu gehören weitere Bausteine wie die Hilfe, die von „Pro Beruf“-Mitarbeiterinnen – eine Aktion der Schule und des Sozialamtes Barsinghausen – angeboten werden. Ein anderer Baustein ist die Lernwerkstatt, in der den Hauptschülern handwerkliche Fähigkeiten vermittelt werden. Olaf Zajonc arbeitet viel für das Jugendamt Hannover, er ist auch als „Streetworker“ tätig. Der Sportlehrer hat mit der Schulleitung der Goetheschule einen Vertrag abgeschlossen. Das Training für die Hauptschüler ist auf acht Wochen angesetzt. 38 Schüler aus dem 7. und 8. Hauptschulklassen haben sich für die Teilnahme gemeldet. Drei Wochenstunden pro Klassenverband hat Zajonc eingeplant. Er unterrichtet traditionelle asiatische Kampfsportarten, die Schüler lernen bei ihm Respekt vor Menschen und Dingen. Das uralte Wertesystem des Kampfsportes – beispielsweise Kung Fu – verlangt den Schülerinnen und Schülern vor allem Respekt ab. „Sie erkennen schnell, wo sie stehen“, so Zajonc. Ziele der Ausbildung sind der Abbau von mangelndem Selbstbewusstsein und das Auseinandersetzen mit der eigenen Konfliktfähigkeit. Gemeinsam werden die Erfahrungen reflektiert.
![]()
5.12. 2002
Podiumsdiskussion
"Schulsport - nur Einmaleins oder ein Reifefach"Meinerzhagen. Zur Podiumsdiskussion mit dem Thema "Schulsport - nur Einmaleins oder ein Reifefach" lädt die Westfälische Rundschau am Mittwoch, 11. Dezember, um 19 Uhr ins Foyer der Stadthalle Meinerzhagen ein.
Für das Podium haben ihre Zusage gegeben: Sabine Braun (Siebenkampf-Weltmeisterin), Dagmar Freitag (MdB, sportpolitische Sprecherin
der SPD und DLV-Vize), Werner Stürmann (Abteilungsleiter Sport, NRW-Ministerium), Claus Umbach (Präsident des Deutschen
Sportlehrerverbandes), Schulrat Dr. Werner Seegraef und ein Sportmediziner des Sportkrankenhaus Lüdenscheid-Hellersen.Diese Podiumsdiskussion findet im Rahmen der WR-Aktion "Schulsport" in Meinerzhagen statt, in der rund 1000 Schüler aller Schulformen den "Münchner Fitnesstest" in Zusammenarbeit mit der AOK absolivert haben.
3.12. Darmstädter Echo
Turnen in der Grundschule
KREIS BERGSTRASSE. „Fische schwimmen, Vögel fliegen, Kinder turnen“ - dies ist das Motto der „Offensive Turnen in der Grundschule“ der Hessischen Turnjugend. Das Projekt, das in Kooperation mit dem Hessischen Turnverband, dem Hessischen Kultusministerium, den Staatlichen Schulämtern und dem Hessischen Landesinstitut für Pädagogik angeboten wird, richtet sich an Grundschullehrer, die Sportunterricht erteilen. Ihnen sollen die neuesten Trends vermittelt werden, und dies bedeutet: Entdeckendes Lernen, freies Üben, individuelle Erfolgserlebnisse.
Im Vordergrund steht die Schulung der im Grundschulalter besonders wichtigen koordinativen Fähigkeiten. Ihre Ausbildung stellt sowohl für die körperliche Entwicklung als auch für die geistige Beweglichkeit eine Voraussetzung dar. Turnen ist nicht nur als Mittel zur Haltungsförderung, sondern auch als Möglichkeit zur Stärkung sozialer Kompetenzen sowie zur Anregung von Fantasie und Kreativität zu verstehen. Die Umsetzung des Projekts erfolgt in zwei Schritten: Während des Schuljahres 2002/2003 besucht eine Referentin der Hessischen Turnjugend Grundschulen, um dort die Vielseitigkeit des Turnens zu demonstrieren. Im zweiten Schritt werden staatlich anerkannte Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Ab heute ist die Referentin Margit Hagen im Bereich des staatlichen Schulamtes für den Landkreis Bergstraße und den Odenwaldkreis unterwegs.
27.11. Schleswig-Holsteiner ZV
Täglich eine Stunde Schulsport -
Fockbeker Modellversuch bringt erste ErfolgeWenn die These von Ekkehard Wienholtz, dem Präsidenten des Landessportverbandes, stimmt, steht den Fockbeker Grundschülern eine glänzende Zukunft bevor: "Sport macht schlau", behauptet Wienholtz - und die ersten und zweiten Klassen sind die einzigen in Schleswig-Holstein, die in der Schule eine tägliche Sportstunde geboten bekommen.
"Damit haben wir ein Traumziel erreicht", freute sich Wienholtz. Dass der regelmäßige Sportunterricht bereits nach wenigen Wochen positive Ergebnisse zeigt, bestätigen sowohl Schulleiterin Erika Jackisch als auch Fachbereichsleiter Ulli Gunther: "Viele Kinder konnten weder einen Ball fangen noch rückwärts laufen. Inzwischen haben sie nicht nur Freude am Sport, es sind auch Erfolge sichtbar."
Ziel sind nicht Höchstleistungen, sondern eine umfassende Grundausbildung in allen Bereichen der Bewegungserziehung. Im Lehrplan sind für alle Schüler zwar wöchentlich drei Sportstunden vorgeschrieben, durch den Lehrermangel aber ist diese Vorgabe kaum einzuhalten - keine guten Voraussetzungen für eine Schülergeneration, die zu 50 Prozent unter Muskel- und Haltungsschäden und 20 Prozent unter Übergewicht leidet.
Das "Fockbeker Modell" der täglichen Sportstunde, eine Idee von Peter Lindstedt, dem Vorsitzenden des Kreissportverbandes, funktioniert nur durch das Engagement von Lehrern und Sponsoren - und mit einer ausreichend großen Sporthalle. In Fockbek werden jeweils zwei Klassen für die Sportstunde zusammengelegt und von einem Sportlehrer und einem Übungsleiter betreut.
Angenehmer Nebeneffekt - durch die Neuordnung wurden drei Sportlehrer-Stunden frei: Auch die anderen Klassen erhalten die vorgeschriebenen drei Sportstunden in der Woche. Die Betreuer, darunter Ruder-Weltmeisterin Janet Radünzel und Leichtathletik-Europameisterin Inge Dech, werden über Sponsoren bezahlt. Die Gemeinde Fockbek, die Schleswag, der Landessportverband und die Landschaft Hypothekenbank in Kiel tragen jeweils einen Teil zum 10 000-Euro-Budget des Projektes bei. Das Kieler Kultusministerium beteiligt sich nicht finanziell: "Ministerin Erdsieck-Rave hat ideelle Unterstützung zugesagt", erklärte Ekkehard Wienholtz.
Das Fockbeker Modell soll nach dem Willen von Lindstedt Schule machen: "Die Initiative und die Sponsorensuche muss von den einzelnen Schulen ausgehen. Dabei ist der Wille entscheidend, die jetzige Situation zu verbessern." Bei Interesse gibt der Landessportverband Hilfestellung bei der Organisation und vermittelt Einblicke in die Fockbeker Arbeit.
27.11.Schweriner Volkszeitung
Gefahrenquelle Schulsport: 15000 Unfälle landesweit
Schwerin Pro Schultag verletzen sich in Mecklenburg-Vorpommern 70 Kinder beim Schulsport. Um die Zahl der Unfälle zu reduzieren, sollen jetzt Fitness und Geschicklichkeit von Kindern besser gefördert werden. Außerdem ist das Jahr 2003 das "Jahr des Schulsports".
Nach Expertenmeinung sind Schüler häufig zu unbeweglich und dickDie Übung am Reck wurde einem neunjährigen Rostocker Schüler am 20. Februar dieses Jahres zum Verhängnis. Er stürzte auf den Boden und brach sich den linken Unterarm. Nach vier Tagen stationärem Aufenthalt dauerte die ambulante Behandlung bis Mai. "Insgesamt entstanden durch diesen einen Unfall Kosten von etwa 1300 Euro", erklärt Christian Feldmann, Leiter der Unfallkasse in Mecklenburg-Vorpommern.
Etwa 28000 Verletzungen im Unterricht, in der Pause oder auf dem Weg wurden der Unfallkasse in diesem Jahr bereits angezeigt. Etwa 15000 Schüler verletzten sich davon im Sportunterricht - auf die Schülerzahlen gerechnet deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Am unfallträchtigsten sind Ballspiele gefolgt von Geräteturnen und Leichtathletik. Zu den Unfallursachen zählen nach Ansicht von Christian Feldmann nicht nur Übergewicht und Haltungsschwächen bei einem wachsenden Anteil der Kinder. "Immer mehr Schüler haben auch Defizite im motorischen Bereich", meint der Leiter der Unfallkasse. Was auf mangelnde Bewegung in der Freizeit zurückgeführt wird. Sportliche Leistungsschwäche bescheinigte den Schülern des Landes auch die kürzlich in Güstrow vorgestellte größte deutsche Studie zum Fitness-Zustand von Kindern (wir berichteten).
Experten wie Rolf Karl, Schulsportberater im Landkreis Parchim, fordern seit längerem mehr und besseren Schulsport: "Für alle Schüler an allgemeinbildenden Schulen sind wöchendlich drei Stunden Sport zu gewährleisten." Außerdem sollten die außerschulischen Angebote verbessert werden. Feldmann plädiert weiter für mehr Bewegungsförderung im Vorschulbereich und fortlaufende Qualifizierung der Sportlehrer. Im Bildungsministerium sind im Rahmen des "Jahres des Schulsports 2003" zahlreiche Aktivitäten zur Ausdehnung sportlicher Angebote im Gespräch.
Alle diese Vorhaben stehen allerdings unter dem Finanzierungsvorbehalt der rot-roten Landesregierung.
![]()
Kölner Stadtanzeiger 26.11.
Schnupper-Skikurse im Sauerland für 3000 NRW-Schüler
Winterberg - Schulsport auf dem Skihang: für 3000 Schüler aus Nordrhein-Westfalen soll dies in diesem Winter im Sauerland Wirklichkeit werden. Zusammen mit dem Skigebiet "Postwiese" in Winterberg-Neuastenberg bietet die vom fünffachen Freestyle-Weltmeister Hermann Reitberger mit ins Leben gerufene Initiative "Easy skiing" ein Halbtages-Einsteiger-Trainig an. "Für acht Euro pro Schüler sind Skilehrer, Ausrüstung und Liftpass inclusive", sagte Reitberger am Montag bei der Vorstellung des Projektes in Winterberg.
Unterstützt wird "Easy skiing" auch vom NRW-Sportminister Michael Vesper (Grüne). Das "Inline-Skating im Schnee" passe zur Akzentuierung der so genannten "Gleichgewichtssportarten" in den Rahmenvorgaben für den NRW-Schulsport, so der Minister in einer Pressemitteilung. Der Sportdezernent der Arnsberger Bezirksregierung, Thomas Michel, sieht in dem Projekt "das erste finanzierbare Angebot für Skifahren im Schulsport". Früher sei die Klassenfahrt ins Skigebiet nur etwas für Kinder reicher Eltern gewesen.
Easy skiing stellt die Schüler auf so genannte Ski-Boards, die zwischen 90 und 120 Zentimeter lang sind. "Damit kann jeder nach zweieinhalb Stunden ein Fahr-Erlebnis haben", lobt Reitberger die Sportart. Für Michel ist besonders wichtig, dass die neue Schulsportart "auch dem leicht übergewichtigen Schüler ein Erfolgserlebnis verschafft. Der sagt nach dem Kurs: Ich kann Ski fahren."
Das Programm, bei dem an 30 Wochentagen jeweils zwei Kurse stattfinden sollen, wird nicht nur an der Postwiese bei Winterberg angeboten. Auch in Baden-Würtemberg, Bayern, Niedersachsen und Sachsen sollen jeweils 3000 Schüler mit "Easy skiing" auf die Bretter kommen. Anmelden können sich Lehrer, die nach Einschätzung von Michel aber selber bereits Skifahren können sollten, einfach übers Internet.
Gießener Anzeiger 21.11.
SPD: Dritte Sportstunde muss endlich kommen
Arbeitskreis Sport tagte – Drolsbach zu Gespräch eingeladen
– 10,8 Prozent der Schulanfänger übergewichtigGIESSEN Der Stadtverband Gießen der SPD fordert: „Die dritte Sportstunde muss endlich kommen“. Das ist das Ergebnis der Sitzung des Arbeitskreises Sport der SPD, der sich mit dem Thema Schulsport beschäftigte. Eingeladen worden war Kurt Drolsbach vom „Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport“.
Am „beeindruckendsten“ war der Bericht zu den Einschulungsuntersuchungen, die die Gesundheitsämter in Hessen zum Schuleintritt durchführen. Das erklärten die Sozialdemokraten in einer Pressemitteilung. „Im landesweiten Vergleich hat Gießen auffällig schlechte Ergebnisse erzielt.“
Seien 2001 hessenweit 5,2 Prozent der Kinder übergewichtig gewesen, so „sind es in Gießen über doppelt so viele Schulanfänger (10,8 Prozent)“. Auch beim Thema Motorik sehe es nicht besser aus. „Von 2447 Erstklässler wurden 511 für eine Motorikförderung vorgeschlagen“.
Bestätigt fühlen sich die Gießener Sozialdemokraten durch eine vor kurzem stattgefundene Tagung von Kinder- und Jugendärzten zum Thema „Gesundheitliche Folgen von Bewegungsmangel“. Die Tagungsteilnehmer hätten eine „größere Gewichtung des Schulsportes“ gefordert. Auch die SPD fordert die Einhaltung der drei Schulsportstunden nach dem hessischen Schulgesetz.In einem Berichtsantrag der Stadtverordneten Beate Karl fordert die SPD-Fraktion im Gießener Stadtparlament den Magistrat auf, über das Staatliche Schulamt die Anzahl der tatsächlich erteilten Sportstunden in den Jahrgangsstufen 1 bis 13 im Schuljahr 2001/2002 darzustellen.
„Kinder lernen durch Sport soziales Verhalten, den Umgang mit Aggressionen und Gewalt, und sie lernen, dass beständiges Üben und Arbeiten an sich selbst Fortschritte und Erfolge bringen kann. Nicht zu vergessen sind die positiven Aspekte bezüglich Gesundheit, Selbstbewusstsein, Intelligenz und allgemeiner körperlicher Entwicklung“, so Beate Karl.Die SPD stellt sich die Frage, ob nicht das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler bei der Pisa-Studie auch auf ein unzureichendes Schulsportangebot zurückzuführen ist. Der Arbeitskreis Sport sieht eine enge Verknüpfung zwischen Schul- und Vereinssport. „Talentierte Schüler können im Schulsport gesichtet, gefördert und für den Vereinssport interessiert werden.“ Um die Fragen, die angesichts dieser erschreckenden Ergebnisse im Raum stehen, mit den Sportvereinen zu besprechen, lädt der Arbeitskreis Sport der SPD am 23. Januar alle Gießener Sportvereine zu einem Treffen ein.
„Da zu einer vernünftigen Verbindung zwischen Schule und Sportvereinen auch ein gut organisierter Sportstättenbau gehört, wird auch dies ein Thema der Veranstaltung sein“, so die SPD.
![]()
Schweriner Volkszeitung 16.11.Unsere Kinder sind keine Sportskanonen
In der Fitness zeigen Mecklenburg-Vorpommerns Schüler akute Leistungsschwächen. Die bisher größte deutsche Bewegungsstudie bescheinigt den Kindern trotz eines hohen Sportpensums Leistungen unter dem Bundesdurchschnitt.
Land liegt in größter deutscher Studie unter BundesschnittDie Tendenz fällt auch bundesweit ernüchternd aus. Das ohnehin dürftige Fitnessniveau der deutschen Schüler rutschte seit 1995 nach der brandneuen Studie mit insgesamt 19 000 Teilnehmern bei den Mädchen um weitere elf und bei den Jungen um zwölf Prozent ab. "Die sportmotorische Leistungsfähigkeit sinkt seit Jahren kontinuierlich", sagte Dr. Lothar Klaes, Chef des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) bei der bundesweit ersten Präsentation von Länderresultaten in Güstrow.
Die Auswertung der Testdaten von 19 Schulen mit 1719 Kindern und Jugendlichen der Klassen 5 bis 9 attestiert dem Land nur unteres Mittelmaß. Fünf der sechs Übungen absolvierten die Teilnehmer in MV mit schlechteren Leistungen als der Durchschnitt der Gleichaltrigen bundesweit. Lediglich im Ballprellen, brachten die Leistungen der Jungen den Landeswert über den Bundesschnitt.
Andererseits registrierten die WIAD-Experten in MV einen erheblich über dem Bundesniveau liegendem Wunsch nach mehr Schulsport sowie ein insgesamt höheres Sportpensum in der Summe der Aktivitäten in Schule, Freizeit und Vereinen.
Absoluter Schwachpunkt im Land, aber auch im Bund, war die Ausdauerübung Stufensteigen. Außerdem zeigt die Studie eine gravierende Selbstüberschätzung der Schüler. Selbst "nicht befriedigende" Testteilnehmer bewerteten ihre Fitness mit Note 1 oder 2.
Die Analyse erarbeitete WIAD zusammen mit dem Deutschen Sportbund und der AOK sowie der Unfallkasse MV, Landessportbund und Bildungsministerium.
Der Bewegungs-Check
Im "Münchener Fitnesstest" werden sechs einfache Übungen zum Test der Kraft-, Ausdauer- und Koordinationsfähigkeiten absolviert und bewertet: Ballprellen, Zielwerfen, Rumpfbeugen/ Hüftbeugen, Standhochsprung, Halten im Hang, Stufensteigen.
![]()
Schweriner Volkszeitung 16.11.Das Trugbild - viel Aktivität, wenig Leistung
Fitness-Studie belegt starke Selbstüberschätzung / Wunsch nach mehr Schulsport / Vorbildrolle der Eltern
"Eltern joggen, Kinder hocken" - zumindest diesen Spruch widerlegt die größte deutsche Fitness-Studie. Die Probleme in MV sind diffiziler: Schwache Sportleistungen trotz vergleichsweise hoher Aktivitäten, zu wenig Angebote in den Schulen - und eine grandiose Selbstüberschätzung der Schüler."Trugbild oder Realitätssinn" überschrieb Dr. Lothar Klaes in Güstrow die Gegenüberstellung der Testergebnisse und der per Fragebogen von den Schülern erhobenen Selbsteinschätzung in punkto Fitness. Die Anwort fiel nicht nur dem Geschäftsführer des projektführenden Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) leicht.Testnote "sehr gut oder gut" gaben sich in grenzenlosem Optimismus 56 Prozent der Mädchen und 66 Prozent der Jungen. Die Realität holte die Allermeisten unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück. Ganze sechs Prozent der Mädchen und elf der Jungen packten tatsächlich eine 1 oder 2. Dabei hatten sogar mehr als 40 Prozent der mit "nicht befriedigend" glatt durch den Test gerauschten Schüler auf sehr gut oder gut getippt.
"Die laufen hier, und Berlin schafft das im Sitzen."
"Ein erhebliches Maß an Selbstüberschätzung", konstatierte denn auch der WIAD-Chef und tippte auf zu lasch vergebene Sportzensuren als eine Ursache. Allerdings lag der Durchschnitt der deutschen Schüler in diesem Punkt kaum niedriger.Kopfzerbrechen bereitete den Wissenschaftlern die erstaunlich hohe Differenz von Aufwand und Nutzen. Einerseits treiben knapp 40 Prozent der Schüler zwischen Elbe und Oderhaff nach eigenen Angaben fast täglich Sport und weitere 48 Prozent zwei bis drei Mal die Woche. Trotz dieses bundesweiten Spitzenwertes landen die Nordost-Kinder in der Test-Realität jedoch weitestgehend Ergebnisse, die noch unter dem Bundes-Mittelmaß liegen. Die Berliner als Schlusslicht in punkto Sportpensum glänzen dagegen mit überdurchschnittlich guten Testwerten.
"Das war für uns das Überraschendste ", sagte Klaes etwas ratlos. "Überspitzt gesagt, laufen die Kinder hier um die Wette und die Berliner schaffen das im Sitzen."
Am Willen kann es kaum liegen. Denn 51 Prozent der Schülerinnen und 70 der Schüler in MV -auch die weniger guten- wünschen sich laut Studie mehr Sportunterricht in der Schule.
Zu Recht, urteilte der Wissenschaftler, denn im Gegensatz zu den durchgängig drei Sportstunden pro Woche in fast allen anderen Ländern gebe es in MV die drei Stunden nur in den Klassen 2 bis 6. Ansonsten müssten sich die Schüler mit zwei Wochenstunden in ihrem ausgewiesenen Lieblingsfach begnügen.
Druck durch Übergewicht und Haltungsschäden
Dabei belegt einerseits die Studie den besonders hohen Einfluss des Schulsports auf die körperliche Fitness der Kinder. "Andererseits entstehe gerade aus der schwachen Leistungsfähigkeit der Kinder und der wachsenden körperlichen Probleme Handlungsdruck", fand Projektbetreuer Peter Wöstenberg von der AOK MV. "Zehn Prozent unserer Kinder sind übergewichtig und 50 bis 60 Prozent haben Bewegungs- oder Haltungsschäden", mahnte Wöstenberg und appellierte an die Vorbild-rolle der Eltern.Die spielt trotz des griffigen Slogans "Eltern joggen, Kinder hocken" eine immense Rolle. Sprößlinge sportlicher Eltern sitzen weit weniger zu Hause und trieben viel öfter Sport als Kinder aus bewegungsarmen Familien.
Lutz Gau aus dem Bildungsministerium sah neue "Chancen für den Schulsport" im Ausbau von Ganztagschulen und dem im SPD/PDS-Koalitionsvertrag fixierten Ziel "durchgängig drei Sportstunden in der Woche" - vorausgesetzt das Geld reicht.
"Die dritte Sportstunde wäre absolut das Richtige", lobte Regionalschulleiter Ernst Benker aus Jördensdorf bei Güstrow. Er nahm jedoch auch seine Kollegen in die Pflicht: "Wir müssen an den Schulen ein Klima für den Sport schaffen, wir müssen die anderen Fachlehrer mitziehen ", forderte er. "Und wer hindert uns denn, etwas ähnliches wie die Spartakiaden zu DDR-Zeiten auf die Beine zu stellen?"
Stuttgarter Nachrichten 14.11.
Schulsport Beine machen
Schulamt Nürtingen setzt Offensive des Landes um
Die Schulsportoffensive des Landes fällt im Bereich des Staatlichen Schulamts Nürtingen auf fruchtbaren Boden. Und das nicht nur wegen der größten Schulsportveranstaltung: dem olympischen Zehnkampf.
Schneller, höher, weiter - diese olympische Maxime zählte am Mittwoch in der Gemeindehalle Frickenhausen wenig, als sich dort rund 800 Schüler aus 80 Schulen des Kreises Esslingen zur größten Schulsportveranstaltung in der Region Stuttgart trafen. Den Namen olympischer Zehnkampf erhielt der Wettbewerb allerdings nicht wegen der Disziplinen, sondern wegen der Idee, die seit 1991 dahinter steckt. Weil sich die gemischten Mannschaften aus verschiedenen alten Schülern zusammensetzen, sei der Wettkampf auch ein Beitrag zur Werte- und Fairnesserziehung.
Diese frühen Bemühungen des Staatlichen Schulamts, dem Schulsport zu mehr Gewicht zu verhelfen, bündelte das Kultusministerium des Landes zu einer "Offensive im Schulsport". Nach einer Testphase beteiligen sich mittlerweile 272 Grundschulen an diesem Programm.
Dabei verpflichten sich die Schulen nicht nur dazu, ihren Kindern 200 Minuten Sport in der Woche zu geben, sondern Bewegung, Sport und Spiel in den allgemeinen Unterricht einfließen zu lassen. Schulen im Kreis Esslingen, die an diesem Ziel Interesse anmelden, steht das "Mobile Einsatzteam Bewegte Schule" des Nürtinger Schulamts zur Verfügung. Wer alle Kriterien der "bewegten Schule" erfüllt, erhält vom Kultusministerium ein Gütesiegel. Im Schulamtsbezirk Nürtingen haben sich bereits zehn Schulen dieses sportliche Profil gegeben.
In Frickenhausen, beim olympischen Zehnkampf, machten die Mitarbeiter des Staatlichen Schulamts allerdings auch die Grenzen der Offensive deutlich. Insbesondere kritisierten die Pädagogen, dass das Ministerium die Fortbildungsmöglichkeiten für fachfremde Lehrer gekürzt habe.
Ostthüringer Zeitung 12.11.
Schüler sollen den Weg zum Sport finden
Der Sportunterricht in den Schulen findet in der heutigen Zeit meist in der Sporthalle oder auf den Sportplätzen statt. Sport ist allerdings mehr, denn Spiel und Bewegung kann auch im Freien, im Wald, im Wasser, im Schnee oder auf dem Eis stattfinden. Dabei können die Schülerinnen und Schüler die Natur als Bewegungsraum erleben und lernen, sich gegenüber der Umwelt verantwortungsbewusst zu verhalten.
Der Sportunterricht soll Freude bereiten und zugleich ein Ausgleich zum normalen schulischen und außerschulischen Leben sein. Wie Sportlehrer Uwe Fritzsche von der Rötlein-Regelschule betonte, soll damit auch gleichzeitig ein Grundstein für die aktive Freizeitgestaltung außerhalb des Unterrichtes gelegt werden.
Die Schülerinnen und Schüler sollen ermuntert werden, auch nach ihrer Schulzeit Sport zu treiben. Daran setzt auch ein Sportprojekt an, das in der Schule auf reges Interesse stößt und das in diesem Schuljahr an der Rötlein-Regelschule seine Premiere erlebt.
Die Mädchen und Jungen erhalten die Möglichkeit, dabei die Sportarten kennenzulernen, die sonst im Schulsport-Unterricht nicht betrieben werden können. So gibt es ein Kanu-ABC, Klettern, Inline-Skaten, Wasserwandern, Mountainbiking auf der einen Seite und auf der anderen Kurse im Tennis, Beachvolleyball, Basket- oder Streetball, Fußball, Handball, Badminton und Fitness. Damit können die Schüler Bekanntschaft mit ganz neuen Bewegungserfahrungen machen und sich in der Geschicklichkeit und in der Leistungsfähigkeit testen.
Das Sportprojekt in der Rötleinschule wird in diesem Schuljahr mit 20 bis 30 Schülern der 8. und 9. Klasse gestartet. Dazu findet dann im Juli 2003 eine Projektwoche statt. In einem Wochenkurs wird die große Bandbreite der Möglichkeiten angeboten. Dies soll dann jeweils im jährlichen Wechsel stattfinden, so dass beide angebotenen Projektpakete von den interessierten Schülern genutzt werden können.
Beim Auftaktkurs gibt es in diesem Schuljahr nun die Möglichkeit, sich intensiv mit den Sportarten Tennis, Badminton, Fußball, Beachvolleyball, Hockey, Faustball, Judo und Streetball vertraut zu machen.
Wie Sportlehrer Fritzsche einschätzte, sind dies vor allen Dingen Sportarten, für die im Raum Zeulenroda bereits eine Vereinsstruktur besteht. Hier gibt es im Kreissportbund Greiz Vereine, die im Spiel- und Wettkampfbetrieb stehen und die sich natürlich über den Nachwuchs freuen würden. Die Teilnehmer sollen Interesse am Sport finden und vielleicht auch den Weg für weitere sportliche Aktivitäten im Verein einschlagen. Reges Interesse der Kinder und Jugendlichen zur Teilnahme am Projekten ist vorhanden, über den Erfolg wird man dann nach den ersten Kursen berichten können. Ein Dankeschön gilt allen Sponsoren, die das Projekt unterstützen.
Schulsport: Null Bock auf Bockspringen
Unsere Schulkinder, eine Generation von unsportlichen Stubenhockern? Fachleute schlagen Alarm: Die Bewegungsunlust nimmt zu. Für den Schulsport eine Herausforderung.Die Fitnesswelle rollt, anscheinend aber an den meisten schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen vorbei. Einer, der es wissen muss, fällt ein niederschmetterndes Urteil: "Die motorischen Fähigkeiten deutscher Kinder haben sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert", erklärt Dr. Peter Sand, Leitender Arzt in der Abteilung Orthopädische Rehabilitation im Klinikum Neustadt. Das Fach "Sport" in der Schule bezeichnet Sand als wichtigen Grundstock für das spätere Leben.
Mit einem Kolloquium leistete das Klinikum jetzt einen Beitrag zum "Jahr des Schulsports", das vom Land Schleswig-Holstein für 2002 ausgerufen wurde. Rund 100 Sportmediziner und Sportlehrer aus dem ganzen Land versammelten sich einen Tag lang im Klinikum, um Vorträge zu hören, zu diskutieren und im praktischen Teil trendige Sportarten wie Hip Hop, Floorball oder Mini-Trampolin auszuprobieren. "Die Schule muss mit der Zeit gehen, die Lehrer müssen sich fortbilden", war eine der Hauptforderungen der Teilnehmer. Kritikpunkt von Professor Dr. Jörg Bielefeld (siehe unten): "Bei Streichungen von Stunden wird mit Vorliebe das Fach Sport genommen."
Mit drei im Lehrplan vorgeschriebenen Wochenstunden kommt der Sportunterricht nach Meinung Dr. Bielefelds ohnehin schon zu kurz. Aus räumlichen und personellen Engpässen seien es vielerorts sogar nur eine oder zwei Stunden, klagt Dagmar Aissen aus Pansdorf. Sie ist Sportlehrerin und Obfrau für den Schulsport in Ostholstein. Ansonsten jedoch sieht die Pädagogin schon einen Wandel zum Positiven im Schulsport im Vergleich zu früher. Turnen, Leichtathletik und Spiele seien nach wie vor Grundpfeiler des Sportunterrichts, wobei der Schwerpunkt in letzter Zeit weniger auf Leistung sondern Richtung Bewegung und Sozialverhalten fördernde Gruppenspiele verschoben worden sei. Sportlehrer Hinrich Köhlbrandt von der Burger Realschule findet daneben das Vermitteln von Grundfertigkeiten wie Laufen, Springen, Werfen und Fangen unerlässlich. Bei den Schülern ist der Wunsch nach modernen Fitnessmethoden und Trendsportarten groß, wie Sven Christensen (13) aus Burg erklärte.
Indoor-Klettern sogar im Sportunterricht
Bad Berleburg. Eine neue, sinnvolle Pausengestaltung wurde in der Pausenhalle des Johannes-Althusius-Gymnasiums von den Schülern und Schülerinnen der Klasse 6 a eingeweiht. Jetzt gibt es als neueste Attraktion eine Indoor-Kletterwand, an der sie in der Pause Spaß haben können.
Als der Referendar Rainer Muhs vor ungefähr einem Jahr den Vorschlag zu dieser Wand machte, empfand Schulleiter Uwe Fischer dies noch als zu gefährlich. Doch nach einigen Erkundigungen der Fachschaft Sport wurde bekannt, dass bereits viele Schulen im Altkreis diese Attraktion schon für ihre Schüler bereit gestellt haben. "Außerdem ist es beruhigend, dass bei uns nur horizontal geklettert wird, so dass keine Gefahr beim Herunterfallen besteht", bestätigt Schulleiter Uwe Fischer. Mit Hilfe zweier Sponsoren, der Sparkasse Wittgenstein und des Vereins der Freunde und Förderer, wurde der Vorschlag dieses Jahr in die Tat umgesetzt. "Die Schüler und Schülerinnen haben diese Wand schon vor der offiziellen Einweihung mit Begeisterung genutzt", so Sportlehrer Wolfgang Lückert. Außerdem überraschte es ihn, dass an der Wand eher Mädchen als Jungen klettern würden. Da diese Sportart auch gut im Winter durchführbar ist, wurden sogar die Richtlinien für das Fach Sport geändert und das Indoor-Klettern in das Programm mit aufgenommen. " Dieser Unterricht wird dann aber in der schon seit Jahren angebrachten Kletterwand in der Stöppelhalle ausgeführt werden, da unsere Wand dafür leider zu klein ist", erklärt Wolfgang Lückert dieses Vorhaben.
Neben dieser neuen Errungenschaft, präsentierten Schulleiter Uwe Fischer und Sportlehrer Wolfgang Lückert, den Sponsoren noch den neuangelegten Fitnessraum, der mit Geräten aus dem Fitnessstudio in Raumland ausgestattet wurde. "Die Geräte sind zwar nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber erfüllen immer noch ihren Zweck" erklärt Sportlehrer Wolfgang Lückert. "Die Geräte sollen aber nicht nur von Schülern genutzt werden, sondern auch der ein oder andere Lehrer soll sich an ihnen versuchen."
Sogar der Gedanke einer Fitness-AG schwebt den Sportlehrern vor, denn in der Schule tauchen bei Schülern und Lehrern immer mehr Haltungsschäden auf, die durch gezieltes Training an den Geräten behoben werden können.
![]()
Thüringische Landeszeitung 30.10.
Täglich Sport und fit für die Schule
Gotha. (tlz) Eine Sportstunde täglich - dann fällt Lernenden der "Satz des Pythagoras" nur noch halb so schwer. Das will das Gymnasium Ernestinum in Zusammenarbeit mit Gothaer Sportvereinen beweisen, indem es ab dem Schuljahr 2003/2004 das Projekt "Bewegung - Schlüssel zum Lernen" umzusetzen beginnt.
"Statt zu Hause andauernd vor dem Computer zu sitzen, sollten sich Kinder viel mehr bewegen", fordert Yvonne Schäfer, die das Konzept erarbeitet, dafür Mitstreiter gesucht und jetzt offenbar gefunden hat. Als hauptberufliche Basketballtrainerin versucht sie seit Jahren, dem Bewegungsmangel junger Leute entgegenzuwirken.
Die Pisa-Studie und das Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium seien ihrer Meinung nach Zeichen der Zeit, "gegen die man etwas tun kann." Nämlich Sport treiben, "und das zusätzlich zum Unterricht". Ideal wäre eine Stunde täglich, manchmal mit Lehrern, manchmal mit Trainern. Übrigens: Die Projektstunden werden freiwillig sein und am Nachmittag stattfinden, sagt Schulleiter Lutz Wagner, aber Stundenplan und Hallenbelegung würden nach ihnen ausgerichtet. "Wenn die sechste Stunde vorbei ist, geht es los."
Drei Sportvereine als Kooperationspartner
Darin sieht Stephan Schreyer vom Leichtathletikverein Gothaer Land (LG Ohra-Hörsel) den Schlüssel zum Erfolg. Er ist einer der Kooperationspartner auf Seiten der Vereine. Neben BiG Gotha und den Leichtathleten wollen sich auch die Ernestiner-Handballer beteiligen. Hauptsächlich durch diese drei Vereine sollen die Trainer zur Verfügung gestellt werden, die den zusätzlichen Sportunterricht absichern müssen. Das Ernestinum allein könne das nicht leisten, gesteht Schulleiter Wagner ein. "Dazu fehlt uns das Personal."
Was nicht fehlt, sind gute Trainingsbedingungen. Und ein Konzept als Basis. Demnach sollen die Kinder in der 5. und 6. Klasse "sportlich breit ausgebildet werden", viel Ball spielen und sich frühestens im siebten Schuljahr für eine Sportart entscheiden. Schäfer, die geistige Mutter des Projektes, sagt: "Wir arbeiten an der Persönlichkeitsstruktur, nicht am Olympiasieger." Schön für die Schüler: Sie sollen den Spaß an der Bewegung erlernen und werden fit für den Unterricht.
Wer mehr wissen will: Am Dienstag, 12. November, um 19 Uhr findet im Hörsaal des Ernestinums ein Info-Abend zum Thema statt.
![]()
Trierischer Volksfreund 29.10.Mit Sport gegen Schulfrust
Hauptschule St. Maximin bietet erstmals sportbezogene Klasse an
TRIER-NORD. Mehr Schulsport zur Steigerung der Sozialen Kompetenz in einem Feldversuch erprobt die Private Hauptschule St. Maximin, ob sich doppelt so viel Sportunterricht wie üblich positiv auf die Atmosphäre in der Klasse auswirkt.
"Hängen die Körbe höher als letztes Mal, oder warum trefft ihr nicht?" Rainer Loch, Diplom-Sportlehrer und ehemaliger TVG-Basketballspieler und -Trainer, ist in seinem Element. Seit dem Beginn des Schuljahrs unterrichtet er die neue "Sportbezogene Klasse" der St. Maximin-Schule. "Durch den Sport wollen wir positiv auf die Kinder einwirken", erklärt Loch. Ziel sei es nicht, Nachwuchssportler heranzuziehen. "Wir wollen keine bestimmte Sportart verstärken. Sport ist für uns ein pädagogisches Mittel, möglichst gute Lernvoraussetzungen in allen Bereichen zu schaffen." Der verstärkte Sportunterricht steht damit in einer Reihe von Maßnahmen, um das Schulumfeld schülerfreundlicher zu gestalten.So achtet die Schule auch auf ein freundliches Erscheinungsbild der Klassenräume. "Wenn sich die Kinder wohl fühlen, erledigen sich viele Probleme wie Gewalt oder schlechter Umgang mit dem Schuleigentum von selbst", meint Loch.
Wesentliche Veränderungen dürften sich eher langfristig zeigen. Trotzdem hat der Lehrer schon erste Verbesserungen in der Klasse bemerkt: "An den Tagen, an denen die Kinder Sport haben, sind sie ausgeglichener, haben mehr Spaß am lernen." Als Privatschule, an der die Eltern ihre Kinder anmelden müssen, ist St. Maximin die Unterstützung der Eltern gewiss. "Sie müssen sich bewusst dafür entscheiden, dass ihr Kind an dem Projekt teilnimmt", erläutert Loch. Neben Sport unterrichtet er in der Klasse Englisch und Biologie. Geplant ist, die Fächer auch untereinander zu verbinden. "Biologie und Sport passen sehr gut zusammen", meint der Lehrer. Denkbar sei etwa, sich in Biologie mit Muskelphysiologie zu beschäftigen. Auch Englisch sollen die Kinder spielerisch lernen. "Wenn das Vokabular da ist, werde ich eine Stunde Sport auf Englisch halten", kündigt Loch an.
Bei den Kindern kommt der zusätzliche Sportunterricht gut an. "Toll, in meiner alten Schule hatten wir nur zwei Stunden Sport die Woche", sagt die elfjährige Sarah. "Nach dem Sport fühle ich mich manchmal besser, manchmal aber auch erschöpft." Sportbegeistert ist auch der zehnjährige Simon aus Heiligkreuz. "Ich hätte am liebsten den ganzen Tag Sport", meint er. Auch privat ist er aktiv, spielt Fußball in der D-Jugend.
Auf die Sportstunde in Englisch freut sich die zehnjährige Jennifer aus Heiligkreuz. "Die Idee find ich gut, ich bin Kanadierin, rede manchmal mit meiner Mama englisch."
Eine Gefahr für Projekte wie die sportbezogene Klasse sieht Loch im derzeitigen Lehrermangel. "Erst wird Sportunterricht gestrichen, und dann beklagt man sich, dass die Kinder ungesund leben." Dabei sei das Ziel des Sportunterrichts, zu lebenslangem Sporttreiben zu erziehen, von fundamentaler gesellschaftlicher Bedeutung
Hersbrucker Zeitung 26.10.
Sport-Elternabend
Barren und Reck sind längst passéWas haben Luftballons, Seidentücher, Pulsmessungen, Trampolins und Wippen mit dem Schulsport zu tun? ,Das Fach ist nicht mehr reduziert auf Barren und Reck oder hintereinander herlaufen", sagte Lehrer Thomas Krapf vom Hersbrucker Paul-Pfinzing-Gymnasium bei einem Elternabend. Hautnah durften die Mütter und Väter von Fünftklässlern den ,Unterricht heute" miterleben - indem sie wieder einmal eine Sportstunde ,über sich ergehen ließen".
Grund für die Veränderung im Lehrplan sind Bewegungsarmut mit gesundheitlichen Schäden und auch zunehmende Gewaltbereitschaft bei Kindern. Die Zielvorgaben der modernen Methodik umfassen daher weniger den Leistungsgedanken, sondern die Gebiete Gesundheit, Fairness und Kooperation, Gestalten und Spielen, aber auch Umwelt. Wie diese Schlagworte in die Praxis umgesetzt werden können, zeigten die Organisatoren Markus Näser und Christof Bock, unterstützt von Mitschülern und Lehrern in den Turnhallen. (Die beiden Kollegiaten schreiben über den Sport-Elternabend ihre Facharbeit.)Für das Aufwärmen mussten sich ihre etwa 40 Schützlinge auf Langbänke stellen und sich dann nach den Geburtsmonaten von Januar am einen Ende bis zu Dezember am anderen aufreihen. ,Wie Sie das machen ist egal - einzige Bedingung ist, dass Sie nicht von den Bänken steigen", erklärte Näser die Übung für Gleichgewichtsgefühl, Gewandtheit und Kommunikation. Gelächter gab es bei der ersten ,Abfrage", als der Viertvorderste mit ,November" antwortete. Die nächste Aufgabe hieß, Luftballons mit verschiedenen Körperteilen zu spielen und durch die Halle zu laufen.
Für das eigentliche Training wurden Gruppen für vier Stationen gebildet. Der wohl exotischste Bereich war das Jonglieren (,Bewegungskunst") im Musiksaal. Die Endform führte Gymnasiast Christopher mit drei Bällen, drei Reifen und drei Keulen gekonnt vor. Zu sanfter musikalischer Umrahmung durften die Eltern dann ihre ersten Erfahrungen mit zwei Seidentüchern machen. ,Die sind nicht so schnell", erläuterte Manuel Steinbauer und mahnte angesichts der angespannten Gesichter seiner Schüler: ,Das Lachen nicht vergessen!"
,Ausdauer hat viel mit Puls zu tun", sagten die Leiterinnen der Station ,Laufen". Mit verschiedenen Vorgaben, etwa einer Frequenz von 135 Herzschlägen pro Minute, schickten sie die Sportler auf einen achterförmigen Kurs. Nach 120 Sekunden erfolgten die Messungen. Eine auf einen Kasten gestellte umgedrehte Langbank diente als Wippe zur Verbesserung der ,Koordination". Ähnliche Effekte sollten Rollenschaukel und Pedalos erzielen.
Bei der ,Körperwahrnehmung" waren Reaktion und Teamwork gefragt. Zum Beispiel wurden vier Trampolins aneinander gestellt. An den Händen gefasst mussten dann vier Teilnehmer im Kreis gleichzeitig von einem dieser Turngeräte zum nächsten springen. Solche Übungen schulen das Lage- und Bewegungsempfinden, das nicht durch das Sehen vermittelt wird. Den Abschluss der Sportstunde bildete ein ,Cool-down" mit Tennisball-Massage.
Informationen zum Thema Ernährung rundeten den Abend ab. Anschaulich erklärten die Organisatoren Bock und Näser typische ,Dickmacher-Fallen"; so standen neben der Flasche Tomatenketchup die darin enthaltenen 40 Stück Würfelzucker. ,Ich freue mich ganz besonders, dass gerade die Eltern der Fünftklässler so viel Engagement zeigen", dankte Direktor Georg Fleischer den fleißigen Müttern und Vätern. Schließlich soll die Schule kein Ort sein, an dem man die Kinder bei Schulbeginn abgebe und am Ende wieder hole.
![]()
Frankfurter Rundschau 24.10.
Die Faszination der Schwerelosigkeit unter Wasser ist auch im Schulunterricht erlebbar
Hessischer Fachverband verleiht kostenlos Schnorchelausrüstungen an Lehranstalten / Kooperationsmodelle mit Vereinen bieten Kindern ab zwölf Jahren Einführung ins Gerätetauchen
Von Margit Rehn
FRANKFURT A. M. Der Schulsport - nicht selten ja zum Gähnen langweilig, bieder und im Fächerkanon stiefmütterlich abgetan, hat auch seine Höhepunkte. Dazu gehört Tauchen. Der sinneserweiternde Wassersport erlebt im Rhein-Main-Gebiet in jüngster Zeit einen Boom. Denn im Zuge der vom Landessportbund Hessen (lsb h) initiierten Aktion "Jahr des Schulsports 2000 / 2001" hat sich der hiesige Tauchsportverband 100 Schnorchelausrüstungen zugelegt, die in Kelsterbach lagern und von Schulen kostenlos ausgeliehen werden können. Ein Angebot, das neuerdings reißenden Absatz findet.
Lief der Verleih laut Doris Brelowski, der Vizepräsidentin des Hessischen Tauchsport-Verbandes (HTSV), im vergangenen Jahr "noch ziemlich zäh an", ist der Gerätepool inzwischen monatelang ausgebucht. Der Run auf Schnorchel, Masken und Flossen sei der funktionierenden Mundpropaganda unter innovativ denkenden Sportlehrern zu verdanken.
Ein Ding mit Wechselwirkung. Denn Tauch- und Sportlehrer Frank Reuber (Gesamtschule Gießen Ost), der dem Schultauchen hessenweit den Weg geebnet hat, beobachtet unter Schülern eine "bombastische Resonanz" auf den Outdoorsport. Gespanntes Interesse erwecke vor allem die abenteuerliche Expeditions-Aura.
Für Grundschüler empfiehlt Doris Brelowski die Schnorchel-Variante. Da könnten nicht zuletzt bewegungsarme und übergewichtige Kinder positive Erfahrungen sammeln: "Fett schwimmt und isoliert; außerdem sorgen die Flossen im Wasser für ein tolles Geschwindigkeitserlebnis." Beim Schnorcheltauchen bedürfe es auch keiner speziellen Zusatzausbildung für Lehrer. Die vom HTSV herausgegebene Broschüre "Tauchen im Schulsport" enthalte neben allgemeinen Informationen einen Übungsleitfaden.
Weit komplizierter gestalte sich hingegen eine Einführung ins Gerätetauchen, die ab zwölf Jahren möglich ist. Die Kids müssen sich zunächst einer medizinischen Tauchtauglichkeitsuntersuchung unterziehen, bei der Ohren, Lungenfunktion und Herz-Kreislaufsystem durchgecheckt werden. Darüber hinaus dürfen nur Tauchlehrer den Unterricht gestalten, weshalb in dem Fall die Kooperationsmöglichkeit zwischen Schulen und naheliegenden Vereinen zum Tragen kommt. Zumeist als Angebot während einer Projektwoche im Schwimmbad organisiert, kommt der Übungsleiter direkt in den Unterricht.
"Beim Gerätetauchen fasziniert das Schwebende, diese Schwerelosigkeit unter Wasser hat was Meditatives", sagt Brelowski, die außerdem festgestellt hat, "dass Jugendliche von der Technik immer schwer angetan sind." Auch Tauchexperte Frank Reuber weiß von begeisterten Aha-Erlebnissen zu berichten. "Wenn du mit der Pressluftflasche unter Wasser zum ersten Mal Luft kriegst, dann ist das eine ganz tolle Sache." Und zwar auch im Schwimmbad, wo kein pittoreskes Korallenriff in Sicht ist.
Gesundheitliche Gefahren lauern beim schulischen Unterwassergang durchaus, aber nicht in schwer wiegender Form. Zu einer lapidaren Trommelfellüberdehnung könne es beispielsweise kommen, jedoch seien Druckschäden an der Lunge, verursacht durch fehlendes Ausatmen unter Wasser, nur bedingt relevant. Tiefenrausch (ab 25 Metern) und Dekompressionskrankheit (Anreicherung des Körpergewebes mit Stickstoff ab neun Metern und einer Tauchdauer von mehreren Stunden in dieser Tiefe) spielen im Schwimmbad überhaupt keine Rolle. Einzig der so genannte "Schwimmbad-Blackout" (Ohnmacht, verursacht durch Hyperventilation vor dem Untertauchen und einem damit verbundenen Sauerstoffmangel) lasse sich von Zeit zu Zeit nicht vermeiden. Eine Funktionsstörung, die beim gewöhnlichen unbeobachteten Freibadbesuch aber häufiger vorkommt als in einer gut betreuten schulischen Tauchgruppe.
Frank Reuber, der als passionierter Taucher, Biologie- und Sportlehrer mit seinem Leistungskurs eine Fahrt nach Spanien unternommen und dabei Meeresbiologie mit Tauchen kombiniert hat, schwärmt von den ganzheitlichen und prägenden Eindrücken, die der Trip bei seinen Schülern hinterlassen hat. "Es geht darum, den jungen Leuten Freizeitkompetenz mit auf den Weg zu geben, ohne damit einhergehende Gefahren außer Acht zu lassen."
Informationen gibt es bei Egon Pietruschka auf der Geschäftsstelle des HTSV unter Tel. 0 69 / 56 87 31 oder per E-Mail unter praesident@htsv.de.
Futsal weiter auf dem Vormarsch
Wenn es in Deutschland schon keinen Straßenfußball mehr gibt, dann werden die Straßenfußballer eben unterm Dach gemacht.
Mit Futsal.Diese besondere Form des Hallenfußballs lernten die früheren Jenaer Profis Thomas Gerstner und Thomas Vogel in Brasilien kennen. Begeistert von den Vorteilen dieses Kleinfeld-Kicks, mit dem die Pele, Zico und Co. aufgewachsen sind, kamen sie nach Deutschland zurück und stellten es zum ersten Mal im Rahmen einer Projektwoche am Gymnasium in Mellingen vor.Mittlerweile sind rund 18 Monate vergangen. Und Futsal erfreut sich immer größerer Popularität. So wurde das Spiel kürzlich 16 Fachberatern von Thüringer Schulen in Theorie und Praxis vorgestellt. "Unser Ziel ist es, Futsal in den Schulsport zu integrieren", sagt Dominik Tronnier vom "Sportpark Vogel", der das Projekt im Freistaat leitet.Bis April 2003 sollen an Schulen acht Veranstaltungen durchgeführt werden - sei es im Rahmen des Sportunterrichts oder in Projektwochen. Für die Kenner des Futsals liegen die Vorteile auf der Hand: Die technische Ausbildung ist einfacher, weil der kleinere und weichere Ball besser am Fuß "klebt". Es gibt mehr Ballkontakte wegen des kleineren Feldes. Außerdem bleibt den Kindern der Spaßfaktor erhalten. Fliegende Wechsel sorgen für längere Einsatzzeiten aller Beteiligten. Frust und Langeweile kommen daher erst gar nicht auf. Und die Verletzungsgefahr ist gegenüber dem normalen Fußball weitaus geringer, weil jegliche Formen von Tacklings, Grätschen oder härteren Körperattacken verboten sind.Dominik Tronnier ist überzeugt davon, dass Futsal auch die Jugendarbeit der Klubs bereichern kann. So gibt es seit kurzem eine Zusammenarbeit sowohl mit dem Kultusministerium als auch mit dem Thüringer Fußballverband (TFV). "In Deutschland ist Futsal noch weitgehend unbekannt. Doch wir stehen neuen Formen der Fußballausbildung aufgeschlossen gegenüber", bietet der TFV-Hauptgeschäftsführer Hans-Günter Hänsel den Ini- tiatoren Aufbauhilfe an. Futsal solle sich unter dem Dach des DFB entwickeln können."Diese Form kann zwar kein Ersatz zum klassischen Training sein. Sie ist jedoch eine sinnvolle Ergänzung", meint Tronnier. Die Erfolge der Südamerikaner, wo Futsal seit Jahrzehnten praktiziert wird, können nicht irren.
Pforzheimer Zeitung 24.10.
Opposition kritisiert: «Sport hat bei der Koalition ausgespielt»
Berlin (dpa) - Mit heftigen Worten hat die Opposition im Deutschen Bundestag die Koalitionsvereinbarung von Rot-Grün zum Sport kritisiert.«Dünner geht es nun wirklich nicht mehr. Was die rot- grünen Koalitionäre als Ergebnis über den Sport formuliert haben, spottet jeder Beschreibung», kritisiert der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Klaus Riegert.
Besonders kritikwürdig im vorliegenden Sport-Programm der Regierung für die kommenden vier Jahre sei, dass sowohl zur Ausstattung des künftigen «Goldenen Planes Ost», zur Spitzensportförderung und zur Unterstützung des Behindertensports als auch zur nationalen Anti-Doping-Agentur keine Zahlen genannt werden und auch zum Anti-Doping-Gesetz nichts in den Vereinbarungen steht. Zudem fänden sich im Regierungsprogramm keinerlei konkrete Aussagen zum Vereins-, Breiten- oder Schulsport oder zur Förderung des ehrenamtlichen Engagements im Sport.
Die CDU/CSU werde die Koalition daher künftig mit klaren Forderungen konfrontieren, kündigte Riegert an.
![]()
Gießener Anzeiger 23.10.Olympische Spiele als Friedensbringer
Historie und Gegenwart des sportlichen Großereignisses
GIESSEN. Wenn das Stichwort „Olympische Spiele“ fällt, dann geht in diesen Tagen der Blick auf das Jahr 2012. Denn für die Austragung der Sommerspiele in zehn Jahren bewerben sich fünf deutsche Städte. Doch erst einmal geht es in zwei Jahren nach Athen: Dort finden 2004 die 25. Spiele der Neuzeit statt. Schüler des Jahrgangs 13 der Gesamtschule Gießen-Ost informierten sich im Rahmen einer zehntägigen Studienfahrt aus erster Hand über die Geschichte der Olympischen Spiele und die Vorbereitungen der Spiele in Athen. Dabei standen ihnen in verschiedenen Treffen hochkarätige Gesprächspartner zur Verfügung.
Die Rundreise führte den von Studiendirektor Wolfgang Schülting-Enkler geleiteten Sportkurs nach einer Bus-/Schiffsreise über Ancona und Patras zu den antiken Stätten der Panhellenischen Spiele: Zu den Pythischen Spielen in Delphi, den Nemeischen Spielen in Nemea, den Isthmischen Spielen in Korinth sowie den Spielen in Olympia. Neben den Ausgrabungsstätten und Archäologischen Museen in den heiligen Bezirken dieser historischen Orte ließen sich die Schüler von den antiken Sehenswürdigkeiten Athens (Akropolis, Olympieion, Agora, Hadriansbogen) und vom Flair des ersten Olympiastadions der Neuzeit beeindrucken.
Hier hatten die Schüler auch einmal Zeit zu sportlicher Aktivität: Im Panathenäischen Stadion, in dem 1896 die ersten Spiele der Neuzeit stattfanden, konnten sie bei Laufübungen Tempogefühl für die Distanz einer klassischen „Stadie“ entwickeln, der Maßeinheit für die Länge eines Stadions in der Antike.
Stand bis dahin die Geschichte der Olympischen Spiele im Vordergrund, so ging es beim Empfang im „International Olympic Truce Centre“ im Zappeion von Athen um die Bemühungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Förderung eines olympischen Waffenstillstands („Truce“). Zu diesem Zweck hat das IOC mit Unterstützung der UN im Juli 2000 diese Stiftung gegründet.
Prof. Stavros Lambrinidis, der Direktor der Stiftung, informierte den Leistungskurs über die Ziele und Aktivitäten dieses Zentrums. Er machte deutlich, dass es nicht um romantische Utopien eines „Olympischen Friedens“ gehe, sondern um kleine, realistische Schritte einer begrenzten Unterbrechung von Waffengängen während der Zeit der Olympischen Spiele. Er verwies dabei auf die Wurzeln der Olympischen Spiele. Der Mythologie zu Folge habe der König von Elis das Orakel von Delphi nach einer Lösung zur Beendigung der Kriege gefragt, die die Peleponnes verwüsteten. Apollo habe geraten, die kultischen Wettkämpfe in Olympia zu reaktivieren, um während dieser Zeit die kriegerischen Handlungen einstellen zu können.
Tatsächlich kannten schon die ersten Olympischen Spiele der Antike einen olympischen Waffenstillstand („Ekecheiria“): Den Teilnehmern und Zuschauern wurde eine Waffenruhe zur An- und Abreise sowie für die Zeit der Spiele garantiert.
Prof. Lambrinidis verwies auf kleine Erfolge in den Bemühungen, die Olympischen Spiele für den Abbau von Spannungen in Konfliktzonen der Erde zu nutzen (während der Balkan-Krise durch die Spiele in Lillehammer 1994 oder während des Golf-Konflikts durch die Spiele in Nagano 1998). Für die Spiele 2004 in Athen verfolge seine IOC-Stiftung verschiedene politische Optionen. Eine davon sei, den Fackellauf mit dem olympischen Feuer gezielt durch Krisenregionen zu führen, um für diese Zeit zumindest einen kurzen Moment der Sicherheit für humanitäre Aktionen zu ermöglichen.
Am Ende der Studienfahrt hatten die Schüler Gelegenheit zu einem Seminar in der Akademie des IOC in Olympia. Besonders beeindruckend war für alle die Möglichkeit, sich in der Bibliothek der Akademie zum Thema „Olympia“ an Hand von Originalquellen der olympischen Bewegung zu informieren: Wissenschaftliche Publikationen, Schatullen der Bewerbungsunterlagen der Städte und Regionen für die jeweiligen Spiele und Fackeln des olympischen Feuers gehörten dazu.
Da war es nach strapaziösen Studien für alle schon eine kleine Belohnung, am letzten Tag in der Nähe Olympias am Strand des Ionischen Meeres ein ausgiebiges – im Übrigen auf hohem Niveau ausgeführtes – Beach-Volleyball-Turnier erleben zu dürfen.
Zu hoffen bleibt, dass die Schüler den Schwung der Studienfahrt auch in die sonst manchmal eher ernüchternde Wirklichkeit des Schulalltags mitnehmen können: Dort geht es im Leistungskurs in den nächsten Wochen im Rahmen des Kursthemas „Sport und Gesellschaft“ nämlich um die Geschichte und um aktuelle Fragen der olympischen Bewegung.
![]()
Ostseezeitung 23.10.
Kinder sind Bewegungsmuffel
Wissenschaftler, Eltern und Lehrer in M-V schlagen Alarm: Die Kinder bewegen sich zu wenig. Die Folge sind Krankheiten, die bisher nur ältere Menschen kannten. Mehr Schulsport fordern nicht nur die Schüler.
Rostock (OZ) Ohne den Schulsport wäre Christine Lange unsportlich geblieben. Davon ist die Schülerin der achten Klasse vom Goethe-Gymnasium in Rostock überzeugt. Wenn es nach ihr ginge, könnten die Sportstunden sogar aufgestockt werden. Bis zur 6. Klasse stehen drei Stunden pro Woche auf dem Stundenplan. Ab der 7. Klasse dürfen die Schüler nur noch zwei Mal schwitzen. „Immer nur sitzen – das hältst du irgendwann nicht mehr aus“, klagt die 14-Jährige.
Die Zustimmung von Klassenkamerad Paul Mader (14) ist ihr sicher: „Ab der sechsten Stunde werde ich hippelig, meine Konzentration lässt nach.“ Die Energie sei einfach aufgebraucht. „Eine Stunde Sport ist dann genau die richtige Abwechslung für mich – leider gibt es davon zu wenig“, sagt Paul und spricht damit Lehrern, Eltern, Sportwissenschaftlern und Vertretern der gesetzlichen Unfallkasse aus dem Herzen. Die fordern mehr Sport für die 195 000 Schüler an den allgemeinbildenden Schulen in M-V. Denn unter Kindern und Jugendlichen herrscht akuter Bewegungsmangel.
„Die Kinder sind teilweise schon nach der Erwärmung im Sportunterricht kaputt“, weiß Christian Zander zu berichten. Der 29-jährige Sportlehrer untersuchte eine fünfte Klasse an der Stralsunder Gerhard-Hauptmann-Schule zum Thema „Entwicklung der Grundlagenausdauer“. Sein Ergebnis lautet: Die körperliche Verfassung der Mädchen und Jungen ist alarmierend. Damit bestätigt er, was seit längerem bei Fachleuten für Unruhe sorgt: Die konditionelle und koordinative Leistungsfähigkeit der Schüler verschlechtert sich permanent. Die Folgen lesen sich wie die Krankheiten älterer Menschen: Haltungsschäden, Organschwächen, Übergewicht, Kreislaufprobleme.
„Schon bei den Einschulungsuntersuchungen sind Defizite bei der Bewegungsfähigkeit zu beobachten“, konstatiert die Landesvorsitzende der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung (LVG), Angelika Baumann. Annegrid Schulz vom Landeselternrat ist überzeugt, dass der Fitness-Zustand der Schüler erheblich zu wünschen übrig lässt. Peter Louis von der Unfallkasse M-V nennt ihn schlicht „erschreckend“.
Dr. Hartmut Preuß bestätigt das Dilemma. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft der Universität Rostock versucht seit Jahren, gemeinsam mit Kollegen und Studenten dem Phänomen der Bewegungsarmut bei Kindern und Jugendlichen auf die Spur zu kommen. Schätzungsweise jedes zweite Kinde leide unter Bewegungsmangel, jedes fünfte unter Koordinationsschwächen, so der Wissenschaftler. In einem großangelegten Projekt „Kinder bewegt“ untersucht er an verschiedenen Schulen im Raum Rostock das Bewegungsverhalten der Schüler, begleitet ihren Werdegang von der ersten bis zur zwölften Klasse. „Ich vermisse oft den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder“, beschreibt er ein erstes Fazit seiner Arbeit. Die Gründe dafür seien mannigfaltig. Die Kinder wachsen anders auf als noch vor 20 Jahren. Das Fernsehgucken hat den höchsten Attraktivitätswert in der Freizeit der Jungen und Mädchen, gefolgt von Computerspielen und Musikhören. Dazu komme oft ein Umfeld, das Herumtoben kaum erlaube, die „Straßenspielkultur“ sei auf dem Rückzug.
Wolfgang Remer, Vorsitzender des Landessportbundes, nennt noch einen Grund: „Die Pisa-Studie zeigt, dass es nicht nur Mängel beim geistigen, sondern auch beim Sportunterricht gibt.“ Er fordert die dritte Schulsportstunde für alle Altersstufen und eine Qualitätssteigerung des Unterrichts.
Der haben sich die Lehrer des Goethe-Gymnasiums in Rostock bereits angenommen. In einem Modellversuch für die siebten Klassen setzen sie auf das
Bewusstsein der Eleven, die vom Forschungsprojekt „Kinder bewegt“ und vom Landesinstitut für Schule und Ausbildung begleitet werden.„Der Schüler soll verstehen, was mit seinem Körper passiert“, sagt Sportlehrerin Eva König. Pulsmessungen gehören dazu wie die Vermittlung von theoretischem Hintergrundwissen. Auch Trend-Sportarten kommen ins Programm, sei es nun Frisbee, Jazz Dance oder Inline-Skating. „Wenn Sportstunden ausfallen, werden sie kaum vertreten“, berichtet Gymnasiast Paul Mader. Und das gefalle nur denjenigen, die ohnehin keine Lust haben, sich zu bewegen. Paul schätzt, dass 40 Prozent der Schüler gar nicht motiviert sind, überhaupt ein Bein zu heben.
Zu denen gehören Anna Rossow (14) und Annekathrin Lange (13) nicht. Beide hüpfen während einer Sportstunde quietsch-vergnügt über ihre Stepp-Bretter. Sie plädieren gar für vier Sportstunden pro Woche. „An den Tagen mit Sport bin ich gleich viel besser drauf“, erzählt Anna. „Lieber mehr Sport und weniger Russisch“, scherzt Annekathrin.
„Sport ist hierzulande ein Mangelfach“, lautet die Einschätzung von Annegrid Schulz vom Landeselternrat. Auch sie fordert drei Mal Sportunterricht pro Woche. Doch scheint sich der Wunsch vorerst nicht zu erfüllen. „Die Belastungsgrenze bei der Stundenanzahl ist erreicht“, sagt Heike Neitzert, Pressesprecherin des Kultusministeriums M-V. Außerdem, wirft sie ein, würde eine Stunde Sport zusätzlich das Problem auch nicht lösen. Die Eltern seien an dieser Stelle gefragt. „Man kann nicht alles auf die Schule abwälzen“, wehrt Neitzert ab.
Angelika Baumann von der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung sieht das ähnlich. Sie möchte die Eltern für das Thema sensibilisieren: Mehr Bewegung bedeute mehr Fitness. Und das hätte zur Folge, dass die Kinder sich weniger beim Sport verletzen würden. Immerhin geschehen beinahe die Hälfte alle Schulunfälle im Sportunterricht. „Viele aufgrund unzureichender koordinativer Fähigkeiten wie Gleichgewichts- und Orientierungsfähigkeit“, sagt Baumann.
Sie setzt auf zusätzliche offene Sportangebote an Schulen und bei Vereinen. Also auf Gelegenheiten zum Turnen und Spielen nach Lust und Laune. Ebenso hofft sie auf Möglichkeiten für unsportliche Kinder, die sich nicht trauen, mit den „Guten“ zu üben. Sportlehrer Christian Zander wünscht sich möglichst viele Eltern, die Sport treiben. Denn das hieße: Vorbild für die Kinder sein.
„Bewegung ist im Leben nie so wichtig wie im Kindesalter“, ist Sozialministerin Martina Bunge (PDS) überzeugt. Wenn nichts geschehe, warnt Sportwissenschaftler Preuß, werde eine Generation von eingeschränkt arbeitsfähigen Erwachsenen herangezogen. Entwarnung geben lediglich Feuerwehr und Polizei. „Unser Nachwuchs ist fitter als noch vor zehn Jahren“, so Olaf Schulz von der Rostocker Berufsfeuerwehr. „Die Bewerber sind nicht schlechter geworden“, bestätigt auch Heide Seifert von der Landespolizei Güstrow. Jedenfalls nicht auf sportlicher Ebene. Die meisten scheitern am Diktat.
Deutsche Sportjugend 22.10.02
Schulsport in Bewegung
"Gipfeltreffen" von Kultusministerkonferenz und Deutschem Sportbund
Im Berliner Büro des Sekretariats der Kultusministerkonferenz fand ein Spitzengespräch zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Deutschen Sportbund (DSB) statt. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ministerin Prof. Dr. Dagmar Schipanski, und der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, stimmten darin überein, dass dem Schulsport angesichts des allgemein beklagten Bewegungsmangels unserer Kinder und Jugendlichen mit seinen verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit und geistige Fitness immer größere Bedeutung beizumessen ist.
Über die nicht zu leugnenden Schwierigkeiten mit dem Fach Sport im Alltag einzelner Schulen, aber auch über hervorragende Beispiele "Bewegter Schulen" wurde auf der von Kultusministerkonferenz und Deutschem Sportbund gemeinsam veranstalteten Fachtagung "Perspektiven des Schulsports" im Dezember vorigen Jahres in Karlsruhe referiert und heftig diskutiert. Die Dokumentation dieser Tagung konnte dem Präsidenten des Deutschen Sportbundes von der Präsidentin der Kultusministerkonferenz druckfrisch überreicht werden und ist nun allen Interessierten im Internet unter www.kmk.org zugänglich.
Als eine Konsequenz aus der Fachtagung kündigte DSB-Präsident von Richthofen die Einführung einer Schulsportauszeichnung ("Schulsportpreis") an, die Anreiz im Wettbewerb der Schulen um die beste Gestaltung des Sportunterrichts bieten soll.
Das Thema Schulsportuntersuchung ist seit langem auf der Agenda der Gespräche zwischen Kultusministerkonferenz und Deutschem Sportbund. Dabei blieb die Finanzierungsfrage bislang immer ungeklärt. Eine erneute Initiative des DSB-Präsidenten hat jetzt zum Erfolg geführt. Die Kommission "Sport" bekräftigte im Juni auf ihrer 127. Sitzung erneut die Bereitschaft der Länder, für die vom DSB beabsichtigte Untersuchung des Schulsports vorhandene Daten und Materialien zur Verfügung zu stellen. Im Projektbeirat zur Vorbereitung und Begleitung der Untersuchung arbeitet die Kultusministerkonferenz bereits mit. Inzwischen sind die für die Untersuchung benötigten Mittel gesichert. Den halben Anteil übernimmt der Deutsche Sportbund selbst, die andere Hälfte wird auf Vermittlung des Nationalen Olympischen Komitees von den fünf Olympiabewerber-Städten/Regionen aufgebracht.
In dem Spitzengespräch konnte Einigung erzielt werden, den Wettbewerb JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA in die bestehende Deutsche Schulsportstiftung zu integrieren. Damit kann der Bundeswettbewerb der Schulen JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA einer gesicherten Zukunft entgegensehen. Für den zwischen Deutschem Sportbund und Kultusministerkonferenz neu entwickelten Talentwettbewerb ist die Finanzierung dank der Unterstützung des Deutschen Fußball-Bundes zunächst für die Sportart Fußball gesichert.
Auf der 2. Konferenz der Eliteschulen des Sports, die am 13./14. September in Leipzig stattfand, wurde darüber informiert, dass die bisherigen Kriterien für die Anerkennung der Eliteschulen des Sports überarbeitet werden sollen. Ziel des Deutschen Sportbundes sei es dabei, ggf. einzelne Standorte, die die neuen Kriterien nicht erfüllen, künftig nicht mehr weiter zu fördern und neue Standorte in den Kreis der Eliteschulen aufzunehmen. Im Spitzengespräch hat der DSB der KMK zugesichert, dass die neuen Kriterien vor Inkrafttreten mit der Kultusministerkonferenz beraten werden.
Abschließend bekräftigten die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und der Präsident des Deutschen Sportbundes ihren Willen, die in vielen Punkten gemeinsamen Ziele zwischen KMK und DSB aufeinander abgestimmt und in konstruktivem Miteinander zu verfolgen. Das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport 2004, die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 und die Hoffnung auf Olympia 2012 sollen auch für positive Impulse im Schulsport genutzt werden.
Tagesspiegel 17.10.
„Wenig und unpräzise“
Berlin. Die Sportförderung soll auf hohem Niveau gehalten werden. So steht es im Koalitionsvertrag, den die rot-grüne Bundesregierung am Dienstag unterzeichnete. Aber was heißt das konkret? Vor allem soll der Spitzensportbereich unterstützt werden. Darunter fällt sowohl die Förderung einzelner Sportler, als auch die Unterstützung sportlicher Großereignisse wie der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland und der Bewerbungen für internationale Wettbewerbe (Handball-WM 2005, Olympische Spiele 2012). Die Trainingsbedingungen für Sportler im Dienste des Bundesgrenzschutzes oder der Bundeswehr sollen verbessert werden, sowie der Behindertensport gestärkt werden. Der „Goldene Plan Ost“, in dem es um Aufbauhilfen geht, wird zudem verlängert. Auf das Thema Doping-Bekämpfung wird hingewiesen, aber nicht sehr konkret. Sportwissenschaft und Breitensport, die noch vor vier Jahren Thema im Koalitionsvertrag waren, sind nicht berücksichtigt.
Was die rot-grüne Bundesregierung im Sport plantSie sollen aber ein Thema sein, sagt Winfried Hermann, der sportpolitische Sprecher der Grünen. Hermann ist nicht zufrieden mit dem, was im Vertrag steht. „Zu wenig, zu unpräzise und zu allgemein“ nennt er die Vorhaben. „Es ist nun Aufgabe der Sportpolitiker, konkreter an die Themen heranzugehen.“ Damit meint er vor allem drei Bereiche: Sport als Gesundheitsprävention, die nachhaltige Sportentwicklung, worunter auch der Schulsport fällt und die sinnvolle Nutzung neuer Sportstätten, und das Antidopinggesetz.
Kinderärztekongress
Kampagne gegen BewegungsmangelEine immer mobilere Gesellschaft produziert immer unbeweglichere Mitglieder – diese Kernaussage traf gestern in Bad Orb beim Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Klaus Gritz. Der Kongress beschloss eine Kampagne gegen Bewegungsmangel.
Schon bei der Schuleingangsuntersuchung hätte sich gezeigt, dass etwa im Main-Kinzig-Kreis 22 Prozent der Mädchen und Jungen unter Koordinationsschwierigkeiten litten, 25 Prozent Sprachentwicklungsstörungen aufwiesen und viele übergewichtig seien. Nach mehreren Schuljahren könne man weiterhin feststellen, dass ein Drittel der Schulkinder Haltungsschäden hätten und bei rund vierzig Prozent die Koordination beeinträchtigt sei.
Dagegen hilft nach Ansicht des Kinder- und Jugendärztekongresses nur ein mehr an Bewegung. So fordern die Pädiater von der Politik ein mehr an Schulsport sowie eine Ausweitung von präventiven Maßnahmen in der Medizin.Wie Gritz ausführte, wolle der Kinderärztekongress – an dem diesmal 67 Delegierte aus dem ganzen Bundesgebiet teilnahmen – nicht anklagen, sondern vor allem selbst aktiv werden. Zu den Zielen des Verbandes gehörten unter anderem ein umfassendes Fortbildungsprogramm für Kinder- und Jugendärzte.
![]()
Stuttgarter Nachrichten 15.10.Mehr Sport in Grundschulen
Programm bis 2006 landesweitStuttgart. Nach dem Willen der Landesregierung sollen in Baden-Württemberg künftig mehr Schulkinder an dem Programm "Sport- und bewegungsfreundliche Grundschule" teilnehmen.
Ministerpräsident Erwin Teufel und Kultusministerin Annette Schavan sagten am Montag in Stuttgart, bis 2006 solle das Programm flächendeckend verankert werden. Bisher beteiligten sich bereits 275 Schulen an dem Projekt. Das moderne und umfassende Schulsportprogramm in Baden-Württemberg gebe auch wichtige Impulse für eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung der Landeshauptstadt und der Region Stuttgart, sagten Teufel und Schavan. Am Montag hatte die Evaluierungskommission des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) begonnen, die Stuttgarter Olympia-Bewerbung für 2012 zu prüfen.
"Mit dieser Gesamtkonzeption haben wir ein gutes Instrument, um Kindern und Jugendlichen früh und umfassend den Sport nahe zu bringen und sportliche Talente intensiv zu fördern", sagten Teufel und Schavan. Die sport- und bewegungsfreundliche Schule sei ein wichtiger Bestandteil des ganzheitlichen Bildungsprogramms in der baden-württembergischen Bildungspolitik. Zu dem Programm gehören unter anderem die tägliche Bewegungszeit, die sich nicht auf den Sportunterricht, sondern auf andere Unterrichtsfächer erstreckt. Damit soll nach dem Willen Teufels und Schavans "buchstäblich mehr Bewegung in den Grundschulunterricht kommen".
Vielfach wird in den Schulen von Elternvertretern kritisiert, dass zwei Unterrichtsstunden Sport pro Woche nicht ausreichen.
"Des Turnlehrers Würken"
Turnvater Jahn wettert gegen Sparen beim Schulsport, modisch bunte Sportkleidung und überflüssige Energiedrinks.
taz: Herr Jahn, man hat ja lange nichts von Ihrer Turnkunst gehört. Wie kommts?
Ein historisches Gespräch zu aktuellen Fragen - zu seinem 150. TodestagFriedrich Ludwig Jahn: Unbegreiflich, dass diese Brauchkunst des Leibes und Lebens, diese Schutz-und-Schirm-Lehre, diese Wehrhaftmachung so lange verschollen gewesen. Aber diese Sünde früherer leib- und liebloser Zeit wird auch noch jetzt an jeglichem Menschen mehr oder minder heimgesucht.
Sie meinen die steigende Zahl von Herz-Kreislauf-Krankheiten und stressbedingten Burn-out-Syndromen. Wie kann Turnkunst da helfen?
Die Turnkunst soll die verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menschlichen Bildung wiederherstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Überverfeinerung in der wiedergewonnenen Mannlichkeit das nothwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zusammenleben den ganzen Menschen umfassen und ergreifen.Interessante Position. Im Zuge der Pisa-Diskussion wird von Experten aber gerade mehr "Vergeistigung" gefordert.
In der neuen Zeit ist der Missbrauch eingerissen, dass man auch auf Schulen das Lernen in Hefte zwängt, wodurch blutwenig im Gedächtnis haftet, und die arme Jugend in der Schreibfrohne dem lieben Gott den Tag abschmiert. Je mehr Leben wieder in die Welt gekommen, desto weniger dürfen die Schulen am Buchstaben hangen.An vielen Schulen wird der Sportunterricht gekürzt, da aufgrund von Sparmaßnahmen zu wenig Lehrer eingestellt werden können.
Ohne eine Turnanstalt sollte billig keine namhafte Stadt in Deutschen Landen forthin bleiben. Den Einwurf: "Es kostet was" können nur Tröpfe vorbringen, die gern als Köpfe sputen möchten.Lassen Sie uns bei den Lehrern bleiben. Welche Anforderungen stellen Sie an Sportpädagogen?
Unter allen Lehrern der Jugend hat ein Turnlehrer den schwersten Stand. Bei anderen Lehrern beruht das Geschäft auf Wissen und Wissenschaft, in denen beim allstündlichen und alltäglichen Betreiben von Zeit zu Zeit weitere Fortschritte zu machen sind. Des Turnlehrers Würken ist unzertrennlich von Kennen und Können. Dabei muss er sich sehr hüten und sorgfältig in Acht nehmen, dass er den kleinern Turnern kein Bild der Lächerlichkeit und Ungeschicklichkeit giebt. Größere ehren schon den guten Willen und das mühevolle Bestreben.Viele Leibesübungen finden heute nicht mehr an Schulen, sondern in Vereinen und privaten Fitnesscentern statt.
Jede Turnanstalt ist ein Tummelplatz leiblicher Kraft, eine Erwerbschule mannlicher Ringfertigkeit, ein Wettplan der Ritterlichkeit, Erziehungsnachhülfe, Gesundheitspflege und öffentliche Wohlthat.
Erstaunlich, dass Sie das so positiv bewerten. Sie begrüßen also den Waschbrettbauchwahn und die Muskelmänner und -frauen?
Bei den Turnübungen muss sich immer eins aus dem andern ergeben, ohne Drillerei, so die freie Eigenthümlichkeit der Einzelnen durch ihr Schalten gefangen nimmt.Heißt das, Sie befürworten reines Power-Muskel-Forming?
Die leibliche Kraft lässt es nicht dahin kommen. In solchem Zerren und Renken würde sie erlahmen und erstarren. Nur die öftere Wiederholung erzeugt die Vollkommenheit, wenn anders die Wechselwürkung anderer Übungen hinzukommt.Fitnessstudios bieten ja durchaus Alternativen. Aerobic-Kurse zum Beispiel.
Dem Tanzen als Leibesübung kann sein Wert nicht genommen werden, es bildet den Anstand und gute Haltung; hingegen stärken die anderen Turnübungen weit mehr. Dass beide Geschlechter schon in den Kinderjahren zusammen tanzen lernen, ist gar nicht zu dulden. So wie das Tanzen gewöhnlich getrieben wird, ist es: Zerstörer der Gesundheit, Verderber der Sittlichkeit und Verführer zur Sünde.Vermutlich sind Sie demnach auch skeptisch, was die neuste Sportmode betrifft. Sie ist durchaus freizügiger. Was empfehlen Sie?
Graue ungebleichte Leinwand ist der beste Stoff. Alle anderen Zeuge sind weniger dauerhaft und wohlfeil, und doch nicht so leicht zu reinigen. Eine grauleinene Jacke und ebensolche Beinleiber kann sich jeder anschaffen.Klingt nach einem möglichen neuen Trend. Nike wirbt gerade mit grauen Jogahosen.
Würden Zeuge aus ausländischen Stoffen geduldet, so müssten sich die Übungen gar bald in Übungen für Reiche, Vermögende, Bemittelte, Wohlhabende, Unbemittelte, Bedürftige und Arme theilen.Das könnte man auch auf die Ernährung übertragen. Sind die neusten Powerriegel und Eiweißgetränke nach dem Training zu empfehlen?
Auf dem Turnplatze wird nur trocken Brot gegessen und Wasser getrunken. Wem trocken Brot nicht mundet, hat keinen Hunger, und kann füglich warten, bis er nach Hause kommt. Wen Wasser nicht erquickt, hat entweder keinen Durst, oder noch nicht lange genug geturnt, vielleicht auch sich überhaupt zu wenig in freier Luft bewegt.Ihre Schlichtheit und Konsequenz könnten bald zum neuen Fitnesstrend werden. Oder glauben Sie, dass in diesem Bereich alles gesagt ist?
Es ist noch lange nicht Alles abgehandelt, was zur Turnkunst gehört.Man wird also bald wieder von Ihnen hören?
Solange der Mensch noch hienieden einen Leib hat und zu seinem irdischen Dasein auch ein leibliches Leben bedarf, was ohne Kraft und Stärke, ohne Dauerbarkeit und Nachhaltigkeit, ohne Gewandtheit und Anstelligkeit zum nichtigen Schatten versiecht - wird die Turnkunst einen Haupttheil der menschlichen Ausbildung einnehmen müssen.
„Fische schwimmen, Vögel fliegen, Kinder turnen“
„Offensive Turnen“ der Hessischen Turnerjugend kommt in die Grundschulen„Fische schwimmen, Vögel fliegen, Kinder turnen!“. Das ist das Motto der „Offensive Turnen in der Grundschule“ der Hessischen Turnjugend. Das Projekt, das in Kooperation mit dem Hessischen Turnverband, dem Hessischen Kultusministerium den Staatlichen Schulämtern und dem Hessischen Landesinstitut für Pädagogik /HeLP) durchgeführt wird, wurde Anfang September gestartet. Es richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer hessischer Grundschulen, die im Sportunterricht tätig, sind. Ihnen sollen die neuesten Trends im Bereich Turnen vermittelt werden, und dies bedeutet: Entdeckendes Lernen, freies Üben, individuelle Erfolgserlebnisse für jedes Kind.
Im Vordergrund steht hierbei, so teilt die Hessische Turnjugend mit, die Schulung der im Grundschulalter besonders wichtigen koordinativen Fähigkeiten, Ihre Ausbildung stellt sowohl für die körperliche Entwicklung als auch für die geistige Beweglichkeit eine maßgebliche Voraussetzung dar, Turnen ist in diesem Zusammenhang nicht nur als Mittel zur Haltungsförderung, sondern auch als Möglichkeit zur Stärkung sozialer Kompetenzen sowie zur Anregung von Fantasie und Kreativität zu verstehen.
Die Umsetzung des Projekts erfolgt in zwei Schritten: Während des laufenden Schuljahres besucht eine Referentin der Hessischen Turnjugend Grundschulen in Hessen, um dort die Vielseitigkeit des Turnens zu demonstrieren. Im zweiten Schritt finden zur inhaltlichen Weiterbildung staatlich anerkannte Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte jedes Schulamtsbezirks statt.
![]()
DSJ 12.10.
"Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulports in Deutschland"
Am 19. September 2002 tagte die Präsidialkommission "Schulsport" in Frankfurt am Main. Im Mittelpunkt der 13. Sitzung standen die Themen "Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland" und die "Installierung einer Schulsport-Auszeichnung" für alle Schulformen.
Nachdem die Finanzierung der "Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland" durch das NOK in Verbindung mit den deutschen Bewerberstädten um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 und den Deutschen Sportbund sichergestellt wurde, kann nun Anfang Oktober 2002 die Studie zur Ausschreibung kommen. Erfreulicherweise kann somit davon ausgegangen werden, dass die Forschungsarbeiten zu dieser notwendigen Untersuchung zu Beginn des kommenden Jahres aufgenommen werden können. Erste Ergebnisse der Studie sollen im "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" 2004 veröffentlicht werden.
Darüber hinaus einigten sich die Mitglieder der Präsidialkommission darauf, eine "Schulsport-Auszeichnung" für alle Schulformen und -stufen ins Leben zu rufen. Unter dem Motto "Schulsport bewegt Schule" sollen für das Schuljahr 2002/2003 herausragende und damit beispielhafte innovative gegenwartsbezogene und zukunftsorientierte Formen des Schulsports ausgezeichnet werden. Neben der Heranziehung von bestimmten Standardkriterien soll der bundesweite Förderpreis für Schulen als Qualtitätsoffensive für den Schulsport sehr offen gehalten werden. Die drei herausragendsten innovativen Schulprojekte werden hochdotierte Geldpreise erhalten. Der "Siegerschule" wird darüber hinaus noch eine Auszeichnungs-Plakette als Würdigung ihres großen Engagements um den Schulsport an ihrer Schule verliehen.
Des weiteren organisiert der DSB/die dsj erstmals im November diesen Jahres eine Tagung der Schulsportbeauftragten bzw. -referenten der Spitzenverbände in Stuttgart. Dabei sollen vor allem mögliche gemeinsame Handlungsstränge im Bereich des Schulsports erörtert werden, um zukünftig gemeinsam die Qualität des Schulsports zu sichern bzw. zu erhöhen und damit mögliche eigene Chancen der Spitzenverbände auszubauen.
Und nicht zuletzt beabsichtigt die Präsidialkommission die Thematik um den Bereich des Schulsports sinnvoll in den Kongress des DSB "Sport gestaltet Zukunft" im Dezember in Form eines Workshops zu platzieren, wodurch der DSB sein großes Engagement um den Schulsport unterstreicht und damit sein Anliegen, diesen qualitätsvoll, konstruktiv und nachhaltig zu begleiten, besonders verdeutlichen kann.
Projektbeirat der "Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland wird aktiv
Da die geplante "Untersuchung zur aktuellen Situation des Schulsports in Deutschland" bis Anfang des kommenden Jahres initiiert und in Kooperation mit der KMK in Auftrag gegeben werden soll, hat die Präsidialkommission "Schulsport" unter Zustimmung des DSB-Präsidiums einen Projektbeirat für diese Untersuchung im Juni 2002 eingerichtet. Nun wird dieser zu seiner konstituierenden Sitzung am 13. August 2002 in Kassel erstmals zusammentreten.
Der Projektbeirat setzt sich aus jeweils zwei Vertretern des DSB/der dsj, der KMK und zwei sportwissenschaftlich ausgewiesenen Personen zusammen. Die Projektleitung wurde Hans-Jürgen Kütbach übertragen. Vorrangige Aufgabe des Projektbeirats ist die Koordinierung des Projektvorhabens und das Controlling des Projekts während der Dauer der Untersuchung.
Es ist davon auszugehen, dass sich die Mitglieder des Projektbeirats während ihrer konstituierenden Sitzung vorrangig mit der Erstellung eines detaillierten Projektplans sowie Finanzierungs- und Kostenplans befassen werden. Darüber hinaus wird aufgrund der vorliegenden Projektfassung der Studie eine Ausschreibung erstellt werden, um diese baldmöglichst an ausgewiesene sportwissenschaftliche Institute, die auf dem Gebiet des Schulsports durch einschlägige Forschungsleistungen hervorgetreten sind bzw. ein dezidiertes Interesse an Fragen der Schulsportentwicklung erkennen lassen, heranzutragen und somit einzelne Themenbereiche der Studie bearbeiten werden können.
Bleibt zu hoffen, dass das anstrebte Ziel, erste Ergebnisse der Studie im "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" in 2004 veröffentlicht werden können, um mittels der gewonnenen Erkenntnisse in einen konstruktiven Dialog über die weitere Entwicklung des Schulsports in Deutschland eintreten zu können.
![]()
ND 12.10.Bundeskonferenz für Breitensport
Spagat zwischen Tradition und Trend
Konkurrenz für Vereine und Verbände immer stärkerSchon vor Jahren sei der Vereins- und Verbandssport für tot erklärt worden, erinnerte Prof. Dr. Peter Kapustin, Vizepräsident des Deutschen Sportbundes, am Freitag in Göttingen bei einer Bundeskonferenz für Breitensport. »Doch er ist nicht auf dem Abstellgleis gelandet, sondern zu einem auch heute tragfähigen Netzwerk in ganz Deutschland geworden.« Künftig käme es darauf an, eine für alle gangbare Brücke zwischen »Tradition und Modetrends im Sport« zu schlagen.
Daran anknüpfend stellte Prof. Dr. Christian Wopp, Universität Osnabrück, in seinem Plenumsreferat die Frage, wie denn Vereine und Verbände auf »die moderne Ausdifferenzierung des Breitensports« – nämlich zwischen den konventionellen, gängigen Disziplinen und massenhaften aktuellen Fitness- und Aerobic-Angeboten – reagieren sollten. Er sieht eine Zunahme »der Konkurrenz zwischen kommerziellen und gemeinnützigen Sportanbietern«. In diesem Wettstreit könnten sich die Sportvereine künftig nur dann weiter behaupten, »wenn sie ihre Vielfalt nicht aufgeben und dennoch ihr Profil schärfen«. Zu »ihrem Charakter der Bürgerinitiative« müsse stärker das »Image einer lernfähigen Organisation« kommen.
Die gegenwärtige Vorsitzende der Sportministerkonferenz, die saarländische Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, zeichnete in Bezug auf den Spagat zwischen Tradition und Trend diese Prognoselinien: Spontane, offene, nicht-organisierte Sportformen setzen sich gegenüber organisierten durch; dem wird der Mitteleinsatz für Sanierung und Modernisierung klassischer Anlagen Rechnung tragen; der tradierte Schulsport muss sich verstärkt Trendsportarten öffnen; Vereine werden nicht umhin kommen, sich ebenfalls dem veränderten Freizeitverhalten anzupassen – »sonst wird der demographisch ohnehin vorgezeichnete Mitgliederschwund noch verstärkt«.
Kramp-Karrenbauer machte auf eine weitere Tendenz aufmerksam, aus der für den Vereinssport im allgemeinen und Breitensport im besonderen ein neue Situation erwachse. Andere Freizeitbeschäftigungen, »nämlich Kultur, Konsum und Bildung«, treten immer stärker als Konkurrenten auf. »Kultursponsoring wird sich expansiv entwickeln, Sportsponsoring eher stagnieren«, vermutet sie.
Den Plenarbeiträgen schloss sich am Freitag eine erfrischend konstruktive wie kontroverse Diskussion an. Am Sonnabend will DSB-Präsident Manfred von Richthofen darauf in seinem halbstündigen Plenums-Statement eingehen. Wobei zumindest sein Redeentwurf, der ND gestern vorlag, eine weitere sehr strittige These enthielt: »Sport als Form sinngebender und befriedigender menschlicher Tätigkeit wird zunehmend wichtiger. Nicht mehr nur als Ausgleich, sondern als sinnvolles Äquivalent zur Arbeit.« Denn auch hier stellt sich ja die Frage: Wer soll das in aller Breitensportbreite einmal alles bezahlen?
Sportprojekttag
Sport mal nicht nach Lehrplan
Im Rahmen des Sportprojekttages hatten die Unterstufenschüler des Kurpfalzgymnasiums die Möglichkeit auch mal in etwas ausgefallenere Sportarten auszuprobieren, die im normalen Sportunterricht eher nicht zum Lehrplan gehören. Die Sportlehrer hatten sich einiges einfallen lassen und boten in Zusammenarbeit mit den Sportvereinen eine bunte Palette, die von Klettern in Ludwigshafen über Rugbyschnuppertraining bis hin zu Trendsportarten wie Hip-Hop-Dance oder Baseball reichte.Eingeteilt in Gruppen, durften sich die Nachwuchstalente dann einen Vormittag lang, gut betreut von den Sportlehrern, ihrem Wahlsport widmen. Ziel des Projekttages sei es, Spaß am Sport zu vermitteln und ausgefallene Sportarten kennen zu lernen, erklärte Gerhard Morast. Und die Schüler waren mit Eifer dabei.
Da wurde konzentriert geübt, wie man beim Baseball fängt, schlägt und wirft. Unter fachmännischer Anleitung von Melanie Hertel, Trainerin bei den Raubrittern, klappte das so gut, dass sogar ein richtiges Baseballspiel zustande kam. Dafür wurden die Regeln geduldig erklärt, bis einige Probespieler so begeistert waren, dass sie jetzt auch mal zum Vereinstraining kommen wollen. An anderer Stelle ging es ebenfalls kräftig zur Sache. Für Rugby hatten sich vor allem Jungs gemeldet. Auch hier gab es Trainerverstärkung durch den SC Neuenheim, bei dem Nachwuchs natürlich auch gern gesehen ist. Doch erstmal mussten die Jungs und immerhin drei mutige Mädels lernen, dass Rugby weit mehr als ein Raufspiel ist. Statt Kampf sind hier eher Cleverness, Taktik und technische Komponenten gefragt. Besonders gut kam trotz allem das Tackeln an: Gegner tiefhalten und zu Boden bringen.
Auch spannend: Tennis. Hier wurde eifrig getestet, ob man nun das Zeug zu einem neuen Tennisstar hat. Oder das vielseitige Spieleangebot, das verschiedene Sportlehrer in der Schulturnhalle anboten. Der Spaß kam nie zu kurz. Ganz neu waren für die meisten Indiaca,, bei dem ein Gummiwurfgerät mit Federn benutzt wird, und Ringtennis. Dabei galt es, den dicken Gummiring über ein Netz auf den Boden des gegnerischen Feldes zu werfen bzw. zu verhindern, dass der Ring auf dem Boden des eigenen Feldes landete.
Ganz schön anstrengend. Genauso wie das Tanzen. Auf dem Programm standen Hip-Hop, Aerobic und Gymnastik mit Band und Ball. Bei fetziger Musik hatten die Mädels Zeit, verschiedene Choreografien einzustudieren, was weit mehr Koordination und Kondition voraussetzte, als manche vermutet hatte. Einige Aktionen führten die Schüler auch weiter weg. So waren einige mit dem Mountainbike im Wald unterwegs. Andere waren nach Ludwigshafen aufgebrochen, um dort in der Kletterschule steile Wände zu erklimmen. Ganz sportlich auch die Gruppe, die mit Fahrrädern ins Dossenheimer Schwimmbad fuhr, um dort das Sportabzeichen zu machen.
Übrigens gab es noch zwei andere Projekte: Für die Fünftklässler hatte sich die SMV zusammen mit der Vertrauenslehrerin und den Patenschülern der Neulinge eine Schriesheim-Rallye ausgedacht. In "Wer wird Millionär"-Manier mussten Fragen beantwortet werden, die die Neulinge zum Rathaus, dem OEG-Bahnhof und zum Gymnasium führten.
Ziel war es, eine Handynummer herauszubekommen, um die letzte, die so genannte Jokerfrage, beantworten zu können. Direktor Werner Rendel hatte sich für die drei besten Gruppen einen ganz besonderen Preis einfallen lassen. Getreu dem Motto des Sportprojekttages spendierte er den Gewinnern ein Sportoutfit. Das zweite Projekt war für die 10er: Die nutzten den Ausnahmetag, um sich journalistisch mit Stift und Block auszutoben. Weil sie gerade das Thema Zeitung behandeln, bekamen sie den Auftrag, eine spannende Reportage über die sportlichen Schnupperstunden zu schreiben.
![]()
Süddeutsche Zeitung 25.9.
Raum für Bewegung
Für Sport ist keine Zeit – die Ganztagsschule könnte helfen
Als Schulkinder vor zwei Jahren routinemäßig untersucht wurden, gewannen die Mediziner besorgniserregende Erkenntnisse. Viele der Kinder konnten weder auf einem Bein stehen noch rückwärts laufen. „Motorische Defizite“ werden solche Mängel in der Fachsprache genannt. Solchen Defiziten werde im Schulalter nicht angemessen entgegengesteuert, sagt Gertraud Burkert, Münchner Bürgermeisterin, zuständig für Sport- und Familienpolitik. „Die bayerische Staatsregierung“, kritisiert Burkert, „hat den Sportunterricht an Schulen über Jahre hinweg reduziert.“ Die Ausgleichsfunktion des Sports werde so vernachlässigt.
Burkert überlegt, wie dem Problem beizukommen wäre. Zum Beispiel könnten infolge einer flächendeckenden Einführung von Ganztagsschulen mehr Bewegungsangebote geschaffen werden. Als Reaktion auf das schlechte Abschneiden bei der Pisa-Studie gibt es zur geplanten Förderung dieser Schulform mittlerweile einen parteienübergreifenden Konsens. Mit jährlich einer Milliarde Euro will die Bundesregierung den Bundesländern helfen, mehr Ganztagsschulen zu schaffen. Burkert sieht in dieser Maßnahme die Chance, den Sportunterricht zu stärken. „Im Stundenplan der Halbtagsschule bleibt oft zu wenig Zeit für Sport.“ Die Tendenz, möglichst viel Wissen vermitteln zu wollen, dränge den Sport an den Rand. Burkert glaubt, dass nur Ganztagsschulen für dringend benötigte Bewegungsangebote Raum bieten.
Auch Ralf Karhausen, Geschäftsführer der „Münchner Arbeitsgemeinschaft zur Gesundheitsförderung im Kindesalter“ (Magik), sieht mit Ganztagsschulen „mehr Möglichkeiten für den Sportunterricht“. Allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: „Es besteht die Gefahr“, mahnt Karhausen, „dass Ganztagsschulen zu einer Verlängerung eines nur leistungsorientierten Unterrichts werden, der jetzt bereits – als Folge der Pisa-Studie – alle anderen Angebote wegdrückt.“
Die Ganztagsschule dürfe nicht „zu einer Institution werden, die den Tagesablauf von Schülern bis ins Letzte reglementiert und verschult“. Das führe höchstens dazu, meint Karhausen, „dass sich Kinder ausklinken und sich verweigern“. Besser seien „selbstorganisierte, eigenverantwortliche Sportangebote“, die als Ausgleich zur Wissensvermittlung „Freude machen und auch nicht benotet werden müssen“. Neben Hausaufgabenhilfen müssten Ganztagsschulen Arbeitsgemeinschaften im musischen, kulturellen, sozialen, ökologischen und eben auch im sportlichen Bereich organisieren. „Die Kinder brauchen das zum seelischen Ausgleich“.
Was Bewegungsmängel von Kindern betrifft, leiste auch der Vereinssport, sagt Karhausen, einen schlechten Beitrag. Denn dieser verfolge „das vorrangige Ziel, Spitzensportler herauszufiltern“ und wende sich meist nur an Kinder, die „bis zu sieben Mal pro Woche trainieren wollen. Alle anderen fallen raus.“ Die Probleme bestünden fort:„Wir leiden nicht an einem Mangel an Spitzensportlern, sondern darunter, dass sich Kinder zu wenig bewegen.“
Viele Vereine fürchten durch regelmäßige Nachmittagskurse an Ganztagsschulen jedoch, jugendliche Mitglieder zu verlieren, meint Rudolf Behacker, Leiter des Sportamts der Stadt München. Zwar würden auch in den USA fast alle Sportaktivitäten über Schulen organisiert, die sich „um gute Sportler reißen“. Behacker fragt sich aber, „ob die Amerikaner mit dieser Gestaltung des Sportunterrichts ein Vorbild sind“.
Die Befürchtungen, Mitglieder zu verlieren, seien aber unbegründet, sagt Behacker, wenn es zu einer intensiven Zusammenarbeit von Gesamtschulen und Vereinen komme. Die Vereine müssten „mit interessanten Angeboten und gut ausgebildeten Übungsleitern“ in die Schulen gehen. Einzelne Beispiele, wie eine solche Zusammenarbeit funktionieren kann, gäbe es in München bereits. Etwa das Projekt „Schule und Verein“, bei dem ein Vereinstrainer die Volleyball-Mannschaft einer Schule betreut.
Vereine, die eine solche Zusammenarbeit nicht verweigern würden, könnten von der Entwicklung sogar profitieren, meint Burkert: „Ich bin überzeugt, dass der Vereinssport auf diese Art Zulauf haben wird.“
![]()
Wiesbadener Kurier 25.9.
Die Kletterwand sei für die Schule eine ganz wichtige Einrichtung, da damit aktive Präventionsarbeit betrieben werden könne, betont Sommer mit Blick auf die vielen benachteiligten Schüler. Hier könnten die Jugendlichen geschult und gefordert werden, als Schlagworte nennt er Teamfähigkeit und die Erfahrungspädagogik. Zudem soll die Kletterwand in den Sportunterricht eingebaut und sogar im Physikunterricht Verwendung finden. „Da geht es um Reibung und vieles mehr aus der Physik“, ruft Ruppert in Erinnerung. Arbeitsgemeinschaften der Gesamtschule und der Beruflichen Schulen sollen außerdem angeboten werden.
An der Hahner Nordwand
Alpenverein und Berufsschule bauen Kletterwand in TaunussteinTaunusstein. Der Name war gestern schnell gefunden im kalten Untertaunus: Die „Hahner Nordwand“ ragt an der Rückseite der Turnhalle des Schulzentrums Hahn neun Meter hoch in die eisige Taunusluft. Rund 40000 Euro hat diese Kletterwand gekostet, ein bundesweit einmaliges Angebot an Schulen.
Kein Wunder also, dass sich Hans-Joachim Sommer, Leiter der Beruflichen Schulen Untertaunus, und Taunussteins Bürgermeister Michael Hofnagel (CDU) vorgenommen haben, einmal gemeinsam die neun Meter hohe und sechs Meter breite Wand zu bezwingen. Womöglich auch noch auf dem Teil, der oben drei Meter übersteht. Assistieren wird dabei sicherlich Klaus Ruppert, Sportlehrer an den Beruflichen Schulen und Trainer für das Sportklettern beim Deutschen Alpenverein, Sektion Wiesbaden. Er hatte die Idee, diese Kletterwand in Hahn zu bauen, und rannte damit sowohl bei den Schulen als auch beim Alpenverein offene Türen ein.
Dreiviertel der Kosten in Höhe von rund 40000 Euro übernahm der Alpenverein aus Wiesbaden. Das Geld stamme von einem Mitglied, das ungenannt bleiben wolle, so der Vorsitzende Michael Sauter. Schon lange habe man vergeblich nach dem Standort für solch eine Kletterwand gesucht, deshalb sei man froh und glücklich, in Taunusstein endlich fündig geworden zu sein. Wobei Sauter nicht vergaß, den Beruflichen Schulen ein großes Kompliment zu machen: Deren Hilfe sei „unbezahlbar“ gewesen.
Denn dort wurde schon vor den Sommerferien die gesamte Metallkonstruktion, auf die die braunen Wandmodule aus glasfaserverstärktem Kunststoff aufgeschraubt sind, hergestellt. Schüler des Bereichs Metallbau verarbeiteten dazu rund eine Tonne Edelstahl, die einzelnen Stahlträger waren bis zu neun Meter lang und 250 Kilogramm schwer. Fachlehrer übernahmen in den Ferien das Schweißen, damit anschließend Schüler und Mitglieder des Alpenvereins die Kletterwand montieren konnten. 500 farbige Griffe zeigen den Verlauf unterschiedlicher Klettertouren an, diese können ausgetauscht werden, damit es nie langweilig wird auf dem neun Meter langen Weg steil nach oben. Diese Wartungsarbeiten übernimmt die Schule.
Klaus Ruppert will noch eine Infotafel erstellen, auf der die einzelnen Schwierigkeitsgrade der verschiedenen Touren angegeben werden. Wobei sicher ist, dass die gelben Griffe eine WM-taugliche Route des zehnten Grads anzeigen werden. Nicht nur für den Bürgermeister „eine echte Attraktion für Taunusstein“. Die Beruflichen Schulen wollen künftig einmal im Jahr Klettermeisterschaften veranstalten, zuvor jedoch muss die Wand noch abgesichert werden. Ein Zaun soll dafür sorgen, dass Unbefugte außerhalb der Übungszeiten keine Dummheiten machen können. Am Übungsplan arbeitet der Alpenverein noch.
![]()
24.9. Frankfurter RundschauSchon für Schulkinder gilt: Mens sana in corpore sano
Der lateinkundige Volksmund behauptet: Mens sana in corpore sano - in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist. Die Deutsche Sporthochschule Köln hat das jetzt nachgeprüft und festgestellt, dass es tatsächlich stimmt. An zwölf Grundschulen wurden 668 Kinder auf körperliche und geistige Leistungsfähigkeit geprüft. Dabei zeigte sich, so Dr. Christine Graf vom Institut für Sportmedizin, dass sportliche Kinder auch im Konzentrationstest deutlich besser abschnitten.
"Im Zeitalter der Pisa-Studie dürfen solche Ergebnisse nicht unbeachtet bleiben", fordert die Sporthochschule. Es werde immer wichtiger, Kindern möglichst frühzeitig die Freude an einer gesunden ganzheitlich orientierten und aktiven Lebensführung zu vermitteln. Dies sollte bereits im Kindergarten, spätestens aber in der Grundschule konsequent umgesetzt werden. Übergewicht und Trägheit hätten nicht nur gesundheitliche Schäden zur Folge, sondern auch geistige.
Nach Angaben des Erfurter Sportpädagogen Professor Jürgen Court schaffen Zehnjährige bei einem sechsminütigen Dauerlauf heute 150 Meter weniger als vor zwanzig Jahren. Beim so genannten Jump-Test der Krankenkassen sprangen sie 1964 noch 1,71 Meter - heute nur 1,16 Meter weit. Insgesamt hat sich seit 1980 die körperliche Fitness der Kinder zwischen sechs und elf Jahren um 13 Prozent verschlechtert.
![]()
24.9. FAZ
Spielwiese VerfassungSport ist gut, und alles was gut ist, verdient staatlichen Schutz. So ist der Sport nun in die hessische Verfassung geraten; vierzehn der sechzehn deutschen Länder haben die Förderung körperlicher Ertüchtigung schon zum Ziel staatlichen Handelns erhoben.Das ist gut so, solange man nicht fragt, was damit gemeint ist. Natürlich Gesundheit und Integration, ist die wohlfeile Antwort, wie sie auch vor der Volksabstimmung in Hessen immer wieder zu hören war. Stimmt denn das? Ist mit Sportförderung nicht etwa auch die Fußball-Bundesliga gemeint? Selbstverständlich wird kein Ministerpräsident wiederholen, was vor gar nicht so langer Zeit der Bundeskanzler erwog: Finanzhilfe für die von der Kirch-Pleite betroffenen Klubs zu gewähren, Steuergeld für Millionäre auszugeben.
Allen Ländern und Gemeinden vorneweg treibt die hoffnungslos verschuldete Hauptstadt Berlin mit Sparvorstellungen von der Schließung von Schwimmbädern bis zu Gebühren für die Nutzung von Schulsporthallen Vereinsmitglieder zu Demonstrationen auf die Straße. Gleichzeitig modernisiert sie dem Bundesligaverein Hertha BSC das Olympiastadion, als bilde er die repräsentative Spitze der Idealvereine der Stadt und nicht ein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Unternehmen des Unterhaltungsgewerbes. Die Stadt ist mit dieser Großzügigkeit, die über ihre Verhältnisse geht, keine Ausnahme.
Das Elend des Sports ist tagtäglich zu beobachten. Zuwenig Bewegung und falsche Ernährung verursachen nicht nur bei Kindern Schädigungen, die längst zu volkswirtschaftlich relevanten Dimensionen aufgeschwemmt sind. Da müssen sich die Länder, ob sie den Sport grundgesetzlich schützen oder nicht, fragen lassen, warum der Schulsport auf geradezu tragische Art und Weise verkümmert: in der Zahl der Wochenstunden ebenso wie in der Ausbildung der Lehrer.
Die Politik setzt sich mit ihrer Art der Sportförderung dem Verdacht aus, vor dem Konkreten ins Vage zu fliehen, vor der Tat in die Geste. Auf der Tagesordnung der Bundespolitik wird in der kommenden Legislaturperiode ein Gesetz gegen Doping stehen, weil SPD und Grüne es sich auf die Fahnen geschrieben haben. Es ist der Versuch, dem Sport andere Maßstäbe zu diktieren als jedem anderen Teil der Gesellschaft.
Den Gipfel staatlichen Engagements für den Sport bildet eine Initiative des Bundesrates. Er hat die Europäische Gemeinschaft aufgefordert, das übernächste Jahr zum internationalen Jahr der Erziehung durch Sport auszurufen. Man wird das als nichts anderes verstehen müssen als die Selbstverpflichtung, dem Sport innerhalb der nächsten zwei Jahre endlich den angemessenen Platz in den Schulsystemen Deutschlands einzuräumen - eigentlich. Doch welches Land wird dazu heute die Ausstattung seiner Schulen und die Ausbildung seiner Lehrer verbessern?
19.9. Main-RheinerSchulsport einmal anders: Baseball, Frisbee, Inliner
Rund 900 Schüler der Pestalozzischule feiern eine „Sportsfun Fete“IDSTEIN – Schulsport ist mehr als Runden auf der Tartanbahn zu drehen oder auf dem Barren zu turnen. Das will die Pestalozzi-Schule am Mittwoch, 25. September, mit einer „Sportsfun Fete“ beweisen, an der fast alle der rund 1050 Gymnasiasten teilnehmen werden.
Auf der Sportanlage Zissenbach und in der Halle am Hexenturm wird dann einen Vormittag lang geklettert, jongliert, Inliner gefahren und Football gespielt.
Die Idee stammt von der hessischen Sportjugend im Landessportbund. „Es ist eine Kampagne, die den Freizeitsport in die Vereine und Schulen tragen will und bewusst von dem traditionellen Sportgeschehen weg führt“, erläuterte Rainer Seel von der Sportjugend bei einem Pressegespräch in Idstein. „In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf Aktionen, die nur im Team zu bewältigen sind“, stellte er neben dem sportlichen auch einen pädagogischen Bezug her.
Die „Sportsfun Fete“ besteht insgesamt aus 19 Stationen, für die die Sportjugend die erforderlichen Materialien zur Verfügung stellt. Die Organisationen der Pestalozzi-Schule haben für die einzelnen Klassenstufen Pflichtstationen und freiwillige Aktionen bestimmt, um die vielfältigen Aktionen an einem Schultag über die Bühne zu bringen. An mindestens drei Aktivitäten sollte sich jeder Schüler beteiligen.
Damit der Anreiz zum Mitmachen besonders groß ist, hat sich die Sportjugend einiges einfallen lassen. So werden das „körperlose“ Flag-Football und die „Basketball-Clinic“ mit Kooperationspartnern der Football-Profis von Frankfurt Galaxy und der Basketball-Könner der Opel Skyliners veranstaltet. Auch Frisbee, Baseball und Inliner dürften zu den Rennern gehören. Schwindelfreie können sich daran versuchen, wie hoch sie leere Wasserkästen stapeln und erklimmen können.
Die Teamarbeit steht vor allem bei den älteren Schülern im Mittelpunkt. Die Klassenstufe neun wird den von der Nassauischen Sparkasse mit Geldpreisen gesponserten Wettkampf im Teamklettern bestreiten. Dabei muss ein von zwei Seiten angeseilter Spieler einen an der Wand angebrachten Parcours ablaufen. Seine zweigeteilte Mannschaft hält und dirigiert ihn über die beiden Leinen.
Der Jahrgang zehn muss das „Spinnennetz“ bestreiten, bei dem alle Teilnehmer durch gemeinschaftliche Anstrengung durch ein Seillabyrinth finden müssen. Die elften Klassen müssen ebenfalls in Teamarbeit eine Seilbrücke bewältigen (die Abschlussklasse der Pestalozzischule nimmt wegen Kursfahrten nicht teil). „Für viele dieser Aktionen kann man auch eine spannende Geschichte erzählen“, deutete Seel an, wie zusätzlich Spannung erzeugt werden kann. Die siebten und achten Klassen tragen unter anderem ihren traditionellen Dreikampf aus Staffel, Weitsprung und Weitwurf aus.
Die Aktion „Sportsfun Fete“ findet rund zwölf Mal im Jahr an hessischen Schulen statt. Die Kooperation mit der Sportjugend ist dem stellvertretender Schulleiter Joachim Dietz zu Folge Resultat der Öffnung zu externen Organisationen. „Zum ersten Mal ist bei einem solchen Projekt die gesamte Schule dabei“, sagte er. Das betrifft auch das etwa 80-köpfige Lehrerkollegium und die Klassentufe zwölf die gemeinsam die Veranstaltung organisieren und die Stationen betreuen.
Sportlehrer Heiner Bolle zu Folge wird die „Sportsfun Fete“ nicht gleich den gesamten Sportunterricht revolutionieren. „Es ist zunächst einmal ein Erlebnistag, der aber sicherlich dazu animiert, kleine Teile davon einmal in der Freizeit zu machen oder in der Schule zu wiederholen.“ Die angestrebte Schulung der Teamfähigkeit solle auch in anderen Schulfächern ihren Platz finden.
Die „Sportsfun Fete“ hat folgende Sponsoren und Unterstützer: Sportjugend Hessen, Nassauische Sparkasse, J. Kowalt Hubwagen (Idstein-Kröftel), Getränke Hofmann (Idstein), DRK Idstein und die Eltern des Pestalozzi-Gymnasiums.
Die Materialien für eine „Sportsfun Fete“ und Beratung können Schulen und Vereine bei der Sportjugend Hessen, Otto-Fleck-Schneide 4, 60528 Frankfurt, anfordern.
![]()
Die Rheinpfalz 19.9.
Wunsch der Vereine: Judo soll im Schulsport Einzug haltenAm vergangenen Wochenende war Landau Dreh- und Angelpunkt der deutschen Judo-Elite. Allerdings wurden die Matten in der Turnhalle der Thomas-Nast-Schule nicht zu Wettkampfzwecken, sondern zum Training der Trainer ausgerollt. Sportlehrer und Schulsportbeauftragte aller Bundesländer waren angereist zum Bundes-Schulsportlehrgang 2002...
Damit Judo in der Gesellschaft besser Fuß fassen kann und die Sportart endlich "den Zulauf bekommt, den sie verdient", sollen die Schulen noch stärker als bisher als Partner der Vereine gewonnen werden. Die Sportart Judo sei mit ihren "erzieherischen Elementen" geradewegs dazu prädestiniert, in sämtliche Schularten auf breiter Basis Einzug zu halten. Dabei sei keinesfalls nur an den Wettkampfbereich á la "Jugend trainiert für Olympia" gedacht. "Soziale Komponenten" wie Disziplin, das "Stopp-Rufen" oder die Tatsache, dass ein Judoka immer einen Partner brauche, leisteten auch pädagogisch wertvolle Hilfe. Ein Extra-Lob erhielt das Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo die jüngste Lehrplan-Änderung den Sportbereich "Raufen und Kämpfen" im Stundenplan verankerte und so für Judoka - aber auch für Ringer - neue Möglichkeiten der Basisarbeit eröffnet. In diesem Sinne forderte Frese die Schulsportreferenten dazu auf, Kontakt mit den Vereinen aufzunehmen und um die Etats in den Landesverbänden zu kämpfen.
Apropos kämpfen: Judo ist eine Kampfsportart und so folgte den theoretischen Ausführungen die Praxis auf den Fuß. Unter der Anleitung von Hannes Daxbacher, Lehrreferent des DJB, ging es barfuß und im Kampfanzug, mit mehr oder weniger hochkarätigen Dan-Auszeichnungen dekoriert, auf die Matte. Trainiert wurde "Randori", ein Fast-Wettkampf, bei dem durch Nachgeben auch geworfen werden darf. "Keine Bewertung, kein Sieg, keine Niederlage" - entscheidend ist vielmehr ein vielseitiges Training von Wettkampfvariationen. Randori soll künftig auch in der Vereinsarbeit verstärkt werden - bundesweit.
![]()
13.9. Sportjugend NRW - PressemitteilungEinsatz für den Schulsport
"Schulleitungen und Lehrerkonferenzen müssen die Eckpunkte des Sportunterrichts sichern. Die Schulkonferenzen und die Fachkonferenzen Sport müssen für eine Stärkung von Bewegung, Spiel und Sport an den einzelnen Schulen eintreten. Im Rahmen der Schulmitwirkung sollten sich auch die Eltern sowie die Schülerinnen und Schüler für ein gutes und vielfältiges Bewegungs-, Spiel- und Sportprogramm an ihrer Schule engagieren." LandesSportBund-Präsident Richard Winkels will mit Beginn des neuen Schuljahres positive Akzente für den Schulsport setzen und möglichst an jeder einzelnen Schule ein Bündnis für den Schulsport schließen.
Im Jahr eins nach dem Pisaschock droht der Schulsport ins Abseits zu geraten. Der Schulsport war nicht in die Pisa-Studie einbezogen, und somit findet auch in der Diskussion um Bildung und Erziehung der Sport, also Bewegung und Spiel, nicht statt. Und was in der öffentlichen Meinung nicht stattfindet, fällt aus: Die "dritte Sportstunde", Sport als 4. Fach der Abiturprüfung, Sportförderunterricht und zusätzliche Angebote im außerunterrichtlichen Schulsport.
Hilfen "von oben" wie die aus PISA abgeleiteten Normierungs-, und Förderansätze - sind für den Schulsport nicht zu erwarten. Umso mehr hängt es von den Akteuren und Aktivitäten einer jeden einzelnen Schule ab, dass der Schulsport nicht weiter unter die Walzen von PISA gerät. Die bekannten Bewegungsmängel der Kinder- und Jugendlichen sind mindestens so schockierend wie die Mängel beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Deshalb ist es umso wichtiger, etwas "von unten" zu tun, um den Schulsport zu stärken.
"Toben macht schlau!" stellt die Professorin für Sportpädagogik, Dr. Renate Zimmer fest. Vielleicht ein weiteres Argument pro Bewegung, Spiel und Sport in den Zeiten von PISA. Aber neben solchen Transferleistungen erfüllt der Schulsport natürlich originäre Leistungen einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung in der Schule. Und dies in einer Bandbreite von z.B. psychomotorischer Förderung in Sonderschulen, berufsfeldbezogener Gesundheitsförderung im Berufskolleg, dem Üben und Trainieren sportlicher Technik in der Sekundarstufe 1 oder auch einer wissenschaftlich orientierten Ausprägung im Leistungskurs Sport der gymnasialen Oberstufe.
Die Forderungen, Deutsch und Mathematik notfalls auch auf Kosten anderer Fächer zu stärken, könnte bei falscher Umsetzung den Schulsport und die übrigen "musischen Fächer" bedrohen. Anderorts hat man längst eine erneute Kehrtwendung vorgenommen: Der US-Staat Texas hat beispielsweise nach massiven Klagen von Ärzten und Lehrern über den schlechten Gesundheitszustand der Schülerinnen und Schüler gerade den Schulsport wieder eingeführt, nachdem er zunächst abgeschafft worden war, um mehr Zeit für Lesen, Schreiben und Mathematik zu gewinnen.
![]()
Süddeutsche Zeitung 12.9.Der Verein pro Schulsport zweifelt an den Handlungen der Politik
Herr Herbert Baumgärtner ist 69 Jahre alt, Rentner, Kreisjugendwart im Bayerischen Tischtennisverband, wohnhaft mit Frau und Hund in Milbertshofen und ein leiser Mensch. Seine Stimme ist mit der Zeit brüchig geworden, er tut sich schwer, gegen andere anzubrüllen. Aber kämpfen will er, o ja, und das kann er auch, denn er hat da einen Zorn in sich, der nicht vergehen will. Herbert Baumgärtner ist Vorsitzender des Vereins pro Schulsport und steht damit an der Spitze einer kleinen Schar von Männern und Frauen, die etwas begriffen haben und wollen, dass es andere auch begreifen: Bewegung ist wichtig für das gesunde Heranwachsen von Kindern, gerade in diesen technisierten Zeiten. Und der Schulsport, der auch in diesem, nächste Woche beginnenden Schuljahr wieder zu wenig erteilt werden wird, ist ein wichtiges Mittel, um junge Menschen zur Freude an der Bewegung zu erziehen.
Aufklärung für die Basis
Eigentlich sollten das längst alle wissen, so viele Vorträge, Podiumsdiskussionen und Ärzteinterviews hat es schon zum Thema gegeben. Aber es wissen eben nicht alle. Und die Politik, die den Ton angeben müsste, um etwas zum Besseren zu bewegen, verändert wenig, lobt sich für geringe Fortschritte und wagt doch keine echten Angriffe. Herbert Baumgärtner macht das wütend. Er hat vor sechs Jahren erlebt, wie Bayerns Landesregierung am Schulsport Geld zu sparen begann, indem sie frei werdende Sportlehrerstellen nicht mehr besetzte. Wie sie die Ausfälle mit billigeren Übungsleitern zu ersetzen versuchte. Er hat den Aufruhr danach gehört, sich selbst an ihm beteiligt. Er hat gesehen, wie die Landesregierung scheiterte und langsam zurückruderte. Vor allem aber hat er festgestellt, dass der Fortschritt insgesamt gering war. Deshalb agitiert Herbert Baumgärtner, in den 70er Jahren Bundesliga-Trainer der Milbertshofener Tischtennisspieler, rastlos weiter für den Schulsport, sammelt Unterschriften, verfasst Petitionen und leitet seinen Verein, der eine Art Aufklärungsmaschine für die Basis sein soll.
Der Verein wird demnächst ein Jahr alt. Er ist nicht sehr groß, nur 20 Mitglieder stark. Aber er ist ein Symbol für den heiligen Ernst, den die Verfechter des Schulsports in ihren Kampf legen. Baumgärtner arbeitete davor für das „bayerische Aktionsbündnis für den Schulsport“, das auf Initiative des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) und seines Präsidenten Peter Kapustin entstand und eine Interessengemeinschaft aus verschiedenen Institutionen ist. Eltern, Schüler, Ärzte, Lehrer, Kirchen, Versicherungen sind in dem Bündnis vertreten. Herbert Baumgärtner half eifrig mit.
Aber er wollte beweglicher sein, einen eigenständigen Verein, der nicht bei jeder Entscheidung das Placet des BLSV-Chefs einholen musste. Außerdem: „Von den Institutionen kam wenig“, sagt Baumgärtner. Und es lockte die Aussicht, leichter Spenden sammeln zu können; dass das Konto des Aktionsbündnisses das des BLSV war, hemmte den Geldfluss. Also gründete er mit Ewald Wutz, heute Baumgärtners Stellvertreter, einst Leiter des Schulsportreferats im Kultusministerium, und fünf weiteren Mitstreitern den Verein pro Schulsport. Als Startkapital gab es 10000 Mark vom Deutschen Skiverband, dessen damaliger Generalsekretär Helmut Weinbuch zu den Gründungsmitgliedern zählte.
Die Arbeit wird dem Verein nicht ausgehen, auch wenn Ministerpräsident Edmund Stoiber dem Schulsport an Bayerns Schulen vor zwei Jahren einen Zuschuss von 10 Millionen Mark gewährte und die Zahl der erteilten Schulsportstunden leicht anstieg. Denn solche Aktionen kitten nur wenig, und im Nachhinein wirken sie oft wie eine etwas oberflächliche Gefälligkeitsgeste, die nur den ersten Unfrieden besänftigen soll.
Der Kampf geht weiter. In einem offiziellen Brief klärte das Kultusministerium im vergangenen Dezember alle bayerischen Gymnasien über Veränderungen für das Schuljahr 2003/2004 auf. Und diese Veränderungen beinhalten das Vorhaben, die offiziell für den Schulsport veranschlagte Stundenzahl von bisher zwei Stunden Basisunterricht und zwei Stunden Wahlpflichtunterricht in allen Klassen empfindlich zu kürzen. Demnach bleibt nur den fünften und sechsten Klassen das alte Deputat, den siebten und achten noch eine Stunde differenzierter Sportunterricht. Und in den höheren Klassen wird es gar kein zusätzliches Angebot an Pflichtschulsport neben dem zweistündigen Basisunterricht mehr geben. „Das Argument dafür ist“, sagt Heidi Repser, Leiterin des Schulsportreferats im Kultusministerium, „dass man hofft, die Schüler bis zur neunten Klasse soweit gebracht zu haben, dass die Hinführung zum lebenslangen Sporttreiben funktioniert hat.“
Ein weiter Schritt zurück
Das ist nicht sehr überzeugend, die Reform bleibt ein weiter Schritt zurück in der Schulsportentwicklung Bayerns. Wutz hält sie für eine „Schweinerei“. Und Baumgärtner erinnert sich an das Versprechen des Ministerpräsidenten, die dritte Schulsportstunde durchgehend zu sichern. „Stoiber ist ein Lügner“, sagt er und bleibt dabei. „Ich denk’ das halt offen. “
![]()
Trierischer Volksfeund 12.9.Sport tut nicht nur Vereinen gut
Kampagne stellt Wirken in der Gesellschaft herausDie "einzigartige Stellung" des Sports in der Gesellschaft will die Kampagne "Sport tut Rheinland-Pfalz gut" ins allgemeine Bewusstsein rufen. Die Botschaft soll gleichzeitig Programm sein.Ob Gesundheit, Geselligkeit oder Integration von Ausländern, der Sport hat prägende Kraft, wie der Präsident des Landessportbundes (LSB), Rüdiger Sterzenbach, betont. Nicht nur in der Lebensgestaltung der Menschen, sondern auch in den Perspektiven der gesamten Gesellschaft nimmt der Sport nach seiner Überzeugung eine zentrale Rolle ein.
In den nächsten vier Jahren sollen eine bundesweite Kampagne im Land aufgenommen und alle Sportveranstaltungen mit dem Motto "Sport tut Rheinland-Pfalz gut" begleitet werden. Man wolle das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen, sagte Sportbund-Präsident Manfred von Richthofen bei der Präsentation der Kampagne in Mainz. Ziele der Aktion sind unter anderem auch ein stärkeres Gewicht für den Schulsport und die Gesundheitsvorsorge über Angebote in den Vereinen. Nach langem Nachhaken haben die Kultusminister der Länder laut Richthofen nun signalisiert, im bundesweiten Vergleich die Situation des Schulsports zu erfassen. Auf diesem Gebiet stehen andere EU-Länder nach seinen Angaben besser da als die Bundesrepublik. Es gehe nicht um zusätzliche Hochleistungskader, sondern um die erschreckende körperliche Verfassung von Millionen Schulkindern, so Richthofen. Bei der Gesundheitsvorsorge wollen sich die Sportvereine künftig ebenso verstärkt einbringen wie bei Seniorenprogrammen. Angesichts einer stark zunehmenden Nachfrage älterer Menschen unter sportlichen wie geselligen Aspekten ist dort nach Auffassung der Sportbünde eine verstärkte Unterstützung von Seiten der Kommunen notwendig.
In Rheinland-Pfalz sind rund 1,5 Millionen Menschen in mehr als 6200 Sportvereinen organisiert. Mehr als 150 000 ehrenamtliche Mitarbeiter erbringen nach Rechnung von Sterzenbach unentgeltliche Leistungen im Gegenwert von fast 200 Millionen Euro jährlich. Mehr als 35 000 Übungsleiter, Trainer und Betreuer sind in den Vereinen aktiv. Über 200 Angebote im Gesundheitssport mit speziell ausgebildeten Übungsleitern halten die Vereine mit dem Qualitätssiegel "Sport pro Gesundheit" bereit.
Als eine einmalige Chance, Jugendliche über ein qualifiziertes Angebot für die Vereine zu gewinnen, wertet Sterzenbach die Einführung der Ganztagsschule und die daraus erwachsene Zusammenarbeit mit dem Sport. Die bedeutende gesellschaftliche Rolle des Sports würdigte Ministerpräsident Kurt Beck. Neben der ehrenamtlichen Vorbildfunktion und den gesundheitlichen Aspekten gehe es beim Sport auch um Freude, Miteinander und geselliges Erleben, sagte der Regierungschef. Das Land fördert den Sport mit rund 35,5 Millionen Euro jährlich.
![]()
Ostthüringer Zeitung 8.9.Verbindung von Schul- und Vereinssport
600 Kinder begeistern sich für Sport
Kann Sport doch was Tolles sein! Selbst Bewegungsmuffel konnten gestern Vormittag im Zeulenrodaer Waldstadion nicht anders - sie mussten einfach mitmachen!Auf der Tagesordnung stand zunächst mit dem Absolvieren der Disziplinen für die Bundesjugendspiele "richtiger Sport": 50-Meter-Lauf, Weitsprung, Ballweitwurf. Doch das war schnell erledigt, und so hatten die Grundschüler aus Zeulenroda, Triebes, Auma und vom Förderzentrum ausgiebig Gelegenheit, all die anderen Angebote ihres Sport- und Spielfestes zu testen. Und das waren jede Menge!Den Hut auf für diese sportliche Großveranstaltung mit rund 600 Kindern hatte Schulsportkoordinatorin Ute Spreda. Ihr ist mit der Verbindung von Schulsport und Sportvereinen wohl ein großer Wurf gelungen. Denn die Vereine aus der Region gaben diesem Vormittag die eigentliche Würze. Gut ein Dutzend Vereine präsentierten sich und ihre Angebote. Dazu gesellten sich noch das Spielmobil des Freizeitzentrums, der Landessportbund mit Hüpfburg und Kistenklettern und sogar Zeulenrodas Feuerwehr. Die Kinder jedenfalls waren begeistert. Die beiden Michelles, Kathleen und Julia aus der Solle-Grundschule schwärmten vom Reiten, von der Kletterwand und hatten es ziemlich eilig, noch zur Hüpfburg zu kommen. Michael Saller aus Gütterlitz hatte nach Tischtennis, Hüpfburg nun Frank Rohleder vom Karate Do -Verein entdeckt.Auch Ute Spreda zeigte sich begeistert. Ihr Dank galt vor allem den Vertretern aus den Vereinen, die mit soviel Ideen dabei waren und den Tag tatsächlich zu einem Fest gestalteten. "Manche von den Leuten aus den Vereinen haben sogar Urlaub genommen, um hier ihre Angebote zu präsentieren", meinte die Schulsportkoordinatorin anerkennend. Und auch Kreissportbund-Chef Uwe Jahn freute sich über die "Super-Veranstaltung".Danken möchte Ute Spreda neben den teilnehmenden Vereinen auch den Städten Zeulenroda, Auma und Triebes, die wie die Sparkasse Gera-Greiz finanzielle Unterstützung gaben. Dass es bestens angelegt war, davon konnte sich gestern Vormittag im Waldstadion jeder überzeugen. Und wer weiß - vielleicht hat ja tatsächlich der eine oder andere Bewegungsmuffel unter der Fülle der Angebote seine Sportart gefunden. "Das wär mein Traumziel", gibt Ute Spreda zu und hofft, dass die Veranstaltung Schule und Vereine wieder näher zusammen gebracht hat.
![]()
Darmstädter Echo 7.9.
Sportabzeichen: 22 Millionen Verleihungen seit 1952
Schüler und Senioren tragen den Fitness-WettbewerbEs gibt ihn noch, den Sportorden des kleinen Mannes. Im Jahr 2002 jährt sich zum 50. Mal das Datum der Wiederbelebung nach dem Zweiten Weltkrieg (am 1. April 1952). Der erste Bundespräsident Theodor Heuss verbriefte 1958 das Deutsche Sportabzeichen im Ordensrecht als staatlich geschütztes Ehrenzeichen, wie das Bundesverdienstkreuz. Eigentlich ist die Fitnessnadel für jedermann viel älter: Carl Diem importierte die Idee schon 1913 aus Schweden.
„Schön, so weit zu kommen“, unterstreicht eine der vielen Werbebotschaften, die auf dem Freizeitmarkt herumschwirren. An pfiffigen Parolen sowie prominenten Botschaftern aus dem Spitzensport mangelt es nicht. Dennoch tut sich der Deutsche Sportbund (DSB) heute nicht leicht mit dem Sportabzeichen. Es muss sich auf dem schnelllebigen Freizeit-, Fitness- und Gesundheitsmarkt bewähren. Orden und Ehrenzeichen, sowie diszipliniertes Üben in der Freizeit sind bei jungen Erwachsenen out. Entwickelt im traditionellen Sportweltbild, reduziert auf Kernsportarten und Grundbewegungen, gedeiht es im Verborgenen, in Tausenden von kleinen Zellen – den Sportabzeichen-Stützpunkten. Dort bewegen seine Statthalter Jahr für Jahr überwiegend ältere Klientel und Wiederholer. Auch die Heerschar der Prüfer gehört in die Altersklasse der Senioren. Bei der wichtigen Zielgruppe der 30- bis 50-Jährigen (minus sechs Prozent im letzten Jahrzehnt) und bei den Teenagern ist mit dieser „individuellen Herausforderung“ kein Staat zu machen.
Die Zahl jährlicher Abnahmen erreicht die Millionengrenze – 2000 waren es 950 000. Ein Ziel das der DSB schon in den frühen achtziger Jahren zu überschreiten gedachte. Zulauf (plus 17 Prozent im letzten Jahrzehnt) erfuhr der Wettbewerb dank der Wiedervereinigung und der Aufbruchstimmung in den neuen Ländern, sowie Schulsportwettbewerben (plus 50 Prozent) in einem Dutzend der 16 Bundesländer: Die Barmer Ersatzkasse und Landessportbünde sorgen mit Geldprämien für die Sieger für materielle Anreize. Mit der Abnahme des Sportabzeichens im Schulprojekt oder Sportunterricht wird der Nachwuchs unterschwellig dienstverpflichtet.
In der Satzung hat der DSB seine Fürsorgepflicht für das Sportabzeichen verankert. In der Statistik werden in den letzten fünf Jahrzehnten über 22 Millionen Verleihungen in über 80 Ländern ausgewiesen. DSB-Präsident Manfred von Richthofen berichtete jüngst beim 10. Halleschen Sportabzeichentag von einer Einladung aus Chile, wo der deutsche Sportorden lebhafte Verbreitung findet: „Das Sportabzeichen tut Deutschland gut. Es ist nach wie vor das erfolgreichste Auszeichnungssystem außerhalb des Wettkampfsports.“ Und Exportartikel. In den neuen Ländern herrscht Nachholbedarf. Sachsen-Anhalt ist mit der Verdopplung von 1998 (gut 10 900) bis 2002 (20 400) und rund 86 000 Plaketten in zehn Jahren Marktführer. In den alten Bundesländern dagegen kämpft der Jedermann-Wettbewerb mit einem zwar gelockerten und reformierten, aber immer noch steifen und traditionsorientierten Reglement. Vielseitigkeit und Offensivgeist der Regie in der DSB-Zentrale in Frankfurt sorgen für den Brückenschlag. Neben Grundbewegungsarten – Laufen, Werfen, Springen, Schwimmen, Radfahren oder Skilanglauf – soll zum Beispiel Inlineskating, die junge Genration locken. In der Praxis aber verfügen Stützpunkte oft weder über ausgewiesene Strecken noch über geschultes Personal, das mit Trends und moderner Jugendsportkultur vertraut ist. Das gestalterische Element wird zugleich durch bürokratischen Aufwand (Leistungstabellen, Urkunden, Abzeichen, Statistik) gezügelt...
![]()
Ärtztezeitung 5.9.
Stretching beim Sport ist sinnvoll, nicht aber vor einem Wettkampf
Bevor es mit Dehnübungen losgeht, müssen die Muskeln warm sein
Sind Dehnübungen für die Katz, wenn es darum geht, beim Sport Muskelkater und Verletzungen zu vermeiden? Das legt zumindest eine Studie aus Australien nahe. Wird, wie beim Stretching, jedoch langsam gedehnt, kann dies das Verletzungsrisiko durchaus vermindern, sind deutsche Sportmediziner überzeugt.Kaum ein Sportler, ob Profi oder Gelegenheitsjogger, verzichtet auf die Prozedur: Vor und nach dem Training werden einige Minuten lang die Muskeln gedehnt. Diese Zeit kann man sich sparen, urteilen Forscher der Universität Sydney in Australien. Egal ob die Muskeln vor, während oder nach dem Sport durch Stretching gedehnt werden, hat demnach keine signifikanten Auswirkungen auf das Verletzungsrisiko oder auf die Stärke des Muskelkaters, folgern sie aus einer Analyse von fünf Studien zu Stretching.
So pauschal kann man dies jedoch nicht sagen, berichtet Professor Dietmar Schmidtbleicher von der Universität Frankfurt der "Ärzte Zeitung". Schließlich gebe es auch genug Studien, die das Gegenteil belegten. Stretching, das heißt die Muskeln werden langsam gedehnt und die Dehnung wird lange gehalten. Dies, so der Sportmediziner, vermindere den Muskeltonus. Damit bringen die Muskeln zwar nicht mehr die maximale Kraft, das Verletzungsrisiko sinke jedoch ebenfalls.
Anders sehe es aus bei kurzen wippenden und zerrenden Dehnübungen, wie sie oft zur Leistungssteigerung vor dem Sport gemacht werden. Diese erhöhten den Tonus, damit die Muskelleistung, aber auch das Verletzungsrisiko.
"Entscheidend ist also, wer dehnt", so Schmidtbleicher. "Wer in den Wettkampf geht, darf vorher nicht stretchen, sonst reduziert er damit seine Siegchancen, für Hobbysportler ist Stretching aber prima."
Und hilft Dehnen gegen Muskelkater? Nicht unbedingt, so Schmidtbleicher. Wenn nach dem Sport bereits Mikrorisse in den Muskelfasern bestehen, können sie durch Dehnen vergrößert werden.
Solche Mikrorisse, die zu Muskelkater führen, können auch dann entstehen, wenn Muskeln beim Dehnen vor dem Sport noch kalt sind, warnt Professor Klaus Jung aus Mainz und rät: Erst Lockerungsübungen, dann Stretching.
![]()
3.9. Stuttgarter NachrichtenHohe Ausgaben für Schulunfälle
Bewegungsmangel ist nach Ansicht von Versicherungen die Hauptursache für die nach wie vor hohe Zahl von Schulunfällen"Schlechte Kondition der Schüler und Bewegungsmangel fördern Unfälle. Die Koordination der Bewegungen ist deutlich schlechter als noch vor Jahren", sagte Günter Planner, der stellvertretende Geschäftsführer des Württembergischen Gemeindeunfallversicherungsverbandes (WGUV). Der WGUV ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Württemberg. 2001 hat der Verband 22,5 Millionen Euro ausgegeben, um Unfallfolgen bei Schülern zu heilen, das waren 2,5 Millionen Euro mehr als 1997.
Die Zahl der Schulunfälle in Baden-Württemberg ist laut Planner seit 1997 von 176 000 auf 190 000 im vergangenen Jahr gestiegen. Ein Drittel der Unfälle passiere in der Pause, etwa bei Prügeleien oder durch Stürze. "Wir brauchen attraktive Schulhöfe, wo Schüler sich gerne bewegen", forderte Planner. "Der Pausenhof muss nicht eine betonierte Fläche von 100 Quadratmetern sein, sondern er kann gestaltet werden." Zu den meisten Unfällen komme es seit Jahren im Sportunterricht (47 Prozent), erläuterte Planner. Oft stehe dort der Leistungsgedanke zu sehr im Vordergrund.
![]()
Weser-Kurier 29.9.Schulsport kontra Playstation
Kampfkunst Karate hält Einzug in die Schule / Vereine sorgen für Unterrichtsqualität
Ganderkesee. Sportlehrer und Trainer schlagen seit langem Alarm. Die Schüler werden immer unsportlicher. Laut einer Studie der Universität Karlsruhe haben sich die sportlichen Leistungen von Grundschülern seit 1976 um 20 Prozent verschlechtert. Im gleichen Zeitraum verdoppelte sich die Zahl der übergewichtigen Kinder. Bald jeder dritte Zehnjährige wiegt zu viel, Pizza und Playstation verdrängen die Grundfertigkeiten Laufen, Werfen und Springen.
Mit einem interessanten Angebot steuern jetzt die beiden Ganztagsschulen entgegen. 15 Schüler haben sich für den Karate-Schnupperkurs angemeldet, den die Schule für Lernhilfe und die Hauptschule Ganderkesee am Donnerstagnachmittag in Zusammenarbeit mit dem Karatetrainer Thomas Windhorst anbieten. Die Schüler proben sich in der japanischen Kampfkunst, die ihnen ungewohnte körperliche Herausforderungen bietet. Gefordert werden die Hand-Auge-Koordination, Gleichgewichtssinn sowie eine gute allgemeine körperliche Fitness. „Wenn wir so weiter machen, sind wir bald besser als Jackie Chan“, formulierte einer der Schüler bereits während der zweiten Sportstunde. Doch bis dahin ist es wohl noch ein langer Weg.
Je neun Stunden liegen und sitzen, fünf Stunden stehen und nur eine Stunde Bewegung. So teilte sich der durchschnittliche Tag von 1000 Kindern zwischen sechs und zehn Jahren auf, die für die Studie der Uni Karlsruhe über sieben Tage ein Bewegungstagebuch geführt haben. Bewegungsmuster, aus denen heraus sich keine Athleten entwickeln können. „Dabei ist Fitness eine der Grundvoraussetzungen zum körperlichen Wohlbefinden“, sagt Günter Westermann, Sportdirektor der Bezirksregierung Weser-Ems.
Auch er sieht bei vielen Kinder motorische und konditionelle Defizite. „Die Bewegungskoordination vieler Kinder ist deutlich schlechter als noch vor 20 Jahren.“ Auf der anderen Seite gebe es aber auch hochmotivierte und talentierte Kinder, denen sich heute mehr Möglichkeiten böten als je zuvor. Trend- und Streetsport halten wie auch die Kampfkünste langsam Einzug in die Schule, zudem wird der Leistungssport zunehmend regionalisiert, um effizienter und vor allem früher fördern zu können. „Der Schule komm hierbei eine ganz zentrale Bedeutung zu, weil sie alle Kinder erreicht“, so Westermann. Doch längst nicht jeder Schüler will auch erreicht werden. Die Leistungsschere klafft immer weiter auseinander.
Einer der Auswege könnten Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen sein, um das schulische Sportangebot qualifizierter zu gestalten. Diesen Weg sind die beiden Ganderkeseer Ganztagsschulen gegangen, als sie sich mit Windhorst auf einen auf die Schule abgestimmten Karateunterricht verständigten. Den Schülern sollen keine Techniken beigebracht werden, die geeignet wären, jemanden anderen zu verletzen. Entsprechend klar ist die Marschroute in der Halle am Habbrügger Weg. „Wer hier jemanden anderen schlägt oder gar verletzt, fliegt raus und kann sich morgen beim Schulleiter melden“, sagt der lizensierter Karatetrainer und Träger des 2. Dan (Schwarzgurt).
Windhorst will seine Gruppe im ersten Halbjahr an das traditionelle Karate heranführen, ihnen die für eine Kampfkunst notwendige Disziplin vermitteln und eine der Formen (Kata) beibringen. Hierbei handelt es sich um eine festgelegte Reihenfolge von Karate-Bewegungen, die einen Kampf mit einem imaginären Gegner symbolisieren. Gerfordert werden hierbei Genauigkeit und Dynamik in den Bewegungen. Zudem zeigt transportiert das Erlernen dieser Formen den defensive Ansatz des traditionellen Karate-Do, des Weges der leeren Hand. Alle Formen beginnen mit einer Verteidigung, es gibt keinen ersten Angriff.
„Beim Karate wird die Fitness der Schüler verbessert, da der ganze Körper trainiert wird“, beschreibt Windhorst. Die Konzentrationsfähigkeit der Trainierenden wird besser, außerdem wird Stress abgebaut, fasst er seine Erfahrungen aus seiner inzwischen neunjährigen Trainer-Arbeit zusammen. Am Ende der Strapazen winkt für die Ganderkeseer Schüler die erste Gürtelprüfung oder das Karate-Sportabzeichen
![]()
28.8. Pforzheimer ZeitungSport und Erziehung
IOC zurück zu Coubertin'schen WertenDas Internationale Olympische Komitee (IOC) will die von Urvater Pierre de Coubertin aufgestellten Erziehungsregeln wieder ins Zentrum der Arbeit rücken. Welchen pädagogischen Wert der Sport haben kann, diskutierten in Wiesbaden knapp 300 Vertreter aus über 150 Nationalen Olympischen Komitees (NOK) auf dem IOC-Forum «Erziehung durch Sport»
«Die Satzung des IOC fordert die Beachtung der erzieherischen Werte. Die Freude an der Leistung, der Wert des guten Beispiels und der Respekt vor den ethischen Prinzipien sind dabei tragende Säulen», erklärte Norbert Müller, Mitglied der IOC-Kommission für Kultur und Olympische Erziehung und Präsident des Coubertin-Komitees.
«Teamgeist, Risikobereitschaft, der Umgang mit Niederlagen und Siegen und auch Toleranz werden beim gemeinsamen Sporttreiben vermittelt», meinte Deutschlands erfolgreichste Olympionikin Birgit Fischer. Die frühere Weltklasse-Kanutin ging in ihrem Erfahrungsbericht aber noch einen Schritt weiter. Besonders der in Vereinen organisierte Sport, habe einen erzieherischen Wert, denn dort werde in der Gruppe und unter professioneller Anleitung gelernt.
«Die so genannten Fun-Sportarten sind Modeerscheinungen, die Kinder heute beginnen und morgen schon langweilig finden», sagte die Kanu-Bundestrainerin und plädierte für den Erhalt der traditionellen Sportarten im Programm der Olympischen Spiele. Fischer: «Fun- Sportarten brauchen Olympia nicht.»
Eine Reihe von Reden zu den schulischen und universitären Begleitprogrammen für die Spiele in Athen (2004), Turin (2006) und Peking (2008) warfen bei den Vertretern von Entwicklungsländern grundlegende Fragen auf. Wie solle man Erziehung durch den Sport bewerkstelligen, wenn es in vielen Ländern nicht einmal geregelten Unterricht für alle, geschweige denn Schulsport gebe?
Eine mögliche Antwort lieferte der ehemalige Langläufer Kipjoge Keino, der in seinem Heimatland Kenia mit diesen Problemen kämpft. Nach seiner Sportlerkarriere Ende der siebziger Jahre adoptierte er 90 Kinder und gründete eine eigene Schule auf seinem Grundstück. Kunst und Sport stehen ganz oben auf dem Programm, erzählte Keino. «Die Kinder lernen im Sport, ihre Ziele in kleinen Schritten zu erreichen.» Für sein humanitäres Lebenswerk soll Keino nach Angaben Müllers den Fair-Play-Preis 2001 des Internationalen Fair-Play- Komitees erhalten.
Erfahrungsberichte von ehemaligen Sportlern, ein Abriss über Rassismus in der Geschichte der Spiele sowie Vorstellungen einer Internetschule und Olympischen Akademie ließen den Delegierten nur wenig Raum für Diskussionen. Den IOC-Verantwortlichen sei im Vorfeld des «Jahres der Kultur und Bildung» (2003) aber vor allem wichtig gewesen, die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, sagte der Vorsitzende der Kommission für Kultur und Olympische Erziehung, Zhenliang He.
![]()
Wiesbadener Kurier 27.8.Schulkinder denken olympisch
In die Rhein-Main-Bewerbung sind einige Schulaktionen integriertWiesbaden. Es ist in der Tat noch ein Weilchen hin bis zum Jahr 2012. Doch gerade im Rhein-Main-Gebiet gibt es nicht wenige Menschen, die sich konkret damit beschäftigen, was in zehn Jahren Stand der Dinge sein soll. Es sind Visionen. Träume. Sie stellen sich vor, wie im Schatten des Frankfurter Messeturms ein Feuer brennt. Nicht irgendein Feuer – das olympische Feuer. Die Menschen im Rhein-Main-Gebiet sind heiß auf die Olympischen Spiele 2012. 83 Prozent, das ergab eine Umfrage, können sich das weltgrößte Sportereignis in ihrer Region gut vorstellen. Ob es sich das Nationale Olympische Komitee gut vorstellen kann, stellt sich im April 2003 heraus.
Die Schulkinder der Region sollen in die Kampagne integriert werden. Neben der Olympia-Bewerbung als solche wurden gestern im Wiesbadener Rathaus die Schulaktionen vorgestellt. Allerdings hatte längst nicht jede der 76 Wiesbadener Schulen einen Repräsentanten entsandt. Weniger als ein Viertel zeigten Interesse an der Veranstaltung.
Zum Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien wurde in allen Schulen der Region das Heft „Startklar für OlympJa“ (mit unterschiedlichem Inhalt für Grundschüler, Schüler der Sekundarstufen 1 und 2) verteilt, in denen die olympische Idee und die Planungen im Rhein-Main-Gebiet beschrieben sind. Und die sich wunderbar in den Schulunterricht integrieren ließen, wie Sonja Student, die Geschäftsführerin der verantwortlichen Kiko-Redaktion, hinzufügte. Ohnehin ließen sich mit dem Thema Olympia neben dem Sport auch Geschichte, Gesellschaftskunde, Kunst und Musik, Ethik, Wirtschaft und Erdkunde anschaulich vermitteln.
Darüber hinaus sind eine Vielzahl von sportlichen und kreativen Wettbewerben geplant. Kinder malen, singen Lieder, schießen Fotos, drehen Filme. „Und beschäftigen sich mit einem Thema, von dem sie in der Zukunft betroffen sind“, ergänzte Student. Etwa am Weltkindertag am 20. September sind alle hessischen Schulen aufgerufen, ihren eigenen Schul-OlympJa-Tag durchzuführen. Wie der aussehen könnte, können sich die Schüler ausdenken oder im Magazin nachlesen.
Sportlich gehts bei der Aktion „Laufen und Rollen rund um die Welt“ zu. Hier zählt jeder Meter. Schulkinder joggen, laufen, walken oder rollen mit ihrem Rollstuhl und sammeln gemeinsam mit ihren Schulkameraden so viele Meter wie möglich – bis zum 31. März 2002. Jeden Monat werden T-Shirts und Freikarten zu Sportveranstaltungen verlost. Und wer weiß: Vielleicht befinden sich darunter die Olympiasieger von morgen? Von 2012.
Startklar nur in der Broschüre
![]()
Stuttgarter Nachrichten 15.8.
"Schulsport liegt im Argen"
IOC-Vizepräsident rügt KultusministerBerlin/Stuttgart (lsw/stn) - Für die Stärkung des Schulsportes und den Ausbau der Eliteschulen haben sich IOC-Vizepräsident Thomas Bach und DSB-Vizepräsident Ulrich Feldhoff ausgesprochen. Bach kritisierte am Mittwoch in Berlin die Kultusminister der Länder und warf ihnen vor, die soziale Komponente des Sportunterrichtes zu unterschätzen.
"Der Schulsport liegt sehr im Argen", sagte Bach auf einer Pressekonferenz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. "Die Kultusministerkonferenz sieht ihn vielleicht ein bisschen als Bewegungs-Tralala. Die Kultusminister tun sich aber keinen Gefallen, wenn sie den Schulsport stiefmütterlich behandeln." Die deutsche Olympia-Bewerbung für 2012 werde dem einen oder anderen Ministerpräsidenten möglicherweise einen Denkanstoß geben, meinte der Fecht-Olympiasieger von 1976.
Feldhoff rief private Geldgeber auf, stärker als bisher die Eliteschulen des Sports zu fördern, die zu 95 Prozent aus staatlichen Mitteln finanziert werden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bezuschusst die bundesweit 37 Schulen mit 267 000 Euro im Jahr. "Es gibt erheblichen weiteren Bedarf. Die Komplementärfinanzierung ist viel zu gering", sagte Feldhoff. Er hofft, dass sich neben der Wirtschaft auch die künftige Bundesregierung beteiligen wird. Von allen deutschen Medaillengewinnern bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City haben 81 Prozent in ihrer Jugend eine Eliteschule besucht. Da es in den alten Bundesländern nur 16, auf dem Gebiet der früheren DDR aber 21 dieser Einrichtungen gibt, würden mittlerweile viele Sportler nach Ostdeutschland gehen, weil dort die Chancen besser seien, fügte Feldhoff hinzu. Die vielen weißen Flecken im Westen seien eine gravierende Schwäche. "Über Sinn und Zweckmäßigkeit kann es keine Diskussion geben. Dieses System ist international Standard, aber wir tun uns in Deutschland schwer mit der Umsetzung", sagte Feldhoff.
Auch in Baden-Württemberg gibt es immer wieder Auseinandersetzungen um den Schulsport. Die Sportverbände kritisieren, dass an vielen Schulen nur ein Teil des vorgesehenen Sportunterrichts erteilt wird. Vielerorts seien zwei Sportstunden wöchentlich die Regel, obwohl in der Stundentafel drei Stunden eingeplant seien und die Schüler diese auch dringend bräuchten.
![]()
Main-Rheiner 15.8.Das wird kein normales Schulsportfest
„Sportsfun-Fete“ an der Ebertschule/Vom Inline-Skaten bis zur „Basketball-Clinic“Es werde „kein normales Schulsportfest“, sagte der Sportfunktionär. In der Tat: Was am kommenden Dienstag für einen Tag lang die Friedrich-Ebert-Schule und ihre 570 jungen Menschen in den Bann schlagen soll, gleicht eher einer Leistungsschau des modernen Sports, geprägt von Bewegungs- und Teamaufgaben mit psychologischem Hintergrund.
Zeitgemäßer Sport steht vor der Aufgabe, junge Menschen dem organisierten und Schulsport zu erhalten. Dem stellt sich die Sportjugend Hessen mit so genannten „Sportsfun“-Ereignissen, gesponsort von der Sparkasse. Die Jugend saust auf Inline-Skatern, erprobt sich in Freeclimbing, Flag Football, Basketball Clinic, in Spinnennetz und Schluchtüberquerung.
Die Sportjugend nun, so sagte deren Freizeitsport-Referent Matthias Kringel bei der Vorstellung der Sportsfun-Fete, wolle mithelfen, den Vereins- und Schulsport für Jugendliche interessanter zu gestalten. Dies solle geschehen, indem man die Mode-Sportformen ins Angebot integriere. Die Nachricht hierfür laute, Vereine seien der bessere Ort und Hort als Fitness-Studios und Vereinzelung. Es gelte dabei aber auch, die Haltung der Sportvereine aufzubrechen, wonach alles, „was jenseits unseres Regelwesens passiert, für uns nicht interessant ist“. Die Jugend, so Kringel, sei im übrigen alles andere als sportmuffelig. „Die Bewegungsfreude nimmt zu. Mehr als 60 Prozent der Kinder bis 14 sind in Vereinen organisiert.“
Dieter Koschate, Fachleiter für Sport an der Ebert-Schule, und Rektor Christian Gräf haben für Dienstag 16 Übungsfelder in Aussicht gestellt, von Kistenklettern bis Inline-Parcours, von Teamklettern bis Seilbrücke, von Rope Skipping (Seilspringen) bis Frisbee, von Flag Football bis Basketball vom Jonglage bis Tischtennis, von Basket- bis Baseball. Und: Die Teilnehmer am Olympischen Klettern können sogar die Olympiafanfare ertönen lassen. Die allerdings hängt in sieben Meter Kistenhöhe.
![]()
14.8. Frankfurter RundschauStartklar nur in der Broschüre
Schüler sollen vorolympisch Lust auf Bewegung kriegen, aber der Sportunterricht kränkeltVon Peter Hanack
"Startklar für Olympia" - so sind die Broschüren betitelt, die Hessens Schüler und Schülerinnen dieser Tage in ihren Klassenzimmern finden. Lust auf Bewegung von Kopf und Körper sollen die Werbeheftchen von Landesregierung und Olympia-Büro machen - die Wirklichkeit des Schulsports indes sieht oft einige Graustufen trister aus als die schöne bunte Olympiawelt.
Die Bilanz war alles andere als erbaulich. Der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Main-Kinzig hatte im Laufe des vergangenen Schuljahrs gefragt, wie es denn um den Schulsport in Hanau und Umgebung stehe. Das Zeugnis, das die GEW-Funktionäre ausstellten, hätte einem Schüler zur Versetzung kaum genügt. Note: "mangelhaft". Die Rückmeldungen, die die GEW von 32 der 60 angeschriebenen Schulen erhielt, strotzten nur so von Anmerkungen wie "Deckenplatten verschimmelt", "Boden schadhaft" oder "keine Duschen vorhanden". Turnhallen waren in einem oft erbärmlichen Zustand, häufig weit von den Schulen entfernt oder wegen anderer Veranstaltungen für den Sportunterricht nicht benutzbar. Es mangelte an Fachlehrern, ordentlichem Gerät oder einfach nur am Willen, die bis Klasse 8 laut Stundentafel vorgeschriebene dritte Sportstunde auch zu erteilen.
Und der Main-Kinzig-Kreis ist beileibe kein Einzelfall. Wie dort sieht es nach Beobachtung der GEW vielerorts in Hessen aus. "Der Sportunterricht ist ein Stiefkind der hessischen Schulpolitik", urteilte denn auch der GEW-Landesverband in einer Stellungnahme zum Jahr des Schulsports. Der Satz ist schon ein gutes Jahr alt, verbessert hat sich die Situation seitdem kaum. "Nach Pisa", so fürchtet Rolf Dober von der GEW-Landessportkommission, "könnte es für den Schulsport sogar noch schwieriger werden." Schon in der Vergangenheit sei die Tendenz zu beobachten gewesen, dass der Sportunterricht zugunsten der "harten" Fächer wie Englisch und Deutsch vernachlässigt werde, nicht selten auf Druck der Eltern. Das schlechte Abschneiden deutscher Schüler beim Pisa-Leistungsvergleich könnte den Verteilungskampf an den Schulen nun weiter in diese Richtung drängen, die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen auf Kosten des Sports zu stärken.
Dabei werden Politiker, Lehrer und Sportfunktionäre nicht müde, die immense Bedeutung des Sports für Gesundheit, soziales Lernen und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen zu betonen. Die von Landesregierung und Frankfurter Olympia-Büro initiierte Aktion "Startklar für Olympia", mit der Lehrer und Schüler für olympische Ideale und die Bewerbung Frankfurts und der Region um die Sommerspiele 2012 begeistert werden sollen, belegt den Stellenwert, den die offizielle Politik dem Thema beimisst. Immerhin 260 000 aufwendig gestaltete Werbebroschüren wurden dieser Tage an den Schulen verteilt. "Schulsport ist die Chance, jungen Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und Kulturen einen positiven Zugang zur Bewegung zu verschaffen", sagt Stefan Haid, Vorsitzender der Sportjugend Hessen. Und dieser positive Zugang sei dringend geboten angesichts motorischer Defizite, Fettleibigkeit, Rückenbeschwerden und Herz-Kreislauf-Problemen, wie sie immer häufiger bei der Schuleingangsuntersuchung diagnostiziert würden. "Manche Kinder können ja nicht mehr rückwärts auf einer geraden Linie gehen", sagt Haid.
Gerade erst hat die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) vorgerechnet, dass zu Beginn dieses Schuljahres die Stundentafel zu 100 Prozent abgedeckt sei. Es müsse kein Unterricht mehr ausfallen, sagte sie am Montag.
Doch selbst in ihrem Ministerium räumt man auf Anfrage ein, dass dies wohl eher eine rechnerische Größe sei. Die regionale Verteilung der Fachlehrer mache eine 100prozentige Abdeckung gerade auch beim Sportunterricht unmöglich; vor allem an den Grundschulen werde Sport ohnehin häufig fachfremd unterrichtet. Nur bei drei von fünf Sportstunden der Klassen 1 bis 4 steht eine ausgebildete Sportlehrerin an der Matte.
Natürlich gibt es auch die positiven Ausnahmen. Die Carl-von-Weinberg-Schule im Frankfurter Stadtteil Goldstein ist so eine Ausnahme. Als einzige hessische Eliteschule des Sports, offizielle Partnerschule des Olympiastützpunktes Frankfurt, ist sie mit Lehrern bestens ausgestattet. Schließlich werden dort 160 junge Spitzensportler unterrichtet. Doch selbst dort sieht die Zukunft nicht nur rosig aus. Den Goldsteinern fehlt eine weitere Drei-Felder-Turnhalle, für die die Planungskosten auch im Frankfurter Haushalt 2003 stehen. "Aber was, wenn Frankfurt am 3. November vom Nationalen Olympischen Komitee nicht als deutscher Bewerber um die Spiele 2012 auserkoren wird?", fragt Sportjugendchef Haid, zugleich Oberstufenleiter an der Weinberg-Schule. Dann nämlich, so fürchtet er, könnte angesichts leerer öffentlicher Kassen aus den Sporthallenplänen nichts mehr werden. Von der olympischen Idee bliebe den Schülern dann wenigstens die offizielle hessische Werbebroschüre.
Mehr Bewegung
Von Peter HanackDie Schulen, so die Absicht der Aktion "Startklar für Olympia", sollen in Bewegung kommen. Der olympische Geist soll Schüler, Schülerinnen und Lehrer für die Idee Olympischer Spiele in der Region entflammen, soll Ideale wie Fairness, Leistungsbereitschaft und Teamgeist lehren, Körper und Geist schulen. Man kann der Aktion von Landesregierung und Olympia-Büro nur Erfolg wünschen. Und hoffen, dass der Anstoß zur Bewegung auch über die Klassenzimmer hinaus wirkt.
Landkreise und kreisfreie Städte als Schulträger sind gefordert, den nötigen Bewegungsraum zu schaffen. Wo die nächsten Sportplätze und Hallen 15 Minuten und mehr von den Unterrichtsräumen entfernt liegen, ist ein geregelter Sportunterricht kaum möglich. Das gleiche gilt für vergammelte Umkleiden, marode Hallenböden oder abgenutzte Geräte. Wo die Einrichtungen fehlen, müssen sie gebaut, wo seit 20 Jahren mit Pflege und Renovierung geschludert wurde, muss saniert werden. Das tut den Kommunen natürlich weh, die Kassen sind häufig leer, kürzen lautet das Gebot der Stunde.
Meinen es Lokal- und Landespolitiker aber ernst mit ihrer Hochachtung des Sports, dann müssen sie dem Sportunterricht auch einen vorderen Platz an den Schulen einräumen, auch wenn dies mühsam ist. Das Land ist gefordert, ausreichend Fachlehrer einzustellen - an Grundschulen ist fachfremder Sportunterricht bislang eher Regel denn Ausnahme. Sport darf auf den Stundentafeln nicht anderen Fächern weichen, die Möglichkeiten der Flexibilisierung, wie das Land sie den Schulen einräumt, müssen eingeschränkt werden. Dann kann der olympische Geist nicht nur als Ideal an den Schulen einziehen, sondern ganz konkret auch Leib und Seele beflügeln.
11.8. Augsburger Allgemeine
„Dicke Kinder sind potenzielle Frührentner“
Experte sieht gewichtige Folgen für WohlstandsgesellschaftÜbergewicht und Fettsucht bei Kindern werden nach Expertenmeinung zunehmend zu einem nationalen Problem in Deutschland. „Es wächst eine Schar an potenziellen Frührentnern heran, die wir uns nicht leisten können“, sagte der Leiter der Berchtesgadener Reha-Klinik „Schönsicht“, Helmut Langhof.
Jedes fünfte Kind einer fünften Klasse sei übergewichtig oder fettsüchtig, betonte der Chef der Spezialklinik für Kinder und Jugendliche. Um als fettsüchtig zu gelten, muss ein Kind 20 Prozent mehr als das Normalgewicht auf die Waage bringen.
Die Folgen für die Kinder wie auch für die Gesellschaft seien gravierend. Schon Jugendliche bekämen den als „Alterszucker“ bekannten Diabetes Typ 2, litten an orthopädischen Krankheiten, an schlechten Blutfettwerten, Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie an psychischen Störungen bis hin zu Depressionen. Die Kosten, die durch die Behandlung dieser Folgekrankheiten entstünden, führten zu einer Zwei-Klassen-Medizin. „Die Gesellschaft kann sich zu viele Übergewichtige nicht lange leisten“, sagte Langhof. Neben falscher Ernährung und Veranlagung macht der Mediziner vor allem akuten Bewegungsmangel vieler Kinder als Ursache aus. „Die überwiegende Zahl der Kinder, die zu uns kommen, hat eine katastrophale Kondition“, urteilt der 57-jährige Hobby-Triathlet.
Die erste Wohlstandsgeneration nach dem Krieg bringe eine noch übergewichtigere zweite hervor. Viele Eltern seien ein schlechtes Vorbild. „Bei den Kindern, die mehr als fünf Stunden täglich fernsehen, ist schon gut jedes dritte übergewichtig“, so Langhof.
Um die Folgen für die Gesellschaft in den Griff zu bekommen, plädiert Langhof dafür, „aus dem Heer der Übergewichtigen die herauszufinden, die eine starke Veranlagung zum Übergewicht haben“, um sie besonders zu betreuen.
Um dem massiven Bewegungsmangel entgegenzutreten, fordert der Mediziner ein nationales Präventionsprogramm. Zwei Stunden Schulsport seien viel zu wenig und schon Kindergärten müssten mehr für die Bewegung der Heranwachsenden tun. Vor den gesundheitlichen Folgen zu warnen genüge nicht, um Übergewichtige zu mehr Sport zu bewegen.
10.8. Thüringische Landeszeitung
Rückenschule für Kinder
Rückenschule fängt im Kindesalter an. Davon lassen sich Lehrer und Schüler des Förderzentrums Gotha sowie die AOK leiten. Während eines einwöchigen Kurses lernten Viertklässler bei Nils Kindervater sowie den Sport-Lehrerinnen Bärbel Hoffmann und Garbriele Kaufmann Hebe- und Tragtechniken. Das ist Teil eines Kurses, den die Krankenkasse jetzt in Schulen anbietet. Ein Grund: Haltungsschäden treten schon bei Heranwachsenden auf. Etwa ein Drittel sei davon betroffen, weiß Kindervater. Etwa 60 Prozent der jungen Leute habe Erfahrungen mit Rückenschmerzen. Dem soll mit dem Bewegungskurs "Felix Fit" abgeholfen werden. Premiere war im Förderzentrum Gotha.
.. AOK-Mitarbeiter Kindervater gab Tipps und Anleitungen, nachdem er im vorigen Schuljahr zehn Wochen im Sportunterricht ausgeholfen hatte. Während der Projektwoche beschäftigten sich Viertklässler ausschließlich mit Gymnastik, Spiel und Entspannung - auch theoretisch. Richtige Körperhaltung will gelernt sein. Das fängt beim Wissen über den Aufbau der Wirbelsäule an und führt übers richtige Sitzen hinaus. "Die Kinder sollen spielerisch für rückengerechtes Verhalten sensibilisiert werden", sagt Schulleiterin Uta Vratny. "Im Sportunterricht werden die Übungen fortgesetzt", ergänzt ihre Stellvertreterin Susanne Vogel... Besonders motiviert waren die Kleinen am Freitag beim Finale. Kugelstoß-Ass Andy Dittmar schaute ihnen bei den Übungen zu. Der AOK-Mitarbeiter geht mit weiteren Aktionen in die Schulen.
![]()
Saarbrücker Zeitung 10.8.
Neue Perspektiven für den Schulsport
Saarbrücken In Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes SWI und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien veranstaltet der Deutsche Sportlehrerverband Saar am 29. August einen Vortrag von Professor Dr. Dietrich Kurz (Universität Bielefeld) mit anschließender Aussprache. Thema: Wie sehen die pädagogischen Perspektiven für den Schulsport aus? Der Vortrag bildet den Auftakt zu einer Lehrgangsreihe zum Thema "Neue Perspektiven im Sportunterricht - der neue didaktische Ansatz". Der Vortrag von Professor Kurz beginnt um 15 Uhr im Hörsaal des SWI und steht allen Interessierten offen.
![]()
Gesundheitspilot 6.8.Lernen braucht Bewegung
Scharfe Kritik an den Ergebnissen der PISA-Studie kommt von Kinderärzten und Sportmedizinern: "PISA lässt die ganzheitliche Bildung junger Menschen weitgehend unberücksichtigt", klagt der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, Prof. Alfred Wirth. Die körperliche und psychosoziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen sei aber ebenso wichtig. Kinder, die ihren Bewegungsdrang ausleben könnten, lernten viel besser als ihre "unbewegten" Mitschüler. Eltern, Lehrer und Politiker werden in einer Resolution aufgefordert, den Kindern mehr Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen.
Der Göttinger Sportwissenschaftler Prof. Jürgen Schröder betont, es könne nicht angehen, dass man Kleinkindern mühsam das Laufen und Sprechen beibringe, um ihnen dann in der Schule zu befehlen, stillzusitzen und den Mund zu halten. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge besteht ein enger Zusammenhang zwischen intellektueller Fähigkeit und aktivem Bewegungsdrang. Erst die körperliche Bewegung ermöglicht Verschaltungen im Gehirn, die zu einer Steigerung der Hirnaktivitäten und damit zu höherer Leistungsfähigkeit führen.Experten sehen in der zunehmenden Bewegungslosigkeit der nachwachsenden Generation einen der Gründe für die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie. "Kinder und Jugendliche waren körperlich noch nie so inaktiv wie heute", heißt es in der Resolution von Sportmedizinern und Kinderärzten. In Deutschland haben nach ärztlichen Schätzungen 20 Prozent der Kinder Übergewicht, 60 Prozent leiden an Haltungsschäden, 40 Prozent haben Koordinationsprobleme und 25 Prozent leiden an Herz- und Kreislaufschwächen.
Die Sportmediziner und Kinderärzte kritisieren die stiefmütterliche Behandlung des Sportunterrichts in der Schule. Bewegungsaktivitäten müssten in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen. In Kindergärten und Schulen müssten tägliche Bewegungszeiten Teil des Stundenplans werden. "Eltern müssen mit ihren Kindern wieder mehr spielen und toben", fordern die Experten.
![]()
Saarbrücker Zeitung 6.8.SPD fordert besseren Schulsport
Sie lässt einfach nicht locker, kämpft vehement für einen besseren Sport an Schulen: Cornelia Hoffmann-Bethscheider, die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, wird in der Landtags-Sitzung am 28. August ein entsprechendes Eckpunkte-Papier vorlegen. Es bestehe, so die SPD-Politikerin aus Illingen, dringender Handlungsbedarf - in den Kindergärten, in den Grundschulen, in den Sekundarbereichen I und II sowie den Berufsschulen.
Cornelia Hoffmann-Bethscheider, einst Spitzen-Tischtennisspielerin beim ATSV Saarbrücken: "Über den Sport-Unterricht werden Werte vermittelt, die für unsere Gesellschaft grundlegend sind. Kinder und Jugendliche werden angespornt, Leistungen zu bringen. Sie lernen auch, mit Niederlagen umzugehen. Und im Mannschaftssport, wie wichtig es ist, auch Schwächere mitzuziehen." Die natürliche Bewegungsfreude der Kinder müsse von gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern gefördert werden. Der Sport-Unterricht in den Schulen dürfe kein untergeordnetes Fach sein.
Beim saarländischen Kultusminister Jürgen Schreier wird Cornelia Hoffmann-Bethscheider mit ihren Forderungen bestimmt auf offene Ohren stoßen. Als in den neunziger Jahren die damalige SPD-Landesregierung die dritte Schul-Sportstunde strich, erklärte der damals noch oppositionelle CDU-Bildungspolitiker Schreier: Es sei aberwitzig, dass die klassische Chance der Gesundheitsförderung im Sportunterricht bereits im Kindesalter nicht genutzt werde (CDU-Information vom 10. Mai 1996).
In ihrem Papier fordert Hoffmann-Bethscheider unter anderem die qualifizierte Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern an Grundschulen. Die Landesregierung solle eine Kommission für den Sportunterricht an Grundschulen einsetzen, daneben müsse eine Landesfachkonferenz für Sport in Grundschulen eingerichtet werden. Und: Für verstärkte Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen solle die Landesregierung ausreichend Mittel zur Verfügung stellen. Auch in diesem Punkt sollte Hoffmann-Bethscheider in Schreier einen Fürsprecher finden. Hatte der Minister doch einst heftig gegen das "Kaputtsparen" durch die SPD-Landesregierung im Bereich Schulsport gekämpft.
![]()
Sindelfinger Zeitung 31.7. 2002Nur elf Minuten in anderthalb Stunden
Gesund soll er sein, einen Ausgleich zu Mathematik und Deutsch bieten, Werte wie Fairness und Teamgeist vermitteln und auch noch zum Sporttreiben außerhalb des Schulgebäudes animieren: Es gibt hohe Forderungen an den Sportunterricht. Doch im Alltag holt der Praxisschock die Sportlehrer sehr schnell ein.Sporthalle Unterrieden in Maichingen, es könnte aber auch eine andere, x-beliebige Schulsporthalle in Deutschland sein: Vor zehn Minuten hat die Glocke zum Unterricht gebeten. Während in Mathematik der Satz des Pythagoras bereits in seine Einzelteile zerlegt wird und die Schüler in Deutsch mit dem jungen Werther mitleiden, schreitet die Sportlehrerin einsam durch die leere Halle. Erst allmählich tröpfeln die Schülerinnen ein. Die kostbare Unterrichtszeit ging für den am Unterrieden vergleichbar kurzen Weg vom Hauptgebäude in die Halle und für das Umziehen drauf.
Schlechte Voraussetzungen also, um den Stoff aus dem vollgepackten Lehrplan umzusetzen. Denn die 45 Minuten lang dauernde Schulstunde hört auch fünf bis zehn Minuten früher wieder auf. Körperhygiene muss schließlich sein. "Auch das gehört zur gesundheitlichen Erziehung, die uns Lehrern bei der Sportlehrerausbildung ans Herz gelegt wurde. Das gehört nun einmal dazu", sagt Karin Riegler, Sportlehrerin am Lise-Meitner-Gymansium in Böblingen.
Bleiben bei der Einzelstunde also noch 25 bis 30 Minuten. Selbst da gilt es noch Abstriche zu machen. Geräte auf- und abbauen, Übungen erklären, dazu kommen aus trainingswissenschaftlicher Sicht notwendige Erholungspausen. An der Universität in Berlin wurden Anfang der 90-er Jahre die effektiven Bewegungszeiten von 11 000 Schülern während des Schulsports gemessen. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Im Durchschnitt bewegte sich ein Schüler in einer Einzelstunde knapp über sieben Minuten. Obwohl bei der Doppelstunde zweimal umziehen wegfällt, sah es noch schlechter aus: Gut elf Minuten bewegten sich die Schüler in anderthalb Stunden. 1997 bestätigte eine Studie der Universität Tübingen an Sindelfinger Schulen diese Zahlen.
Die Rahmenbedingungen sind also alles andere als optimal. Die meist fünf-minütigen Pausen zwischen zwei Schulstunden schlichtweg zu kurz, um sich auf eine neue Stunde einzustellen und dadurch bestmögliche Lernergebnisse zu erzielen. Vor allem, wenn es darum geht, neben den sportartspezifischen Inhalten auch Schlüsselqualifikationen für den Sport nach dem Schulgong zu vermitteln.
Das fordert der Lehrplan. Und das hinterfragen auch Experten, die die Sportlehrer ausbilden: "Es sollte zumindest die Frage beantwortet werden, ob Schulsport tatsächlich körperlich effektiv sein kann oder ob es möglicherweise nicht ehrlicher wäre, nur körperbezogene Erfahrung zu sammeln und das Sich-selbst-Trainieren bloß zu lernen, um es außerhalb der Schule anwenden zu können", sagt Dr. Günther Frey, Akademischer Direktor am Tübinger Sportinstitut.
"Muss Animateurin sein"
Sportlehrer sehen sich also nach jahrelangem Studium mit der Wirklichkeit konfrontiert und sind entsprechend ernüchtert. Zeit für Übungsreihen und Techniktraining ist so knapp bemessen wie die Möglichkeit, überhaupt effektive Trainingsreize zu setzen und damit einen echten Ausgleich zum stundenlangen Stillsitzen anzubieten. "Manche Schüler lassen ihr Gehirn in der Umkleidekabine liegen. Wenn man dann eine Übungsreihe erklärt, hören sie nicht zu. Sie sind zwar körperlich da, aber geistig abwesend und wissen hinterher nicht, worum es eigentlich geht", sagt Karin Riegler.
Dazu kommen pubertäts-spezifische Probleme. Der eine geniert sich, die andere stört den Unterricht, und Sport an sich ist von vorne herein nicht für jeden interessant. Karin Riegler berichtet aus der Praxis: "Wenn ich will, dass sich meine Schülerinnen bewegen, muss ich Animateurin sein und attraktive Sportstunden anbieten." Weshalb es bei ihr auch ab und zu zum Schwimmen ins Freibad, ins Gelände zur Schnitzeljagd oder zum Volleyball-Spielen auf das Beach-Volleyballfeld geht.
Solche Dinge fordert auch Günther Frey: "Die größten Schwierigkeiten tauchen bei trainingspädagogischen Fragestellungen auf. In der Regel sind dies die Entwicklungs- und Motivationstheorie tangierenden Problemkreise." So geht es zum Beispiel darum, attraktive Trainingsinhalte für Pubertätsklassen zu finden und pädagogisch zu begründen.
"Mit Bodyshaping, Aerobic, Steps, Heavy Hands, Skigymnastik, Rope Skipping oder Beach-Volleyball könnte man den Sportunterricht mit dem außerschulischen Sport koppeln", so Günther Frey. Andererseits müsse man aber auch überprüfen, ob diese Aktivitäten körperlich tatsächlich effektiv sind.
![]()
Main-Rheiner 28.6.
Ein Schrittmacher kindlicher Entwicklung
Bewegung ist das A und O/Ärzte: Bei vielen Kindern kommt sie heutzutage jedoch zu kurzKinder brauchen Bewegung. Wer selbst Kinder hat, weiß, dass ihr angeborener Bewegungsdrang auch Erwachsene ständig am Laufen hält. Im besten und doppelten Sinne des Wortes ist Bewegung ein Schrittmacher kindlicher Entwicklung. Nur wenn man sich bewegt, lernt man die Welt kennen, aber auch den eigenen Körper.
Bewegung kräftigt die Muskeln, stabilisiert die Haltung und stärkt das Herz. Alle Organe werden besser durchblutet und dadurch in ihrem Wachstum und bei der Ausbildung ihrer Funktionstüchtigkeit unterstützt. Bewegung schafft Selbstvertrauen und sorgt auf physiologische Weise für den Abbau von Spannungen. Kinder, die sich bewegen, sind weniger aggressiv.
Fatale Folgen
Im Gegensatz dazu steht die Feststellung von Ärzten, dass Bewegung heutzutage bei vielen Kindern entschieden zu kurz komme. Zu den Folgen gehören Übergewicht, Haltungsschäden, Koordinationsschwierigkeiten und Ungeschicklichkeit, Regulationsstörungen im Kreislauf, verlangsamtes Reaktionsvermögen oder das „nervöse Herumzappeln“, eine Art Kompensation fehlender Bewegung, die Lehrern den Unterricht und Erziehern die Gruppenarbeit schwer macht.Etwa die Hälfte aller Kinder zeige bei der Schuleingangsuntersuchung bereits Anzeichen eines Bewegungsmangels, erklärt Dr. Helga Frey vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Wiesbadener Gesundheitsamtes. Hüpfen und Stehen auf einem Bein zum Beispiel, Laufen auf einem Strich oder das Balancieren auf einem Bodenseil falle vielen Fünf- bis Sechsjährigen schwer. Angefangen von der Fahrt im Auto zu Kita oder Schule bis zum stundenlangen Fernsehen, verläuft Kindheit heutzutage zunehmend bewegungsarm. „Bei unserer Routinefrage nach der täglichen Fernsehzeit geben Eltern drei Stunden eigentlich immer zu. Die Kinder müssen einfach mehr raus, sie müssen krabbeln, kriechen, rennen, schaukeln, klettern, matschen, Roller oder Fahrrad fahren.“
Zu wenig Zeit
Leicht gesagt, denken da berufstätige Eltern und Alleinerziehende, denen oft gar nicht so sehr die Einsicht, sondern „nur“ Zeit und Gelegenheit zur Realisierung solcher Forderungen fehlt. Manchmal aber einfach auch nur die Lust, nach fünf arbeitsreichen Tagen das „ruhige“ Wochenende aktiver Erholung zu opfern. Andererseits, so Helga Frey, sei die Freizeit vieler Kinder mit bestimmten Aktivitäten so verplant und geregelt, dass zum kindgemäßen, freien Spielen und Herumtoben kaum mehr Zeit bleibe.Lebensräume und Lebensgewohnheiten von Familien haben sich im Hinblick auf die Befriedigung kindlicher Bewegungsbedürfnisse nachteilig verändert. Natürliche Spielflächen wie Wald und Wiese liegen für Kinder meist weit entfernt von der Wohnung. Das allgegenwärtige Auto hat Straßen und Plätze längst in lebensgefährliche Spielräume und der Mangel an Parkplätzen Höfe in Garagen verwandelt. Öffentliche Spielplätze sind rar, und nicht jeder Nachbar ist von lärmenden Kindern vor der eigenen Haustür begeistert. Aus Angst vor Unfällen oder Furcht vor Verbrechen, wie sie immer wieder für Schlagzeilen sorgen, schicken viele Eltern ihre Kinder lieber nicht allein ins Freie.
„Eine Alternative ist die Anmeldung im Sportverein“, rät Helga Frey. Allerdings sollte es in den Vereinen nicht ausschließlich um Medaillen und Pokale gehen, sondern eingedenk der genannten Problematik vor allem um eine allseitige Förderung von Bewegung und sportlicher Aktivität. „Sport bedeutet nicht nur Leistung, sondern vor allem Spaß“, meint Helga Frey und hat dabei durchaus auch den schulischen Sportunterricht im Blick. Gefordert seien außer den Eltern aber auch die Kommunen und ihr Beitrag zur Verwirklichung von kinderfreundlichen Städten mit Spielstraßen, Spielflächen und Spielplätzen.
Besondere Bedeutung bei der Förderung von Bewegung im Kindesalter haben heute zweifellos Kindergärten und Schulen. Fortbildungsprogramme für Lehrer und Erzieher in Sachen Motorik und eine entsprechende Ausrüstung der Einrichtungen mit Spielgeräten sind die notwendigen Voraussetzungen. In Wiesbaden ermöglichte beispielsweise 1999 ein Sonderinvestitionsprogramm mit zwei Millionen Mark die spielgerechte Gestaltung von 56 Schulhöfen. Die Öffnung von Schulhöfen im Innenstadtbereich zur allgemeinen Nutzung ist allerdings immer noch ein Streitfall, und ein Spielflächenentwicklungsplan scheiterte bislang an finanziellen und technischen Problemen.
![]()
27.6. Kölnische Rundschau
Projekt für den Sportunterricht
Beim Klettern neue Erfahrungen sammelnEs geht aufwärts mit unseren Schülern. Zumindest im Sportunterricht. Ab sofort darf im Sportunterricht geklettert werden. Am Mittwoch stellten das Abteigymnasium Brauweiler und der Rheinische Gemeindeunfallversicherungsverband (GUVV) dieses neue Projekt für den Schulsport vor.
Drei Jahre erarbeiteten Vertreter der Schulaufsichtsbehörde, des Alpenvereins, der Sporthochschule und eben des GUVV ein Konzept zur Lehrerfortbildung in Sachen "Klettern in der Schule". Jetzt liegt die "Konzeptakte" vor. Sie beinhaltet alle Voraussetzungen für den Kletterunterricht, vor allem aber eine entsprechende Fortbildung für Sportlehrer. Bei den Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf können sie sich für eine Fortbildung anmelden.
Manfred Scharf, Diplomsportlehrer in der GUVV, betonte die herausragende Qualität eines Kletterunterrichts. Wie kaum eine andere Disziplin leiste das Klettern drei wichtige Erziehungsziele: Es ermögliche persönliche Leistungsgrenzen zu erfahren. Gleichzeitig werden "Erfahrungen mit Material" gesammelt. Dazu gehöre der Umgang mit Seilen, Haken oder auch das Knoten. Vor allem aber erreiche der Klettersport, soziale Verantwortung für den Nächsten zu entwickeln.
Das Bewusstsein, sich auf einen anderen verlassen zu können ist nicht angeboren, sondern muss erlernt werden. Zum Klettern gehöre immer ein Partner, der den Kletterer absichern müsse, auf den man sich absolut zu verlassen habe. Auch für die Lehrer bedeute die Fortbildung ein Zuwachs an Erkenntnissen. Nicht jede Schule könne über eine so großartige Kletteranlage verfügen wie die Brauweiler Schule.
18 kommerzielle Kletterhallen böten im Land Kletterunterricht für Schulen an. Mit geschulten Lehrern könnten diese Angebote nun auf Leistungsfähigkeit und Sicherheit hin geprüft werden. Brauweilers Schulleiter Manfred Pulm sah in diesem Konzept einen großen Fortschritt in der Schulpädagogik: "Das hat lange gedauert." Immer sei die Kletterlust von Kindern und Jugendlichen beargwöhnt worden. Damit sei jetzt Schluss. Pulheim habe rechtzeitig reagiert und diese vorbildliche Kletteranlage errichtet.
![]()
22.6. Lippstädter Zeitung
Sport- Gesundheit - Leistungsfähigkeit - Kreativität
LIPPSTADT. "Sport muss kreativ sein und Spaß machen." So lautete die Quintessenz des Vortrags, den Professor Heinz Liesen am Donnerstagabend im Technologie- und Entwicklungszentrum Cartec hielt. Der Sportmediziner sprach vor 50 interessierten Zuhörern über die Zusammenhänge von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. "Fit for Business" lautete das Thema seines Vortrags, den er auf Einladung des Studienzentrums Lippstadt hielt.
Zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit im Beruf seien ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung unabdingbar. "Das Gehirn ist das Wichtigste beim Sport", erklärte Liesen. Durch Bewegung würden bis ins hohe Alter hinein neue Verbindungen zwischen den Gehirnzellen geknüpft, so dass man geistig fit bleibe. Zur Unterstützung dieser Vorgänge müsse der Körper mit den nötigen Mineralstoffen, Aminosäuren und Vitaminen versorgt werden.
Bei der Auswahl der Sportart sei es wichtig, auf einen großen Anteil von sportlicher Kreativität zu achten. Wer nur eintönige Kraftübungen absolviere, fördere sein geistiges Potenzial nicht, sondern verringere es.
Auch dürfe der Spaß am Sport nicht durch überzogenen Leistungsdruck genommen werden. Wer sich auch in seiner Freizeit immer nur fordere, werde im Beruf auf Dauer weniger Leistung bringen. Daher dürfe bei jedem Training das spielerische nicht zu kurz kommen.
Seine Ausführungen illustrierte Liesen mit zahlreichen Beispielen prominenter Sportler, mit denen er bereits gearbeitet hat. So betreute er unter anderem die Hockey-Nationalmannschaft, das Olympiateam der nordischen Kombinierer und die Profis von Borussia Dortmund.
Besonders lag ihm die Jugendarbeit am Herzen: "Die Verhinderung von Schulsport ist ein Verbrechen", so Liesens provozierende These. Andererseits sei aber auch die Überforderung von Kindern und Jugendlichen im Sport schädlich: Wer als Kind körperlich und seelisch überfordert werde, sei als erwachsener Sportler schnell verletzungsanfällig.
![]()
22.6. Rhein-Main-netKlettern
Mit Teamfähigkeit geht es bergauf
Hattersheim. Klettern zur Stärkung der Sozialkompetenz – dass dieser ungewöhnliche Weg funktionieren kann, hat sich unter Sozialpädagogen herumgesprochen. Inzwischen gibt es ein Programm, das von der Hessischen Landesanstalt für Lehrerfortbildung unterstützt wird, bei dem Lehrer allgemein bildender Schulen an den Klettersport herangeführt werden. Sie sollen ihren Schülern an Halteseil und Kletterwand Selbstvertrauen und Teamfähigkeit vermitteln. Auch Lehrer der Heinrich-Böll-Schule nehmen an diesem Projekt teil.
Susanne Bender hängt klammert sich mit den Beinen an den Stützpfeiler in der Eingangshalle – halb zieht es sie, halb sinkt sie hin. „Beine durchdrücken“, ruft Reimund Brendel ihr zu. Er leitet gemeinsam mit Beate Haufe einen mehrwöchigen Kurs, um den Hattersheimer Kollegen – auch Brendel und Haufe sind Lehrer – den sicheren Umgang mit den Kletterutensilien beizubringen.
Susanne Bender, teilnehmende Lehrerin aus Frankfurt, versucht sich gerade beim Abseilen aus dem ersten Stock. Dietrich Bender und Birgit Hausbei üben an der Kletterwand, die seit einem knappen Jahr in der Eingangshalle des Schulgebäudes zur Verfügung steht. Vier verschiedene Kletterrouten stehen zur Auswahl. „So können die Schüler sich nach und nach steigern“, erklärt Dietrich Bender, der seine Kollegin von unten sichert. Das Absichern des Kletternden spielt für die Hattersheimer Lehrer eine besonders große Rolle: „So lernen die Kinder zweierlei“, erläutert Schulsozialarbeiter Kai Saurenhaus. „Zum einen lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, und erfahren dabei, dass es auf sie ankommt. Vor allem bei unseren Hauptund Realschülern ist diese Art von Selbstbewusstsein oft kaum vorhanden.“ Die andere Erkenntnis aus dem Miteinander von kletternden und sichernden Schülern sei, Vertrauen zu anderen Menschen zu entwickeln. „Viele der Schüler verlassen sich nur auf sich selbst, wir wollen Teamgeist fördern.“ Dabei komme es vor allem auf das Miteinander an, auch bei Spielen an der Kletterwand wollen die Lehrer kein Gegeneinander sehen. „Wenn wir Spiele machen“, so Dietrich Bender, „geht es nicht darum, am schnellsten oben zu sein.“
Geschicklichkeitsaufgaben, bei denen die drei Kletternden – wenn sich Sponsoren finden, soll demnächst Kletterausrüstung für bis zu fünf Sportler angeschafft werden – zusammenarbeiten, stehen im Vordergrund. Einsatzgebiete sind der Schulsport, aber auch Stunden, in denen sich ein thematischer Bezug anbietet. „Wenn es im Deutschunterricht um Ängste geht, können wir auch mal klettern gehen“, sagen die Lehrer. Immerhin: Die Kletterwand in der Schule ist sieben Meter hoch, da kann einem schon mal mulmig werden. Zur Zeit trainieren elf Lehrer der Heinrich-Böll-Schule jeden Samstag, um ihr Wissen bald an die Schüler weitergeben zu können. Spaß macht es allen, das ist deutlich zu sehen.
Nur eine Sache stört die Pädagogen: „Wir machen diesen Kurs in unserer Freizeit und müssen ihn selbst bezahlen“, legt Dietrich Bender dar. „Das ist nicht in Ordnung.“ Dennoch, die 60 Euro für den Kurs investiert er gerne. „Vielleicht kann man dadurch, dass man den Schülern Selbstvertrauen vermittelt, ein bisschen dazu beitragen, dass sich Ereignisse wie in Erfurt nicht wiederholen.“
![]()
Main Rheiner 21.6.Kein Sport in praller Sonne
Hitzefrei oder nicht, die Wogen gingen hoch am Gymnasium. Was sagt eigentlich der Kinderarzt dazu – sollen Schüler auch bei hohen Temperaturen im Klassenzimmer brüten?
Für Dr. Rainer Lauf ist das grundsätzlich eine Frage der Belastung, wie er der AZ erklärt: Es gebe keinen Grund, bei jeder Hitze gleich frei zu geben, „die Kinder toben ja auch bei Hitze im Schwimmbad rum“. Wenn der Lehrer aber merke, dass bei den hohen Temperaturen keiner mehr einen klaren Gedanken fassen kann, „dann hat Unterricht keinen Sinn mehr“.
Eindeutig ist für Lauf die Sache indes beim Sportunterricht. „Sport im Stadion unter praller Sonne“ solle unbedingt vermieden werden, um Kreislaufüberlastung, Überhitzung oder sogar Sonnenstich auszuschließen. Lauf empfiehlt da, in die kühlere Halle auszuweichen.
![]()
20.6. idwNeuer Sudiengang
Sportwissenschaft - Bewegungsbezogene Gesundheitsförderung
Die Albert-Ludwigs-Universität richtet zum Wintersemester den sechssemestrigen Bakkalaureus-Studiengang Sportwissenschaft - Bewegungsbezogene Gesundheitsförderung ein. Das Institut für Sport- und Sportwissenschaft reagiert damit auf die gesundheitspolitische Konzeption, die der Deutsche Sportbund und seine Mitgliedsorganisationen verabschiedet und darin das Thema "Sport und Gesundheit" zu einer zentralen Zukunftsaufgabe der Verbände und Vereine erklärt haben. Dieser Ansatz führt zu einem hohen Bedarf an besonders qualifiziertem Personal.
Das Studium, das nur zum Wintersemester begonnen werden kann, gliedert sich in drei Studienjahre, die jeweils durch eine Prüfung abzuschließen sind, und zwar mit einer Orientierungs-, einer Zwischen- und einer berufsqualifizierenden Abschlussprüfung. Zentraler Bestandteil des Studiums Sportwissenschaft - Bewegungsbezogene Gesundheitsförderung sind die theoretischen und praktischen Grundlagen der gesundheitsfördernden Aspekte einer sportlich aktiven Lebensweise, sowohl aus präventiver als auch aus therapeutischer Sicht.
Das Bakkalaureus-Studium soll die Studierenden wissenschaftlich und fachpraktisch für eine spätere berufliche Tätigkeit in allen Institutionen und Einrichtungen qualifizieren, die mit dem Ziel Prävention, Gesundheit und Gesundheitsförderung arbeiten.
Die Ausbildung zielt auf eine intensive Vermittlung fundierter Kenntnisse in:
- Sportwissenschaftlichen Grundlagen
- Naturwissenschaftlichen Theoriefeldern der Sportwissenschaft
- Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Theoriefeldern der Sportwissenschaft
- Sportmedizin und bewegungsbezogener Gesundheitsförderung, Prävention und RehabilitationEin sportpraktisches Ausbildungsmodul dient der Vermittlung vielfältiger Erfahrungen und motorischer Eigen- und Vermittlungskompetenz in verschiedenen Sportarten und gesundheitsfördernden, präventiven und therapeutischen Bewegungsprogrammen. Für Studienleistungen werden ECTS-Punkte vergeben bzw. Semesterwochenstunden (SWS) angerechnet. Während der vorlesungsfreien Zeit sind praktische Tätigkeiten im Umfang von insgesamt zehn Wochen (im Block oder in zwei Teilen) bei privaten oder öffentlichen Einrichtungen abzuleisten, die im Bereich "Bewegungsbezogene Gesundheitsförderung" tätig sind.
![]()
Hamburger Morgenpost 15.6.
DSB-Präsident kritisiert Schulsport-Politik
Als "teilweise skandalös" hat Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), die Ignoranz der deutschen Kultusminister gegenüber dem Sportunterricht in Schulen bezeichnet.
"Im europäischen Vergleich ist unser Sportunterricht mangelhaft", sagte der DSB-Präsident in einem Interview mit dem Bremer "Weserkurier". Er forderte die Verantwortlichen auf, ihrer Pflicht nachzukommen. Bisher habe die Kultusministerkonferenz noch keine Erhebung durchgeführt, wie viel Sportunterricht tatsächlich in den einzelnen Bundesländern gegeben wird.
Auf dem Plan stehen drei Pflichtsportstunden. "Wir wissen aber, dass die in den seltensten Fällen gegeben werden. Diese Ignoranz finde ich unerträglich", sagte von Richthofen. Der höchste deutsche Sportführer verwies auf den "beängstigenden körperlichen Zustand", in dem sich viele Kinder und Jugendlich befinden. "Das ist alarmierend. Es ist ja nicht nur das Übergewicht, sondern vielen mangelt es an Koordinationsfähigkeit. Viele Kinder können gar nicht mehr rückwärts laufen", stellte der DSB-Präsident fest.
![]()
Mitteldeutsche Zeitung 12.6.Inline-Skaten
Zwölfklässler der Christophorusschule wählten Trendsport für SportFallen will gelernt sein - auch beim Inline-Skaten. Für die 15 Zwölftklässler der Christophorusschule Droyßig gehörte es zur Ausbildung im Halbjahreskurs im Sportunterricht in dieser Trendsportart. "Ich habe vorher noch nie auf Inline-Skates gestanden", sagt Marcus Otto, der sich die rollenden Schuhe, die es zu beherrschen lernen galt, gerade festgeschnallt hat. Fünf Doppelstunden brauche man schon, um sich einigermaßen sicher auf den rollenden Schuhen vorwärts zu bewegen .
.. Gestern Mittag wurde der Sportunterricht auf die im Vorjahr frisch asphaltierte Ortsverbindungsstraße nach Obersiedel verlegt. Nach einem halben Jahr Unterricht auf Skates in der Turnhalle sollten die jungen Leute nun das Gefühl für die Straße bekommen. Sportlehrerin Judith Meinhardt hatte sie mit dem schuleigenen Kleinbus zum Pilz an der Verbindungsstraße zwischen Droyßig und Wetterzeube gefahren und die Trainingsstrecke ausgeschildert. ..... "Es sollte oberstes Gebot eines Lehrers sein, jungen Leute etwas für die Zukunft zu lehren," meint die Pädagogin, die selbst begeisterte Inline-Skaterin ist. "Es ist ein Trendsport, den Jugendliche, wenn sie ihn beherrschen, auch in Zukunft gut für ihre Fitness nutzen können." Nichts Schlimmeres gebe es ihrer Meinung nach, als Kindern ein Paar jener rollenden Schuhe zu schenken und zu sagen: Nun mach mal! Dann würde es ein gefährlicher Sport auf der Straße.
Bereits im vergangenen Jahr habe sie einen Inline-Skate-Kurs geleitet. Die Schule stelle den Schülern für diesen Sport Komplettausstattungen zur Verfügung. Dazu gehören außer den Skates auch die Protektoren: Knie-, Ellenbogen- und Handgelenkschützer sowie Helm. Das sei Vorschrift, auch wenn viele Schüler den Helm nicht mögen.
Anfänger sollten prinzipiell zuerst in der Halle probieren, bis sie einigermaßen sicher auf den Rollen stehen, fahren, bremsen und fallen können. Die Lehrerin bedauert nur, dass es im Raum Zeitz keine Halle gibt, in der Inline-Skater üben können.
Die Zensuren sind so kurz vor dem Schuljahresende bereits fertig. Auch fürs das Inline-Skaten steht eine bei den 15 Zwölftklässlern, die gestern noch auf der Straße übten, eine auf dem Zeugnis. Damit ist der Kurs zwar zu Ende. Doch Frau Meinhardt ist sich sicher, dass eine ganze Reihe der Teilnehmer jene Freizeitsportart auch künftig für die allgemeine Fitness nutzen. Schließlich beanspruche sie den ganzen Körper - was die Schüler nach dem Straßentraining spürten.
Gießener Anzeiger 10.6.
„Bewegung und Sport für Kinder – Ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung“
Sieben goldene Regeln verbessern nicht nur die Fitness
Sport-Professor Klaus Bös stellt Ergebnisse und Folgen seiner Grundschul-Studie vorKlaus Bös hat einen guten Ruf. „Er ist ein Experte für alles, was die Fragen rund um den Sport mit Kindern betrifft“, stellte ihn Sabine Roth, die Geschäftsführern des Bildungswerks im Landessportbund, zu Beginn der Veranstaltung in der Aula der Brüder-Grimm-Schule vor. Das Renommee für den Sport-Professor aus Karlsruhe verwundert nicht, schließlich leitet der Hobby-Läufer nach verschiedenen Stationen (unter anderem an der Uni Frankfurt) jetzt seit über drei Jahren das Institut für Sport und Sportwissenschaft an der Universität Karlsruhe.
Und an seinem Institut wurde eine wichtige Studie erstellt: das Modellprojekt täglicher Sportunterricht in einer Grundschule in Bad Homburg (im Vergleich mit einer Regelschule mit dem üblichen Sportunterricht).
Darüber referierte Bös unter dem Titel „Bewegung und Sport für Kinder – Ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung“ im Rahmen des 3. Aktionstags „Mehr Bewegung für Kinder“ in Kleinlinden. Der Gast aus Karlsruhe wusste auch, dass er bei dem Auditorium in der Grimm-Schule keine Überzeugungsarbeit mehr leisten musste. „Ich will Ihnen einen Kick und Motivationsschub für die Arbeit mit Kindern vermitteln“, stimmte er die Frauen und Männer von der Turnhallen-Basis ein.Die Ergebnisse seiner Studie können sich auch sehen lassen. So hat er mit wissenschaftlichen Kriterien festgestellt, dass ein täglicher Sportunterricht nicht nur positive Auswirkungen auf die Fitness von Kindern hat, sondern auch auf viele andere Faktoren: etwa auf das Unfallgeschehen bei Schülern, auf die Aggressionen auf dem Pausenhof, auf das Schulklima (laut Lehrermeinung), auf die Verminderung der Schulunlust (laut Schülermeinung) sowie das Selbstbewusstsein und die Konzentration von Kindern.
Erste Folgen haben die Erkenntnisse in Baden-Württemberg, dem Bundesland, in dem Bös jetzt tätig ist, nach sich gezogen. Ein Programm „200 Minuten Sportunterricht“ (in der Woche) ist kurzfristig von fünf Grundschulen auf 500 ausgeweitet worden. Damit gibt sich der Sport-Professor aber nicht zufrieden.
Mit einer Verbesserung der Bewegungserziehung müsse schon im Kindergarten begonnen werden, lautet sein Credo. Zu dieser Thematik hat Bös eine „Interventionsstudie“ in Karlsruhe auf den Weg gebracht. Und für 2003 ist angesichts der föderalen Probleme im deutschen Erziehungs- und Schulsystem eine bundesweite Studie geplant.Doch schon jetzt hat Klaus Bös „sieben goldene Regeln“ für eine Bewegungserziehung aufgestellt. Nach denen brauchen Kinder:
„Vor allem aber brauchen unsere Kinder aber eine Lobby für mehr Bewegung, Spiel und Sport“, schloss Professor Klaus Bös seine Ausführungen – und musste auch in Kleinlinden feststellen, welch guten Ruf er besitzt.
- ein bewegungsfreundliches Umfeld;
- bewegte Vorbilder;
- Zeit und Mitspieler;
- attraktive Materialien und Geräte;
- Vielfalt und Intensität, Kreativität und Können;
- Fachkompetente Erzieher, Lehrer und Übungsleiter sowie
- differenzierte Förderungsmöglichkeiten, Therapie und Sport.
Zitate:
„Ich möchte Mut machen, wir können richtig was bewegen. Es passiert viel.“ (Professor Klaus Bös)
„Für Schulsportforschung kriegen Sie kein Geld.“ (Klaus Bös)„Das Brett ist so dick, man muss permanent daran bohren.“
(Ministerialrat Klaus Paul vom hessischen Kultusministerium)„Wir sind sehr aktiv. Was vor Ort umgesetzt wird, dauert oft sehr lange.“ (Klaus Paul)
„Es ist immer schwer, politisch eine Lobby für den Sport zu finden.“ (Egon Fritz)
„Eltern sind die erste Erziehungsinstanz.“ (Klaus Paul)
„Die Verzahnung zwischen Eltern, Erziehern und Lehrern klappt einfach nicht. Und es fehlen immer noch Sportlehrer.“
(Grundschullehrerin Ulrike Kohlitz)„Es gibt zwei Erkenntnisse, die ich mit nach draußen nehme: 1. Bewegung ist mehr als nur Sport im Verein. 2. Der Leistungsdruck muss rausgenommen werden.“ (Übungsleiterin Christiane Janetzky-Klein)
„Es geht nicht nur um Sport, es geht vor allem um Bewegung. Bewegung ist immer auch Leistung. Der Maßstab ist wichtig.“
(Klaus Bös)„Es gibt keinen Kampf zwischen den Fächern. Sport und Bewegung leisten die Grundlage für andere Fächer.“
(Klaus Paul)„Wir brauchen partizipatorische Modelle. Sport muss Kindern Spaß machen.“ (Klaus Bös)
„Wir haben Schule und den Lehrerberuf dramatisch beschädigt.“ (Klaus Bös)
„Wir müssen ein Bewusstsein schaffen für den Sport. Beispielsweise durch Sport-Elternabende.“
(Klaus Paul)
![]()
Neue Ruhrzeitung 9.6.Parklauf bewegt die ganze Schule
"Laufen ohne zu schnaufen" war einst das Motto, als die AOK Schulen dazu motivierte, mit den Kindern Jogging-Läufe zu veranstalten. Langsam aber möglichst lange sollte gelaufen werden. Die Grundschule am Park (Warbruckstraße) hat daraus den Parklauf entwickelt. Ihr Motto: Schule in Bewegung.
"Es ist ein Lauffest", sagt Brigitte Garden, die den Parklauf in Zusammenarbeit mit den Eltern organisiert. Mit Flatterband und Luftballons wird die Laufstrecke geschmückt, es gibt einen Getränkestand und eine Spielwiese. 30 Minuten laufen die Erst- und Zweitklässler, die dritten und vierten Schuljahre dürfen maximal eine Stunde unterwegs sein. "Das schaffen eine ganze Menge Kinder", freut sich die Sportlehrerin. Nicht zuletzt ein Ergebnis des Trainings und des Wertes, den diese Schule dem Sport beimisst unter den denkbar ungünstigen Bedingungen. Der Grund: Seit November 2000 ist die Turnhalle geschlossen und es wurde beschlossen, dass sie abgerissen werden soll. "Doch niemand weiß, wann das geschieht und wann der Neubau beginnt", so Schulleiter Wolfgang Katernberg. Schon 1999 war die Halle einige Monate lang nicht nutzbar, weil ein Stützpfeiler eingebaut werden musste.
"So ist der Parklauf für uns gleichzeitig eine Art Demonstration", meinte Brigitte Garden. Auf keinen Fall dürfe der Eindruck entstehen, dass mit dem Schulsport an der Warbruckstraße alles in Ordnung sei, "bloß weil wir versuchen, unter dreifachem Einsatz alles hinzukriegen."
Mit Bussen müssen die Kinder zu Turnhallen anderer Schulen fahren. "Die kommen häufig zu spät oder auch gar nicht. Außerdem sind wir in fremden Hallen nur Gast, können so nie mal eine Bewegungslandschaft aufbauen", erklärt die Sportlehrerin die Nachteile. Die dritte Sportstunde findet auf dem Schulhof oder wenn´s regnet sogar im Klassenraum statt. Garden: "Dann machen wir zum Beispiel Konzentrationsübungen."
![]()
DPA 4.6.Schulsport möglichst täglich
Der Schulsport in Baden-Württemberg muss nach Auffassung von Pädagogen weiter aufgewertet werden. "Ich bin ein Verfechter der täglichen Sportstunde, fünf Schulstunden Sport pro Woche wären das Optimum", sagte der Direktor des Landesinstituts für Schulsport Baden-Württemberg, Wilfried Hurst, in einem dpa-Gespräch. Derzeit sind nach Auskunft des Kultusministeriums in Stuttgart an den meisten Südwest-Schulen drei Sportstunden à 45 Minuten die Regel.
Kongress "Bewegte Schule"
Das Ludwigsburger Institut ist Veranstalter des zweitägigen Kongresses "Bewegte Schule", der an diesem Mittwoch beginnt. 260 Pädagogen aller Schularten werden dazu in Ludwigsburg erwartet. Neben wissenschaftlichen Vorträgen sollen sie praktische Tipps für einen bewegteren Unterricht erhalten."Bewegte Schule heißt, den Schülern außerhalb des normalen Schulsportes möglichst viele Anreize zu geben, sich sportlich zu betätigen", erläuterte Hurst. Gemeint seien neben der Anschaffung zusätzlicher Kletterstangen oder Tischtennisplatten auf dem Schulhof auch Lockerungsübungen etwa während einer Religions- oder Biologiestunde. "Kinder haben heute außerhalb von Schulsport und Vereinen oft keine Bewegungsräume mehr, die Schule ist daher noch stärker in der Pflicht", betonte der einstige Bundestrainer der Speerwerferinnen.
Früh beginnen
Hurst forderte, mit der Bewegungserziehung möglichst schon in Kindergarten und Vorschule zu beginnen. Denn regelmäßige Bewegung erhöhe nachweislich die Konzentration und Leistungsfähigkeit. Er bedauere, dass in vielen Grundschulen Sport nicht von Fachkräften unterrichtet werde. "Sportunterricht sollte spätestens von der zweiten Klasse an von ausgebildeten Sportlehrern gemacht werden", forderte der 64-Jährige, der selbst ausgebildeter Sportlehrer ist. "Die besten Sportlehrer gehören in die Grundschule, weil zum Beispiel Haltungsschäden noch bis zum zwölften Lebensjahr korrigiert werden können."Alternativen zu den Klassischen Sportarten
Hurst ist sich bewusst, dass Geräteturnen und Leichtathletik oft nicht mehr ausreichen, um Kinder für lebenslanges Sporttreiben zu begeistern. "Kinder müssen über irgendeinen Weg den Zugang zum Sport finden. Inline-Skating oder Mountainbike fahren halte ich für eine gute Ergänzung zu klassischen Schulsportarten", sagte Hurst. "Die Hauptsache ist, Kinder und Jugendliche bewegen sich und kommen ins Schwitzen." So genannte Trendsportarten stärker in Lehrplänen zu berücksichtigen, halte er jedoch für schwierig: "Funsportarten haben oft ein zu kurzes Leben, um sie in langfristige Lehrpläne einzubeziehen."
![]()
Nordwest-Zeitung 4.6.
„Spielen kommt zu kurz“
Sportwissenschaftler zur KindheitNach einer Studie des Instituts für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe bewegen sich deutsche Grundschüler zu wenig. Fragen dazu an Dr. Alexander Woll, einen der Autoren der Studie.
Frage: Haben Kinder heutzutage keine Lust mehr auf Sport?
Woll: So einfach ist es nicht. Viele Mädchen und Jungen treiben heute im Verein Sport, diese organisierten Aktivitäten nehmen sogar zu. Das Problem ist, dass die Bewegung im Alltag abnimmt. So gehen viele Kinder nicht mehr zu Fuß zur Schule, sondern werden gefahren. Außerdem kommt das freie Spielen und Toben mit Freunden zu kurz. Dabei sind diese nicht durchgeplanten Aktivitäten für die Entwicklung besonders wichtig.
Frage: Bewegungsmangel führt nach ihren Erkenntnissen zu Konzentrationsstörungen – wie hängen hier Körper und Psyche zusammen?
Woll: Die Kinder sind starkem seelischen Stress ausgesetzt, dürfen sich aber nicht körperlich abreagieren. Sie stehen so unter starker Anspannung und sind leicht ablenkbar.
Frage: Welche Bedeutung hat der Schulsport?
Woll: Er hat eine sehr wichtige Funktion und kann Bewegungsmangel kompensieren. Neben Freude am Sport können hier Werte, etwa Hilfsbereitschaft, vermittelt werden. Zudem können die Kinder hier Aggressionen abbauen. Diese Punkte werden nach Erfurt verstärkt diskutiert.
Frage: Was sollten die Eltern tun?
Woll: Sie sollten die Freizeit ihrer Kinder nicht zu stark verplanen und sie stattdessen zum Spielen ermuntern. Außerdem sollten die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Sport treiben. Wer mit seinen Eltern gemeinsam im Sportverein aktiv ist, bleibt oft auch längerfristig dabei.
![]()
Gießener Anzeiger 3.6.Abenteuer, Erlebnis und Wagnis im Sportunterricht
GIESSEN Nachdem die Integration sogenannter riskanter Bewegungsaktivitäten in den Sportunterricht an Schulen und in den Vereinen von der deutschen Sportpädagogik lange Zeit vernachlässigt wurde, setzen sich die Fachleute in der Zwischenzeit intensiv mit dieser Materie auseinander. Unter dem Motto „Abenteuer, Erlebnis und Wagnis – Perspektiven für den Sport in Schule und Verein“ tagen noch bis heute Sportpädagogen der Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS) an der Justus-Liebig-Universität (JLU). Sie sind für drei Tage aus dem gesamten Bundesgebiet, aber auch aus Österreich und der Schweiz in Gießen zusammengekommen.
Im Verlauf der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema war eine Reihe uneinheitlicher Begriffe entstanden. Die Jahrestagung des DVS hat zum Ziel, eine Zwischenbilanz der bisherigen sportpädagogischen Forschung auf diesem Gebiet zu ziehen, informierten die Professoren Norbert Gissel und Jürgen Schwier vom Institut für Sportwissenschaften der JLU, die für das Programm verantwortlich zeichnen. Dabei sollen unter anderem die fraglichen Begriffe geklärt werden und aktuelle Konzepte zur riskanten Bewegungsaktivität auch am praktischen Beispiel vorgestellt werden.
Zur Frage, warum dieses Themengebiet lange Zeit vernachlässigt worden sei, sagte Schwier im Gespräch mit dem Anzeiger, der Sportunterricht der Vergangenheit habe jedes Verletzungsrisiko vermeiden wollen. Dabei habe man gerade riskante Bewegungsaktivitäten außen vor gelassen.
Interessanter Weise sei aber das Gegenteil von dem eingetreten, was man sich durch diese defensive Haltung erhofft habe.Die Erfahrungen haben nämlich gezeigt, dass Kinder, denen jeder Kontakt zu Gefahrensituationen fehlte, anfälliger für Unfälle waren. Gissel: „Um sich sicher in der Umwelt zu bewegen, muss man auch etwas Riskantes gemacht haben.“
Für eine Neugestaltung des Sportunterrichts sei aber keineswegs ein großer Aufwand nötig. Die vorhandenen Sportgeräte können nach Gissels Aussage so umgewandelt werden, dass sie auch den neuen Anforderungen des Sportunterrichts gerecht werden. Das beste Beispiel für ein solches Vorhaben – allerdings im großen Stil – sei der ehemalige Bunker in der Nähe der Sportwissenschaften, der mit geringen finanziellen Aufwand zu einer Kletterwand umgewandelt wurde. Schwier: „Die Kernfunktion der Pädagogik ist es, im Unterricht seine Grenzen kennenzulernen und diese zu akzeptieren“.
Die in Gießen zusammengekommenen Wissenschaftler beschränkten sich nicht darauf, das Thema ausschließlich aus der Vogelperspektive in
Form von Vorträgen und Diskussionen zu beleuchten. Martina Böger demonstrierte den Sportpädagogen gestern „Erlebnissport in der Turnhalle“ und Volker Döhring und Stefan Kuenzell „Klettern am Bunker“. Die Hauptvorträge der Tagung hielten Eberhard Todt und Gregor Kuhn zum Thema „Psychologische Aspekte des Risikoverhaltens und des Risikoerlebens“ sowie Peter Neumann unter dem Titel „If lige gets boring – risk it! Zur pädagogischen Ambivalenz riskanter sportlicher Aktivitäten“.
Weser-Kurier 27.5
„Pisa drängt Sport ins Abseits“
Experte: Bildung wird kopflastigerDie Diskussion um die Pisa-Bildungsstudie überlagert nach Ansicht niedersächsischer Sportexperten verheerende Versäumnisse beim körperlichen Training von Kindern.
„Seit der Pisa- Studie wird Bildung noch kopflastiger gesehen als vorher. Die Bewegung der Kinder bleibt auf der Strecke“, sagte Reinhard Rawe, Direktor des Landessportbundes Niedersachsen (LSB), in Hannover. „Schon im Grundschulalter sind erschreckend oft Defizite wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Schwäche,Rückenschmerzen oder Koordinationsprobleme festzustellen.“ Ursache seien drastische Unterrichtsausfälle im Schulfach Sport.
Nicht nur Schulbehörden, sondern auch viele Eltern seien für die Fehlentwicklung mit verantwortlich, sagte Rawe.„Die Eltern verlangen den Kindern in der ersten und zweiten Klasse schon Leistungen ab, die in Richtung Abitur weisen sollen.“ Dabei sei das Interesse der Kinder an Sport und Bewegung sehr ausgeprägt. „80 Prozent der Kinder wollen sich bewegen.“ Das zeige eine repräsentative Studie, bei der 1500 deutsche Grundschulkinder auf ihre sportmedizinische Leistungsfähigkeit getestet wurden. Zehn Prozent der Kinder sind demnach übergewichtig, jedes dritte Kind leidet unter Rückenschmerzen. Insgesamt sollten sich Kinder im Grundschulalter laut Rawe daher mindestens drei Stunden am Tag bewegen.
„Die Kinder können im Sportunterricht nicht mehr rückwärts laufen, balancieren oder auf einem Bein hüpfen“, berichtete der LSB-Direktor. Die Fähigkeit, am Computer eine Maustaste zu bedienen, sei in der heutigen Bildungspolitik wichtiger als eine körperliche Ausbildung. Für den Sportunterricht seien drei Wochenstunden vorgesehen. Nur in den seltensten Fällen würden diese aber regulär erteilt.
Sportvereine könnten die Probleme nicht auffangen, sagte Rawe. „Sie erreichen nur die sportinteressierten Kinder. Aber die 30 bis 50 Prozent, die sie nicht erreichen, hätten es ja am nötigsten.“
Main-Rheiner 25.5.
300 Grundschüler „durchgecheckt“
Sportmotorischer Test an Grundschule Hahn/Gesunde Bewegung statt Höchstleistung gefragtZum dritten Mal wurden jetzt alle Hahner Grundschüler einem sportmotorischen Test der Gesamthochschule Kassel unterzogen. Dabei konnten die Kinder ihre sportmotorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die Ergebnisse werden mit einer repräsentativen Norm verglichen. Allerdings geht es nicht um sportliche Höchstleitungen sondern um eine über der Norm liegende gute Gesamtbefindlichkeit.
Der Gedanke ist nicht neu: Kinder haben nicht nur Bewegungsdrang, sondern auch Freude an allen Formen von Bewegung. Zudem sind ausreichende Anreize und vielfältige Bewegungserfahrungen Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und eine gute Basis für alle Lernprozesse.
Außerdem sind Kinder ausgeglichener und umgänglicher, wenn sie sich ausgetobt haben, weiß Hahns Schulleiter Helmut Heisen aus langjähriger Erfahrung. Auch dies sei ein Beitrag zur Gewaltprävention. Und schließlich verringere sich auch die Unfallhäufigkeit, wenn Kinder Kraft, Schnellkraft, Ausdauer, Reaktion und Gleichgewicht geschult haben. Für die Grundschule haben diese Erkenntnisse eine Konsequenz: die Kinder brauchen viel Sportunterricht und viele tägliche Bewegungsmöglichkeiten.
Dies ist an der Grundstufe der IGS Obere Aar in Hahn gegeben: ein großes Sporthallenangebot mit altersgemäßer Ausstattung, Freiflächen, das Stadion, Schwimmunterricht und – die „tägliche Sportstunde“. In einer gemeinsamen Anstrengung vom hessischen Kultusministerium wurde die personelle und die sachliche Ausstattung der Schule vor drei Jahren so verbessert, dass den Kindern viel Sportunterricht erteilt werden kann.
„Wir haben tolle Kinder“, urteilt die Grundstufenleiterin Lydia Leschik unisono mit ihren Kolleginnen und Kollegen, „und das liegt nicht zuletzt an den Bewegungs- und Sportangeboten...“
![]()
Frankfurter Rundschau 23.5.Mit dem Ball in den Händen wächst der Mannschaftsgeist
Beim Vielseitigkeitswettbewerb wollen Schulsportkoordinatoren den sportlichen Ehrgeiz der Kinder weckenFRANKFURT "Hier, hier!", schreien die Kinder dem Jungen zu, der gerade den Ball gefangen hat. Doch der wirft ihn über die Schnur zur gegnerischen Mannschaft. Plötzlich ein riesengroßer Aufschrei: Der Ball hat den Boden berührt; die Kinder auf der anderen Seite konnten ihn nicht fangen. Punkt für die Gegenmannschaft. "Ball über die Schnur" war eine der sechs Disziplinen des so genannten Vielseitigkeitswettbewerbs, an dem am vergangenen Donnerstag in der Enkheimer Schule am Ried 24 Mannschaften aus Frankfurter Grundschulen teilgenommen haben. Organisiert wurde er von den Schulsportkoordinatoren des Staatlichen Schulamtes.
"Das Wichtigste ist hier, den Mannschaftsgeist der Kinder zu fördern", sagt Ursula Grimme, Hauptorganisatorin der Veranstaltung und Lehrerin an der Ebelfeldschule in Praunheim.
Im Gegensatz zu den Bundesjugendspielen komme es bei dem Vielseitigkeitswettbewerb, der im Auftrag des Hessischen Kultusministeriums entwickelt wurde, darauf an, gemeinsam als Mannschaft für den Erfolg zu kämpfen. Bei der Disziplin Ball über die Schnur wird dieser Einsatz ganz offensichtlich: Bis zu vier Kinder stürzen manchmal zusammen, um den Ball noch aufzufangen, ihn praktisch vor dem "Abgrund", dem Boden, zu bewahren, bis ihn jemand schließlich stolz in den Händen hält. Das ist echtes Gemeinschaftswerk.
Doch außer dem Mannschaftsaspekt sind das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen, der Umgang mit Gewinnen und Verlieren und der Spaß an dem Ganzen natürlich auch Ziele der Veranstaltung.
"Mir hat das Korbwerfen am besten gefallen", meint die zehnjährige Samrawit von der August-Jaspert-Schule in Bonames. "Wir haben 19 mal getroffen", berichtet sie stolz. Seit Februar hat sie sich mit ihren Mitschülern im Sportunterricht auf den Wettbewerb vorbereitet. Der "Renner" bei den meisten Kindern war aber uneingeschränkt der Staffellauf über 50 Meter, der auf dem Sportplatz der Schule stattfand.
"Da kann man so richtig Gas geben", findet Alessandro von der Günderrodeschule an der Galluswarte. Doch erfreute sich auch der Zonenweitsprung allgemeiner Beliebtheit. Die anderen Disziplinen, Übungen am Reck, Boden und auf einem Kasten sowie das Seilspringen auf Zeit wurden in den beiden Sporthallen der Schule ausgeübt...
Sportunterricht.de | Sportpädagogik-online