Archiv 2002
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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
Sportpädagogik-Online und Sportunterricht.de
.. Hier erscheinen - ständig aktualisierte - Meldungen rund um den Schulsport. Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben. Remscheider GA 28.2. 2002
Psychomotorischer Förderunterricht als Konsequenz gegen Bewegungsauffälligkeit
Gut ein Viertel aller Kinder, die die Einschulungsuntersuchungen besuchen, zeigen eine Bewegungsauffälligkeit. Ein Phänomen, das schon lange keins mehr ist. An Schulen und Kindergärten ist das Problem von entwicklungs- und verhaltensauffälligen Kindern bekannt. Tendenz steigend. In Hückeswagen hat man nun erste Konsequenzen gezogen.In Zusammenarbeit mit der Rehabilitations- und Behindertensportgemeinschaft (RBS) bietet die Katholische Grundschule seit Herbst vergangenen Jahres einen psychomotorischen Förderkurs an. Einmal in der Woche kommen fünf Kinder aus dem ersten und zweiten Schuljahre unter Anleitung von Christiane Schubert zusammen. "Die Kinder wurden bereits im Unterricht auffällig, waren aggressiv, hyperaktiv oder auch sehr ruhig", berichtet die Übungsleiterin der RBS. Christiane Schubert sah sich die Kinder im Unterricht an, wählte aus. Da man in diesem Kurs nur in einem sehr kleinen Kreis arbeiten kann, musste man sich auf die dringendsten Fälle beschränken. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung. Im Gegenteil zum Sportunterricht steht bei der Psychomotorik nicht die Leistung, sondern das Spielen und Ausprobieren im Vordergrund. Die Frustrationen, die einige Schüler in den Sportstunden erleiden, werden so ausgeschlossen.
"Der Unterricht ist erlebnisorientiert", erklärt Christiane Schubert. So habe sie auf Wunsch der Kinder auch Harry Potter gespielt. Ein spezielles Rezept gebe es nicht, sagt sie. Beobachtung und Fingerspitzengefühl ist gefragt, um diese unterschiedlichen Temperamente alle gleichermaßen zu fördern. Ein Mädchen, so erzählt sie, sei nicht einmal in der Lage auf einer Bank zu balancieren, stolpere ständig über die eigenen Füße. Eine Folge von zu wenig Bewegungsmöglichkeit im täglichen Umfeld. "Auch die Vorbildfunktion der Eltern spielt eine entscheidende Rolle." Der Kurs ist zunächst auf ein Jahr angelegt, bei Erfolg soll das Angebot jedoch dauerhaft eingerichtet werden. Wenn es am Ende nicht an mangelnden Kapazitäten bezüglich der Turnhallen scheitert. . .
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Main-Rheiner 26.2.
Football als Schulsport
Spieler der Mainz Golden Eagles geben NachhilfeEs muss nicht immer Fußball, Handball, Volleyball sein: Einige Mainzer Schulen wie die Grund- und Hauptschule Mombach-West und die Theodor-Heuss-Schule in Hechtsheim bieten ihren Schülern American Football als AG an. Hilfestellung dabei geben Spieler der ersten Mannschaft der Mainz Golden Eagles (TSV Schott), die Ausrüstung kommt von Frankfurt Galaxy.
Jüngere Spieler haben die Möglichkeit, sich beim so genannten Flagfootball zu versuchen, einer körperlosen Variante des American Football, bei der jeweils fünf Spieler gegeneinander antreten. Der gegnerische Ballträger kann dabei durch Ziehen einer Flagge, die jeder Spieler am Gürtel trägt, von der Verteidigung gestoppt werden. Zu Rempeleien und vollem Körpereinsatz, wie er für das „richtige“ American Football typisch, in Deutschland aber erst ab 15 Jahren erlaubt ist, kommt es bei dieser entschärften Version nicht. Am Ende des Schuljahres gibt es dann ein Turnier, bei dem die Football-Schüler ihre Kräfte messen.
Lehrer haben zudem die Möglichkeit, an Fortbildungskursen teilzunehmen, die bei entsprechender Nachfrage von Frankfurt Galaxy angeboten werden. Interessierte Schulen und Lehrer können sich an Bernd Günther von den Mainz Golden Eagles wenden, Telefon: (06131) 625330
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Weser-Kuruer 23.2.
Gesunde Schule
„Geradesitzen ist Bodybuilding“
Fünftklässler lernen in Präventionsprojekt spielerisch ihre Wirbelsäule kennen
Franziska weiß es längst. Warum der Mensch seine Wirbelsäule braucht? – Das ist doch klar! „Weil wir sonst zusammenfallen“, sagt das aufgeweckte Mädchen. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden von der OS Süd lernte sie am Freitagmorgen im Institut für Weiterbildung in der Krankenpflege (IWK), was das „Rückrat“ alles kann und wie man Haltungsschäden vorbeugt.
Es ist der zweite Durchlauf, in dem die Kinder spielerisch Wissenwertes über den Rücken erfahren. Bereits im vorigen Jahr startete die Orientierungsstufe in Kooperation mit Gesundheitsamt und IWK das Projekt „Gesunde Schule“ für alle Schüler der fünften Klassen. Physiotherapeutin Maike Wagener-Brinkmann demonstrierte durch Bewegungsübungen, welche Vorteile eine gerade Haltung bringt. Dr. Helge Schumann, Leiter des Gesundheitsamts, erläuterte die Funktionsweise der Wibelsäule.
„Wir wollen erreichen, dass sich Gesundheitsförderung wie ein roter Faden durch den Schulalltag zieht“, sagt Dr. Schumann. In den Einschulungsuntersuchungen zeige sich, dass viele Kinder an Haltungsschwächen und Bewegungsstörungen litten. Folge von zu viel Fernseh- und Computerkonsum. Bewegungsarmut lässt den Körper zusammen sacken. Rückenmuskeln werden nicht genügend aktiviert. Dagegen möchte das Projekt präventiv wirken und den Kindern das Bewusstsein für ihren Körper und sein „Training“ wieder geben.
Bevor die Schüler der 5b das IWK besuchten, hatten sie im Biologieunterricht die Grundlagen erarbeitet. Fachlehrerin Marlies Umland-Plötzke hatte ihnen den Wirbelsäulenaufbau näher gebracht und und die einzelnen Elemente benannt. Entsprechend fit präsentierten sich ihre Schützlinge in der „Unterrichtsstunde“ von Dr. Helge Schumann.Nur ein Fleischklops wäre der Mensch ohne Wirbelsäule, macht der Mediziner den gebannt lauschenden Fünftklässler deutlich. „Sie ist dafür verantwortlich, dass wir aufrecht gehen, stehen und sitzen können“, erklärt er. Was sonst noch eine Rolle spielt, wissen die Kinder genau. Fast alle melden sich. Alexander weiß, dass die Gliedmaßen daran befestigt sind. Wie bei einem Kran. Und Lucy versteht sofort, was der Doktor mit „Bauklötzen“ meint. „Das sind die Wirbelkörper“, antwortet sie.
Marven findet die Bandscheiben interessant. Er kennt sogar die Aufgabe ihrer inneren „Wabbelmasse.“ „Die sind wie ein Federmechanismus“, erklärt er. Spannend für die Kinder: Die schwarz-weißen Bilder auf dem Röntgensichtgerät. Da rücken alle näher heran und versuchen eine Diagnose des abgelichteten Lendenwirbelbereichs. Weiter erfahren sie, dass die Muskeln das System stabilisieren. „Je kräftiger die sind, desto besser wird eure Wirbelsäule entlastet“, regt Dr. Schumann zu Bewegung und Sport an. Schon Aufrichten und Geradesitzen sei wie Bodybuilding für den Rücken.
Maike Wagner-Brinkmann leitet die Kinder bei den praktischen Übungen an. Begeistert balancieren sie Bierdeckel auf dem Kopf und transportieren Tennisbälle zwischen den Schulterecken. Mit einer krummen Haltung gelänge das nicht. „Die Kinder erfahren, wie die Körperspannung wirkt“, informiert die Physiotherapeutin. Fast dreiviertel in jeder Klasse melde sich, wenn sie nach Rückenschmerzen frage. „Deshalb ist Vorbeugung so wichtig“, unterstreicht sie. Räkeln in den Schulstunden etwa lockere die Muskeln und erinnere an eine gerade Sitzposition.
Mit der Einheit im IWK ist die Präventivarbeit noch nicht abgeschlossen. Beim „Schultaschen-TÜV“ in der Schule lernen sie, den Ranzen nicht zu überladen und ihn zur Entlastung hoch zu tragen. Eine Woche lang führen die Kinder ein Bewegungstagebuch. Darin halten sie jede verbrachte Minute beim Sport oder vor dem Computer fest. Gymnastik und Haltungsübungen werden in den Sportunterricht integriert.
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Taunus-Zeitung 22.2.
Olympia im Schulsport
„Fair Play“ gehört mit zum Unterricht
Neu-Anspach. Bewegung, Spiel und Sport sind wichtige Elemente des ganzheitlichen Lernens. Um dies mit einem Stück Lebenswirklichkeit zu verknüpfen, den Kindern Freude am gemeinsamen Handeln und „Fair Play“ zu vermitteln, hat diese Woche – während rund um den Erdball Zuschauer an den Bildschirmen die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City verfolgen – auch in der Grundschule Wiesenau der olympische Gedanke Einzug gehalten.
„Nach den guten Erfahrungen bei unserer olympischen Woche während der Sommerspiele haben wir uns entschlossen, auch im Rahmen der Winterspiele etwas ähnliches anzubieten“, erläutert der Fachbereichsleiter Schulsport, Mark Brinkmeier. Er hat mit seiner Kollegin Maike Guthmann das Programm ausgearbeitet und dem Kollegium vorgestellt. „Die Anregungen und Ideen für die einzelnen Stationen bekamen wir auf einer Fortbildung im vergangenen Jahr“, so der Sportlehrer.
Seit Dienstag herrscht in der kleinen Turnhalle, die für die Vereine drei Tage geschlossen blieb, Hochbetrieb, denn alle Schüler der insgesamt 17 Klassen der Schule sollten den olympischen Parcours mit den 13 verschiedenen Stationen durchlaufen. Diesmal war die Klasse 4c feierlich mit ihrer Fahne zur Olympiahymne in die Halle einmarschiert. Dann erklärt Brinkmeier den Kindern die einzelnen Stationen. Da gibt es beispielsweise den „Skisprung“. Auf schräg eingehängten Bänken „fliegen“ die Kinder hinunter und landen weich auf einer großen Matte. „Diese Station ist nicht so ohne“, meint Brinkmeier, deshalb wird sie auch permanent von einer zweiten Kraft betreut. Dann gibt es noch „Bobfahren“, wobei nicht die Schnelligkeit das wichtigste bei dieser Disziplin ist, sondern das Ankommen genau innerhalb einer Markierung auf dem Hallenboden.
Beim „Eisschnelllauf“ wird ein Fuß auf eine Teppichfliese gestellt und sich mit dem anderen abgestoßen, beim „Langlauf“ müssen die kleinen „Athleten“ mit beiden Füßen auf je einer Teppichfliese vorwärts kommen. Die Kinder können sich die Stationen frei wählen. „Hier wird der Unterschied auch zwischen den einzelnen Jahrgängen deutlich“, so Brinkmeier. Und Klassenlehrerin Gonhild Quednau bezeichnet das Programm als „Soziales Lernen pur“. Sie stellt fest, dass die Kinder sich arrangierten und auch gegenseitig helfen würden, was sich positiv auf den Unterricht auswirke. Bei der olympischen Woche in der Schule werde die Leistung der einzelnen Kinder nicht bewertet und das ganz bewusst. „Wir wollten hier nicht den Bundesjugendspieleffekt, wo immer einige Kinder auf der Strecke bleiben“, betont Brinkmeier. Ganz ohne Wettbewerbsgedanke sollten die Kinder hier gemeinsam etwas erleben und Spaß daran haben, am Ende bekomme jedes Kind eine Urkunde. Fächerübergreifend wird das Olympiathema derzeit behandelt. Im Sachkundeunterricht wird die Geschichte Olympias beleuchtet, im Kunstunterricht gestalten sie die olympischen Ringe, und im Religions- und Deutschunterricht sprechen die Lehrer mit den Kindern über „Fair Play“. Einige der Mädchen und Jungen sehen das Thema jetzt mit anderen Augen und verfolgen mit Interesse das sportliche Geschehen. „28 Medaillen hatten wir bis gestern gewonnen“, weiß der neunjährige Alexander, der in puncto Olympia ganz auf dem Laufenden ist.
Tipp:
Olympische Erziehung 2002
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Stuttgarter Zeitung 6.2.Mehr Bewegung im Grünen
Broschüre "Das Sportschullandheim" gibt Anregungen
LUDWIGSBURG. "Der beste Weg zur Gesundheit ist der Fußweg", rät Wilfried Hurst, der Direktor des Landesinstituts für Schulsport. In einer Broschüre mit dem Titel "Das Sportschullandheim" bietet das Institut einen neuen Weg zur Krankheitsprophylaxe an.
Der einst so beliebte Aufenthalt in einem Schullandheim ist längst aus der Mode gekommen. Stattdessen stehen Klassenfahrten nach Frankreich, Italien, Japan und Südamerika hoch im Kurs. "Das soziale Verhalten innerhalb einer Klassengemeinschaft konnte eigentlich nirgends besser eingeübt werden als bei einem meist zweiwöchigen Schullandheimaufenthalt", erinnert sich Hurst, der mit seinem Institutskollegen Hermann Kurz intensiv darüber gebrütet hat, wie man die Vorzüge eines Schullandheims mit dem jugendlichen Erlebnishunger und der Gesundheitsvorsorge möglichst attraktiv kombinieren kann.
Dabei ist die Idee herausgekommen, in einer bundesweit bisher einmaligen Broschüre für Sportschullandheime zu werben. Diesen Begriff gibt es bisher eigentlich nicht. Die Autoren der Broschüre, alles erfahrene Sportpädagogen, ermuntern Lehrer und Schüler dazu, nicht immer für viel Geld in die weite Welt zu fliegen, sondern einen günstigen und gesunden Schullandheimaufenthalt mit sportlichem Charakter zu organisieren. Dafür geben die Praktiker viele Tipps.
"Nach diesem Modell rückt im Sportschullandheim der Sport im Sinne von motorischem, sozialem und ökologischem Lernen in den Mittelpunkt des pädagogischen Konzepts" erläutert Hurst. Praktisch heißt das: Lehrer, die sich im Landesinstitut für Schulsport weitergebildet haben, können für ihre Schüler sportliche Erlebnistage in der Natur organisieren. Zu diesen Sportarten, die den Kindern neue Anregungen für Bewegung und Naturerlebnisse geben, gehören Klettern am Fels, Skilaufen, Snowboard fahren, Kajak fahren, Windsurfen und Segeln.
Die finanziell von der IKK geförderte Broschüre ist in allen IKK-Kundenzentren erhältlich oder für eine Schutzgebühr zu bestellen beim Landesinstitut für Schulsport in Ludwigsburg ( Telefon 0 71 41 14 06 24) .
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Die Zeit 4.2.Katastrophale Situation des Schulsports
Interview mit M. von Richthofen (DSB-Präsident)
(Auszug)"... Herr von Richthofen, wie groß schätzen Sie eigentlich die Chance ein, dass Deutschland wieder Austragungsort von Olympischen Sommerspielen wird? Die letzten gab es in München 1972. Sie selber gehörten zu denen – manche hat das überrascht – die gesagt haben, Berlin sollte sich gar nicht bewerben, damit andere eine Chance haben. Sind denn jetzt die Chancen gestiegen, etwa des Ruhrgebietes oder anderer Gebiete in Deutschland?
Ich finde es zunächst gut, dass sich Deutschland bewirbt, denn verbunden mit einer Bewerbung werden natürlich auch bestimmte Ziele des Sports verwirklicht. Nennen würde ich die Verstärkung des Schulsports, der sich insgesamt in der Bundesrepublik in einer katastrophalen Situation befindet. Wir werden auch die sportbetonten Schulen, die für die Leistungssportentwicklung von entscheidender Bedeutung sind, verbessern und neue einrichten. Die Länder, die sich beworben haben, werden auch in der ganzen Nachwuchsarbeit Mittel einstellen, zu denen sie sonst nie bereit wären. Es löst einen entsprechenden Boom aus für den Sport, wovon natürlich auch die Vereine und so weiter profitieren. Wie sind die Chancen? Die Chancen sind natürlich nicht so sensationell gut, wenn man sehr kritisch an diese Bewerbung herangeht, dennoch muss man sich Mühe geben, um sich auch international zu positionieren. Wir sind ein großes Sportland...
Sie sagten, eine Bewerbung würde auch eine gesellschaftliche Entwicklung auslösen, zum Beispiel im Schulsport, im Breitensport. Hat Sport keine gesellschaftliche Bedeutung bei uns, so wie in anderen Ländern?
Sport hat ohne Zweifel nicht mehr die Bedeutung, die er zum Beispiel in Großbritannien hat. Wenn Sie heute in der Politik oder Wirtschaft etwas werden wollen in Großbritannien, müssen Sie auch nachweisen, dass Sie im Sport etwas geleistet haben oder zumindest sehr aktiv waren. Das gibt es bei uns nicht. Und der Sport ist natürlich auch historisch immer belastet von autoritären Regimen. Denken Sie an die Sportförderung in der Nazizeit – ohne Zweifel gab es eine sehr systematische Förderung des Spitzensports in der Nazizeit –, und ähnliches gab es natürlich auch in der DDR. Wegen dieser ideologischen Belastungen sagt man, jetzt könnte man das eigentlich etwas zurückschrauben. Verheerende Auswirkungen gibt es zu beklagen im Bereich der Schule, denn die Reihenuntersuchungen, die uns vorliegen, besagen, dass sehr viele Kinder übergewichtig sind und deshalb überhaupt nicht am Sportunterricht teilnehmen können. Wenn Sie Studien lesen, wonach ein hoher Prozentsatz von Jugendlichen noch nicht einmal rückwärts laufen kann, dann ist das schon erschreckend. Man sitzt eben nur noch im Fernsehsessel.
Der Deutsche Sportbund hat das große Ziel: „Keine Macht den Drogen“. Da haben wir versucht – und ich frage, wie erfolgreich – Aufklärung zu betreiben, was zum Beispiel Dopingsünder zu DDR-Zeiten betrifft, aber auch, was heute passiert. Verläuft das ein bisschen im Sande? Gibt es da nicht auch Gegenkräfte, zum Beispiel beim NOK, die sagen: „Komm, lasst uns nicht immer so viel über Doping reden, lasst uns das etwas kleiner spielen, so groß ist das Problem doch gar nicht“?
Doping ist die Seuche des Sports und ich bin nicht der Meinung, dass wir bereits genug in der Aufklärungsarbeit leisten. Nur kann diese Aufklärungsarbeit sich natürlich nicht nur auf die Vereine beschränken, sondern wir müssen diese Aufklärungsarbeit auch in den Schulen leisten. Und deshalb soll im Biologie-Unterricht auf die Gefahr von Doping und Drogen aufmerksam gemacht werden. Wir haben vor, in diesem Jahr durch die Einrichtung einer unabhängigen Anti-Doping-Agentur auch diese Aufklärungsarbeit zu verbessern. Ich nehme jeden Vorgang sehr ernst, denn man kann natürlich von Eltern nicht verlangen, dass sie den Vereinen und den Trainern und den Übungsleitern ihre Kinder anvertrauen, wenn wir nicht deutlich sagen: Die Kinder bei uns werden ferngehalten von Dopingmitteln und sie werden auch entsprechend darauf hingewiesen, welche gesundheitlichen Schäden für sie entstehen...
1.2. Westfälische Rundschau
Mangel an Bewegung stört Entwicklung
Miriam (7) geht schon bei leisesten Versuchen, wenn ihre Eltern sie um einen Gefallen bitten, unter die Decke. Sven (6) lässt sich für nichts begeistern, sei es Fußball, seien es andere Spiele mit Alterskameraden. In beiden Fällen raufen sich Eltern die Haare und fragen sich, woran das liegt und wie es anders werden kann.
Beide Verhaltensformen scheinen nicht miteinander in Verbindung zu stehen. Doch sie können, wie Ursula Krüger, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle der Diakonie, weiß, die gleiche Ursache haben: mangelnde Bewegung. Mit einem solchen Schlagwort allein ist das zu Grunde liegende Problem längst nicht beschrieben, sagt die Expertin. Aus der tagtäglichen Beratungsarbeit weiß sie, wie kompliziert und vielschichtig die Zusammenhänge sind. Weder im Elternhaus, noch in der Schule, noch in der Freizeit bieten sich Kindern ausreichend Möglichkeiten, ihren Körper zu testen und auszuprobieren. Die Folge: Von den 300 Kindern, die pro Jahr die Beratungsstelle besuchen, leiden immer mehr unter Konzentrationsschwäche, dem ADS-Syndrom (Aufmerksamkeits-Defizit-Störung), unter Aggressivität oder Ängstlichkeit.
Die Liste der Konsequenzen lässt sich noch weiter fortsetzen, berichtet Krüger. Wenn Kinder ihre Bewegungsabläufe aufeinander abstimmen sollen, will ihnen das nicht recht gelingen. "Die Kinder rempeln andere an, obwohl sie das eigentlich nicht beabsichtigen, oder wenn sie einen Ball schnappen möchten, greifen sie daneben", berichtet Krüger. Wichtige Erfahrungen, die Kinder machen müssen, bleiben ihnen versagt. Zu solchen Erlebnissen zählen motorische Fähigkeiten, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Sie bilden die Grundlage zur Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit.
Bei vielen Kindern, die in die Beratungsstelle kommen, erlebt Krüger, dass "sie ihre Kraft nicht richtig dosieren können". Das findet unter anderem seinen Ausdruck darin, dass sie sich aggressiv zeigen oder in Lethargie verfallen.Die Beratungsstelle will den Kindern die Chance bieten, das Manko zu beheben. Eine heilpädagogische Fachkraft und eine Motopädin kümmern sich um die Jungen und Mädchen.
Auch wenn die Anfänge in dem Bewegungsraum manchmal schwierig sind, weil die Kinder sich vorgeführt fühlen, merken sie schon bald, welchen Nutzen sie aus Spiel und Sport ziehen können. Besonderes Gewicht legen wir darauf, betont Krüger, dass die Kinder keinen Leistungsdruck erleben und keine Versagensängste entwickeln. Aus der Beratungsarbeit heraus formuliert Krüger Wünsche an Lehrer, Eltern und Politiker:Der Sportunterricht soll die Lust an der Bewegung fördern und das Gefühl vermittteln, sich in der Gruppe aufgehoben zu fühlen. Sport, der nur auf Leistung setze, habe zur Folge, dass die Schüler sportliche Aktivitäten ablehnen.
Die Zahl der Spiel-, Bolz- und Sportplätze dürfe nicht weiter schrumpfen. Die Leiterin der Beratungsstelle verweist auf das Beispiel Gänsewinkel. Das Gelände solle erhalten und dürfe nicht bebaut werden. In der Stadt sollen genügend Bewegungsräume zur Verfügung stehen. "Dann ist viel für die Gesundheit der Heranwachsenden getan."
FAZ 29.1.
Hurra, die Schule rennt
Überraschende Erkenntnisse aus einem Bad Homburger Projekt:
Weniger Gewalt, weniger Unfälle, mehr Spaß, bessere LeistungenBAD HOMBURG. Vor kurzem hatte Klaus Bethge wieder einen von diesen angenehmen und zugleich lästigen Anrufen. Eine Frau aus einem Nachbarort war am Telefon. Mit blumigen Worten wollte sie den Leiter der Friedrich-Ebert-Grundschule in Bad Homburg davon überzeugen, ihren Sohn aufzunehmen. Bethge ist inzwischen darin geübt, den Leuten so etwas auszureden. Auch wenn manche, wie er sagt, "es mit allen Mitteln versuchen". Selbst wenn der Pädagoge wollte, er könnte dem Wunsch der Eltern gar nicht nachkommen: Die Auswahl der Schüler ist Aufgabe des Schulamts. "Aber solche Anrufe sehe ich schon als Auszeichnung für unsere Arbeit hier", sagt Bethge.Daß die Grundschule in dem wohlhabenden Städtchen vor den Toren Frankfurts regional zu einiger Berühmtheit gelangt ist, merkt man auch den Schülern an. "Wir haben heute wieder Gäste hier", sagt Sportlehrer Karl-Heinz Schneider zum Beginn der Stunde in der großen Sporthalle, in der es noch nach frischer Farbe riecht. Die etwa 60 Jungen und Mädchen aus drei Klassen reagieren äußerst gelassen auf den Besuch. "Du fragst uns jetzt bestimmt, ob unser Sportunterricht Spaß macht", sagt einer, dessen fröhliches Gesicht keine Frage offenläßt. Auch Schneider, einer von drei ausgebildeten Sportlehrern an der Schule, spricht mit nachsichtiger Routine über die Eigenheit, die die Friedrich-Ebert-Schule bekanntgemacht hat und die sie von anderen Grundschulen unterscheidet: Es ist die tägliche Sportstunde.
Sieben Jahre ist es her, daß Sportwissenschaftler von der Universität Frankfurt eine passende Grundschule für ein Projekt suchten, das es in sich hatte - auch wenn es ganz unspektakulär klang. Es ging darum, den Kindern täglich Sportunterricht zu erteilen und die Wirkungen - nicht nur die körperlichen - mit wissenschaftlichen Methoden zu erfassen und auszuwerten. Bethge war Feuer und Flamme. Doch das Ganze hatte einen Haken: Der Zuwachs an Sportstunden mußte auf Kosten anderer Fächer gehen. Entsprechend groß war der Aufschrei, gerade unter älteren Lehrern. Doch Bethge schaffte es irgendwie, reservierte Kollegen, Eltern und alle beteiligten Gremien von dem Nutzen des Projekts zu überzeugen. Es war bis heute das einzige Mal, daß er dafür Überzeugungsarbeit leisten mußte.
Mitte der 90er Jahre, das war die Zeit, als öffentlich viel über Gewalt auf dem Pausenhof gesprochen wurde. Auch in der Friedrich-Ebert-Schule. Als das Sportprojekt begann, hatten die Aggressionen unter den Schülern so stark zugenommen, daß Eltern in den Pausen Aufsicht führten. Doch schon nach ein paar Monaten waren sie überflüssig. "Die Raufereien gingen schlagartig zurück", sagt Bethge, "das war frappierend." Auch die anderen erhofften Wirkungen stellten sich rascher ein, als alle es erwartet hatten. Die Schüler bewegten sich geschickter, und vor allem die Schwachen - Grobmotoriker und Übergewichtigen - machten rasante Fortschritte. "Außerdem wurden die Kinder ausgeglichener, und ihre Konzentration in den anderen Fächern nahm spürbar zu", sagt Bethge und deutet auf die zwei Meter hohen Klettergerüste auf dem Schulhof, die in der Pause bevölkert sind. "Auch Unfälle gibt es heute bei uns kaum noch."
Daß die Eindrücke von Bethge und seinen Kollegen nicht falsch waren, läßt sich jetzt auch objektiv belegen. Drei Jahre nach dem Ende des Projekts liegen die ersten Auswertungen vor. Sie bestätigen oder übertreffen sogar die subjektiven Eindrücke. Und zwar so deutlich, daß auch Projektleiter Professor Klaus Bös, inzwischen an der Universität Karlsruhe tätig, davon überrascht ist. Im Vergleich zu zwei Kontrollschulen mit - jedenfalls offiziell - drei Stunden Sportunterricht pro Woche haben die Kinder der Friedrich-Ebert-Schule viel mehr Ausdauer und Geschick, sie haben mehr "Lust" auf die Schule, erleiden viel weniger Unfälle und sind auffällig friedlich. Und außerdem sind sie offenbar gescheiter - ein Ergebnis, das nur bewegungsfeindlich gesinnte Menschen wirklich verblüfft. "Wir haben etwa 15 Prozent mehr Schüler als früher, bei denen wir nach der vierten Klasse ein Übertreten auf das Gymnasium befürworten können", sagt Bethge.
Als das Projekt 1997 endete, waren selbst die größten Skeptiker unter den Lehrern in Bad Homburg bekehrt. Plötzlich sollte das alles zu Ende sein? Auf keinen Fall, fanden Pädagogen und Eltern übereinstimmend. Also machten sie den sportlichen Ausnahmezustand zur Normalität. Seitdem kommen alle paar Wochen Journalisten, Wissenschaftler und Leute von Behörden nach Bad Homburg, um herauszufinden, was es mit der bewegten Schule auf sich hat. Natürlich sehen sie auch, daß die Bedingungen an der Schule außergewöhnlich gut sind, vor allem seit die Runderneuerung der benachbarten Sporthalle fertig ist. Und ganz gewiß ist Bad Homburg das Gegenteil von dem, was man unter sozialem Brennpunkt versteht. Dennoch sind die meisten Beobachter überrascht von der ansteckenden Fröhlichkeit, die die in der Regel 50 bis 70 Kinder in der Halle verbreiten - hurra, hurra, die Schule rennt. "Es müssen aus organisatorischen Gründen so große Gruppen sein, wenn man über 300 Kindern täglich eine Stunde Sport erteilen will", sagt Sportlehrer Schneider. Er und seine Kollegen achten darauf, daß die Kinder bei aller nötigen Organisation auch die Freiheit haben, selbständig zu turnen oder zu spielen. Notorisch Kranke und andere Abseiler, die andernorts im Sportunterricht zum gewohnten Bild gehören, gibt es in der Friedrich-Ebert-Schule kaum. Das spricht sich herum, und inzwischen empfehlen selbst Kinderärzte in der Gegend manchen Eltern die Schule. Bethge finden das nicht gut, aber was soll er machen? Gegen einen guten Ruf und Mundpropaganda gibt es nun mal kein Rezept.
FAZ 29.1.
Recht auf BewegungWer über Pisa spricht, muß auch über den Schulsport sprechen: Annette Schavan, die Kultusministerin von Baden-Württemberg, hat das vor kurzem gesagt. Das war eine kluge Bemerkung. Denn tatsächlich geht es in der vergleichenden Studie, die wie ein Donnerhall über die deutsche Bildungslandschaft kam, explizit gar nicht um Sport. Es geht, vordergründig, um fehlende oder unzureichende Kenntnisse im Rechnen, Schreiben und Lesen. Es geht aber auch um Dinge wie Lernkultur, Motivation und Eigenverantwortung, und vor allem geht es auch um die Frage der Wirksamkeit von Lernprozessen. Spätestens an diesem Punkt kommt der Sport ins Spiel.Es ist gewiß ein Kardinalfehler, vom Sport Wunderdinge zu erwarten, wie man spätestens seit der Brettschneider-Studie weiß. Aber es wäre genauso falsch, ihm zu wenig zuzutrauen. Wer wollte ernsthaft daran zweifeln, daß Sportunterricht Streß abbaut und die Konzentration fördert, ganz abgesehen von den körperlichen Wirkungen? Der Sport ist für viele ein Fach fürs Herz und macht gerade deshalb den Kopf frei, erst recht bei Kindern im vorpubertären Alter. Er ist wie kaum ein anderes Fach in der Lage, jenes emotionale Band zwischen Schule und Schüler zu knüpfen, das in diesen Zeiten einem seidenen Faden gleicht. Man muß bloß an eine amerikanische Schule gehen, um zu erleben, wie sehr sich die Schüler auch dank des Sports mit "ihrer" Schule identifizieren.
Doch bei aller Aufregung und dem nicht weniger übertriebenen Aktionismus, der nun unter den Bildungspolitikern auszubrechen droht, muß man wohl befürchten, daß der Schulsport weiter das fünfte Rad am Wagen bleibt. Dieselben Politiker, die nun überaus hektisch das Bildungswesen retten wollen, haben über Jahre hinweg ausgerechnet die "emotionalen" Fächer wie Sport, Musik oder Werken auf dem Stundenplan ungerührt zusammengestrichen, um Kosten zu sparen. Sie waren blind Unternehmensberatern gefolgt, die das Bildungswesen mit einer betrieblichen Kosten-Nutzen-Kalkulation verwechselt hatten. Natürlich hat man rasch erkannt, daß man an der falschen Stelle gespart hat. Der Schaden war aber nicht mehr gutzumachen.
Die Pisa-Studie lenkt den Blick nun auch auf die Grundschule. Welche segensreiche Rolle der Sport gerade bei Kindern in diesem Alter spielt, sieht man an sogenannten Modellschulen wie der in Bad Homburg. Es sind leuchtende Vorbilder, weil sie mit täglichen Sportstunden das Grundbedürfnis der Kinder nach Bewegung erfüllen und ganz nebenbei auch deren Leistungen in den anderen Fächern steigern. Doch solche Beispiele sind Ausnahmen. Im Normalfall herrschen, sportlich gesehen, nach wie vor schlimme Zustände an den Grundschulen. Die zwei oder drei Sportstunden pro Woche, die im Lehrplan stehen, gibt es meistens nur auf dem Papier. Und wenn es Sportunterricht gibt, dann wird oft ein bißchen Ball gespielt oder sinnfrei im Kreis gehüpft - die Mehrheit der Lehrer an den Grundschulen ist schließlich im Fach Sport gar nicht ausgebildet. Eine Absurdität. Aber es wird sich wohl nichts ändern. Die Pisa-Studie spricht von Mängeln beim Lesen, Schreiben, Rechnen. Vom Recht auf Bewegung spricht sie nicht.
Kölner Express 22.1.
Olympia-Bewerbung
"Pakt für den Sport" soll Düsseldorf unterstützen
Düsseldorf (dpa/lnw) - Nordrhein-Westfalen will die Olympia- Bewerbung Düsseldorfs und der Rhein-Ruhr-Region mit einem "Pakt für den Sport" unterstützen. Sportminister Michael Vesper (Grüne) und der Präsident des Landessportbunds, Richard Winkels, unterzeichneten am Dienstag in Düsseldorf eine Vereinbarung zur Förderung des Sports in allen Bereichen.
"Damit setzen wir nicht nur Impulse für die sportliche Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, sondern erfüllen auch wesentliche Anforderungen des Nationalen Olympischen Komitees an die Olympia- Bewerberstädte", sagte Vesper....
Vesper warnte davor, den Schulsport in der aktuellen schulpolitischen Debatte als "Knautschzone" zu missbrauchen. Der Sportunterricht dürfe nicht gekürzt werden um andere Schulfächer intensiver zu unterrichten. Dies wäre eine falsche Reaktion auf das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler beim internationalen Vergleichstest "Pisa".
Vesper hält es für nötig, dass die Schulen über die regulären Sportstunden hinaus den Schülern ein Sport-Angebot machen. Bei der Förderung von Spitzensportlern sollen die Schulen eine größere Rolle übernehmen. So sollen Sportlehrer bis zur Hälfte von ihrer Unterrichtsverpflichtung freigestellt werden können, wenn sie talentierte Schüler auch außerhalb der Schulen trainieren.
Kölner Stadtanzeiger 22.1.
Von der Bedeutung der Leibesübungen
Um die Kooperation von Schule und Vereinssport sowie die Bedeutung von Bewegungsorten für Kinder ging es beim siebten Sportforum des Kreissportbundes in der Alfred-Nau-Akademie.
Wenn Sechsjährige eingeschult werden und nicht in der Lage sind, einen Purzelbaum zu schlagen, ist das überaus bedenklich. Wie katastrophal die Situation in Deutschland aber wirklich ist, beschrieb der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Friedhelm Julius Beucher gleich zu Beginn des Sportforums zu dem Wolfgang Schuldner, der Vorsitzende des Kreissportbundes Vertreter von Vereinen und Schulen eingeladen hatte. " Eine Untersuchung hat gezeigt, dass von über 900.000 Schulanfängern 250.000 unter Bewegungsdefiziten leiden", sagte Beucher. Er schlug vor, die Übungsleiter der Vereine einzubinden, um Abhilfe zu schaffen. Einige Vereine in Oberberg seien bereits auf die Schulen zugegangen, diese Bemühungen müssten intensiviert werden. Wolfgang Schuldner war es gelungen, mit Klaus Balster einen kompetenten Referenten für die erste Runde zu gewinnen. Er legte dar, warum Schulen und Sportvereine lebensbedeutsame Bewegungsorte sind.
"Für die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen müssen ausreichende Wahrnehmungs- und Bewegungsreize zur Verfügung stehen, sonst bleibt die Entwicklung personaler und sozialer Kompetenzen auf der Strecke", erläuterte Balster. Das Problem sei, dass die notwendigen Bewegungsorte fehlten oder aber nicht mehr wahrgenommen würden. Daher seien verlässliche Orte wie Schulen und Sportvereine unabdinglich.
Einer zu großen Zahl Erwachsener sei der lebensbedeutsame Wert von Bewegung nicht bewusst und es sei an der Zeit, umfängliche Verstehens- und Sensibilisierungsprozesse einzuleiten, um den Kindern ihre Bewegungswelt zu sichern....
"Es gibt genug Broschüren mit wertvollen Anregungen." Keiner spreche davon, dass die Vereine den Schulsport gestalten sollten. "Wir müssen die Schulen begleiten, losgehen und sehen, an welchem Kuchenstückchen wir partizipieren können.
Schulrat Walter Klöckner erklärte, dass in Bergneustadt Vereine und Schulen in einem Boot sitzen, seit Mitte der 70er Jahre der Stadtsportverband gegründet wurde. „Man muss vor Ort kleine Schritte aufeinander zu tun, statt über kaputte Fensterscheiben oder Wollmäuse in Turnhallenecken zu klagen.“ Beucher rief dazu auf, sich umzuhören und positive Beispiele der Zusammenarbeit zu kopieren.
Darmstädter Echo 21.1.
Bewegungskompetenz ein Kulturgut
Schulsport-Globetrotterin Gudrun Doll-Tepper kämpft gegen weltweite MisereProfessorin Gudrun Doll-Tepper verkörpert die weltreisende Anwältin in Sachen Schulsport. Am Freitagabend diskutierte sie in der Aula der Odenwaldschule in Ober-Hambach die internationale Entwicklung vor Mitgliedern des Olympischen Clubs Starkenburg und Lehrernovizen des Studienseminars für Gymnasien in Bensheim. Die Berliner Sportwissenschaftlerin, Präsidentin des Weltrates für Sportwissenschaft und Leibes- und Körpererziehung (seit 1997), skizzierte die globale Krise des Schulsports.
Die Symptome: Schwindender Status. Rückgang der Stundenzahl. Geringes Ansehen in der Politik. Vor allem in Osteuropa und in Entwicklungsländern belasten marode Sportstätten und Ausrüstung. Darunter leidet die ansonsten gute Ausstattung der Stundentafeln dort (wöchentlich bis zu fünf Stunden). In Ungarn beispielsweise ist Sport fester Bestandteil akademischer Ausbildung.
Gudrun Doll-Tepper predigte Selbstbewusstsein: „Man muss das Fach auch nicht kleinreden. Ich bin überzeugt, dass es eine Investition ist, die sich absolut lohnt – eine unbezahlbare Investition in die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.“ Aufbruchstimmung, die der vom Weltrat mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Unesco im November 1999 in Berlin veranstaltete Weltgipfel zum Schulsport weckte, ist gedämpft – auch das damals heftige öffentliche Interesse.
Seit die Pisa-Studie Ende 2001 deutschen Kindern beängstigende Mängel an mathematischer und Lesekompetenz testierte, steht Bildungspolitikern und Eltern der Sinn noch weniger nach Schulsport. Dabei sieht Gudrun Doll-Tepper in der Bewegungskompetenz ein Kulturgut und fächerübergreifende Bedeutung des Schulsports. Dennoch, Hardliner im föderalen Bildungsgeflecht, darunter Hochschulrektoren, würden das Fach gerne streichen.
Sportpolitisch kristallisierte sich hierzulande im November 2001 eine konzertierte Aktion für Bewegung in der Schule heraus. Beim Perspektivgipfel in Karlsruhe übten Kultusministerkonferenz, kommunale Spitzenverbände und Sportverbände den Schulterschluss: Schulsport sei unverzichtbarer Bestandteil im Bildungsalltag. Ist das nun ein Fortschritt oder eine mehr von Hunderten von Absichtserklärungen und Deklarationen? Die Schulsport-Misere existiert seit über 40 Jahren. Lösungen sind nicht in Sicht.
Das Karlsruher Bekenntnis in qualifizierte tägliche Bewegungszeit umzusetzen, verlangt Beharrlichkeit, Überzeugungskraft, Selbstbewusstsein und Multiplikatoren – modern ausgebildete, einsatzfreudige, junge Sportlehrer. Gudrun Doll-Tepper rief dazu auf, offensiv – mit guter Arbeit und guten Beispielen – in die Öffentlichkeit zu gehen. Ohne zu klagen und zu jammern. Aktionsbündnisse und Netzwerke, sowie Lobbyarbeit in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik sind angesagt. Dazu stärkere Vernetzung von Bildung, Wissenschaft und Kultur, Entflechtung der verwirrend vielen Schulsportkonzepte sowie Qualität in der Aus- und Weiterbildung. Die Diskussion um den präventiven, ökonomischen Nutzen des Schulsports im kostspieligen Gesundheitswesen verspricht Aufmerksamkeit.
Die Sportlehrerausbildung an Hochschulen nannte die Referentin aus eigener Kenntnis altmodisch und nicht bedarfsgerecht: „An den Hochschulen ist der Wechsel sehr schwer“, beschrieb sie bürokratische Hindernisse und Konkurrenzkampf der Fakultäten. Dennoch, der Optimismus der Globetrotterin des Schulsports war in Ober-Hambach nicht zu erschüttern.
12.1.Taunus-Zeitung
Hessische Turnjugend sagt fehlender Qualität des Schulsports den Kampf an
Hochtaunus. In der öffentlichen Diskussion um den Schulsport wird vielfach die Qualität des Schulsports bemängelt. Oft fallen den Lehrern nur immer wieder die gleichen Ballspiele ein und die Turngeräte bleiben ungenutzt in den Geräteräumen stehen.
Diesem weit verbreiteten Missstand möchte die Hessische Turnjugend (HTJ) in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium und dem Hessischen Turnverband (HTV) mit der „Offensive Turnen in der Grundschule“ begegnen.
Ab dem Schuljahr 2002/2003 wird ein hauptamtlicher Referent möglichst viele Grundschulen in Hessen besuchen und „Musterschulsportstunden“ durchführen. Die Lehrkraft wird mit einem Transporter ausgestattet, der noch viele ergänzende Materialien zur gewöhnlichen Hallenausstattung bereit hält.
In diesen exemplarischen Kinderturnstunden sollen die vielfältigen Möglichkeiten des Kinderturnens in der Schule aufgezeigt und den Lehrern vermittelt werden. Mit dem Projekt sollen nicht zuletzt auch die motorischen Grundeigenschaften und koordinativen Fähigkeiten der Kinder verbessert werden.
Nach der Durchführung dieser Musterschulsportstunden sollen weiterführende Fortbildungsangebote für die Lehrer durchgeführt werden. Geplant ist, dass der Referent in jedem Schulamtsbereich zwei Wochen tätig ist, um möglichst viele Regionen Hessens abzudecken.Der Abschluss dieses Projektes soll beim Landeskinderturnfest vom 20. bis 22. Juni 2003 erfolgen.
11.1. Kieler Nachrichten
"Sport Dich Fit": 2002 ist das Jahr des Schulsports
Am 27. Februar wird im Sportforum der Kieler Universität offiziell das "Jahr des Schulsports" in Schleswig-Holstein eröffnet. Unter dem Motto "Sport Dich Fit" soll es an den Schulen zwischen den Meeren in 2002 sportlich zugehen. Kultusministerin Ute Erdsiek-Rave möchte mit dem "Jahr des Schulsports" den Schulsport mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und zeigen, wie vielfältig und interessant zeitgemäßer Sportunterricht ist. "Der Schulsport ist ein zentraler Bestandteil umfassender Bildung und Erziehung. Er soll bei den Kindern und Jugendlichen die Freude an der Bewegung und der Gemeinschaft wecken und zugleich Fähigkeiten wie Fairness, Toleranz, Teamgeist und Leistungsbereitschaft fördern", sagte die Ministerin bei der Vorstellung des Programms.Im Rahmen der Auftaktveranstaltung am 27. Februar werden in Kiel die Landesfinalkämpfe im Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia" in den Sportarten Basketball, Handball, Volleyball, Geräteturnen, Schwimmen und Tischtennis ausgetragen. "Weitere Höhepunkte sind sicherlich der Staffelmarathon im Rahmen des Internationalen Plöner Raps-Blütenlaufes um den Trammer See Anfang Mai, der Inline-Skating-Event Ende Mai am Schönberger Strand, der Staffelmarathon Ende Mai auf Helgoland und die zentrale Sommerveranstaltung im Juni in Lübeck ", blickt Uwe Voß, Gesamtkoordinator im Kieler Bildungsministerium, voraus.
In diesem Jahr werden aber nicht nur vielfältige Wettkämpfe angeboten, Workshops, Projektarbeiten, Schulsportgespräche und eine Wanderausstellung informieren über den Schulsport, der in der Öffentlichkeit nicht immer das beste Ansehen genießt. Das Institut für Sport- und Sportwissenschaften der CAU lädt ab Anfang Mai zu einer Ringvorlesung mit dem Titel "Schulsport – quo vadis?" ein, bei der eine Bestandsaufnahme des Schulsports und Entwicklungsmöglichkeiten diskutiert werden.
Wer schon jetzt nähere Informationen über das Jahr des Schulsports haben möchte, kann diese auf der Homepage des Ministeriums unter http://schulsport.lernnetz.de erhalten.
11.1. Wiesbadener Kurier
Lustlose Schüler, alte Lehrer und fader Unterricht
Schulsport verliert an Bedeutung /Fitness der Jugendlichen nicht besonders gut/ Warnung vor GesundheitschädenKein gutes Haar wird nach der Veröffentlichung der PISA-Studie am deutschen Bildungssystem gelassen. In der Kritik steht allerdings auch ein Fach, das in die Untersuchung nicht einbezogen war: der Schulsport. Lustlose Schüler, ergraute Lehrer, altbackener Unterricht - so lautet der übliche Befund. Der gesunkene Stellenwert des Schulsports zeigt sich aber vor allem darin, dass er seltener stattfindet als früher. Viele Schulen haben die dritte wöchentliche Sportstunde vermeintlich dringerenden Aufgaben geopfert, etwa der Nachhilfe beim Lesen oder der Rechtschreibung. Das schlechte Abschneiden bei der PISA-Studie könnte diese Entwicklung noch vertärken.
"Eltern machen häufig Druck, sich lieber auf die härteren Fächer" wie Deutsch oder Mathematik zu konzentrieren", sagt Peter Lautenbach von der Deutschen Sportjugend in Frankfurt...
Viele Wissenschaftler halten diese Geringschätzung aber für einen Fehler. So beuge Sport nicht nur gesundheitlichen Schäden vor, er steigere auch die Lernfähigkiet in anderen Fächern, helfe beim Erwerb sozialer Kompetenz und beuge damit letztlich dem Entstehen von Gewalt und Extremismus vor.Studien zufolge ist es um die Fitness der Jugendlichen in Deutschland nicht zum besten bestellt. So hat Professor Klaus Bös vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe bei Tests ermittelt, dass Zehnjährige heute bei sechsminüitgen Dauerlauf rnd 150 Meter weniger schaffen als 20 Jahre zuvor. Auch die Dehnbarkeit beim Rumpfbeugen ist deutlich zurückgegangen. Der Bewegungsdrang sucht sich offenbar andere Ventile: "Man kann heute eben auch Computerspiele vollführen", so Bös....
Rund 80% aller Jugendlichen treten irgendwann mal einem Verein bei. Viele verlieren auch schon bald wieder das Interesse. "Der Höhepunkt liegt im 13. Lebensjahr", sagt Volker Scheid, Sportwissenschaftler an der Universität Kassel....Gefragt sind Angebote, bei denen es mehr um Spaß an der Bewegung als um Höchstleistung geht..
Da die Vereine oft nur Durchgangsstationen sind, kommt dem Schulsport weiterhin eine wichtige Funktion zu. Doch viele Schüler empfinden beim Sportunterricht mehr Frust als Lust. "Es gibt ein Generationsproblem", so Sportpädagoge Scheid. Der Alterdurchschnitt der Sportlehrer liegt bundesweit bei 49 Jahren. Viele wurden in einer Zeit geprägt, als Turnen, Leichathletik, Schwimmen und die Ballsportarten den unverrückbaren Kanon des Sportunterrichts bildeten. Hinzu kommen starre Lehrpläne, die Trendsportarten wie Inlineskating nur als freiwillige Zusatzveranstaltungen am Nachmittag zulassen.Bevor Geld in die Verbesserung des Schulsportsund die Ausbildung junger Lehrer fließt, müssen die Missstände wohl erst wie bei der PISA-Studie schwarz auf weiß beglaubigt sein. Eine solche Untersuchung fordern Sportwissenschaftler seit vielen Jahren."Bisher haben de Kultusminister aber immer abgelehnt", so Volker Scheid. "Offenbar fürchtet man sich vor den Ergebnissen."
11.01.2002 dpa
Wegen dicker Kinder in Texas Schulsport wieder eingeführt
Fort Worth (dpa) - In den Grundschulen des US-Bundesstaates Texas wird der Schulsport wieder eingeführt. Grund: Immer mehr Kinder leiden an Übergewicht. Nach Medienberichten beschloss dies die oberste texanische Schulbehörde. Ärzte und Lehrer hatten sich über die schlechte Gesundheit der Schüler beklagt. Die meisten Grundschulen in Texas hatten auf Sportunterricht verzichtet, um mehr Zeit für Lesen, Schreiben und Mathematik zu gewinnen. Eines von fünf US-Kindern ist zu dick, der Anteil steigt rasant.
2.1. 2002 Lehrer-online
CDU will Hamburg im Leistungssport voranbringen
Mit einem Sechs-Punkte-Plan will die CDU den Leistungssport in Hamburg fördern und die Stadt für Olympia 2012 fit machen. So sollenSchüler künftig auf Sport-Schulen in den Sparten Fußball, Hockey und Handball gezielt gefördert werden. Die Sport-Schulen sollen nach einem Modell des Sport-Gymnasiums Magdeburg aufgebaut werden.
Ab Klasse acht sollen neben den obligatorischen drei Sportstunden weitere drei Förderstunden außerhalb der Unterrichtszeit von Trainern und Lehrern als leistungsorientierte Spezialausbildung angeboten werden (dpa).
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