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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
Sportpädagogik-Online und Sportunterricht.de
.. Hier erscheinen - ständig aktualisierte - Meldungen rund um den Schulsport. Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben.
Archiv 2001
18.12. 2001 Weser Kurier
Schulsport auf Hund gekommen
Runder Tisch schlägt Alarm:
Mindestens drei Unterrichtsstunden pro WocheDie Aussage klingt überzogen, trifft aber den Kern: „Wenn das so weiter geht, braucht ein Grundschüler im Jahre 2010 Gehhilfen.“ Eine Ursache für die dramatische Entwicklung: Der Schulsport ist auf den Hund gekommen. Besonders in Bremen. Das soll sich jetzt radikal ändern. Mindestens drei Stunden Sportunterricht in der Woche fordern Experten. Und der Bildungssenator sagt: „Nach der vierten Klasse müsste jeder Schüler schwimmen können.“
Bei Willi Lemke rennt der „Runde Tisch Schulsport“ offene Türen ein. Bremer Sportlehrer, Ärzte, Krankenkassen und Eltern haben sich zusammen geschlossen, um den Trend in die bewegungslose Gesellschaft zu stoppen. Schließlich, so Ernst Steinhoff, Sprecher des runden Tisches, litten heute fast 50 Prozent aller Schüler an Haltungsschäden und Koordinierungsproblemen. Anders formuliert: Wenn ein Grundschüler eine Rolle vorwärts machen soll, ist zu befürchten, dass er sich den Hals verrenkt oder den Arm bricht.
Unlängst hat die Bremische Bürgerschaft auf die unheilvolle Entwicklung reagiert. Weil im kleinsten Bundesland Woche für Woche 2000 Unterrichtsstunden ausfallen, verlangt sie, den Schulsport attraktiver zu gestalten. Außerdem seien wöchentlich drei Stunden Sportunterricht zu erteilen und vor allem neue Lehrer mit der Lehrbefähigung für Sport einzustellen.
Alles Forderungen, die Lemke jetzt gegenüber dem runden Tisch für legitim erklärte und die er inhaltlich unterstützt. Wie gesagt: inhaltlich. Angesicht der bremischen Finanzlage will Lemke nichts versprechen. Das aber bedeutet im Umkehrschluss: Vor allem die Eltern müssen in den Schulkonferenzen noch mehr Druck machen, damit sich der Gesamtsenat bewegt.
Darauf jedenfalls setzt Steinhoff. Wenn das Durchschnittsalter der Sportlehrkräfte an Bremens Schulen bei 55 Jahren liege, spreche das Bände. Es könne nicht sein, dass ein Opa den Vorturner spiele. Noch schlimmer: Mehr als 60 Prozent der Lehrer, die an Grundschulen Sportunterricht erteilen, besitzen dafür gar keine Befähigung. Und was passiert, wenn ein Schüler unter ihrer Aufsicht einen Unfall erleidet? Dann ist Holland in Not. Schon aus versicherungstechnischen Gründen, so Lemke gegenüber dem runden Tisch, müssten sich Lehrer fortbilden, um Sportunterricht fachgerecht erteilen zu können. Schulungen sollen vom nächsten Jahr an grundsätzlich in den Ferien oder nachmittags erfolgen. Allen Bremer Pädagogen wird in der letzten Sommerferienwoche eine zweitägige Präsenzpflicht verordnet.
Im Kampf gegen Bewegungsarmut und Körperschäden schweben dem Bildungssenator – neben dem Freischwimmerzeugnis für alle Grundschüler – Schulsporttage in den einzelnen Regionen der Stadt sowie Schulmeisterschaften vor. Damit nicht genug: Überall in Bremen und Bremerhaven sollen Grundschulen und Sekundarstufen-I-Zentren mit sportlichen Schwerpunktangeboten entstehen.
Soweit will Ernst Steinhoff noch gar nicht in die Zukunft blicken. Zunächst gelte es, die geforderten drei Wochenstunden Sport für alle politisch durchzusetzen und junge Sportlehrer einzustellen. Steinhoff: „Zum Nulltarif ist das natürlich nicht zu haben.“
Frankfurter Rundschau 15.12.
Flagfootball ist Trend
46 Schulteams kämpften um hessische Meisterschaft
Im Sport gibt es bekanntlich Sieger und Verlierer. Erik Math, Trendsportbeauftragter des Staatlichen Schulamts, gehört derzeit zu den Verlierern. Genauer: zu den "Verlierern" eines Booms. Vor einigen Jahren, als das Interesse an Flagfootball zwar schon vorhanden, die Möglichkeiten, es an Schulen zu betreiben, jedoch begrenzt waren, holte der Sportlehrer zweimal mit der Schulmannschaft der Bornheimer Realschule die Hessische Schulmeisterschaft im Flagfootball. Diesmal, bei der fünften Galaxy Bowl, ist sein Team hingegen schon vor dem Finalturnier ausgeschieden. "Die Konkurrenz hat dazugelernt, und wir spielen nur noch im Mittelfeld", sagte Math und verfolgte die Hessischen Schulmeisterschaften am vergangenen Donnerstag lediglich als Zuschauer.
Denn Flagfootball wird immer beliebter. Darauf lässt zumindest die ständig steigende Zahl von Teilnehmern an der Schulmeisterschaft schließen. Stritten sich 1998 beim ersten Galaxy Bowl lediglich zehn Teams um die Landesmeisterehre, so fanden sich für die fünfte Auflage schon 46 Anwärter. Qualifikationsturniere und eine Zwischenrunde waren nötig, um die Teilnehmer für die Endrunde im Kalbacher Sport- und Freizeitzentrum zu ermitteln. Es ist aber nicht nur die Quantität, die den Schluss zulässt, dass die körperlose Form des American Football sich im Aufwind befindet, sondern auch die Qualität der dargebotenen Leistungen: Die 12- bis 14-Jährigen "spielen mittlerweile auf einem hohen Niveau und beherrschen auch die taktischen Varianten", urteilt Math.
Der Realschullehrer hatte einst als einer der ersten das Fortbildungsangebot der Frankfurt Galaxy angenommen. "Der Impuls kam, wie bei allen Trendsportarten, durch die Nachfrage der Schüler", erinnert sich Math, der findet, dass Flagfootball - ein Sport ohne Körperkontakt - "hervorragend in den Schulsport passt."
Mittlerweile haben ihm etliche hessische Sportlehrer nachgeeifert. Etwa 500 besuchten bereits einen zweitägigen Fortbildungslehrgang, von denen die Galaxy jedes Jahr über 20 anbietet, wie Bernd von Lapp von der NFL Europe, schätzt. Von Lapp ist Europamanager für Flagfootball und als solcher daran interessiert, "eine Brücke vom Schulsport zum Vereinssport" zu bauen, weil die Vereine der NFL Europe keine eigenen Jugendteams haben.
Die Methoden, weitere Lehrer für eine Fortbildung zu begeistern, sind vielfältig. Große Resonanz habe von Lapp mit einem Bericht in einer Fachzeitschrift für Sportlehrer erzielt, aber auch mit "Mundpropaganda" würde viel erreicht. Oder es funktioniert so wie in Gießen. Aus der mittelhessischen Stadt hatte zunächst lediglich ein Team an der Meisterschaft teilgenommen. Dass diese erfolgreich war und entsprechende Medienresonanz hervorgerufen hat, "war den anderen ein Dorn im Auge", sagt von Lapp. Mittlerweile machen fünf Schulen mit, und Gießen ist eine "kleine Hochburg" geworden.
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DSB-News 14.12.
Schulsport auf dem Prüfstand
Im Rahmen einer Fachtagung hat die Kommission "Sport" der Kultusministerkonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern der interessierten Institutionen am 10./11.12.2001 im Kongresszentrum Karlsruhe die Entwicklungsmöglichkeiten des Schulsports diskutiert.
Die Tagung wurde gemeinsam von der Kultusministerkonferenz und dem Deutschen Sportbund unter Beteiligung der Sportministerkonferenz und des Sportausschusses des Deutschen Bundestages veranstaltet...
Die KMK-Präsidentin sagte:
Schulen und Sportvereine sind gemeinsam in der Pflicht, aktiv dazu beizutragen, den gesellschaftlich bedingten Bewegungsmangel auszugleichen und zum lebenslangen Sporttreiben zu motivieren und zu befähigen.Manfred von Richthofen stellte fest:
Die gegenwärtige Diskussion über die Ergebnisse der PISA-Untersuchung bietet für den Schulsport eine große Chance. Es ist schließlich die breite Öffentlichkeit, die nach dieser Offenbarung einen Ruck in der Bildungslandschaft erwartet. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass der Schulsport beim unvermeidlichen Sanierungs- und Erneuerungsprogramm seinen angemessenen Platz erhält.Prof. Dr. Helmut Digel, Tübingen, kam in seinem Grundsatzreferat "Einflüsse gesellschaftlicher Entwicklungen auf Schule und Sport" zu folgendem Fazit:
Schulsport ist mehr als Sportunterricht. Er kann das notwendige Mehr ermöglichen, wenn es die Verantwortlichen in der Schule selbst wollen und wenn die Rahmenbedingungen erfüllt werden. Dabei kommt der Zusammenarbeit mit den Sportvereinen eine herausragende Bedeutung zu.
Den Schülerinnen und Schülern muss die Möglichkeit eröffnet werden, sich selbst zu organisieren, den Eltern muss eine Mitarbeit dort eröffnet werden, wo sie sich mit ihren spezifischen Kompetenzen einbringen können.
Entscheidend ist jedoch, ob Lehrer, Schüler, Eltern und alle Verantwortlichen zur grundlegenden Übernahme von Verantwortung bereit sind, ohne dass man wartet, bis endlich der andere den ersten Schritt tut.Anschließend wurden auf der Grundlage aktueller Praxisprojekte der Länder zu den Themen:
zentrale Fragen des Schulsports diskutiert.
- Tägliche Sportstunde;
- Integration von körperbehinderten Schülerinnen und Schülern;
- Schulsport gegen Gewalt und Extremismus;
- Sport- und bewegungsfreundliche Schule;
- Kooperationsmaßnahmen zwischen Schulen und Sportvereinen;
- Erwerb von Übungsleiterlizenzen in Sportunterricht und Ausbildun von Schülerassistenten;
- Förderung junger Leistungssportlerinnen und Leistungssportler in "Sportbetonten Schulen" und "Partnerschulen des Leistungssports";
- Innovative Modelle der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Sportlehre-rinnen und Sportlehrern
An der abschließenden Podiumsdiskussion der beteiligten Partner und der interessierten Institutionen wurde einvernehmlich als Ergebnis der Fachtagung festgestellt, dass die Praxisinitiativen der Länder und des Sports dazu beitragen, die Entwicklung des Schulsports voranzutreiben. Darüber hinaus wurden folgende Forderungen formuliert:
- Durchführung von drei Sportstunden in allen Klassenstufen,
- Etablierung des Sportunterrichts in der Berufsschule,
- Bedarfsgerechte Einstellung von Sportlehrerinnen und Sportlehrern und dadurch Reduzierung des Stundenausfalls im Sportunterricht,
- Tägliche Bewegungsangebote in der Grundschule,
- Förderung der Eigeninitiative und Eigenverantwortlichkeit von Schülerinnen und Schülern,
- Anerkennung der Bedeutung des außerunterrichtlichen Schulsports
- Endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass Spiel, Sport und Bewegung für die verbesserte Lernfähigkeit im Hinblick auf den ganzheitlichen Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler von entscheidender Bedeutung sind.
In diesem Zusammenhang wurde die Kultusministerkonferenz erneut gebeten, nicht zuletzt vor dem Hintergrund von PISA 2000, eine wissenschaftliche Untersuchung auch über die Situation des Schulsports zu unterstützen.Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass der Sport einen wesentlichen und unverzichtbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen leisten kann und empfehlen den Schulen und Sportvereinen, die Kreativität der jungen Menschen zu nutzen und sie so weit wie möglich in alle Entscheidungen einzubeziehen.
Süddeutsche Zeitung 12.12.
Schulsportkongress in Karlsruhe
Fehlende Reformen![]()
Das muss eine helle Freude gewesen sein für Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), als er am Montag zu Beginn der zweitägigen Fachtagung „Perspektiven des Schulsports“ den Blick durch die Reihen im Kleinen Saal des Karlsruher Konzerthauses schweifen ließ. Denn da saßen jede Menge Polit-Adlige, die er bei ähnlichen Anlässen so zahlreich noch nicht erlebt hatte: lauter Vorsitzende von allen möglichen wichtigen Konferenzen, von Kultusministerkonferenzen, Sportministerkonferenzen, Sportreferentenkonferenzen von Sportministerkonferenzen. „Ein beachtlicher Vorgang“, jubelte Richthofen in seinem Grußwort: „Wir sind jetzt an einer Schwelle angekommen, wo wir Hoffnung schöpfen dürfen.“ Stunden später, als der Saal sich geleert hatte, wirkte er immer noch zufrieden. Diese Besetzung! Richthofen schwärmte. „Das hat es noch nie gegeben – auch wenn’se wieder alle gleich gerannt sind.“
...Über das Thema Schulsport zu tagen ist schließlich nie verkehrt, und schon gar nicht hinterher öffentlich zu machen, dass er tatsächlich eine wichtige Funktion in der Erziehung junger Menschen einnimmt. Sport mit seiner integrativen Kraft, seiner spielerischen Art, Werte zu vermitteln und heranwachsende Körper für ein anstrengendes Erwachsenenleben zu wappnen, ist ein besonders wertvoller Bestandteil des Fächerkanons (sofern ihn nicht irgendwelche ehrgeizigen Hobbytrainer missdeuten) – diese Erkenntnis gehört in regelmäßigen Abständen ausgerufen, weil sie, obwohl wissenschaftlich erwiesen, zu viele immer noch nicht verinnerlicht haben.
Andererseits durfte man auch diese Tagung nicht unkritisch vorbeiziehen lassen. Sie wirkte mehr wie ein Schaulaufen schulsportpolitischer Musterprojekte denn als strenger Report aus den Problemzonen der Bildungsressorts. Aus Bad Homburg etwa klangen sanft die erfreulichen Ergebnisse eines staatlich geförderten Projekts mit einer täglichen Sportstunde. Aus Hannover schallte die Hymne auf das vorbildlich umgesetzte Konzept der so genannten Bewegten Schule mit haltungsfreundlichen Klassenzimmermöbeln und freiem Sportunterricht an der Fridtjof-Nansen-Schule. Und das Otto-Hahn-Gymnasium in Karlsruhe pries sich für seinen Status als Partnerschule des örtlichen Olympiastützpunktes. Das vermittelte das gute Gefühl, dass auch kluge Zukunftsprojekte funktionieren.
Aber die ganze Wirklichkeit im deutschen Schulsport spiegelte es nicht wider. Denn in der gibt es immer noch viele Probleme: überalterte Sportlehrer, niedrige Wochenstundenzahlen (nämlich höchstens je drei in den 16 Bundesländern). Dass die Jugend in ihrer technisierten Welt zusehends an körperlicher Leistungsfähigkeit einbüßt, gilt weiterhin als aktueller Forschungsbefund. Und Richthofen sieht noch ein Symptom der Krise: „Die Kultusminister haben sich geweigert, eine Untersuchung durchführen zu lassen, inwieweit die Wochenstunden Schulsport auf dem Papier auch wirklich erteilt werden.“ Darüber wundert er sich. „Das widerspricht allen Klängen.“
Es fehlen grundlegende Reformen des Schulkonzepts in diesem Land, und dabei geht es längst nicht nur um den Sportunterricht. Die jüngste Studie zum internationalen Bildungsniveau im Auftrag der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat dem deutschen Lernbetrieb insgesamt ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. In der Pisa-Studie landeten deutsche Schüler in den Disziplinen Lesekompetenz, mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung auf den hinteren Plätzen. Sport war nicht in der Wertung: Aber: „Wer über Pisa spricht, muss auch über Schulsport sprechen“, sagt Kultusministerin Schavan. Bewegung baut Stress ab, fördert die Konzentration und damit die geistige Leistung, so lautet eine gängige These unter Pädagogen. „Es geht um Lernkultur“, ruft Annette Schavan. „Wie wirksam ist das, was an unseren Schulen geschieht?“ Sie und ihre Kollegen werden die Frage demnächst selbst beantworten müssen. Und dann mehr tun als nur reden: nachdenken, handeln. Und nicht gleich wieder rennen.
Hamburger Abendblatt 11.12.
Was für ein ZIRKUS
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Spaß soll es machen im Schulzirkus des Margaretha-Rothe-Gymnasiums. Wie sich die jungen Darsteller auf ihre Premiere vorbereiten.
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Hamburg - Farbenfrohe Bälle fliegen durch die Luft, bunte Tücher werden schwungvoll hochgeworfen und hell leuchtende Plastikteller auf hölzernen Stöcken balanciert. Kinder fahren auf Einrädern vorbei, und in einer Ecke probieren drei junge Mädchen wagemutige akrobatische Kunststückchen, während direkt daneben fleißig an neuen Tricks mit dem Diabolo geübt wird. Willkommen beim Schulzirkus PampelMuse.
"In der heutigen Generalprobe für unsere Aufführung nächsten Freitag zeigen uns die neuen Fünftklässler ihre selbst ausgedachten Nummern zu Musik auf der Bühne", erzählt Katja Herr, eine der zwei Verantwortlichen des Schulzirkus, und deutet auf die Bühne, auf der sich gerade vier junge Mädchen in glitzernden Kostümen für ihren Auftritt bereit machen. Sie tragen silberne Perücken mit Pagenschnitt und haben je ein Einrad zwischen die Beine geklemmt. Zu Musik von Starlight Express geht es los: Runden drehen, auf der Stelle pendeln, rückwärts fahren. Kein Trick wird ausgelassen. Zwar plumpsen die Artistinnen gelegentlich vom Rad, doch ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, und bis nächsten Freitag bleibt schließlich noch etwas Zeit. "Eigentlich ist das Einradfahren gar nicht schwer", erklärt die 14-jährige Julia später. "Man muss nur genug üben." Ihre Mitschülerin Amit war anfangs "echt frustriert. Alle konnten Einrad fahren, nur ich nicht." Und das war Ansporn genug für die Gymnasiastin, sich fast täglich auf den einrädrigen Drahtesel zu schwingen. Kurz darauf sind die Jongleure an der Reihe. Aus dem Lautsprecher ertönt "Dancing Queen" von Abba. Niklas verfolgt konzentriert mit weit geöffneten Augen seine drei Bälle. Die blonden Strähnen seiner Perücke fallen ihm ins Gesicht, und mit den viel zu langen Hemden sehen er und der mit Tüchern jonglierende Alexander aus wie Clowns.
Zur Premiere am Freitag kommen Niklas‘ Eltern, seine Oma und der Onkel, "und darum bin ich ganz schön aufgeregt", erklärt der Elfjährige. Außerdem hat er Angst, dass ihm ständig die Bälle runterfallen. Schließlich kommen auch einige Lehrer der Schule. "Ich übe fast jeden Tag zu Hause und höre dabei Radio oder CD", sagt der Fünftklässler, der "fünf bis sechs Wochen trainieren musste, um überhaupt mit drei Bällen jonglieren zu können. "Jetzt kommen die Tricks dazu. Die lerne ich von den Älteren im Schulzirkus."
Genau das macht den Zirkus aus. "Man hat sehr viel Kontakt zu älteren Schülern", sagt der zehnjährige Martin, "gerade wenn man neu an der Schule ist, kann man so viele Leute kennen lernen". Martin läuft auf Leitern, die er wie Stelzen benutzt. Beigebracht hat ihm das der 18-jährige Julius. "Anfangs konnte ich nicht mal drauf stehen, ohne umzukippen. Und jetzt kann ich sogar damit gehen", erzählt er voller Stolz. Romy mag besonders die Vielfalt am Schulzirkus. "Im Sportverein betreibt man eine einzige Sportart, aber im Schulzirkus machen wir immer verschiedene Dinge." Mal jonglieren sie, mal fahren sie Hochrad, und ein andermal probieren sie sich in der Schauspielerei. Die 14-jährige Amit kennt einen entscheidenden Unterschied zum Sportverein: "Der Leistungsdruck ist dort viel höher. Bei uns geht es darum, Spaß zu haben." Es ist eben ein Hobby wie jedes andere auch. Andere spielen Fußball oder machen Karate, und sie machen Zirkus - mit Erfolg.
Körpererziehung braucht mehr Raum
Sportlehrer-Tagung
Sport als gleichberechtigtes Prüfungsfach in Klasse 10, Sportunterricht an Grundschulen nur von entsprechend qualifizierten Pädagogen oder bessere Zusammenarbeit von Schulen mit Sportvereinen - das forderten die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung des Deutschen Sportlehrer-Verbandes (DSLV) Sachsen unter anderem am Sonnabend in der Landessportschule Werdau.
"60 Prozent der Schüler haben Haltungsschäden, und jeweils 25 Prozent sind zu dick oder haben Kreislaufprobleme", erklärt Detlef Stötzner, Präsident des DSLV-Sachsen. "Das ist eine negative Begleiterscheinung unserer technisierten Gesellschaft." Der Sportunterricht sei oft die einzige Zeit, in der sich die Kinder bewegen.
Ein Schritt in die richtige Richtung ist aber bereits getan: Sachsens Kultusminister Matthias Rößler bestätigt demnächst durch einen Schulleiterbrief, dass ab dem Schuljahr 2002/ 03 an Mittelschulen und Gymnasien jeweils für die Klassenstufen 5 bis 10 beziehungsweise 5 bis 7 eine verbindliche dritte Sportstunde pro Woche eingeführt wird. Außerdem sollen mehr Absolventen eingestellt und somit der Nachwuchs an qualifizierten Sportlehrern gesichert werden.
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Oberhessische Presse 22.11.
Schulsport im Abseits ?
Experten, Lehrer, Schüler, Eltern und Studenten diskutieren über Schulsport
Marburg. Schulsport im Abseits? – 200 Besucher waren am Dienstagabend in die Sporthalle des Gymnasium Philippinum gekommen, um über dieses Thema zu diskutieren.
Die Sporthalle des Gymnasium Philippinum ist ein perfekter Ort, um über das stiefmütterlich behandelte Thema Sport in Schulen zu diskutieren. Das dachten sich auch Frank Dingel und Hans Brauer. Die beiden Lehrer des Philippinum organisierten die Podiumsdiskussion mit interessanten Gästen.Als Experten standen auf dem Podium zur Verfügung: Florett-Olympiasiegerin Cornelia Hanisch, heute Lehrerin, Sportreporter Werner Damm, Apotheker Dr. Gregor Huesmann, Professor Ralf Laging vom Sportinstitut der Universität Marburg, Klaus Paul vom Hessischen Kultusministerium, Anna-Lisa Jung, Kunstturnerin in der deutschen Nationalmannschaft und Friederike Schindler, Juniorenweltmeisterin im Rhönrad. Bernhard Drude vom Staatlichen Schulamt moderierte die Veranstaltung. Mehr als zwei Stunden wurden Fragen gestellt, auf die vom Podium manchmal gut manchmal gar nicht geantwortet wurde.
„Irgend etwas hat mir gefehlt“, sagte Alexander Luigs hinterher der OP. „Während der Diskussion stand der Leistungssport im Vordergrund. Es ist wenig auf die eigentlichen Probleme im Schulsport, der übrigens wirklich im Abseits steht, eingegangen worden“, kritisierte der Sportlehrer der Gesamtschule in Heskem.
Für seinen Kollege Karsten Mielke waren die Antworten vom Podium zu theoretisch. „Das wichtigste sind die Rahmenbedingungen, die Frage der Hallenkapazität, die Größe der Klassen, die Frage, ob beispielsweise genügend Hockeyschläger für eine ganze Klasse vorhanden sind. Da gibt es Missstände“, sagte Mielke.
Eine Antwort auf die Frage, wie Praxis-Probleme zu lösen seien, wusste Ministerialrat Klaus Paul nicht. Er bemängelte, dass er gerade beim „Dauerbrenner“ Schulsport keinen politischen Druck erlebe. „Sonst beschweren sich Eltern und Lehrer. Hier ist die Lobby offenbar nicht stark genug.“
Die Eltern wurden während der Diskussion oft als diejenigen genannt, die ihre Kinder mehr zum Schulsport, aber auch zu mehr sportlicher Bewegung in der Freizeit motivieren sollten.
Auch über die Ausbildung der Lehrer wurde gesprochen, „Denn die Lehrer sind es, die dafür sorgen müssen, dass die Kinder und Jugendlichen Spiel und Sport genießen können“, sagte Cornelia Hanisch. Während Professor Laging die wissenschaftliche Komponente und neue Lehrmodelle an der Uni erklärte, ermahnte Klaus Paul die Lehrer, sich um Fortbildungsseminare zu kümmern.
Niemand antwortete mit einem klaren Ja oder einem klaren Nein auf die Frage, ob Schulsport im Abseits steht oder nicht. Trotzdem merkte jeder Teilnehmer anhand der Fragen und dargelegten Problem, dass der Schulsport bereits im Abseits steht, und dass es jetzt um Lösungsvorschläge geht. Für Cornelia Hanisch ist dabei die olympische Idee wichtig. „Da geht es um Fairness, gegenseitige Achtung, um eigene Ziele. Darum geht es nicht nur um Sport. Sport ist das Leben im Zeitraffer.“
Paul ging es vor allem um die Bewegung. Er stellte eine Untersuchung vor, die belegt, dass Kinder immer dicker werden und ihre Koordinationsfähigkeit verlieren. „Hier tickt eine Zeitbombe. Der Schulsport muss einen Teil dazu beitragen, dass sich das ändert.“
Marburger Neue Zeitung 23.11.
Bewegungsarmut setzt sich auf dem Stundenplan durch
Expertenmeinung: Schulsport braucht eine Lobby
Marburg. „Im Sportunterricht sind teilweise Kinder, die keinen Purzelbaum mehr können und mit dem Begriff nichts anzufangen wissen", weiß Sportlehrer Frank Dingel vom Marburger Philippinum. Und weil sich solche Szenarien häufen, diskutierten sieben Podiumsgäste in der Sporthalle des Marburger Philippinums die Bedeutung des Schulsports. „Schulsport im Abseits?", lautete die thematische Fragestellung des „forum Philippinum", der 100 Zuhörer interessiert lauschten.Einig waren sich die Experten, dass die meisten Kinder heutzutage zu wenig Sport treiben. Hessens Schüler haben derzeit drei Unterrichtsstunden Schulsport pro Woche. Im Schulalltag wird aber bereits eine Stunde zugunsten anderer Fächer gestrichen. „Wozu war der Schulsport für mein späteres Leben gut?", fragte Dr. Gregor Huesmann, Apotheker und Dopingexperte aus Marburg. Ihm habe der Schulsport einfach keinen Spaß gemacht, erzählte Huesmann. Man müsse sich nur den Zulauf in den Fitnessstudios betrachten: „Was wird dort alles angeboten, was es in der Schule nicht gibt?" Sportreporter Werner Damm vom Hessischen Rundfunk (HR) meinte, der Schulsport müsse heute mehr leisten. Ein Großteil der Jugendlichen sei in einem erbärmlichem körperlichen Zustand. „Ich habe eine Schulgruppe durch das HR-Gebäude geführt", erzählte Damm. „Schon nach einer Stunde mussten sich einige setzen und sagten, sie seien kaputt." Schulsport sei ein Ansatzpunkt, um das Niveau des körperlichen Zustands zu heben, meinte der Sportreporter.
„Junge heimische Sportlerinnen wie die Turnerin Anna-Lisa Jung oder Rhönrad-Junioren-Weltmeisterin Friederike Schindler wären früher „in" gewesen. Heute ist es „in", cool zu sein. Die Werte haben sich verändert", so die Meinung Damms.
An einem Tag verbringe ein Schüler neun Stunden liegend, neun Stunden sitzend, fünf Stunden stehend und eine Stunde in Bewegung, berichtete Klaus Paul vom hessischen Kultusministerium. Darin sei aber bereits der Schulweg enthalten, so dass nur noch 15 bis 20 Minuten intensive Bewegung blieben. Das sei das Untersuchungsergebnis an einer hessischen Grundschule. Außerdem hätten bereits 25 Prozent der Schüler Herz-Kreislauf-Probleme, erklärte Paul. Sport sei das einzige Ausgleichsfach zur Vielzahl der „sitzenden" Fächer. „Hier tickt eine Zeitbombe", sieht Paul die Gefahr der Bewegungsarmut.
Nach einer Aussage des Präsidenten des Sportärzteverbandes sei kein Medikament so erfolgreich wie körperliches Training. In diesem Sinne sei jede ausgefallene Schulsportstunde ein Übel. Ohne die notwendige Lobby für den Schulsport seien aber keine Veränderungen zu erreichen.
Cornelia Harnisch, Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Fechten sowie Berufsschullehrerin in Offenbach, beklagte die mangelnde Erziehung zur Bewegung seitens der Eltern. Gerade im Grundschulalter sei es wichtig, Bewegungen zu erlernen. „Hier sind die Eltern in der Pflicht, sich um die Kinder zu kümmern und sich mit ihnen zu bewegen." Ähnlich sah es Professor Dr. Ralf Laging, Sportwissenschaftler an der Uni Marburg. Der Schulsport könne nicht die gesellschaftlichen Probleme wie falsche Ernährung oder Bewegungsarmut lösen. Zurzeit sei aber auch das Spektrum der Schüler größer: Von denen, die beim Sport noch mehr machen wollten, bis zu denen, die am liebsten ihre Sporttasche zu Hause vergessen würden. Dementsprechend müsse man den Sportunterricht, abhängig von den Begabungen, gestalten.
Für die Juniorenweltmeisterin im Rhönradturnen und Schülerin des Philippinums, Friederike Schindler, bringt der Schulsport vor allem Abwechslung. Im Verein betreibe sie den Sport, der ihr Spaß mache. In der Schule könne sie dagegen auch andere Sportarten ausprobieren und kennenlernen. „Ich hoffe, dass die Punkte der Diskussion nicht in Vergessenheit geraten", meinte Anna-Lisa Jung, Turnerin und ebenfalls Schülerin am Philippinum, abschließend.
Darmstädter Echo 17.11.
Die bewegungsfreundliche Schule
Kommission des Deutschen Sportbunds fordert Studie über die Situation des SchulsportsEs mutet grotesk an. In Zeiten, in denen fast bis zur Ermüdung über die Notwendigkeit einer effektiveren Nachwuchs- und Talentförderung diskutiert wird, sieht sich gerade der Schulsport in der Legitimationskrise. Dies wird allein daran deutlich, dass Eltern eher bereit sind, den Ausfall einer Sportstunde hinzunehmen als etwa die des Mathematikunterrichts. Dem Sportunterricht wird, wie Sabine Sabinarz-Otte vom Bundeselternrat vermutet, nicht mehr viel zugetraut. Vor allem nicht, wenn es darum geht, Kindern und Jugendlichen Schlüsselqualifikationen für ihre spätere berufliche Zukunft zu vermitteln. Was kann Schulsport also heute noch leisten?
Professor Volker Scheid, wie Sabine Sabinarz-Otte Mitglied in der elfköpfigen Kommission Schulsport beim Deutschen Sportbund (DSB), beantwortet diese Frage auf drastische Weise: „Zivilisationskrankheiten heilen.“ Zu den Krankheiten unserer Zivilisation zählt Scheid, der an der Universität Kassel lehrt, Haltungs- und Bewegungsschäden sowie mangelnde soziale Kompetenzen – nicht nur bei Jugendlichen. Kinder seien in der Schulen die meiste Zeit über „ruhig gestellt“, in ihrem natürlichen Bewegungsdrang gehemmt und fest in einem starr organisierten Rahmen „verplant“.
Der Schulsport könne diese fehlenden Frei- und Bewegungsräume schaffen und soziale Handlungsfähigkeit vermitteln. Scheid: „Wir brauchen bewegungsfreundliche Schulen.“ Diese Forderungen sind keineswegs neu. Professor Scheid verheimlicht dabei nicht, dass es dem Sport in der Schule weniger an Theorien und Konzepten mangelt, sondern an „mangelnder gesellschaftlicher Sensibilität“. Die Öffentlichkeit für die Nöte und Sorgen des Schulsports sensibilisieren – das möchte auch der Deutsche Sportbund. Unmittelbare Folge: Der DSB hat in dieser Woche die Kommission Schulsport dem Präsidium des DSB angegliedert.
Mit dieser Maßnahme erhoffen sich die Sportfunktionäre in Frankfurt, den Sport an der Schule wieder aufzuwerten. Darüber hinaus soll sie auch die Forderung des DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen unterstreichen, der die Olympischen Spiele nur einem deutschen Bewerber übertragen möchte, der die Voraussetzungen für eine optimale sportliche Betreuung von Kindern und Jugendlichen in den Schulen sicherstellt.
Voraussetzungen, die nicht nur Professor Christa Helmke in Deutschland als „zumindest gefährdet ansieht“. So liege etwa im Landessportbund Brandenburg das Durchschnittsalter der Sportlehrer an den Schulen bei 50 Jahren. Auch in Hessen ist es kaum niedriger.
Der pädagogische Nachwuchs an den Universitäten werde nicht ausreichen, um den Mangel und jetzt schon vorhersehbaren Bedarf an Sportlehrern zu decken. „Ja, wir schlittern da sehenden Auges in eine Krise hinein“, sagt Christa Helmke, Mitglied in der Kommission Schulsport.
Nicht abzusehen ist die Situation im Bundesgebiet. Der DSB-Kommission liegen keine exakten Zahlen über ausgefallene Sportstunden oder den Altersdurchschnitt der im Fach Sport unterrichtenden Lehrer vor. Ein bisher untragbarer Zustand, wie nahezu alle Mitglieder der Kommission befinden.
Doch auch das soll sich ändern: Unter Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend, Hans-Jürgen Kütbach, hat die Schulsport-Kommission beschlossen, das DSB-Präsidium aufzufordern, eine bundesweite Untersuchung über den Schulsport in Deutschland in Auftrag zu geben. Kütbach: „Wir wollen ausdrücklich eine kritische Studie.“ Damit erhofft man sich beim DSB, einen Aufschrei der Empörung in der Gesellschaft auszulösen, den die Kommission von alleine noch nicht hat herbeiführen können.
Der DSB will in der Schulsport-Diskussion Gas geben
Der Deutsche Sportbund (DSB) will künftig noch größere Anstrengungen unternehmen, um die Misere im Schulsport zu beheben. Dies wird einerseits deutlich durch die Forderung seines Präsidenten Manfred von Richthofen, Olympische Spiele nur einem deutschen Bewerber zu übertragen, der in seinem Bereich die Voraussetzungen für eine optimale sportliche Betreuung der Kinder und Jugendlichen in den Schulen sicherstellt. Andererseits wurde aber auch die Kommission Schulsport des DSB dadurch aufgewertet, dass sie als Präsidialkommission unter der Leitung des Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend, Hans-Jürgen Kütbach, direkt an das Präsidium angebunden ist. Bei der ersten Sitzung unter Kütbachs Leitung wurde eine Bestandsaufnahme vorgenommen und über Grundsatzfragen diskutiert sowie die Fachtagung "Perspektiven des Schulsports" am 10. und 11. Dezember dieses Jahres in Karlsruhe vorbereitet.
Kütbach wurde von der Kommission beauftragt, im DSB-Präsidium anzuregen, dass eine bundesweite Schulsportuntersuchung in Zusammenarbeit mit den Kultusministerien in Auftrag gegeben wird. In einem Pressegespräch appellierten die Mitglieder der Schulsport-Kommission, sich mit Nachdruck für eine Verbesserung des Schulsports einzusetzen. "Wir sind drauf und dran, unsere Kinder ruhig zu stellen, denn sie werden ja überall hingefahren", bemängelte Professor Dr. Volker Scheid aus Kassel dabei das Verhalten von Eltern. Die Vizepräsidentin des Deutschen Sportlehrerverbandes, Prof. Dr. Christa Helmke (Potsdam) forderte eine qualifizierte Sportlehrerausbildung, denn zahlreichen Abgängen aus Altersgründen stünden beispielsweise in Brandenburg nur wenige Ausbildungsplätze pro Jahr gegenüber.
Olympia-Zuschlag nur bei starkem Schulsport
INTERVIEW mit DSB-Präsident Manfred von Richthofen
Eine Olympia-Bewerbung als Motor für den Schulsport? Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) knüpft den olympischen Zuschlag für eine Region oder Stadt unter anderem an einen vorbildlichen Schulsport im entsprechenden Bundesland. Klaus Vestewig befragte von Richthofen, wie er die Situation des Schulsports einschätzt.Herr von Richthofen, der Deutsche Sportbund macht eine erfolgreiche deutsche Olympia-Bewerbung an vier Kriterien fest: einem Schulsport ohne Defizite, der Nachwuchsförderung im Spitzensport, dem Kampf gegen Doping und dem Ausbau der Sportstätten. Erste Forderung ist für Sie ein gesunder Schulsport. Aus welchem Grund?
MANFRED VON RICHTHOFEN: Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Stadt oder Region den olympischen Zuschlag erhält, wo im Schulsport desolate Zustände zu beklagen sind und wo dem Bundesland und seinen Kultusbehörden Defizite nachgewiesen werden. Wer ernsthafte olympische Ambitionen hat, der sollte in der Bewegungserziehung nicht nur Selbstverständlichkeiten der Stundentafeln erfüllen. Der sollte vielmehr vorbildlich sein und bundesweit Zeichen setzen.
Die dritte wöchentliche Sportstunde an den deutschen Schulen wackelt nach wie vor. In einzelnen Bundesländern wurde sie in den vergangenen Jahren gestrichen, und auch in Baden-Württemberg sind drei Stunden nicht in jeder Schulart und Klassenstufe gewährleistet. Wie schätzen Sie die Situation ein?
VON RICHTHOFEN: Es müssen größte Anforderungen unternommen werden, die auf dem Stundenplan stehenden Sportstunden zu verwirklichen. In Hamburg haben wir deutliche Kritik geübt. Das hat im Hinblick auf die Olympia-Bewerbung schon deutliche Wirkung gehabt. Das Saarland und Bayern haben Sportstunden gekürzt. Beide Kultusminister rudern derzeit kräftig zurück.
Mal abgesehen von der Olympia-Frage: Hat denn der DSB tatsächlich Möglichkeiten, Druck auf die Kultusministerien auszuüben?
VON RICHTHOFEN: Der Umgang mit den Kultusministern ist schwierig . Unter den letzten drei Vorsitzenden der Kultusminister-Konferenz hat es nie ein Treffen mit uns gegeben. Nach jahrelanger Pause gibt es erst jetzt unter Frau Schavan aus Baden-Württemberg ein gutes Miteinander. Wir bemühen uns um große Aussprachen mit allen Kultusministern, da gibt es ein kräftiges Gefälle. Mit unserer Erfahrung können wir bei den Gesprächen aus dem Nähkästchen plaudern.
Die Altersstruktur der Sportlehrer an deutschen Schulen ist bedenklich. Untersuchungen besagen, dass der Altersschnitt zwischen 48 und 52 liegt. Was sagen Sie dazu?
VON RICHTHOFEN: Die Überalterung ist ein großes Problem. Ältere Lehrer sind in der Regel nicht mehr so motiviert. Es müsste darauf geachtet werden, dass jüngere Kollegen für den Sportunterricht herangezogen werden. Aber das sind fromme Wünsche. In einigen Bundesländern ist es versäumt worden, Nachwuchs einzustellen. Inzwischen gibt es sogar Abwerbungen von Lehramts-Kandidaten durch andere Bundesländer.
In Baden-Württemberg gibt es jetzt eine Schulsportoffensive mit Fortbildungsangeboten. An Grundschulen wird Sportunterricht aber immer noch bis zu 70 Prozent fachfremd erteilt. Wie beurteilen Sie diesen Missstand?
VON RICHTHOFEN: Grundschüler müssen hervorragende Lehrer haben. Eigentlich sind da fachlich gut ausgebildete Lehrkräfte mehr gefragt als an Gymnasien. Und das ist gerade in den Altersklassen von sechs bis zwölf Jahren günstig für die Freude am Sport.
Die Berichte über gesundheitliche Mängel der Kinder und Jugendlichen durch Bewegungsarmut werden immer alarmierender...
VON RICHTHOFEN: Der gesundheitspolitische Aspekt wird immer bedeutender. Was nützen die schönsten Träume und die kühnsten olympischen Planspiele, wenn die Meldungen über den Gesundheitszustand durch Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Reizüberflutung immer besorgniserregender werden.Warum sollten wir uns um die ganz großen Dimensionen des Weltsports kümmern, wenn wir die selbstverständlichsten und dringendsten Bewegungsangebote für unsere jungen Menschen schuldig bleiben müssen?
Zuletzt scheint die Sensibilität für die Bedeutung des Schulsports etwas gewachsen zu sein. Sehen Sie eine Trendwende?
VON RICHTHOFEN: Die Negativ-Entwicklung scheint etwas gebremst zu sein. Wichtig ist auch, dass uns Partner unterstützen. Bundesärztekammer und Elternvertreter stehen an unserer Seite. Ich selber versuche eine Trendwende über die Olympia-Bewerbung.
Symposium mit dem Titel "Schulsport im Kreis Neuss"
Auf der Suche nach einem anderen Gesicht"In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder
Geist." Eine Jahrtausend alte Weisheit, die allgemein
bekannt und somit nichts Neues ist. Und dennoch gibt sie
trotz oder gerade wegen ihres Alters immer wieder Anlass,
vorhandene Strukturen zu überdenken und das Alte
wiederzuentdecken. So zum Beispiel beim Symposium
"Schulsport im Kreis Neuss", zu dem sich am Samstag
Sportlehrer aller Schultypen aus dem Kreisgebiet trafen."Ziel ist es, dem Schulsport ein anderes Gesicht zu geben. Der rein
sportbezogene Unterricht, wo allein der Leistungsaspekt im
Vordergrund steht, wird den heutigen Anforderungen nicht mehr
gerecht", erklärte Hubert Steger, Schulamtsdirektor und
Mitorganisator des Symposiums. Die körperliche Entwicklung müsse
im Zusammenhang mit der geistigen gesehen werden, "und so
wollen wir zu einer Form des Unterrichts kommen, die auf der einen
Seite soziale Kompetenzen, wie Flair Play fördert und andererseits
in eine Wechselbeziehung mit anderen Fächern treten soll.Darüber hinaus sollen in den Unterricht in Zukunft Sportarten, wie
zum Beispiel Yoga oder Ringen und Raufen, integriert werden,
durch welche die Schüler mit ganz neuer Körperwahrnehmung
vertraut gemacht werden." In einem ersten Schritt galt es, die
Sportlehrer mit den neuen Herausforderungen zu konfrontieren. So
wurden die Lehrer durch das Referat "Neue Richtlinien und
Lehrpläne im Sport" mit den neuen Schlüsselkompetenzen vertraut
gemacht. Im Anschluss an den theoretischen Teil stand die
praktische Umsetzung der neuen Ideen an.Dazu wurden zwölf verschiedene Workshops angeboten, von denen
jeder Lehrer im Laufe des Tages drei Stück besuchen konnte. Auf
die Lehrer warteten neben den traditionellen Disziplinen mitunter
die ausgefallensten Sportarten, wie Tchoukball oder Rope Skipping.Die Verantwortlichen für den Schulsport erhoffen sich von diesem
Paradigmawechsel dem Sportunterricht eine schwere Gewichtung
im Schulalltag zu geben. "Gelingt es uns, vom reinen
Sportunterricht, wie er bisher größtenteils praktiziert wurde,
wegzukommen, können wir viel gewinnen", so Hubert Steger.
Angesprochen würden nämlich in erster Linie nicht mehr nur
lediglich die mit sportlichem Talent gesegneten Schüler, sondern
auch diejenigen, die bisher nicht so sehr vom Sportunterricht
begeistert waren.Darüber hinaus könnten in Zukunft Werte vermittelt und der
Schüler als soziales Wesen in die Verantwortung genommen
werden. Der Sportunterricht stehe dadurch letztendlich nicht mehr
außerhalb des Fächerkanons, sondern mitten im Schulleben. Ein
einfaches Beispiel, wie die Idee in die Tat umgesetzt werden
könnte, gab Grundschullehrer Adi Leweke: "Ich lese mit den
Kindern eine Geschichte von Janosch, in der sich der Tiger und der
Bär ein Floß bauen. Im Schwimmunterricht bauen wir nun das Floß
nach, und im Anschluss soll sich jedes Kind zu Hause oder in der
Klasse eine fiktive Geschichte ausdenken, die es zusammen mit der
Klasse auf dem Floß erlebt hat." So rege man "durch diese
ganzheitliche Weise des Lernens Gemeinschaftsprozesse sowie die
Kreativität der Kinder an, wovon wir am Ende alle profitieren."
Augsburger Allgemeine 9.11.
Der Sport braucht mehr Mitstreiter in der Schule
Mediziner fordern drei Pflichtstunden pro WochePaul hat Übergewicht und Probleme, sich zu konzentrieren. Der Elfjährige ist kein Einzelfall: Bei vielen Kindern und Jugendlichen lassen körperliche Fitness und psychosoziales Verhalten zu wünschen übrig, meint die Landesärztekammer (BLÄK). Präventiv müsse die körperliche Bewegung des Nachwuchses gesteigert werden - dazu fordern die Mediziner eine Verbesserung des Schulsports.
Wenn von Ungeschicklichkeit, Haltungsschäden, geringer körperlicher Leistungsfähigkeit, Aggressivität oder gar Depressionen gesprochen wird, stehen Kinder zunehmend im Mittelpunkt. Für Bayerns Mediziner ist der Grund klar: „Unsere Gesellschaft ist bewegungsfeindlich“, sagte Dr. Maria Fick von der BLÄK. Etwa indem Kinder oft stundenlang vor dem Computer sitzen, reagierten sie zunehmend mit sozialem Rückzug, was häufig „zu depressiver Haltung“ führe, befand Dr. Franz Freisleder.
Die Mediziner sind sich einig: In der Schule müsse Sport und Bewegung neben den anderen Fächern einen höheren Stellenwert bekommen. Neben Erfahrungen im Umgang mit dem eigenen Körper und dem Ausgleich für die geistigen Anstrengungen könnten gerade im Sportunterricht die vielfach geforderten Schlüsselqualifikationen trainiert werden: Der Kooperations- und Teamgeist sowie etwa die Fähigkeit, Probleme zu lösen, erläuterte Prof. Walter Brehm von der Uni Bayreuth. Dafür sei aber der derzeitige, in den meisten Schularten seit 1996 übliche zweistündige Sportunterricht pro Woche „völlig unzureichend“. Die weiteren zwei Stunden am Nachmittag, die von externen Übungsleitern übernommen werden, fallen aus organisatorischen Gründen häufig aus. „Dieser Ansatz ist gescheitert“, räumte Monika Holzer vom Kultusministerium ein. Die BLÄK fordert nun drei Pflichtstunden Sport pro Woche plus eine zusätzliche Stunde Gesundheitserziehung.
Netzwerk koordiniert vielfältige Aktionen
Gesunde Schule fördert WohlbefindenSuchtvorbeugung, Bewegungsaktionen in der Pause, Klassenfrühstück: drei Beispiele für Gesundheitsförderung an Schulen.
Um solche Aktivitäten besser zu koordinieren, mehr voneinander zu lernen und enger zusammenzuarbeiten, wurde in diesem Jahr das "Kölner Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen" (eine Initiative von Weltgesundheitsorganisation, EU und Europarat) gegründet.
16 Kölner Schulen nehmen daran teil, um nach einem ganzheitlichen Konzept eine "gesunde Schule" zu etablieren; gestern wurde im Rathaus der Start der Netzwerkarbeit gefeiert.
Es kann viel getan werden, unterstrich Dr. Jan Leidel, Leiter des Gesundheitsamtes, um die Gesundheit zu fördern - angefangen bei der Stärkung des Selbstbewusstseins über Ärztesprechstunden bis zur besseren Gestaltung von Schulhöfen.
Ein Grundrezept: Mehr "Spaß" an der Schule. "Nur in einer Schule, in der sich alle Beteiligten wohlfühlen, kann die erforderliche Leistungsbereitschaft geschaffen und gefördert werden", sagte Schulamtsdirektor Egon Beck.
Schlechte Ernährung, ausfallender Sportunterricht oder familiäre Probleme können das Wohlbefinden jedoch erheblich beeinträchtigen.
Etliche Schüler hätten Haltungs- und Motorik-Defizite, "viele Kinder können nicht rückwärts gehen", sagte Leidel. Hier können Bewegungsprogramme Abhilfe schaffen.
Zum Netzwerk gehört die Schule für Erziehungshilfe in der Auguststraße. "Viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien kommen ohne Frühstück in die Schule, sind auch medizinisch unterversorgt", erläuterte Schulleiter Michael Heinrichsdorff.Es finden dort regelmäßig Sprechstunden statt. Die Schule bemühe sich auch, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen - die beste Vorbeugung gegen das "Null Bock"-Syndrom.
Anti-Stress-Programm für Schüler
Kölns Schulen sollen gesünder werden. Das hat sich ein Verbund von 16 Einrichtungen zum Ziel gesetzt.
Sechsjährige, die nicht rückwärts laufen können, verkalkte Arterien bei dicken Teenagern - die Freizeit vor Computer und Fernsehen fordert ihren Tribut. Den zunehmenden Gesundheitsproblemen von Kindern und Jugendlichen, aber auch des oft strapazierten Lehrpersonals sagen 16 Kölner Schulen jetzt den Kampf an: Sie nehmen teil am „Kölner Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen“ (KNGS), das gestern im Historischen Rathaus aus der Taufe gehoben wurde. Gleichzeitig wurde ein Städte-Netzwerk mit Wien und Bern begründet, wo seit Jahren derartige Netzwerke laufen. Eingebettet ist das KNGS in das nordrhein-westfälische „Offene Partizipationsnetz und Schulgesundheit“ (OPUS), das sich dem Europäischen Netzwerk angeschlossen hat. „Menschen sollen den Wert ihres Körpers erkennen und begreifen“, betonte Bürgermeister Josef Müller den ganzheitlichen Denkansatz der Gesundheitsförderung. Wie dies im Alltag aussehen kann, zeigt ein Anti-Stress-Programm des Gymnasiums Thusneldastraße: Im Sportunterricht lernten die Schüler, auch unter Zeitdruck konzentriert zu bleiben. Dabei wurde ihnen zudem per Pulsmessung nach der Erholungsphase „das Verhältnis von Spannung und Entspannung deutlich gemacht“, erklärte Professor Henning Allmer von der Sporthochschule. Auch kreativ gestaltete Schulhöfe mit Ruhe-Ecken und Bewegungszonen sind der Gesundheit zuträglich: Erste Erfahrungen zeigen, dass so die Pausenhof-Unfälle um 40 Prozent gesenkt werden können. Grund genug für die beiden Gemeinde-Unfallversicherungsverbände in NRW, OPUS finanziell zu unterstützen. Doch wozu ein Netzwerk? „Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden“, betonte Schulamtsdirektor Egon Beck die Bedeutung der Kooperation. Gesundheitsfördernde Aktivitäten sollen so initiiert und konzeptionell aufeinander abgestimmt werden. Das KNGS ist übrigens das erste arbeitsfähige Netzwerk der 54 Schulamtsbezirke.
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Hambuger Morgenpost 30.10
Professor: Kinder bewegen sich zu wenig - Sportunterricht reicht nicht aus
Fernsehen statt Laufen
Rund 80 Prozent aller Kinder und Jugendlichen sind Mitglied in einem Sportverein. "Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Welt der Kinder heute durch Bewegungsmangel und Medienkonsum geprägt ist", sagt Professor Dr. Klaus Bös vom Institut für Sportwissenschaften der Uni Karlsruhe.
In seinen Studien hat der Wissenschaftler herausgefunden, dass die Bewegungssituation und Fitness von Grundschülern desolat ist und sich weiter verschlechtert. So beträgt die "aktive Zeit" bei Kindern und Jugendlichen im Tagesdurchschnitt nur eine Stunde. Nur 15 bis 30 Minuten davon sind intensive sportliche Bewegung.
Die Qualität der Bewegung ist noch schlechter. So strengen sich nur vier Prozent der Mädchen im Schulsport so an, dass sie ins Schwitzen kommen, bei Jungen sind es 32 Prozent. Ein Vergleich im Sechs-Minuten-Lauf ergab, dass Kinder heute im Schnitt 100 Meter weniger in der vorgegebenen Zeit laufen können.
Sportunterricht allein kann diese Probleme nicht beheben. Denn die tatsächliche Bewegungszeit in einer Sportstunde beträgt für die meisten Kinder nur wenige Minuten. So ist laut Bös der Trainingseffekt zweifelhaft. Bös: "Und das Ausgangsniveau der Kinder ist erschreckend niedrig."
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Passauer Neue Presse 30.10.Sonderaktion für Schulen
Sie sollen mit Sportvereinen Arbeitsgemeinschaften bilden
Unter dem Motto "Fit sein macht Schule" rufen die Bayerische Fördergemeinschaft für Sport in Schule und Verein sowie die AOK alle bayerischen Schulen und Sportverein dazu auf, im Schuljahr 2001/2002 neue Sportarbeitsgemeinschaften "Fit sein macht Schule" einzurichten. Die ersten hundert erhalten von der AOK ein Startpaket im Wert von je 500 Euro. "Wir wollen damit einen Anreiz bieten", so Birgit Fuchs, Bewegungsfachkraft von der AOK Direktion in Straubing, "denn die Sportarbeitsgemeinschaften sind die Basis für das Ziel, den Fitnesszustand der Schüler durch gezielte Förderung der Bewegungsfreude zu verbessern.
In einem Test wird zunächst die motorische Leistungsfähigkeit mittels sechs Übungen überprüft, um den Status quo darzustellen. Die Auswertung des Bewegungscheck-ups übernimmt das Wissenschaftliche Institut der Ärzte. Im Rahmen der Sportarbeitsgemeinschaft sollen durch motivierende Spiel-und Bewegungsformen speziell die im Test auffällig gewordenen motorischen Defizite verbessert werden. Letztlich ist es Ziel, die sportlichen Aktivitäten und die dazu notwendigen Motivation dauerhaft im Alltagsverhalten der Schüler zu etablieren.
Interessierte Klassen können bis spätestens 31. Dezember ihren Antrag an die Bayerische Landesstelle für den Schulsport richten. Aber Achtung! Nur wer zu den ersten hundert zählt, kann in diesem Schuljahr mitmachen. Am besten ist es also, gleich zu Beginn des Schuljahres den Antrag zu stellen. Das Startpaket überreicht dann die örtliche zuständige AOK Direktion der neu gegründeten Sportarbeitsgemeinschaft. Weitere Informationen gibt die AOK-Gesundheitskasse unter Tel. 09421/865 262.
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25.10.dpa
München (dpa/lby) - Das Aktionsbündnis Schulsport hat 50 00050 000 Unterschriften für mehr Schulsport
Unterschriften für mehr Sportunterricht an den bayerischen Schulen
gesammelt. Vertreter der Aktion übergaben die Unterschriftenlisten am
Freitag in der Sportschule Oberhaching im Beisein von Sportminister
Otto Schily an den SPD-Abgeordneten Eberhard Irlinger. Sie sollen als
Petition in den nächsten Wochen im Bayerischen Landtag behandelt
werden. In Bayern sind nach SPD-Angaben allein im vergangenen Jahr
weit über zwei Millionen Sportstunden ausgefallen.Das Bündnis fordert, die vierte Sportstunde schnellstmöglich wieder
einzuführen und die dritte auch wirklich zu halten. Dem
Zusammenschluss gehören vor allem Eltern-, Ärzte- und
Lehrerverbände, Krankenkassen und Schülervertreter an.
NRZ 25.10.Schule in Bewegung
Durch das Programm "minimotion" sollen Kinder wieder mehr Spaß am Tanz und Lehrer neue Impulse für den Sportunterricht finden.
Zwei Schritte vor und die Arme in die Luft - "zwo, drei, vier" - alles geht auf den Boden. Statt Zirkeltraining und Reckübungen war gestern in der Sporthalle der Erich-Kästner-Grundschule gestern Tanzen angesagt. Und das machte den Kindern großen Spaß: Jeder springt und klatscht bei dem 45-minütigen Training zu den Hits aus dem Lautsprecher, keiner steht abseits der Gruppe. Schließlich ist keine Perfektion gefragt, Noten werden auch nicht vergeben. Die Grundschüler sollen stattdessen erkennen, wieviel Freude Bewegung macht und, so Tanztrainer Klaus Irlenbusch, wie vielfältig Tanzen sein kann. Eben nicht nur was "für Mädchen".
Schulleiter Alois Mayer und seine Kollegen beobachten neugierig, wie der ehemalige Turniertänzer inmitten einer Kinderschar einfache Choreographien für "Discotänze" zeigt. "Wir nehmen für den Sportunterricht gerne Ideen auf. Zumal der Bewegungsmangel ein großes Problem bei Kindern ist", erläutert Mayer. So hätten die Sechs- bis Zehnjährigen stärker als früher Koordinationsschwierigkeiten, seien öfter fettleibig und unaufmerksam. Deshalb soll der Bereich "Bewegungsspaß" im Unterricht bald mehr Raum einnehmen, mehr soll "über Musik und Tanz passieren".
Der Wuppertaler Trainer gibt der Gruppe aus Drittklässlern nur wenige Anweisungen für die kleinen Choreographien. "Es geht auch ohne große Worte. Durch Nachahmung geschieht viel mehr", ist sein Motto und die wichtigste Botschaft an die 22 Mülheimer Lehrerinnen und Lehrer, die sich hier etwas von seinem Können abschauen wollen. Bei dem Programm, das in Schulen, Kindergärten und Vereinen vorgestellt wird, geht es jedoch nicht nur um´s Tanzen, auch das Entspannen ist wichtig. Innerhalb weniger Momente wechselt Klaus Irlenbusch von Jennifer Lopez-Hits zu sanften Klängen. Die Drittklässler, die eben noch durch die Halle tobten, liegen nun still auf dem Boden, schließen die Augen. Ihre Aufgabe: Vom Strand träumen - bevor es wieder in die nächste Unterrichtsstunde geht.
Als das Licht wieder angeht, sind die Mädchen und Jungen vollkommen begeistert. "Das Tanzen, das Entspannen - alles war toll, besser als sonst im Sport", überschlagen sich Carolin und ihre Freundinnen mit Lob. Und sogar einige Jungen, die erst so gar nichts vom Tanzen wissen wollten, bemerkt eine Lehrerin, fanden die Stunde "voll cool".
Thüringer Allgemeine 19.10.
GOTHA. Im Fitness-Studio fit & fun stellte Studioleiter MichaelKindern Kreativität entlocken
Kieser einer Klasse der evangelischen Grundschule Gotha ein
neues Pilotprojekt vor. "Sound-Karate", so der Name des aus Italien
stammenden Sports, ist Karate nach Musik. Allerdings hat es
nichts mit dem populär gewordenen Tae Bo zu tun, es wurde vor
über 10 Jahren von einem renommierten Sportwissenschaftler an der
Universität Rom in physiologischer Hinsicht speziell für Kinder
konzipiert. Karate ist wegen des Schlagkontaktes nicht als
Schulsport zugelassen. Beim "Sound-Karate" kommt es jedoch
nicht dazu, es geht lediglich darum, Bewegungsabläufe zu erlernen.
"Kinder haben ein ganz anderes Bewegungsmodell als Erwachsene,
sie erleben Karate anders", begründet Michael Kieser die
Notwendigkeit dieser neuen Form von Karate. Der Sinn besteht
darin, dass die Kinder Rhythmusgefühl entwickeln und ihnen beim
Einüben eigener Choreographien Kreativität entlockt wird.
Wettkämpfe gegeneinander sind trotzdem möglich, "indem die
einstudierten Bewegungsabläufe an imaginären Gegnern, z.B.
einem Ball, ohne Schlagkontakt demonstriert werden", erklärt der
gelernte Diplom-Sportlehrer einen weiteren Vorteil.
Klassenbetreuerin Birgit Julitz war überrascht, wie konzentriert und
interessiert die Kinder mitmachten: "Man sieht ihnen die
Begeisterung an.". Michael Kieser, der auf eine 10-jährige
Kampfsporterfahrung zurückblicken kann, hat vor, bei
entsprechender Nachfrage diese Kurse regelmässig anzubieten.
Davon kann er wohl auch ausgehen, wenn noch mehr Kinder so
strahlend sein Fitness-Studio verlassen.
Europadirekt 18.10.
Europäisches Jahr der Bildung durch Sport
Die Europäische Kommission hat vorgeschlagen, 2004 zum "Europäischen Jahr der Bildung durch Sport" zu erklären. Im Jahr der Olympischen Sommerspiele in Athen werden verschiedene Gemeinschaftsmaßnahmen und nationale Aktionen durchgeführt, die die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Sportvereinen fördern. Außerdem sollen sie im Erziehungswesen eine bessere Einbindung des Sports sowie eine bessere Vermittlung seiner Werte bewirken. Als Mittelausstattung für das Europäische Jahr der Erziehung durch Sport hat die Kommission 11,5 Millionen Euro vorgesehen.Die Hauptziele des Europäischen Jahres der Bildung durch Sport sind:
Jeder dritte europäische Bürger treibt regelmäßig Sport, und in Europa gibt es ca. 600 000 Sportvereine. Dies macht deutlich, dass Sport in der EU ein wichtiger wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktor ist.
- Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Sportvereinen zu fördern, um den erzieherischen Wert des Sports und seine integrative Funktion besser zu nutzen.
- Hervorhebung der Bedeutung des Ehrenamts im Sport als Element der informellen Bildung.
- Förderung des Schüleraustauschs im Rahmen von sportlichen und kulturellen Begegnungen.
- Steigerung des Stellenwerts sportlicher Aktivitäten in den Lehrplänen.
- Suche nach Lösungen für den Bildungsweg jugendlicher Leistungssportler, deren sportliche Karriere immer früher beginnt oft zu Lasten ihrer Bildung und somit auch ihrer Zukunftsaussichten.
Das Europäische Jahr der Bildung durch Sport ist im Kontext weiterer Gemeinschaftsmaßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierungen und sozialer Ausgrenzung zu sehen. Es wird auch den beitrittswilligen Ländern sowie den EFTA-Staaten offen stehen.
10.10.2001 (dpa)
Experten:
Asthmakranke Kinder nicht vom Schulsport ausschließen
Asthmakranke Kinder müssen nach Ansicht von Experten beim Schulsport häufig zu Unrecht auf der Ersatzbank Platz nehmen. 'Viele Asthma-Kinder werden entweder aus Überbehütung der Eltern oder Angst vor zu großer Verantwortung von Seiten der Schule vom Schulsport ausgeschlossen', berichtete Andrea Wallrafen vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), in Hamburg.Bei einer Umfrage des DAAB unter 5 000 Sportlehrern und Schulleitern unterschiedlicher Schultypen berichtete jeder Dritte, dass Asthma-Kinder vom Sport befreit würden.Als Gründe für die Freistellung vom Sportunterricht nannten die Befragten den Rat des behandelnden Arztes (56 Prozent), den Wunsch der Eltern (30,5) und die Angst vor einem Anfall (knapp 10).
Nach Ansicht des Experten Prof. Dieter Kiosz von der Kinderfachklinik Amrum ist der ärztliche Rat zur Befreiung vom Schulsport "wenig begreiflich". Kinder mit Asthma, die noch keine Folgeschäden an den Bronchien aufweisen, seien bei richtigem Training genauso belastbar wie gesunde Kinder. "Sport ist für die Entwicklung jedes Kindes wichtig, denn dadurch werden die nötigen Entwicklungsreize gesetzt und Muskeln aufgebaut", meint Kiosz. Zudem werde durch regelmäßiges Körpertraining die Reizschwelle für Asthma-Anfälle hinaufgesetzt und die Lungenfunktion wie bei Gesunden verbessert.
Zwei Drittel der befragten Pädagogen glaubten, einem plötzlichen Asthmaanfall ihrer Schüler nicht gewachsen zu sein. Sie fühlten sich unzureichend über die Krankheit informiert und seien auf einen Notfall kaum vorbereitet....
Sportunterricht.de | Sportpädagogik-online