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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
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.. Hier erscheinen - ständig aktualisierte -  Meldungen rund um den Schulsport.
Im Mittelpunkt stehen Beiträge, welche die Bedeutung des Sports
in der Schule bearbeiten und Hinweise auf innovative Projekte geben.
 


Aktuelle Meldungen
Archiv 2001
 

2.8. Fränkischer Tag

Über zwei Millionen Sportstunden ausgefallen
SPD: Weit reichende Folgen für Kinder

MÜNCHEN. Im vergangenen Schuljahr sind nach Angaben der Landtags-SPD in Bayern weit über zwei Millionen Sportstunden ausgefallen.

Insgesamt habe der Freistaat seit 1996 fast 1,2 Milliarden Mark am Sportunterricht eingespart, rechnete der SPD- Abgeordnete Eberhard Irlinger vor. Für die Kinder und Jugendlichen habe dies weit reichende Folgen. Denn Sport sei für eine gute körperliche, seelische und geistige Entwicklung unverzichtbar. Irlinger forderte, die vierte Sportstunde schnellstmöglich wieder einzuführen. Kurzfristig müsse sicher gestellt werden, dass zumindest drei Wochenstunden auch wirklich gehalten würden. Nach Ansicht des Schulpädagogen Helmut Zöpfl ist es gegen jede Vernunft, den Schulsport zu reduzieren. "Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben: Eine Verflachung des Denkens findet statt, weil Kinder durch zu wenig Bewegung den körperlichen Einsatz nicht mehr koordinieren können", sagte der Professor nach SPD-Angaben. Irlinger verwies auf eine Untersuchung des deutschen Sportlehrerverbands. Danach habe Bayern noch bis Mitte der 90-er Jahre im Ländervergleich einen Spitzenplatz eingenommen. Inzwischen liege der Freistaat jedoch auf dem sechzehnten und damit letzten Tabellenplatz.


1.8. Bertelmann-Presse

Deutsche Kinder sind Bewegungsmuffel

Bertelsmann Stiftung legt Studie zur Fitness von Schülern vor

Deutsche Kinder bewegen sich nur eine Stunde am Tag. Bei einer von der Bertelsmann Stiftung veranstalteten Expertentagung zur Zukunft des Schulsports wurden alarmierende Ergebnisse einer sportwissenschaftlichen Studie der Universität Karlsruhe vorgestellt. Danach liegen und sitzen sechs bis zehn Jahre alte Kinder jeweils neun Stunden am Tag und stehen fünf Stunden.
Die eine Stunde, in der sich Kinder aktiv bewegen, trei­ben sie jeweils nur 15 bis 30 Minuten Sport oder bewegen sich intensiv. Der Bewegungsmangel kann nach Meinung der Experten zu gravierenden Gesundheitsproblemen im Erwachse­nenalter führen. Kinder und Jugendliche sollten daher gezielt in ihre Fitness gefördert werden.

Die Studie weist nach, dass im Sportunterricht durch Ausdauertraining in einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten eine Leistungssteigerung von bis zu 15 Prozent erzielt werden kann. Für die Untersuchung befragte Professor Dr. Klaus Bös vom Institut für Sport und Sportwis­senschaft der Universität Karlsruhe unter anderem 1.000 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren mit so genannten Bewegungstagebüchern. Die Kinder füllten sie im Laufe einer Woche in der Schule aus, um den Einfluss der Eltern auszuschließen. Die Bertelsmann Stiftung wird im Herbst das Modellprojekt “Gesundheitsfördernde Schule” starten. Mit einer ganzheitlichen Ausrichtung sollen nachhaltige Programme entwickelt und erprobt werden, die den Schulsport, die Ernährung und die psychische Gesundheit mit einbeziehen.


Süddeutsche Zeitung 25.7.

„Er muss brennen für sein Fach“

Sportwissenschaftlerin Christa Helmke über die Herausforderungen moderner Sportlehrer und die Zukunft der Körpererziehung

 

Die Sportwissenschaftlerin Christa Helmke lehrt an der Universität Potsdam und gilt auch bei Sportverbänden außerhalb Brandenburgs als eine der eifrigsten Kämpferinnen für den Schulsport. Sie hat ein Aktionsbündnis in Brandenburg ins Leben gerufen und ist zudem im Deutschen Sportlehrerverband als Vizepräsidentin zuständig für den Schulsport.

SZ: Frau Professor Doktor Helmke, wenn wir in die Zukunft des Schulsports in Deutschland schauen, könnte sich ein Blick auf Bayern lohnen. Da stehen vier Sollstunden Schulsport in der Stundentafel. Trifft das Ihren Geschmack?

Helmke: Das wäre natürlich zu begrüßen. Aber seit der Streichung 1996 ist das hinfällig. Wenn man sich die Statistik mal anschaut, dann werden gerade in Bayern derzeit nur gut zwei Stunden Sport unterrichtet. Immerhin hat man sich vorgenommen, die Stundentafel zu ändern. Das ist schon mal eine gute Sache. Wobei ich persönlich tägliche Bewegungszeiten für nötig hielte, drei, vier Stunden Sport plus ein Nachmittagsangebot im außerschulischen Bereich.

SZ: Was muss sich ändern?

Helmke: Ich wünschte mir zunächst einmal, dass der Stellenwert des Faches Sport verbessert wird. In keinem Alter ist die Zunahme von Erkrankungen so groß wie gerade im Kindes- und Jugendalter. Wir haben es bei Schuleingangsuntersuchungen schon mit großen Problemen zu tun: dass Kinder zu dick sind oder Haltungsschwächen haben.

SZ: Wo müssen Sie ansetzen bei Ihrer Überzeugungsarbeit?

Helmke: Es hängt viel davon ab, wie die Schulleiter Sport im Fächerkanon sehen. In Bayern zum Beispiel gibt es diese Autonomie der Schulen, es liegt stark an den einzelnen Schulleitungen, ob sie diese drei Stunden umsetzen, oder ob sie das Stundenbudget anderen Fächern zuschlagen. Man muss den Schulleitungen den Stellenwert verdeutlichen; aber auch den anderen Fachkollegen, den Eltern, den Schülern selbst.

SZ: Und sie wollen den Umfang des Schulstundendeputats anheben.

Helmke: Ich möchte sogar bis in den Vorschulbereich zurückgehen. Hier müsste eine tägliche Bewegungszeit Pflicht sein. Es müsste eine Kooperation schon an der Schnittstelle Kindergarten/Grundschule bestehen; in der Grundschule ist ein mindestens dreistündiger Sportunterricht unverzichtbar. Und dazu gehören zusätzliche Bewegungszeiten: Sei es in Pausen, dass es in den Schulhöfen Sportangebote gibt, Tischtennisplatten, Basketballkörbe, oder dass Turnhallen geöffnet werden.

SZ: Wie würden Sie den außerschulischen Sport organisieren?

Helmke: Ich wünschte mir, dass an jeder Schule ein Schulsportverein institutionalisiert wird und dass in diesem Verein mindestens acht bis zehn Arbeitsgemeinschaften angeboten werden. Ich wünschte mir, dass es zum Berufsethos jedes Sportlehrers zählt, mindestens eine Arbeitsgemeinschaft im Sport anzubieten und zwar sowohl für die Leistungsschwächeren als auch für die Stärkeren. Ich kann mir sogar vorstellen, dass man kommerzielle Angebote wahrnimmt. Dass man im Rahmen eines Schulprojekts zwei, drei Tage in der Woche in ein nahe gelegenes Fitnessstudio geht. Dann geht es für mich um Talentförderung in Kooperationen mit Vereinen. Und für ganz wichtig halte ich, dass wir Schüler als Übungsleiter heranziehen.

SZ: Wie soll das gehen?

Helmke: Indem wir Gymnasiasten ausbilden, die Sport als Leistungskurs oder als viertes Prüfungsfach gewählt haben. Und zwar in Kooperation mit Sportverbänden. Schüler könnten im Rahmen des Theorieunterrichts im Leistungskurs Übungsleiterlizenzen erwerben.

SZ: Welche Inhalte sind wichtig im Schulsport von morgen?

Helmke: In der Grundschule geht es darum, dass die Kinder vielfältige Bewegungserziehung erfahren, dass sie Freude an der Bewegung vermittelt bekommen. Das Grundschulalter ist eine sensitive Phase zur Entwicklung koordinativer Fähigkeiten wie Reaktions-, Differenzierungs-, Rhythmisierungs-, Gleichgewichtsfähigkeit. Da müssen nun aber vor allem Fachlehrer ran, und da kommen wir zum nächsten Problem: An der Grundschule haben wir etwa 50 Prozent Nichtfachlehrer, die Sport unterrichten.

SZ: Wie sollte der Sportunterricht in den oberen Klassenstufen aussehen?

Helmke: In den Klassen fünf, sechs sollte man großen Wert auf die traditionellen Sportarten legen. Da geht es um die Heranführung an Leichtathletik, Turnen, Schwimmen. Wobei der Sportunterricht in allen Stufen vielseitig sein muss, schülerorientiert, differenziert. Es müssen Leistungsstarke und -schwache angesprochen werden. Ich wünsche mir auch vielfältige sportliche Wettkämpfe, Sportfeste. Es ist für mich selbstverständlich, dass jede Schule jährlich ein Sportfest oder Klassenfahrten organisiert.

SZ: Glauben Sie, dass es schwieriger wird, die Kinder für die traditionellen Sportarten zu begeistern?

Helmke: Es wird schwieriger. Aber es ist nötig. Ich persönlich halte zum Beispiel das Schwimmen für wichtig, aus gesundheitlichen Gründen, aber auch als Lebensvorbereitung. Wir haben in Brandenburg in den 5. und 6. Klassen im Durchschnitt immer noch 50 bis 20 Prozent Nichtschwimmer. Wir möchten das verbessern, indem wir Schwimmen obligatorisch zum Teil des Lehrplans machen und die Kommunen zwingen, dass sie Gelder zur Verfügung stellen.

SZ: Die Schulen sind also nicht ausreichend ausgestattet für Ihre Ansprüche?

Helmke: Man muss auf dem Schulgelände mehr investieren, Bewegungsräume einrichten. Wenn ich einen qualitativ guten Unterricht machen will, brauche ich gute materielle Bedingungen.

SZ: Es ist schwer, an Daten zum Schulsport zu kommen, die Aussagen über das gesamte Bundesgebiet treffen. Warum?

Helmke: Da wird geblockt durch die Kultusministerkonferenz. Die Kultusminister meinen, dass die einzelnen Länder für den Schulsport zuständig sind. Sie lassen höchstens Untersuchungen in einzelnen Ländern durchführen.

SZ: Was folgt daraus?

Helmke: Ein so reiches Land wie Deutschland kann keine ausreichenden Aussagen über die körperliche Leistungsfähigkeit und den Gesundheitszustand seiner Kinder machen. Keiner weiß, wie die Qualität des Schulsports wirklich ist, keiner hat einen Überblick über die materielle Situation. Eigentlich ein Skandal.

SZ: Der gesellschaftliche Wert des Schulsports wird nicht wahrgenommen?

Helmke: So ist es. Jedes Bundesland macht für sich seine Untersuchungen, und dann auch noch unzureichend, jeder beschönigt auf seine Weise die Situation.

SZ: Welche Rolle spielen die Lehrer in Ihren Überlegungen zum Schulsport?

Helmke: Wir brauchen Fachlehrer im Sportunterricht ab Klassenstufe drei. Das Durchschnittsalter der Lehrer ist sehr hoch. In vielen Ländern ist mehr als die Hälfte aller Sportlehrer im Durchschnitt älter als 50 Jahre. Es wird einen gravierenden Sportlehrermangel geben, auch in Bayern. Es werden nicht genug neue Lehrer ausgebildet.

SZ: Halten Sie die Ausbildung der Lehrer für ausreichend?

Helmke: Ich wünsche mir, dass eine regelmäßige Weiterbildung staatlich gefördert und verbindlich gemacht wird. Wenn ich das Fach Sport unterrichte, ist es lebensnotwendig, dass ich mich fortbilde, bei Inlineskating, Snowboarden usw. Bisher bietet der Deutsche Sportbund und der Deutsche Sportlehrerverband freiwillige Fortbildungen an, aber dort sind immer die selben Lehrer.

SZ: Sie verlangen den Lehrern viel ab.

Helmke: Der Lehrer muss Mehrkämpfer sein. Sportlehrer müssen acht bis zehn Sportarten zumindest in der Grobstruktur beherrschen. Wir haben jetzt gerade an der Uni Eignungsprüfungen gehabt: Die Hälfte der Studienbewerber ist durchgefallen. Sie waren nicht ausreichend auf die Anforderungen eines Sportstudiums vorbereitet. Ein Sportlehrer muss Fachmann sein und künftig zunehmend mehr Erziehungsaufgaben wahrnehmen. Die Gesundheitserziehung ist sein Feld, in Kooperation mit anderen Fächern, Sozialerziehung genauso. Er soll die Schüler begeistern und befähigen, lebenslang Sport zu treiben.

SZ: Vermissen Sie diese Begeisterung bei den heutigen Sportlehrern?

Helmke: Bei einem Teil. Die Lehrer müssen Vorbild sein, sie müssen ihren Schülern zumindest in einigen Sportarten zeigen, dass sie diese auch beherrschen. Wenn sie rauchen oder trinken, sind sie kein Vorbild. Vorbild können sie auch werden, wenn sie mit den Kindern gemeinsam ins Skilager fahren oder als Übungsleiter im Verein tätig sind. Dann lernen sie die Kinder besser kennen.

SZ: Idealismus ist also eine Voraussetzung, um ein guter Sportlehrer zu sein.

Helmke: Auf jeden Fall. Der Sportlehrer ist Fachmann, Organisator, Initiator – er muss brennen für sein Fach.

SZ: Eine ketzerische Frage: Kann man auch zu viel Schulsport betreiben?

Helmke: Wenn er gesundheitsschädigend ist, wenn man Schulsport macht mit Belastungen, die auf die Wirbelsäule gehen – dann schon. Aber wenn man einen vielseitigen Sportunterricht macht, wo auch die Statik eines sich entwickelnden Kindes beachtet wird, dann ist eine Stunde Sport am Tag nicht zu viel. Es darf nur nicht einseitig sein, wie früher bei Turnerinnen in der ehemaligen DDR, die schon in jungem Alter ganz einseitige Belastungen gemacht haben.

SZ: Im neuen Rahmenplan, den sie gerade für Brandenburg entworfen haben, wird Sportunterricht als fachübergreifende Projektarbeit in Themenfeldern wie „Gesund durch Sport“ oder „Miteinander statt Gegeneinander“ empfohlen. Wie klappt diese Zusammenarbeit?

Helmke: Es ist schwer. Manche Schulen machen das ganz toll, da arbeiten Sportlehrer zusammen mit Biologie-, Musik- oder Kunstlehrern. Aber es gibt eben auch einige Kollegen, die sich da nach wie vor zurückhalten, die das einfach noch nicht so gewohnt sind, mit anderen Fächern zu kooperieren. Die Umsetzung ist auch eine Frage des Stellenwertes unseres Faches. Wenn wir das Fach Sport stärken wollen, müssen wir es auch gut verkaufen.

SZ: Ein Mathelehrer muss sein Fach nicht verkaufen wie ein Sportlehrer?

Helmke: Mathematik ist eben ein Hauptfach. Ich möchte zumindest, dass Sport ein gleichwertiges Fach ist, ich persönlich würde mir sogar wünschen, dass es ein Kernfach ist. Aber man muss als Sportlehrer für das Image seines Faches auch was tun. Teilweise hat der Schulsport ein blendendes Image. Die Sportschulen sind so begehrt, dass gar nicht alle Bewerber aufgenommen werden können. Aber leider gibt es auch Schulen, wo gar kein Sportangebot da ist. Da müssen sich dann auch die Sportlehrer Gedanken machen. Die Sportlehrer dürfen den Sport nicht nur als Unterricht sehen. Sondern auch als Aufgabe außerhalb des Unterrichts. Sport ist da vielleicht ein besonderes Fach.

Interview: Marc Widmann,

Thomas Hahn



Sz 25.7.

Beamte auf Schlittschuhen

Gesellschaftliche Prozesse haben die Ansprüche an den Sportlehrer verändert – Idealismus ist gefragt

 

Am Anfang jeder Sportlehrerkarriere steht ein Sprung ins Wasser. Genau genommen ist das Wasser 27 Grad warm und in ein Übungsbecken der Münchner Olympia-Schwimmhalle eingelassen. Wer Sportlehrer werden will, muss zunächst eine Eignungsprüfung ablegen. 100 Meter Schwimmen, 3000 Meter laufen und eine gelungene Übung am Reck – dann haben die Bewerber die Zusage für einen Studienplatz mit Zukunft. Nur die wichtigste Eigenschaft lässt sich nicht prüfen: der Idealismus.

Glaubt man den Experten, so werden Sportstudenten bald eine begehrte Ware sein. Fachleute der Universitäten und des Deutschen Sportlehrerverbandes warnen vor einem gravierenden Lehrermangel in spätestens fünf Jahren. Wie diese Zukunft aussehen könnte, erlebten Anfang des Jahres bereits die Neuntklässler am Freisinger Josef-Hofmiller-Gymnasium. Ein ganzes Halbjahr lang musste bei den Jungen der Schulsport ausfallen, weil der Schule nicht genügend Sportlehrer zugewiesen wurden.

Zuhörer und Trendsportler

In Zukunft werden auf weniger Lehrer größere und zusätzliche Aufgaben zukommen. „Das Berufsbild des Sportlehrers verändert sich rasant“, sagt der Augsburger Sportpädagogik-Professor Helmut Altenberger, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt und als Mitglied des Sportbeirats auch den Bayerischen Landtag berät. Als neue Anforderungen nennt er neben aufkommenden Trendsportarten vor allem die verschiedenen Entwicklungsvoraussetzungen der Jugendlichen sowie zunehmende soziale Konflikte, bedingt durch eine gesteigerte Aggressionsbereitschaft und die Herausforderungen der multikulturellen Gesellschaft. „Diese Probleme werden im Sportunterricht besonders offensichtlich zu Tage treten“, sagt Altenberger, „und mit ihnen sollten die Lehrer umgehen können.“

Die traditionelle Sportstunde mit demZiel, den Schülern in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Stoff beizubringen, ist daher veraltet. Es wird nicht mehr genügen, wenn der Sportlehrer im Sommer einen Fußball auf den Rasen wirft oder im Winter so lange die Kippe am Reck üben lässt, bis das Magnesium alle ist. „In der Zukunft muss der Lehrer mehr als bisher mit seinen Schülern sprechen, ihren Frust und ihre Probleme ergründen“, sagt Altenberger. Nur wer weiß, was die Schüler mögen, kann einen attraktiveren Unterricht machen.

Die methodischen Konzepte dafür sind längst vorhanden. An den Universitäten lernen die Sportstudenten seit Jahren, neue Trendsportarten einzuführen, sowie klassische Sportarten wie Turnen oder Leichtathletik abwechslungsreicher zu präsentieren. Doch auch wenn sie die Regeln sämtlicher Sportarten auswendig könnten, gute Sportlehrer werden sie dadurch noch nicht. Sport stellt – als einiziges Bewegungsfach in der Schule – weitergehende Anforderungen an die Lehrer. In keinem anderen Unterricht hat der Lehrer eine ähnlich große körperliche und emotionale Nähe zu den Schülern, in keinem anderen Fach übt er eine größere Vorbildfunktion aus. In der Sportstunde sollen die Kinder lernen, sich in Gruppen zurechtzufinden, Regeln zu akzeptieren und den Egoismus einmal hintanzustellen. Nichts könnte diesem Anliegen mehr schaden als egoistische Sportlehrer, die ihre Arbeit nur nach Aspekten der Bequemlichkeit ausüben und mit dem Klingeln nach der sechsten Stunde fluchtartig das Schulgelände verlassen. Ein guter Sportlehrer muss begeistert sein von seinem Fach und diese Begeisterung an seine Schüler weitergeben. Er muss Überzeugungstäter sein. Dann kann er auch in schwierigem Umfeld Erfolg haben. Sagt Max Eiser.

Der 44-Jährige unterrichtet an der Münchner Berufsschule für Elektrotechnik, einer Schulart, in der Sport meist als lästiges Anhängsel begriffen wird. Eiser hat mit seinen Kollegen die Möglichkeiten des flexiblen Lehrplans genutzt und den Sportunterricht grundlegend reformiert. Statt Leichtathletik oder Turnen gehen die Lehrer mit ihren Schülern im Winter zum Schlittschuhlaufen oder Eishockey spielen, im Sommer zum Beachvolleyball, Klettern oder Kajakfahren. „Lifetime-Sportarten“, nennt Eiser das und sagt als Erklärung: „Wenn jemand in den Urlaub nach Griechenland fährt, nimmt er schließlich auch keine fünf Kilo-Kugel mit und beginnt am Strand mit Kugelstoßen.“

Ohne Murren an den See

Seither bringt kaum ein Schüler mehr ein Attest oder eine Ausrede zum Sportunterricht mit. Wenn es um die Organisation von Wandertagen geht, kommt von den Schülern statt einem Murren plötzlich der Wunsch, an einen See zum Rudern zu fahren. Sportlehrer Eiser hat es geschafft, in einem Klima der Lustlosigkeit neue Pflänzchen der Sportbegeisterung zu züchten.

Der eigentliche Erfolg liegt allerdings nicht darin, dass Eiser und seine Kollegen eine Reihe neuer Trendsportarten in den Unterricht eingeführt haben, sondern dass es ihnen auf originelle Art gelungen ist, die Neugierde und die Sportlust der Schüler wieder anzustacheln, eine eingeschlafene Begeisterung neu zu wecken. Dies war nur möglich, weil das Lehrerkollegium selbst absolut sportbegeistert ist und sich von Eisers Ideen anstecken ließ. Die Kollegen fahren nun in eigener Initiative zu Fortbildungen, um weitere Sportarten kennenzulernen und in den Unterricht zu integrieren.

Dieses Beispiel widerlegt all jene, die behaupten, ein Sportlehrer müsse gar nicht idealistisch veranlagt sein, um den gestiegenen Anforderungen seines Faches gerecht zu werden. Max Eiser sagt: „Am Ende hängt alles von der Persönlichkeit und der Begeisterung des Sportlehrers ab.“ Die Studienbewerber sollten sich das bewusst machen, ehe sie ins kalte Wasser springen.


SZ 25.7.

Plädoyer in der Wüste

Von Thomas Hahn

Vielleicht darf man für ein paar Zeilen mal die Vernunft beiseite lassen und dem Pfad der Fantasie folgen. Stellen wir uns also vor, die Schulen wären wie Oasen in den Häuserwüsten der Städte. Freundliche Bauten im Schatten hoher Bäume. Großräumige Rückzugsgebiete hinter offenen Toren, die sich jeden Nachmittag, wenn der Unterricht in den so genannten wichtigen Fächern zu Ende ist, in ein großes buntes Experimentierfeld verwandeln, das bis zum Abend klingt und schwingt und immer neue Entdeckungen hervorbringt. Stellen wir uns vor, in diesen Schulen würde das Leben erst nach eins so richtig beginnen. Da würden die Türen der Computerzimmer zufallen, da würden die Schüler mit den Lehrern tägliche Kunst-, Musik- und Sportfeste feiern und alle gemeinsam ein paar simple Schönheiten kennen lernen, die sie später zu sehr reichen Menschen machen.

Es wäre schön, wenn die Schule der Zukunft so aussehen könnte. Vielleicht muss sie sogar eines Tages so aussehen, um die Kinder dieser Zeit mit ein paar Dingen vertraut zu machen, von denen sie draußen, im Grau der Städte und im Bunt ihrer virtuellen Freizeitwelten, kaum mehr etwas mitbekommen. Aber es wird ein Traum bleiben. Nicht zu finanzieren, den Lehrern nicht zuzumuten, den Eltern nicht zu erklären. Spinnerei. Und so peilt man im Bemühen um eine zeitgemäßere Erziehung durch die Schule zunächst einmal die ganz kleinen Ziele an. Zum Beispiel in Bayern die dritte Sportstunde wieder einzuführen.

Dabei ist das natürlich ein Irrtum zu glauben, man könne schon mit einer Schulstunde Sport pro Woche mehr den Anspruch erfüllen, Jugendliche ganzheitlich zum Erwachsenen auszubilden. Es wäre nur eine Zentimeterbewegung nach vorne, letztlich eine glatte Selbstverständlichkeit. Es geht ja um mehr: um ein ausgewogenes Gegengewicht zu dieser ganzen flirrenden, surrenden, auf Konsum angelegten Popwelt da draußen. Und nicht nur um Sport, sondern auch um die anderen Fächer, in denen die Schüler angehalten sind, sich selbst auszuprobieren. Um Kunst, um Musik. Es geht um ein neues Konzept von Schule.

Der Sportunterricht spielt dabei eine besonders wichtige Rolle, was man nicht missverstehen darf: Niemand verherrlicht ihn als alleinheiliges Mittel im Kampf um höhere Moral und Volksgesundheit. Aber: Er eröffnet Kindern Chancen, Werte und Leidenschaften kennenzulernen, die ihnen später helfen können, unverkrampfter durchs Leben zu kommen. Und deshalb darf man ruhig anregen: Sport gehörte in der Schule täglich ermöglicht.

Aber wem ist das zu vermitteln? Wer mag das hören? Mit wenigen Beiträgen kann man so einfach Beifall heischen, wie mit einem kernigen Plädoyer für mehr Sport in der Schule. Doch dabei rühren sich nur die Hände von Leuten, die ohnehin schon nach diesen Plädoyers handeln. Es ist, als redete man zu sich selbst, und man muss erkennen, dass die wenigsten den Sport noch im Zusammenhang mit einer gesunden Lebenskultur sehen. Das Churchill-Wort No sports tragen manche so stolz vor sich her, als spräche es für Zivilcourage, sich demonstrativ im Ohrensessel zu räkeln. Sport wird für immer mehr Menschen zu einer abstrakten Sache, zum unterhaltsamen Nebengeräusch aus Presse, Funk, Fernsehen.

Der öffentliche Sport hat keine Botschaften mehr. Dass er normal talentierte Jugendliche animiert, sich selbst zu bewegen, kann man nicht mehr so einfach sagen: Deutschlands populärster Sportler ist ein Autofahrer. Die großen Fußballer inszenieren sich selbst als entrückte Millionäre mit unflätigem Imponiergehabe. Tony Hawk, berühmtester Skateboarder der Welt, hat seinen Namen für viel Geld an die Hauptfigur in einem Computerspiel verliehen. Andere vermeintliche Helden schlagen sich mit Finanzaffären oder Dopingverdächtigungen herum, oder müssen zugeben, in irgendwelchen Wandschränken Dinge getan zu haben, die ein Kind noch gar nicht versteht. Von den Stars der Hochfinanz ist nichts zu erwarten. Sport ist oberflächlich geworden, seine Stellung als prägende Nebensache spielt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung kaum noch eine Rolle. Und es besteht die Gefahr, dass eines Tages überhaupt niemand mehr etwas davon weiß.

Wo das hinführt wird man erst in ein paar Generationen spüren, jedenfalls braucht sich keiner einzubilden, dass sich die Entwicklung aufhalten lässt. Der Einfluss der neuen Medien ist zu groß. Viel zu vielen Eltern und Direktoren fehlt das Bewusstsein dafür, dass Kinder noch mehr brauchen außer Mathe und Latein, um für die Herausforderungen des ewigen Fortschritts gewappnet zu sein. Viel zu viele Lehrer sind demotiviert, weil ihnen in der öffentlichen Meinung das Vorurteil entgegenschlägt, sie seien arbeitsscheu und meist in den Ferien. Aber das heißt nicht, dass es sich nicht lohnt, weiter für eine bessere Schulwelt zu arbeiten. Sich zu ergeben, ist ja keine Lösung. Das Thema muss in der Diskussion bleiben, die Idealisten unter den Sportlehrern dürfen ihre Laune nicht verlieren. Ein bisschen Spinnerei tut manchmal ganz gut.


Rhein-Main-Presse 29.6.

Trendsportart "Tae-Bo" eine Mixtur aus Rhythmus, Boxen und Karate

Die Trendsportart "Tae-Bo" ist zur Zeit der "Renner" im außerschulischen Fitness-Sport. Kann auch der normale Schulsport mit einer Gymnasialklasse aus der Mittelstufe die Aerobic-Trendsport "Tae-Bo" einmal kurzfristig zum Thema machen ? Dieser Frage gingen Studienrat Hans-Dieter te Poel und die Limburger Examenskandidatin im Fach Sport, Susanne Brake, von der Universität Gießen im Rahmen eines Projektes zur Trendsportart "Tae-Bo" an der Hadamarer Fürst-Johann-Ludwig-Schule nach. Die hohe Anforderung der Bewegungsstruktur der Trendsportart "Tae-Bo", einer "Mixtur" aus Boxen, Taekwondo/Karate kombiniert mit viel Musik und Rhythmus, wurde unter der praktischen Anleitung von Susanne Brake schulsportgerecht zerlegt und zu einer "spritzigen" Komposition mit viel Bewegung und Musik wieder zusammengefügt. Die Ergebnisse ihrer Examensarbeit über "Tae-Bo" und ihre Erfahrungen aus dem Bereich des Fitness-Sports konnten in der Unterrichtspraxis bestätigt werden: "Tae-Bo" trifft voll und ganz die Einstellung der Schülerinnen und Schüler: Lifestyle und Fitness sind angesagt. Die von Susanne Brake geschickt organisierte und didaktisch-methodisch aufbereitete Unterrichtskonzeption zur Trendsportart "Tae-Bo" im Sportunterricht trug dazu bei, dass die Zielstellungen von Sportunterricht allgemein auch über "Tae-Bo" angesteuert werden konnten. Besonders die Leistungsbereitschaft, die schnelle Auffassungsgabe und die motorische Aktivität der Schulklasse war enorm. Sogar das Klingeln zur Pause wurde überhört. "Diese Trendsportart belebte in jeder Hinsicht den Alltag des Schulsports", so der Projektleiter Studienrat te Poel.


Stuttgarter Nachrichten 23.6.

Schavan und von Richthofen einig:

Schulen müssen Sport und Bewegung fördern

 Stuttgart (dpa) - Den "Aufbruch in eine sport- und bewegungsfreundliche Schule'' kündigten Annette Schavan, die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), und der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, nach einem Spitzengespräch zum Schulsport am Freitag in Stuttgart an. Der DSB-Präsident erwartet einen engeren Schulterschluss mit der KMK, deren Gesprächsbereitschaft bisher vermisst worden war.

 "Die bundesweite Sicherung der Pflichtstunden im Schulsport bleibt die Mindestforderung des Deutschen Sportbundes'', sagte von Richthofen, der sich zudem Impulse für die weitere Einrichtung von sportbetonten und Eliteschulen in allen 16 Bundesländern wünscht.

 Schavan und von Richthofen unterstrichen die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen sei es, im Hinblick auf das veränderte Freizeit- und Bewegungsverhalten den Schulsport zu stärken und zu erweitern. Der Schulsport leiste nach ihrer Auffassung bereits heute einen unverzichtbaren Beitrag bei der ganzheitlichen Bildung und sei durch kein außerschulisches Angebot zu ersetzen.


Sportunterricht.de

Fuldaer Zeitung 21.6.

Körperliche Leistungsfähigkeit der Schüler teilweise erschreckend

Um den hiesigen Schulsport könnte es besser bestellt sein. Die Lage ist aber offenbar nicht so prekär, wie sie andernorts oft beschrieben wurde. Das ergab eine Befragung unserer Zeitung bei verschiedenen Lehreinrichtungen in unserer Region. Unisono wurde aber der in den letzten Jahren immer schlechter werdende Fitnesszustand gerade junger Schüler beklagt.

Das Vorurteil, dass der Sportunterricht bei Stundenausfällen das erste ist, was gestrichen wird, scheint nicht allgemein gültig zu sein. Jede Schule ist hier ihres Glückes Schmied und entscheidet selbst, welchen Stellenwert der Sport bei der Schülererziehung hat. Eine Verjüngungskur bei den Sportlehrern hingegen wäre offenbar durchaus angebracht, da der Altersdurchschnitt meist bei Ende 40 liegt.

Den schlechten Fitnesszustand der Schüler bestätigt Dieter Weitz, Fachleiter Sport an der Fuldaer Bardoschule. Die körperliche Leistungsfähigkeit der Schüler habe „furchtbar abgenommen“. Man müsse überlegen, gerade Grundschülern einfachste Koordinationsbewegungen wie Gehen oder Laufen beizubringen, denn bereits dort würde es hapern. Den Grund für das Dilemma sieht Weitz hauptsächlich in der mangelnden Motivation der Eltern. Sie müssten ihre Kinder mehr dazu bringen, in Vereinen Sport zu treiben. „Auch wir als Schule versuchen immer wieder, den Kindern die Vereine schmackhaft zu machen.“
Aber auch die Situation in der Fuldaer Grund-, Haupt- und Realschule könnte besser sein. So wird im nächsten Schuljahr die dritte Wochen-Sportstunde für alle Klassen gestrichen. Grund ist nicht etwa ein Lehrermangel. „Wir haben zu wenig Hallenkapazität“, erklärt Weitz. Im nächsten Jahr müsse man einen Zuwachs von fünf Klassen verkraften. Selbst ein in Aussicht stehendes Ausweichen in die Pestalozzischule oder gar in die Fuldaer BGS-Halle konnte die bisher durchgeführte dritte Stunde nicht retten. Mit zwölf sei die Anzahl der Sportlehrer für derzeit 750 Schüler ausreichend (der Altersdurchschnitt liegt hier bei etwas unter 40 Jahren), und auch die Vielfältigkeit des Sportangebots sei in Ordnung.
Neben herkömmlichen Sportarten biete man beispielsweise Badminton und Basketball in Arbeitsgruppen an. Im Bereich der Wahl-, Pflichtfächer besteht gar die Möglichkeit, Schach als Sportart zu betreiben. Seit dem laufenden Schuljahr wird im selben Bereich das so genannte „Flag-Football“ angeboten. Dabei handelt es sich laut Weitz um eine „abgespeckte Form“ des American Football. Unterstützt wird die Schule dabei von Dennis Faherty, Trainer der Jugendmannschaft Iron Horses und ehemaliger Coach der Fulda Bulls. Für die Grundschüler organisiert man derzeit Tennis-Projekttage. „Hier können wir im nächsten Jahr gegebenenfalls sogar in den Bereich der Talentförderung gehen.“ Ab Herbst 2002 will man sich mit Unterstützung des TTC Maberzell im Tischtennis bei „Jugend trainiert für Olympia“ engagieren.
Der weitläufigen Meinung , dass bei einem Unterrichtsausfall zuerst der Sport betroffen sei, mochte Weitz nicht zustimmen: „Das wäre auch falsch, denn man hat erkannt, dass körperliche Betätigung ausgleichend auf die Schüler wirkt.“
Reinhard Mauerhoff, Schulsportleiter am Fuldaer Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, hingegen beklagt den Wegfall von Sportstunden. „Bei Ausfällen ist zuallererst der Sport betroffen“, sagt er. Und: „Der Stellenwert des Sports ist nun einmal leider so wie er ist.“ Sowohl die Schulen wie auch das staatliche Schulamt müssten insbesondere bei Lehrermangel Prioritätenreihenfolgen festlegen. „Andere Fächer haben dann oft Vorrang.“ An seiner Schule fehlen „eigentlich zwei Sportlehrerstellen“, was zur Folge hat, dass mit den zehn hauptamtlichen Lehrkräften die dritte Sportwochenstunde bis zur achten Klasse nicht durchgeführt werden kann. Dabei liege der Altersdurchschnitt der Lehrkräfte bei Mitte 40.
Selbst herkömmliche Sportarten können nicht voll abgedeckt werden. Ein Turnkurs konnte laut Mauerhoff in den letzten Jahren „mangels Masse“ beispielsweise nicht angeboten werden. „Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn der schulübergreifende Sportunterricht besser funktionieren würde“, fordert der Schulsportleiter. Mit der Ausstattung an Sportgeräten und der Qualität der zur Verfügung stehenden Sportstätten ist Mauerhoff zufrieden. „Nur das Raumangebot wird eben langsam knapp.“
Großen Wert legt man am Fuldaer Gymnasium auf den Schwimmunterricht. „Im nächsten Jahr werden wir den Stundenansatz sogar noch erhöhen“, erklärt Mauerhoff. Ab dem Jahr 2003 soll etwas vollkommen neues eingeführt werden: Jahrgangsübergreifend wird der Wintersport als verpflichtende Maßnahme in einem Ein-Wochen-Block angeboten.
Auch Mauerhoff bemängelt den unzureichenden Fitnesszustand der Schüler. „Besonders bemerkbar macht sich das im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, danach relativiert sich das ein wenig.“
Probleme beim Schulsport kennt Renate Schäfer, Sportkoordinatorin und Leiterin einer vierten Klasse an der Fuldaer Adolf-von-Dalberg-Schule, nicht. An der Grund- und Hauptschule sei das Angebot von drei Stunden Sport pro Woche und Schüler gewährleistet. Angeboten werden fast ausschließlich herkömmliche Sportarten. Der Renner bei den Kindern seien Spiele wie Brenn- und Völkerball.
„Die Turnhalle ist in Ordnung, ansonsten sind die Bedingungen, gerade was die Ausstattung mit Sportgeräten angeht, eher dürftig“, zeigt sich Schäfer mit der Situation unzufrieden. Ein Schreiben mit Wünschen an das staatliche Schulamt sei deshalb bereits unterwegs. Dabei seien auch die Anregungen der Kinder berücksichtigt worden.
Insgesamt seien die Kinder trotz des relativ hohen Altersdurchschnitts der Sportlehrer (50) mit Begeisterung bei der Sache und „treiben gern Sport“. Trotzdem hat auch Schäfer beobachtet, dass die Fitness bei den Kindern abgenommen hat. „Es gibt einfach zu wenig Kinder, die auch nachmittags Sport treiben“, sagt sie. Auch ihrer Ansicht nach müssten hier die Eltern mehr Motivationsarbeit leisten.



Sportunterricht.de

Darmstädter Echo 19.6.

Personalmangel ja, Personalmangel nein – Doch Sportunterricht fällt aus

„Bei uns ist im letzten Schuljahr mehr als ein Drittel des Sportunterrichts ausgefallen.“ Diese Alltagsbilanz eines Pennälers in Klasse sechs eines großen Gymnasiums ist kein Einzelfall. Sport war auch im „Jahr des Schulsports“ eines der Fächer, das gestrichen wird, wenn Lehrer erkranken oder andere Verpflichtungen haben. Manche Schulen suchen händeringend Sportlehrer, um gerade noch zwei Stunden Grundversorgung abzudecken. Aber es gebe keine, heißt es häufig. LSB-Vizepräsidentin Svea Rojahn spricht von öffentlichen Ausschreibungen und Abwerbepraktiken, die das Grundproblem nicht lösen.

 „Personalmangel“, sagt Sigrid-Inge Slabon vom Staatlichen Schulamt in Darmstadt, „das ist falsch.“ Die Statistik wies in den letzten zwei Jahren 80 Sportlehrer-Einstellungen aus. Für das neue Schuljahr werde unter sechs Ausschreibungen für das Fach Sport eine Stelle offeriert, auf die sich 15 Leute bewerben. „Für Gymnasien gibt es ausreichend Sportlehrer, Engpässe herrschen an Grundschulen.“ Die Schulbeamtin reicht den Schwarzen Peter an die Schulleiter weiter. Diese fordern Lehrkräfte mit Fächerkombinationen an, die der Markt nicht hergibt oder sie konzentrieren Personalwünsche auf den Kernunterricht.

 Mit zwei Aktionstagen klang am 7./8. Juni in Wiesbaden das „Jahr des Schulsports“ aus. 20 000 Aktive waren beim Endspurt dabei. Der Sternlauf (Proteststaffel) von Schülern aus allen hessischen Schulamtsbezirken endete dort. Im Gepäck hatten Schüler und Lehrer Tausende bunter „Botschaften“, die Mängel, Kritik und Wünsche an Schulsport und Sportunterricht formulierten.

 Kernprobleme sind die bekannten: zu viel Unterrichtsausfall. In vielen Schulen wird die dritte Sportstunde generell nicht mehr gehalten. Zu wenige und überalterte Sportlehrer. Marode, schlecht ausgerüstete Sportstätten. Kaum moderne oder Trendsportangebote. Aber es gibt auch Lob – vor allem für Projekte und Initiativen einzelner Lehrer und Schulen sowie für den Einsatz von Eltern und Förderkreisen, die Schulsport aufwerten.

 Knut Hahn, Schulsportkoordinator und Sportlehrer am Gymnasium Gernsheim, sagt, dort gebe es genug Lehrkräfte. Er spricht aber nicht mehr von der dritten Sportstunde. Schon bei der Erteilung zweier Unterrichtsstunden sorgen Mangel an Sportstätten (Hallen) und Ausfälle durch Krankheit für Engpässe. Gernsheim ist traditionell sportorientiert. Fußball-Stützpunkt und in Kürze ein Tischtennis-Stützpunkt in Kooperation mit Vereinen und Fachverbänden bieten überschulische Talentpflege und Zusatzangebote. Sport- und Aktionstage setzen breitensportliche Akzente.

 Im „Jahr des Schulsports“ zeigte das Gymnasium – wie viele andere auch – mit der Beteiligung an der Schulsportstaffel Flagge. Im Zuge der Mittelstufen-Reform habe das Jahr Überlegungen beflügelt, Sportunterricht künftig mehr an Grundlagen und Bewegungserfahrung zu orientieren. Allgemein nahm Knut Hahn die Resonanz des Aktionsjahres an den Schulen und bei Sportlehrern unterschiedlich wahr. „Es hat schließlich einen Erlass gegeben.“ Dieser verdonnerte sie dazu aktiv zu werden. Reaktionen anderer Lehrer waren kritischer. Begriffe wie „Kokolores“ „Aktionismus“ oder „Politschau“ kamen ihnen über die Lippen.

 Thomas Birkelbach, alter Fahrensmann des Schul- und Vereinssports, Sportlehrer an der Brecht-Schule in Darmstadt (Oberstufengymnasium), sagt, Schulsport vor Ort steht und fällt mit der Einstellung der Schulleitungen, der Lehrer, aber auch der Schüler – gerade in der Oberstufe: „Es gibt Schüler, die sind sportlich interessiert (damit motiviert), und andere, die erreichst du nie.“

 Gleiches gilt für die Eltern. Und auch bei den Zöglingen selbst war die Wahrnehmung begrenzt: „Wir haben von all dem nichts mitbekommen.“ Dieser Satz fiel öfter.



Darmstädter Echo 19.6.

Mehr Sensibilität für ein Reizthema
„Jahr des Schulsports“ in Hessen endet und hinterlässt zwiespältige Bilanz

Das „Jahr des Schulsports“ in Hessen hinterlässt zwiespältige Resultate: „Man kann schon sagen, dass wir mehr Sensibilität bei diesem Thema erreicht haben. Aber es muss weitergehen“, sagt Svea Rojahn, Vizepräsidentin des Landessportbundes Hessen (LSBH), selbst Sportlehrerin. Landesregierung und Landessportbund hatten die Aktion im Schuljahr 2000/2001 ausgerufen und gut zwei Millionen Mark investiert. Rund 3000 Projektwochen, Schulsportfeste oder Podiumsdiskussionen zum Reizthema Schulsport und dessen Misere, vor allem an Grundschulen, bilanzieren die Veranstalter jetzt.

 Im LSBH hat Svea Rojahn, früher Vorsitzende der Sportjugend, die Initiative angeschoben und betreut. Doch es gab weiße Flecken in der hessischen Schullandschaft, trotz eines Erlasses, der alle Schulen zum Mittun verpflichtete.

 Positiv war die Partnerschaft mit der hessischen Landesregierung. Kultusministerin Karin Wolff (Darmstadt), „die dem Sport nicht so zugewandt war“, habe man ein Stück auf deren Seite gebracht. Parlamentarische Anfragen in den achten Klassen der weiterführenden Schulen, die dritte Sportstunde zu kappen, seien vom Tisch. Politisch will LSBH nicht locker lassen: Anfragen an die Parlamentarier, gemeinsame Beschlussfassung (Kommuniqué) zum Schulsport, schweben Svea Rojahn vor. Aus- und Fortbildung von Lehrern und die Neubelebung des „Aktionsbündnisses für den Schulsport“, dem nun auch der Landeselternbeirat angehört, sollen die praktische Arbeit stärken. „Eltern sind der ganz entscheidende politische Faktor. Auch die Sportkreise müssen hier hellhöriger werden.“

 Schulsportkoordinator Klaus Späthe (Seeheim), einer der Motoren in der Region, empfand: „Das Jahr des Schulsports hat unheimlich viel gebracht.“ Projektarbeit und die Ausbildung von Multiplikatoren unter den Lehren befruchteten das Sportangebot an den 129 Schulen in Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg. Mangelhaft nannte er Absprachen mit den Initiatoren des Aktionsjahres. Auch der Sportkreis habe sich sehr zurückgehalten, sagt Späthe, selbst stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises 33: „Da bin ich enttäuscht.“
Die Universität Gießen packt nun Erfahrungen mit dem „Jahr des Schulsports“ in eine Dokumentation. Sie dient als Grundlage für die künftige Strategie zur Behebung der Schulsportmisere.


Sportunterricht.de

Schäbische Zeitung 16.6.

Klettern mit pädagogischem Hintergrund
 

ULM - Die Schüler von Humboldt- und Kepler-Gymnasium können von nun an eine Wand hoch gehen, bis knapp unter die Decke, offiziell und im Sinne von selbstbestimmter Körperertüchtigung. Die jüngst installierte Kletterwand besäße demnach auch einen pädagogischem Hintergrund, gedacht ist sie für eigeninitiierte Leibesübungen.

"Bewegungsmangel."Das ist das Stichwort, warum die AOK die Idee dafür lieferte. "Zu wenig Auslauf", das ist der Grund, warum die Direxin des federführend voranschreitenden Humboldt der Installation der Trimm-Gerätschaft zustimmte. "Zu große Klassen", das war der Anlass für Sportlehrer Peter Hafner, der pfiffigen Idee zur praktischen Umsetzung zu verhelfen.

Der Sportlehrer besorgte Bauanleitung, Material und das O.K. der Stadt, ein paar Grafiti-Artisten aus der Schülerschaft gestalteten die Wand optisch, ein schulübergreifendes Lehrerteam baute sie zusammen und befestigte sie an einer Turnhallenwand.

So konnten die Kosten unter 3000 Mark gehalten werden, für die die Elternvereine und die "Stiftung Sport in der Schule" ihre Scherflein beitragen. Für das Geld --ein gekauftes Kletterutensil hätte leicht das Vierfache gekostet --gab es eine fast neun Meter breite, aber nur 2,5 Meter hohe und sehr stark poppige "Wand" ("Boulder") , die tendenziell mehr zum Querklettern anleitet, was mit dem Haftungsrecht zusammenhängt. Eine eher vertikal ausgerichtete Kletterwand wäre mit einem erhöhtem Unfallrisiko verbunden, was dann an einer Ulmer Schule nicht so einfach ist.

Wie Hafner ausführte, werde er die Wand gezielt im Sportunterricht einsetzen, zur stillen Übung sozusagen, wenn die Größe der Klasse eine Teilung der Gruppe gebietet. Außerhalb des Unterrichts kann die Wand nach derzeitigem Stand nicht benutzt werden, dazu bräuchte sie einen außer-häusigen Anbringungsort, der im Moment noch nicht gefunden ist.

An der pädagogischen Wirksamkeit ändert das grundsätzlich aber nichts. Gerade auch weniger talentierten Sportskanonen vermag der "Boulder" Erfolgserlebnisse aller Art zu verschaffen. Es gibt einfachere Varianten des Seitlich-Kletterns, aber auch schwierigere, die Regeln können sich die Schüler je nach Geschicklichkeit selbst stellen. Eine könnte so lauten, dass Griffe bestimmter Farben nicht benutzt werden dürfen.

Die Wand soll darüber hinaus ausstrahlen in die weiten pädagogischen Lande. Laut Hafner seien keine vertieften Heimwerkerkenntnisse zu ihrer Anfertigung nötig, lediglich eines Initialfunkens bedürfe es, einer Einkaufstour und einer Bau- und Andübel-Aktion. "Gern" sei er bereit, Einweisungen zu erteilen, meint Hafner.

Die AOK wiederum steuert statistisches Unterfutter bei: Unter sechsjährigen Kindern hätten 30 Prozent Übergewicht, je 40 Prozent einen schwachen Kreislauf, Koordinierungsprobleme oder muskuläre Schwächen, 60 Prozent würden irreversible Haltungsschwächen aufweisen.



Stuttgarter Nachrichten 16.6.

Pennäler als Sportlehrer

 Rebecca Bittner hat einen ganz einfachen Grund, warum sie als Schülermentorin im Sportbereich mitarbeitet: "Es macht so unheimlich Spaß.'' Die talentierte Basketballspielerin aus Stuttgart ist eine von 900 Schülern, die sich pro Jahr zu Schülermentoren ausbilden lassen.

 Zusammen mit fünf weiteren Jugendlichen bietet sie einmal pro Woche in sechs verschiedenen Grundschulen eine Basketball AG an. An der Schule in Pflugfelden "rennen die Kinder mir die Türe ein'', erzählt Rebecca Bittner.

 Schülermentoren leiten Arbeitsgemeinschaften im Bereich Sport, oder sie werden den Sportlehrern als Assistenten zur Seite gestellt. So kann das schulische Sportangebot erweitert werden. "Seit dem Schuljahr 1993/94 wurden rund 4600 Mentoren ausgebildet'', sagt Claus Martin vom Landesinstitut für Schulsport in Ludwigsburg. Das Institut hat das Projekt gemeinsam mit dem Kultusministerium und den Oberschulämtern ins Leben gerufen.

 Die Ausbildung umfasst 40 Unterrichtseinheiten und ist auf die Anforderungen in der jeweiligen Schulart abgestimmt. Das Mindestalter der Schülermentoren beim Abschluss der Lehrgänge liegt bei 16 Jahren. Die Kurse finden in den Landessportschulen in Ruit, Albstadt, Steinbach und Schöneck statt, manchmal auch im Landesinstitut für Schulsport in Ludwigsburg oder in den Ausbildungszentren der Landesverbände.

 Das Programm bezieht sich im Moment auf 18 Sportarten: Badminton, Fitness/ Dance, Geräteturnen, Handball, Judo, Rudern, Ski/Snowboard, Tischtennis, Volleyball, Basketball, Fußball, Gymnastik/Tanz, Hockey, Leichtathletik, Schwimmen, Tennis, Triathlon und Trendsport.

 Wer einen Mentorenkurs besucht, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Ausbildung wird von den Fachverbänden als Grundlehrgang zum C-Trainer-Schein und Übungsleiter F anerkannt. Denn das Programm hat einen wichtigen Nebeneffekt: Man will Trainertalente finden und diese sowohl für die Arbeit in den Schulen als auch im Verein begeistern.

 Weiterer Anreiz: "Auf Wunsch wird die Mentorentätigkeit im Zeugnis erwähnt'', versprechen die Verantwortlichen des Projekts. Denn die Teenager übernehmen früh pädagogische Aufgaben und Verantwortung mit allen positiven Auswirkungen in gesundheitlicher, sportlicher und sozialer Hinsicht. Gleichzeitig erarbeiten sie sich Voraussetzungen für künftige Aufgaben, beispielsweise ein Ehrenamt im Verein.

 Das Programm wurde inzwischen erweitert, im Frühjahr startete das Pilotprojekt "Schulsportmentoren Hauptschulen''. In Abstimmung mit dem Kultusministerium und den staatlichen Schulämtern hat das Landesinstitut ein Konzept erarbeitet, die auch Hauptschülern ermöglicht, als Mentoren mitzuwirken. Mit leicht abgewandeltem Programm und 24 sportartübergreifenden Unterrichtsstunden. "Damit wollen wir die Hauptschulen stärken, damit die nicht vernachlässigt werden'', sagte Claus Martin. "Wir haben im Dezember fünf Schulen eingeladen, um das Projekt zu testen, und der Tenor war sehr positiv. Die Schüler waren unheimlich motiviert.''

 Nun macht man sich bereits Gedanken über die Fortführung.



 

Wiesbadener Kurier 8.6.

Für mehr Bewegung auf die Barrikaden gehen
Abschlussfest zum „Jahr des Schulsports“ auf dem Schlossplatz: 2500 Schüler aus ganz Hessen machten mit

WIESBADEN (dv) Vorsicht fliegende Objekte! Basketbälle und Frisbees, hier und da ein Football, eroberten gestern den Luftraum über dem Schloßplatz. Erlaubt war alles, was fit hält. Unter dem Motto „Sport macht Schule – Schule macht Sport“ feierten über 2500 Schüler aus ganz Hessen das Abschlussfest zum „Jahr des Schulsports“, ausgerufen vom hessischen Landtag.

 Ziel: „Die Schüler sollen mehr Bewegung bekommen“, sagt Stephan Schulz-Algie, Referent der Sportjugend Hessen. An den Lehranstalten habe es rund 4000 Aktionen wie Projektwochen und Wettläufe gegeben. Bewegungsorientierte Schulhofgestaltung beschäftigte Planer. Pädagogen berieten sportliche Unterrichtsmodelle, etwa wie Pausen und Lernspiele den Unterricht entkrampfen helfen. Wichtigste Vorbilder für einen sportlichen Lebensstil sind, so Schulz-Algie, nach wie vor die Eltern.

 Auf der HR-Bühne sorgten ausgewählte hessische Schulsportgruppen, darunter Judoka, Frisbee-Artisten und die Breakdancer „Battle Twisters“ aus Kassel für Action. Kultusministerin Karin Wolff prämierte Schulen, die beim Sportabzeichenwettbewerb – 28500 Jugendliche errangen im letzten Jahr die Auszeichnung – hervorgetreten waren.

 Über 100 Teilnehmer der Klassen 5 bis 11 zählte der Wettbewerb zur Umsetzung des Schulsports in Fotos, Schülerzeitungen und Internetseiten, bei dem Preise wie Backstagekarten zu Footballspielen lockten. Für ihren digitalen „Sportsground“, inklusive Online-Fitnesstest, strichen Schüler des Wiesbadener Gutenberg-Gymnasiums 4000 Mark Siegesprämie ein. „Der Auftritt im Internet ist eine Möglichkeit, die Leistungen der Schule öffentlich zu präsentieren“, sagt Karl Hoffmann, Schulsportbeauftragter in Maintal.

 Und was meinen die Schüler? „Es gab viele Wettkämpfe, das motiviert zu hohen Leistungen“, sagt Amin Vogel aus Marburg. Weiterhin gab es viele Gelegenheiten, eigene Wünsche und Vorstellungen zu äußern, meint der 14-jährige. Vorschläge aller Schulen Hessens brachten Vertreter der 15 staatlichen Schulämter mit einem Stafettenlauf aus drei Himmelsrichtungen auf den Schloßplatz. Svea Rojahn, Vizepräsidentin des Landessportbunds, übergab die „Botschaften“ dem Landtag. Rojahn betonte, das Thema sei „Dauerauftrag“ und appellierte an die Schüler: „Wenn ihr nicht genug Schulsport habt, geht auf die Barrikaden.“

 Über Bewegungsmangel konnte sich vor dem Rathaus niemand beschweren: Inline-Slalom, Hüpfburg und Raketen-Bungee hielten die Kids bei Laune. Einzig für die Dachdecker auf dem Landtag war die Kletterei in luftigen Höhen Arbeit und kein Action-Sport.


"Frankfurter Rundschau" 8.6.

Schulsport Beine machen

Ein Jahr mit 3500 Veranstaltungen endet heute
 

Mit einer Fete und einem Beach-Soccerturnier endet heute in Wiesbaden das "Jahr des Schulsports". Gestern hatten Delegationen der hessischen Schulämter ihre Wünsche für die sportliche Schulzukunft der Landtagsvizepräsidentin übermittelt.

WIESBADEN. Rund 4000 Schülerinnen und Schüler aus der Landeshauptstadt drängten sich bereits am frühen Donnerstag auf dem Schlossplatz vorm Landtag. "Wandertagsfrei" hatten die jungen Leute bekommen, um bei Sportvorführungen und Auftritten von Schulbands auf der hr-Bühne mit dabei zu sein. Oder, um im mit 450 Tonnen Sand gefüllten Beach-Court Fußball zu spielen, sich im Frisbee-Zielwurf zu üben, in Hüpfburgen zu tollen, die Kletterwand zu bezwingen oder andersartige Bewegungsangebote zu nutzen.

Dass das Jahr des Schulsports, das 2000 beim Hessentag in Hünfeld eingeläutet worden war, mit vielen Aktionen ausklingt, versteht sich von selbst. Schließlich war es der Sinn der vom Landtag einstimmig beschlossenen Sache, die Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für die Entwicklung von Kindern einer breiten Öffentliche bewusst zu machen.

Ob's nachhaltig gelungen ist, weiß bislang niemand so recht. Gewiss ist nur, dass sich rund drei Viertel der 2200 hessischen Schulen am Schulsportjahr beteiligt haben und zwar mit rund 3500 Veranstaltungen oder Aktionen auf verschiedenen Ebenen. Mit Sportfesten etwa, oder der Umgestaltung des Pausenhofs in ein Bewegungsareal, mit Podiumsdiskussionen, der Organisation von Sportlehrertagungen oder Kooperationsvereinbarungen mit Vereinen. Zudem beteiligten sich die Schulen an Wettbewerben, die Innen- und Kultusministerium sowie Landessportbund (LSB) - Kooperationspartner des Schulsportjahres - ausgeschrieben hatten.

"Es ist unglaublich viel geschehen", zieht die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) Bilanz. Das Abschlussfest in Wiesbaden sei deshalb auch kein "Schlusspunkt", sondern vielmehr Auftakt für weitere Aktivitäten: "Das Jahr hat hoffentlich nachhaltig Lust auf Bewegung gemacht". Hat es wohl. Nur hapert es nach Schülermeinung an vielen Ecken und Enden, was das Bewegungsangebot betrifft.

"Mehr Sporthallen, mehr Trendsportarten im Unterricht, mehr junge Sportlehrer, Erfüllung der dritten Pflichtsportstunde und bessere Sportausstattung", so lautet der Tenor der Petitionen, die 225 Schüler-Delegierte aus den insgesamt 15 Schulamtsbezirken Hessens am Donnerstag Landtagsvizepräsidentin Veronika Winterstein (SPD) überreichten. Die Wunschzettel waren in den vergangenen drei Wochen an allen beim Schulsportjahr engagierten Schulen in Hessen gesammelt worden und via Schülerstaffellauf mit Inlinern, Rad, Kickbord und gar Paddelbooten zum jeweils zuständigen Schulamt gebracht worden. Ob die Forderungen erfüllt werden, wird die Zukunft weisen. Kultusministerin Wolff versicherte den jungen Delegierten zumindest, dass ihre Wünsche sortiert und an die zuständigen Stellen weitergereicht werden: Schulen, Schulamt, Schulträger, Ministerien oder Landtag...
 


6.6. Stuttgarter Zeitung

Sportlehrer Kinkel

Trendsportarten wie Skateboard-Fahren und Inline-Skaten sollen nach dem Willen des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel in den Schulsport aufgenommen werden. "Mit Bockspringen über alte Holzböcke kriegt man unsere Computer-Kids heute nicht mehr für den Sport begeistert'', sagte Kinkel, Mitglied im Sportausschuss des Bundestags.
 


2.6. Taunuszeitung

„Sportstätten sind in einem miserablen Zustand“

Oberursel. Streetball, ein dritte Sportstunde und die Renovierung der Schulturnhallen – das sind einige der Vorschläge, die Oberurseler Schüler gestern im Rahmen der Aktion „Jahr des Schulsports“ auf den Weg nach Wiesbaden brachten. Die Idee für diese hessenweite Aktion kam vor zwei Jahren bei der Kultusministerkonferenz auf. Los ging’s nach den Osterferien in Fulda. „Zweck der Aktion ist es, den Landräten und letztlich auch den Kultusministern deutlich zu machen, dass Schüler am Schulsport interessiert sind, in ihrer Ausübung des Sports aber durch mangelhafte Ausrüstung und zu wenig qualifizierte Lehrkräften deutlich eingeschränkt werden“, erläuterte Helmut Kalbskopf, Schulsportleiter des Hochtaunuskreises.

Auch die Oberurseler Schüler haben sehr konkrete Vorstellungen. So fordern viele die Aufnahme von Trendsportarten in den Lehrplan, was an einigen Schulen in Form von Flag-Football und Inlineskatingkursen bereits geschieht. Ein weiteres großes Problem sei der zum Teil miserable Zustand der Schulsportstätten.

Kalbskopf: „Viele Schüler wussten auch nicht, das im Lehrplan normalerweise drei anstatt zwei Sportstunden vorgesehen sind, aufgrund der geringen Anzahl von qualifizierten Sportlehrern ist es den meisten Schulen aber momentan nicht möglich, drei Sportstunden pro Woche anzubieten.“

Um der Übergabe ihrer Zettel mit den Wünschen einen würdigen Rahmen zu verleihen, hatten die Sportlehrer der Oberurseler Schulen einiges auf die Beine gestellt. Der Schulhof des Gymnasiums wurde zum Tummelplatz für junge Sportler, die Schülergruppe der Integrierten Gesamtschule Stierstadt reiste unter der Leitung von Gerd Benner mit dem Fahrrad an. Am Gymnasium angekommen, ging es gleich weiter mit Aerobic im Innenhof, außerdem wurden Turnübungen gezeigt. Andere Schüler versuchten sich im Fußball, Basketball und im Tischtennis...


1.6. Lahn-Dill-Zeitungsgruppe

In der Goethe-Schule in Wetzlar

Ausstellung über Lust und Frust beim Schulsport

 Wetzlar. „Schulsport zwischen Stiefkind und Lieblingsfach": Unter diesem Motto läuft noch bis einschließlich Dienstag (5. Juni) eine interessante Ausstellung in der Goethe-Schule in Wetzlar. Dabei geht es um die verschiedensten Aspekte des Schulsports – von den Anfängen der Leibesübungen bis hin zur Talentsuche, von Lust bis Frust. Die Schau ist während des Schulbetriebes täglich bis 16.30 Uhr geöffnet.

Die Ausstellung hat die Goethe-Schule zum Abschluss des „Jahr des Schulsports" an Land gezogen. „Wir wollten zu diesem Anlass eine besondere Aktion bei uns präsentieren", erzählt Hans Dieter Baranowski, Schulsportleiter an der Goethe-Schule. Die insgesamt 28 Schautafeln umfassende Zusammenstellung steht unter der Trägerschaft der Woche des Sports der Ruhrfestspiele Recklinghausen und wurde vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung soll die laufende Diskussion um den Schulsport weiter anregen. Dabei geht es unter anderem auch um die Frage, ob das Fach in der gymnasialen Oberstufe überhaupt noch seine Berechtigung hat.

„Außerdem geht es um die Diskussion um den neuen Lehrplan Sport in Hessen", erklärt Baranowski. Ziel ist es dabei, weg vom „sportorientierten" hin zum „themenorientierten" und „mehrperspektivischen" Sportunterricht zu kommen. Nicht mehr die reine Sportart, wie Handball oder Volleyball, soll im Mittelpunkt stehen, sondern auch deren Verbindungen zu Themen wie Fitness, Bewegung oder Gesundheit.

Die Ausstellung ist in fünf Kapitel gegliedert. Los geht es mit einem kleinen geschichtlichen Rückblick über die Entwicklung des Schulsports – von Turnvater Jahn bis zu den 80-er Jahren. Die nächsten beiden Kapitel beschäftigen sich mit der aktuellen Situation des Schulsports am Beispiel von Nordrhein-Westfalen. Ergänzend dazu hat Hans Dieter Baranowski auch aktuelle Bezüge zu Hessen und der Goethe-Schule hergestellt.

Ein weiterer Komplex widmet sich dem Thema „Schulsport als Impulsgeber" sowie die Zusammenarbeit mit inner- und außerschulischen Partnern. Das abschließende Kapitel nimmt die Hauptakteure des Schulsports, nämlich die Lehrer und Schüler, etwas genauer unter die Lupe. Dabei geht es unter anderem auch um den „Herrscher" über Lust und Frust, den Sportlehrer. Neben der Ausstellung hat die Goethe-Schule aber noch einige andere Aktionen zum Abschluss des „Jahr des Schulsports" auf die Beine gestellt. Beim landesweiten Sternlauf der „Botschaften" sind die Wetzlarer Schüler ebenfalls mit von der Partie.

Alle Schulen waren aufgerufen, eine eigene Bestandsaufnahme und Wunschliste zum Thema Schulsport anzufertigen. Diese Botschaften – sie reichten von räumlichen Defiziten über nötige Sportplatzsanierungen bis hin zur Einführung der dritten Sportstunde – werden schließlich den verantwortlichen Politikern in Wiesbaden übergeben.

„Das Jahr des Schulsports bietet dabei die beste Möglichkeit, auf die Defizite hinzuweisen", sagt Hans Dieter Baranowski. Der Goethe-Schule liegt vor allem die dringend notwendige Reparatur des 40 Jahre alten Bodens der Sporthalle sowie die Sanierung der Außensportanlage am Herzen. „Wir haben an den Schulträger ja keine utopischen Forderungen. Wir verlangen lediglich, dass ein vernünftiger Sportunterricht an unserer Schule möglich ist", so der Schulsportleiter.


1.6. Marburger Neue Zeitung

Zweiter Tag der Schüler-Staffel

Im Schulsport sind noch Verbesserungen möglich

Marburg. Kaum hatten sich am Donnerstag, 31. Mai, die Frühnebel im Marburger Lahntal verzogen, da war sie schon wieder unterwegs, die große Rolle mit den Forderungen zum Schulsport.

In der Universitätsstadt begann die Fortsetzung des zweitägigen Staffellaufes durch den Landkreis mit den Martin-Luther-Schüler. Den mehr als großzügigen Zeitplan hielten übrigens alle spielend ein. Und so kam das überdimensionale „Staffelholz" dann auch zeitig am Zielort in Fronhausen an. Dazwischen hatten es Läufer, Inliner, Radfahrer, Ruderer und Kanuten transportiert.

Schüler/innen verschiedener Alterstufen, darunter auch sehbehinderte und blinde Kanuten der Carl-Strehl-Schule, hatten bewiesen, das sportliche Betätigung in der Schule mehr ist als der Aufschwung am Reck und der 5000 Meterlauf im Stadion.

Sie hatten aber auch mit ihrer Aktion darauf aufmerksam machen wollen, dass der Schulsport noch verbesserungswürdig ist. So gibt es beispielsweise in Wohratal Probleme mit den Duschen, und in Marburg beklagt die Adolf-Reichwein-Schule seit Jahren das Fehlen einer Sporthalle. Die vom Land vorgesehene dritte Sportstunde pro Woche ist mangels Lehrern und geeigneter Sportstätten auch nicht überall die Realität.

Die Wünsche zum Jahr des Schulsportes aus dem heimischen Kreis gehen nun auf die Reise nach Wiesbaden in das Kultusministerium. Ob man dort dann auch so schnell ist, wie die Staffelläufer im heimischen Landkreis?


1.6. Usinger Anzeiger

„Wir fordern endlich die dritte Sportstunde“

Schulen des Usinger Landes überbrachten ihre Wunschzettel zum „Jahr des Schulsports“ – Mehr Sportlehrer gewünscht
 

 USINGEN (dh). „Schule macht Sport, Sport macht Schule“, skandierten etwa 600 Schülerinnen und Schüler, die sich gestern auf dem Schlossplatz versammelten. Die Schulen im Usinger Land hatten hier ihre Wunschzettel an Schulsportkoordinator Helmut Kalbskopf übergeben. Vier Wünsche stehen bei allen Schulen an vorderster Stelle: Mehr Sportunterricht („endlich die dritte Sportstunde“), mehr Sportlehrer, bessere Sportgeräte und neue Sportstätten. Das Hessische Kultusministerium hat das Jahr 2001 zum „Jahr des Schulsports“ erklärt. Daher finden in diesen Tagen in allen Schulamtsbezirken Sternläufe statt. Auf Stelzen waren die Kinder der Wiesbachschule in Grävenwiesbach zum Schlossplatz gekommen. Die Stelzendelegation hatte somit die beste Übersicht über die versammelte Menge. Die größte Abordnung kam von der Buchfinkenschule in Eschbach, die praktisch komplett mit ihren 200 Schülern angetreten war.
Genau 99 Kinder der Astrid-Lindgren-Schule in Usingen hatten sich gestern um Sportlehrer Hans-Joachim Steffen-Jesse versammelt. Um 9.30 Uhr starteten die sportlich gekleideten Jungen und Mädchen zum Lauf von der Wilhelm-Martin-Dienstbach-Straße über die Hattsteiner Allee und Schlagweg durch den Schlossgarten zum Schlossplatz. Begleitet von einem Polizisten auf einem Motorrad und einem Feuerwehrauto. Schon Tage vor dem großen Auftritt sei die Aufregung groß gewesen, sagt ALS-Schulsportleiter Steffen-Jesse.
Die Grundschüler unterscheiden sich in ihren grundsätzlichen Wünschen nicht von den Realschülern und auch nicht von den Gymnasiasten. Allerdings gingen die ALS-Botschaften auch auf ganz spezifische Dinge ein: Mehr Platz auf dem Pausenhof, Tore und Basketballkörbe für Pausenspiele, bessere Ausstattung der Sporthalle und Stadthalle (zum Beispiel Tore), Möglichkeiten für Trendsportarten und vor allen Dingen die Erneuerung des Hartplatzes, der unterhalb der Stadthalle liegt. Gewünscht wird ein wetterfester Belag, der mit Linien für den Sport- und Fahrradunterricht ausgestattet sein sollte. Dies haben die Grundschüler der ALS als Wünsche festgeschrieben, die an den Schulträger, den Hochtaunuskreis, gerichtet sind. Vom Land Hessen wünschen sich die Schüler zusätzliche Sportlehrer, Arbeitsgemeinschaften und weitere Sportangebote auch am Nachmittag, „damit wir wieder Fußball-Weltmeister werden können“, und mehr Schwimmunterricht.
Das sanierte Hallenbad werde zwar im November eröffnet, doch schon heute zeichne es sich ab, dass hier die die Belegungszeiten bis auf die letzte Minute ausgereizt sind, stellt Steffen-Jesse fest.
Das vom Hessischen Kultusministerium proklamierte „Jahr des Schulsports“ biete eine ausgezeichnete Gelegenheit, auf die Probleme im Schulsport aufmerksam zu machen. Wenn nur ein Teil der Wünsche auf den Weg gebracht werde, wäre dies schon ein großer Erfolg. „Die Schüler jedenfalls werden genau verfolgen, wie ihre Wünsche und Anregungen umgesetzt werden, denn sie haben sich die Mühe gemacht, und ihre Botschaften verfasst. Nun wollen sie auch wissen, was sie bewegen können, und werden mit ihren Fragen sicher am Ball bleiben“, betont der ALS-Schulsportleiter.
Botschaften nach Wiesbaden„Eine dritte Sportstunde für alle Schüler – und dafür brauchen wir auch mehr Lehrer“, lautete die dringendste Forderung. So auch die Schüler der Grundschule „Am Hasenberg“ in Neu-Anspach, die keine Hasenfüße sind, denn sie fordern ganz mutig gleich zwei neue Sportlehrer. Die Buchfinkenschüler in Eschbach wünschen sich, dass mit dem geplanten Neubau der Schule auch eine Turnhalle errichtet wird. Die Sanierung der Außenanlagen steht auf dem Wunschzettel der Christian-Wirth-Schule, der an die Adresse des Hochtaunuskreises gerichtet ist. So müsste der Hartplatz im Schlossgarten zum Rasenplatz umgebaut werden.
Die Heinrich-Kielhorn-Schule in Wehrheim wünscht sich zwei große Trampoline und die Grundschule in der Wiesenau in Neu-Anspach neue und sichere Geräte.
Helmut Kalbskopf, Schulsportkoordinator des Hochtaunuskreises, sammelte alle Botschaften der Schulen ein und steckte diese in eine große Rolle. Mit einer Fahrradstaffel wurde diese Rolle zum Gymnasium nach Oberursel gebracht. Die gesammelten Botschaften werden am Donnerstag, 7. Juni, in Wiesbaden übergeben. In der Landeshauptstadt werden 300 Schüler als „Botschafter des Schulsports“ erwartet, die zum abschließenden Sternlauf aus allen Teilen Hessens anreisen werden. 


FR 31.5.

Beim Schulsport bleiben noch viele Wünsche offen

Schüler haben ihre Forderungen aufgeschrieben und bringen sie per Staffellauf zur Ministerin

Von Yvonne Holl

Mehr Sportlehrer, mehr Auswahl bei den Sportarten und bessere Ausrüstung: Diese Forderungen haben Frankfurter Schüler formuliert und gestern in einem Staffellauf nach Wiesbaden gebracht.

Selma schaut sehnsüchtig zu den Ruderern von der Carl-Schurz-Schule: "Rudern, das würd' ich ja auch gerne mal machen", sagt die Georg-Büchner-Schülerin. "Oder schwimmen, bei uns gibt es nie Schwimmunterricht an der Schule", wirft Klassenkamerad Halil ein. "Gibt es schon", erklärt Henok, "für die siebten Klassen". Der Ruf ihres Lehrers unterbricht das Gespräch, die Zehntklässler haben etwas zu erledigen. Mit rund 100 anderen Frankfurter Schülern ziehen sie Richtung Höchst, zu Fuß, auf Fahrrädern, in Rollstühlen oder mit Springseilen.

Sie transportieren Forderungen zur Verbesserung des Schulsports, die sie beim stadtweiten "Challenge Day" gesammelt haben. Die Jungen und Mädchen anderer Städte haben es ihnen gleichgetan. So haben Offenbacher Kinder ihre "Forderungen-Rolle" an der Gerbermühle an die Schurz-Schüler im Ruderboot übergeben, am Eisernen Steg übernahmen die Frankfurter Läufer und Fahrer - um an der Höchster Fähre Offenbacher und Frankfurter Papiere an Kinder aus dem Main-Taunus-Kreis zu übergeben, die weiter Richtung Wiesbaden fuhren. Am Donnerstag, 7. Juni, werden dann alle Wünsche an das Kultusministerium übergeben.

Wo es hakt, ist derzeit auf gelben und grünen Zetteln an einer Kaimauer am Eisernen Steg zu lesen. So fordert etwa die Helmholtzschule "drei bis vier Stunden Sport je Woche, mindestens jedoch die Erfüllung der Stundentafel". Dahinter steckt, dass, wenn eine Schule vom Lehrermangel betroffen ist, meist zuerst der Sportunterricht ausfällt. Sportlehrer werden abgezogen, um anderswo Lücken zu füllen. Umgekehrt werden kranke Sportlehrer aber nicht automatisch ersetzt.

Bei den Zetteln der Grundschulen fällt die häufige Forderung nach "qualifizierten" Sportlehrern auf. Heinz-Albert Hornung vom staatlichen Schulamt kann das erklären: "Dort unterrichten oft fachfremde Lehrkräfte Sport." Dass sich das im nächsten Schuljahr bessert, ist unwahrscheinlich. Zwar seien von den 60 neuen Lehrern, die eingestellt wurden, 17 auch Sportlehrer. Ob aber alle auch im Sport eingesetzt würden, sei ungewiss. Zudem habe nicht jeder Sportlehrer die Zusatzqualifikationen, die seine Schule benötigt, etwa die zum Schwimmunterricht.

Während eine Papierrolle Richtung Wiesbaden geleitet wurde, konnte die zweite Forderungen-Liste schon am Eisernen Steg übergeben werden. Michael Damian vom Schuldezernat nahm sie an sich, denn während das Land für die Lehrerversorgung zuständig ist, stellt die Stadt Hallen und Plätze bereit.

Hier sind die Mängellisten konkret: Das Gagern-Gymnasium will eine neue Halle, die Henri-Dunant-Schule will endlich einen Ort zum Schwimmen und in Goldstein müssen sich mehrere Schulen Hallen teilen und sind mit ihren Zeiten unzufrieden. Einige Grundschulen wünschen sich "Bewegungsräume" und Klettergerüste im Schulhof. Was die Bewegungsmöglichkeiten im Freien angeht "haben wir schon viel gemacht", meint Damian. In Zusammenhang mit dem Verein Umweltlernen seien viele Höfe entsiegelt, begrünt und so umgestaltet worden, dass in den Pausen Platz zu Toben sei. Andere Forderungen, etwa nach Schwimmhallen-Zeiten, würden geprüft. "Wir haben extra einen Sportreferenten, der dauernd im Kontakt mit den Schulen steht", sagt Damian.
 

Trendsportarten müssen auch die Lehrer lernen

Barrenturnen und Brennball sind auch Sport - aber nicht unbedingt geeignet, bewegungsunwillige Schüler zu motivieren. Für Trendsportarten wie Beachvolleyball und Inlineskaten sind zwar viele Schüler zu begeistern, dafür fehlt es aber an Ausrüstung und Plätzen.

"Das Problem beim Schulsport ist die Motivation", sagt Erik Nath, Beauftragter für Trendsportarten im Staatlichen Schulamt. Bei den Schülern kommen neumodische Sportarten meist gut an. Allerdings ist die Voraussetzung dafür, dass etwa Flag-Football oder Inlineskaten auf dem Stundenplan stehen, dass der Lehrer selbst diesen Sport beherrscht. Das Staatliche Schulamt bietet deshalb Fortbildungen an - meist in Kooperation mit Vereinen. So bringen Sportler der Skyliners Lehrern Basketball bei und bei Frankfurt Galaxy gibt's Übungsstunden in American Football.

"Gerade waren wieder 50 Lehrer im Kurs für Flag-Football", sagt Nath und benennt die schultaugliche Variante des Sports, bei der Spieler nicht zu Boden gehen, sondern sich lediglich Fahnen - Flags - abreißen. Solche abgewandelten Formen amerikanischer Sportarten sind derzeit sehr beliebt, wie zum Beispiel "Twoball", eine Art Basketball für zwei Leute. "Das lässt sich prima in den Sportunterricht integrieren", sagt Nath.

Dazu braucht es allerdings auch Basketballkörbe. Und die fehlen in vielen Sporthallen, Höfen und Parks. "Wir brauchen geeignete Orte für die beliebten Sportarten", sagt der Trendsport-Spezialist. Ein Konzept für mehr Spielmöglichkeiten im Umfeld von Schulen sei nötig. Es gehe darum "nicht nur nachgefragte Sachen zu schaffen, sondern auch etwas anzubieten". Skaterwege zu Grundschulen, Beachvolleyballplätze in Parks, aber auch mehr Radwege und Schwimmbäder seien "Möglichkeiten der Bewegungsarmut zu begegnen", so Nath.

Das gleiche Ziel verfolgt die Sportjugend Hessen mit der "Sportsfun"-Kampagne. In etwa einem Dutzend Schulen jährlich richtet sie ein Sportfest aus, bei dem "Kistenklettern", Inlineskaten oder Streetball auf dem Programm stehen. "Wir wollen Impulse geben", sagt Stephan Schulz-Algie. Die Sportjugend besucht und berät auch Vereine, die Trendsportarten anbieten wollen und bietet Kurse für Trainer und Übungsleiter an. ivo

• Informationen zur Sportsfun-Kampagne gibt es bei der Sportjugend unter Telefon (069) 6 78 92 47.


31.5. Taunus-Zeitung

Sternlauf mit meterlanger Sport-Wunschliste

150 Schüler auf Fahrrädern, die mit großem Hallo auf dem Vorplatz des Bürgerhauses ankommen, Pennäler auf Inline-Skates und Kickboards sowie Grundschüler, die eine Seilspring-Choreographie vorführen: Das Motto „Schule bewegt sich“, das im Jahr 2001, dem Jahr des Schulsports, groß geschrieben wird, wurde am gestrigen Mittwochvormittag mit viel Leben erfüllt. Anlass war die Übergabe der Wunschliste, die derzeit von allen Schulen Hessens gefüllt wird.

Die meterlange Liste wird von Landkreis zu Landkreis in einem Sternlauf weitergeben und am Donnerstag, 7. Juni, in Wiesbaden abgegeben. Gestern fand an der Grundschule Köppern die Übergabe vom Wetteraukreis zum Hochtaunuskreis statt. „Wir konnten 150 Schüler aus Rodheim begrüßen, die von der Erich-Kästner-Schule in einer knapp einstündigen Tour zu uns geradelt sind“, erklärte Marita Krystek, die Leiterin der Köpperner Grundschule.

Gemeinsam mit Gerhard Benner, dem Schulsportkoordinator des Hochtaunuskreises, nahm sie die Wunschliste in Empfang. „Die werden wir nach Bad Homburg bringen und dort dem Kaiserin-Friedrich-Gymnasium übergeben“, so Krystek. „Jede Schule aus den jeweiligen Schulamtsbezirken kann je einen Wunschzettel an den Kreis und einen an das Land ausfüllen“, erläuterte Krystek.

Die beiden Zettel der Grundschule waren nicht die einzigen, die gestern auf die große Wunschliste aufgeklebt wurden: Je eine Abordnung der Grundschule Burgholzhausen, der Peter-Härtling-Schule und der Philipp-Reis-Schule (PRS) war ebenfalls in Köppern. „Wir sind mit zwei Klassen mit Inline-Skates und Kickboards hierher gekommen“, erklärt Karin Hedderich-Cöster, Sportlehrerin an der PRS.

Mit fetziger Musik und einer Seilspring-Vorführung vertrieben sich Friedrichsdorfer Schüler und Lehrer die Wartezeit auf die Rodheimer. Die Wünsche der Schulen, die sich alle auf das Thema Sport beziehen müssen, ähneln sich: „Wir wünschen uns mehr Nachwuchslehrer, die auch moderne Sportarten wie Skateboardfahren oder Inline-Skating anbieten“, meint Hedderich-Cöster. „Dann könnte auch die Vorgabe eingehalten werden, drei Wochenstunden Sport anzubieten.“ Die Grundschule Köppern wünscht sich, dass jeden Tag Zeit für Sport sein soll. „Und dass der Etat für die Anschaffung von Materialien für den Sportunterricht ein wenig vergrößert wird“, fügt Schulleiterin Krystek hinzu. Was allerdings gut abgedeckt und auch genutzt werde, sei das Angebot an Fortbildungen.


29.5. Taunus-Zeitung

Sternlauf mit dem großem Wunschzettel

Hochtaunus. Hätten Sie’s gewusst? Das Jahr 2001 ist vom Hessischen Kultusministerium zum „Jahr des Schulsports“ proklamiert worden. Vor diesem Hintergrund findet in den nächsten Tagen ein Sternlauf aus allen Schulamtsbezirken Hessens statt, bei dem Lehrer und Schüler ihre Wünsche nach Wiesbaden bringen werden. Der große „Wunschzettel“ erreicht an diesem Mittwoch den Hochtaunuskreis, wobei die Botschaften aus dem Wetteraukreis in Köppern übergeben werden.

Im Hochtaunus sind folgende „Sammelstellen“ vorgesehen: am Donnerstag um 10.30 Uhr am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg und zeitgleich an der Christian-Wirth-Schule in Usingen. Von diesen beiden Orten aus geht die Staffel weiter zum Gymnasium Oberursel.

Am Freitag wird die einen Meter breite Papierrolle mit den Wünschen von Oberursel und Umgebung um 10.30 Uhr zur Altkönigschule weiter nach Kronberg gebracht und von dort aus am Dienstag nach Pfingsten um 10.30 Uhr zur Taunusschule nach Königstein. Am Mittwoch, 6. Juni, erfolgt an der Friedrich-Stoltze-Schule Königstein (ebenfalls um 10.30 Uhr) das Einsammeln von Botschaften aus dem dortigen Einzugsbereich, ehe die Staffel mit Zielrichtung Wiesbaden über Glashütten in den Rheingau-Taunus-Kreis weitergeführt wird.

Lehrer und Schüler haben die Möglichkeit, zwei Wunschzettel auszufüllen. Einen gelben für den jeweiligen Landkreis als Schulträger und ferner einen grünen für das Land Hessen.

Bei der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) in Usingen sind unter anderem folgende Wünsche formuliert worden: mehr Platz auf dem Pausenhof, Tore und Basketballkörbe für Pausenspiele, Erneuerung des Hartplatzes unterhalb der Stadthalle und Markierungen für Sportund Fahrradunterricht. Vom Land Hessen möchte die ALS zusätzliche Sportlehrer (etwa Diplomsportlehrer für jede Grundschule), zusätzliche Sportangebote am Nachmittag, mehr Schwimmunterricht in der Grundschule sowie den lange geforderten täglichen Sportunterricht. Die Botschaft der ALS wird von rund 100 Schülern überbracht, die von der Grundschule aus zur Sammelstelle vor der Christian-Wirth-Schule durch Usingens Straßen und den Schlosspark joggen.

Die Abschlussveranstaltung des landesweiten Sternlaufs, zu dem eine West- , eine Ost- und eine Südroute gehören, ist für Donnerstag, 7. Juni, in Wiesbaden geplant, wo ab 15 Uhr die Übergabe der „Botschaften zum Schulsport“ im Kuppelssal des Landtags erfolgt. Dazu werden rund 300 Schüler aus allen Teilen Hessens mit Bussen anreisen, darunter auch einer, der an der Gesamtschule Stierstadt startet. Auf dem Schlossplatz in Wiesbaden finden als Abschluss des Aktion-Programms „Jahr des Schulsports“ am Donnerstag, 7., und Freitag, 8. Juni, auf einer Bühne vor dem Rathaus fast rund um die Uhr zahlreiche Sport- und Musik-Events statt.


17.5. Darmstädter Echo

Hochschulsportzentrum der TU Darmstadt veranstaltet am 19. Juni einen Schulsporttag

Mit einem „Schulsporttag“ beteiligt sich das Hochschulsportzentrum (HSZ) der TU Darmstadt am „Jahr des Schulsports“. Am 19. Juni werden im Hochschulstadion mannigfaltige Sportarten und Disziplinen angeboten, „für die im Ausbildungsplan der Schulen oft leider kein Platz ist“, so Diplomsportlehrer Achim Koch. Moderne Freizeitsportarten wie Beachvolleyball, Ultimate Frisbee oder Golf stehen auf dem Programm. Koch: „Schulsport sind schließlich nicht nur die großen Traditionssportarten, sondern auch die kleinen Spiele und die Erlebnissportarten.“

 Ab 8.30 Uhr haben Klassen, und Einzelinteressenten am Schulsporttag die Möglichkeit, sich für Mitmachangebote anzumelden. Von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr erwarten rund 40 Übungsleiter 100 Studierende der Sportwissenschaften die Schüler auf 18 Plätzen und Anlagen. Dort können sie von einer zur nächsten Station wechseln, sofern sie sich angemeldet haben. „Die einzelnen Angebote sind in der Teilnehmerzahl jedoch begrenzt.“ Koch rechnet mit 600 bis 1000 Schülern. Das Programm sowie verfügbare Teilnehmerplätze werden täglich aktualisiert und sind im Internet abrufbar: Unter „www.hsz-tud.de/aktuelles/sporttag“ ist zugleich die Anmeldung möglich. Mitmachen können Schüler und Klassen ab dem dritten Schuljahr aus Darmstadt und dem Kreis Darmstadt-Dieburg. Anmeldeschluss ist Ende Mai oder Anfang Juni. Informationen unter Telefon 162518 oder unter E-Mail: ruf@hsz-tud.de sowie bei den Schulsportkoordinatoren.


11.5. Frankfurter Neue Presse

Protest vorm Kreishaus: Der Schulsport droht zu verkümmern

Hofheim. 50 Prozent aller Grundschulkinder haben Muskelschwächen, 40 Prozent zeitweilige oder dauerhafte Krauslaufprobleme und 33 Prozent Haltungsfehler, koordinative Schwächen und Fitnessmängel. Zu diesem Ergebnis kamen vor zwei Jahren Oberstufenschüler des Hofheimer Main-Taunus-Gymnasiums im Rahmen einer Untersuchung. Mit der Überschrift: "Der Schulsport geht kaputt - Verlierer sind die Schüler".

 Was besser gemacht werden könnte, um dem Sportunterricht wieder auf die Sprünge zu helfen, haben Schüler aus dem gesamten Kreis nun formuliert und beim "Sternlauf im Jahr des Schulsports", der in ganz Hessen durchgeführt wird, an das Staatliche Schulamt Main-Taunus/Groß-Gerau übergeben. Passend zum Anlass fuhren die stellvertretend für alle Schulen im Kreis als Boten fungierenden Jugendlichen aus der Hattersheimer Heinrich-Böll-Schule, der Kelkheimer Eichendorff-Schule, der Sulzbacher Eichwaldschule und der MTS sowie Heiligenstockschule aus Hofheim mit Fahrrädern und Inline-Skates gestern vor das Kreishaus, wo Schulsportrat Jürgen Pech und Volker Blum, Leiter des Schulamtes, die Listen und Plakate entgegennahmen.

 Größter Kritikpunkt ist die dritte Sportstunde, die in fast allen Schulen gekürzt worden ist. Außerdem beschweren sich die Jugendlichen über den schlechten Zustand der Sporthallen. "Da muss alles besser werden", erzählten Melanie, Kristina, Caro und Julia aus der Stufe 10 der Böll-Schule. "Die Geräte sind zu alt, für Trendsportarten fehlen sie gänzlich und die Duschen sind in einem so schlechten Zustand, dass die Schüler lieber geschwitzt in den folgenden Unterricht kommen", präzisierte ihre Lehrerin Angelika Nucklies. Aber auch der Ruf nach "mehr und jüngeren Sportlehrern" wurde laut. "Wir haben in diesem Jahr 600 zusätzliche Stellen geschaffen", erklärte Blum, "das passierte nicht nur wegen der Pensionierungswelle. Wir wollen auch in Zukunft weiteres qualifiziertes Personal anstellen und auch dadurch die dritte Sportstunde irgendwann sichern."

 Das war doch schon einmal ein Wort. Die Schüler bekamen diese Information jedoch nicht mit, weil von einer offiziellen Ansprache abgesehen wurde, vielmehr verteilten sich die Sportler schnell bei schönem Wetter in alle Himmelsrichtungen. An der Gießener Universität werden die Wünsche der Grundschüler bis Abiturienten für Kultusministerin Karin Wolff nun ausgewertet. Die Christdemokratin wird dann ihre Meinung beim großen Abschluss des "Jahres des Schulsportes" am 7. und 8. Juni vor dem Wiesbadener Landtag den Schülern mitteilen.


10.5.Oberhessische Presse

Schüler: Gebt uns besseren Schulsport!

Marburg. Schulen aus dem gesamten Landkreis beteiligen sich heute an einem Staffellauf nach Marburg, bei dem Wünsche von Lehrern und Schülern an den Schulsport gesammelt werden.
 Lehrer und Schüler werden sich dabei mit dem Fahrrad, mit Inlinern oder wie die Gladenbacher Europaschule sogar mit dem Kanu auf den Weg nach Marburg begeben.

Mitarbeiter des Staatlichen Schulamts, dem Ziel des Laufes, rechnen mit rund 300 Lehrern und Schülern, die heute zwischen 10 und 12.30 Uhr ihre Wünsche bezüglich des Schulsports abgeben.
Hauptforderung bei dieser landesweiten Aktion wird sein, dass die dritte Sportstunde auch an allen Schulen verwirklicht werden kann. Doch es gibt auch Detailwünsche, wie zum Beispiel den des 13-jährigen Ben Berressem: Er ist mit der Stundenzahl zufrieden, wünscht sich aber einen abwechslungsreicheren Unterricht. Ein Leitsatz wird allen Forderungen der Schüler gemein sein: Gebt uns besseren Schulsport!
Diese Forderungen werden heute landesweit zusammengetragen und sollen am 7. Juni nach einem Sternmarsch von Kassel über Marburg nach Wiesbaden dem Landtag übergeben werden.
Die Aktionen sind Bestandteil des „Jahrs des Schulsports“, bei dem es darum geht, die Bedeutung von Bewegung bewusster zu machen.
Dass Sport Kindern und Jugendlichen gut tut, beweist eine Studie des wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands. Ihr Ergebnis: Übergewicht, Fettleibigkeit, Koordinations- und Konzentrationsschwäche sowie Herz-Kreislaufbeschwerden treten immer häufiger bei Jugendlichen auf. Gründe sind unter anderem falsche Essgewohnheiten und das exzessive Nutzen von elektronischen Medien auf Kosten eigener Bewegung.
Mehr zum Staffellauf und das „Jahr des Schulsports“ lesen Sie in der OP-Printausgabe.


Sportunterricht.de

9.5. Trierischer Volksfreund

Möbel zu alt – Ranzen zu schwer

Aktionstag an der Grundschule Manderscheid soll Rückenbeschwerden vorbeugen

 Mehr als zwei Drittel der Manderscheider Schüler sitzen falsch – auf Stühlen, die bereits mehr als 20 Jahre alt sind. Das wurde beim Aktionstag "Rückenschule in der Schule –  Bewegte Schule" in der Grundschule Manderscheid festgestellt.

"Ich kann mit meinen Händen wackeln", wusste Janina. Und Johannes mit dem Po, wie wenn er einen Hula-Hopp-Reifen im Kreise dreht. Frank Bornstedt hatte die Erstklässler schnell auf seiner Seite, als es um "Bewegung", statt Unterricht ging.

Der "bewegliche Bert", der Drachen mit den vielen Zacken, half den Kindern beim Thema und verhalf Tobias schnell zur gesuchten Wirbelsäule: Bei Banknachbarin Kerstin ertastete er jeden Wirbel und dazwischen die Bandscheiben. Mit Schwamm und Radiergummi wurde die so überaus wichtige Beweglichkeit für den "Knochen im Rücken" erfahren. Das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz hatte in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V., der Unfallkasse Rheinland-Pfalz sowie der IKK Rheinland-Pfalz für eine ihrer zehn landesweiten Pilotveranstaltung die Grundschule Manderscheid ausgesucht.

"Vielleicht eine besondere Auszeichnung für unseren überaus erfolgreichen Schulsport", versuchte Schulleiter Alfons Meuers die Auswahl seiner Schule zu ergründen. Dr. Dieter Breithecker, Andreas Wnuck, Andreas Kosel, Fritz Roth und Frank Bornstedt waren die Moderatoren vor Ort.

Mit mehr Bewegung wollen die Partner Rückenerkrankungen als Volkskrankheit Nummer eins entgegentreten. "Mit der sitzenden Tätigkeit in der Schule, bei den Hausaufgaben sowie vor Computer und Fernseher bis zu zehn Stunden am Tag, dazu unpassendes Schulmobiliar und zu schwere Schulranzen legen doch schon die Erstklässler den Grundstein für ihre späteren Beschwerden", wies Bornstedt auf die überaus wichtige Information für Grundschulkinder hin.

Zentraler Baustein des Info-Tages war der Vormittag mit vielen praktischen Übungen in allen Klassen der Grundschule. Neben vielfältigen Bewegungsformen wurde durch Messen und Wiegen bei einem Ranzen-Check bestimmt, ob das Gewicht des Schulranzens den physischen Voraussetzungen ihrer Träger entspricht. Das Ergebnis wurde im "Schulranzen-TÜV-Pass" festgehalten. Außerdem wurden alle Stühle vermessen. Ein Bewegungsparcours wurde aufgebaut und für die Pausen die richtige Bewegung eingeübt. Dr. Dieter Breithecker eröffnete Lehrern und Eltern in der folgenden Nachmittags- und Abendveranstaltung eine erschreckende Bilanz. Mehr als zwei Drittel der Schulkinder verbringen in Manderscheid ihre Sitzzeit auf Schulmöbeln, die nicht ihrer Körpergröße entsprechen. Außerdem entsprechen die 20 Jahre und älteren Stühle in keinster Weise orthopädisch-physiologischen Anforderungen. Auch das Gewicht der Schulranzen mit bis zu acht Kilogramm übertraf das Optimalgewicht von zehn Prozent des Körpergewichtes bei einer großen Zahl von Schülern bei weitem.

Ein großes Lob zollte der Mitarbeiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für die beinahe idealen Bewegungsmöglichkeiten auf dem Schulgelände. Schulleitung, Lehrer und Eltern wollen zukünftig verstärkt beim Schulträger auf die Beschaffung optimaler Schulmöbel drängen. Beim Elternabend ging es außerdem um den Bewegungsausgleich nach der Schule, die Kinderzimmerausstattung mit Arbeitsplatz und um Hinweise für die Arbeitshaltung im häuslichen Umfeld.

"Ziel der Veranstaltung", so Frank Bornstedt, "ist die Erarbeitung eines Lernordners für alle Schulen."



 

5.5. Frankfurter Neue Presse

Schüler wollen mehr Sport im Unterricht

"Wir wollen mehr Sport". So und anders formulierten Schüler ihre Forderung nach einem höherem Stellenwert des Sportunterrichts an ihren Schulen, als sie sich gestern unter der Leitung von Wolfgang Schön, Sportlehrer am Main-Taunus-Gymnasium und Schulsportkoordinator des Kreises, auf dem Schulhof der Main-Taunus-Schule versammelten. Im Rahmen des hessenweit stattfindenden "Sternlaufs" marschierten zunächst Klassen von der Grundschule Marxheim, der Gesamtschule am Rosenberg sowie der Weingartenschule aus Kriftel mit Plakaten und Schreiben mit ihren Wünschen auf das Schulgelände und machten so auf ihre Forderung aufmerksam. Neben einer dritten Sportstunde forderten die Schüler kostenfreie Fortbildungsmöglichkeiten für ihre Sportlehrer, so dass vor allem die neuen Sportarten, wie Inline-Skating oder Hockey im Sportunterricht berücksichtigt werden können. Neue Geräte wie Straßen-Hockey-Schläger, Inline-Skates und Tischtennisplatten bis hin zu einer Outdoor-Kletterwand hätten die Schülern auch gern. Wolfgang Schön erklärte, dass Sport, oftmals das schwächste Glied in der Fächerkette, am häufigsten vom Unterrichtsausfall betroffen sei. Am Donnerstag, 10. Mai, wird dann der "Sternlauf" auf Kreisebene fortgesetzt. Schüler aus Sulzbach, Kelkheim, Hofheim, Hattersheim, Flörsheim und Hochheim treffen sich zwischen 11.30 Uhr und 12 Uhr am Kreishaus, um die schriftlich verfassten Forderungen dem Kreisschulamt zu übergeben.

 Der Weg von den jeweiligen Schulen zum Kreishaus wird per Fahrrad oder Inline-Skates zurückgelegt. Die Forderungen aus den Landkreisen Groß-Gerau und Main-Taunus werden schließlich gemeinschaftlich mit einem Kanu nach Wiesbaden gebracht.

 In der Landeshauptstadt feiern die Schüler dann am 7. und 8. Juni mit einem großen Fest das Finale des "Sternlaufs". Die Forderungen aller staatlichen hessischen Schulen nach mehr Schulsport werden dabei symbolisch auf einer großen Schriftrolle an die Landesregierung übergeben.


Sportunterricht.de

5.5. Mannheimer Morgen

Ja zum Schulsport, aber wie die Hürde nehmen ?
Experten und Betroffene diskutieren auf dem Podium in der Erich Kästner-Schule über die Zukunft der Turnstunden

Bürstadt. Dass Schulsport nötig und sinnvoll ist, daran hegte bei Podiumsdiskussion des Kreiselternbeirats "Ja zum Schulsport" in Bürstadts Erich Kästner-Schule kaum jemand Zweifel. Schwieriger wurde es dann schon bei der Umsetzung. Vor allem fehlende Lehrkräfte und Sportstätten sowie geringes Interesse der Eltern standen zur Debatte.

Von der Diskussion, die der Bergsträßer Journalist Karl-Heinz Schlitt moderierte, wurde den Besuchern ein dreifacher Einstieg ins Thema geboten. Nach Begrüßungsworten vom Schulleiter der Erich-Kästner- Schule, Dr. Helmut Kaupe, und dem Kreiselternbeirats-Vorsitzenden Heinz Windisch kam plötzlich das Darmstädter Comedy-Duo "Kabbaraz" in die Veranstaltung geplatzt, das die Sportstunden auf satirische Weise beleuchtete.

Klaus Paul, Ministerialrat im Hessischen Kultusministerium und zuständig für den Schulsport, informierte mit einem Vortrag, in dem er vor allem auf die veränderte Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen einging. Nur eine Stunde Bewegung am Tag komme auf neun Stunden Liegen, neun Stunden Sitzen und fünf Stunden Stehen. An einer Modellschule, an der täglich Sport unterrichtet wird, gebe es weit weniger Aggressionen als an einer vergleichbaren anderen Schule. Es sei nach wie vor Aufgabe der Schule, Kinder sportfähig zu machen.

Auf die gesundheitliche Seite des Schulsports ging Dr. Rudolf Zigler noch einmal ein, indem er anmerkte, dass über 50 Prozent der Jugendlichen sportlich inaktiv seien, parallel dazu komme eine hohe Quote an Übergewichtigen. Auch die Leistungsfähigkeit der Kinder sei zurückgegangen. "Es treten immer häufiger Amotoriker auf", machte Ziegler den Ernst der Lage deutlich.

Kreisschulsprecher Phillipp Ramezani sah die Notwendigkeit von Schulsport gerade in jüngeren Klassen, hielt aber die zusätzliche Belastung, die durch das Halten der in der Stundentafel geforderten dritten Stunde Sport entstehen würde, für Oberstufenschüler zu hoch. Auch nach einer langen Diskussion blieb Ramezani hier bei seiner Einstellung, wenngleich er viele neue Impulse in die Kreisschülervertretung mitnehmen konnte.

Die Frage, ob dem Schulsport bei den Eltern die Lobby fehle, wollte Bettina Müller, Sportkoordinatorin im Kreiselternbeirat nicht bejahen, vielmehr sei es wohl die Frustration, dass man "eh nichts machen kann". Auch die Vereine können nicht leisten, was der Schulsport leisten soll, machte Horst Knob, Vorsitzender des Sportkreises Bergstraße, deutlich. "Vereine erreichen nur sportinteressierte Schüler."

Als Konrektor einer Realschule sah Knob vor allem das Raumproblem, welches dann auch im weiteren Verlauf ausführlich diskutiert wurde. Während einige der Besucher das Problem fehlender Hallen anmerkten, zeigte sich Schulsportrat Olaf Kühn davon unbeeindruckt: "Die sportliche Ausstattung ist hervorragend". Eine Grundschullehrerin unterstützte ihn: "Man braucht keine Halle, um Sportunterricht halten zu können."

Auch die häufig angesprochene Problematik fehlender Lehrkräfte konnte Kühn nicht nachvollziehen: Die Abdeckung betrage je nach Schulform teilweise 100 Prozent. Wenn Lehrer aber für kleine Wahlpflichtkurse abgezogen würden, müsse eben irgendwo gekürzt werden. Das vom Plenum vorgebrachte Problem des fachfremden, unqualifizierten Unterrichts wies Ministerialrat Paul zurück: Das Problem könne nur an Grundschulen auftreten, wo der Klassenlehrerunterricht dem Fachlehrerunterricht entgegenstehe. Dort gebe es viele Angebote zur Weiterbildung.

Die Information, dass die Eltern der üblichen Kürzung der dritten Sportstunde zustimmen müssen, schien für einige Besucher neu zu sein. Davon ausgehend waren sich alle einig, dass mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse. Die Lösungsansätze der hessischen Kultusministerin, pensionierte Kräfte zu reaktivieren wurden aber eher müde belächelt. Wichtig sei eine zeitgemäße Unterrichtung des Faches Sport. Während Sportarzt Dr. Schneider die Lösung vor allem in der Kooperation mit effizienten Partnern, unter anderem Vereinen sieht, machte Sportkreisvorsitzender Knob deutlich, dass diese nur als Ergänzung fungieren können. "Es soll nicht um die Leistung gehen, sondern um das Erleben der Gesundheit", wünschte sich Dr. Schneider abschließend.


Sportunterricht.de

3.5.

Einzel-Pedalo-Wettbewerb bei Holz-Hoerz

Immer mehr Einzel-Pedalo-Fahrer !!!

Im Bemühen um eine angemessene Berücksichtigung des Bereiches ‚Fahren und im Gleichgewicht bleiben’ im Sport- und Bewegungsunterricht startet Holz-Hoerz im kommenden Schuljahr 2001/2002 in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt Offenbach einen Einzel-Pedalo-Wettbewerb an den Grundschulen in Stadt und Kreis Offenbach. Preise in Form von Pausenspielgeräten der Firma Holz-Hoerz sind ausgeschrieben.
Erste Versuche im Sportunterricht und im Pausensport haben gezeigt, dass sehr viele Kinder sehr schnell das Einzel-Pedalo-Fahren erlernen können und Freude daran haben; an der Carl-Orff-Schule in Rodgau stieg die Anzahl der Einzel-Pedalo-Fahrer innerhalb von 8 Wochen auf über 70!! Es werden immer mehr!!!
Ziel  wird sein: Welche Schule hat die meisten Einzel-Pedalo-Fahrer?  Wieviele Kinder können nach freiem Aufsteigen ohne Hilfe 10 Meter auf einem Einzel-Pedalo fahren?
Die Kinder üben im Sportunterricht und im Pausensport!
Die Projektleitung hat M.Moser (Holz-Hoerz) und Alexander Butte www.alexanderbutte.de (Mail: einzelpedalo@alexanderbutte.de).
 



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