![]()
Materialien, Berichte, Kommentare zur Schulsportstudie "Sprint"
Antrag der FDP-Fraktion
Protokoll der Sitzung als PDF
Stellungnahmen der GEW-Sportkommission zum FDP-Antrag
DSB-Schulsportdebatte (Bericht und Kommentar)
Sportunterricht.de 17.2. 2006Bundestagsdebatte zum Schulsport
FDP-Antrag:
"Die SPRINT-Studie des Deutschen Sportbundes darf nicht folgenlos bleiben - Jetzt bundesweite Wende im Schulsport einleiten".Donnerstags, 16. Februar 2006. Der Schulsport ist - ausgelöst durch die Ergebnisse der Schulsportstudie "Sprint" (Sportunterricht in Deutschland) - Gegenstand einer Bundestagsdebatte.
Um genau 21.29 Uhr erläutert der FDP-Abegordnete Parr den Antrag. Er hat, wie die vier folgenden Redner, fünf Minuten Zeit.Die Bundesregierung soll nach Auffassung der FDP auf die Länder einwirken, bundesweit gültige Mindeststandards für den Schulsport zu entwickeln und durchzusetzen. Wie es in dem Antrag heißt, sollte sie einen Forschungsauftrag über Wirkungen der traditionellen Sportbenotungen vergeben, Fort- und Weiterbildungsprogramme unterstützen, Kooperationsmodelle zwischen Schule- und Sportvereinen fördern und eine angemessene Sportinfrastruktur zur Verfügung stellen. Das Besorgniserregende sei, dass die Lehrpläne immer weiter "bewegungsfeldorientiert" ausgerichtet würden. Sportarten wie der Leichtathletik drohe dadurch der Verlust des Nachwuchses aus den Schulen.
Darüber hinaus wird angeregt, die Bundesregierung solle sich für die Neugestaltung schulischer Wettkämpfe (nach australischem Vorbild) und für die Integration benachteiligter Jugendlicher im Sport einzusetzen.Die Liberalen sind besorgt, dass es zu viele unterschiedliche Zielvorgaben für den Schulsport gibt. "Zu lange haben wir die Spaß- und Kuschelpädagogik als vermeintlichen Fortschritt gepflegt", beklagt Parr. Die Sportminister- und die Kultusministerkonferenz müssten dafür sorgen, dass Leistung, sozialer Kompetenzerwerb und Gesundheitsförderung in allen Bundesländern einheitlich zu vorrangigen Zielvorgaben werden, betont die FDP.
Für die CDU/CSU-Fragtktion antwortet der Abgeordnete Klaus Riegert, dass der FDP-Antrag zu undifferenziert sei. Die Sprintstudie habe gezeigt, dass sich Sport als Bildungsfach durchgesetzt habe, von Eltern und Schülern geschätzt werde und eine Abschaffung der Sportnote keineswegs sinnvoll sei. Außerdrücklich dankte er den Sportlehrern für ihre wertvolle Arbeit. Zudem sei das deutsche Wettkampfwesen bewährt, der FDP-Antrag greife überall nur Teilaspekte auf. Bevor er für eine Überweisung in den Ausschuss plädiert, gibt er der FDP noch eine Note:"Thema verfehlt - Fünf - Setzen".
Katrin Kunert (Die LINKE) betont die hohe Bedeutung des Sports für Kinder und Jugendliche und unterstützt den Antrag, weil er die Möglichkeit bietet, "die für den
Schulsport Verantwortlichen endlich zusammenzuführen und Nägel mit Köpfen zu machen". Die Kleinstaaterei im Bildungssystem müsse überwunden werden. Handlungsbedarf sei vor allem bezüglich der Absicherung der 3. Sportstunde, eines qualifizierten Schwimmunterrichts sowie in der Weiterbildung gegeben. Bezüglich des schulischen Wettkampfsports verweist sie auf die positiven Erfahrungen mit der Spartakiadebewegung in der DDR.Martin Gerster von der SPD verweist auf die jahrzehntelange die Debatte um die Verbesserung des Schulsports. Warum, fragt er, stelle die FDP ihre Forderungen nicht in den Ländern. Dort, wo die FDP Verantwortung habe oder hatte, sehe die Schulsportsituation keineswegs rosig aus. Er lehnt den Antag der FDP in dieser Form ab. Ein leistungsorientierter Sportunterricht wie ihn die FDP fordert schrecke eher ab, Schulsport sei keine Produktionsstätte für Hochleistungssportler. In den Ganztagsschule, aber auch im Vorschulbereich müsse die Kooperation mit den Vereinen gepflegt werden. Besonders gefordert seien die Länder und die zuständigen Landesminister.
Wilfried Hermann von Bündnis 90/Die Grünen beendet die Debatte. Er betont zunächst die Bedeutung der Sprint-Studie, die neue Aspekte in die Debatte um den Schulsport gebracht hat. Durch Hineinnahme der Schülerperspektive sei deutlich geworden, wie hoch angesehen der Sportunterricht sei, aber auch, dass neue sportliche Inhalte unbedingt in den Unterricht hinein gehören. Das Sportunterricht müsse weiterentwickelt werden. Der Antrag der FDP sei absurd. Er sei kein Anstoß für modernen Sportunterricht.
Der Antrag wird in die Ausschüsse überwiesen.
DSB Aktuell 24.2. 2006
Die Schulsport-Debatte im Bundestag
Wie sieht der Schulsport zukünftig aus?Parr (FDP): SPRINT-Studie darf nicht in den Schubladen verschwinden
Detlef Parr, Sportsprecher der FDP, erklärte zu Beginn der Aussprache mit Blick auf die SPRINT-Studie: „Sie muss die Grundlage für notwendige konkrete Reformschritte sein, und sie darf nicht nach einem Aufflammen der öffentlichen Diskussion zum Strohfeuer werden und bei Bund und Ländern in den Schubladen verschwinden.“ Die Botschaften daraus seien ernst zu nehmen - „zu lange haben wir die Spaß- und Kuschelpädagogik als vermeintlichen Fortschritt gepflegt“. Der Sportausschuss beschäftige sich nunmehr schon in der dritten Legislaturperiode mit der Mangellage im Schulsport. Der Antrag sei geschrieben und zur Diskussion gestellt worden, „um einen Anstoß zu einer bundesweiten Wende im Schulsport zu geben, die wir alle gemeinsam tragen sollten“.Nach Parrs Worten seien Erklärungen wie die „wolkig-unverbindlich“ fixierten Positionen zwischen DSB, Kultusminister- und Sportministerkonferenz im Jahr 2000 „zu wenig“: „Wir brauchen eine neue konkrete schulische Sportkultur, für die wir in den Gremien offensiv eintreten müssen. Wenn wir uns auf der Bundesebene einigen, dann werden wir auch die Länder überzeugen können.“ Als drei Säulen dazu nannte der Liberale „Bewegungsvielfalt, sportliches Können und Leistung sowie durch Fairness geprägte Sozialkompetenz“. Detlef Parr: „Bundesweit ist eine Einigung auf klare Zielsetzungen im Schulsport notwendig. Bisher gibt es in 16 Bundesländern acht unterschiedliche Zielvorgaben des Schulsports.“
Riegert (CDU/CSU): Schulsportnoten nicht abschaffen
Der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert, erklärte, nach der ersten Lesung sollte nunmehr der Sportausschuss des Parlaments einen gemeinsam getragenen Forderungskatalog erarbeiten. Die SPRINT-Studie des DSB habe Defizite aufgezeigt, die es konsequent abzubauen gelte. „Diese beginnen schon bei der Qualität des Sportunterrichts, die von der Sportstättensituation und der Qualität der Ausbildung der Sportlehrer abhängt“, sagte Riegert. Fachfremder Unterricht, die Einstellung der Schulleiter und die hohe Ausfallquote des Fachs seien weitere Defizitpunkte. „Wir dürfen die Schulsportnoten nicht abschaffen“, meinte der CDU-Abgeordnete. „Sie werden ohnehin schon kritisch betrachtet, weil sie im Vergleich zu denen der anderen Fächer viel zu gut ausfallen. Wer Schulsportnoten abschafft, der wird Sport zum Randfach machen und kein gutes Ergebnis erhalten.“Gerster (SPD): leistungsorienterter Sportunterricht schreckt ab
Martin Gerster von der SPD-Bundestagsfraktion wies darauf hin, dass die Diskussion deplaziert sei, weil allein die Länder zuständig seien. Der Parlamentarier aus Biberach kritisierte, dass in Niedersachsen der Schwimmunterricht „kaputtgemacht“ worden und in die Verantwortung der Eltern übertragen worden sei: „Wenn die Mutter oder der Vater nicht kann, fällt der Schwimmunterricht eben aus.“ Im Übrigen schrecke - so Gerster - der „leistungsorientierte erziehende Sportunterricht“ junge Leute gerade ab: „Die FDP fordert eine Rückbesinnung auf traditionelle Sportarten, weil ansonsten angeblich der Leichtathletik der Nachwuchs wegbricht. Wir sagen: Der Schulsport ist keine Produktionsstätte für Hochleistungssportler.“ Die Sozialdemokraten ständen andererseits für Qualitätssicherung in der Fachlehrerausbildung und „nationale Bildungsstandards“ auch beim Schulsport. Sportvereine sollten in die Bildungseinrichtungen, insbesondere in die Ganztagsschulen kommen können -„dann aber sollten bitteschön die Übungsleiterinnen und Übungsleiter auch entsprechende Vergütungen für das bekommen, was sie an diesen Schulen leisten“.Kunert (Die Linke): Kritik an deutscher "Kleinstaaterei"
Katrin Kunert, neue sportpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, erklärte, im Gegensatz zur SPD unterstütze ihre Fraktion den FDP-Antrag. „Ich finde, der Unterstellung, dass sich die Politik immer nur dann mit dem Sport beschäftigt, wenn große Events anstehen, sollten wir mit aller Ernsthaftigkeit entgegentreten“, sagte die Abgeordnete, die am 12. Februar in Erfurt bei den DLV-Seniorenmeisterschaften in der Altersklasse W 40 mit der 4 x 200-m-Staffel der LG Altmark deutsche Vizemeisterin geworden war. Frau Kunert kritisierte die deutsche „Kleinstaaterei“ - so gebe es in den 16 Bundesländern acht Zielvorgaben für den Schulsport. 70 Gremien bildeten Sportpädagogen aus - „es wird zu viel geforscht, aber viel zu wenig effizient und praktikabel ausgebildet“. Eine Sicherstellung des Schwimmunterrichts sei unabdingbar - dabei kritisierte sie Hamburg, das ab August 2006 das Schulschwimmen privatisieren werde. Katrin Kunert forderte zudem „ein angemessenes Angebot an Wettkämpfen“ im Unterricht - „in dieser Hinsicht ist die Spartakiadebewegung in der DDR durchaus ein lohnendes Beispiel“.Hermann (Bündnis 90/Die Grünen): Sportkonzept muss weiterentwickelt werden
Kommentar von Holger Schück:
Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einem „extrem zentralistischen Antrag“ der FDP, der absurde Forderungen beinhalte und deshalb in seiner Fraktion auf Ablehnung stoße. „Ich glaube wir müssen das Sportkonzept durch Einbeziehung moderner Sportarten und Schaffung vielfältiger Bewegungs- und Auswahlmöglichkeiten weiterentwickeln“, sagte er. Die Rückkehr zu alten Lehrplänen, die ausschließlich leistungsorientiert seien, könne nicht die richtige Antwort sein. Hermann: „Gerade die Sportartenpädagogik ist in den Unterrichtsplänen längst überholt.“ Moderne Bewegungsfeldansätze seien vielmehr gefragt, falsche Leistungsanforderungen gehörten in die Mottenkiste: „Es stört die Schüler, wenn man an alle den gleichen Maßstab legt, obwohl sie höchst unterschiedlich sind, wenn man sich formaler Messmethoden bedient, wenn man sie in althergebrachter Art und Weise Runden laufen und immer nur dieselben alten Sportarten betreiben lässt“, führte Hermann weiter aus.
Irrungen und Wirrungen um den Schulsport
Stiefkind Schulsport, geduldet, aber nicht gerade gern gesehen. Wenig hat sich in den letzten Monaten verbessert. Im Konzert von Bildungspolitikern, von Sport- und Gesundheitsexperten sowie von Fiskalverwaltern fehlt immer noch der Grundton der Harmonie. Die Ergebnisse der SPRINT-Studie haben den Schulsport zwar zum Top-Thema in der„Tagesschau“ befördert, ein Bewusstseinswandel bei Politikern wurde aber nicht vollzogen. Wohlfeile Erklärungen, nichtssagende Balkonreden, die typisch deutsche Phraseologie - und das war’s dann auch schon.
Immerhin, der FDP ist es zu verdanken, dass im Deutschen Bundestag die Mangelsituation in diesem Schulfach beraten und damit erneut öffentlich wurde. Die Liberalen - und mit ihnen die Union und Die Linke - fordern ein kompaktes Maßnahmenpaket: bundesweite Mindeststandards quantitativer und qualitativer Art, neue Schulsport-Wettbewerbe sowie ein tragfähiges Konzept, das die alternative Sportbewegung zurückdrängt und statt dessen die Rückkehr des Leistungsprinzips fordert. Typisch deutsch: Die Parlamentsdebatte bot den üblichen politisch-funktionalen Schlagabtausch und lieferte Ideologien aus der Mottenkiste.
So sprachen sich SPD und Grüne gegen das Erlernen und Einüben traditioneller Sportarten aus. Nach der Devise: Leichtathletische Disziplinen - zu langweilig, nicht mehr jugendgemäß. Neue Bewegungsansätze seien viel gefragter, argumentierten sie. Das sind Irrungen und Wirrungen. Sollte dies umgesetzt, also die Beschleunigung der Moderne fortgesetzt werden, ginge dies an die Substanz des organisierten Sports. Und: Wer heute die Leichtathletik verdammt, wird vielleicht morgen auch Goethe und Schiller aus den Lehrplänen streichen.
Genauso töricht ist es, dass die Koalitionäre von einst den Föderalismus hochhalten und die Bundeskompetenz bei Schulsport-Initiativen der Politik schlichtweg verneinen. Die Alt-68er und ihre Apologeten vergessen dabei, dass Deutschland auf einer gesundheitspolitischen Zeitbombe mit dem Aufdruck „Übergewicht“ sitzt. Verstärkte Bewegungsanreize und sportliche Belastungen im Kindes- und Jugendalter können diese Sprengkraft entschärfen; Kleinstaaterei mit einem Kompetenz-Wirrwarr, dem die Mangellage geschuldet ist, ändert nichts. Benötigt werden dazu Fachlehrer in den Grundschulen, intakte Sportanlagen, Unterrichts-Kontinuität und vor allem ein Sportunterricht, der auch den Bewegungsmuffeln Spaß macht und sie zu gesundheitsmotiviertem Handeln hinführt - mit pädagogischen Mitteln.
Und so sah die dpa-Meldung (17.2. 2006) aus
Parteien fordern Wende im Schulsport
Berlin (dpa) - Die Einführung bundesweit gültiger Mindeststandards für den Schulsport ist im Deutschen Bundestag umstritten. In einer 30-minütigen Debatte am 16. Februar unterstützten CDU/CSU und Linkspartei im Plenum einen Antrag der FDP-Bundestagsfraktion. Gefordert wird darin ein qualitativ besserer Sportunterricht.
Wie der sportpolitische Union-Sprecher Klaus Riegert erklärte, sollte nach der ersten Lesung nun der Sportausschuss des Parlaments einen gemeinsam getragenen Forderungskatalog erarbeiten. Detlef Parr, FDP-Sportexperte, forderte zuvor eine «neue schulische Sportkultur», in der auch der Leistungsgedanke eine Rolle spielen müsse.
Die SPD-Fraktion lehnt nach Worten ihres Abgeordneten Martin Gerster die Forderungen der Liberalen nach einer bundesweiten Verbesserung des Sportunterrichts ab. «Der Schulsport ist keine Produktionsstätte für den Hochleistungssport», erklärte Gerster.
.. ![]()
![]()
Aktuell
Archiv 2000 Alle Beiträge aus dem Jahr 2000
.. Archiv 2001
Januar-März 2001
April-Juli 2001
Juli-September 2001
September-Dezember 2001
Archiv 2002
Januar-Februar 2002
Februar-Mai 2002
Mai-Dezember 2002
Archiv 2003
Januar 2003
Februar - März 2003
März-Juni 2003
Juni - September 2003
September-Dezember 2003
Archiv 2004
Januar-Februar 2004
Februar-Juni 2004
Juni-September 2004
Oktober- Dezember 2004
Archiv 2005
Januar-April 2005
Mai 2005-Okt.2005
Okt. -Dezember 2005
Archiv 2006
Januar - Februar 2006
. Weitere Themen (auf eigenen Seiten)
Materialien, Berichte, Kommentare zur Schulsportstudie "SPRINT"
Bedeutung des Schulsports für lebenslanges Sporttreiben
Erklärung von DSB / KMK / SMK - 12.12. 2005
VDS-Tagung "Vom Lieblingfach zum Stiefkind" (Jan.2003)
"Fit sein macht Schule"
Die aktuelle Fitnessstudie (2003)
Sportunterricht.de | Sportpädagogik-online