Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
Sportunterricht.de - Übersicht
 
.   Beiträge zur Bedeutung des Sports in der Schule   -   Hinweise auf innovative Projekte 
.   Am Ende des Artikels werden weiterführende Links zum jeweiligen Thema angeboten.
.
Archiv | Aktuelle News
 
 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

DSB aktuell 20.12. 2005

Deutscher Schulsportpreis des DSB und der DSJ

Gute und beispielhafte Konzepte des Schulsports auszeichnen, die sich bereits seit längerer Zeit in der Praxis bewährt haben, das ist Ziel des Deutschen Schulsportpreises.

Bereits zum dritten Mal wendet sich der Schulsportpreis, jetzt mit dem neuen Namen „Deutscher Schulsportpreis“ an Schulen aller Schulformen und –stufen in Deutschland sowie alle deutschen Schulen im Ausland.

Die diesjährige Ausschreibung stellt vor allem Schulsportprofile in den Mittelpunkt, in denen u.a. die Entwicklung zur sport- und bewegungsfreundlichen Schule beschrieben werden. Der Deutsche Schulsportpreis des Deutschen Sportbundes und der Deutschen Sportjugend ist insgesamt mit 10.000 Euro dotiert. Die Bewerbungsunterlagen sind bis 15. Mai 2006 an folgende Anschrift zu richten:
Deutsche Sportjugend
Im Deutschen Sportbund e.V.
Ute Markl
Otto-Fleck-Schneise 12
60528 Frankfurt am Main.

Weitere wichtige Informationen zur Bewerbung enthält der Info-Flyer (PDF).

Deutscher Schulsportpreis 2006 - "Schulsport tut Schule gut"
Ausschreibung DSB/DSJ



 
 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

13.12. 2005 Rheinische Post

BEWEGUNGSSTREIT

Sportverbände gegen Kürzungen bei Schulsport

Karlsruhe. Dass Kinder zuviel vor dem Fernseher oder Computer sitzen und daher immer dicker werden ist bekannt. Dass viele mit Bewegungsschwierigkeiten eingeschult werden, auch. Nun soll in einigen Bundesländern der schulische Sportunterricht zurückgefahren werden. Die Sportverbände schlagen Alarm.
Es sei ein Alarmzeichen, dass etwa in Niedersachsen geplant sei, in allen Jahrgangsstufen den Sportunterricht von drei auf zwei Wochenstunden zurückzufahren, sagte der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Ingo Weiss. Drei Stunden Sport seien das Minimum, betonte Weiss anlässlich einer Fachtagung "Perspektiven des Schulsports" von Deutschem Sportbund, KMK und Sportministerkonferenz.

Der KMK-Vertreter Klaus Paul beklagte, in einigen Fächern werde vorrangig gekürzt. Dazu zähle neben Musik und Kunst auch Sport. Eltern sollten gegen Kürzungen protestieren, sagte der Ministerialrat im hessischen Kultusministerium. Paul beklagte, dass sich Alltagsbeweglichkeit und Koordinationsfähigkeit von Schülern dramatisch verschlechtert hätten. "Beim Rückwärtsgehen fallen Kinder heute um", sagte er. Manche könnten "kaum auf einem Bein stehen".

Karl Weinmann vom baden-württembergischen Ministerium für Kultus, Jugend und Sport sagte, der "Lernort Straße" sei heute nicht mehr vorhanden. Es deshalb auch nötig, Schulhöfe so umzugestalten, dass sie zu einem Bewegungsfeld würden, auf dem sich Schüler austoben könnten. Dadurch werde die Zahl von Pausenunfällen verringert und Vandalismus zurückgedrängt.

Sportbund und KMK wollen zudem die Ausbildung von Sportlehrern verbessern. Künftige Sportlehrer müssten nicht nur in universitären Forschungsvorhaben, sondern auch darin ausgebildet werden, wie man die Sportart Leichtathletik oder die Sportart Basketball lehrt. Sie dürften nicht unvorbereitet in den Referendariatsdienst gehen. Dazu sei in der ersten Jahreshälfte 2006 ein Spitzengespräch mit der Hochschulrektorenkonferenz geplant.
 
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

KMK-Pressemitteilung 12.12. 2005

Schulsport weiter stärken

Kultusministerkonferenz, Deutscher Sportbund und Sportministerkonferenz haben am Montag im Rahmen der zweiten Fachtagung "Perspektiven des Schulsports" in Karlsruhe eine gemeinsame Erklärung über "Die Bedeutung des Schulsports für lebenslanges Sporttreiben" unterzeichnet.

Der Deutsche Sportbund und die Kultusministerkonferenz führen unter Beteiligung der Sportministerkonferenz der Länder der Bundesrepublik Deutschland vom 12. - 13. Dezember 2005 die zweite gemeinsame Fachtagung zum Thema "Perspektiven des Schulsports" durch. Aktueller Anlass hierfür sind der im Juli diesen Jahres vorgelegte Endbericht der DSB-SPRINT-Studie über die Situation des Schulsports in Deutschland sowie die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zum Schulsport und seinen Perspektiven. Ziel der Tagung ist es, konkrete Handlungsfelder für die Weiterentwicklung des Schulsports aufzuzeigen.

Im Rahmen der Tagung wurde heute die aktualisierte gemeinsame Erklärung über "Die Bedeutung des Schulsports für lebenslanges Sporttreiben" unterzeichnet. Sie ist eine Weiterentwicklung der Erklärung aus dem Jahre 2000, die insbesondere um die Punkte Leistungssport und Aussagen zum Stellenwert des Schulsports beim weiteren Ausbau von schulischen Ganztagsangeboten ergänzt wurde.

"Ich bin froh darüber, dass es der Kultusministerkonferenz, dem Deutschen Sportbund und der Sportministerkonferenz wiederum gelungen ist, sich auf gemeinsame Einsichten und Ziele zu verständigen", betonte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka. "Wichtig ist dabei besonders, dass leistungsstarke und besonders begabte Schüler und Schülerinnen entsprechend unterstützt, aber auch Schwächere oder am Sport weniger Interessierte gefördert werden", so die Präsidentin.

Auch wenn auf vielen Feldern des Schulsports noch Verbesserungsbedarf bestehe, wie dies die DSB-SPRINT-Studie offenbarte, äußerte sich der DSB-Präsident, Manfred von Richthofen, - vertreten durch den 1. Vizepräsidenten, Ulrich Feldhoff - zuversichtlich, gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und mit Unterstützung der Sportministerkonferenz - bei realistischer Einschätzung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung des Schulsports aufstellen zu können. "Die erneute Unterzeichung einer gemeinsamen Erklärung unterstreicht dabei unser Vorhaben."

Bremens Sportsenator Thomas Röwekamp, Vorsitzender der Sportministerkonferenz der Länder, - vertreten durch die Staatssekretärin des Innenministeriums des Landes Hessen, Oda Scheibelhuber - unterstrich die wichtige Bedeutung der Fachtagung für den Schulsport und wies darauf hin, dass sich die Sportministerkonferenz aufgrund der Erkenntnisse des 1. Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts ebenfalls mit der Sport- und Bewegungswelt von Kindern und Jugendlichen befasse. "Angesichts der jüngsten, teilweise ernüchternden Untersuchung zur motorischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen begrüße ich es außerordentlich, dass die Bereiche Sport und Schule zukünftig hier noch enger zusammenarbeiten werden als bisher", so der SMK-Vorsitzende Röwekamp in einer kurzen Stellungnahme.

Nach Überzeugung der Unterzeichner hat der Sportunterricht in gleicher Weise, wie er sportlich weniger talentierten und an Sport weniger interessierten Kindern und Jugendlichen Wege für eine eigenverantwortliche lebensbegleitende sportliche Betätigung aufzeigt, auch die Verpflichtung, sportlich besonders interessierte und talentierte Kinder und Jugendliche zu fördern und zu fordern. Mit seinen spezifischen Aufgaben und Möglichkeiten kann der Sportunterricht einen besonderen Beitrag zur Erfüllung wichtiger überfachlicher Bildungs- und Erziehungsaufgaben der Schule (z. B. zur Gesundheitsförderung, zum sozialen Lernen, zur Erziehung zur Leistungsbereitschaft, zur Werteerziehung) leisten.

Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass die Schule insgesamt die Aufgabe hat, die Bereitschaft und Fähigkeit zum lebenslangen Lernen zu fördern. Der Beitrag des Schulsports hierzu ist, Kinder und Jugendliche anzuregen und zu befähigen, bis ins hohe Alter ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und ihre Gesundheit durch regelmäßiges Sporttreiben zu erhalten. Damit wird die große Bedeutung und hohe Verantwortung des Schulsports für den Einzelnen und für die Gesellschaft deutlich.

Neben dem Kernbereich des Schulsports, dem Sportunterricht, gewinnt die zweite Säule des Schulsports, der außerunterrichtliche Bereich, zunehmend an Bedeutung. Freiwillige Sportgemeinschaften, Schulsportfeste der einzelnen Schulen und Schulsportwettbewerbe bieten seit langem ein breites Angebot. Hier wird insbesondere auf die "Bundesjugendspiele" und den Bundeswettbewerb der Schulen JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA mit seinen jährlich etwa 900.000 Teilnehmern hingewiesen.

Im Zusammenhang mit der Erweiterung schulischer Angebote in der verlässlichen Halbtagsgrundschule und in der Ganztagsschule haben außerunterrichtliche Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote einen besonderen Stellenwert. Hier bietet sich die hervorragende Möglichkeit, die strategische Partnerschaft zwischen Schul- und Vereinssport weiter auszubauen. Durch vielfältige Kooperationsformen zwischen Schulen und Sportvereinen werden zusätzliche Entwicklungs- und Gestaltungschancen für den Schulsport erschlossen und damit auch die Möglichkeiten einer örtlichen Vernetzung gestärkt. Im Zuge des Ausbaus ganztägiger Angebote gewinnt diese Zusammenarbeit - auch vor dem Hintergrund der verbesserten Talentsichtungsmöglichkeiten - zunehmend an Bedeutung und bietet die Chance für entsprechende Synergieeffekte. Hier sind vor allem die Partner vor Ort gefragt.

Mit seinem Grundsatzreferat "Zur Psychologie der Reform in Sport, Schule und Gesellschaft" eröffnete Prof. Dr. Rainer Dollase, Universität Bielefeld, die Diskussion über die Möglichkeiten und Chancen zu einer Weiterentwicklung des Schulsports.

Im weiteren Verlauf der Tagung mit Vertreterinnen und Vertretern interessierter Institutionen werden in Workshops Handlungsempfehlungen zu folgenden Punkten entwickelt:

  • Sportunterricht: Qualität und Effizienz des Sportunterrichts soll - besonders vor dem Hintergrund des wachsenden Anteils übergewichtiger und auch motorisch unerfahrener Kinder und Jugendlicher - verbessert werden.
  • Außerunterrichtlicher Schulsport: Auf der Basis der bereits gewachsenen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen soll die Vernetzung des außerunterrichtlichen Schulsports mit den Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten außerschulischer Träger im Rahmen ganztägiger Betreuungsangebote weiterentwickelt und nachhaltig gesichert werden.
  • Qualifizierung und Professionalisierung: Die Qualifizierung der im Sportunterricht und im außerunterrichtlichen Schulsport tätigen Personen soll weiter verbessert werden.
  • Schule als Bewegungs-, Spiel- und Sportwelt: Bewegung, Spiel und Sport soll vermehrt in die Schule geholt und nachhaltig gesichert werden.


Der Vorsitzende der Kommission "Sport" der Kultusministerkonferenz, Ministerialdirektor Thomas Halder, und der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Ingo Weiss, werden im Anschluss an die Berichterstattung aus den Workshops zum Ende der Veranstaltung - jeweils aus Sicht ihrer Institution - ein Fazit aus der Fachtagung vortragen.
 

Bedeutung des Schulsports für lebenslanges Sporttreiben


 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

10.12. 2005 Neue Osnabrücker zeitung
 

Schüler machen Klimmzüge für die Statistik

Der Fitness-Check bewegt Schüler und Lehrer. Alle Schulen in Niedersachsen mussten laut Erlass des Kultusministeriums mit vorgegebenen Übungen die körperliche Leistungsfähigkeit ihrer Schüler überprüfen. Über den Sinn des Tests und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse gehen die Meinungen der Lehrer auseinander.

Von November bis Mitte Dezember waren die Schulen in Niedersachsen aufgefordert, mit allen Schülern der ersten bis zehnten Klassen einen Bewegungstest durchzuführen. Die Ergebnisse der jeweiligen Übungen werden zusammengefasst und sollen noch vor Weihnachten als so genannte "Fitnesslandkarte Niedersachsen" im Internet abrufbar sein (www.fitnesslandkarte-niedersachsen.de).
Die Übungen waren zwar im Detail vorgeschrieben, die allgemeine Organisation der Tests blieb aber den Schulen überlassen. Die Grundschule Powe zum Beispiel hatte ihre Aktion über eine ganze Woche verteilt. An jedem Tag war ein anderer Jahrgang auf dem kleinen Parcours in der Gymnastikhalle. "Das war auch gut so", sagt Lehrerin Insa Holl, "so blieb den Kindern nach dem Test noch ausreichend Zeit zum Toben." Ansonsten ist sie von dem Test nicht sonderlich begeistert. "Meine Sportnote würde ich daraus jedenfalls nicht ableiten."

Auch an der Haupt- und Realschule Bissendorf wird der Test eher skeptisch gesehen. Hier war der Fitness-Check in der Vorweihnachtszeit nicht nur zeitlich eine Belastung, sondern auch organisatorisch. "Die Eingabe der Daten hat sehr lange gedauert, da das Programm zur Erfassung sehr schlecht lief", berichtete Schulleiterin Gisela Kascha. Die Sportlehrer brauchten etwa eine Stunde pro Klasse für das Eingeben der Daten. Bei einem Durchschnitt von vier Klassen pro Kollege ein erheblicher Zeitaufwand, meint Kascha. Außerdem fehle dem Test die Perspektive. "Was nach Erfassung der Daten passieren soll, weiß keiner so genau."

Doris von Roye, Leiterin der Hollager Erich-Kästner-Grundschule, sieht das ähnlich. Sie findet den Test im Prinzip nicht schlecht, kritisiert ebenfalls Aufgabenstellung und Durchführung. "Bei uns mussten sogar Eltern mithelfen, da Erstklässler noch keinen Puls messen können." Was Ergebnis des Fitnesschecks sein wird, weiß auch sie nicht. "Aber mit Sicherheit werden wir keine dritte Sportstunde zugesprochen bekommen", so van Roye.

In der Belmer Johannes-Vincke-Schule gibt es indes auch andere Meinungen. Sportlehrerin Helga Schütte findet den Test nicht so schlecht. Ein positiver Nebeneffekt sei etwa, dass sich übergewichtige Schüler erstmals mit ihrer mangelnden Leistungsfähigkeit auseinander setzen müssten.

Kollege Gerd Stetskamp stimmt zu. "Die Schüler können sich im Test gut untereinander und miteinander messen", sagt er. "Aber ob die Übungen tatsächlich für die Feststellung der körperlichen Leistungsfähigkeit geeignet und vergleichbar sind, möchte ich mit einem großen Fragezeichen versehen." Nicht einverstanden ist er mit einer Aussage in einem Elternbrief des Kultusministeriums. "Darin heißt es, wir Lehrer könnten nach Auswertung des Tests unseren Sportunterricht stärker an den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder ausrichten", zitierte Stetskamp. Damit werde jedoch eine falsche Erwartungshaltung geweckt. "Wir haben festgelegte Lernziele zu erreichen", erklärt Stetskamp. "Wenn der Sportunterricht nur nach den Wünschen der Schüler ausgerichtet würde, wäre das eine sehr eintönige Angelegenheit."
 
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

8.12. 2005 DSB aktuell

Perspektiven des Schulsports

Am 12. und 13. Dezember 2005 veranstaltet die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund unter der Beteiligung der Sportministerkonferenz nach 2001 eine zweite Fachtagung mit dem Thema „Perspektiven des Schulsports“.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Kongresszentrum Karlsruhe werden die im Juli diesen Jahres präsentierten Ergebnisse der DSB-Sprint-Studie über die aktuelle Situation des Schulsports in Deutschland sowie die strategischen Überlegungen der Kultusministerkonferenz und des Deutschen Sportbundes/der Deutschen Sportjugend zu den Perspektiven des Schulsports stehen.

Nach der Eröffnung der Tagung mit dem Austausch von Grußworten folgt die Unterzeichnung einer aktualisierten Fassung der gemeinsamen Erklärung der Kultusministerkonferenz, des Deutschen Sportbundes und der Sportministerkonferenz über „Die Bedeutung des Schulsports für lebenslanges Sporttreiben“. Unterzeichnet wird diese Erklärung von Ministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (Vorsitzende der Kultusministerkonferenz), Senator Thomas Röwekamp (Vorsitzender der Sportministerkonferenz) und von dem DSB-Präsidenten Manfred von Richthofen. Das Grundsatzreferat hält Prof. Dr. Rainer Dollase von der Universität Bielefeld zum Thema „Zur Psychologie der Reform in Sport, Schule und Gesellschaft“.

Den Mittelpunkt der Tagung bilden dann vier Workshops zu den Themen „Sportunterricht im engeren Sinne“, „Außerunterrichtlicher Schulsport“, „Qualifizierung/Personalisierung“ und „Bewegungswelten“. Ein Fazit ziehen dann der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Ingo Weiss, und der Vorsitzende der Kommission „Sport“ der Kultusministerkonferenz, Ministerialdirektor Thomas Halder.
 
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Nassauer Tagblatt 7.12. 2005

"Nur wer sich bewegt, bewegt auch etwas in seinem Kopf"

Aufstehen hilft dem Gehirn

Mengerskirchen-Waldernbach. "Bewegte Kinder - schlaue Köpfe" lautet der Titel eines mitreißenden Vortrags, zu dem die Leiterin der Westerwald-Schule Waldernbach, Manuela Gros, Dr. Dieter Breithecker begrüßte. Während der durch Lehrer Michael Jung zu Stande gekommenen nachmittäglichen Lehrerfortbildung wurde den Teilnehmern schnell klar: "Nur wer sich regelmäßig bewegt, bewegt etwas in seinem Kopf."

Dieses zu vermitteln war dem Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung ein echtes Anliegen: "Bewegung ist ein Grundrecht", so Breithecker. "Besonders in jungen Jahren müssen Kinder körperlich-sinnliche Erfahrungen machen, die neben Auge und Ohr alle Sinne ansprechen. Durch Klettern, Rennen und Herumspringen in Pfützen werden motorische und soziale Fähigkeiten zur Entfaltung gebracht. Statt überbehütet zu werden, brauchen Kinder Herausforderungen, denn Selbstvertrauen entwickelt sich nur vom Sich - trauen", so Breithecker.

Provokativ merkte er an: "Durch die ,Ein-Stuhlung? wird das bewegungsfreudige Spielkind zum Sitzkind. Die Zeit, die in der Schule im Sitzen verbracht wird, steigt dramatisch an. Sackt der Körper auf dem Stuhl langsam in sich zusammen, geht auch das Gehirn in Ruhestellung. Holt man die Kinder aus der Trägheitsfalle Stuhl, kann man ihre Aufmerksamkeitsspanne erheblich verlängern."

Am eigenen Leibe erfuhren die Teilnehmer, wie Bewegungspausen den Geist wach und aufnahmefähig halten. Breithecker mahnte: "Ein Sitzen in Bewegung ist wichtig für bessere Konzentration. Nur flexible Sitzmöbel erlauben einen Wechsel von Anspannung und Entspannung und in der Neigung verstellbare Tischplatten beugen dem so genannten Schulkopfschmerz vor, der durch eine Nickhaltung des Kopfes entsteht."

In der von interessierten Eltern und Lehrern der umliegenden Grundschulen besuchten Abendveranstaltung ergänzte Breithecker, dass das Freizeitverhalten der Kinder sich im Vergleich zu früher dramatisch verändert habe. Statt selber aktiv zu sein, verbrächten sie einen Großteil ihrer Zeit vor Fernseher und Computer. Deshalb bräuchten Kinder Erwachsene als Vorbilder, die die Lust auf mehr Bewegung fördern.

Folgeveranstaltungen für Lehrer finden am Donnerstag zum Thema "Möglichkeiten im Sportunterricht", am 26. Januar zu "Anwendungen im schulischen Alltag" sowie am 16. Februar mit dem Schwerpunkt "Fachunterricht am Beispiel Deutschunterricht" jeweils um 13.30 Uhr in der Westerwald-Schule statt.
 
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

Osnabrücker Zeitung 6.12. 2005

Experten: Pädagogisch fragwürdig
Der Fitnesstest an niedersächsischen Schulen stößt bei Opposition, Gewerkschaften und in Teilen der Sportwissenschaft auf scharfe Kritik.

Die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Ina Korter, nannte die Aktion am Montag in Hannover "sportpädagogisch fragwürdig" und ein Problem für den Datenschutz. Sie warf Kultusminister Bernd Busemann "statsitikbornierte Sandsackhüpferei" vor und sprach von einem "Prestigeprojekt".
Die SPD fordert in einem Landtagsantrag, die "bürokratische Kopfgeburt" zu stoppen. Durch die aufwändige Datenerhebung fallean den Klassen eins biszehn massenhaft Sportunterricht aus, sagte die SPD-Bildungsexpertin Ingrid Eckel. Nötig sei anstelle des Fitnesstests eine Stärkung des Sport- und Schwimmunterrichts.

Kritik an den Tests üben auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie einzelne Elternverbände. Sportwissenschaftler der Uni Hannover bemängelten in einem offenen Brief an Busemann, die Ziele des Fitnesstests seien zu vage. Grund für die sich verschlechternde Fitness von Kindern seien fehlende Lehrerstellen und die unzureichende Ausstattung von Sportstätten.
 
 

Weitere Beiträge zu diesem Thema auf dieser Seite


 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Bieler Tagblatt 5. 12. 2005

2. Weltgipfel für Schulsport

«Die Organisation in Magglingen war Spitze»
Gestern Samstag wurde der 2. Weltgipfel für Schulsport in Magglingen beendet.
Präsidentin Gudrun Doll-Tepper zeigt sich zuversichtlich - «aber es gibt noch viel zu tun.»

Gudrun Doll-Tepper, können Sie nach zwei Tagen ein positives Fazit ziehen?
Unbedingt, ja. Die Vorträge waren sehr informativ, das Interesse der fast 150 Teilnehmer und Teilnehmerinnen sehr gross. Und: Wir waren in Magglingen bestens aufgehoben. Die Organisation war spitzenmässig.

Was konkret hat sich bei diesem Rendezvous von Vertretern aus 36 Ländern bewegt?
Es ging ja in erster Linie darum, die 1999 beim ersten Weltgipfel in Berlin diskutierten Probleme im Schulsport und anschliessend in die Wege geleiteten Vorschläge zur Verbesserung zu überprüfen. Und da haben zwei internationale Studien doch gezeigt, das es vorwärts geht.

Was sind denn die grössten Probleme?
Schulsport steht eigentlich mittlerweile überall auf dem Lehrplan. Aber die Wirklichkeit sieht doch oft noch anders aus. Müssen aus verschiedenen Gründen Stunden gekürzt werden, trifft das meistens das Schulturnen. Zudem wird die Wichtigkeit körperlicher Erziehung und Bildung vielfach unterschätzt.

Und was kann Ihr Weltrat dagegen tun?
Uns bleibt die Möglichkeit der Überprüfung und der Beratung und Ausbildung der Lehrkräfte. Grossen Einfluss haben nicht einmal die Staaten. Sie kennen das: Bei Ihnen entscheiden die Kantone, bei uns in Deutschland die Landesteile.

Und wann wird überprüft, ob sich die Situation gebessert hat?
2008 vor den Olympischen Spielen in Peking. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.

Noch ein Wort zu Magglingen; Was hat Sie da so begeistert?
Im Gegensatz zu Grossstädten bietet Magglingen Seminare, Übernachten und Essen an gleicher Stelle. Das vertieft den Kontakt untereinander. (Und lachend): Und es kann niemand ausbüxen.
 

Gudrun Doll-Tepper ist seit 1997 Präsidentin des Weltrats für Sportwissenschaft und Leibes- und Körpererziehung.



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

5. 12. 2005 Ganztagsschule aktuell (BMBF)

Forschung zur bewegten Schule

Kompensation von Bewegungsdefiziten, Erziehung oder Bildung durch Sport, die Gestaltung einer "Bewegten Schule" - die Motive, Sport, Spiel und Bewegung in Ganztagsschulen zu verankern, sind unterschiedlich. Was genau an Ganztagsschulen in diesem Bereich läuft, soll das vom BMBF geförderte länderübergreifende Forschungsvorhaben "Studie zur Entwicklung von Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule" klären. Prof. Dr. Ralf Laging, Sportwissenschaftler an der Philipps-Universität Marburg und Leiter der Forschungsgruppe, erläutert im Interview Ausgangslage, Methoden und Ziele.

Online-Redaktion: Prof. Laging, beim mehrtägigen Stromausfall im münsterländischen Ochtrup hat ein Dreijähriger auf die Frage, was er denn am meisten vermisse, geantwortet: Fernsehen. Dass Kinder unter Bewegungsdefiziten leiden, zum Beispiel nicht mehr rückwärts gehen können, liest und hört man immer häufiger. Ist es wissenschaftlich belegt, dass die heutige Kindergeneration sich weniger bewegt als die Kinder und Jugendlichen in vorangegangen Dekaden?

Laging: Die Untersuchungslage ist nicht ganz eindeutig. Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass Kinder eine geringere motorische Leistungsfähigkeit besitzen als vor etwa 20 Jahren. Aber es gibt genauso viele Untersuchungen, die das Gegenteil belegen. Dies ist ein wissenschaftliches Dilemma. Man geht davon aus, dass Kinder im Wesentlichen durch ihre Aktivitäten auch ihre konditionellen und koordinativen Fähigkeiten trainieren - und nur diese werden gemessen. Nun kann man aber nicht sagen - und hier besteht der große Widerspruch -, dass sich Kinder weniger bewegen. Daher ist es auch problematisch, von einem Bewegungsmangel zu sprechen. Denn Bewegung ist mehr als die Motorik und die gemessenen konditionellen und koordinativen Fähigkeiten. Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt nämlich, dass noch nie so viele Kinder in Sportvereinen oder selbst organisiert - wie beim Inline-Skaten beispielsweise - bewegungsaktiv gewesen sind wie derzeit.

Online-Redaktion: Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären?

Laging: Dieser Widerspruch lässt sich nur auflösen, wenn man konstatiert, dass nicht die Teilnahme an organisierten Sportaktivitäten das Problem ist, sondern die dramatische Veränderung des Alltags. Daher muss die Frage auch lauten: Wie bringen wir Kinder im Alltag wieder in Bewegung? Zum Beispiel die Treppe zu nehmen, statt den Fahrstuhl zu benutzen, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen, statt sich mit dem Auto bringen zu lassen. Wiesen als Bolzplätze und Büsche als Gelegenheit zum Versteckspielen zu erkennen. Wir müssen den Kindern diese Gelegenheiten, die zur Bewegung auffordern, verstärkt ins Bewusstsein rufen.

Online-Redaktion: Die PISA-Studie hatte nicht Sport und Bewegung zum Untersuchungsgegenstand. Durch die Einführung von Ganztagsschulen hält aber verstärkt der Sport in diesen Schulen Einzug. Welche Ziele werden da verfolgt?

Laging: In der Tat spielten Sport und Bewegung keine Rolle bei der PISA-Studie. In der Sportpädagogik werden allerdings Analogien zwischen Defiziten zum Beispiel in der Mathematik und Defiziten in der Bewegungskompetenz nahe gelegt. Daher möchte man auch mehr Bewegung in die Schulen bringen. Bei der Ganztagsschule hofft man durch die zusätzliche Zeit auf mehr Gelegenheiten zu Bewegung, Sport und Spiel. Derzeit geschieht dies - wir haben es ja in der Mehrzahl mit offenen Ganztagsschulen zu tun - im Rahmen der Nachmittagsbetreuung. Hier spielt der Sport überall eine große Rolle. Man hofft, die Bewegungsaktivitäten der Kinder und Jugendlichen zu erhöhen.

Es wäre allerdings eine einseitige Sicht, wenn Sport und Bewegung nur als Anhängsel der erhaltenen Halbtagsschule betrachtet werden und ein Zusammenhang mit dem Vormittag kaum gegeben ist. Die Einbeziehung sportlicher Aktivitäten in den Unterricht findet eigentlich nur in gebundenen Ganztagsschulen statt, wo auch am Vormittag oder in der Mittagspause Bewegungsaktivitäten angeboten werden.

Online-Redaktion: Sind dann die Angebote in offenen Ganztagsschulen sinnlos?

Laging: Nein, aber es gibt ein Dilemma: Auf der einen Seite haben die Sportvereine Sorge, durch die Ganztagsschule Mitglieder zu verlieren. Deshalb versuchen die Vereine und die Verbände vermehrt, in die Ganztagsschulen hineinzukommen. In Hessen fördert das für Sport zuständige Innenministerium beispielsweise ein Sportangebot für die Ganztagsschulen, das in Kooperationen mit den Vereinen stattfindet.

Auf der anderen Seite steht die pädagogische Schulentwicklung. Die Schule muss sich fragen, wie ihre Schülerinnen und Schüler einen Ganztag erleben sollen. Dann stellt sich nicht die Frage, was das Beste für die Vereine ist, sondern wie die Schule verantwortlich mit Körper und Bewegung umgeht. Was kann man als Schule im Laufe eines Schultages den Kindern und Jugendlichen anbieten, damit diese nicht nur sitzen? Wie gelingt ein ausgewogenes Verhältnis aus körperlicher Beanspruchung, bewegungsbezogener Zerstreuung und konzentriertem Lernen? Die Ganztagsschule ist in der Verpflichtung, das zu berücksichtigen. Die Schülerinnen und Schüler kommen mit ihrem ganzen Körper, nicht nur mit ihrem Kopf in die Schule. Man setzt den Akzent dann anders: Wie baue ich Bewegungsaktivitäten in den Schultag ein, und an welcher Stelle können uns dabei die Vereine oder andere Partner der Jugendhilfe unterstützen?

Online-Redaktion: "Bewegte Schule" - ist das die Verbindung von Bewegung und Pädagogik?

Laging: Ja, das heißt Bewegungsaktivitäten in die Schule zu holen und Schule aus der Bewegungsperspektive zu reflektieren. Wie ist das Schulhaus aus dieser Perspektive gestaltet? Welche Bewegung regen die Räume - Stichwort: Dezentralisierung von Lernorten - an? Finden sich im Haus und auf dem Schulgelände Orte, wo Kinder und Jugendliche sich angesprochen fühlen, Bewegungsaktivitäten aufzunehmen? Kann Schule auch Trendsportarten integrieren und diese allen Schülerinnen und Schülern zugänglich machen? Lässt sich Bewegung auch im Fachunterricht, im Mathematikunterricht beispielsweise, unterbringen? Wie kann man etwas im Wortsinne begreiflich machen? Der pädagogische Anspruch eines ganzheitlich orientierten Unterrichts verbindet sich immer mit der Frage, ob die physisch-sinnliche Dimension eine Rolle spielt.

Online-Redaktion: Könnten Sie etwas zur Genese Ihres Forschungsvorhabens "Studie zur Entwicklung von Bewegung, Sport und Spiel in der Ganztagsschule" sagen?

Laging: Über diese Thematik sind bisher überhaupt keine empirischen Forschungen vorhanden. Es gibt lediglich von den Bundesländern geförderte Evaluationsstudien zur Kooperation von Vereinen und Schulen. Ziel unserer Studie ist es also, erst einmal überhaupt Daten über Bewegung in Ganztagsschulen zu erheben und dann festzustellen, wie dieses bisher hauptsächlich auf Kooperationen begrenzte sportliche Engagement an Ganztagsschulen erweitert werden kann.

Online-Redaktion: Wer führt dieses Vorhaben durch?

Laging: Es handelt sich um einen Forschungsverbund der Länder Hessen, Niedersachsen und Thüringen. Zusammen mit mir arbeiten die Kollegen Prof. Reiner Hildebrandt-Stramann von der Universität Braunschweig und Dr. Jürgen Teubner von der Universität Jena daran. Insgesamt arbeiten fünf wissenschaftliche Mitarbeiter auf halben Stellen mit. Wir haben eine Aufteilung in fünf Teilprojekte vorgenommen. Erstens soll der organisatorisch-konzeptionelle Rahmen erfasst werden, zweitens die Kooperationen und Netzwerke, drittens die konkreten Angebote sowie die Nachfrage und die Qualität derselben. In der vierten Teilstudie werden die Perspektiven der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Schülerinnen und Schüler untersucht. Das fünfte Teilprojekt hebt auf die bewegte Lern- und Unterrichtskultur ab.

Online-Redaktion: An wie vielen Schulen führen Sie dieses Projekt durch, und wie gehen Sie methodisch vor?

Laging: An acht Schulen pro Bundesland, wobei - außer Berufsschulen - alle Schulformen der einzelnen Länder berücksichtigt werden. Über diese 24 Schulen hinaus werden wir eine repräsentative Befragung zur Situation von Bewegung, Spiel und Sport in Ganztagsschulen in den drei Ländern durchführen. Wir werden außerdem Leitfadeninterviews durchführen, und in einigen Teilbereichen wird es Beobachtungsverfahren im Schultag geben. Parallel dazu laufen schriftliche Befragungen der Schulleitungen. Darüber hinaus werden wir eine Dokumentenanalyse durchführen, also die vorliegenden Schulprogramme und Beschlüsse von Fachkonferenzen und der Schulkonferenz hinsichtlich der Konzeption von Sportangeboten prüfen.

Schließlich werden zur Evaluation der Schulentwicklungsprozesse Gruppengespräche mit Schülern und Lehrern geführt, sodass der gesamte Prozess noch einmal kommuniziert und reflektiert wird. Daraus entstehen Schulportraits, welche die einzelnen Schulen nach Abschluss der Evaluation als so genannte Monographien mit Empfehlungen zur Möglichkeit der Weiterentwicklung erhalten. Aus diesen Einzelfällen gewinnen wir aber auch generalisierbare Daten für andere Ganztagsschulen.

Online-Redaktion: Auf welche Dauer ist dieses Projekt angelegt?

Laging: Das Projekt hat mit dem Schuljahr 2005/2006 begonnen und wird über drei Jahre laufen. Als Ergebnis sollen Empfehlungen für die Entwicklung von Bewegung, Spiel und Sport in der Ganztagsschule entstehen, die über die einzelnen untersuchten Schulen hinausreichen. Dieses Material soll dann ebenfalls anderen Ganztagsschulen zu Gute kommen.
 
 

Ganztagsschule aktuell

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

NWZ-online 3.12. 2005

Interview mit Ulf Gebken (Uni Hannover) zur Fitnesslandkarte in Niedersachsen

Das Projekt wird scheitern

Frage: Der „Fitnesstest“ soll helfen, Stärken und Förderungsbedarf jedes Schülers zu ermitteln. Kann Schulsport individuelles Training bieten?

Gebken: Ein nachhaltiges, individuelles Training muss zwei bis drei Mal pro Woche stattfinden. An niedersächsischen Grundschulen gibt es nur noch zwei Sportstunden pro Woche. Ein Trainingseffekt ist also nicht möglich.

Frage: Das Kultusministerium will durch die zeitgleiche Durchführung des Tests eine erhöhte Motivation bei den Kindern erzielen. Wie denken Sie darüber?

Gebken: Ich habe die Umsetzung der Tests mitbekommen. Leistungsstarke Kinder hängen sich rein, übergewichtige Kinder sitzen in der Ecke oder lassen sich von ihren Eltern entschuldigen. Bei den Kindern, denen geholfen werden soll, kann von zusätzlicher Motivation keine Rede sein.

Frage: Gewinnen Kinder wie erhofft Impulse aus dem Test für den Alltag?

Gebken: Aus der Erfahrung wissen wir, dass sich kaum Impulse aus dem Sportunterricht ergeben. Test-Übungen wie Klimmzüge an der Sprossenwand sind zu funktional, da entsteht keine Freude. Das sehen meine Kollegen an den niedersächsischen Universitäten genauso. Das Projekt ist zum Scheitern verurteilt.
 

"Der niedersächsische Kultusminister stiehlt sich mit der Fitnesslandkarte aus der Verantwortung"
Stadtelternbeirat Hannover zum Fitnesstest

 
 
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

1.12. 2005

Stellungnahme des Kollegiums des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Hannover zum Projekt ‚Fitnesslandkarte’ des niedersächsischen Kultusministers
...

Sportpädagogische Bedenken

Nach den Grundsätzen und Bestimmungen für den Schulsport  hat der Sportunterricht an Schulen vielfältige Aufgaben und Ziele zu erfüllen. Die DSB-SPRINT-Studie hat Ergebnisse vorgelegt, die auch für das Land Niedersachsen von großer Bedeutung sind. So stellt die Studie z. B. fest, dass Niedersachsen die mit großem Abstand geringste Partizipationsquote am Bundeswettbewerb ‚Jugend trainiert für Olympia’ hat. Es gibt bisher weder eine Stellungnahme noch eine breite Diskussion dieser Ergebnisse. Derzeit sind auch keinerlei konkreten Interventionsmaßnahmen des Kultusministeriums bekannt zur nachhaltigen Verbesserung des Schulsports in Niedersachsen. Im Gegenteil, das Kultusministerium kürzt die Zahl der Sportstunden an Grundschulen von drei (3) auf zwei (2)!!!

Erst wenn die schulischen Rahmenbedingungen einen motivierenden, differenzierten und integrierenden Sportunterricht zulassen, kann die Qualität des Sportunterrichts auch in Bezug zur motorischen Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler (als einem Lernziel von Sportunterricht) verbessert werden. Zwei Sportstunden – als Doppelstunde durchgeführt –, mangelnde Ausstattung von Sporthallen, Mangel an Sportlehrkräften und damit Unterrichtsausfall sind Bedingungen, die verhindern, dass Aspekte wie Gesundheit und Fitness ausreichend gefördert werden können. Gesundheit und Fitness sind nur Teil-ziele im schulischen Sportunterricht.

Motivationstheoretisch ist die „Fitnesslandkarte“ für leistungsschwächere Schülerinnen und Schülern sehr problematisch. Gut ausgebildete Sportlehrerinnen und Sportlehrer wissen – auch ohne den verordneten Test –, wie sie durch einen engagierten, motivierenden, differenzierten Sportunterricht ihren Schülerinnen und Schülern Anregungen geben können, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Denn darüber sind sich alle Fachleute einig: zwei Stunden Sportunterricht pro Woche sind keinesfalls ausreichend, um die notwendigen Entwicklungs- und Trainingsreize setzen zu können, zumal die häufig unzureichenden materiellen Voraussetzungen und der fachfremde Einsatz von Lehrkräften im Sportunterricht (in Grundschulen wird ca. 50% des Sportunterrichts fachfremd erteilt) den pädagogischen und gesundheitlichen Zielen des Sportunterricht entgegenstehen.

Die vom Kultusminister angedeuteten Interventionsmaßnahmen sind sehr vage formuliert und sollen eher unter Einbezug regionaler Bedingungen erfolgen. Dabei muss klar sein, dass sich Sportunterricht an alle Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Klasse richtet, die mit heterogenen motorischen, sozialen, motivationalen und kognitiven Voraussetzungen an diesem Unterrichtsfach teilnehmen. Von daher ließe sich sicherlich eine Vielzahl an schulischen Interventionsmaßnahmen einsetzen, angefangen beim sog. Sportförderunterricht, einer realen ‚Dritten’ Sportstunde, bis hin zu sport- und bewegungsbezogenen Arbeitsgemeinschaften, dem Konzept der ‚Bewegten Schule’ oder dem Einsatz von Handreichungen für einen gesundheitsorientierten Sportunterricht.
Sport im Verein ist sicherlich wünschenswert für alle Kinder und Jugendlichen, aber er kann die Verknüpfung von den fachlichen Anforderungen mit den übergreifenden erzieherischen Werten nicht leisten, wie sie sich aus dem Bildungsauftrag der Schule ergeben.
 

Fazit

Der niedersächsische Kultusminister stiehlt sich mit dem verordneten Fitness-Test aus seiner Verantwortung: Er lässt feststellen, dass aufgrund der von staatlicher Seite zu verantwortenden unzureichenden Rahmenbedingungen (fehlende Sportfachlehrkräfte, unzu-reichende Sportstätten und Ausstattung der Sportstätten, zu wenig Bewegung im Schulalltag ...) sich die ‚Fitness’ der Kinder verschlechtert hat, und erwartet, dass durch Eigeninitiativen diese Defizite ausgeglichen werden, statt selbst durch Verbesserung der Rahmenbedingungen die Voraussetzungen für einen ‚guten’ Sportunterricht zu schaffen und damit einen eigenen Beitrag zur Verbesserung der motorischen Leistungsfähigkeit unserer Kinder zu leisten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Hannover stehen dem niedersächsischen Kultusministerium grundsätzlich für einen konstruktiven Dialog zur konzeptionellen Weiterentwicklung des Schulsports zur Verfügung.

Die vollständige Erklärung als Word-Datei
"Der niedersächsische Kultusminister stiehlt sich mit der Fitnesslandkarte aus der Verantwortung"

 



 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

DSB aktuell 29.11. 2005

Mit Fußball Sprachen lernen

Durch Fußball Kommunikationsanlässe in fremden Sprachen schaffen! Das ist das Motto des kick it to berlin – language contest 2006, dem Online-Sprachwettbewerb zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Teams können sich noch bis 1. Dezember 2005 anmelden! Teilnehmen können Jugendteams aus Sportvereinen aus den Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande und der Tschechischen Republik zwischen 14 und 27 Jahren. Die Anmeldung ist online über die Website www.kick-it-to-berlin.net möglich.

Das Besondere beim kick it to berlin – language contest 2006: Der Online-Sprachwettbewerb findet in Form einer Staffel statt, die über fünf Länder ausgetragen wird. Die teilnehmenden Staffelteams müssen dabei fremdsprachliche Aufgaben online lösen und möglichst schnell einen Fußball innerhalb ihres Staffelteams weiterschicken. Gewinner des kick it to berlin - language contest 2006 ist das Staffelteam, das alle Aufgaben gelöst und den Fußball am schnellsten an den Ausgangspunkt zurück geschickt hat.

Der Hauptpreis ist eine Reise vom 07.07. bis 10.07.2006 zum WM-Endspiel-Wochenende nach Berlin in ein Jugendcamp.

Ziel des kick it to berlin – language contest 2006 ist, den Nutzen und den Spaß von Fremdsprachenkenntnissen unmittelbar zu erleben. Angesprochen werden insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene in Fußball- und anderen Sportvereinen, die wenig Gelegenheit haben, sich fremden Sprachen zu nähern. Mitmachen können natürlich alle Interessierten. Die hohe öffentliche Aufmerksamkeit im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bietet dazu die passende Chance, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu motivieren, sich spielerisch Fremdsprachen zu nähern.

Mit kick it to berlin – language contest 2006 soll darüber hinaus ein europaweites Netzwerk geschaffen werden mit Kontakten, die auch nach Ende des Wettbewerbs weiterleben.
 



 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Schulsport ist viel mehr als Ballspiele und Leichtathletik
 
Beim „3. Abend des Schulsports“ begeisterten zehn Amberger Schulen am Donnerstag das Publikum durch Vorführungen, die gespickt waren mit Akrobatik, Sport, Tanz und spielerischen Einlagen. 
Über 300 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte hatten dafür wochenlang in ihrer Freizeit geübt.
Sie zeigten eindrucksvoll, dass der Schulsport viel mehr sein kann als nur Ballsport und Leichathletik.

Vor circa 1000 Gästen zeigten die Kinder und Jugendlichen ein buntes Programm. Bayernweit gebe es den Trend zu immer weniger sportlicher Betätigung, sagte Moderator Günther Simmerl in seinen Eröffnungsworten. Der Abend beweise, dass man weiterhin sehr bestrebt ist, dem Sport einen großen Platz im Alltag einzuräumen.

Das sportliche Repertoire der Schüler ist groß: Aerobicvorführungen und Inlineskating zeigte die Max-Josef-Schule; Flagfootball, eine für den Schulsport taugliche, körperlose Variante des Footballs führte die Wirtschaftsschule vor.Auf dem Programm standen auch eine Tanzeinlage von Cheerleaders der Dreifaltigkeitshauptschule, eine Skilanglaufdemonstration der Staatliche Realschule Amberg, Jazztänzerinnen von der Decker-Schulen, Einradfahren vom Decker- und Gregor-Mendel-Gymnasium und eine „Reise um die Welt“ des Erasmusgymnasium begeisterten das Publikum. Dazu führte die Band „Backstage“ von der Wirtschaftsschule musikalisch durch das Programm.EG sorgte für das GlanzlichtAls Highlight wurde die Theateraufführung des Erasmus-Gymnasiums in einer „Flugreise um die Welt“ empfunden.

Mit Hilfe von Tanz, Akrobatik und Schauspielerei, in denen die einzelnen Erdteile dargestellt wurden, führten 65 Schülerinnen und Schüler das Stück vor.Eine besonders temporeiche Aufführung war die Demonstration der Skilangläufer von der Staatlichen Realschule Amberg, als sie durch die Halle sausten und ihr Können und Trainingsformen demonstrierten.Außerdem gab es wie in den Vorjahren ein Basketballspiel zwischen der Egenbergerschule und einer Prominentenauswahl, unter anderem mit Bürgermeister Michael Cerny, das das Basketballteam der Egenbergerschule klar mit 8:2 für sich entschied.
 
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Darmstädter Echo 23. 11. 2005
 

Weg vom steifen Stillsitz-Unterricht
20. Sport-Forum: Sportpädagoge Professor Ralf Laging zeigt vielfältige Bausteine für die bewegte Schule auf

„Menschen sind Bewegungswesen. Kinder sollen viel Bewegung haben. Es gibt eine ganze Reihe Konzepte, die so etwas wie die bewegte Schule beschreiben.“ Beim 20. Darmstädter Sport-Forum (Trends in der Sportvermittlung) untersuchte Ralf Laging, Professor für Sport und Bewegungs-Pädagogik an der Universität Marburg, im dritten Vortrag am Montagabend „Schule als Bewegungsraum – über den Sportunterricht hinaus“.
Nachhaltige, sinnvolle Programme sind gefragt, um Bewegungsmangel im Alltag und in der Schule zu begegnen. Oft scheitern diese am Geld- und Personalmangel. Eigeninitiative und Improvisation zählen: „An vielen Stellen findet Aktionismus statt. Es wird verkauft und es wird vermarktet“, berichtete Laging.

Bewegungsmangel und Übergewicht bei Kindern sind dokumentiert: Zehn Prozent weniger motorische Leistungsfähigkeit (Beweglichkeit, Kraft/Ausdauer, Kondition/Koordination) als vor 15, 20 Jahren werden gemessen. Laging: „Keiner sagt aber, wann es genug ist.“ Gegenstudien erkennen dramatischen Leistungsabfall nicht, Kondition ausgenommen. Die erste Kinder- und Jugendstudie in Deutschland belegt: „Derzeit sind so viele Kinder wie nie so viel aktiv. Der freiwillige Organisationsgrad von Kindern ist so hoch wie nie.“

Allein hohe sportliche Aktivität kompensiert nicht fehlende Alltagsbewegung. Übergewicht lässt sich eben nicht mit einer zusätzlichen Trainingseinheit bekämpfen. „Wesentlich ist die Veränderung im Alltag – auch im schulischen Alltag.“
Vier Weltanschauungen sind auf dem Markt: Kompensierte Gesundheitserziehung sucht Mängel und Defizite auszugleichen: Sitzen als Belastung, Rückenleiden. (Programme: fitte Schule, Fitnesslandkarte).
Ergänzende Bewegungserziehung baut auf bewegte Schule (vor allem Grundschule), Sport- und Bewegungsunterricht, damit allgemeine Bewegungserziehung über Fachgrenzen hinweg. Grundlage bildet in beiden Konzepten der Sportunterricht.

Die zwei anderen Entwürfe setzen ganzheitlich an: Bewegung im Schulprogramm sieht Bewegung als integralen Teil von Entwicklung und Lernen in der ganzen Schule, in allen Fächern: „Bewegung als welterschließende Funktion im Schulprogramm und im Lernprozess.“
Bewegung als Schulkultur macht gemeinsames Handeln von Lehrern, Schulleitung, Eltern und Kindern nach außen sichtbar, bezieht Schulgelände, -gebäude und Klassenräume ein. Laging: „In den Bausteinen und in der Praxis ähneln sie sich alle stark.“

Die Aneignung von Räumen beschrieb der Sportpädagoge als Schlüsselerlebnis für die Entwicklung der Kinder. Damit entfaltet sich Bewegungskultur. Bewegung und Bildung stellte er als Wechselwirkung dar – Empfänglichkeit und Selbsttätigkeit. Das Kind, Akteur eigener Entwicklung, erzeugt im Bildungsprozess Bewegungshandeln. „Bewegung als austauschbare Erfahrungsmöglichkeit schärft die Bildung der eigenen Persönlichkeit.“ Erlebnisfelder eröffnen der instrumentelle Gebrauch des Körpers (laufen, werfen, springen), soziale Funktionen (einfühlen, führen, helfen) und symbolische Funktionen der Bewegung (Ausdruck, Rollenspiel, Nachahmung).

Professor Laging stellte acht Bausteine vor, die Schule und Kinder bewegen und Bewegungsräume erschließen.
Erstens: Bewegungsanlässe schaffen. „Warum machen wir eigentlich alles gerade an unseren Schulen?“ Wo sind Bretter und Balken, Kisten und Kästen, Rollgeräte oder Trecker- und LKW-Reifen auf Schulhöfen?
Zweitens: Schulhof als Bewegungs- und Ruheraum mit Flächen und Funktionsbereiche: Rasen, Sand, Wälle, Hügel, Spielplätze).
Drittens: Bewegungsraum Schulgebäude. Klassenzimmer, Nischen, Flure, Bewegungsbaustelle.
Viertens: Bewegungs- und Unterrichtlernen. Dezentrale Lernorganisation und Lernlandschaften statt 45 Minuten Stillsitz-Unterricht. „Wie lässt sich Unterricht bewegt gestalten, was lässt sich erfahren?“
Fünftens: Bewegungssitzen. „Das Sitzmobiliar ist dazu nicht geeignet.“ Alternativen sind individuelle Lernhaltung, Stehpulte, Bodensitzen.
Sechstens: Bewegter Schulalltag. „Wie rhythmisiere ich Bewegung und Lernen?“ Lagings Idee, angesichts der wachsenden Zahl von Ganztagsschulen: Gleitzeiten für Lernen, Spiel und Bewegung.
Siebtens: Sport- und Kulturfeste. Spielfeste und außerschulische Auftritte, eingebunden in andere Sportveranstaltungen.
Achtens: Bewegter Sportunterricht. Weniger sportartenbezogen, dafür die Wunschsportstunde – Freiräume, Eigeninitiative der Kinder, Selbsttätigkeit.

In der lebhaften Diskussion mit zahlreichen Lehrern unterstrich Professor Ralf Laging: „Die bewegte Schule ersetzt nicht den Sportunterricht“. Er möchte zugleich die dritte Sportstunde in der Woche verbindlich gehalten wissen.
Sportunterricht, vor allem im Grundschulbereich sollte mehr Bewegungsunterricht sein und nicht so eng an Sportarten orientiert. Tägliche Bewegungszeit ist ein Thema. Während das in vielen Ländern geschieht (Österreich, Niederlande), bleibt die enge Begrenzung des Schulsports auf Sportarten in Deutschland dominant. „Sich bewegen, schließt den Sport als Bewegungshandeln ein.“

Sportlehrer sieht er als Fachleute für Bewegung an Schulen, die für die Aus- und Weiterbildung der anderen Kollegen Sorge tragen: „Die bewegte Schule fängt bei den Lehrern an.“ Bedenken der Schulaufsicht – Verletzungsgefahr, Unfälle, juristische Schritte der Eltern – begegnete er mit dem Satz: „Es wird ruhiger auf dem Schulhof, wenn sich die Kinder bewegen. (Gewalt, Aggressionen). Dort, wo Kinder in Entscheidungsprozesse einbezogen waren und ihre Selbstverantwortung gestärkt wurde, bilanzierte der Sportpädagoge Erfolge. „Große Flächen sind unfallträchtiger als strukturierte Räume. Mehr Bewegung, um sicherer zu werden,“ lautet sein Credo.
 
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Heidenheimer Zeitung 22.11. 2005

INTERVIEW / Digels Aufruf nach Schulsport-Kongress:
Lernprozesse initiieren

Drei Tage lang hat der Kongress "Der Wandel des Sportlehrerberufs" am Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen den 120 Teilnehmern ein breites Themenspektrum geboten. Institutsleiter Prof. Helmut Digel äußert sich zu den Perspektiven des Schulsports.

Herr Prof. Digel, vor 50 Jahren hat am Institut für Leibeserziehung die universitäre Sportlehrerausbildung in Tübingen begonnen. Wie hat sich die Rolle von Sportlehrern in der Gesellschaft verändert?
HELMUT DIGEL: Mit der gesellschaftlichen Entwicklung des Sports sind die Sportlehrer auch im Kollegium aufgewertet worden. Ein Problem ist, dass sie mitunter ihr anderes Fach für wichtiger halten als den Sport. Bei den Schülern sind die Sportlehrer oft die beliebtesten Lehrer. Vielfach denken die Schüler aber auch: Der hat einen schlauen Job. Das können die Sportlehrer nur selbst lösen, indem sie sich voll mit ihrer Aufgabe identifizieren. Die Klassen werden immer heterogener. Im Jahr 2050 werden über 50 Prozent der Schüler zumindest einen Elternteil mit Migrations-Hintergrund haben.

Wie werden die Sportlehrer reagieren müssen?
DIGEL: Die Frage ist, wie sich die Sportlehrer in einer sich ständig ändernden Welt des Sports zurechtfinden. Es dürfte kaum einen Bereich geben, der sich so schnell ändert. Die Migrationsfrage ist eine Schlüsselfrage. Dabei sieht sich der Sportpädagoge einer völlig neuen Herausforderung gegenüber, die keine Generation vorher meistern musste. Dazu brauchen die Lehrer z. B. mehr Fortbildung.

Nach Einschätzung des Heidelberger Professors Heim läuft der Sportunterricht Gefahr, zu einem Museum der traditionellen Sportarten zu werden? Stimmen Sie zu?
DIGEL: Die Ansicht teile ich nicht. Das ist nicht die Frage zwischen Tradition und Moderne, sondern die, was die jeweilige Sportart pädagogisch leistet. Turnen leistet z. B. die Grundlage, über das Turnen hinaus aktiv zu werden. Die Schule darf nicht modernistisch jedem Trend folgen. Die Sportarten müssen einzeln didaktisch begründet werden.

Welche Inhalte sind für die Zukunft des Schulsports entscheidend?
DIGEL: Wenn es gelingt, die Kinder zu selbsttätigem, lebenslangem Sporttreiben anzuregen, wenn sie die präventive und heilende Wirkung am eigenen Leib erfahren, ist schon sehr viel gelungen. Die Vermittlung der Vielfalt sportlicher Aktivitäten ist die wichtigste Aufgabe des Lehrers. Außerdem ist kein Fach so sozialintegrativ wie der Sport.

Wie kann den Bewegungsmangelkrankheiten begegnet werden?
DIGEL: Wir müssen attraktive Bewegungsangebote bieten. Das müssen Attraktionen sein, dass die Kinder sagen: Da gegen wir hin. Da muss es um Abenteuer, Erlebnisse, Wetteifern auf spielerischer Ebene gegen. Das Problem: Man erreicht oft nicht die unteren sozialen Schichten.

Wie würde denn für Sie der ideale Schulsport aussehen?
DIGEL: Das wäre einer, der nicht nur auf Spaß und Lust aus ist, sondern der Lernprozesse initiiert und auch überprüft, ob die gesetzten Ziele erreicht werden. Wenn der Sportunterricht nur zur Kompensation für den Frust in der Mathe- oder Englisch-Stunde dient, wäre er alles andere als pädagogisch.
 
 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Fitnesslandkarte Niedersachsen
In Niedersachsen sollen im November/Dezember alle Schülerinnen und Schüler auf ihre Fitness getestet werden.
Ziel ist eine Fitnesslandkarte für Niedersachen.
Grundlage der Untersuchung ist ein siebenteiliger Fitness-Test im Zusammenhang mit einem Fragebogen.
Über den Sinn dieser Aktion wird heftig gestritten. Im folgenden werden einige Beiträge dokumentiert.
Ausführliche Informationen  finden sich auch auf der Seite des Stadtelternbeirates Hannover.

 

Braunschweiger Zeitung 12. 11. 2005

Fitnesstest an Schulen in der Kritik
Stadtelternrat hat datenschutzrechtliche Bedenken – Schulen fordern mehr Sportunterricht statt mehr Bürokratie

Der vom Kultusministerium verordnete Fitnesstest stößt bei Lehrern, Eltern und Schülern auf Unverständnis. Derzeit werden landesweit alle Klassen von 1 bis 10 auf Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsvermögen geprüft. Die älteren Schüler würden unterfordert und der Datenschutz missachtet, kritisiert der Stadtelternrat.

Vorsitzende Gabriele Gebauer äußert ihre Bedenken: "Die Schüler müssen Schulname, den Anfangsbuchstaben des Vornamens und ihr Geburtsdatum angeben. So kann jeder Schüler zurückverfolgt werden." In einem Elternbrief rät sie, falsche Informationen anzugeben – bis auf den Geburtsjahrgang. Auch der stellvertretende Direktor des Theodor-Heuss-Gymnasiums, Klaus Bieler, hält es "nicht für günstig, dass Rückschlüsse gezogen werden können, wie andere Schüler da stehen".

Georg Weßling, Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, verteidigt den Erlass: "Die Datenschutzbeauftragten haben den Test für unbedenklich erklärt." Die Ergebnisse seien dem einzelnen Schüler nur mit persönlichem Passwort im Internet zugänglich.

Zu dem Fitnesstest gehören unter anderem ein Sechs-Minuten-Dauerlauf, Stufensteigen, Klimmzüge an der Sprossenwand und Zielwerfen.

"Das, was wir feststellen, ist den Sportlehrern längst bekannt", sagt Uwe Striezel, Rektor der Porsche-Realschule. Wie Striezel rätselt Margit Meissner, Sport-Obfrau am Ratsgymnasium, über den Sinn des Tests: "Wir kennen die Leistungen unserer Schüler." Der bürokratische Aufwand gehe nur auf Kosten des Sportunterrichts. Auch Elke Hoffrichter, Rektorin der Hans-Christian-Andersenschule, hat "große Defizite" in der Fitness ihrer Schüler beobachtet: "Der Bedarf an Sportstunden ist unheimlich groß."

Deshalb fordert die Stadtelternvertretung, mehr Sportlehrer einzustellen und wieder flächendeckend Schwimmunterricht und eine dritte Sportstunde anzubieten. Bieler sieht ebenso die Notwendigkeit, langfristig etwas für den Sport zu tun. "Bei einer dritten Sportstunde oder mehr Schwimmunterricht würden wir sofort ?ja‘ rufen", erklärt er.

Dem Kultusministerium gehe es darum, die Fitness einer ganzen Population zu testen. Punktuelle Untersuchungen gebe es schon, so der Sprecher. Die verlässlichen Daten seien die Handlungsgrundlage. Aber: "Sport ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch Vereine und Elternhäuser sind in der Pflicht."
 


Hannoversche Allgemeine 11.11. 2005

Experten kritisieren Fitnesstest

Der Fitnesstest des Kultusministeriums für Erst- bis Zehntklässler stößt auch bei Fachleuten auf deutliche Kritik. „Der Test besteht aus isolierten Übungen, mit denen Kraft und Ausdauer gemessen werden”, sagt Dieter Brodtmann, emeritierter Professor für Sportpädagogik der Uni Hannover.
 
Lust auf Sport mache man Kindern damit nicht. „Besonders schlimm finde ich, dass die Testergebnisse den Lehrern Hinweise auf ihren Unterricht geben sollen. Das würde bedeuten, die Sportstunden müssten in Zukunft genauso langweilig werden wie der Test.“ 
Moderner Sportunterricht zeige Kindern Bewegungsmöglichkeiten wie Tanz oder Akrobatik, die sie zu Sport in der Freizeit motivieren. Zielwerfen mit Bohnensäckchen habe dagegen nichts mit realen Sportarten wie Ballspielen zu tun.
In den ersten Schulen sind die Tests bereits gelaufen. Da ein Lehrer aus Zeitgründen nicht jedes Einzelergebnis jedes Schülers überwachen kann, sind Helfer notwendig. Manche Schulen bitten Eltern um Unterstützung. Da, wo die Schüler sich gegenseitig beim Messen und Ausfüllen helfen, scheint es häufig zu Schummeleien zu kommen. Eltern berichten, dass manche Schüler gerne besser dastehen wollen, andere nehmen den Test nicht ernst und geben im Begleitfragebogen unsinnige Antworten.

Einige Gymnasiallehrer hatten das im Vorfeld befürchtet. „Es verzerrt die Ergebnisse, wenn eine Schule exakte Daten liefert und andere Schulen Schüler zum Messen einsetzen“, sagt ein Lehrer.

Beim Wissenschaftlichen Institut der Ärzte Deutschlands (WIAD) in Bonn, das die Tests auswertet, sieht man das anders. „Die Lehrer merken spätestens bei der Eingabe der Daten, wenn geschummelt wurde“, sagt Geschäftsführer Lothar Klaes. Nach den bisherigen Erfahrungen würden Schüler den auf mehrere Jahre angelegten Test sehr ernst nehmen. „Sie sind neugierig, ob sie sich nach einem Jahr verbessert haben.“

Der Stadtelternrat Hannover befürchtet, dass der Datenschutz beim Test nicht gewährleistet ist. Klaes betont dagegen: „Die Förderer der Studie erhalten keine individuellen Daten.“ Ein individueller Schlüssel, mit dem die Forscher die Kinder identifizieren können, sei aber notwendig, um Vergleiche über mehrere Jahre anzustellen. Die Landesdatenschutzbehörde bestätigt das: Sie hat keine Bedenken.
 



 

Cuxhavener Nachrichten 10.11. 2005

Säckchenwerfen und Bälle prellen für die Fitnesslandkarte
"Check-up" prägt derzeit die Sportstunden in Cuxhavener Schulen

Manche Eltern mögen sich schon gewundert haben, dass ihre Kinder ihnen ungewöhnliche Dinge aus dem Sportunterricht erzählten. Inzwischen haben viele Cuxhavener Eltern den Fragebogen nach Hause bekommen, den ihre Kinder für die Erstellung einer landesweiten "Fitnesslandkarte" ausfüllen sollen.

Der Erlass, ausgestellt am 7. Oktober, kam pünktlich zu den Herbstferien, bis Ende November soll der so genannte "Check-up" in den Schulen schon gelaufen sein: Sieben Übungen sollen alle 750000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 10 in Niedersachsen im Sportunterricht absolvieren, teilweise verbunden mit Pulsmessungen.
Anfang Dezember sollen die Sportlehrkräfte die ermittelten Daten aller Kinder ins Internet eingeben. Noch vor Weihnachten soll dann die Fitnesslandkarte Niedersachsen im Internet stehen.

Ihre persönliche Daten sollen die Kinder in einem passwort-geschützten Bereich abrufen und mit der Klassengemeinschaft oder ihrer Altersgruppe vergleichen können. Während die Teilnahme am Fitnesstest verpflichtend ist, erhalten die Kinder zusätzlich einen Fragebogen, auf dem sie zum Beispiel über Größe, Gewicht, sportliche Aktivitäten, Lieblingssport und letzte Sportnote Auskunft geben sollen. Die Beantwortung dieser Fragen ist freiwillig.
Ausgewertet werden die Bögen über das "Wissenschaftliche Institut der Ärzte Deutschlands". Als Förderer werden Krankenkassen, Sparkassen, Versicherungen, EWE-Stiftung, die niedersächsische Milchwirtschaft, der Landesapothekerverband und Sportverbände angegeben.

Von verschiedenen Stellen regt sich jedoch Widerstand gegen den Test. So sollen sich schon Cuxhavener Schulelternräte auch wegen der datenschutzrechtlichen Fragen kritisch damit beschäftigt haben; der GEW-Landesvorsitzende Eberhard Brandt fragt sich, wie durch die bloße Feststellung der Fitnesswerte die Gesundheit gefördert werden soll. Ein Jugendlicher, dem bescheinigt werde, dass seine Leistungen weit unter der Norm lägen, werde hierdurch wohl kaum motiviert, mehr Sport zu treiben.
Der neue Anspruch stelle sich umso unpassender in einem von Kürzungen bestimmten Umfeld dar: So sei die wöchentliche dritte Sportstunde gestrichen worden, auch der Schwimmunterricht werde zunehmend eingeschränkt. Cuxhavener Sportlehrer weisen zudem auf praktische Schwächen hin: So würden nicht nur sportphysiologisch überholte Übungen gefordert (jetzt stellte sich heraus, dass der Test bereits 20 Jahre alt ist), sondern es sei auch unsinnig, die gleichen Anforderungen von Klasse 1 bis 10 zu stellen.
Schier unmöglich ist einem Sportlehrer alleine in der Grundschule das Ermitteln von Erholungspulswerten: Ist er bei dem ersten Kind fertig, hat sich der Puls bei allen anderen längst wieder normalisiert. Dabei sollten für die Durchführung des Tests laut Handreichung ein bis zwei Sportstunden reichen.

Nicht nur der Sportunterricht werde in den nächsten Wochen vom Fitnesstest bestimmt sein, so die Lehrer: Stunden dürfte bei Sportlehrkräften, die wöchentlich um die 100 Kinder unterrichten, die Eingabe der ermittelten Werte ins Internet dauern - "Stunden, die ich lieber sinnvoll in der Schule einsetzen würde", so ein Sportlehrer.
 
 

Fitness-Test.
Presseerklärung des Ministeriums
Fitnesslandkarte Niedersachsen


 
 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Volksstimme Magdeburg 10.11. 2005

Judo im Sportunterricht

„Judo tut Deutschland gut und dem Sportunterricht erst recht“ – unter diesem Motto veranstaltet das Institut für Sportwissenschaft der Ottovon-Guericke-Universität Magdeburg am kommenden Sonnabend ab 9 Uhr eine Fortbildung für Sportlehrerinnen und Sportlehrer aus Sachsen-Anhalt.

Ohrekreis. Judo kann in Sachsen-Anhalt in allen Schulformen unterrichtet werden. Zunehmend wird dies auch getan. In der bundesweiten sogenannten „Sprint-Studie“ zum Sportunterricht in Deutschland kam unter anderem heraus, dass sich die Schülerinnen und Schüler noch mehr Kampfsportunterricht im Schulsport wünschen. Dem gegenüber steht allerdings die Tatsache, dass sich noch viele Sportlehrerinnen und Sportlehrer scheuen, Judo im Sportunterricht anzubieten. In der stattfindenden Fortbildung will Dr. Wolfram Streso, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sportwissenschaft und Vorsitzender der Schulsportkommission im Deutschen Judobund, den Teilnehmern vermitteln, dass die Sportart Judo unter den Bedingungen des Schulsports alles andere als Kämpfen ist. Unter der Devise „Judo spielen, Judo lernen“ will Streso deutlich machen, dass sich durch zweikampftypische Spielformen körperliche Fähigkeiten und spezielle sportliche Fertigkeiten vermitteln lassen. Dabei stehen neue Lehrformen im Mittelpunkt der Fortbildung.

Die Übungen sind vor allem Partner, die miteinander „arbeiten“ und keine Gegner, die sich bekämpfen. Und so lassen sich fast alle der gezeigten Übungen und Spiele auch in Aufwärmprogrammen anderer Sportdisziplinen anwenden. Bisher haben über 40 Lehrerinnen und Lehrer ihr Kommen zugesagt. Kurzentschlossene können sich noch am Sonnabend in der Sporthalle Stresemannstraße einfinden. Vorkenntnisse sind für die Veranstaltung nicht erforderlich.
 
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

IDW 10.11.2005

Ganz Deutschland wird jetzt "Fit am Ball"
Bundesweites Projekt gegen Übergewicht am 8. November mit vielen Sport-Stars an der Deutschen Sporthochschule Köln gestartet.

Mit Unterstützung zahlreicher Sport-Prominenter startete am 8. November 2005 an der Sporthochschule in Köln die bundesweite Schulsport-Förderung "Fit am Ball - Der Schul-Cup von funny-frisch". Das wissenschaftliche Projekt der Deutschen Sporthochschule Köln dient der Prävention von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter. Teilnehmer sind rund 35.000 Schülerinnen und Schüler an über 1.000 Schulen bundesweit.

Das vom Kartoffelchips-Hersteller Intersnack ins Leben gerufene und finanzierte Projekt ist bundesweit die größte Maßnahme dieser Art. "Fit am Ball" wird ausdrücklich von der "Plattform Ernährung und Bewegung" unterstützt, zu deren Mitgliedern die Bundesregierung sowie zahlreiche Krankenkassen, Sportverbände, Mediziner - insgesamt über 90 Unternehmen und Institutionen - gehören. Für den Ernährungsteil des Projektes zeichnet die "CMA - Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft" als Cosponsor verantwortlich.

Bei der Pressekonferenz zum bundesweiten Start von "Fit am Ball" rief Projektleiter Dr. Jürgen Buschmann alle Schulen mit Jahrgangsklassen 3 bis 6 zur Teilnahme an "Fit am Ball" auf: "Es sind bereits mehrere 100 Meldungen eingegangen, aber es stehen heute noch zahlreiche freie Plätze in allen Regionen zur Verfügung. Gehen mehr Bewerbungen ein als Plätze vorhanden sind, geben wir Schulen aus sozial schwächeren Milieus den Vorrang." Die Bewerbungsfrist für "Fit am Ball" läuft noch bis zum 10. Dezember 2005 (Online-Bewerbungen unter www.fitamball.de).

Für Hauptsponsor Intersnack dankte Geschäftsführer Dr. Werner Wolf dem Projekt-Team der Sporthochschule unter Leitung von Dr. Jürgen Buschmann für das bisher Geleistete - "Fit am Ball" wurde seit 2003 bereits an über 200 Schulen in NRW erprobt: "Intersnack hat 'Fit am Ball' initiiert, um soziale Verantwortung auf einem außerordentlich wichtigen Feld zu übernehmen. Die Tatsache, dass 'Fit am Ball' vom Start weg so großen Erfolg hatte, der zur Zertifizierung des Projektes durch die Plattform Ernährung und Bewegung führte, ist allein Kompetenz und überragendem Engagement der Sporthochschule zu verdanken."

Bei "Fit am Ball - Der Schul-Cup von funny-frisch" wird zusätzlicher Sportunterricht und Ernährungsaufklärung im Rahmen freiwilliger, wöchentlicher Sport-Arbeitsgemeinschaften (Schwerpunkt: Fußball) durchgeführt. Das Programm richtet sich an Jungen und Mädchen im Alter von etwa acht bis zwölf Jahren. Es soll Freude an regelmäßigem Sport, viel Bewegung im Alltag und ausgewogener Ernährung wecken. Kerngedanken: Wer sich regelmäßig bewegt und allgemein vernünftig ernährt, kann auch in Maßen Süßigkeiten und Snacks genießen und nimmt doch kein Gramm zu. Zu starke Fixierung auf Diäten und methodisches Essen führt hingegen tendenziell eher zu gestörtem Essverhalten.
Die Deutschland-Phase von"Fit am Ball - Der Schul-Cup von funny-frisch" findet ihren Höhepunkt in einem großen Turnier, das wenige Tage vor Start der Fußball-WM im Juni 2006 in Köln stattfinden wird.

"Fit am Ball" wird von zahlreichen Sport-Prominenten und Spitzen-Sportvereinen unterstützt. Darunter der 1. FC Köln, der Hamburger Sportverein, der MSV Duisburg, der 1. FC Kaiserslautern, Dynamo Dresden, der 1. FFC Frankfurt, Eishockey-Spitzenclub Kölner Haie sowie Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski, die Fußball-Weltmeisterinnen Silke Rottenberg und Steffi Jones, die Bundesliga-Profis Dirk Lottner, Stefan "Paule" Beinlich und René Beuchel, Hockey-Olympiasiegerin Marion Rodewald, Haie-Trainer Hans Zach, Uli Voigt (Medien-Koordinator der deutschen Fußball-Nationalmannschaft) und Trainer-Legende Otto Rehhagel.

www.fitamball.de

 


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

NTV 4. 11. 2005

Badebilanz dieses Sommers
324 Menschen ertrunken

In Badegewässern in Deutschland sind in diesem Sommer 324 Menschen ertrunken. Fast drei Viertel der tödlichen Badeunfälle ereigneten sich an Binnenseen oder Flüssen, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Freitag in Weimar mit. Diese Gewässer würden häufig nicht von Rettungsschwimmern überwacht, sagte DLRG-Präsident Klaus Wilkens. Alarmierend sei die hohe Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland: Jeder Vierte kann laut DLRG nicht schwimmen, bei Jugendlichen sogar jeder Dritte.

Nur noch etwa 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen erlernten das Schwimmen im Sportunterricht an den Schulen, sagte Wilkens auf der Bundestagung des Verbandes. Vor 15 Jahren seien es noch 50 Prozent gewesen. Gehe die Entwicklung so weiter, drohe die Zahl der tödlichen Badeunfälle wieder zuzunehmen, warnte der Verbandspräsident. Bislang weise Deutschland neben Großbritannien die weltweit niedrigste Rate tödlicher Badeunfälle auf.

Neben dem hohen Stundenausfall im Sportunterricht macht die DLRG für die Zunahme an Nichtschwimmern auch eine veränderte Bäderstruktur verantwortlich. Bundesweit würden kommunale Schwimmbäder entweder geschlossen oder in so genannte Spaßbäder umwandelt, kritisierte Wilkens. "Dort kann man zwar unter Palmen liegen, aber nicht das Schwimmen lernen." Zudem erschwerten teils drastisch erhöhte Eintrittspreise insbesondere sozial schwachen Familien den Besuch im Bad. Die DLRG verlangte auf ihrer Tagung den Erhalt der kommunalen Schwimmbäder.

Die DLRG überwacht in Deutschland rund 5.000 Bäder und Badestellen. Sie setzt dafür mehr als 50.000 ehrenamtliche Rettungsschwimmer ein. 2004 bewahrten sie 692 Menschen vor dem Ertrinken.

www.dlrg.de


 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

Märkische Allgemeine 3.11. 2005

Bedenkliche Signale
Runder Tisch debattiert zum Problemfeld Schulsport in Brandenburg

POTSDAM Die Sportlehrer des Landes seien im Vergleich zum Bundesdurchschnitt überaltert, ein Drittel der Sportstunden an Grundschulen würde fachfremd unterrichtet und mit der Fitness der Schüler stehe es auch nicht gerade zum Besten. Diese bedenklichen Aussagen traf gestern der Runde Tisch zum Schulsport im Potsdamer Landtag, zu dem das Aktionsbündnis Schulsport eingeladen hatte.

"Die Lehrerschaft benötigt eine Verjüngung", sagte Christa Helmke, die Vorsitzende des 1998 gegründeten Bündnisses, das den Schulsport sichern und verbessern sowie kritisch Einfluss auf die Gestaltung und Umsetzung des Rahmenlehrplanes nehmen will. Bei 49,6 Jahren liegt der Altersdurchschnitt der Sportlehrer im Land. Bundesweit hatte eine Studie für Frauen 43, für Männer 45 Jahre ermittelt.

Im Podium wurde auch über die tägliche Bewegungszeit der Schüler, die Qualität der Lehrerausbildung und Einstellungsmöglichkeiten debattiert. "In den letzten dreißig Jahren hat sich das Leistungsvermögen der Schüler um zehn Prozent vermindert", merkte Frank Bittmann, Sportmediziner der Uni Potsdam an. "Dem Trend zum Sport am PC mit Daumen und Zeigefinger muss man Alternativen entgegensetzen" warnte Günter Baaske, sportpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, vor dem Hintergrund wachsender Bewegungsarmut und motorischer Defizite von Jungen und Mädchen. Ein Viertel der Viertklässler in der Uckermark sei Nichtschwimmer, so Helmke.

Bildungsminister Holger Rupprecht sagte: "Sport bleibt ein ganz besonderes Fach. Da kann viel passieren. Beim Vergleich um Kraft, Ausdauer und Geschick sollte aber der Spaß nicht zu kurz kommen. Im Sport erreicht man beispielsweise auch jene Schüler, die in anderen Fächern nur schwer zu packen sind."

Ihm kam es darauf an, dass dem Sportunterricht in den Schulämtern und in den Schulen selbst größere Priorität eingeräumt wird. Zudem setzte der Minister auf die kleinen Gesten gegenüber jenen, die sich im Schulsport oder in den Arbeitsgemeinschaften engagieren und "nicht auf die Uhr gucken".

Helmke mahnte an, dass Fachlehrer mittelfristig wenigstens ab der dritten Klasse Sport geben. Eine berechtigte Forderung, die schwer umzusetzen sei, so Rupprecht. Hinsichtlich künftiger Einstellungen junger Lehrer verwies er auf die seinem Haus auferlegten Sparzwänge. "Bei den Haushaltsverhandlungen will ich aber darauf drängen, dass nicht nur der Bildung, sondern auch dem Sport Vorrang zukommt."

Jürgen Rode von der Uni Potsdam entwickelte derweil seine Vision der Ganztagsschule: "Hier kann soziales, kulturelles und sportliches Lernen erfolgen. Vielleicht wird hier auch die tägliche Stunde Bewegung möglich."
 



 
 
Archiv |  Aktuelle News
zurück