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Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
. Beiträge zur Bedeutung des Sports in der Schule - Hinweise auf innovative Projekte
. Am Ende des Artikels werden weiterführende Links zum jeweiligen Thema angeboten.
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Welt am Sonntag 19.12. 2004
Non scolae, sed vitae discimus
Der Deutsche Sportbund beklagt den massiven Ausfall von Sportunterricht an Deutschen Schulen. Die Geigerin Anne-Sophie Mutter stellt einen neuen Lehrplan für Musikunterricht auf.Der Kommentar: Wenn der Lehrplan in den Fächern Sport und Musik aus Lehrermangel nicht erfüllt werden kann, erziehen wir nicht nur dicke und unmusikalische Kinder. Der Sport- und Kulturnation Deutschland kommt das Bewußtsein abhanden, daß Bewegung und Beethoven zum nationalen Bildungskanon gehören.
Regelmäßig sind wir von den niederschmetternden Pisa-Studien geschockt und antworten mit Notoperationen in Mathe, Deutsch und Englisch, um unseren Kindern richtige Antworten einzuhämmern. Zum Beispiel, daß zwei plus zwei vier ist. Dummerweise stellt das Leben zuweilen ganz andere Fragen: Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt, Fragen des Geschmacks, des Miteinanders und Fragen an komplexe Situationen. Um sie zu beantworten, ist mehr als die Wissensoptimierung in den vermeintlichen Hauptfächern nötig.
Eine Sportstunde sorgt für Konzentration in der Mathestunde und fördert Teamgeist. Musik lehrt logisches Denken, Sensibilität und Urteilskraft. Die Vernachlässigung der "Kaugummifächer" führt nicht nur zur Geringschätzung der Fächer selbst, sondern entzieht dem lebensorientierten Denken den Boden. Ein Land, das sich durch Beckenbauer und Bach definiert, darf den Satz "Non scolae, sed vitae discimus" nicht aufgeben. Wir lernen nicht für die Pisa-Tests, sondern für das Leben. Wenn unsere Schulen ihren Alltag danach ausrichten würden, klappt es sicher auch beim nächsten Bildungsvergleich.
Leipziger Volkszeitung 17.12. 2004
Bewegung macht schlau
Der Deutsche Sportbund klagt über zu wenig Sportstunden und schlecht ausgebildete Lehrer, der Unterricht sei oft langweilig und nicht mehr zeitgemäß. In der Grundschule Liebertwolkwitz ist davon nichts zu spüren. Das Motto lautet hier: Bewegung macht schlau.
Die Grundschüler haben doppelt so viele Sportstunden wie ihre Altersgenossen anderswo. Und seit diesem Schuljahr blickt man auch schon auf die ganz Kleinen aus dem Kindergarten. Einmal pro Woche können sich Drei- bis Sechsjährige beim Vorschulturnen in der Liebertwolkwitzer Gemeindeturnhalle austoben.Hangeln, Springen, Balancieren - das Programm ist vielseitig. "Die Kinder sollen erste Erfahrungen machen", sagt Turnlehrer Diego Villora. "Wir trainieren Beweglichkeit und Koordination. Je früher man damit anfängt, desto besser." Auch bei den Knirpsen ist der junge Mann aus Uruguay schon recht streng, legt Wert auf die richtige Haltung und Körperspannung. Immer einfach sei es mit den Knirpsen nicht. "Aber wenn ich die Übungen spielerisch gestalte und kurze, klare Anweisungen gebe, geht das ganz gut." Das mal jemand aus der Reihe tanzt, gehöre eben dazu. "Durch das Turnen lernen die Kinder Disziplin", ist Diego Villora überzeugt.
Die Hintergedanken der Pädagogen interessieren die 18 kleinen Sportler gar nicht. Für sie ist die wöchentliche Stunde eine willkommene Abwechslung. "Ich bin immer ganz gespannt, was wir wohl das nächste Mal machen", erzählt der fünfjährige Richard Mioska. "Ich mag am liebsten Bockspringen und Fußball." Sein Papa Christian ist froh, dass er den Sohnemann beim Vorschulturnen angemeldet hat. "Da kann er sich in der Gruppe bewegen und sich mal kontrolliert austoben. Das macht ihm auch viel Spaß." "Mir gefällt vor allem, dass die Kinder richtig gefordert werden, es ist nicht nur Spielerei", sagt Sabine Mägdefrau, während ihr dreijähriger Sohn Josef eifrig mit anderen zusammen die Turnmatten wegräumt. "Hier wird auch gleich geschaut, wer was besonders gut kann", so die Leipzigerin.
Sportbegeisterte Kinder können sich dann auch in die Sportbetonte Grundschule Liebertwolkwitz einschulen lassen. Es ist die einzige dieser Art in Leipzig. Und aufgrund der speziellen Ausrichtung darf sie auch Schüler aus anderen Einzugsgebieten aufnehmen. Vor drei Jahren hatte Schulleiter Christoph Edgar Arnold die Idee, das Modellprojekt zu starten. Nun haben die Kinder zusätzlich zum normalen Sportunterricht spezielle Stunden. Zur Wahl stehen Fußball, Leichtathletik und Hockey. Geplant ist auch, Turnen einzuführen. Am beliebtesten ist natürlich Fußball, das Training läuft in Kooperation mit dem FC Sachsen und dem Liebertwolkwitzer SV.
Ullrich Zempel, Trainer beim Nachwuchszentrum des FC Sachsen, hat den Sportzweig der Grundschule mit aufgebaut und leitet die Fußballstunden. "Die Kinder lernen vor allem zwei wichtige Dinge: Spielverhalten wie sich freizulaufen, Bälle annehmen oder abspielen, und soziales Verhalten. Sie entwickeln Ehrgeiz und lernen, ihren Platz im Team zu finden. Das wirkt sich auch auf die schulischen Leistungen aus", weiß der Fußballlehrer. Er träumt von einer zentralen Sportgrundschule in Leipzig, wo viele Disziplinen frühzeitig gefördert werden. "Es wäre ein Sprungbrett auf Sportmittelschule oder -gymnasium. So etwas braucht der deutsche Sport", ist Zempel überzeugt.
WAZ 16.12. 2004
Baseball mit dem externen Fachmann
Der Schüler spricht und die Ex-Lehrer lauschen gespannt - der Rollentausch wird nun mit erfolgreichen Abiturienten des Willy-Brandt-Gymnasiums umgesetzt. Der reiche Erfahrungsschatz der Absolventen aus Studium oder Berufsleben soll den jetztigen Lernenden helfen.
"Wir haben das an einer anderen Schule gesehen", erklärt Sportlehrer Clemens Oexmann. Anlässlich der Jubiläumsfeier hatte man dann die 300 anwesenden ehemaligen Schüler gefragt, wer an einer solchen Zusammenarbeit Interesse hätte. "Ein gutes Duzend hat sich gemeldet", sagt sich Oexmann. Wenn diese berichten sind Spannung und gute Tipps garantiert - u.a. ein Aufnahmeleiter von RTL, ein Biologe, der in der Antarktis forschte, ein Jurist - "Ich habe beispielsweise völlig falsch studiert" - und mit Bastian Borzichowski ein frisch examinierter Mathe- und Sportlehrer.Er bringt seit gestern frischen Wind in den Sportunterricht - in drei Doppelstunden zeigt er einem Grundkurs der Stufe 12, wie man Baseball spielt. Und anschließend, damit alle Schüler profitieren können, gehen alle acht Sportlehrer beim ausgebildeten Baseball-Trainer in die Lehre. "Pikant", findet der 55-jährige Oexmann die Situation und lächelt. "Aber die alten Sportpauker sind ja alle weg, nur Herr Oexmann ist noch da", sieht der Abiturient von 1997 kein Problem mit dem ungewöhnlichen Rollentausch, der voraussichtlich im April stattfinden soll.
Nach und nach werden dann auch die übrigen Experten des so genannten "Wissenspool" am Gymnasium den Schülern mit Rat und Tat zur Seite stehen. "Das kann Unterricht sein wie in diesem Fall", erklärt Oexmann die Alternativen, "oder sie kommen an Berufsberatungstagen vorbei und berichten, was beim Studium zu beachten ist oder wie sich der Alltag in ihren Berufen darstellt." So könnten sie der Schule etwas zurückgeben.
Elmshorner Nachrichten 16.12. 2004
Jeder lernt in seinem eigenen Tempo
Beim psychomotorischen Turnen an der Paul-Dohrmann-Schule dürfen die Kinder entscheiden.Elmshorn. 8 Uhr, erste Stunde in der Sporthalle der Paul-Dohrmann-Schule Elmshorn. In der Halle sind viele verschiedene Stationen aufgebaut. Dagmar Möwius ruft die fertig umgezogenen Kinder der ersten Klasse und der Langzeit-Klasse zur Anfangsrunde. Alle zehn Kinder setzen sich im Kreis in die Mitte. "Was seht ihr denn hier für Sachen aufgebaut?" fragt die Lehrerin in die Runde. Fast alle Kinder melden sich, einige wollen es gleich sagen. Lukas darf sprechen. "Hier vorne ist eine Schaukel, da kann man sich reinlegen und ganz hoch schaukeln. Da hinten sind Seile und noch eine ganz breite Schaukel." Es gibt auch noch ein an Seilen aufgehängtes Brett, eine Hängematte und einen Sack zum hineinsteigen. "Was ist denn wohl das Thema von diesem Aufbau?" fragt die Lehrerin. Meltak meldet sich: "Schaukeln!"
"Schaukeln und Schwingen" heißt der Aufbau in dieser Woche beim "psychomotorischen Turnen" für die Kinder der ersten bis vierten Klasse. Ganz frei dürfen die Kinder herumlaufen und an den Geräten herumturnen. In der nächsten Woche wird es ein anderes Thema geben, vielleicht "Hüpfen und Springen" oder "Klettern".
Alle Kinder rennen los, schwingen an den Seilen, stellen sich auf das wackelige Schaukelbrett oder kuscheln sich in die aufgehängte Matte. Einige mutige wie Marco schwingen an der hohen Stange hin und her und lassen sich auf die Matte fallen. "Das bringt Spaß!" ruft er.
"Die Kinder dürfen sich beim psychomotorischen Turnen ganz frei bewegen und selber entscheiden, was sie üben wollen", erklärt Dagmar Mövius. "So kann jedes Kind in seinem eigenen Tempo lernen." Die Motivation komme ganz von selber. "Wenn ein Kind etwas Tolles kann und dafür gelobt wird, wollen die anderen das auch schaffen." Tarkan versucht schon fast die ganze Stunde, sich an der horizontal aufgehängten Leiter entlang zu hangeln.
Nach einer Dreiviertelstunde ist Schluß, doch niemand will aufhören. "Kann ich da nochmal ran, das habe ich noch gar nicht gemacht", sagt Stefan. Die Lehrerinnen müssen ihn und die anderen Kinder auf morgen vertrösten.Zweimal in der Woche haben die Klassen eins bis fünf in der Paul-Dohrmann-Schule psychomotorisches Turnen. Außerdem bietet die Schule auch nachmittags eine "psychomotorische Ambulanz" für Kinder, die in diesem Bereich gefördert werden sollen. Wie in den beiden Unterrichtsstunden deutlich wurde, hat "psychomotorik nichts mit gezielter Einzelbehandlung, wie zum Beispiel bei der Krankengymnastik, zu tun. Es bezeichnet viel mehr einen Sportunterricht, in dem das Kind auf spielerische Art in natürlichen Bewegungsabläufen Erfahrungen mit seinem Körper, seinen Sinnen und der Umwelt machen kann.
"Bewegung ist vor allem heute, da viele Kinder die meiste Zeit des Tages vor dem Fernseher oder Computer verbringen, besonders wichtig. Deshalb versuchen wir, unseren Schülern gute Angebote zu machen", sagt Schulleiter Werner Hesebeck.
Neue Ruhr-Zeitung 15.12.
Zappeln nach Zahlen
MODELLPROJEKT / An der Kamp-Lintforter Overbergschule machen die Kinder jetzt täglich Sport. Nicht ganz freiwillig.Kinder, Kinder, an der Kamp-Lintforter Overbergschule bewegt sich was. Die Kleinen machen große Sprünge - und das neuerdings jeden Tag. Die Overbergschule ist eine von 25 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen, die an dem Projekt "Tägliche Sportstunde" teilnehmen. Mit dabei sind am Niederrhein unter anderm auch Schulen in Bocholt, Bislich und Orsoy. Der vierjährige Modellversuch von Ministerium, Landessportbund und anderen Partnern wird wissenschaftlich von der Uni Dortmund begleitet.Bewegung stand in Kamp-Lintfort für die Grundschüler zwar auch vorher schon auf dem Stundenplan, aber bisher waren das drei Stunden pro Woche. Nun hat die Overbergschule fürs Pilotprojekt nicht nur die Zahl der Sportstunden erhöht, sondern auch das Programm neu zusammengestellt. Fitness-Unterricht gibt´s nicht nur in der Turnhalle oder beim Schulschwimmen. Die Sportlehrer machen den Kleinen auch beim Walken im Park Beine, verlegen das Konditionstraining ab und an auf den Spielplatz und schieben auch beim Unterricht im Klassenraum immer mal wieder sportliche Trainingseinheiten ein.
Computer spielen ist aber doch so gemütlich...
Das tut nicht nur dem Körper gut, sondern soll auch das Lernen leichter machen. Zum Beispiel so: "Wie viele Buchstaben hat das Wort Weihnachten?" Lehrerin Ute Ritte stellt diese Frage nicht mit Kreide an der Tafel. Die Frau trägt Sportschuhe und steht mit Kollegin Edeltraud Grünhage inmitten von 60 Erst- und Zweitklässlern in der Halle. Eine Schülerin hat nachgezählt: Elf Buchstaben hat das frohe Fest, das sie bald mit dem Füller als neues Wort ins Heft schreiben darf. Damit sich der Buchstabenreigen schon mal einprägt, wird er in Schwung gebracht.Elf Kniebeugen, elf Mal zur Wand laufen, elf Hampelmänner. Und immer schön mitsprechen. W E I H N A C H T E N. Hohe Sprünge für große Buchstaben, flache Hüpfer für die anderen. So wird Groß- und Kleinschreibung gleich mitgeübt.
Das bringt Unterricht und Schüler auf Trab. Dringend nötig sei das, sagt Lehrerin Ritte. Auch wenn der natürliche Bewegungsdrang bei einigen da zu sein scheint - ein Hampelmann will in der Halle gar nicht mehr aufhören zu zappeln - seien viele Sportmuffel. Statt in der Freizeit draußen herumzutollen, gucken sie lieber gemütlich Fernsehen oder hocken vor dem Computer.Dieses Bild vom trägen Nachwuchs sei leider kein Klischee. Weil die Overbergschule das erkannt hat, schon seit Jahren mit Sportfesten und frischen Ideen für den Turnunterricht versucht gegenzusteuern, kam ihr das Pilotprojekt "Tägliche Sportstunde" gerade recht.Auch wenn das für die Lehrer zusätzliche Arbeit bedeutet, denn jede Schule muss ihr eigenes Konzept erarbeiten: "Wir haben nicht lange überlegt und uns sofort beworben", beschreibt Direktorin Sigrid Hamann die Prioritäten. Angeregt durch das Sportstunden-Projekt krempelte das Team die Ärmel hoch und knüpfte Kontakte zu Kamp-Lintforter Vereinen. Jetzt haben die größeren Kinder aus der dritten und vierten Klasse die Möglichkeit, nachmittags an kostenlosen Sportstunden beim Turnverein, im Tanz- oder Tennisclub teilzunehmen.
Jede vierte Stunde fällt aus
Ein solches Engagement wie das an der Overbergschule, die mit Sportlehrerin Ute Ritte in ihren Reihen eine Europameiserin im Stabhochsprung hat, scheint allerdings eher zu den Ausnahmen zu gehören. "Von den 3600 Grundschulen im Land haben sich nur 65 für das Projekt beworben", wundert sich Sigrid Hamann. Ein Ergebnis, das zur frisch veröffentlichten Studie des Deutschen Sportbunds passt. Dessen Präsident Manfred von Richthofen verkündete Anfang der Woche erste Ergebnisse.Die üblichen drei Sportstunden pro Woche stehen nur auf dem Papier", kritisiert Richthofen. Das Fazit der Untersuchung, bei der mehr als 8000 Schüler, 1000 Sportlehrer, 100 Schulleiter und 4000 Eltern den Sportunterricht bewerten: Jede vierte Stunde fällt aus, die Lehrer sind überaltert und oft nicht ausreichend qualifiziert, der Unterricht sei langweilig und nicht mehr zeitgemäß. Verantwortlich dafür sei die Bildungspolitik der Länder.In NRW, das loben die Lehrer der Overbergschule, gebe es durch das neue Projekt nun immerhin erste Ansätze einer Besserung. Allerdings macht die tägliche Sportstunde allein noch keinen guten Unterricht. Heißt: Ohne Engagement der Lehrer lockt man noch lange kein träges Kinder hinterm Computer hervor - und bringt es dazu, sich auch nach der Schule freiwillig zu bewegen.
NWZ-online 14.12.
Sportunterricht wird bei Lehrern zur Knochenarbeit
SCHULSPORT-STUDIE: Lärmpegel bei 90 bis 100 Dezibel
Niedersachsen kassiert die dritte SportstundeOLDENBURG/HN -Sportunterricht ist für die Lehrer Knochenarbeit.
Der das sagt, hat eine enge Verbindung zur Praxis. Dr. Ulf Gebken ist ein Sportwissenschaftler, die sich an den Hochschulen in Oldenburg und Hannover komplett mit dem Schulsport auseinander setzt. Wenn Gebken selbst ins Tagesgeschehen eintaucht und Sportunterricht erteilt, erfährt er intensiv die körperliche Schwerstarbeit.
Sein Kollege Prof. Dr. August Schick hat das in Zahlen erfasst. Sportlehrer sind nicht selten 90 bis 100 Dezibel Lärm ausgesetzt, stellt er fest. An industriellen Arbeitsplätzen ist bei einem solchen Pegel das Tragen von Gehörschutz vorgesehen.Die Folge ist, dass Sportlehrer mit 50 nicht mehr so flott in die Trainingshose kommen. Bei einem Altersdurchschnitt von 45 Jahren gibt es also viele Lehrer, denen die Kräfte beim Geräteaufbau, bei der Hilfestellung oder schon beim Disziplinieren von Gruppen mit 30 Schülern schwinden. Zudem wächst der Frust über die Nutzlosigkeit der Arbeit. In einer siebten Klasse mit 30 Leuten in einem Hallendrittel Sport zu treiben, ist reine Beschäftigungstherapie, winkt Dr. Werner Schmidt ab, einer der Autoren der aktuellen Schulsport-Studie.
Ulf Gebken will trotzdem nicht locker lassen. Das Problem liegt nicht unbedingt in der Grundschule, eher in der Sekundarstufe I, da brechen die 12- und 13-Jährigen weg, stellt er fest. Das Gegenmittel erfordert bestens ausgebildetes Personal: Man muss geduldig nach den Stärken der Schüler forschen und differenzierte Leistungsangebote machen.
Selbst in ihren Bewegungen einem unwuchtigen Autoreifen ähnelnde dickere Schüler lassen sich damit gewinnen. Ringen, Kämpfen, Judo oder Karate finden bei ihnen großen Anklang weiß Gebken.
Er kennt auch andere Mut machende Beispiele: In Warfleth an der Weser hat ein engagierter Lehrer Kanupolo zum großen Renner am Schulzentrum gemacht. In Oldenburg steht an der IGS Flötenteich bei den Mädchen Einradfahren hoch im Kurs. Und im ostfriesischen Wiesmoor haben Schüler, Lehrer und Kommune die KGS mit einem rundum gelungenen Bewegungspark eingekreist.
Die Landesregierung kann sich kaum Anteile an solchen Erfolgsmeldungen anschreiben. Sie hat im August 2004 klammheimlich die dritte Sportstunde gestrichen moniert Gebken. Und wenn der Experte aus den Rahmenrichtlinien für den Sport im Lande zitiert, wird es duster: Die stammen von 1982/84 und handeln auf vielen Seiten vom nicht sehr beliebten klassischen Gerätturnen. Inline-Skating, Beach-Volleyball, Wakeboard oder Triathlon gab es damals noch nicht.
SWR 13.12 2004
Schulsport laut Studie in Deutschland schlecht
Schlechte Noten für Schulsport
Jede vierte Sportstunde fällt aus, die Lehrer sind überaltert, die Unterrichtsinhalte oft langweilig oder schlicht nicht mehr zeitgemäß. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Deutschen Sportbundes (DSB). "Die üblichen drei Sportstunden pro Woche stehen nur auf dem Papier, werden aber nicht erteilt", kritisierte DSB-Präsident Manfred von Richthofen die Verantwortlichen für die Bildungspolitik in den Ländern. Über 8800 Schüler im Alter zwischen zehn und 15 Jahren, mehr als 1150 Sportlehrer und über 100 Schulleiter sowie 4350 Eltern hatten an der bislang einmaligen Studie teilgenommen - und den Sport-Unterricht an Deutschlands Schulen als unzureichend kritisiert.
Vor allem in den Haupt- und Grundschulen seien die Ergebnisse "alarmierend", warnte Sportwissenschaftler Wolf-Dietrich Brettschneider bei der Vorstellung der Studie. In den Hauptschulen unterrichtet ein Drittel der Lehrer fachfremd, in den Grundschulen habe sogar die Hälfte aller Lehrer keine Sport-Ausbildung. Insgesamt fehlten jeder fünften Lehrkraft, die Sport unterrichtet, die nötigen Kenntnisse."Ausgeglichen und fröhlich" durch Sport
DSB-Präsident von Richthofen sprach von bedenklichen Werten: "Gerade in jungen Jahren wird die Basis für das zukünftige Sporttreiben gelegt." Deshalb müssten in der Grundschule eigentlich die am besten ausgebildeten Sportlehrer arbeiten. Zudem sei es angesichts der Erkenntnis, dass Bewegungsmangel eine der Hauptursachen für übergewichtige Kinder ist, höchste Zeit, die Rahmenbedingungen für den Schulsport zu verbessern, forderte auch Brettschneider. Denn jedes sechste Kind in Deutschland sei übergewichtig, erinnerte der Experte.
Von einem qualitativ überzeugenden Schulsport könnten jedoch positive Impulse für die motorische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ausgehen. Sie seien "nicht nur fitter, sondern auch emotional ausgeglichener, fröhlicher und sozial besser integriert", erklärte der Sportwissenschaftler. Zudem wiesen sportlich aktive Kinder auch bessere Schulleistungen auf, fügte er hinzu.Fun-Sport ist gefragt
Das sehen auch mehrheitlich die befragten Schülerinnen und Schüler so: Zwei Drittel aller Schüler halten den Sportunterricht für wichtig oder sehr wichtig, nur 13 Prozent erklärten das Gegenteil. "Die Schüler wollen weg von den Traditionssportarten Leichtathletik und Turnen, hin zu modernen Sportarten, dem Fun-Sport. Das muss uns auch zu denken geben", sagte DSB-Chef von Richthofen. Hoffnungen setze er auf die künftige Ganztagsbetreuung der Jugendlichen in den Schulen: "Da werden sich neue Möglichkeiten in den Nachmittagsstunden eröffnen", sagte er.Die Studie, die vom Deutschen Sportbund und den fünf deutschen Olympia-Bewerberstädten finanziert wurde, zeigte außerdem, dass die Sportlehrer überaltert sind: Sportlehrerinnen sind im Schnitt 43 und ihre männlichen Kollegen 45 Jahre alt. Die 45- bis 60-Jährigen sind stärker an den Schulen vertreten als die Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen.
Sportunterricht in Deutschland (komplette Studie - DSB)
Tagesschauvideo zur Studie
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FAZ 13.11.2004
Schulsport-Studie
„Die Politiker kriegen die Hucke voll”
13. Dezember 2004 An diesem Montag werden in Berlin die ersten Ergebnisse der mit Spannung erwarteten Schulsportstudie vorgestellt. Leiter dieser breitangelegten Untersuchung ist Professor Wolf-Dietrich Brettschneider. Der Lehrstuhlinhaber an der Universität Paderborn gilt seit seiner aufsehenerregenden Studie über die Wirkungen des Sports als Deutschlands bekanntester Sportwissenschaftler.
Ihre sogenannte Brettschneider-Studie versetzte vor einigen Jahren die deutsche Sportszene in heftige Turbulenzen. Darf man nun auch von der Schulsport-Untersuchung spektakuläre Ergebnisse erwarten?
Es wird vielleicht nicht so einen Aufschrei geben. Aber auch diese Studie wird Unruhe erzeugen, vor allem unter den politisch Verantwortlichen. Salopp ausgedrückt: Die Politiker kriegen ganz schön die Hucke voll. Ich kann nur hoffen, daß die Untersuchung ähnlich viel bewirkt wie meine Vereinsstudie.
Inwiefern?
Es ist ja die erste Studie überhaupt, die die Situation des Sportunterrichts an deutschen Schulen untersucht, in allen Schulformen, verschiedenen Altersklassen und verschiedenen Bundesländern. Seit zehn, fünfzehn Jahren hat man diese Studie vehement gefordert, aber sie ist immer wieder an der Kultusministerkonferenz gescheitert. Wenn man die ersten Ergebnisse sieht, weiß man auch, warum: Die hatten natürlich kein Interesse daran, sich in die Karten schauen zu lassen.
Wo gibt es die gravierendsten Mißstände?
Zu den überraschendsten Ergebnissen gehört für mich der Befund, daß die meisten Schüler mehr Anstrengung und mehr Leistung im Sportunterricht wollen. Die wollen keine Kuschelpädagogik, die wollen sich bewegen und schwitzen. Das wird einige schockieren. Anstrengung und Leistung sind in der Sportdidaktik über ein Jahrzehnt tabuisiert worden. Es wird Zeit, daß man das wieder zu einem pädagogischen Schwerpunkt macht.
Die unbekannte Größe in der Schulsportdiskussion war immer, wieviel von den offiziellen Wochenstunden in Wirklichkeit gegeben werden. Was läßt sich dazu sagen?
Leider nichts Angenehmes. Im Durchschnitt fällt jede vierte Sportstunde aus. Das ist ein katastrophaler Befund. Es wird ja immer damit argumentiert, daß man drei Wochenstunden Sport hat. Aber die gibt es meistens eben nur auf dem Papier.
Wie kommen die Sportlehrer in der Studie weg?
Besser als ihr Unterricht, das ist ein bißchen kurios. Die Schüler bewerten die Lehrer im allgemeinen recht positiv, man hält sie für kommunikativ sowie fachlich und sozial kompetent. Aber die Bewertung ihres Unterrichts ist nicht gerade überschwenglich. Die Schüler haben dafür Noten im schwachen Zweierbereich verteilt. Wie gesagt, viele empfinden den Sportunterricht als langweilig und nicht bewegungsintensiv genug.
Können Sie auch etwas über die Situation an Grundschulen sagen?
Das ist der nächste Hammer. Gerade in der Grundschule und in der Hauptschule, wo ein qualifizierter Sportunterricht am nötigsten ist, sind die Lehrer nicht qualifiziert genug. Ein beträchtlicher Teil des Sportunterrichts wird von sogenannten fachfremden Lehrern gegeben, also von Lehrern, die im Sport überhaupt nicht ausgebildet sind. Da ist die Politik gefordert, ganz dringend.
Und der körperliche Zustand der Schüler?
Motorische Tests sind leider kein Bestandteil unserer Studie, das ging aus finanziellen Gründen nicht. Aber das ist gut erforscht, da kann man nichts Neues mehr erwarten. Fest steht, daß die körperliche Leistungsfähigkeit der Kinder europaweit in erschreckendem Maße abnimmt. Die Kinder von heute sind im Durchschnitt ungeschickter, unbeweglicher und dicker als früher. Da kommt ein gewaltiges gesellschaftliches Problem auf uns zu. Aber viele Bildungspolitiker haben das anscheinend noch nicht begriffen.
Kölnische Rundschau 11.12. 2004
Lernen findet nicht nur im Kopf statt“
ELSDORF. „Diese Auszeichnung bedeutet auch Bestätigung“, sagt Doris Gietzen. Seit 1999 ist sie die Leiterin der Martin-Luther-Schule für Lernbehinderte in Elsdorf und hat neben weihnachtlicher Freude derzeit einen weiteren Grund, um glücklich zu sein: Beim in diesem Jahr erstmals vom Land Nordrhein-Westfalen ausgeschriebenen Wettbewerb „Bewegungsfreudige Schulen“ wurde ihre Lehranstalt eine von insgesamt 13 Hauptpreisträgerinnen.
Indes: Das Preisgeld in Höhe von 1 500 Euro ist für Gietzen nicht das Wichtigste. Wie der eingangs zitierte Satz zeigt, geht es ihr und den Kollegen um viel mehr - um die Gewissheit nämlich, den 190 Schülerinnen und Schülern im Alter von sieben bis 17 Jahren eine gute Sozialisation mit auf den Weg zu geben. „Lernen und Motorik gehören nun einmal eng zusammen“, umschreibt die Direktorin dabei die Basis, auf der das Lehrprogramm ihrer Schule gründet.In vier Bereiche lasse sich dieses Programm einteilen: Zum einen, so erläutert Gietzen, drehe sich der Unterricht generell um Psychomotorik. Dabei werde es den Schülern ermöglicht, sich während der Unterrichtsstunden regelmäßig zu bewegen, um die Entspannung zu fördern und somit das Lernen zu verbessern. „Das kann in Form von Werkstattunterricht geschehen, aber auch durch das Aufstehen, um Arbeitsmaterial zu holen oder mit anderen Schülern zu kooperieren.“ Ein weiteres Beispiel: Die Eingangsklassen „ergehen“ zur Zeit die einzelnen Buchstaben des Alphabets, um sie sich so noch besser einprägen zu können.
Im Schulsport, so sagt der hierfür hauptverantwortliche Eike Krüger, würden häufig Aktions- und Projektwochen organisiert, die den Schülern neben klassischen Sportarten weitere Betätigungsmöglichkeiten aufzeigen: „Zuletzt gab es etwa Aikido- oder Judo-Kurse.“ Mit anderen Schulen würden zudem regelmäßig Wettkämpfe ausgetragen, auch, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. „Es ist immer wieder toll zu sehen, wie die Schüler da mitziehen“, betont Krüger.
Nicht weniger wichtig sei letztendlich die Pausen- und die Freizeitbeschäftigung. „Auf unserem Schulhof haben die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit, Tischtennis, Fußball oder Basketball zu spielen. Außerdem zeigen wir ihnen alternative Betätigungsformen wie Laufen oder Walken“, sagt Krüger. Das Lernziel hierbei heißt „Friedliche Schule“ und soll die Kinder zu zielgerichtetem wie sinnvollem Bewegen motivieren.
Ausgezeichnet werden bei der Preisverleihung im Düsseldorfer Landtag im Januar zwei weitere Schulen des Rhein-Erft-Kreises, die mit je 500 Euro belohnt werden. Zum einen ist das die Gemeinschaftsgrundschule Am Schwarzwasser in Ahe. Neben Psychomotorik und gezielter Pausenbeschäftigung habe man sich hier zum Ziel gesetzt, den Sportunterricht über die üblichen drei Wochenstunden hinaus zu erweitern, erläutert Schulleiter Christoph Lützenkirchen und ergänzt: „Das Lernen findet eben nicht nur im Kopf statt.“ So sieht es auch Rudolf Mathes, Direktor der Kerpener Pestalozzischule für Lernbehinderte. An seiner Lehranstalt werden neben einem „Praxistag Fitness und Ernährung“ regelmäßig Bewegungsparcours aufgebaut sowie erlebnispädagogische Klassenfahrten unternommen, es gründeten sich Arbeitsgemeinschaften. Den Schülern stehen zudem Werkräume für psychomotorische Übungen zur Verfügung.
11.12. 2004 Ostthüringer Zeitung
"Gesund und fit im Schulalltag"
Sportunterricht in der Schule wird nicht komplett verändert
Gestern Treff von Sportlehrern und Schulleitern zur dritten Konferenz"Wir werden ab morgen nun nicht gleich den gesamten Sportunterricht verändern. Aber ein solcher Tag bringt schon Ideen und Erkenntnisse." Das konstatierte gestern Schulsportkoordinator Steffen Schreiber am Rande der dritten Schulsportkonferenz im Friedrich-Schiller-Gymnasium in Eisenberg.
Fünf theoretische und fünf praktische Workshops - mit hochqualifizierten Referenten - bekamen die 140 Sportlehrer und Schulleiter aus den 93 Schulen des Schulamtsbereiches Stadtroda (Saale-Holzland- und Saale-Orla-Kreis) u. a. in der knapp fünfstündigen Veranstaltung zum Thema "Gesund und fit im Schulalltag" angeboten.
"Uns geht´s vor allem darum, den Kollegen neue Übungen und Trendsportarten wie den Basketball und die Aerobic für den Sportunterricht vorzustellen", erklärte Schreiber das Anliegen des Tages.
Aus eigener Erfahrung weiß er, dass es nicht immer leicht ist, gewohnte Bahnen zu verlassen und neue Wege einzuschlagen.
Dass es um die sportlichen Fähigkeiten der Schüler nicht mehr so gut bestellt ist, weiß Dr. Michael Zahl vom Jenaer Sportgymnasium sehr genau.
Er veranschaulichte das in seinem Vortrag unter dem etwas provokanten Motto "Wissenschaftler schlagen Alarm". Studien im Zeitraum zwischen 1975 und 1995 hätten gezeigt, dass Schüler im Schnitt 30 Sekunden länger brauchen für die 1000-Meter-Strecke. In der Region Hermsdorf und Stadtroda sollten sich die Schüler selbst einschätzen. Sie beurteilten ihre sportliche Leistungsfähigkeit mit gut. Die tatsächlichen Ergebnisse nach sechs Tests brachten ein befriedigendes Ergebnis.
Zahn appellierte vor allem an die Kindergärten, zweimal pro Woche Sportangebote zu unterbreiten, "denn viele Schüler hätten im Grundschulalter enorme Probleme in der Koordination."Grundsätzlich legte sich der Sportwissenschaftler deshalb auf folgende Aussage fest: Die Schüler sind heutzutage weniger fit als vor 20 Jahren. Kontinuität im Sport und im Sportunterricht seien ganz wichtig, ergänzte Schreiber. Dazu gehöre eben auch, dass bestehende Sportangebote - wie "Jugend trainiert für Olympia" - an den Schulen nicht auf Dauer gekürzt werden.
Main-Rheiner 10. 12. 2004
Sport schärft den Gerechtigkeitssinn
"Fair-Play-Preis" geht an Elisabeth-Langgässer Gymnasium und Schule im RotentalALZEY/TRIER Schülerinnen und Schüler des Elisabeth-Langgässer-Gymnasiums und der Schule im Rotental errangen mit ihrem Projekt der "Integrativen Schulolympiade 2004" den zweiten Preis für herausragend faires Verhalten im Schulsport.
"Euer Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die Umsetzung des Fair-Play-Gedankens in der Schule!": Mit diesen Worten lobte der Präsident der für die Schulaufsicht zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Dr. Josef Peter Mertes, die Schüler. Im Rahmen einer Feierstunde im Kurfürstlichen Palais in Trier verlieh ihnen der Direktions-Präsident den mit 900 Euro dotieren Fair-Play-Preis.
Das Projekt der "Integrativen Schulolmypiade" wurde im Juli diesen Jahres erstmals durchgeführt. Schülerinnen und Schüler des Alzeyer Gymnasiums und der Schule im Rotental für geistig Behinderte veranstalteten gemeinsam die Olympiade. Ziel war es, durch das gemeinsame sportliche Erlebnis Berührungsängste zwischen Behinderten und Nichtbehinderten abzubauen. Die Schülerinnen und Schüler sollten durch diese Form des sozialen Lernens zu einem sensibleren und offeneren Umgang miteinander finden.
Bei der "Integrativen Olympiade" stand nicht die Individualleistung im Vordergrund, sondern das Ergebnis der Mannschaften, die sich aus Schülerinnen und Schülern beider Schulen zusammensetzten. An den Wettkämpfen nahmen rund 60 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen acht und 18 Jahren teil.
Der dieses Jahr zum zweiten Mal ausgetragene Fair-Play-Wettbewerb möchte den Schülerinnen und Schülern die Wichtigkeit fairen Verhaltens näher bringen. Sie sollen lernen, dass Fairness, egal ob im Sport oder im Umgang mit anderen, der richtige Weg ist. "Die Verbreitung des Fair-Play-Gedankens in den Schulen ist schon seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen des Schulsportreferates der ADD, wie schon früher der Bezirksregierungen", betonte Mertes. Ein Beispiel dafür sind die seit mehr als zehn Jahren durchgeführten Grundschulturniere in den Ballsportarten. Alle Spielerinnen und Spieler der fairsten Mannschaft werden dort regelmäßig ausgezeichnet.
Die Verleihung des Fair-Play-Preises ist die Weiterentwicklung der "Fair geht vor" - Kampagne aus den 90er Jahren. Der Fair-Play-Preis für den Schulsport wurde unter anderem vom Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland unterstützt. Die finanziellen Mittel für die Preisverleihung stellte der Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz zur Verfügung.
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DSB-Presse 7.12. 2004
Bewegung und Bildung müssen zur Einheit werden
Europäisches Jahr der Erziehung: In Köln wird Bilanz gezogenBei der von der Deutschen Sportjugend (dsj) gemeinsam mit dem Deutschen Sportbund (DSB) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichteten deutschen Abschlussveranstaltung zum „Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport 2004“ (EJES) stehen 15 Workshops zur Auswahl, die sich an dem Leitgedanken „Wie sieht die bewegte Zukunft aus?“ orientieren. Sie richten sich an Übungsleiterinnen und Erzieher, an die EJES-Projektorganisatoren sowie generell an Funktionsträgerinnen und Funktionsträger im Sport. Die Teilnahme ist kostenfrei. Nach den Workshops referiert ab 16 Uhr ein Expertenteam um den bekannten Erziehungswissenschaftler Professor Christian Wopp (Uni Osnabrück) zu „Zukunftsszenarien zur Rolle der Erziehung im Sport 2020“.
In den Workshops wird ein breites Themenspektrum angeboten: Der von Dr. Hubertus Deimel und Sportlehrer Volker Anneken vom Institut für Rehabilitation und Behindertensport der DSHS geleitete Workshop „Miteinander-Gegeneinander: Wettkampf im integrativen Sport“ setzt sich zum Beispiel mit den Möglichkeiten und Grenzen des integrativen Sports auseinander und sucht nach didaktischen Lösungen. Dr. Peter Neumann von der Uni Wuppertal und Diplom-Sportlehrer Christian Barth referieren in einem medienwissenschaftlichen Workshop, der fragt: „Unterstützen Neue Medien Erziehung durch Sport?“ Dabei werden Anregungen gegeben, wie der Sportunterricht in der Schule durch den Einsatz Neuer Medien aufgewertet werden kann.
Im Workshop „Lernen braucht Bewegung“ beschäftigt sich Referent Dr. Michael Gasse vom Landesinstitut für Schule Nordrhein-Westfalen mit der Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für schulisches Lernen, Unterrichten und Erziehen. Dies geschieht vor dem Hintergrund des Konzepts der Bewegten Schule, in dem viele Ansatzpunkte entwickelt worden sind, dem Fach Sport einen neuen Stellenwert zu geben. „No dope – No hope?“, fragt ein Workshop zur Antidopingerziehung in Verein und Schule. Referent Michael Sauer vom Institut für Biochemie der DSHS führt dabei in die Problematik des Doping- und Medikamentenmissbrauchs ein und stellt die unterschiedlichen Dimensionen und Abgrenzungen des Begriffs Doping vor.
Eine detaillierte Beschreibung aller Workshops sowie die Möglichkeit der Online-Anmeldung finden Interessierte unter www.EJES-Konferenz.de im Internet.
Uni Leipzig 7.12. 2004
Maßgeschneiderte Bewegung für übergewichtige Kinder
Studie der Universität Leipzig sucht Antwort auf die Frage:
Hilft eine Extra-Sportstunde im Kampf gegen Adipositas bei Kindern?Dass Bewegung im Kampf gegen Fettleibigkeit und damit gegen viele Zivilisationskrankheiten zu den wichtigsten Waffen zählt, ist ein alte Weisheit. Doch Antworten auf Fragen, die sich speziell dem übergewichtigen Kind im Grundschulalter widmen, gab es bisher wenige. Vor allem der tatsächliche Nutzen von zusätzlichem Sportunterricht war bisher noch nicht hinterfragt worden. Deshalb läuft am Institut für Rehabilitationssport, Sporttherapie und Behindertensport (IRSB) der Universität Leipzig derzeit eine entsprechende Studie. Sie bildet die Basis für die Dissertation von Diplom-Sportlehrerin Katja Warich; betreut wird sie von Prof. Dr. Jürgen Innenmoser, Direktor des IRSB an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.
Die Studie unter dem Titel „Außerunterrichtlicher Schulsport mit übergewichtigen/adipösen Kindern an ausgewählten Grund- und Förderschulen Leipzigs“ begann schon lange, bevor die Mädchen und Jungen zum ersten Mal trainierten. Es galt, die alte Weisheit in konkrete Fragestellungen aufzugliedern. „Das ganz Spezielle an dieser Studie ist, dass wir die Aspekte einer gesunden Lebensweise in den Alltag der Kinder einbringen wollen“, so Prof. Dr. Innenmoser. „Die herkömmlich – von Kassen wie Eltern problemlos anerkannte - sechswöchige Kur mit strenger Diät und jeder Menge Sport hält nämlich in den seltensten Fällen, was sie verspricht. Wieder in ihrer alten Umgebung, gilt auch für die Kinder der „Jo-Jo-Effekt, sie nehmen erneut zu. Es ist also dringend geboten, den anderen Weg zu testen. An dessen Ziel sollte die Bewegung nicht als der Ausnahmezustand der Kur, sondern als alltägliches Vergnügen stehen.“
Aber dazu bedarf es wissenschaftlich untermauerter Konzepte. Und die wiederum basieren auf den richtigen Fragen. Katja Warich nennt einige von denen, nach deren Antworten sie sucht: „Braucht man spezielle Messverfahren um die körperliche Leistungsfähigkeit adipöser Kinder festzuhalten? Wie kann man die Kinder motivieren? Strahlt der Zusatzunterricht auf die Bewegungslust in der Freizeit aus? Zeigt eine einzige zusätzliche Stunde Sport pro Woche überhaupt Wirkung? Und wenn ja, wie sieht die aus? Es geht ja nicht nur um die Gewichtsreduktion, es geht ja auch darum, dass die Kinder bewusster mit ihrem Körper umgehen und psychisch stabil werden. Das alles, so hoffe ich beweisen zu können, kann schon mit einer Sportstunde ins Rollen gebracht werden.“
Doch vor den Schweiß hatten die Götter das Organisieren gesetzt, denn die Projektverantwortlichen brauchten Verbündete: Verbündete an den Schulen, die den regelmäßigen Ablauf der zusätzlichen Sportstunde garantieren sollten; Verbündete in den Ministerein und Ämtern, die dazu ihren Segen geben mussten; und nicht zuletzt Verbündete bei den Krankenkassen, von denen sechs (AOK, BEK, BKK, IKK, TK, Bundesknappschaft) ebenso wie die „Aktion Mensch“ Gelder locker machten.
Erst dann konnte der Startschuss fallen. Fünf Grund- und fünf Förderschulen der Stadt Leipzig suchten unter ihren Schülern jene heraus, die Übergewicht hatten und versuchten, sie und ihre Eltern für eine Sportstunde mehr pro Woche zu begeistern – möglichst mit nahtlosem Anschluss an den Unterricht, damit nicht erst Computer, Fernseher und Kühlschrank den Nachmittag einleiten. Danach folgte eine Messung der körperlichen Leistungsparameter der übergewichtigen Mädchen und Jungen. So sollten sie beispielsweise sechs Minuten ununterbrochen langsam laufen oder notfalls gehen oder aus dem Stand auf eine niedrige Stufe hinaufhüpfen. Die Ergebnisse waren teilweise erschreckend. Am Laufband wurde über die ein- und ausgeatmete Atemluft ermittelt, mit welcher Anstrengung die Kinder die Aufgabe absolvieren und wie sie diese Anstrengung subjektiv einschätzen. Als alle Messergebnisse vorlagen, begannen nach den Herbstferien die zusätzlichen Sportstunden. Angeleitet wurden die kleinen Sportler durch Absolventen des Diplom-Sportlehrer- und Magisterstudiums der Universität Leipzig und durch die Sportlehrerin einer Schule. Die Supervision des Unterrichts übernahm Katja Warich. „Von den rund 90 Kindern, die am Start waren, haben bisher die meisten durchgehalten“, berichtet Katja Warich. „Das heißt doch, dass es ihnen Spaß macht und dass unsere Methoden der Motivierung stimmen.“ Damit wäre die Frage nach Lust und Unlust bei den „kleinen Dicken“ bereits beantwortet. Erneute Messungen der Körperfunktionen werden sich vor den Osterferien und zum Abschluss der Projektes im Sommer anschließen.
Wenn ein Nutzen nachweisbar ist, könnten die durch das Projekt gewonnenen Erkenntnisse die flächendeckende Verbreitung des außerunterrichtlichen Schulsportes befördern. Gleichzeitig möchte die Studie Sportvereine anregen, sich dieser Kinder, mit denen man nirgendwo Siege erringen kann, intensiver anzunehmen.
Karlsruhe-News 2.11. 2004
Schule ganz sportlich
Fit und gesund sein wie der NikolausKarlsruhe - Statt heute im Klassenzimmer zu büffeln, gab es für die rund 220 Schüler der Grund- und Vorbereitungsklassen der Schillerschule in der Karlsruher Kappellenstraße einen ganz besonderen und vor allem sportlichen Unterricht. Unter dem Motto "Fit und gesund leben wie der Nikolaus vor seiner anstrengenden Erdenreise" standen Gymnastik, Spiele für Körper und Geist oder andere Geschicklichkeitsübungen auf dem Stundenplan.
Zunächst begann der Tag mit einer "Muntermach"-Konditionsgymnastik im Freien, darauf folgte ein umfangreiches, von den Lehrern gestaltetes Programm mit Spielen für Geist und Körper in den Schulräumen. In der Turnhalle ging es dann weiter mit einem Nikolaus-Parcours, bei dem alle Kinder mit großer Begeisterung dabei waren. Für die gesunde Ernährung wurde in den Pausen gesorgt.
Die Schillerschule führt im Rahmen ihres Schulprofils "Gesunde Schule" gleichmäßig über das Schuljahr verteilt Sportveranstaltungen für die Grund- und Hauptschule durch, um Kindern in ihrem beengten Lebensraum in der Stadt Gelegenheit zu sportlicher Betätigung zu geben.
DSJ 1.12.
DSB-Schulsportpreis "Schulsport bewegt Schule"
...so heißt das Motto, nach dem der Deutsche Sportbund/die Deutsche Sportjugend einen bundesweiten Förderpreis für Schulen als Beitrag zu einer Qualitätsoffensive für den Schulsport
ausschreibt. In diesem Jahr sollen vor allem Kooperationsformen zwischen Ganztagsschulen bzw. Schulen mit ganztägigen Angeboten und Sportvereinen im Hinblick auf die gemeinsame Ausgestaltung der Ganztagsschulen in den Blickpunkt gerückt werden.Ziel des Wettbewerbs ist es, herausragende und beispielhafte innovative Kooperationsformen zwischen Ganztagsschulen bzw. Schulen mit ganztägigen Angeboten und Sportvereinen auszuzeichnen.
Teilnahmeberechtigt sind bundesweit Ganztagsschulen aller Schularten und Schulen mit ganztägigen Angeboten (Ganztagsangebote in offener und teilgebundener Form), die Kooperationen mit Sportvereinen zur Ausgestaltung des Ganztagsangebots durchführen. Die Teilnahme erfolgt über eine schriftliche Bewerbung, die die Schulleitung und der Vorsitzende/die Vorsitzenden des jeweiligen Sportvereins/der jeweiligen Sportvereine gemeinsam einzureichen haben.
Abgabefrist der Bewerbungsunterlagen ist der 15. März 2005
DSB-Presse 30.11. 2004
Vorstellung der Schulsportstudie am 13. Dezember in Berlin
Die ersten Ergebnisse der Schulsportstudie „Sportunterricht in Deutschland“ des Deutschen Sportbundes und der Deutschen Sportjugend („DSB-Sprint-Studie“) werden am 13. Dezember 2004 in Berlin im Rahmen einer besonderen Präsentation der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der federführende Paderborner Sportwissenschaftler Prof. Wolf-Dietrich Brettschneider wird die umfangreiche Auswertung der repräsentativen Studie vor rund 150 geladenen Gästen aus Sport, Politik und Medien erläutern. Über 8800 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 10 und 15 Jahren, 1158 Sportlehrer, weit über 100 Schulleiter und über 4350 betroffene Eltern sind in 219 Schulen unterschiedlichsten Typ befragt worden.
Die in Deutschland bisher einmalige Untersuchung war vom Präsidium des Deutschen Sportbundes am 31. Januar 2003 an einen Forschungsverbund von sechs Wissenschaftlern aus Paderborn, Magdeburg, Essen, Frankfurt/Main, Augsburg und Köln vergeben worden. Die Kosten von 250.000 Euro teilten sich der Deutsche Sportbund und die fünf vormaligen nationalen Bewerberstädte um die Olympischen Spiele 2012. Die Kultusministerkonferenz (KMK) der Bundesländer gab wichtige begleitende Unterstützung, wodurch der Ablauf der Studie erheblich beschleunigt wurde.
Neben Brettschneider werden der DSB-Präsident Manfred von Richthofen und Doris Ahnen, als Kultusministerin von Rheinland-Pfalz die derzeitige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, sowie der Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Ingo Weiss, die Ergebnisse aus ihrer Sicht erläutern. Der zweite Teil der Ergebnisse wird dann Mitte nächsten Jahres veröffentlicht.
Hamburger Abendblatt 27.11. 2004
"Bewegung macht schlau"
Gesundheit: Der Sportmediziner Dirk Lümkemann über die dramatischen Folgen mangelnder AktivitätABENDBLATT: Herr Dr. Lümkemann, Deutschlands Schülern ist bei der PISA-Studie erneut ein schlechtes Zeugnis ausgestellt worden. Haben Sie als Sportmediziner eine Erklärung dafür?
DIRK LÜMKEMANN: Sicherlich sind die Ursachen vielschichtig. Unbestritten bleibt für mich, daß ein direkter Zusammenhang zwischen mangelnder Bewegung und schulischen Lernerfolgen besteht. Die körperlichen Aktivitäten der Kinder sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Bewegungsmangel steht aber in engem Kontext mit schulischen Leistungen, mit Konzentrationsfähigkeit und der geistigen Entwicklung der Kinder. Initiativen wie der morgige Kinderturnsonntag des Hamburger Verbandes für Turnen und Freizeit (VTF) sind daher zu begrüßen und breit zu unterstützen. Kinder, die sich viel bewegen, lernen schneller und besser.
ABENDBLATT: Wissen die Kultusminister um diese Kausalität?
LÜMKEMANN: Wenn sie es wissen, kann ich mir allerdings nicht erklären, warum das Thema Schulsport und Bewegungsförderung in der Schule immer noch ein Stiefmütterchendasein fristet. Bewegungsräume in Schulen werden nach wie vor nur bei Modellversuchen oder vereinzelt von engagierten Sportlehrern geschaffen, sie wären flächendeckend dringend notwendig.
ABENDBLATT: Wo liegen die Ursachen dieser Ignoranz?
LÜMKEMANN: Eine Ursache ist die Ausbildung der Erzieher in Kindergärten oder der Lehrer in Schulen, denn gerade in der Primarstufe (Klassen eins bis vier) wird Sport zu oft von Lehrern nur mitgemacht. Sport ist in der Ausbildung der Grundschullehrer und Erzieher kein ausgewiesener Schwerpunkt, der sollte es sein. Kinder haben einen natürlichen Drang zur Bewegung. Wir bremsen ihn nur viel zu oft, indem wir sie zum Beispiel mit dem Auto zur Schule fahren. Eine Schaukel und ein Sandkasten im Kindergarten sind zuwenig, wir brauchen im Sport ausgebildete Pädagogen. Ein weiterer Grund sind Vorbilder für Kinder. Treiben Eltern oder Lehrer Sport, sind nachweislich die Kinder zu einem hohen Prozentsatz sportlich. Sind Eltern übergewichtig, sind es die Kinder häufig auch. Hinzu kommt das Vorurteil, daß Eltern wie Lehrer glauben, zuviel Sport gehe zu Lasten anderer, angeblich wichtigerer Fächer wie Deutsch oder Mathematik.
ABENDBLATT: Gibt es Untersuchungen, die dieses Vorurteil entkräften?
LÜMKEMANN: Die tägliche Sportstunde, die wünschenswert wäre, hat breite positive Auswirkungen auf die schulischen Leistungen. Zahlreiche Modellversuche haben gezeigt: Bewegung macht schlau. Sie stärkt die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Bei täglichem Sportunterricht verbessern sich die Resultate in den anderen Fächern, auch wenn sie weniger unterrichtet werden.
ABENDBLATT: Offensichtlich bewegt sich die Politik zu wenig.
LÜMKEMANN: Das ist wie beim Thema Gesundheit und Prävention. Seit Jahrzehnten ist bekannt, daß chronische Erkrankungen im Erwachsenenalter zunehmen, weil sich die Menschen heute von Kindesbeinen an immer weniger bewegen. Gegengesteuert wird trotzdem nicht. Unser Gesundheitssystem reagiert in der Regel erst, wenn der Patient mit Beschwerden in die Praxis kommt. Dabei könnte sehr viel Geld gespart werden, würde vorgebeugt. Und Bewegung bleibt neben der Ernährung die beste Prävention.
ABENDBLATT: Können Sie den volkswirtschaftlichen Nutzen von Bewegung beziffern?
LÜMKEMANN: Ich zitiere dazu eine Untersuchung aus der Schweiz: Bewegungsmangel verursacht dort jährlich 1,4 Millionen Erkrankungen, mindestens 2000 Todesfälle und direkte Behandlungskosten von 1,6 Milliarden Franken (rund 1,1 Milliarden Euro). Regelmäßige Bewegung verhütet dagegen geschätzte 2,3 Millionen Erkrankungen, etwa 3300 Todesfälle und Behandlungskosten von 2,7 Milliarden Franken (1,8 Milliarden Euro). Trotz solcher Erkenntnisse werden Aspekte wie Gesundheitsförderung, Prävention und Veränderung von Gesundheitsverhalten kaum unterstützt.
ABENDBLATT: Was passiert, wenn sich nichts verändert?
LÜMKEMANN: Wenn nichts geschieht, haben wir in Deutschland nicht nur ein demographisches, sondern ein ebenso gravierendes gesundheitliches Problem, das alle Bereiche der Volkswirtschaft zu spüren bekommen. Wir sind auf dem besten Weg, ein altes und krankes Volk zu werden. Wir sind es eigentlich schon. Auf uns kommt in den nächsten Jahrzehnten bei der Behandlung chronischer "Zivilisationskrankheiten" eine Kostenlawine im Gesundheitswesen zu, die diese Gesellschaft nicht mehr schultern kann.
ABENDBLATT: Ist überhaupt noch Zeit zur Umkehr?
LÜMKEMANN: Ich setze nach den Erfahrungen der Vergangenheit weniger auf die Politik als auf jeden einzelnen, auf Schulen, Lehrer, Unternehmen, Eltern, Ärzte und Sportvereine. Es ist nie zu spät, sich zu bewegen. Selbst ein unsportlicher 70jähriger kann mit leichtem Training erhebliche gesundheitliche Effekte erzielen.
ABENDBLATT: Der Arzt, der ihm das erklären könnte, verschreibt ihm lieber Medikamente.
LÜMKEMANN: Es fehlen die Strukturen, die ärztliche Gespräche über Gesundheitsprävention unterstützen. Es gibt halt keine Verschreibungsmöglichkeit für Bewegung. Auch in der ärztlichen Ausbildung spielt Prävention trotz erster Verbesserungen noch eine zu unbedeutende Rolle. Laut einer Statistik gehen 90 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Jahr zum Arzt. Der Doktor wäre eine gute Adresse, um den Menschen ein Gesundheitsbewußtsein zu vermitteln. Das geschieht aus den genannten Gründen zu selten. Zum Schaden aller.
ABENDBLATT: Wer verhindert die Umsetzung? Die Pharmalobby?
LÜMKEMANN: Die mag kein Interesse an Prävention haben, die Politik sollte es. Die von der Bundesregierung hinzugezogenen Sachverständigen finden nicht ausreichend Gehör, obwohl sie ermittelt haben, daß in Deutschland mit langfristiger Prävention 25 bis 30 Prozent der heutigen Gesundheitsausgaben vermieden werden könnten. Zwar gibt es jetzt ein Präventionsgesetz, das geht aber nicht weit genug.
ABENDBLATT: Wie krank ist das deutsche Volk?
LÜMKEMANN: Die Zahl der übergewichtigen Kinder nimmt Jahr für Jahr zu, Motorik, Koordinations- und Belastungsfähigkeit nehmen ab, weil die natürlichen Bewegungsräume zubetoniert werden. Der körperliche Zustand der Kinder hat sich auf Grund des allgemeinen Bewegungsmangels und fehlender Angebote verschlechtert, und er wird sich noch weiter verschlechtern. Und wenn Sie bedenken, daß ein übergewichtiges Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit ein übergewichtiger Erwachsener wird, wissen Sie, was auf uns zukommt.
ABENDBLATT: Dabei dachten wir, die Deutschen seien ein Volk von Fitneß-Jüngern.
LÜMKEMANN: Die Zahlen sagen etwas anderes. Nur 13 Prozent der Bevölkerung bewegen sich auf einem Mindestniveau, das heißt, sie sind an den meisten Tagen der Woche wenigstens eine halbe Stunde aktiv. Damit ist nicht einmal Sport gemeint, sondern auch Gartenarbeit, den Hund spazieren führen oder Fahrrad fahren. 45 Prozent wiederum treiben überhaupt keinen Sport. Mit dem Alter nimmt die Passivität zu. Mehr als 70 Prozent der über 70jährigen bewegen sich kaum.
ABENDBLATT: Dabei werden überall und immer wieder breit angelegte Bewegungsinitiativen gestartet. Ist das der falsche Weg?
LÜMKEMANN: Man erreicht nachhaltige Verhaltensänderungen nur über das Umfeld Lehrer, Familie, Freunde. Große Kampagnen bringen wenig. Das Vorbild ist gefragt, der persönliche Bezug. Wenn ich ein Kind bewegen will, muß ich erst einmal die Eltern bewegen.
ABENDBLATT: Wie erreichen Sie die Eltern?
LÜMKEMANN: Eine Möglichkeit ist der Weg über Unternehmen. Zumindest einige kümmern sich - auch im Eigeninteresse - um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter in Form betrieblicher Gesundheitsförderung und Betriebssport. Mitarbeiter sind oft Eltern: Eltern der Mitarbeiter von morgen. Auf diesem Weg kann mittelfristig ein Netzwerk entstehen zwischen Unternehmen, Eltern, Schulen, Vereinen und Ärzten. Es herrscht ein persönlicher Bezug und eine individuelle Ansprache. Wie gesagt: Mit Parolen ist der Kampf um die Gesundheit nicht zu gewinnen.
ABENDBLATT: Wie dann?
LÜMKEMANN: Wenn man Mitarbeiter bei ihren Gesundheits-Verhaltensveränderungen begleitet, ihnen den Weg aufzeigt, wie es nachhaltig gelingt, sind die Auswirkungen für sie selbst und für das Unternehmen meßbar. Bei meinen Gesundheitsseminaren stellten sich nach bereits sechs Monaten Verbesserungen ein: 60 Prozent weniger Krankenstand, 43,5 Prozent mehr Kalorienverbrauch, 10,6 Prozent Abnahme empfundener Streßbelastung, 10,6 Prozent Verbesserung des objektiven Gesundheitszustands.
ABENDBLATT: Sie betonen immer wieder, daß Sie auf den einzelnen setzen. Was können wir tun?
LÜMKEMANN: Es ist nicht viel, was wir verändern müssen. Müssen wir immer den Fahrstuhl oder die Rolltreppe benutzen, brauchen wir den Parkplatz direkt vor dem Geschäft? Warum ärgern wir uns, wenn wir was liegenlassen? Es ist doch toll, dann können wir zurückgehen und uns zusätzlich bewegen! Es muß nicht immer gleich Sport sein. Eine Frau in einem meiner Seminare wollte partout keinen treiben. Sie fuhr täglich mit dem Bus zur Arbeit und nach Hause, mit einmal Umsteigen. Jetzt steigt sie nicht mehr um, sondern aus und geht die letzten zwei Stationen zu Fuß. Das sind für sie 20 Minuten zusätzliche Bewegung am Tag. Das ist ein Anfang. Interview: R. Grünberg
Lehrer-online 24.11. 2004
Projekt "Beweg dich kreativ - Sport und Internet"
Im Rahmen eines Seminars/Lehrgangs an der Uni Graz wird noch eine Schulklasse gesucht, die sich an diesem Projekt beteiligt.
Ziel dieses Projektes ist, SchülerInnen zu motivieren das Internet vermehrt für Lern- und Lehrzwecke zu nutzen. In unserem Fall beziehen sich alle Aktivitäten im Bereich Sport.
Zu diesem Zweck wurde auf www.lo.net eine Webseite mit allen Notwendigkeiten eingerichtet.
Weiteres Ziel ist, bezogen auf unser Projekt, den Vergleich zwischen einer deutschen und einer österreichischen Schule herstellen zu können.Die Schüler einer Klasse bilden mehrere Gruppen und bekommen über die Webseite, oder vom Lehrer (wird dann auf der Webseite eingefügt) ein Thema für die nächste Unterrichtseinheit gestellt. Die einzelnen Gruppen sollen in einem Brainstorming viele Ideen liefern und anschließend zur Umsetzung des Themas ein Word-Dokument (Hintergründe der sportlichen Aktivität, mit Erklärungen zum Ablauf, mit Bildern) ausarbeiten.
Dabei spielen Informationen zu den Sportarten / -aktivitäten aus dem Internet eine zentrale Rolle.
Dieses Dokument wird dann in den Webspace von lo-net hoch geladen und ist als Lehrmaterial für alle anderen Gruppen zugänglich.
Die SchülerInnen wählen dann aus den ausgearbeiteten Themen 2 bis 3 Spiele und bereiten sich auf die nachfolgende Unterrichtseinheit vor.
Während der Unterrichtseinheit können Fotos gemacht werden, die anschließend ins Netz gestellt werden. Nach jeder Unterrichtseinheit sollten von jeder Gruppe kurze Statements, Meinungen zur Übungseinheit / Spiel kommen.Am Anfang und am Ende des Projektes wird ein Fragebogen ausgegeben und anschließend ausgewertet.
Unsere erste Ausgabe der Webseite finden Sie unter http://www.lo-net.de/class/kreativ-kreativ. Dort erhalten Sie einmal einen ersten Einblick. Gegen Ende der Woche sollen die Dokumente zum ersten Thema eingesehen werden können.
TAZ 24.11. 2004
Auch Jungen wollen tanzen
Ausgerechnet mit Tanzkursen, Gesprächsrunden und autogenem Training begegnet die Laborschule Bielefeld den Defiziten des männlichen Nachwuchs. Bei den Teenies sind die Kurse ein Renner
Noch nicht alle haben die Scheu abgelegt. Einige Arme baumeln schlaff am Körper, als wollten sie dem Takt der Musik nicht folgen. Fußball spielen sind Jungen gewohnt, - aber Tanzen? In dem"Jungenkurs"an der Bielefelder Laborschule nähern sich 14- bis 16-Jährige diesem untypischen Sport.
Und doch lassen sich die Jungen freiwillig auf das Experiment ein. Sie hätten auch Gärtnern, Kochen oder Berufsorientierung wählen können. Aber ausgerechnet der Jungenkurs gilt unter den Schülern der Jahrgangsstufen 8 bis 10 als Renner, fast immer muss das Los über die Plätze entscheiden. Massimo (16) ist zum zweiten Mal dabei, er findet es "klasse, endlich einmal nur unter Jungen sein zu können". Während es sonst als Maxime gilt, Jungen und Mädchen in allen Fächern gemeinsam zu unterrichten, hat die Schule auf ein ausgemachtes Defizit reagiert. Lange Zeit stand nur die Benachteiligung von Mädchen im Fokus, nach Untersuchungen im Sportunterricht erkannte die Laborschule auch die Kehrseite: Jungen mangelt es an sozialer Kompetenz. Jeder will der Stärkste sein, selbst das Tor schießen. Dass auch ein Querpass, die Integration der Mitspieler, Sinn macht, soll der Jungenkurs lehren. "Gemeinsam mit Mädchen wäre das fast undenkbar", sagt Wolfgang Seidensticker, der das Konzept mitentwickelt hat. In dem geschützten Raum müsse sich keiner als "Gockel" präsentieren.
Beim Tanzen betreten alle Neuland, auch ein noch so tolles Trikot schindet keinen Eindruck. Eher komisch sieht es aus, wenn jemand im Dress von Bayern mit dem Hintern wackelt. "Das kostet schon Überwindung", sagt Sportlehrer Gunnar Uffmann. Als Mitschülerinnen und -schüler kichernd zuguckten, wären seine Schützlinge in den ersten Stunden am liebsten vor Scham in den Boden versunken. Ein paar Einheiten später fordert Uffmann sie auf, mit dem Gesicht Richtung Publikum ihre Choreographie vorzuführen. "Den Applaus empfinden sie als Bestätigung", sagt Uffmann.
Ein ähnliches Ziel verfolgt die Tanzeinheit vor dem Spiegel. "Das sieht nicht so gut aus", sagt Yannick, mit 14 der Jüngste im Kurs, "aber es macht Spaß." In weiteren Übungen stoßen die Jungen immer wieder an ihre Grenzen. So hat Uffmann sie ins Rhönrad steigen lassen, eine gemeinsame Kanutour ist geplant. Auch autogenes Training oder progressive Muskelentspannung zählen zu möglichen Inhalten.
Mit dem Jungen- und als Pendant eingerichteten Mädchenkurs hört die geschlechtsspezifische Förderung an der Laborschule nicht auf. Im Klassenverbund werden getrennte Gesprächskreise gebildet. Mädchen reden über Mädchenprobleme, Jungen über Jungenprobleme. Liebe, Partnerschaft und Sexualität, es sind oft die gleichen Themen. Während es Mädchen für gewöhnlich leicht fällt, sich darüber auszutauschen, öffnen sich im intimen Kreis auch die Jungen. "Sie erfahren Solidarität von den anderen", sagt Seidensticker, "und reden daher über ihre Gefühle". Als Erfolg der Jungenförderung reklamiert die Laborschule für sich, dass wesentlich weniger Konflikte mit Gewalt gelöst werden.
Auf die schulischen Leistungen hat das Programm keinen Einfluss. Wie die PISA-Studie offenbarte, sind auch an der Laborschule Jungen in Fächern wie Deutsch und Mathematik den Mädchen unterlegen. In Zusammenarbeit mit der Bielefelder Universität wird gerade ein Modell erarbeitet, wie Jungen auch diese Defizite abbauen können.
DSB-Presse 23.11. 2004
Schwimmen ist ein Menschenrecht
Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, will die sich stark verschlechternde Bädersituation in Deutschland stärker in das Bewusstsein von Politik und Öffentlichkeit rücken und die Chance auf Schwimmen als ein Menschenrecht einfordern.
DSB-Präsident empfiehlt Aktionsbündnis im Kampf um Schwimmbäder
Deshalb forderte von Richthofen auf dem Verbandstag des Deutschen Schwimm-Verbandes am 19. November in Zwickau ein pragmatisches Aktionsbündnis in engem Schulterschluss mit dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Der DSB wolle sich gerne dort einreihen und wünsche sich als Partner noch andere Organisationen und Verbände, die sportlich mit Wasser zu tun haben.
„Wir müssen verhindern, dass Menschen aller Alterstufen ihr Gesundheits- und Lebenselixier Schwimmen nicht mehr pflegen können, weil das Bäder-Netzwerk gravierende Lücken aufweist“, sagte der DSB-Präsident vor den Schwimm-Delegierten. Er verwies als eine Folge auf die ständig wachsende Zahl von Nichtschwimmern unter den Kindern und Jugendlichen: „Wir sollten dazu beitragen, das Gefahrenpotenzial entscheidend einzudämmen und dem Ertrinkungstod den Kampf anzusagen.“Viele Hallenbäder sind sanierungsbedürtig
Um die Entwicklung der Bädersituation besser darstellen zu können, haben die Sportorganisationen Zahlen zusammen getragen, die von Richthofen in Zwickau vorlegte. Danach gibt es 6.716 Bäder in Deutschland, 3.478 Hallen- und 3.239 Freibäder. Aber nachdem es in den 60-er und 70-er Jahren einen wahren Boom beim Bau der Hallenbäder in den alten Bundesländern gegeben habe, seien nun viele dringend sanierungsbedürftig. In den neuen Bundesländern ist die Lage ein wenig anders. Bei den Freibädern ist die Versorgung etwas besser als in den alten Bundesländern, dort kommen 52 Bäder auf eine Millionen Einwohner. In den alten Ländern sind es 39 Freibäder.
Ganz miserabel fällt die Auswertung im Bereich Hallenbad für die Menschen in den neuen Ländern aus. Dort gibt es nur 20 Hallenbäder pro eine Millionen Einwohner, während es in den alten Ländern immerhin 50 Bäder sind. Noch schlechter schneiden die Stadtstaaten mit 15 Hallenbädern pro Million Einwohner ab. „Nach wie vor gibt es vor allem in Ostdeutschland ganze Landkreise ohne ein einziges Hallenbad“, betonte von Richthofen. „Zweifellos ein unzumutbarer Zustand.“
Die schwierige finanzielle Situation der öffentlichen Hand würde dazu führen, dass an vielen Orten Bäder geschlossen würden, um Personalkosten und anstehende Sanierungen zu vermeiden. „Dies ist vielleicht kurzfristig der leichtere Weg“, sagte von Richthofen, „sachgerecht und zukunftsichernd, also nachhaltig, sind solche Lösungen nicht.“ Die Krise müsse vielmehr als Chance begriffen und mit Energiesparprogrammen, rechtzeitiger Sanierung und moderner Technik sollten frühzeitig Kosten gespart werden.
Spaßbäder ersetzen keine Sportbäder
Der DSB-Präsident warnte aber vor dem Weg, aus Sportbädern Spaßbäder zu machen. Dort könne nicht sportlich geschwommen werden. Dadurch ist der gesundheitliche Effekt viel geringer. Daher sollten diese Spaßbäder auch nicht mit Sportfördermitteln finanziert werden. „Vermeintlich billiges Geld aus Brüssel hat hier in mehreren Fällen bereits zu zweifelhaften Projekten geführt, deren Auslastung unzureichend und deren Zukunft daher völlig ungesichert ist“, erklärte von Richthofen in Zwickau.
Dabei hätten Umfragen immer wieder ergeben, dass Schwimmen die beliebteste Freizeitbeschäftigung der deutschen Bundesbürger sei, wie der DSB-Präsident in seiner Rede betonte. Der Leistungssport sei sicherlich auch ein wichtiges Betätigungsfeld des Deutschen Schwimm-Verbandes, aber „das eigentliche Wirkungsfeld hat einen viel größeren Zuschnitt“. „Wenn Kinder nicht schwimmen lernen und Jugendliche nicht schwimmen können, dann ist das ein gesellschaftlicher Skandal“, so von Richthofen. Und mit Blick auf die Gesamtsituation solcher Aufgabenstellungen und vor dem Hintergrund des Gefahrenpotenzials durch den drohenden Ertrinkungstod seien unerfüllte Erwartungen um Meisterschaften und Medaillen „nun wirklich die sprichwörtlichen Peanuts“.
Neue Ruhr-Zeitung 19.11. 2004
Schüler dürfen täglich toben
BILDUNG / Die Overbergschule beteiligt sich an einem Projekt des Landes, bei dem Sport und Spiel groß geschrieben werden.
KAMP-LINTFORT. Immer mehr Kinder entwickeln sich zu Bewegungsmuffeln. Das weiß man auch bei den Landesministerien. Abhilfe könnte da eine tägliche Sportstunde an den Grundschulen schaffen. An diesem Projekt konnten sich 3600 angeschriebene Schulen beteiligen. Eine der 25 jüngst auserwählten ist die Overbergschule.
Bis 2008 soll das Projekt laufen, das wissenschaftlich von der Universität Dortmund begleitet wird. Für die Schule gibt´s gewissermaßen als Bonbon Mittel für mehr Ausstattung, um das größere Angebot an Bewegung, Sport und Spiel umsetzen zu können.
Der tägliche Sportunterricht soll so breit wie möglich gefächert sein. Leichtathletik, Turnen, Spiel, Rhythmik, Tanzen und Schwimmen stehen daher für die 150 Overbergschüler auf dem Stundenplan.
Sie Schule bietet beste Voraussetzungen für die tägliche Sportstunde. Eine Zweifachturnhalle und ein Schwimmbad sind in wenigen Minuten erreichbar. Ein schöner Park hinter der Schule lädt mit einem großen Spielplatz ein. Dort gibt es auch Klettergerüste, eine Torwand, Hinkelkästchen und ein Fußballfeld. Besonders bewegungshungrige Schüler können sich in den Unterrichtspausen vielfältige Sportgeräte ausleihen. Und das Beste: Neben all diesen Sportangeboten muss Bewegung auch in den übrigen Unterrichtsstunden zugelassen werden. Das bewirkt Ausgleich und Entlastung vom vielen Stillsitzen und sich Konzentrieren.
Es war der bekannte Pädagoge Pestalozzi, der herausfand, dass Schüler nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit Herz und Hand lernen. Inzwischen wissen Experten, dass Bewegung mehrere Sinnesorgane anspricht, was wiederum das Lernen nachhaltiger macht und die Lernbereitschaft fördert.
Träger des Projektes sind unter anderem das Sport- und das Schulministerium und der Landessportbund. In Lintfort beteiligen sich der Lintforter Turnverein, der Tanz-Club und der Tennis-Club Blau-Weiß an dem Projekt.
Yahoo 18.1. 2004
Sportunterricht mit Fitnesstraining erhöht Leistungsfähigkeit
Magdeburg/Halle. Gezieltes Fitnesstraining sollte nach Ansicht von Wissenschaftlern Einzug in den Sportunterricht an Schulen halten. Ein entsprechendes Konzept hat die Martin-Luther-Universität in Halle am Donnerstag vorgestellt. Nach einem halbjährigen Test mit 1000 Schülern in 24 Gruppen in ganz Sachsen-Anhalt habe sich der leistungssteigernde Effekt durch Fitnessübungen «eindeutig bestätigt», sagte der Sportwissenschaftler Andreas Günther. Bereits nach 36 Stunden zeigten sich die Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren körperlich kräftiger, motorisch sicherer und ausdauernder.
Ihr so genannter Ganzkörperkraftwert liege um 17,5 Prozent höher als bei Vergleichspersonen im traditionellen Spritunterricht, sagte Günther weiter. Mädchen und Jungen profitieren zudem von dem Programm gleichermaßen. Zugleich erhielten sie im Unterricht Anregungen für ein gesünderes Leben. Modernere Methoden müssten schnell im Schulsport Anwendung finden, erklärte Gerd Kuhnert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Sachsen-Anhalt, die die wissenschaftliche Untersuchung der Halleschen Universität unterstützte. Er nannte den schlechten körperlichen Zustand von Schülern bedenklich. Von den 8- bis 18-Jährigen seien rund 30 Prozent übergewichtig. Fast jeder vierte habe Kreislaufprobleme, zwei Drittel weisen Haltungsschwächen auf.
Der Direktor des Institut für Sportwissenschaft an der Universität Halle, Siegfried Leuchte, kritisierte Sachsen-Anhalts Kultusministeriums. Es habe sich bislang für die deutschlandweit beispielhafte Untersuchung nicht interessiert. Es gebe bislang keine Resonanz auf die neue Methode im Sportunterricht.
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Schulsport NRW-Pressemitteilung 16.11.2004
Mehr Information zum Schulsport im Internet
Schulsportportal "Schulsport-NRW" wird ausgebautNRW-Sportminister Dr. Michael Vesper hat heute (16.11.2004) in Dortmund eine Vereinbarung unterzeichnet, die dem „Schulsportportal NRW“ (www.schulsport-nrw.de) für
die nächsten vier Jahre die Zukunft und den Ausbau sichert. Träger neben dem Land sind der Gemeindeunfallversicherungsverband Westfalen-Lippe, der Rheinische
Gemeindeunfallversicherungsverband und der BKK-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Die Laufzeit der Vereinbarung endet am 31. 12. 2008.Sportminister Vesper: „Das Schulsportportal NRW ist Grundlage für Interaktion und Kommunikation auf allen Ebenen der Schulsportentwicklung. Schon heute wird es mit monatlich über 2,2 Millionen Seitenzugriffen sehr gut angenommen. Wir wollen es erweitern, um auch die Schülerinnen und Schüler stärker anzusprechen. Ich freue mich, dass uns auch in Zukunft mit den Gemeindeunfallversicherungsverbänden und dem BKK-Landesverband Nordrhein-Westfalenkompetente Partner beim Ausbau mit Rat und Tat zur Seite stehen.“
Die Internetplattform soll auf der Grundlage der aktuellen fachpolitischen Schwerpunkte und fachpädagogischen Rahmenvorgaben der Landesregierung den Schulsport in NRW stärken und seine Qualität weiter entwickeln. Sie vernetzt interessierte Institutionen, Organisationen und Personen. Dadurch können Informationen zu allen relevanten politischen, pädagogischen und rechtlichen Fragen des Schulsports bereitgestellt werden.
Mit einem speziellen Internetangebot für Schülerinnen und Schüler soll das Schulsportportal nun zu einem wirksamen Instrument der gesundheitlichen Prävention im Kindes- und Jugendalter ausgebaut werden. Darüber hinaus ist geplant, die Themenfelder „Sicherheitsförderung“ und „Gesundheitsförderung“ neu zu strukturieren.
Heidenheimer Zeitung 16.11. 2004
Im Sportkindergarten dürfen die Kleinen täglich 30 Minuten herumtoben
Vom Bewegungsvirus angesteckt
Freiburger Einrichtung war Vorreiterin in Deutschland - Die Warteliste ist langIm Freiburger Sportkindergarten dürfen die Drei- bis Sechsjährigen, angeleitet von Pädagogen, täglich eine halbe Stunde lang ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Damit wird nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Entwicklung der Kleinen gefördert.
Putzmunter rast die fünfjährige Leonie im Sportkindergarten der Freiburger Turnerschaft (FT) durch die Turnhalle. Sie hüpft übers Trampolin, turnt an der Kletterwand, jagt Luftballons hinterher. Am liebsten aber, so verrät sie, fährt sie Rollschuh. Sportreferent Günther Giselbrecht ist stolz auf die Erfolge in dem 1973 gegründeten Sportkindergarten - damals die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland.
"Unser Ziel ist es, den Kindern einen Bewegungsvirus einzupflanzen", sagt der Pädagoge. "Wir sind hier keine Leistungssportschmiede", betont er. Vielmehr gehe es darum, dass die Kinder täglich rund 30 Minuten lang ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben können. Die Voraussetzungen bei der FT, dem größten Freiburger Sportverein, sind ideal. Denn hier stehen die entsprechenden Übungsräume und Hallen samt Sportgeräten zur Verfügung. Den Sportunterricht besorgen Sportpädagogen, was die Einrichtung von Bewegungskindergärten unterscheidet. Dort sind Erzieherinnen für die Übungen verantwortlich.
Das Angebot des Sportkindergartens fördere nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Entwicklung der Drei- bis Sechsjährigen, ist sich Giselbrecht sicher. Denn seit Jahren sei festzustellen, dass die Bewegung bei Kindern zu kurz komme. Statt Herumtoben stehe oftmals der Computer- und TV-Konsum im Vordergrund. "Die Kinder sind heutzutage oft sehr unbeweglich, was häufig Auswirkungen auf die Lernfähigkeit hat." Koordinationsübungen, etwa beim Trampolinspringen, bei Überkreuzbewegungen oder aber auch bei Tastspielen sorgten dafür, dass sich die Zusammenarbeit von linker und rechter Gehirnhälfte verbessere. Eine Pilotstudie soll nun die entsprechenden Lernerfolge wissenschaftlich belegen. Darüber hinaus sei der Sport natürlich gesundheitsförderlich. Giselbrecht erinnert daran, dass bundesweit gut die Hälfte der Kinder Haltungsschwächen hat.
Der tägliche Sportunterricht ist eingebettet in ein Gesamtkonzept. Das gemeinsame Frühstück gehört ebenso dazu wie Malen, Singen, Spielen im Haus, auf dem Spielplatz und im nahe gelegenen Wald. Am Ende steht der Stuhlkreis. Und dass hier nicht nur die Kleinen von den Großen lernen, weiß die Leiterin der Einrichtung, Katerina Kalogerudi, zu berichten. Das erste Mal, als die Erzieherin auf Rollschuhen stand, erklärte ihr eine Sechsjährige: "Du musst einfach deine Angst vergessen, dann kannst du fahren." "Derzeit betreuen wir rund 300 Kinder", sagt Kalogerudi. Die Sozialpädagogin ist überzeugt, dass die Kinder in der Einrichtung schon früh Selbstvertrauen erlangen und die Übernahme von Verantwortung lernen. "Wir packen hier die Koffer fürs Leben", sagt sie. Bereits vor zehn Jahren hat Kalogerudi dafür gesorgt, dass zusätzlich zwei integrative Gruppen angeboten werden. "Nicht behinderte Kinder sollen von klein auf erfahren, dass es Menschen gibt, die ein bisschen anders sind, aber genau so wertvoll und liebenswert." Gemeinsam spielen Behinderte und Nichtbehinderte miteinander und treiben Sport. Das Konzept des Sportkindergartens scheint anzukommen. Die Warteliste ist lang und meist werden die Kinder schon kurz nach ihrer Geburt angemeldet. Regelmäßig informieren sich auch Erzieherinnen traditioneller Kindergärten über das Konzept und nehmen an entsprechenden Fortbildungen der Einrichtung teil. Mittlerweile hat der Sportkindergarten eine Zweigstelle im Stadtteil Rieselfeld eröffnet.
Evangelischer Pressedienst 12.11.2004
Schülerprojekt zur Fussball-WM 2006 gestartet
Klinsmann und Lübecker Bischöfin starten Fußballprojekt zur WM 2006
Berlin (epd). Unter dem Motto «WM Schulen - Fair Play for Fair life» ist am Freitag in Berlin ein bundesweites Schülerprojekt von Sport, Politik und Kirche zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gestartet worden. In den kommenden anderthalb Jahren werden Mannschaften von 204 Schulen je ein Mitgliedsland des Weltfußballverbandes FIFA als Botschafter vertreten und um den Einzug in die Endrunde des großen WM-Schulfestivals im Juni 2006 in Potsdam kämpfen (www.wmschulen.de).Die ersten Teams wurden von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und der Lübecker evangelischen Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter ausgelost.
Neben dem sportlichen Wettbewerb werden sich die Schüler in den kommenden Monaten intensiv mit ihren Partnerländern beschäftigen. Dabei werden sie vom evangelischen Hilfswerk «Brot für die Welt» unterstützt, das unter anderem Kontakte vor Ort vermittelt sowie entwicklungspolitisches Unterrichtsmaterial bereitstellt.«Fußball ist mehr als das organisierte Spielen im Verein», betonte Klinsmann. Das Kicken bringe Kindern auch eine gemeinsame Sprache bei und überwinde soziale und kulturelle Schranken. Über das Projekt sollen die Schülerinnen und Schüler die Bedeutung eines fairen und partnerschaftlichen Umgangs erfahren, sagte Wieczorek-Zeul. Nur so könne der Grundstein für eine friedliche Welt gelegt werden.
Das Motto der Aktion habe «Brot für die Welt» erfunden, so Wartenberg-Potter. Seit Jahren werbe es unter dem Slogan «Fair Play for Fair Life» für faire Spielregeln im Zusammenleben der Menschen weltweit.
Die Qualifikationsturniere für die Endrunde mit noch 32 Teams sind nach den Sommerferien 2005 geplant. Sie werden nach dem Vorbild der großen Kontinentalmeisterschaften organisiert: die Copa America wird in Stuttgart ausgetragen, der African Cup of Nations in Wittenberge (Brandenburg), die Europameisterschaft in Hamburg und die Asienmeisterschaft in Halle an der Saale.
Träger des WM-Schulprojekts ist «streetfootballworld», eine Initiative der Stiftung Jugendfußball, deren Präsident Jürgen Klinsmann ist. Neben der inhaltlichen Unterstützung stellt «Brot für die Welt» zudem rund 100.000 Euro zur Verfügung, weitere 200.000 Euro kommen vom Bundesentwicklungsministerium.
Oberhessische Presse 12.11. 2004
Diskussion
Gespräch über Bewegungsmangel
Am Donnerstagabend sprach Ministerialrat Klaus Paul vom hessischen Kultusministerium im Philippinum über den „Bewegungsstatus von Kindern“Das Bild von immer fauler, dicker und unsportlicher werdenden Kindern, die als „Generation XXL“ in diesen Tagen verstärkt ins Blickfeld gerückt werden, bestätigt sich in einer aktuellen Studie der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), des Deutschen Sportbundes und des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands an mehr als 20.000 Kindern und Jugendlichen.
Die Ergebnisse dieser Studie stellte Klaus Paul vor. Rund 50 Gäste, vor allem Lehrer und Elternvertreter, kamen zu der öffentlichen Veranstaltung ins Kultidrom des Gymnasiums Philippinum.
Die Ursachen für die Entwicklung hin zu einer „unbewegten“ Generation sind falsche Ernährung und die „Verhäuslichung“ der Kinder durch Fernsehen und Computer statt Sport: Bis zu 108 Minuten sieht ein Kind am Tag fern, für Sport bleiben oft nur 15 Minuten. Die körperliche Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen hat in den vergangenen 20 Jahren stark abgenommen, die gesundheitlichen Probleme wie Kopfschmerzen nehmen jedoch zu.
Frau Dr. Andrea Schroer, Fachdienstleiterin des kinder- und jugendärztlichen Dienstes im Gesundheitsamt, zeigte, dass diese Probleme auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf zunehmen: Im Jahr 2003 waren 10,5 Prozent der Schulanfänger motorisch auffällig. So gelang es etwa einem Teil der Kinder nicht, auf einer Linie rückwärts zu gehen. Elf Prozent der Kinder waren zudem übergewichtig, weitere vier Prozent litten sogar unter Adipositas, das heißt: unter krankhafter Fettsucht.
Am Beispiel einer Bad Homburger Schule, in der Bewegung verstärkt gefördert und gefordert wird, wurde deutlich, dass dort die Leistungsfähigkeit besser ist, Aggressionen und Sportunfälle dagegen seltener vorkommen.
In der anschließenden Diskussion zwischen Gästen und Ministerialrat wurden sowohl Ideen und Ansätze für mehr Bewegung deutlich als auch Probleme und Grenzen. An der Richtsbergschule gibt es bereits ein spezielles Sportangebot für übergewichtige Kinder, die am normalen Sportunterricht nicht teilnehmen können.
Ein weiteres Ziel sei die Zusammenarbeit mit Sportvereinen. Bewegung und Natur lassen sich aber auch einfach durch einen Waldspaziergang vermitteln. Sportunterricht habe leider auch noch keinen großen Stellenwert, sagte Paul, denn er habe noch nie Beschwerden erhalten, wenn dieser einmal ausfalle.
Weitere Probleme, wie die Überbelegung oder der Leerstand von Sportstätten sowie die Einseitigkeit des Sportunterrichtes, in dem „Grundsportarten“ zu kurz kommen, seien vorwiegend organisatorischer Natur, meinte der Mann aus dem Ministerium.
Auch hätten Kinder und Jugendliche oft kein Verhältnis zum Sport, meinte er: „Hier sind Eltern und Gesellschaft gefragt, die den Kindern Vorbild sein müssen und Ihnen den Wert und den Spaß an Sport und Bewegung vermitteln müssen.“
So wurde in der Diskussion deutlich, dass Familie, Schule, Gesellschaft und Politik gefordert sind. Paul forderte dazu auf, im Kleinen und Konkreten anzufangen.
So bat er seine Zuhörer nach zwei Stunden, sich von den Stühlen zu erheben, um eine kleine Dehnübung zu machen: „Eine einfache Bewegung, die auch ein Mathelehrer zur Konzentrationsförderung anbieten könnte.“
Neue Ruhr-Zeitung 12.11. 2004
Erst Vergnügen, dann die Arbeit
PROJEKT / Eine vierte Klasse in Orsoy hat jetzt mehr Sportunterricht und wirkt deshalb viel ausgeglichener.RHEINBERG-ORSOY. Völlig erschöpft lassen sich die Viert-klässler in ihre Stühle fallen. Zufrieden nimmt Lehrerin Bianca-Maria Schumann die Ruhe im Klassenraum zur Kenntnis. Nach dem Sportunterricht sind die Schüler zu müde, um noch Blödsinn zu machen. Stattdessen können sie jetzt zuhören und lernen. "Ich kann mich dann sehr gut konzentrieren", betont Alessa (9).
Seit Anfang des Jahres nimmt die vierte Klasse der Orsoyer Grundschule an einem Pilotprojekt des Landes NRW teil. Sie ist eine von 25 Grundschulen, an denen geprüft wird, wie Bewegung, Spiel und Sport die Bildung und Erziehung besser unterstützen können. Jede der Klassen hat ein Jahr lang jeden Tag eine Stunde Sport.
Aufgeschlossener und offener
"Bisher kann ich das Projekt weiterempfehlen", zieht Bianca-Maria Schumann nach den ersten Wochen ein positives Fazit. So stellt die Klassenlehrerin fest, dass die Kinder seit dem neuen Stundenplan viel aufgeschlossener und offener gegenüber der Schule sind. "Es ist jetzt viel schöner, in die Schule zu gehen", bestätigen Denise (10) und Nils (9). "Die Schüler kommen morgens schon mit der Frage in die Schule, wann endlich der Sportunterricht beginnt", sagt Bianca-Maria Schumann.
Unter anderem steht montags in Orsoy eine Doppelstunde Schwimmen auf dem Stundenplan, und freitags geht´s mit dem Schulbus zur Turnhalle. An den anderen Tagen wird der Sportunterricht in der Schule gestaltet. "Wir haben mit dem Zuschuss des Landes jetzt neue Basketbälle gekauft", freut sich die Lehrerin. Selbst bei kaltem Wetter im Herbst stürzen die Kinder nach draußen, um ihr Passspiel zu üben.
"Basketball ist sehr praktisch, da alle Schüler keine Vorkenntnisse hatten und sich deshalb gemeinsam verbessern können", erzählt die Pädagogin. So steigt mit der Übung und der Verfeinerung ihrer Fähigkeiten auch die Motivation, Sport zu machen. In den nächsten Wochen werden sich die Kinder mit Jonglage beschäftigen. Das ist ebenfalls für die meisten Neuland.
Friedliches Fußballspielen
Natürlich wird ab und zu auch Fußball gespielt - aber nur wenn jeder an den von allen unterzeichneten Vertrag für "friedliches Fußballspielen" denkt: "Wer mitkicken will, fragt vorher die anderen. Ich akzeptiere, dass ich im Zweifelsfall nicht darf. Und ich kann mich auch mit Klettern, Schauckeln oder anderen Sachen beschäftigen" - so ähnlich lauten einige Klauseln, die die Kinder stets einhalten müssen.
Das Richten nach Regeln wie im Sport überträgt sich bei den Viertklässlern auch auf den restlichen Unterricht. "Ich kann die Schüler jetzt viel häufiger in kleinen Gruppen arbeiten lassen, weil sie besser auf die anderen eingehen und sich auch dort an die Regeln halten", so die Lehrerin. In der nächsten Woche erwartet sie einen Studenten, der das Projekt mit seiner Diplomarbeit wissenschaftlich begleitet.
Allgemeine Zeitung 11.11. 2004
Drei Sportstunden pro Woche zu wenig
Sportmediziner fordern mehr Bewegung / Landesweiter Kinderturn-SonntagALZEY Bei der Aktion "Kinderturnsonntag - Entdecke den Schatz in dir!" bieten landesweit Vereine besonders Kindern, die bisher noch nicht regelmäßig Sport treiben, einen Fitnesstest an. Zahlreiche Bewegungsangebote sollen Kinder zu mehr motorischen Aktivitäten motivieren. Als Anreiz winkt ein kostenloses Schnuppertraining im Verein bis Ende des Jahres.
"Bewegung früh fördern", "Fitte oder fette Kinder?", "Stärken durch Spiel, Toben, Klettern", "Spaßsport gegen Bewegungsarmut": Das sind Schlagzeilen, die man immer wieder liest, wenn - belegt durch entsprechende Untersuchungsergebnisse - auf Defizite in der Bewegungserziehung von Kindern hingewiesen wird. Tatsächlich gilt: Kinder und Jugendliche, die sich regelmäßig intensiv bewegen, Sport treiben und Durchhaltevermögen im Training zeigen, haben auch mehr Kondition und Koordinationstalent. In der Regel haben sie auch in der Schule bessere Noten und Erfolge.
Viele Vorteile also gegenüber bewegungsunlustigen Stubenhockern. Allerdings, so kritisieren Sportmediziner, reicht das Sportangebot in der Schule bei Weitem nicht aus. Drei Stunden Sport in der Woche sind zu wenig, kritisieren Mediziner. Kindern bis 12 Jahren müsste mindestens eine tägliche Bewegungsstunde geboten werden.
Eine echte Alternative zum Schulsport bietet der Sport im Verein. Bewegung im Kindes- und Jugendalter war schon immer ein Schwerpunkt der Turn- und Sportvereine. Ob Bündnis für gesunde Kinder, Kinderturnclub, Schule und Verein, Mutter und Kind-Turnen: Diese und viele ähnliche Angebote zeigen dies.
Für die Aktion der drei rheinland-pfälzischen Landesturnverbände Mittelrhein, Pfalz und Rheinhessen im Rahmen des "Bündnisses für gesunde Kinder" hat die Ministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit in Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, die Schirmherrschaft übernommen. Unterstützt wird die Aktion zudem von der IKK Rheinland-Pfalz.
Der TV 1846 Alzey e.V. hat sich mit etwa 1000 Vereinen in Rheinland-Pfalz dieser Aktion angeschlossen. Am kommenden Sonntag, 14. November, findet in der Halle der Albert- Schweitzer-Schule ein Kinderturntag statt. Die Kinder können einen Fitnesstest mit verschiedenen Disziplinen absolvieren - wie zum Beispiel Fernglaslaufen, Sackrennen, Maxi-Zielwurf und ähnlichen Geschicklichkeitstests. Auch Eltern können daran teilnehmen. Nach erfolgreicher Teilnahme bekommen die Kinder eine Urkunde. Die Techniker-Krankenkasse unterstützt den Verein mit einem Info-Stand über die richtige Ernährung für Kinder; zudem wird den Teilnehmern ein vitaminreicher Imbiss zur Verfügung gestellt. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Informiert wird zudem über das sportliche Angebot des Vereins, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Wichtig auch: Hallenturnschuhe mitnehmen! Denn die Sporthalle darf nur mit Turnschuhen mit heller Sohle betreten werden.
Westdeutsche Allgemeine 11.11. 2004
Nordic-Walking als Schulsport
Heute ist es soweit. Trotz ungewisser Wetterbedingungen wird Nordic-Walking als Nachhilfe für den Schulsport vorgestellt.
Der Arbeitskreis Schulsport startet im nächsten Jahr nämlich ein Pilotprojekt für die gesamte Bundesrepublik, wird dabei auch vom Kreisgesundheitsamt unterstützt.Zwischen 15 und 17 Uhr gibt es für 30 angemeldete Sportpädagogen der Stadt die Möglichkeit, in der Walter-Lohmar-Halle und auf dem ETG-Sportplatz an der Maybachstraße Kontakt mit den Stöcken aufzunehmen, die in Deutschland mittlerweile schon über zwei Millionen Menschen in die Hände nehmen.
Der Trendsport soll dann den Kindern nähergebracht werden. Auch weil es der Arbeitskreis nicht mitverantworten möchte, dass die Bewegungsarmut des Nachwuchses noch weiter zunimmt und die Zahl der übergewichtigen Kinder in der Ruhrfestspielstadt steigt. Nordic-Walking als "Ganzkörpersport" kann da ein erster Schritt sein.
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Westfälischer Anzeiger 10.11. 2004
Rechtzeitig Schmerzen vorbeugen
Gesundheitsforum informiert am 18. November im Kolpingsaal zu Rückenproblemen Schulkinder sollen durch besonderes Programm Spaß an der Bewegung bekommen
WERNE · "Rückenschmerzen sind einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch, und sie sind Ursache vieler Arbeitszeitausfälle und Frühberentungen", stellte Dr. Hans Piepenbrock, erster Vorsitzender des Gesundheitsforums Werne, fest. "Deshalb ist es besonders wichtig, Kindern frühzeitig Handlungsmöglichkeiten auf den Weg zu geben, derartigen Schmerzen vorzubeugen", machte der Allgemeinmediziner gestern im Beisein vom Geschäftsführer des Forums, Gert Fälker, und Physiotherapeut Olaf Zapf deutlich.
Die drei haben in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern des Gesundheitsforums über ein Jahr an ihrem Projekt "Prävention von Haltungsschäden und Rückenproblemen durch qualifizierten Turn- und Sportunterricht - Interventionsstudie bei Schulanfängern" gearbeitet. Die Ergebnisse der Studie stellen sie nun am Donnerstag, 18. November, von 17.15 bis 21.15 Uhr im Kolpingsaal der Stadt Werne vor.
Ziel der Studie ist es laut Zapf, nachzuweisen, dass es durch einen besonders gestalteten Sportunterricht möglich ist, frühzeitig positiv auf die Haltungs- und Bewegungskompetenz von Kindern einzuwirken. "Damit können wir die Grundlagen für die eigenverantwortliche und rechtzeitige Vorbeugung schaffen", sagte der Physiotherapeut. Gemeinsam mit weiteren ortsansässigen Therapeuten betreut Zapf eine ausgewählte Trainingsgruppe von Kindern, die nach Untersuchungen an der Uhland-, Weihbach- und Wienbredeschule gebildet wurde.
"Unter dem Titel ‚Sinnvoll‘ wurde für sie ein Programm entwickelt, dass alle Sinne der Kinder ansprechen sollte. So wollen wir Spaß an der Bewegung vermitteln und gleichzeitig einen deutlichen Trainingseffekt erzielen", erklärte Zapf. Eine weitere Kontrollgruppe von Kindern nimmt am regulären Sportunterricht teil. "Nach einem halben Jahr wurden die Tests wiederholt und wissenschaftlich ausgewertet", sagte Piepenbrock.
Die Veranstalter hoffen, dass das Symposium nun auf eine möglichst breite Resonanz bei der Werner Bevölkerung trifft. "Denn für den Erfolg unseres Projekts ist es wichtig, dass sich möglichst viele Menschen - egal, ob Schüler, Eltern, Lehrer oder Ärzte - mit den Ergebnissen der Studie vertraut machen", hofft Piepenbrock auf viele Gäste. Eine Anmeldung ist nach Angaben der Organisatoren für die vierstündige Veranstaltung, bei der mehrere Referenten reden werden, nicht erforderlich.
Thüringische Landeszeitung 8.11. 2004
Jahr des Schulsports in Thüringen
Sport-Ass: Fortsetzung folgt
Jena. Großes Finale für das Jahr des Schulsports in Jena. Der Sportunterricht ist an vielen Schulen aus seiner Nebenrolle herausgetreten. Die größten Sportasse der Jenaer Schulen wurden am Sonnabend fast schon oskarmäßig ausgezeichnet. Wie Sportunterricht noch interessanter und motivierender werden kann, darüber redeten Lehrer in der Gesamtschule Grete Unrein.
"Soziale Anerkennung ist eine der stärksten Motivationen", sagte Schulamtsleiter Frank Schenker. Er selbst stand als Lehrer früher mindestens eine Stunde pro Tag in der Halle und hat das Tippen der Medizinbälle noch im Ohr. Guter Sportunterricht sei nicht weniger harte Lehrerarbeit, als das Kontrollieren von Aufsätzen bis tief in der Nacht. Sportkoordinatorin Kathrin Treske sprach über die jüngsten Erfolge des Sportunterrichtes. 2003 wurden die Prüfungen im Fach Sport für den Haupt- und den Realschulabschluss eingeführt. In der Thüringer Rahmenstundentafel sind in Klasse 5 bis 10 nun drei Stunden pro Woche angesagt. Sie appellierte an die Verantwortung der Jenaer Schulleiter, dies auch durchzusetzen. Als Argumente bekamen die Sportlehrer Erkenntnisse aus der Hirnforschung zu hören. Zum Beispiel die, dass körperliche Bewegung die Gehirndurchblutung und die Hirnplastizität fördert. Motorische Überkreuzübungen unterstützen überdies die Koordination zwischen den beiden menschlichen Gehirnhälften.
Eine schöne Aktion aus dem olympischen Schulsportjahr soll in Jena fortgesetzt werden. Die Wahl der Sportasse in den Klassen und Schulen. Die Sportasse für die Stadt wurden in der IGS mit Blumen und Medaillen bedacht. Richtig feierlich. Dass Gymnasialstufen-SportAss Philipp Sonnenberg nicht nur ein prima Crossläufer und Trainer ist, sondern als Berufswunsch Sportlehrer nennt macht Mut für künftige Schulsportjahrgänge...
DSB-Presse 4.11. 2004
„Kinder bewegen. Wege aus der Trägheitsfalle“
Kongress in Karlsruhe
Das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe (TH) veranstaltet am 19. und 20. November 2004 in Zusammenarbeit u. a. mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg und der Deutschen Olympischen Gesellschaft einen Kongress mit dem Titel „Kinder bewegen. Wege aus der Trägheitsfalle“. Zu den Hauptreferenten gehören u. a. der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann („Wie gesund sind unsere Kinder?“) und die beiden Sportwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Ulrike Ungerer-Röhrich (Bayreuth) und Prof. Dr. Renate Zimmer (Osnabrück), die gemeinsam zum Thema „Körperlich-sportliche Aktivität und Bewegung von Kindern“ sprechen werden. Neben Referaten und Arbeitskreisen werden auch Fachinfos und praktische Tipps in Workshops gegeben.
Die Tagung, die unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Renate Schmidt und der ehemaligen Hochspringerin Heike Henkel steht, wendet sich vor allem an (Sport-) Lehrkräfte, Erziehende, Betreuer, Trainer und Übungsleiter aus Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie an alle, die im Kinderbereich Verantwortung für mehr Bewegung tragen bzw. übernehmen wollen.
Weitere Informationen über das Kongressbüro „Kinder bewegen“ am Institut für Sport und Sportwissenschaft, Kaiserstr. 12, 76131 Karlsruhe, Tel. 0721/608-8514, Fax -4841 und im Internet unter
www.kinder-bewegen.de.
FAZ-net 29.10.2004
Kommentar
Weder lesen noch schwimmen29. Oktober 2004 Der lateinische Poet Horaz kannte sich nicht nur mit den Wonnen der Dichtkunst ziemlich gut aus, sondern er war auch in Sachen Leibesübung ein Fachmann. Gegen Schlaflosigkeit empfahl Horaz, dreimal durch den Tiber zu schwimmen. Für die alten Römer war das nichts Besonderes. Sie hatten ohnehin ein ganz spezielles Verhältnis zum Wasser, und Schwimmen war für die meisten ein elementarer Bestandteil des Lebens. Wenn die Römer einen besonders ungebildeten Menschen trafen, sagten sie über ihn: "Der kann weder lesen noch schwimmen."
Daß Bildung auch etwas mit dem Körper zu tun hat, ist im Deutschland von heute leider in Vergessenheit geraten. Sonst würden sogenannte Bildungspolitiker nicht gnadenlos den Sportunterricht in den Schulen zusammenstreichen. Auch die Pisa-Studie belegt unbewegt die Defizite des Geistes, und von Schwimmen ist darin erst recht keine Rede. Dabei wäre eine Pisa-Studie des Sports eine lohnende Untersuchung. Sie würde nämlich Erschreckendes ans Tageslicht bringen. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid können über 23 Prozent der Deutschen nicht schwimmen. Noch alarmierender sind die Zahlen bei Kindern unter vierzehn Jahren. Nach den Angaben ihrer Eltern können nur noch zwei Drittel von ihnen schwimmen. Man braucht nicht viel Phantasie, um die Ursachen dafür zu finden. In vielen Bundesländern sank über Jahre hinweg die Zahl der wöchentlichen Sportstunden; den ohnehin aufwendigen Schwimmunterricht traf es besonders. Außerdem können und wollen sich viele Kommunen in Zeiten finanzieller Not die teuren Schwimmbäder nicht mehr leisten. Vielerorts werden Hallenbäder geschlossen. Auch die sogenannten Spaß-Bäder, die überall entstanden sind und entstehen, sind oft nicht der rechte Platz fürs Schwimmen. Ganz simple, rechteckig geschnittene Becken, in denen man nichts als schwimmen kann, gibt es in vielen dieser Wasser-Tempel kaum noch.
Dabei macht Schwimmen erst dann Spaß, wenn man es richtig kann. Insofern muß man selbst die 77 Prozent der Bevölkerung, die sich als Schwimmer bezeichnen, relativieren: Sie glauben, schwimmen zu können. Wer regelmäßig in öffentlichen Bädern schwimmt, leidet unter den vielen Zeitgenossen, die in Rückenlage mit Schaufelradtechnik durchs Wasser pflügen oder sich mit überstreckter Wirbelsäule und geschertem Beinschlag im Bruststil fortbewegen. Dabei ist Brustschwimmen nicht nur unökonomisch und - im Falle falscher Ausführung - belastend für Gelenke und Wirbelsäule; es ist auch die schwierigste Schwimmart.
Insofern wäre es ein Segen, sollte eine Prominente wie Franziska van Almsick ihre Popularität in Deutschland für eine - längst überfällige - Revolution des Schwimmenlernens einsetzen. Nach dem Ende ihrer Laufbahn hat sie angekündigt, eine Schwimmakademie gründen zu wollen. Ihr Ziel ist es, Kindern auf spielerische Art das Kraulschwimmen beizubringen. Nur wer richtig kraulen lernt, dem öffnen sich die Türen zum Schwimmer-Glück. Das Vorbild ist der fünfte Kontinent. Die Australier sind ein Volk von Kraulern, für sie gehört das Schwimmen zum Leben. Auch wenn die meisten von ihnen vermutlich noch nie etwas von Horaz gehört haben.
DSB-Presse 27.10.2004
Das BMI wird sich aktiv am UNO Jahr des Sports und der Leibeserziehung 2005 beteiligen
Das Bundesinnenministerium hat in Deutschland die Rolle des nationalen Ansprechpartners für das UNO Jahr des Sports und der Leibeserziehung 2005 übernommen. Die nationalen Organisationen sind nun aufgerufen, bis Ende Oktober Projekte beim BMI einzureichen.
Das BMI hat die Federführung für das UNO Jahr des Sports und der Leibeserziehung übernommen. Welche Schwerpunkte sehen Sie für 2005 in Deutschland?
Ute Vogt,
Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern,
beschreibt im Interview Schwerpunkte
und das weitere Vorgehen in Deutschland.Ute Vogt: Das Bundesinnenministerium begrüßt die Ausrufung des VN-Jahrs und wird sich daran aktiv beteiligen. Neben dem Bund sind besonders der Sport und die Länder aufgerufen, sich mit zahlreichen Projekten zu beteiligen. Wir haben die Rolle des nationalen Ansprechpartners übernommen.
In einem ersten Round-Table im BMI wurden aus den Bereichen Bund, Länder und Sport rund 30 nationale oder internationale Sportbegegnungen oder Veranstaltungen (wie z.B. Tagungen, Symposien, Workshops) vorgeschlagen, die folgende inhaltlichen Schwerpunkte erkennen lassen:Damit ist ein erster Rahmen für das Internationale Jahr des Sports und der Leibeserziehung 2005 in Deutschland festgelegt, der in den kommenden Wochen noch weiter angefüllt werden muss. Gemeinsam mit Polen haben wir ein Kolloquium über die sportpolitischen Erwartungen der neuen EU-Länder (Koordinierung durch Polen) und die Erfahrungen der „alten“ EU-Staaten (nach Abstimmung zwischen Deutschland und Frankreich) vereinbart. Ein Abstimmungsgespräch wird am 24. November in Warschau stattfinden. Die Veranstaltung eines deutsch-schweizerischen Symposiums durch das Bundesinnenministerium mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften wird noch geprüft.
- Sport als Mittel zur Förderung der Bildung und Gesundheit
- Sport als Mittel zur Förderung der Entwicklung, Völkerverständigung und des Friedens
- Sauberer Sport
- Sport als Mittel zur Förderung der sozialen Integration und der Gleichstellung
Wie sieht das Vorgehen aus? Welches sind die nächsten Schritte, die geplant und durchgeführt werden müssen?
Ute Vogt: Dem ersten Round-Table zur Festlegung der Projekte soll im November 2004 ein weiterer folgen, um das Gesamtprogramm im vorgesehenen Rahmen zu konsolidieren. Hierzu wurden alle Beteiligten aufgerufen, geeignete Projekte bis Ende Oktober zu melden. Da die Vereinten Nationen das VN-Jahr nicht finanziell unterstützen können, ist es für die Projektverantwortlichen wichtig, Sponsoren für die geplanten Veranstaltungen zu finden.
Welche Institutionen und Organisationen beteiligen sich in Deutschland am UNO-Jahr?
Ute Vogt: An dem VN-Jahr beteiligen sich neben dem Bund und Bundesländern auch die Organisationen des Sports, wie DSB, DBS und DSJ und der Weltrat für Sportwissenschaft und Leibes-/Körpererziehung. Auch der Sonderberater des VN-Generalsekretärs für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden, Adolf Ogi, wird an besonderen Veranstaltungen teilnehmen.
Wie hoch sind die finanziellen Mittel, die das BMI für das UNO-Jahr 2005 bereitstellen kann?
Ute Vogt: In Anbetracht der momentanen Haushaltssituation und der Kürzungen in allen Bereichen sehe ich derzeit keine zusätzlichen finanziellen Mittel für das VN-Jahr. Jeder Euro, den wir dem VN-Jahr geben würden, müsste einem anderen sportlichen Zweck „entwendet“ werden. Allerdings weiß ich, dass es im parlamentarischen Raum Bestrebungen gibt, das VN-Jahr auch finanziell zu unterstützen. Auf alle Fälle werden wir gemeinsam dieses Jahr nutzen, um wichtige Vorhaben und Veranstaltungen unter dem Label des VN-Jahres besonders zur Geltung zu bringen.
DSB-Presse 26.10. 2004
Ein Viertel der Deutschen kann kaum schwimmen
23,3 Prozent der deutschen Bevölkerung können nach eigenen Angaben gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ergeben. Bei diesen Menschen ist das Risiko zu ertrinken besonders hoch.
DLRG: Schulsportmängel und Bäderschließungen wesentliche Ursachen
87,3% der Bevölkerung halten zudem kommunale Schwimmbäder für sehr wichtig oder wichtig. Diese Ergebnisse gab DLRG Präsident Dr. Klaus Wilkens in Hamburg bekannt.Während 76,7% der Befragten ab 14 Jahre angaben, schwimmen zu können, sinkt der Ausbildungsgrad der jüngeren Kinder im Durchschnitt nach Angaben der Eltern auf 66,1%. „Das sind erste sichtbare Folgen der Bäderschließung und der Probleme des Sportunterrichtes in den Schulen“, so die Analyse des DLRG Präsidenten. Während die Westdeutschen nach eigenen Angaben zu 77,5% sehr gut, gut oder durchschnittlich schwimmen können, ermittelte Emnid für Ostdeutschland einen Wert von 73,5%. 82% der Männer beziehungsweise lediglich 71,8% der Frauen bezeichnen sich als sehr gute, gute oder durchschnittliche Schwimmer.
Goldener Plan zeigt Wirkung
Die Zahl der Schwimmer nimmt mit zunehmendem Alter deutlich ab. 92,9% der 14 bis 19-Jährigen geben an, Schwimmer zu sein. Bei den 40 bis 49-Jährigen beginnt der Bruch, nur noch 69,8% dieser Altersklasse können schwimmen, und bei den über 60-Jährigen sind es nur noch 44 Prozent. „Diese Entwicklung zeigt deutlich die Wirkungen des Goldenen Plans. In den 60er und 70er Jahren wurden viele Schwimmbäder gebaut. Davon haben die jungen Menschen unter 40 Jahre profitiert. Mit steigendem Alter wächst auch der Anteil derer, die sich das Schwimmen selbst beigebracht haben“, erläutert Dr. Wilkens die Hintergründe für die großen Unterschiede in den Altersklassen.
74% der Befragen haben zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr schwimmen gelernt, 61,4% der Schülerinnen und Schüler bereits bis zum 8. Lebensjahr. „Das Ergebnis bekräftigt unsere Ausfassung, dass die Schwimmausbildung in den Schulen früher einsetzen muss, nicht wie heute üblich erst in der dritten Grundschulklasse“, kritisiert Dr. Wilkens die gegenwärtige Praxis. Um mehr über die Qualität der Schwimmfähigkeit zu erfahren, hat TNS Emnid nach dem Besitz von Schwimm- oder Rettungsschwimmabzeichen gefragt. 46,3% besitzen ein Schwimmabzeichen, 11,9% sogar ein Rettungsschwimmabzeichen, 43% besitzen kein Abzeichen. „Die Zahl der Menschen, die keine Schwimmprüfung abgelegt haben, ist mit 43 Prozent sehr groß und lässt die Annahme zu, dass weniger Menschen als bisher vermutet sichere Schwimmer sind“, so Dr. Wilkens.
Schlusslicht bei der Vergabe von Abzeichen ist Baden-Württemberg mit nur 28%, gefolgt von Bayern mit 37% und Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit 41 Prozent. „Im Süden Deutschlands gibt es offenbar viele ‚Abzeichenmuffel‘, die nichts von Schwimmprüfungen halten,“ kommentiert der DLRG Präsident das überraschende Ergebnis. Dr. Wilkens weiter: „Mit dem Blick auf die vielen Bäderschließungen wollten wir von den Menschen wissen: Wie wichtig ist ihnen, dass die Kommunen öffentliche Bäder vorhalten? 47,4% halten das Angebot für sehr wichtig, 39,9 für wichtig, 7,7% meinen, es sei weniger wichtig, und nur 4,7% halten das Angebot für unwichtig. Für 87,3% sind Schwimmbäder eine bedeutende kommunale Aufgabe. Wir verstehen dieses klare Votum als Auftrag, unsere Arbeit zum Bädererhalt auf allen Ebenen fortzusetzen.“
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Fränkische Nachrichten 15.10. 2004
Mentoren im Schulsport
Kultusministerium unterstützt AusbildungDas Ministerium für Kultus, Jugend und Sport möchte Schülern durch geeignete Ausbildungsmaßnahmen auch 2005 in die Lage versetzen, als Schulsport-Mentor schulsportliche Veranstaltungen gemeinsam mit Lehrern durchzuführen.
Im Sinne einer "sport- und bewegungsfreundlichen Schule" mit allen positiven Effekten in gesundheitlicher, sportlicher und sozialer Hinsicht, sollen sich die Mentoren bei der Gestaltung von Projekten, bei der Durchführung von Arbeitsgemeinschaften oder auch bei der Betreuung von Schulmannschaften verstärkt beteiligen können. Auf diese Weise ist nämlich das schulische Sportangebot sinnvoll zu erweitern. Zudem erhalten junge Menschen frühzeitig Gelegenheit, sich anspruchsvoll zu engagieren, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.
Die geplanten Ausbildungsmaßnahmen sind zwischen der Schulverwaltung und dem Landessportverband mit seinen beteiligten Fachverbänden abgestimmt. Nicht weniger als 14 Ausbildungslehrgänge bieten die vier Oberschulämter Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen zwischen Februar und Juli in den vier Baden- Württembergischen Sportschulen in Albstadt-Tailfingen, Nellingen-Ruit, Steinbach bei Baden-Baden und Schöneck in Karlsruhe-Durlach, sowie dem Landesleistungs-Fechtzentrum Heidenheim an. Es handelt sich hierbei um die Sportarten Badminton, Basketball, Fechten, Fußball, Geräteturnen, Handball und Hockey.
Zielgruppen sind für die Mentoren-Ausbildung Schüler, die mit Abschluss des laufenden Schuljahres mindestens 16 Jahre alt werden, in der jeweiligen Sportart gute Leistungen erbringen und mit ihren Mitschülern gut umgehen können. Selbstverständlich müssen sie natürlich auch bereit sein, nach der Ausbildung bei schulischen Veranstaltungen Verantwortung zu übernehmen. Der Ausbildungsumfang beträgt 40 Unterrichtsstunden.
Die Anmeldungen zu den Mentoren-Lehrgängen erfolgen grundsätzlich an die Oberschulämter und dies bis spätestens 12. November.
"Mit Aggressionen verantwortungsvoll umgehen"
Der Usinger Karatelehrer Jürgen Fritzsche ist neuer Ausbilder für "Sound-Karate-Trainer im Schulsport"USINGEN. Im Anschluss an den Deutschen-Karate-Verbandstag in Lüneburg installierte das Verbands-Ausbildungsteam "Sound-Karate-Trainer im Schulsport" (DKV-Schulsportreferent Ralf Brünig und DKV-Jugendreferent Helmut Spitznagel) drei neue Multiplikatorenteams. Sie werden ab 2005 die Ausbildung zum "Sound-Karate-Trainer im Schulsport" übernehmen.
Dazu wurde die Bundesrepublik in drei Gebiete unterteilt, die sich zum Teil überschneiden. Somit kann allen Interessenten ein Lehrgang möglichst wohnortnah angeboten werden.
Der Usinger Karatetrainer und Ausbildungsreferent des Hessischen Fachverbandes für Karate, Jürgen Fritzsche, ist ab kommendem Jahr mit seiner Kollegin Sonja Elzen für das größte deutsche Teilgebiet zuständig. Ihr Gebiet umfasst Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern.Sound-Karate ist, als Hilfsmittel eingesetzt, laut Fritzsche ein ideales Training für Jung und Alt. Es umfasst eine kindgerechte, schonende Art, die Gesundheit zu fördern und präventiv auf die uns mittlerweile allen bekannten Bewegungsprobleme unserer Kinder zu reagieren.
Jugendlichen kann es helfen, die heute immer öfter auftauchenden Gewaltszenen und Übergriffe beim Spielen, in der Disco oder auf dem Schulhof besser zu verkraften. Vordergründig geht es nicht nur darum, auf Konflikte lösend reagieren zu müssen, sondern auch Angebote oder Konzepte zu entwickeln, deren Ansatz im präventiven Bereich angesiedelt ist. Eine Möglichkeit dazu wäre das Angebot von Sound-Karate im Schulsport.
Das Projekt Sound-Karate im Schulsport richtet sich an möglichst viele Kinder und Jugendliche, also auch an diejenigen, die zunächst mit Karate nichts im Sinn haben. Die Übungen werden je nach Kenntnis und Niveau angepasst. Durch Übungen zur Motorik, Kraft und Schnelligkeit, durch den Einsatz von Bällen bei der Technikschulung und bei den Partnerübungen wird das ohnehin schon geringe Verletzungsrisiko ausgeschlossen. Es werden Übungen zur Förderung der Wahrnehmung, Schulung des Körperbewusstseins und Beidseitigkeit angeboten. Eine Mischung von Dehn- und Kräftigungsübungen und Kombinationen von Karatetechniken kombiniert mit aktueller Popmusik bringt Spaß und Motivation.
Fritzsche: "Karate bedeutet zu lernen, mit eigenen und fremden Aggressionen verantwortungsvoll umzugehen."
Wiesbadener Kurier 14.10.2004
Pommes frites und Döner sind tabu
Rheingauschule achtet auf Ernährung / Vortrag über ZivilisationskrankheitenGEISENHEIM Fastfood und Faulheit sind schuld, dass immer mehr Kinder unter Zivilisationskrankheiten leiden, erläuterte Dr. Albrecht Rottmann, Chefarzt der Inneren Abteilung des Rüdesheimer Krankenhauses St. Josef, bei einer Informationsveranstaltung in der Rheingauschule.
Nahrungsmittel mit höherer Energiedichte sowie Bewegungsmangel seien die Auslöser für Bluthochdruck, Übergewicht und die "Seuche des 21. Jahrhunderts", Diabetes mellitus. Die ehemals als "Altersdiabetes" bezeichnete Krankheit werde immer häufiger auch bei Kindern und Teenagern diagnostiziert. Jedes dritte achtjährige Kind in Deutschland sei zu dick, etwa ein Viertel aller Kosten im Gesundheitswesen auf Bewegungsmangel zurückzuführen. Welchen Stellenwert dem schulischen Sportunterricht in der Gesellschaft zukomme, ließe sich jedoch daran ablesen, dass in diesem Bereich zunehmend gekürzt werde, gerade im Zuge der Einführung des achtstufigen Gymnasiums.
Schulleiter Karl-Heinz Drollinger hob jedoch die Bemühungen der Rheingauschule auf dem gesamten gesundheitlichen Präventivsektor hervor: Es gebe eine Eltern-Initiativgruppe "Gesundes Frühstück", in der Mittelstufe herrsche ein Verzehrverbot von Pommes frites und Döner, am Nachmittag würden zusätzliche Sport-AGs angeboten, die unter anderem Sportarten wie Fußball, Kendo und Kanu umfassten.
Im gleichen Atemzug beklagte Drollinger jedoch die finanzielle Situation der Schule. Ein geplantes Volleyballfeld und die Außenanlagen der Schule bedürften der Unterstützung der Elterninitiative, weil die Gelder fehlten. Dass der Schulsport in mehrfacher Hinsicht langfristig prägend sei, betonte Rottmann: Schulsport wirke als Schrittmacher für "Lifetime-Sport"; er verbessere die Abrufbarkeit auch des geistigen Potentials der Schüler und er stärke das Selbstbewusstsein. Dies sei wichtig, um auf Alkohol, Nikotin und Drogen gelassen verzichten zu können.
Dass es den Sportbegeisterten der Rheingauschule in der Tat nicht an Selbstbewusstsein mangelt, bewies ein Schüler unter den Zuhörern, der entrüstet konstatierte, er habe sich für die nachmittägliche Fußball-AG gemeldet, sei aber darauf hingewiesen worden, dass diese bereits voll sei. Drollinger versprach, dafür zu sorgen, dass unoch ein Platz für einen Mittelstürmer gefunden werde. Zur Not werde eine weitere AG eröffnet. Damit Fastfood und Faulheit an der Schule durch Fußball und "Fitness for life", so der Titel des Vortrags von Rottmann, ersetzt werden könne.
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Stadtanzeiger Nürnberg 6.10.2004
Fauler, dicker, kränker
Mit der Einführung des „G8“ drohen dem Sport in der Schule weitere Kürzungen
Die Kinder zu dick und bewegungsfaul, Klagen die allenthalben erhoben werden. Dennoch gehört der Sport in der Schule meist zu den Stiefkindern. Stunden fallen aus oder werden erst überhaupt nicht in der eigentlich zu gewährleistenden Anzahl angeboten - eine Situation, die sich mit der Einführung des achtstufigen Gymnasiums noch verschärfen dürfte.
Am Vormittag in die Schule, am Nachmittag Hausaufgaben und am frühen Abend in den Verein zum Sport. Dieser vereinfachte Tagesablauf eines Schulkindes, wie er womöglich millionenfach in Deutschland alltäglich praktiziert wird, könnte für Gymnasiasten bald der Vergangenheit angehören. Nicht, dass in Zukunft keine Hausaufgaben mehr gemacht werden oder Unterricht gestrichen wird - vielmehr könnte über kurz oder lang der Vereinssport zum Problem für die Schüler werden.
Denn die diesjährige Einführung des achtstufigen Gymnasiums hat möglicherweise Folgen, mit denen man zunächst nicht gerechnet oder die man großzügig übersehen hat - das „fehlende“ Jahr muss ausgeglichen werden. Die Folge: die Stundenzahlen steigen. In der Mittelstufe (Klasse acht bis zehn) werden Schüler des „G8“ bereits 36 Stunden in der Woche an ihrer Bildungseinrichtung verweilen. „Die Bereitschaft der Schüler für Wahlfächer oder Aktivitäten im Verein wird auf jeden Fall nachlassen“, ist sich Dieter Wolz, Schulreferent der Stadt Nürnberg, sicher.
Bayern als Vorletzter
Und auch am Schulsport-Angebot wird das „G8“ nicht spurlos vorbeischrammen. „Obwohl bundesweit drei Stunden Schulsport gewährleistet sein sollten, unterschreitet Bayern diesen Wert bereits“, erklärt Michael Voss, Nürnberger Bildungsreferent der Bayerischen Sportjugend: „Und jetzt müssen wir auch noch die Kröte G8 schlucken, bei der noch weiter gekürzt wird.“ So lag Bayern 2001 mit durchschnittlich 2,66 Stunden im Ländervergleich bereits auf dem vorletzten Platz (vor dem Saarland) und nach den Planungen des Kultusministeriums soll dieser Wert sogar auf 2,43 Stunden sinken.
In Nürnberg scheint hingegen die Schulsport-Welt auf den ersten Blick noch intakt zu sein. „Im Bereich des Pflichtunterrichts sind mir heuer noch keine Kürzungen bekannt“, so Wolz über die derzeitige Situation, räumt jedoch ein: „Inwieweit differenzierter Sportunterricht angeboten wird, regeln die Schulen individuell.“ Bisher standen im besten Fall zwei Pflicht- sowie zwei Stunden differenzierter Sportunterricht auf dem gymnasialen Stundenplan.
Neben dem Mangel an Bewegung während der Schulzeit - bereits die gewünschten drei Sportstunden sind nach Expertenmeinung zu wenig - wird aber auch der Vereinssport die Einführung des achtstufigen Gymnasiums zu spüren bekommen. Gerade typischen Schulsportarten fehlt durch die Kürzungen ein bedeutender unterstützender Faktor. „Man wird doch eigentlich nur in der Schule auf Sportarten wie Badminton oder auch Hockey aufmerksam. Und gerade bei diesen Vereinen wird womöglich der Zulauf ausbleiben“, meint Voss.
Wie die Vereine jedoch auf die neue Situation reagieren werden, ist noch unklar. Flexiblere Trainingszeiten, attraktivere Angebote, Einstieg in die Nachmittagsbetreuung, bessere Öffentlichkeitsarbeit - an Theorien mangelt es nicht, doch die endgültige Umsetzung bleibt abzuwarten. „Bisher kann man nur zusehen, wie sich das Ganze entwickelt. Aber wenn es zu heftig wird, dann müssen wir natürlich darauf reagieren“, so Heidi Ehret, Jugendleiterin des TV Glaishammer.
Eine Möglichkeit sehe sie dabei im persönlichen Kontakt mit den Eltern: „An der Schulsituation werden wir nichts ändern können, aber gerade die Eltern spielen eine große Rolle, wenn es um den Sport des Kindes geht.“ Wie sich das G8 nun endgültig auswirkt und ob die Folgen für die Vereine nun tatsächlich derart drastisch ausfallen werden, wird sich wohl erst in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen. Doch eines ist bereits sicher: Dem bereits darbenden deutschen Sport mit all seinen Strukturen tut die Einführung des G8 keinen Gefallen.
„Bei Olympia hat man es ja gesehen. Die Erwartungen an die Sportler werden immer größer, aber auf der anderen Seite wird immer mehr gekürzt“, kritisiert Voss. Bleibt also abzuwarten, ob die Befürchtungen wahr werden und zu hoffen, dass ein weiteres Mal die Angst vor dem Neuen größer war als schließlich nötig.
Kieler Nachrichten 1.10. 2004
Sport auf den Beruf zugeschnitten
Rendsburg – Mit einer neuen Art von Sportunterricht wollen die Beruflichen Schulen Rendsburg ihren Auszubildenden das spätere Berufsleben erleichtern. Eine wissenschaftliche Langzeituntersuchung soll zeigen, ob das funktioniert. Zur Halbzeit des laufenden Projekts stellten die Verantwortlichen jetzt das Konzept der Öffentlichkeit vor. "Ein Elektroinstallateur muss zum Beispiel viel über Kopf arbeiten, dafür braucht er Kraft im Oberkörper und ein gutes Gleichgewichtsgefühl", erklärt Projektleiter Dr. Jan Traulsen, der als Sportlehrer in den Rendsburger Berufsschulen arbeitet.
Außerdem müsse ein Elektroinstallateure viel stehen und habe es, wie beim Verlegen von Kabeln, auch mit monotonen Arbeiten zu tun. Ohne ausgleichende Übungen für den Schulterbereich sind oft Verspannungen im Halswirbelbereich die Folge. Solche und ähnliche Beschwerden können einem Berufseinsteiger den neuen Job nicht nur körperlich vermiesen, sondern auch grundlegend schlecht für Selbstwertgefühl und Motivation sein – so die Überlegungen hinter dem Schulsportprojekt mit dem Titel "Motivation durch Bewegung".Wie groß die Probleme aus falscher Bewegung und Körperhaltung sind, zeigt eine Befragung der AOK Schleswig-Holstein, nach der rund 15 Prozent aller Auszubildenden bereits zu Beginn des Berufslebens unter Rückenbeschwerden leidet. Ein Drittel aller Krankheitstage der AOK-Versicherten gehe auf Muskel-Skelett-Erkrankungen zurück.
Für die künftigen Mechatroniker, Maurer, Straßenbauer oder Kälteanlagenbauer, die in den Rendsburger Beruflichen Schulen unterrichtet werden, soll das anders werden. Abgestimmt auf die jeweils typischen Belastungen des künftigen Berufs erhalten mehrere Klassen bereits seit zwei Jahren einen speziellen Sportunterricht, der je nach Berufsrichtung auch Elemente von Yoga, Chi Gong oder Aerobic/Fitness enthalten kann. Wichtig ist, dass die Übungen ohne große Hilfsmittel möglich sind, damit die späteren Arbeitnehmer sie auch zwischendurch im Berufsalltag anwenden können. In den Spezial-Sportunterricht gehören außerdem Übungen, die die Fähigkeit zur Teamarbeit fördern sollen, zum Beispiel das gruppenweise Durchqueren der Halle mit Matten und einer Bank als Hilfsmittel, aber ohne den Fußboden zu berühren.
Finanziell wird das Projekt von der AOK und dem "Arbeitskreis für Unfallverhütung Schleswig-Holstein" gefördert. Die Uni Kiel besorgt die wissenschaftliche Begleitung. Wiederholte Befragungen der "Test-Schüler" sollen den Erfolg dokumentieren. Zwei weitere Jahre wird das bisher einzigartige Projekt noch laufen. Schulleiter Hans Hermann Kathmann hat keinen Zweifel dass sich "Innovation durch Bewegung" anschließend auch an anderen Berufsschulen durchsetzen wird: "Ich bin sicher, dass das in den Lehrplan aufgenommen werden wird", sagte er.
Auch das gehört zum neuen
Sport-Konzept in der Berufsschule:
Teamgeist-Training beim durchqueren
der Halle mit Hilfsmitteln.
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