Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Aktuelle Meldungen rund um den Schulsport
Sportunterricht.de - Übersicht
 
.   Beiträge zur Bedeutung des Sports in der Schule   -   Hinweise auf innovative Projekte 
.   Am Ende des Artikels werden weiterführende Links zum jeweiligen Thema angeboten.
.
Archiv
 
 
 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

WAZ 26.2. 2004

Themenabend zur Verfassung der heutigen Jugend

Der Schulsport kommt auf den Prüfstand

"Reicht Gesundheit oder muss es Fitness sein?" lautet die Fragestellung beim achten Themenabend am Comenius-Gymnasium, bei dem es am Freitag, 5. März, um die körperliche und geistige Verfassung Jugendlicher geht (19.30 Uhr im Musiksaal der Schule).

Was in den Schulen passiert, ist immer ein Thema von öffentlichem Interesse. Besonders ist das der Fall, wenn etwas zu beklagen ist: wie in jüngster Zeit, nachdem die PISA-Ergebnisse vorgestellt worden sind und man den Eindruck bekam, die schulischen Leistungen der SchülerInnen würden immer beklagenswerter. Zu lesen war auch, dass es mit der schulsportlichen Leistungsfähigkeit der SchülerInnen nicht allzu weit her sei: Viele brächten keine Leistungen mehr, könnten wohl auch keine mehr bringen, da ihre körperliche Verfassung - Übergewichtigkeit infolge von falscher Ernährung, mangelndes Training, geringe Belastbarkeit - sie daran hindere. "Wenn dann noch ein Zusammenhang zwischen dem körperlichem und geistigem Leistungsvermögen hergestellt werden kann, wird es besonders interessant und sachliche Information ist erforderlich", so der Mitorganisator Theo Sombek.

Bereits seit den 1950-er Jahren stellten französische Forscher in Langzeitstudien fest, dass ein Mehr an Bewegung die Lernleistungen durchweg verbesserte. Das hat auch der Karlsruher Pädagoge Klaus Bös zwischen 1993 und 1997 bei einem Modellversuch mit täglicher Sportstunde in einer Grundschule im hessischen Bad Homburg festgestellt. Zudem zeigte sich, dass das aggressive Verhalten um die Hälfte abnahm.

Befragt man Kinder- und Jugendärzte, ergeben die Antworten ein düsteres Bild: "Ein Großteil der Grundschulkinder, aber auch Schulkinder aller Altersgruppen sind sportmotorisch schwächer als noch vor zehn Jahren, wie die "WIAD-Studie" (1995 bis 2002) für 10- bis 14-jährige Kinder beweist. Die Gründe sind vielschichtig: vielstündiger täglicher Medien- und Computerkonsum, zusätzlich zu den Sitzstunden in der Schule, eingeschränkter Bewegungsraum von Großstadtkindern, Kürzung der Schulsportstunden.

Der Themenabend widmet sich diesen Fragen im Gespräch mit Fachleuten aus den Bereichen der Medizin, dem (Vereins-)Sport, der Sportwissenschaft, der Pädagogik. Am Nachmittag wird sich ein nicht öffentliches Seminar mit Peter Wright (Diplomsportlehrer am Institut für Trainingswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum), Studierenden der Sportwissenschaften der Ruhr-Uni, SportlehrerInnen und SchülerInnen des Comenius-Gymnasiums mit der aktuellen Situation des schulischen Sportunterrichtes befassen. Zu Beginn der Abendveranstaltung wird Peter Wright mit einem Referat zum Thema einleiten; wie gewohnt werden anschließend in einer Podiumsdiskussion diese Informationen und Anstöße aufgenommen, danach im Austausch mit dem Publikum erörtert.

"Fit sein macht Schule"

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Offenbachpost 20.2. 2004

Bewegung als Antwort auf die zunehmende Gewalt an Schulen
Positive Auswirkungen regelmäßiger sportlicher Betätigung sind wissenschaftlich belegt
 
 
Langen  - "Willst Du die geistige Kraft eines Zöglings pflegen, so pflege die Kräfte, welche durch sie regiert werden sollen. Übe unablässig den Geist, mache ihn kräftig und gesund, um ihn weise und vernünftig zu machen. Er soll arbeiten, tätig sein, laufen, schreien und sich immer bewegen." 

Das verkündete Rousseau bereits 1778 und stellte so den Zusammenhang zwischen Körper und Geist her. Resultat kontinuierlicher körperlicher Betätigung ist nicht nur gesteigerte Leistungsfähigkeit, sondern auch die Ausbildung sozialer Kompetenz.

Über Gewalt an deutschen Schulen berichten die Medien zurzeit beinahe täglich. Und das Ende der Fahnenstange ist scheinbar noch nicht erreicht, das Aggressionspotenzial wächst stetig, Lehrer und Eltern sind zumeist hilflos. Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeitssinn und Teamfähigkeit - die Vermittlung derartiger Werte scheint zunehmend schwerer.

Sport könnte die Lösung heißen, um das Klima an den Schulen nachhaltig zu verbessern. Das "Bad Homburger Modell", ein Studienprojekt der Universität Karlsruhe, belegt, dass eine Stunde Sport täglich die Aggressivität der Grundschüler deutlich mindert. Die Versuchsschule wies nach Ablauf der Testphase nur halb so viele Aggressionen auf wie die Kontrollschule. Sport ist Medizin für Körper und Seele. Sie hilft nicht nur bei der Entspannung, sondern dient auch als Ventil, um negative Erlebnisse zu verarbeiten und Frust abzubauen.

Sport bietet viele Chancen und unterstützt auch die Ausbildung gesellschaftlicher Schlüsselqualifikationen. Teamsportarten wie Fußball, Volleyball oder Basketball fördern - wie der Name schon sagt - den Teamgeist. Die Spieler ziehen alle am selben Strang und verfolgen das eine Ziel: den Sieg. Verantwortung, Rücksichtnahme und Durchhaltevermögen zählen ebenso wie Anstrengungsbereitschaft, Belastbarkeit und Zielstrebigkeit zu den Eigenschaften eines Teammitglieds.

20 Minuten Sport täglich steigern nachhaltig die Leistungsfähigkeit, das hat eine andere Studie bereits 1971 unter Beweis gestellt. Die schulischen Leistungen der Kinder, die an dem 18-monatigen Projekt "Grundschulturnen" teilgenommen haben, waren denen der anderen Kinder deutlich überlegen. Denn Bewegung unterstützt, stabilisiert und optimiert bewiesenermaßen komplexe Vorgänge wie die Verarbeitung und Speicherung von Informationen. Wer regelmäßig Sport treibt, wird schnell merken, dass er viel konzentrierter arbeiten kann.

Der Gesundheit kommt regelmäßiges körperliches Training ebenfalls zu Gute. Eine bessere Möglichkeit, Zivilisationskrankheiten wie Rückenprobleme, Stoffwechselkrankheiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (die zunehmend bei Kindern und Jugendlichen auftreten) zu vermeiden, gibt es nicht. Motivation heißt das Zauberwort, mit dem Eltern und Lehrer die Bewegungslust ihrer Sprösslinge fördern können. Der Sportunterricht weckt das Interesse für bestimmte Sportarten und legt so den Grundstein für ein kreatives Freizeitverhalten.

Nicht zuletzt ist die Sportlichkeit der Eltern gefragt. Immerhin wünschen sich 78 Prozent der Kinder, mehr sportliche Aktivitäten gemeinsam mit der Familie zu unternehmen. Allerdings betreibt nur eine Minderheit der Eltern selbst aktiv Sport. Wie groß die Gefahr der Verhäuslichung ist, belegen einwöchige Bewegungstagebücher von Sechs- bis Zehnjährigen. Maximal 30 Minuten am Tag betätigen sich die Schüler sportlich, hinzu kommt eine Stunde Bewegung. Die restliche Zeit verbringen sie größtenteils im Liegen, Sitzen oder Stehen. Computer, Gameboy und Fernseher tun ihr Übriges dazu. Jedes dritte Kind in den alten Bundesländern besitzt eine eigene "Flimmerkiste", in den neuen Bundesländern sogar jedes zweite. Geguckt wird bis zu zwei Stunden täglich. Zeit, die von der wichtigen Bewegungszeit abgeht.

Unterschätzt wird dabei vielfach die Vorbildfunktion der Eltern. Bewusster leben beziehungsweise bewusster vorleben, heißt die Devise. Viel frische Luft, Bewegung, Zeit für Entspannung und eine gesunde Ernährung halten Groß und Klein fit und sind der erste Schritt in die richtige Richtung.


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Der Westallgäuer 20.2. 2004

Katzenbuckel nicht erwünscht
Akrobatik als Schulfach soll Körpergefühl der Schüler verbessern – Unterricht in Heimenkirch

„Füße zusammen, alles auf Spannung und keinen Katzenbuckel.“ – vor der Gallionspyramide gibt Simone Eder noch letzte Anweisungen. Nein, hier handelt es sich nicht um eine Zirkusvorführung, das ist praktischer Sportunterricht an einer Grundschule Heimenkirch: Akrobatik als Wahlfach für acht- bis 12-jährige Schüler.

Akrobatik ist Zirkuskunst. Wenn Artisten ihre Kunststücke in der Manege vorführen, sind die Kinder mit großer Anteilnahme dabei. Vom Zirkus sehen zum Zirkus selber machen ist für Kinder nur ein kleiner Schritt.
„Zuerst kommen unsere Warmmach-Übungen“, fordert Sportlehrerin Simone Eder die Kinder auf und verteilt Jonglierbälle und Diabolos, ein Spielgerät mit zwei Seilen und einen Doppelkegel. „Damit haben die Kinder in einigen Wochen ihre ersten Erfolgserlebnisse“, erklärt die Akrobatiklehrerin, die seit Beginn des Schuljahres dieses Wahlfach anbietet. So recht mag ein unbedarfter Zuschauer dieser Aussage keinen Glauben schenken. Denn die Kunststücke, die der neunjährige Robin auf seinem Diabolo vorführt, scheinen doch für Ungeübte schwierig zu sein. „Dies nennt man Aufzug“, grinst der Bub, während er das Diabolo geschickt über die Seile zieht. Die Übungen förderten Koordination und Konzentration der Schüler, so Eder, die über das Fach Akrobatik vor einigen Jahren ihre Zulassungsarbeit geschrieben hat.
„Jetzt geht’s zur Körperakrobatik“, ermuntert sie ihre 23 Schützlinge. Gemeinsames Handeln ist das Grundprinzip. „Gerade beim Pyramidenbau kommt es vor allem auf das Teamwork an“, weiß Eder. Flugs gehen die Mädchen ans Werk. „Bankpyramide mit Handstand“ heißt ihre Aufgabe.
Jedes Mädchen weiß genau, welche Position sie innerhalb der Pyramide einnimmt. „Dein linker Fuß muss höher gestellt werden“, kommt eine Rückmeldung. Und „du knickst mit der Hüfte ein“, verbessert die Lehrerin. Immer wieder sprechen sich die Kinder ab. Auch Eder achtet mit Argusaugen darauf, wie sich ein Kind auf das andere stellt. „Gefährlich ist es sicher nicht, da wir auch alles mit Matten abdecken,“ meint sie. Doch hie und da gibt sie Hilfestellung. „Mach kein Hohlkreuz“, mahnt sie einen Bub, der sich mit anderen Schülern an der Treppenpyramide versucht.
„Frau Eder, wir haben’s.“ Die Mädchen der Bankpyramide mit Handstand stehen exakt nach Vorschrift und strahlen begeistert über das gelungene Kunststück. Spannung herrscht in den Körpern, kein Wackler lässt das nahezu perfekte Gesamtbild unsicher erscheinen. „Ja, die Mädchen haben wirklich Talent“, bescheinige ihnen die Lehrerin. Und vor allem Spaß, schaut man auf die zufriedenen Gesichter der Jugendlichen. In knapp zwei Wochen haben sie ihren ersten Auftritt. Vor einem „echten Publikum“, wie die Kinder betonen. So wie im Zirkus eben auch.

Turnen und Akrobatik in der Schule

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Hamburger Abendblatt 19.2. 2004

Schulsport-Initiative: "Aktiv statt Attest"

Sportstunde in der Schule - und immer sitzen Kinder auf der Bank und machen nicht mit: Einige von ihnen sind chronisch krank, andere haben einfach keine Lust. Weil sich Schüler immer weniger bewegen und schon 42 Prozent der 6- bis 18-Jährigen zu dick sind, hat die Hamburger Behörde für Bildung und Sport (BBS) die Initiative "Aktiv statt Attest" auf die Beine gestellt: Zusammen mit Ärzten, Lehrern, Eltern und der Krankenkasse AOK will sie mehr Kinder für den Schulsport begeistern.

Welche Belastungen sind bei chronisch kranken Kindern erlaubt? Wie können Lehrer und Eltern zusammenarbeiten, um gegen die Bewegungsunlust der Kinder anzugehen? Diese Fragen erörterten gestern die rund 100 Teilnehmer auf dem Ärzte-Lehrer-Eltern-Forum, zu dem die Initiative von nun an mindestens einmal jährlich einladen will. "Die Auswirkungen des Bewegungsmangels für unsere Kinder sind dramatisch und lassen Schlimmes für die kommenden Jahrzehnte erwarten", informiert Prof. Dr. Klaus-Michael Braumann, Dekan des Fachbereichs Sportwissenschaften an der Hamburger Uni.

"Bis zu 20 Prozent der Schulkinder sind in unterschiedlichen Ausprägungen chronisch krank", sagt Dr. Karl Robert Schirmer, Facharzt für Kinder-, Jugend- und Sportmedizin. Die häufigsten Erkrankungen: Diabetes, Asthma, Allergien. Oft kann Sportunlust auf eine Körperwahrnehmungsstörung hinweisen, ergänzt Dr. Ralf Radizi, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Beide Ärzte fordern mehr Austausch zwischen Lehrern, Eltern und Ärzten. "Außerdem sollte es nur in Wahlkursen Noten geben, nicht im normalen Sportunterricht", so Radizi. Prof. Dr. Braumann fordert zeitgemäßen Schulsport: "Wenn ein 80 Kilo schwerer Zwölftklässler am Reck einen Aufschwung machen soll, ruft man damit nur Bewegungsmuffeltum hervor."
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Westfälische Rundschau 14.2. 2004

Schulkindern den Zugang zum Sport erleichtern

Bad Berleburg. 18 Grundschullehrer nahmen jetzt an einer Fortbildung unter dem Motto "Auffällige Kinder im Sportunterricht - Erkennen, Helfen, Fördern" in der Bad Berleburger Burgfeldschule teil.
 
. Auf Initiative des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW und des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes wurde das Programm "Kompensatorischer Sport in der Schule" ins Leben gerufen. Ziel sei es, Kindern mit mangelnden Bewegungserfahrungen und körperlichen Leistungsschwächen, Erkrankungen oder Behinderungen, Ängsten oder Enttäuschungen den Zugang zum Sport zu erleichtern und ihr Interesse am Schulsport zu gewinnen, sagte Ute Fuhrmann, Beauftragte für den kompensatorischen Sport.

Bedingt durch die gesellschaftlichen Veränderungen, beispielsweise den Einzug von Computern in viele Kinderzimmer, würden sich die Kinder weniger bewegen, sagte die Sozialpädagogin. Auffälligkeiten wie Haltungsschwächen, Koordinations- und Wahrnehmungsstörungen hätten nicht nur Auswirkungen auf sportmotorische Handlungen, sondern auf den gesamten Alltagsbereich.

Die teilnehmenden Pädagogen, im Kreisgebiet wurden sechs Veranstaltungen für 150 Lehrer angeboten, bekammen deshalb Hilfe zur Beobachtung und Einschätzung kindlichen Verhaltens und einfache Tests zur Überprüfung der Kordinationsfähigkeiten an die Hand. Im praktischen Teil erfuhren sie, wie Auffälligkeiten und mangelnde Erfahrungen einzelner Kinder auch in der Gruppe aufgefangen werden könnten. Für die Kinder soll vor allem der Spaßfaktor im Vordergrund stehen, in spielerischen Übungen, wie die Lehrer beim gegenseitigen Verknoten mit Seilen demonstrierten.

Allerdings, betonte Ute Fuhrmann, könne die Schule allein die Probleme nicht lösen. Vielmehr sei auch das Elternhaus aufgefordert, den Unterricht zu unterstützen und Auffälligkeiten auch zu Hause entgegen zu wirken.

Schulsport NRW


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Eckernförder Zeitung 14.2. 2004

Prävention im Sportunterricht
 

Peter Tuschke, Physiotherapeut aus Eckernförde, hat ein Pilotprojekt der besonderen Art begonnen: Er testet mit Schülern des 11. Jahrgangs vom Internatsgymnasium Louisenlund ein Kursus zur Wirbelsäulengymnastik. „Es ist wie ein Workshop“, sagt Tuschke. Er hat das Programm samt Audio-CD entwickelt und will jetzt mit den Jugendlichen Prävention betreiben. Bereits in den jungen Jahren seien die Jugendlichen sehr anfällig für Rückenprobleme, andererseits sei das Bewusstsein und die Verantwortung für den Körper kaum ausgeprägt.

Tuschke meint, die Belastungen seien durch vieles Sitzen und wenig Bewegung sehr hoch. Elke Sandau-Steffen, Geografie- und Englischlehrerin in Louisenlund, sieht das ähnlich. „Die Jugendlichen arbeiten sehr viel am Computer oder sitzen vor dem Fernseher“, sagt sie. Bewegung komme zu kurz. Sie hat Tuschke für das Programm ans Internat geholt. In einem Einführungskursus hat Tuschke den Jugendlichen die Theorie erklärt. „Ich habe die Schüler schätzen lassen, was an Belastungsgewicht allein beim Sitzen auf das Becken wirkt“. Um 25 Kilo war der Tipp, die richtige Antwort: 140 Kilogramm. Vier Wochen trainiert Tuschke jetzt mit den Jugendlichen, jeweils eine Schulstunde pro Woche. Allerdings sollen sie jeden Tag für sich üben und darüber Buch führen. Auf einem Leistungskontrollblatt sollen Trainingszeiten notiert und Erfolge sichtbar gemacht werden. „Das ist für die Jugendlichen zusätzliche Motivation“.

Frühzeitige Prävention ist das Stichwort. Auch Sportlehrer Burghardt Haß unterstützt die Aktion. Er sieht generell motorische Defizite bei vielen Jugendlichen. Durch einen solchen Workshop wachse das Bewusstsein für den eigenen Körper. Der Sportunterricht an den Schulen, so Tuschke, könne das nicht auffangen. „Vier Stunden Sport wird immer wieder gefordert, das lässt sich aber kaum durchführen“. Tatsächlich habe eine Untersuchung ergeben, dass sich die Bewegung im Sportunterricht einer Woche auf rund 14 Minuten beschränke. „Durch das Umziehen und das Anstehen an Geräten geht unglaublich viel Zeit vom Training ab.“

Nach dem Kursus will Tuschke gemeinsam mit den Schülern Fazit ziehen. Er hofft auf erhöhtes Bewusstsein. „Ich will vermeiden, dass die Jugendlichen eine Rückenleidendauerkarriere beginnen.“

Aktion Gesunder Rücken
Kinderwelten - Rückenschule
Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung


 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

VBE-Pressedienst 12. Februar 2004

Schulsport im Abseits!

 »Der schulische Auftrag einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung ist in Deutschland im Kern beschädigt«, kritisierte der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger auf der Kölner Bildungsmesse didacta und mahnte dringend ein Umdenken an. »Von einem ausgewogenen Fächerkanon kann wegen der Kürzungen im musisch-sportlichen Bereich längst nicht mehr die Rede sein.« Dabei sei es erwiesen, so Eckinger, dass zwischen körperlicher Fitness, Bewegung sowie Ausprägung sensorischer und feinmotorischer Fähigkeiten und kognitiven, sozialen und personalen Lernerfolgen ein enger Zusammenhang bestehe. »Haushaltsengpässe und eine zunehmend engstirnig geführte PISA-Debatte, die sich auf kognitive Leistungen in den ‚harten' Fächern kapriziert«, warnte der VBE-Vorsitzende, »gefährden den ganzheitlichen Ansatz immer mehr.« Noch sei offen, ob die Orientierung auf Bildungsstandards das Problem noch einmal verschärfen werde.

Ludwig Eckinger verwies darauf, »dass musischer und Sportunterricht ein staatlicher Auftrag bleiben müssen«. Keinesfalls dürfe die begrüßenswerte Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein als Hintertürchen missbraucht werden, dass der Staat das Unterrichtsangebot kürzt oder sogar vollständig einstellt, wie an Hamburgs Berufsschulen geschehen.

»Das aktuelle ›Europäische Jahr der Erziehung durch Sport‹ eignet sich wahrlich nicht zur Beweihräucherung«, sagte der VBE-Vorsitzende. »Solange sich die Sportbegeisterung der Kinder und Jugendlichen nur an den Einschaltquoten ablesen lässt und nicht an deren aktiver Bewegung, haben wir ein Problem. Allein Grundschulkinder verbringen täglich neun Stunden im Sitzen.« Ludwig Eckinger forderte eine Rückkehr zu bewährten reformpädagogischen Erkenntnissen. »Schon vor 80 Jahren wurde in Köln, Halle und Hamburg die tägliche Sportstunde erfolgreich ausprobiert. Dringend müssen an unseren Schulen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.« Dazu zählt Vorsitzender Eckinger auch die Lehrerbildung. »Insbesondere die Ausbildung für das Lehramt Grundschule muss eine musische wie sportpädagogische Lehrbefähigung einschließen.«

VBE im Internet
"Jahr der Erziehung durch Sport"



Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
 

Trierischer Volksfreund 12.2. 2004

Rechnen im Laufschritt

HUPPERATH. Die Grundschule in Hupperath hat einen besonderen Schultag erlebt: Nicht nur die Schüler sollten etwas lernen, auch die Lehrer und die Eltern wurden zum Unterricht in Sachen Bewegung aufgefordert. Anlass war das Schulprojekt "Bewegte Schule" vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung.

Wann können sich Kinder in der Schule bewegen? Im Sportunterricht oder in der Pause. Und im Matheunterricht? Physiotherapeutin Margret Adams, freie Mitarbeiterin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, hat auch dafür Ideen. Laufen auf der Stelle, dabei rechnen, und wer das richtige Ergebnis hat, bleibt stehen. "Ich will weiter rennen!", ruft Felix, als er sich wieder setzen soll.
Begeistert sind die Zweitklässler bei der Sache. Der Aktionstag an der Grundschule soll Rückenschäden vorbeugen.

Um das Thema theoretisch anschaulich zu machen, reichen die Grundschüler ein Modell einer Wirbelsäule von Bank zu Bank weiter.

Die Funktionsweise einer Bandscheibe erfahren sie anhand eines Schwammes, der von Schüler zu Schüler geworfen wird. Auch das Beispiel mit dem Hamburger leuchtet den Kindern ein: Wenn man diesen vorne zusammendrückt, quillt es hinten raus. "Genauso ist es mit der Bandscheibe", macht Adams den Kindern klar.

Was ist zu beachten, wenn man einen gesunden Rücken behalten will? Die Kinder haben es schnell begriffen. Vernünftig sitzen, richtig heben, viel bewegen und nicht zu schwer tragen. Deshalb müssen natürlich auch die Schulranzen unter die Lupe genommen werden. Schon vor dem Unterricht, der in dieser Stunde von Margret Adams gestaltet wird, waren zwei ihrer Kolleginnen in den Klassen und haben die Schüler und ihre Schulranzen gewogen. Dabei zeigte sich auch in Hupperath ein gewohntes Bild: Die meisten Schulranzen waren zu schwer.

Margret Adams ruft vier der Schüler mit ihren Ranzen nach vorne. Sandro zieht beim Tragen des Schulranzens die Schultern nach vorne, ein Zeichen dafür, dass der Ranzen zu schwer ist und nicht optimal angepasst. Marcos Ranzen sitzt zwar vorschriftsmäßig auf Schulterhöhe ist aber auch zu schwer. Bei Jessica dagegen sitzt die Schultasche zu tief, ein Hohlkreuz sei die Folge, erläutert Adams.

Nach einem weiteren Bewegungsspiel, bei dem die Groß- und Kleinschreibung geübt wird, ist für die Kinder diese Stunde beendet.

Für Margret Adams dagegen geht der Tag weiter. Nun müssen die Lehrer die Schulbank drücken. Auch bei ihnen ist Sitzenbleiben nicht erlaubt, sie lernen, wie sie Bewegungen in den Unterricht einbauen können.

Margret Adams Theorie: Wer beim Lernen im Kreis um einen Tisch herum gehe, behalte das Gelernte länger gespeichert. Ihre eigenen Kinder lernen beim Trampolinspringen. "Ich versuche, den Lehrern die Angst zu nehmen, dass Bewegung Unruhe in die Klasse bringt", erklärt Adams.

Um das Angebot abzurunden, sind abends die Eltern an der Reihe. Sie sollen mit den Kindern die Schulranzen auf überflüssigen Ballast prüfen. "Die Eltern können nicht alles auf die Schule abschieben", sagt Adams. Sie fordert dazu auf, die Kinder nicht ständig zu fahren, sondern häufig zu Fuß gehen zu lassen. Auch bei der Auswahl der Ranzen sind die Eltern gefragt. Heute würde viel zu sehr der Mode nachgegeben. "Ich muss den Eltern auf die Füße treten."
 

Bewegte Schule
Lernen braucht Bewegung

 
 
 



 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Südwest-Aktiv 12.2. 2003

Mit Technik und Köpfchen

Die Grund- und Hauptschule Frommern ist eine Schule mit Sportprofil. Die Schüler können nicht nur Volleyball und Handball spielen. Im Sommer gibt's Inline-Kurse, im Winter geht's ins Eislauf-Stadion, Aerobic sorgt für körperliche Fitness, Badminton für Spaß.

Neu im Angebot ist ein Fitness-Raum, der den Acht- und Neuntklässlern fürs zusätzliche sportliche Training zur Verfügung steht. Die Ringer des TSV Frommern nutzen diesen Raum schon seit Jahrzehnten, die Schüler haben ihn unter Anleitung von Inken Lottermoser und Markus Jung, beide unterrichten Sport, und mit Unterstützung von Schulsozialarbeiter Markus Guse zu einem kleinen Fitness-Studio ausgebaut. Eltern stellten Geräte zur Verfügung, im Fundus des Landesinstitutes für Schulsport fanden sich weitere 'Folterinstrumente', um die Muskulatur von Bauch, Beinen, Rücken und Armen zu stärken. Otto Weitprechtinger, langjähriger Ringertrainer und Anlaufstelle der Schule für die Kommunikation mit dem TSV Frommern, konnte nur darüber staunen, was Schüler und Schule auf die Beine gestellt haben.

In diesem Raum macht das Training mit Hanteln, Beinstrecker und Bauchmuskelmaschine wirklich Spaß. Markus Stange, Schüler der Klasse neun und Sportmentor, wird das Fitness-Studio künftig jeden Montag in der sechsten Stunde für die Fitnessfreaks öffnen. Übrigens: Gerätetraining ist nicht nur was für echte Muckis, es tut Körper und Geist gut.

Nach Weihnachten öffnete sich an der Frommener Schule die Tür zu einer Sportart mit recht exotischem Namen. Wing Tsung ist kein Kampfsport, sondern eine Kampfkunst - vor 250 Frauen von einer Frau 'erfunden'. Ein Mix aus Technik und Philosophie, der auf dem Schulhof wahre Wunder wirken kann. 'Wing Tsung vermittelt Disziplin Zielstrebigkeit und Selbstbewusstsein', erzählt der ausgebildete Kampfkunstlehrer Cengiz Düzgören. Der 24-jährige Balinger trainiert mit seiner Gruppe jeden Dienstag. Und die Jungs und Mädchen aus den Klassen sieben bis neun sind 'wirklich mit Begeisterung bei der Sache', erzählt die stellvertretende Schulleiterin Susanne Eitel. Ganz zu schweigen vom pädagogischen Nutzen. 'Hier wird mit Köpfchen gekämpft', gibt Cengiz Düzgören Einblicke in die Welt dieser Form der asiatischen Selbstverteidigung. Nicht Angriff, sondern Abwehr, nicht Aggression, sondern Wachsamkeit bestimmen die gezielten Bewegungen, mit der sich eine schmächtige Schülerin ohne große körperliche Anstrengung gegen einen bärenstarken Jungen zur Wehr setzen kann und Kraftmeier auf dem Schulhof garantiert den Kürzen ziehen.
 
 

Grund- und Hauptschulle Frommern
Bewegte Schule
Lernen braucht Bewegung

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Heilbronner Stimme 5.2. 2004

Kirchheimer Schule kommt in Bewegung

Super! Wow! Geil! Mit diesen Ausrufen stürmen die Zweitklässler die Schulturnhalle. Was begeistert sie? Ein Bewegungsparcours ist aufgebaut. Und sie dürfen dort machen, was sie wollen. "Die Schule auf dem Laiern kommt in Bewegung", sagt Kirchheims Schulleiterin Ulla Seitz lachend.

Was wie ein Scherz klingt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Mediziner und Erzieher beklagen die veränderte Bewegungswelt der Kinder zwischen Computer, Fernseher und Kühlschrank. "Kinder bewegen sich nach einer Erhebung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung durchschnittlich nur noch eine Stunde pro Tag", erklärt Rebekka Kunz, Mitarbeiterin am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Karlsruhe, beim Kirchheimer Aktionstag zum Projekt "Grundschule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt".

Die Folgen sind bekannt: Kinder haben immer öfter Übergewicht, Haltungsschäden, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. " Deshalb hat das Kultusministerium vor zweieinhalb Jahren fünf Modellschulen mit der Aufgabe betraut, mindestens 200 Minuten Sportunterricht pro Woche durchzuführen und eine Rhythmisierung des Unterrichts mit bewegtem Unterricht und bewegten Pausen, zu entwickeln ", erläutert Edwin Gahai, stellvertretender Referatsleiter Schulsport im Kultusministerium.

Das Ergebnis sei durchweg sehr positiv ausgefallen: Kinder, Lehrer und Schulleitungen seien nach den anstrengenden Einführungsphasen vollauf begeistert.

Ulla Seitz, früher selbst Schulleiterin an einer Modellschule, ist überzeugt: "Kinder lernen durch Bewegung. Sie steigern ihre Konzentrationsfähigkeit und können dadurch mehr leisten. Und wir konnten beobachten, dass die Aggressionen auf dem Schulhof deutlich abnehmen. " Angestrebt werde daher der Ausbau des Modells sowie eine enge Vernetzung mit Partnern wie Sponsoren und Sportvereinen, sagt Edwin Gahai. Dazu diene der Aktionstag in Kirchheim.

Wie sieht der aus? Am Vormittag vermitteln Pia Hartmann und Silvia Zuckriegl von der Uni Karlsruhe den Schülerinnen und Schülern in ihren Klassenräumen erste Grundkenntnisse zu Haltung, Bewegung und dynamischem Sitzen. Mit den Klassenlehrern geht's danach in die Sporthalle, wo die Kinder in spielerischer Form die Zusammenhänge von Bewegung, Gesundheit und Lernen erfahren können: Hüpfen, hangeln, rollen, springen, ziehen, Hindernisse überwinden - und das alles auf eigene Faust.

Beim "Schulranzen-TÜV" werden die Kinder und ihre Ranzen gewogen, ihr Bewusstsein für Gewicht geweckt. Die gesunde Ernährung, die ebenfalls zur "bewegten Schule" gehört, wird von der AOK an einem anderen Tag vermittelt.

Am Nachmittag sind dann die Lehrerinnen und Lehrer dran: Fortbildung in Sachen Sitzen, Lernen und Bewegen übernehmen Rebekka Kunz und Renate Weber vom Schwäbischen Turnerbund. Schließlich klingt der Tag mit einem Elternabend zur "bewegten Schule" aus. "Kirchheim ist gedanklich auf dem Weg, sich den rund 300 Grundschulen im Land anzuschließen, die sich bereits für die bewegte Schule entschieden haben ", sagt Edwin Gahai. Ulla Seitz nickt. Für sie ist dies ein wichtiger Schritt, um die Persönlichkeit der Kinder zu stärken.

Bewegte Schule
Lernen braucht Bewegung
Bewegung und Lernen (E&W 12/2003)




Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Deutsche Welle 29.1. 2004

Wider den Einzelkämpfer

Schüler sollen durch den Sport soziale Kompetenz erwerben

Sportunterricht soll nicht nur Körperdrill sein. Daher beginnt am Donnerstag (29.1.) das "Europäische Jahr der Erziehung durch Sport" in Dublin. Wie aber sieht Erziehung durch Sport aus?
 
Marcus Rummel ist einer jener Lehrer, die mit viel Motivation von der Sporthochschule kommen. Sein Unterricht sieht anders aus als konventioneller Sportunterricht. "Es ist nicht mehr so, dass wir in einer Reihe stehen und die Übung machen, und alle machen das - auch der kleine Dicke springt über den Bock - sondern da kann sich jeder individuell einbringen. Das ist der ganz große Knackpunkt." Bei ihm kann es vorkommen, dass die Schüler Klettern, zu Hip-Hop-Musik tanzen oder Kanu-Fahren.

Diese offene Unterrichtsform ist an Schulen noch die Ausnahme, meint der Sportlehrer aus Köln: "Das Problem ist eben, dass erziehender Sportunterricht eine ganze Menge Arbeitsaufwand bedeutet und ganz starkes Umdenken. Und da die Sportlehrer immer die Alten sind, die ihre Sachen schon seit 30 Jahren so durchziehen, wird der Lehrplan eben nicht umgesetzt." Aber auch die älteren Schüler warten noch immer darauf, dass Marcus Rummel ihnen die Übungen vor macht - sie kennen es eben nur so.
 

Eyes 2004

Mit dem "Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport" - englisch abgekürzt: "Eyes 2004" - soll das anders werden. Initiiert hat es die EU-Kommissarin für Bildung und Kultur, Vivane Reding. In jedem EU-Land, auch den künftigen, will sie ehrenamtliche Arbeit fördern. Harald Zulauf koordiniert die Eyes-Kampagne in Deutschland:

Er erklärt: "Es geht um Teamgeist, es geht um Fair Play, es geht um Antidiskriminierung, es geht um soziale Kompetenz." Das heißt: Programme, die diese Dinge Schülern und im Bereich der Weiterbildung Erwachsenen vermitteln, werden ausgewählt und gefördert.

Das lässt sich die EU was kosten: Zwischen 20.000 und 100.000 Euro aus EU-Mitteln gehen an 185 Projekte in ganz Europa. Sie sollen das Jahr hindurch von sich reden machen - durch Auftritte in Medien und Öffentlichkeit, Weiterbildung für Sportlehrer und den Ausbildern von Sportlehrern. Harald Zulauf hofft auf Lerneffekte, die noch in ein paar Jahren wirken.

Umdenken braucht Zeit

Bei dem Sportlehrer Marcus Rummel ist die Idee angekommen – bei seinen Schülern nicht unbedingt. So versucht er mit allerlei Tricks, den alten Leistungsdruck loszuwerden und Bewegung kreativ zu machen. Aber oft genug bekommt er dann zu hören: Können wir nicht Fußball spielen? "Tja, da musst du eben irgendwie versuchen zu werben und dich zu verkaufen - so von heut auf morgen kann man die nicht umstrukturieren."

Statt Wettbewerb: Sport im Team. Dafür musste auch Marcus Rummel umdenken lernen: "Gruppenarbeit ist nicht Gruppenarbeit. Du kannst da nicht sagen: Passt mal auf, ihr schließt euch zu fünft zusammen und dann macht mal. Du musst das schon strukturieren, du musst in der Gruppe Funktionen verteilen, jeder hat so seinen Part."

Letztendlich suchen ja auch die Arbeitgeber keine verbissenen Supercracks, sondern teamfähige, faire Leute mit Begeisterung für die Sache. Der Sportunterricht in der Schule soll künftig der Ort sein, wo diese Kompetenzen entstehen.

Europäische Kommission/EYES 2004

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Frankfurter Neue Presse 26.1. 2004

Opel Skyliners wollen in den Schulen Begeisterung wecken

Frankfurt. In der Turnhalle der Musterschule summte es wie in einem Bienenkorb. Bis Pascal Roller die Trainingsjacke ablegte und auf das Feld trat. Nun wurde es mucksmäuschenstill. Eins, zwei Mal tippte der Nationalspieler den Ball auf dem Boden auf und beförderte ihn schließlich lässig per Korbleger in den Ring.
 
Schon das brachte ihm ersten verhaltenen Beifall der rund 100 Kinder ein, die entlang der Hallenwand saßen. Nun schlenderte Roller ein paar Meter in Richtung Hallenmitte und probierte einen Distanzwurf: Patsch, drin! Der Jubel der Zehn- und Elfjährigen schwoll an. Der 27 Jahre alte Skyliners-Kapitän war jetzt gut drauf und verwandelte gleich noch drei, vier Schüsse. Das Eis war gebrochen, die Auftaktveranstaltung zur Initiative "njoyBasketball@School", das war klar, würde ein Erfolg werden.

Rund 100 Mal werden Trainer und Spieler des Bundesligisten Opel Skyliners Frankfurt dieses Projekt 2004 an verschiedenen hessischen Schulen vorstellen. Unterstützt werden sie dabei von ihrem Kooperationspartner und Hauptsponsor, der Adam Opel AG, sowie vom Staatlichen Schulamt und dem Hessischen Basketball-Verband. Später soll das Programm auch auf die östlichen Bundesländer ausgeweitet werden.

"Das ganze ist aus unserem Selbstverständnis heraus entstanden, dass wir auch den Breitensport fördern wollen", erklärte Skyliners-Manager Gunnar Wöbke anlässlich der Auftaktveranstaltung in Frankfurt. Dabei entspräche es keineswegs der Erwartungshaltung des Erstligisten, "dass hier die Talente gefunden werden, die eines Tages für die Skyliners spielen". Vielmehr gehe es darum, "dass die Kinder und Jugendlichen, die sich für den Sport begeistern, mit unserer Hilfe den Weg in die Vereine finden".

An diesem Punkt ist dann die Politik gefragt. Wilhelm Paul, Ministerialrat im Hessischen Kultusministerium, räumte ein, es könne "besonders in den Ballungsräumen eng werden". Angesichts der ohnehin begrenzten Kapazität in den Sportstätten könne manch ein Verein Schwierigkeiten haben, neue Mitglieder aufzunehmen beziehungsweise ihnen ausreichend Trainingsmöglichkeiten zu bieten. "Frankfurt hat da Nachholbedarf", machte Paul deutlich. Deshalb müsse man sich mitunter damit begnügen, "die Jugendlichen nicht an die Vereine, aber wenigstens an die Sportart heran zu führen".

In der Musterschule, die laut Schulleiter Dieter Kallus zu den wenigen in Hessen zählt, die noch drei Wochenstunden Sportunterricht anbieten, war zumindest für die Demonstrations-Veranstaltungen der Skyliners noch Platz und Zeit genug. Und es soll auch über die einmalige Vorführung hinaus dafür gesorgt werden, dass Basketball in den besuchten Schulen voran kommt. "Wir helfen den Lehrern mit Know-how und Materialien. Außerdem bieten wir ihnen die Möglichkeit, die Sache zu vertiefen", erklärte Wöbke. Neben vierstündigen "Lehrerfortbildungen" könnten die Pädagogen vor acht Heimspielen der Skyliners an so genannten "Clinics" teilnehmen. Dahinter verbergen sich jeweils zweistündige Seminare, die sich mit Theorie und Praxis des Basketballs beschäftigen. "Im Moment ist es oft so, dass die Schüler den Lehrern zeigen müssen, wie man ein Spiel pfeift", sieht Wöbke reichlich Nachholbedarf.

Wie man Kinder für den Sport begeistert, das zeigte in der Musterschule Daphne Bouzikou. Das Probetraining mit der Co-Trainerin der Skyliners war für die Schüler der 5 a jedenfalls ein Heidenspaß. Und nach kurzer Zeit traute sich der erste sogar, Pascal Roller den Ball abzujagen.

Skyliners in der Schule
www.bbcoach.de



Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Westfälischer Anzeiger 24.1. 2004

Spezieller Schulsport hilft gegen Haltungsschäden

Gesundheitsforum führt mit Physiotherapeuten Studie bei Erstklässlern durch. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gab 57 000 Euro

WERNE · Die stolze Summe von immerhin 57 000 Euro stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für eine Studie zur Verfügung, die das Gesundheitsforum Werne im Laufe diesen Jahres an Werner Grundschulen durchführen wird. Das gab der Vorsitzende des Forums, Dr. Hans Piepenbrock, bekannt, nachdem er das Projekt in Berlin vorgestellt hatte und auf große Resonanz gestoßen war.

"Mit unserer in die Zukunft gerichteten Studie wollen wir nachweisen, dass es durchaus möglich ist, durch entsprechend ausgerichteten Sportunterricht bereits in den ersten beiden Schuljahren eine nachhaltige Verbesserung der Haltungs- und Bewegungskompetenzen von Schülern zu erreichen", machte Dr. Piepenbrock deutlich. Dadurch könnten auf lange Sicht nicht nur die Beschwerden für den Einzelnen verringert, sondern auch Kosten für ihn und die Allgemeinheit durch Arbeitszeitausfälle, medizinische Versorgung oder Frührente vermieden werden.

In diesem Sinne soll die Studie zunächst eine Handlungsgrundlage und zugleich die Rechtfertigungsbasis für Veränderungen im schulischen Sportunterricht liefern.

Darüber hinaus soll sie Anreize dafür schaffen, weitere Untersuchungsreihen mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen - besonders unter dem Gesichtspunkt der Verknüpfung von körperlicher Fitness und allgemeiner schulischer Leistung.

An der Studie nehmen etwa 200 Erstklässler der Uhland-, Weihbach- und Wienbredeschule teil. Nach der Eingangsuntersuchung aller Kinder wird ungefähr die Hälfte der Erstklässler - unter der Leitung von sechs ortsansässigen Physiotherapeutinnen und -therapeuten - über ein Jahr speziellen, rückenorientierten Sportunterricht erhalten. Die andere Hälfte nimmt am vorgeschriebenen Schulsport teil. Eine abschließende Untersuchung soll die Effektivität der gezielten Maßnahmen aufzeigen.

Die Arbeit der Physiotherapeuten wird von Karin teRietmole-Wittrock koordiniert. Beteiligt sind zudem Barbara Temme, Michaela Buschmann, Katrin Häger, Susann und Olaf Zapf.

Wie Dr. Piepenbrock weiter berichtete, wird die Aufteilung der Schüler in je eine Studien- und eine Kontrollgruppe in Absprache mit der Arbeitsgruppe Epidemiologie und medizinische Statistik der Universität Bielefeld, die auch die statistische Auswertung der Ergebnisse vornimmt, erfolgen. Die notwendigen Untersuchungen werden von Werner Physiotherapeuten und Dr. Piepenbrock mit Unterstützung des Fachbereiches Gesundheit und Verbraucherschutz des Kreises Unna durchgeführt.

Erstmalig wird dabei ein computergestütztes Verfahren des Bürostuhlherstellers Dauphin eingesetzt, mit dessen "Ergo/Mediamaus" die Rückenform des Kindes grafisch dargestellt werden kann.

Das Projekt entspricht übrigens der Zielsetzung der Kreisgesundheitskonferenzen vom 13. November 2002. Seine Weiterführung über den gesamten Grundschulzeitraum hänge allerdings von der durchaus möglichen weiteren finanziellen Unterstützung durch das Bundesamt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz sowie eventuellen privaten Spenden ab, unterstrich Dr. Piepenbrock abschließend.
 

Aktion Gesunder Rücken
Kinderwelten - Rückenschule
Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung
Bildschirmschoner zur Rückenkräftigung

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

22.01.2004 Oberpfalznetz

Projekt "Wir laufen durch Europa"

Durch Schnee und Eis nach Helsinki

 Mit Projekt "Wir laufen durch Europa" lernen, kochen und sporteln - Kraftakt in Teamarbeit

Tirschenreuth. Eine virtuelle Welt leben. Unmöglich? Nicht für die Hauptschüler der Kreisstadt. Sie laufen durch Europa, passierten gerade Turku, kochen in Landesmanier und haben am Ende noch genug Luft, um durch Schnee und Eis zum Zielort Helsinki zu gelangen. Zu kompliziert? Nein, das ist moderne Projektarbeit mit der Marke pädagogisch wertvoll.

Bei dem Projekt "Wir laufen durch Europa" absolvieren die Mädchen und Jungen während des Sportunterrichts Strecken auf der Laufbahn oder im Schwimmbecken. Insgesamt müssen sie eine Entfernung von 2118 Kilometer zurücklegen. Derzeit spurten die Kinder durch den Norden Europas. "Finnland ist genauso groß wie Deutschland, hat aber 16-mal weniger Einwohner. Gummistiefel statt Handys stellte Nokia früher her und die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Finnen ist Eisangeln", wissen die Schüler der Klasse 8b.

Informiert durch Europa

"Die Teilnehmer des Projekts sind über diese Dinge informiert", meint Schulleiter Werner Bayer überzeugt. "Über alle bisherigen Stationen unserer Route - Marienbad, Weimar, Berlin, Hamburg, Kappeln, Kopenhagen und Stockholm - wissen die Kinder über die geografischen, historischen, kulturellen und auch kulinarischen Gegebenheiten Bescheid", versichert Bayer. Und tatsächlich zeigt eine Thementafel beispielsweise Weimar aus Goethes Sicht.

Doch bleibt nicht alles im virtuellen Raum. Ein Ausflug in die Realität ging im Rahmen einer Klassenfahrt nach Weimar, ein anderer führte gestern auf die Silberhütte. Dort legten 22 Skiläufer die letzten Kilometer auf dem Weg nach Helsinki unter Finnland ähnlichen Bedingungen zurück. "Wir laufen durch Europa" ist demnach auch ein Projekt zum Anfassen.

Großer Wissensdurst

Es schafft zudem, wovon Lehrer im grauen Schulalltag häufig nur träumen: Wissensdurst auf fremde Kulturen, Eigenintiative und Lust auf Teamarbeit. Und es ist fächerübergreifend: "In der Informatikstunde wurde die Route ausgearbeitet, die im Sportunterricht abgelaufen wird", erklärt der Schulleiter.

Essen auf Finnisch

Die "EU-Osterweiterung" und das "Europäische Jahr der Erziehung durch Sport" gaben Anstoß für den Lauf durch die virtuelle Welt. 383 Schüler sind in diesem Sinn seit Oktober auf dem Weg quer durch Europa in Richtung Helsinki. Zurück geht es über eine östliche Route mit verschiedensten Stationen wie Russland, Estland und Tschechien. Ein stattliches Programm. Da kann man nur hoffen, dass Lehrern und Schülern bis zur Schlussveranstaltung im Mai nicht die Luft ausgeht.

Bewegte Schule

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Thüringer Allgemeine 22.1. 2004

Jahr des Schulsports: Körperliche Defizite der Kinder nur durch Sport behebbar

 2004 ist nicht nur Olympiajahr. Es wurde in Thüringen zum "Jahr des Schulsports" und EU-weit als "Jahr der Erziehung durch Sport" ausgerufen. Dabei geht es um weit mehr als gut gemeinten Aktionismus.

Am Mittwoch wurde das "Jahr des Schulsports" für den Kyffhäuserkreis mit Schulleitern und Sportlehrern in der Regelschule "Juri Gagarin" Bad Frankenhausen feierlich eröffnet. Gleich im Anschluss gründete sich ein Förderkreis mit Vertretern von Landratsamt, Kreissportbund und Krankenkassen. Die Zusammensetzung ist nicht zufällig.

Professor Dr. Manfred Thieß, Leiter der Sportakademie des Landessportbunds Thüringen, kennzeichnete in seinem Referat den Schulsport als Rehabilitation, als "Versuch der Wiederherstellung des Normalzustandes". Die Kinder der Generation "Morbus Pokemon" hätten bei ihrer Einschulung zu 50 Prozent Haltungsschäden, seien zu 20 bis 30 Prozent mit Herz-Kreislauf-Problemen belastet, hätten zu 30 bis 40 Prozent erhebliche koordinative Schwierigkeiten. Ein Viertel sei übergewichtig, ein Achtel in seinem psychosozialen Verhalten auffällig. Eine niederschmetternde Diagnose. Dem könne nur mit Sport entgegen gewirkt werden. Der Zustandsbeschreibung der "funktionalen Analphabeten" - im Schnitt beherrsche ein Kind heute 1,2 Sportarten - stimmten die versammelten Sportlehrer zu, wie auch den Forderungen, dass der Sport den Kindern viel früher nahe gebracht, der Sportförderunterricht für die absoluten Sorgenkinder dringend wieder belebt und die Zusammenarbeit mit den Sportvereinen intensiviert werden müsse. Zudem dürfe der Sport die Chancen der Ganztagsschulen nicht verschlafen.

Im Kyffhäuserkreis sollen ein entsprechendes Konzept und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm Umsetzung finden. Unter anderem sollen an den Schulen "Tage des Sports" stattfinden. Und dann gelte es, dafür zu sorgen, dass die gesetzten Impulse nicht nur kurzlebig sind. Auch vor fünf Jahren gab es in Thüringen ein "Jahr des Schulsports".

Wichtiger als alle noch so schlüssige Theorie bleibt die Praxis. "Beweg Dich für Deine Zukunft", heißt das Motto. "Oh, jetzt haben wir aber mächtig überzogen", erkannte Schulsportkoordinator Uwe Rüdiger. Wer erst noch für den Sport begeistert werden soll, wartet sicher keine halbe Stunde in der Turnhalle - wie die schon vom Gymnastik-, Judo- oder Turn-Virus angesteckten Mittwochs-Demo-Sportler.
 

Schulsport in Thüringen
Website der Europäischen Kommission

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

DSB-Presse 20.1. 2004

“Wir wollen Kinder fit für die Schule und damit für die Zukunft machen”
Drei Fragen an Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung
 
DSB Presse: Die Europäische Union hat das Jahr 2004 zum europäischen Jahr der Erziehung durch Sport erklärt. Was kann der Sport in der Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen leisten?

Bulmahn: Kinder, die sich viel bewegen, sind später konzentrierter in Schule und Beruf. Sport integriert und führt junge Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, in unserem Land wie in ganz Europa. Das sind nur einige Vorteile von Sport, der auch in meinem Leben eine ganz wesentliche Rolle spielt. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang das bürgerschaftliche Engagement von insgesamt 2,5 Millionen Menschen in insgesamt 90.000 Sportvereinen in Deutschland. Ohne deren Einsatz auch für Kinder und Jugendliche wäre unser Land ärmer.
 

DSB Presse: Viele wissenschaftlichen Studien zeigen zwar, dass die Fitness von Kindern und Jugendlichen  immer stärker zurückgeht. Droht der Sport nicht dennoch im Schatten der Diskussion um die PISA-Studie und deren Folgen hinten herunter zu fallen?
 

Bulmahn: Keineswegs. 2004 steht der Sport im besonderen Blickpunkt der Öffentlichkeit. Durch die Olympischen Spiele in Athen, die Fußball-Europameisterschaft und nicht zuletzt die deutsche Olympiabewerbung  in Leipzig. Die Faszination, die diese Sporteignisse auf viele Menschen ausüben, werden wir gemeinsam nutzen, um sie für sportliche Werte wie Fairplay und Teamgeist zu sensibilisieren. Und wir wollen auch verstärkt darauf aufmerksam machen, dass bei einer steigenden Anzahl von Grundschulkindern die motorischen Fähigkeiten nicht ausreichend entwickelt sind. Wir müssen die Kinder fit für die Schule und damit auch für die Zukunft machen. Viele Elterninitiativen, Grundschulen und Vereine haben sich zusammengetan, um die Beweglichkeit und die Feinmotorik von Kindern bereits im Grundschulalter zu fördern. Das stimmt mich zuversichtlich.
 

DSB Presse:  Erziehung ist in Deutschland Ländersache. Aber der Bundesregierung liegen die Ganztagsschulen am Herzen, sie werden stark gefördert. Wie wird der Sport dort konkret eingebunden werden? Kommt ihm eine besondere Bedeutung zu?
 

Bulmahn: Das Motto des EJES „Beweg dich – für Deine Zukunft“ hat eine besondere Symbolkraft, denn es zeigt, dass wir bei der grossen Bildungsreform in Deutschland mit dem Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung gerade vieles bewegen. Ich freue mich, dass durch dieses Programm mittlerweile in vielen Bundesländern zukunftsträchtige Partnerschaften zwischen Schulen und Sportvereinen entstanden sind. Denn wo sonst, wenn nicht in ganztägigen Schulangeboten nachmittags auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle der nahe gelegenen Schule können Kinder und Jugendliche ihre Freizeit mit Sport verbringen? In einer Ganztagsschule ist mehr Zeit und Platz für attraktive Zusatzangebote wie Kanufahrten, Klettern, Jonglieren oder Breakdance. Der Fantasie und dem sportlichen Ehrgeiz sind da keine Grenzen gesetzt!

Website der Europäischen Kommission

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Hamburger Abendblatt 17.1. 2004

Mit flottem Aerobic-Kurs die Lust am Sport neu entdeckt

Hamburg - Was hat denn den hierher verschlagen, hat sich so mancher gedacht, als André Emme (17) zum ersten Mal ins Juka-Dojo kam. An den Handgelenken und um den Hals trägt er nietenbesetzte Lederriemen. Das meiste an ihm ist schwarz: seine langen Haare, seine Klamotten, seine Fingernägel. Ein krasser Kontrast zum hellen Wellness- und Fitnessstudio Juka-Dojo in Klein-Flottbek. Statt zu Gitarrenriffs bewegt André sich hier einmal pro Woche zu Dancefloorbeats.

"Die Musik ist zwar scheußlich, aber Aerobic ist immer noch besser als Hockey oder Fußball", findet André. Unter den 22 Teilnehmern des Aerobic-Kurses, der den Schülern der elften Klassen am Gymnasium Othmarschen seit diesem Schuljahr angeboten wird, ist er einer von drei Jungs. "Wir wollten mal was ganz Neues machen, mit einem kommerziellen Anbieter zusammen", erklärt Referendar Benjamin Köpp, warum sich die Schüler jetzt schon ein Jahr früher als üblich ihre Sportkurse selbst wählen dürfen.

Die wachsende Unlust der Elftklässler am herkömmlichen Schulsport habe den Ausschlag zu diesem unkonventionellen Schritt gegeben, so der 76-malige Hockey-Nationalspieler des Uhlenhorster HC weiter. Anfangs vom Kollegium noch kritisch beäugt, gibt die positive Resonanz Köpp längst Recht. "Der Kurs kommt sehr gut an. Alle sind mit Begeisterung dabei", sagt er.

Unter Anleitung der Gesundheitstrainerin Marion Fetzer hüpfen und schwitzen die Teenager jeden Montag und lernen nebenbei noch etwas über den Sinn verschiedener Übungen. Grundkenntnisse in der Muskellehre fließen ebenso in die spätere Benotung ein wie Fortschritte und Engagement. "Es ist einfach anders als normaler Schulsport", meint Sabrina Schwach. Ihr gefällt die wöchentliche Aerobicstunde. Ihre Freundin Lorraine Hansen (18) sagt: "Das ist der einzige Kurs, in dem man etwas für Körper und Wohlbefinden tun kann." Zu viele Leute seien übergewichtig, findet Lorraine, nur wenige würden etwas dagegen tun. "Wenn man schon früh mit Sport anfängt, bekommt man auch im Alter keine Probleme", ist Lorraine, die mittlerweile sogar Mitglied im Juka-Dojo ist, sicher.

Davon ist André weit entfernt. Obwohl er Sport im Prinzip sehr mag, war Aerobic bei der Kurswahl für ihn nur das kleinste Übel. "Hanteltraining fände ich besser", verrät er. Eine Mitgestaltung des Unterrichts ist zwar möglich, im Kraftraum Gewichte zu stemmen steht jedoch nur selten auf dem Programm. Einen Grund dafür nennt Center-Leiterin Fetzer: "Die Jungs wollen pumpen, die Mädchen tanzen." Und Letztere sind nun einmal deutlich in der Überzahl.

Sportunterricht.de/Linksammlung Sportarten


 

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Braunschweiger Zeitung 16.1. 2004

"Fit wie Leo"–ohne Kalorienzählen
Übergewichtige Kinder rücken mit Kochkursen und Bewegung ihren überflüssigen Pfunden zu Leibe

Das Essen ist bunt. Schokolade ist rot, Kirschmarmelade gelb, und Vollkornspaghetti sind grün. Monique, Thomas, Julia und Veronique haben ihre Speisen nicht gefärbt, sie haben sie in Ampelfarben eingeteilt. Zu Rot greifen sie nur selten, an Grün essen sie sich satt. Die vier Zehnjährigen sind übergewichtig.

Abspecken wollen sie ohne Diät, dafür mit dem Programm "Fit wie Leo". Ärztin Susanne Groenewold und Ernährungswissenschaftlerin Kerstin Gruner-Labitzke haben das Training vor einem dreiviertel Jahr entworfen. Diplom-Psychologin Marit Albers unterstützt sie. Sechs Monate dauert ein Kursus im Ernährungsmedizinischen Zentrum. Zweimal wöchentlich nehmen die Mädchen und Jungen teil.

Ihre Motivation: "Nicht mehr so viel gehänselt werden", sagt Veronique und blickt auf den Boden. Spöttische Sprüche und Gelächter kennen alle 28 Kinder, die bisher an "Fit wie Leo" teilnehmen. Die meisten haben zehn Kilo und mehr Übergewicht. Den Sportunterricht in der Schule betrachten viele schon lange nur noch von der Bank aus. Schmerzen in den Gelenken und Bluthochdruck sind häufige Erkrankungen oder Spätfolgen. "Die andern waren immer schneller", gesteht Thomas. Er kam bei seinen Kumpels nicht mehr hinterher.

Angekratztes Selbstbewusstsein möbelt Psychologin Marit Albers wieder auf. Sie übt in Rollenspielen mit den Kinder, die eigene Meinung zu sagen. Außerdem lernen sie Entspannungsübungen.

Wieviel esse ich? Und was? Das sind Themen, die die Schüler zum Thema Ernährung erforschen. "Wir zählen keine Kalorien, und verboten ist nichts", nennt Susanne Groenewold zwei Merksätze. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Familie bereiten die Kinder in Kochstunden fettarme Pizza zu oder probieren Apfel-Möhren-Rohkost.

"Wir beziehen die Eltern ein", betont die Ärztin. "Sie müssen sich auch umstellen. Ohne Eltern geht es nicht." Geregelte Mahlzeiten, gemeinsame Essenszeiten seien in etlichen Familien nicht vorhanden. Julia greift jetzt öfter zu Äpfeln statt zu Gummibärchen.

Badminton, Bockspringen und Ballspiele stehen in den Sportstunden auf dem Programm. "Die Kinder dürfen sich aussuchen, was sie machen. Wichtig ist der Spaß an der Bewegung", sagt Susanne Groenewold. Die Pfunde purzelten dann (fast) von alleine.

"Fit sein macht Schule"


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler
Westfälische Rundschau 15.1. 2004
 

Viertklässler der Ebbeschule "heiß" auf Fitnesstest: Staunende Mitschüler

"Können wir schon in die Turnhalle, Frau Wagner?" - Die Viertklässler der Ebbeschule in Valbert hätten am liebsten auf die 5-minütige Pause verzichtet, waren schon ganz "heiß" auf den Sportunterricht, in dem gestern der Fitnesstest nach "Münchner Muster" anstand. "Die sind schon seit Tagen hochmotiviert", freute sich auch Angelika Wagner über das Engagement ihrer Schüler und Schülerinnen.

Die Grundschule Valbert macht in diesem Jahr den Anfang der WR-Aktion "Schulsport in Bewegung", die den kleinen Fitnesstest beinhaltet. Ende 2002 beteiligten sich rund 1000 Schüler aus Meinerzhagen und Valbert an dieser Gemeinschaftsaktion der Westfälischen Rundschau mit der AOK Märkischer Kreis und dem Stadtsportverband Meinerzhagen.

Nun steht die zweite Auflage - quasi die Wiederholung - des Fitnesstest an, der hoffentlich neue Erkenntnisse bringen soll. Denn die Ergebnisse aus 2002 passten sich dem Gesamtbild der alarmierenden Zahlen an: Kinder und Jugendliche müssen an ihrer Fitness arbeiten. Mit dem Folgetest 2004 soll aufgezeigt werden, ob sich die bundesweite Diskussion um den Schulsport und die Bewegungsarmut der Schüler verbessert hat.

Ballprellen, Zielwerfen, Rumpf-Hüftbeugen, Standhochspringen, Halten im Hang und Stufensteigen sind die einzlenen Übungen, die der Münchner Fitnesstest vorgibt. Die Ergebnisse werden in den Erfassungsbogen anonym eingetragen und erneut durch WIAD (wissenschaftliche Institut Deutschland) ausgewertet.

"Wir schaffen heute nur einen Teil der Übungen", so Sportlehrerin Wagner, "denn wir haben nur eine Einzelstunde zur Verfügung." Weil die 25 Viertklässler der Ebbeschule mit Begeisterung, Disziplin und auf die Aufgaben vorbereitet ("Aber kein Training!") an den Leistungstest herangingen, konnten bereits vier Tests abgehakt werden. Standhochspringen und Zielwerfen folgen in der nächsten Unterrichtstunde.

Die Ebbekinder hinterließen optisch einen guten sportlichen Eindruck: von der Sportkleidung bis zu den Leistungen - und alles im Teamwork untereinander. Es wurde für den Mitschüler das Ballprellen gezählt oder ge-holfen, den Puls zu finden. Einige Schülerinnen, die auch Vereinssport betreiben, dehnten sich sogar gewissenhaft vor den Übungen.

Staunende Blicke und höchste Anerkennung aus dem Klassenverband gab es schließlich sogar beim "Halten im Hang". "Ich kletter gern", hatte Nina sogar eine Erklärung dafür, dass sie mit 1,23 Minuten lange den Rekord an der Sprossenwand hielt. Erst ihre Mitschülerin Kim übertraf sie noch, denn erst nach 90 Sekunden verließen sie die Kräfte.

In den nächsten Wochen werden auch die anderen 2002 beteiligten Schulen den Folgetest absolvieren. Dazu auch nochmals der Hinweis, dass bei der AOK Meinerzhagen ein Pulsuhrenset für den Sportunterricht zur Verfügung steht.
 

Der Münchner Fitness-Test
"Fit sein macht Schule"


Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

Freie Presse Chemnitz  9.1. 2004

Zwickau: Beispiele mit Vorbildwirkung

Zum elften Mal: DOG-Stadtgruppe startet Fair-Play-Wettbewerb

Zum mittlerweile elften Mal ruft die Stadtgruppe Zwickau der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG) in einer Gemeinschaftsaktion mit der Sparkasse Zwickau unter dem Motto „Sport verbindet — Sieg für Fairness, Leistungswille und Freundschaft“ zu einem Fair-Play-Wettbewerb im Sport der Zwickauer Region auf.

Die Organisatoren wenden sich an alle aktiven Sportler, Übungsleiter, Funktionäre, Vereinsvorstände, Sportartenverbände, Schulen und Bildungseinrichtungen sowie das gesellschaftliche Umfeld, Vorschläge zu unterbreiten. Gesucht werden Beispiele für besonders faires Verhalten über einen längeren Zeitraum, außergewöhnliche Aktivitäten über Wettkampfbestimmungen und Regelwerk hinaus, Initiativen zur Propagierung des Fair-Play-Gedankens sowie Fair Play im Sportunterricht. Einzige Bedingung: Die genannten Aktivitäten müssen aus dem vergangenen Jahr stammen.

Die Teilnehmer werden gebeten, ihre möglichst aussagefähigen Unterlagen bitte bis zum 7. Februar an die Geschäftsstelle der DOG-Stadtgruppe Zwickau, Schlobigplatz 23, 08056 Zwickau, zu senden. Eine fachkundige Jury wird unter den eingesandten Vorschlägen die wirksamsten Aktivitäten auswählen. Die Auszeichnung der Preisträger erfolgt im Rahmen der 11. Zwickauer Sport-Gala am 20. März im Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“. Neben der öffentlichen Würdigung gibt es Geldprämien und Sachpreise.

Bei den bisherigen zehn Auflagen des Fair-Play-Wettbewerbs waren die ersten Preise an den SV Vorwärts Zwickau (1993), den Stadtsportbund Zwickau (1994), den DFC Westsachsen Zwickau (1995 und 2001), die Projektgruppen der Mittelschule Lichtentanne (1996, 1997 und 2003), die Goetheschule Neuplanitz (1998 und 2000) und den Kindergarten „Zwergenland“ Schönfels (1999) vergeben worden.

Unterrichtsmaterialien Fair Play
Deutsche Olympische Gesellschaft

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

1.1. 2004 - Sportunterricht.de
 
2004  - Europäisches Jahr der Erziehung durch Sport (EJES)
 
Website der Europäischen Kommission Der Rat der Europäischen Union hat gemeinsam mit dem Europäischen Parlament das Jahr der Erziehung durch Sport 2004 (EJES 2004) ausgerufen. 

Das vorrangige Ziel der Initiative ist die Sensibilisierung der europäischen Öffentlichkeit für die Bedeutung des Sports in der Erziehung im Allgemeinen, als auch die Förderung körperlicher Aktivitäten in der Schule durch die Ausweitung des Schulsports im Besonderen. 


 

Die vorrangigen Ziele des Europäischen Jahres der Erziehung durch Sport sind:
 

  • Sensibilisierung von Bildungs- und Sporteinrichtungen für die Notwendigkeit der Zusammenarbeit, um angesichts des großen Interesses der Jugendlichen für alle erdenklichen Sportarten die erzieherische Funktion des Sports und seine europäische Dimension auszubauen;
  • Nutzung der im Sport geltenden Werte, um Kenntnisse und Kompetenzen zu vermitteln, die es den Jugendlichen ermöglichen, ihre sozialen Kompetenzen (wie Teamarbeit, Solidarität, Toleranz und Fairness) in einem multikulturellen Umfeld unter Förderung des persönlichen Einsatzes zu entwickeln;
  • Sensibilisierung für den positiven Beitrag ehrenamtlicher Tätigkeiten zur nichtformalen Bildung, insbesondere von Jugendlichen;
  • Förderung des erzieherischen Wertes der Mobilität und des Schüleraustauschs, vor allem in einem multikulturellen Umfeld, durch Veranstaltung sportlicher und kultureller Begegnungen im Rahmen schulischer Aktivitäten;
  • Förderung des Austausches vorbildlicher Verfahren in Bezug auf die Rolle, die der Sport in den Bildungssystemen übernehmen kann, um die soziale Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu fördern;
  • Schaffung eines ausgewogeneren Verhältnisses zwischen geistigen und körperlichen Aktivitäten in der Schule durch Förderung des Schulsports;
  • Prüfung der mit der Schulbildung junger Sportler und junger Leistungssportler zusammenhängenden Probleme.

 

Deutsche Auftaktveranstaltung in Leipzig

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn wird die Auftaktveranstaltung zum Europäischen Jahr der Erziehung durch Sport 2004 am 19.01.2004 in Leipzig eröffnen. Moderiert wird die Veranstaltung, die vormittags im Gewandhaus, nachmittags im Neuen Rathaus stattfindet, von Eisschnellläuferin und Sportschau-Moderatorin Franziska Schenk.

Hochkarätig besetzt wird auch die Talkrunde u.a. mit Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes und Nikolaus von der Pas, Generaldirektor für Bildung und Kultur der EU-Kommission u.a. sein. 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen werden erwartet, wenn es um die besondere Bedeutung des Sports im Bereich der Erziehung und die Möglichkeiten von Kooperationen zwischen Bildungseinrichtungen und Sportorganisationen geht.

Dr. Dietrich Nelle, Leiter des Nationalen Beirats für das EJES, wird die abschließende Podiumsdiskussion leiten, in der es um die Frage "Erziehung durch Sport - Chancen und Herausforderungen nach 2004" geht.

Weitere Infos gibt es unter www.ejes2004.de. Auf dieser Seite werden Informationen und Materialien zur Bearbeitung der Antragsformulare, eingereichte Projekte und aktuelle Entwicklungen zur Verfügung gestellt.

Website der Europäischen Kommission
Beschluss der Europäischen Parlaments - Ziele
www.ejes2004.de
 
zurück

Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler .. Sportunterricht.de - Materialien für Lehrer und Schüler

 
  Archiv 2000
Alle Beiträge aus dem Jahr 2000

..Archiv 2001
Januar-März 2001
April-Juli 2001
Juli-September 2001
September-Dezember 2001

  Archiv 2002
Januar-Februar 2002
Februar-Mai 2002
Mai-Dezember 2002

  Archiv 2003
Januar 2003
Februar - März 2003
März-Juni 2003
Juni - September 2003
September-November
 

.            Weitere Themen (auf eigenen Seiten)
 
Resolution zum Weltschulsportgipfel 1999
Hearing Bundestag: "Situation im Schulsport"
Der Schulsport geht an Krücken
VDS-Tagung "Vom Lieblingfach zum Stiefkind" (Jan.2003)
 "Fit sein macht Schule"
 Die aktuelle Fitnessstudie



Sportunterricht.de   |   Sportpädagogik-online

zurück