Nandrolon

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Wilhelm Schänzer, Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, 25.2.2001
Nandrolon - Deutsche Sporthochschule Köln
Nandrolon (19-Nortestosteron)

Nandrolon ist ein anabol androgenes Steroidhormon, das im Gegensatz zum Testosteron in C-19 Position des Ringsystems keine Methylgruppe aufweist (deshalb der Ausdruck 19-Nor, s. Abb.1). Nandrolon wurde bereits 1950 synthetisiert.

Als Arzneimittel (Medikament) zu therapeutischen Zwecken wird Nandrolon nur in Form eines Esters (Verbindung von Nandrolon mit einer langkettigen Fettsäure) intramuskulär injiziert, z.B. als Nandrolondecanoat (Abb.2), das in Deutschland als Deca-Durabolin im Handel ist. Der Grund hierfür ist, dass nach oraler Gabe Nandrolon über den Darm direkt in die Leber (first pass-Effekt) gelangt und dort fast vollständig zu nicht wirksamen Metaboliten abgebaut wird (siehe hierzu auch Abb.4).

Als Ester kann Nandrolon in die Muskulatur als Depotpräparat injiziert werden, von wo aus es ins Blut diffundiert. Im Blut wird der Ester durch Enzyme gespalten, und Nandrolon kann somit unter Umgehung der ersten Leberpassage wirksam werden. Als Depotpräparat hat Nadrolondecanoat den Vorteil, dass ein konstanter Blutspiegel über längere Zeit aufrechterhalten werden kann.

.... ..... ..... .Arzneimittel
....... ..... .. .Doping
...... ..... .....Nachweis
...... ..... .....Grenzwerte
....... ..... . ..Kontaminationen
 
 

Abb.1 Strukturformeln von Testosteron
und 19-Nortestosteron (Nandrolon)

Folgende medizinische Anwendungsgebiete werden für Nandrolondecanoat angegeben (Fachinformation): Alle Zustandsbilder, bei denen eine eiweißaufbauende Wirkung wünschenswert ist, u. a. bei Osteoporose, besonders im Verlauf chronisch rheumatischer Erkrankungen, metastasierendes Mammakarzinom.

Abb.2 Strukturformel von Nandrolondecanoat.






Nebenwirkungen von Nandrolon-Decanoat (laut Fachinformation): geringe Wasser- und Salzretention, Amenorrhoe bei Frauen, Virilisierung (Vermännlichung) bei weiblichen Patienten (einschließlich irreversible Stimmveränderungen), Spermatogenesehemmung bei Männern, vorzeitige Pubertätszeichen bei Knaben, beschleunigte Knochenreifung und vorzeitiges Schließen der Epiphysenfugen bei Kindern
Zu allgemeinen Nebenwirkungen von Anabolika s.a. Doping/Anabolika Nebenwirkungen

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Doping

Zu Doping mit anabolen Steroidhormonen s.auch Internet - Dieses Symbol führt zu weiteren InternetseitenDoping/Anabole Wirkstoffe

Doping mit Nandrolon in Form von Injektionspräparaten (Dopotformen) ist mit der Dopinganalytik sehr lange nachweisbar, unter Umständen bis zu einem Jahr. Doping mit Depotpräparaten von Nandrolon ist im nichtkontrollierten Fitnessbereich bekannt. Entsprechende Schwarzmarkpräparate von Nandrolondecanot werden beworben und gehandelt. Im kontrollierten Leistungssport werden Depotpräparate aufgrund der guten Nachweisbarkeit kaum eingesetzt. Im Vergleich zu Depotpräparaten werden oral angewendete Steroidhormone schneller ausgeschieden und die Nachweiszeiten nach der letzten Anwendung sind deutlich kürzer.
Orale Präparate von Nandrolon sind aber aufgrund des first pass-Effekts nicht effektiv und deshalb als therapeutische Mittel nicht auf dem Markt. Dagegen sind als orale anwendbare Substanzen sogenannte Vorhormone (Prohormone) von Nandrolon wie 4-Norandrostendion, 4-Norandrostendiol und 5-Norandrostendiol (s.Abb.3) seit 1998/99 in großen Mengen frei verfügbar und werden als Nahrungsergänzungsstoffe, nicht als Medikamente, in Amerika und anderen Länder gehandelt. Dagegen sind in Deutschland Prohormone nicht vekehrsfähig. Sie gelten als nicht zugelassene Arzneimittel und eine Weitergabe gilt als Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.
 
 

Abb.3 ..Prohormone von Nandrolon: 4-Norandrostendion, 4-Norandrostendiol und 5-Norandrostendiol

Die Prohormone 4-Norandrostendion, 4-Norandrostendiol und 5-Norandrostendiol sind vom IOC entsprechend wie Nandrolon verboten und dürfen von Sportlern nicht verwendet werden. Gehandelt werden diese Substanzen in Form von Tabletten und Kapseln, wobei eine intensive Werbung hinsichtlich muskelbildender Effekte, die mit der Umwandlung der Prohormone zu Nandrolon (s.Abb.3) begründet werden, betrieben wird. Hierzu werden Dosierungen der Prohormone bis zu 200mg pro Tablette angeboten und mehrfache Einnahmen pro Tag empfohlen. 

Über die Wirksamkeit dieser Prohormone gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Daten, zumindest waren und sind diese 19-Norsteroid-Prohomone bisher für die medizinische Anwendung von keinem Interesse (s. Begründung oben).

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Nachweis (Analytik) von Nandrolon und seinen Prohormonen

Der Nachweis von Nandrolon und seinen Prohormonen beruht auf der Identifizierung des Hauptmetaboliten Norandrosteron (Abb.4). Nandrolon selber wird durch Leberenzyme sehr schnell abgebaut und ist deshalb nur für eine kurze Zeit nach der Anwendung im Urin nachweisbar. Auch die Prohormone von Nandrolon unterliegen einem intensiven Stoffwechsel, der im Wesentlichen über 4-Norandrostendion zu den gleichen Endprodukten wie z.B. Norandrosteron führt.
Die Identifizierung von Norandrosteron im Urin erlaubt deshalb auch keine Unterscheidung, welches 19-Norsteroid - Nandrolon oder eines seiner Prohormone - verwendet worden ist. Für die Beurteilung des analytischen Ergebnisses ist dieses auch unerheblich, da alle Verbindungen verboten sind, und mit dem Nachweis von Norandrosteron ein Verstoß gegen das Dopingreglement nachgewiesen ist.

Abb.4 Stoffwechsel (Metabolismus) von Nortestosteron (Nandrolon) mit dem Hauptmetaoliten Norandrosteron

Zur Analytik von Norandrosteron (Nachweis von Nandrolon und seinen Prohormonen siehe auch . Schänzer, W: Dopingkontrollen und aktueller Stand der Nachweismethoden. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 51, 7+8 (2000) 260-6 (Beispiel Nandrolon auf Seite 263-4), 

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Der Nachweis einer Anwendung von Nandrolon und seinen Vorhormonen in oraler Form ist bis zu einer Woche und länger möglich. Die folgenden Abb.5 und 6 sollen verdeutlichen wie lange der Metabolit Norandrosteron nach oraler Applikation im Urin bestimmt werden kann. Die Konzentrationswerte von Norandrosteron im Urin können in den ersten Stunden nach Einnahme einer Tablette mit einer im Handel üblichen Dosierung von ca.100 mg Werte von weit über 10.000 ng/ml Urin erreichen.

Abb.5 Logarithmische Darstellung der Konzentration von Norandrosteron und Nachweiszeit im Urin einer männlichen Versuchsperson nach oraler Einnahme einer Tablette mit 100 mg 4-Norandrostendion.
 
Steroid 
Menge mg 
Zeit in h
NA > 20 ng/ml
Zeit in h
NA > 2 ng/ml
4-Norandro-
stendion (A) 
100
89,5
111
4-Norandro-
stendion (B) 
100
80
210
4-Norandro-
stendiol (A) 
100
96
115

Abb.6 Nachweiszeiten von Norandrosteron (NA) im Urin nach der oralen Anwendung von 4-Norandrostendion und 4-Norandrostendiol, (Versuchsperon A und B)

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Grenzwerte für Norandrosteron

Die Subkommission Doping und Biochemie des IOC hat Grenzwerte für Norandrosteron für Männer von 2 ng/ml im Urin und für Frauen von 5 ng/ml festgelegt. Für Frauen gilt darüber hinaus, dass bei einer Schwangerschaft positive Proben mit Norandrosteron nicht sanktioniert werden, da der Metabolit aufgrund des erhöhten Estrogenstoffwechsel in größeren Mengen entsteht. In Einzelfällen wurden Konzentrationen von Norandrosteron bis zu 20 ng/ml bestimmt. Weiterhin werden positive Befunde nicht bewertet, wenn eine Anti-Baby-Pille mit dem Wirkstoff Norethisteron angewendet wurde, da Norandrosteron auch als Metabolit von Norethisteron entsteht.
Mit den Grenzwerten soll ausgeschlossen werden, dass niedrige Norandrosteronkonzentrationen im Urin aufgrund einer körpereigenen Produktion als positiv bewertet werden. Nach Untersuchungen von Norandrosteron bei nicht schwangeren Sportlerinnen wurden Werte deutlich unter 2 ng/ml ermittelt. Auch bei Männern konnten bisher keine Daten erhoben werden, die ein Überschreiten des Grenzwertes aufgrund der Eigensynthese von Norandrosteron im Organismus zeigten. Das Ausmaß der Körpereigensynthese lässt sich durch Verlaufskontrollen überprüfen, womit Stoffwechselauffälligkeit ermittelt werden können. 

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Kontaminationen von Nahrungsergänzungsstoffen mit 19-Norsteroiden

Im Rahmen der Nandrolonproblematik wurden bei Untersuchungen von Nahrungsergänzungsstoffen im Institut für Biochemie der DSHS bisher insgesamt 15 Präparate identifiziert, die verbotene Steroidhormone in geringen Mengen enthielten. Hierbei handelt es sich u.a. um Creatin-, Guarana-, Tribulus Terrestris-, Chrysin- und Zinkprodukte. Bei Präparaten, die 19-Norsteroide wie 4-Norandrostendion, 4-Norandrostendiol und 5-Norandrostendiol enthalten, reichen in der Regel Verunreinigungen im unteren µg-Bereich pro Kapsel oder Tablette aus, um nach einer oralen Aufnahme einen positive Befund für den Hauptmetaboliten von Nandrolon, nämlich Norandrosteron im Rahmen der Dopingkontrolle zu bewirken.Internet - Dieses Symbol führt zu weiteren Internetseitenweitere Informationen

Auf der Pressekonferenz des BISP zur Dopinganalytik 2000 am 8.2.2001 in Köln berichtete Dr. Edelhäuser vom Ministerium ländlicher Raum Stuttgart über Untersuchungen von 138 Nahrungsergänzungsstoffen des deutschen und internationalen Marktes, wobei 16 Produkte mit kontaminierten Steroidhormonen analysiert werden konnten (u.a. Creatin- und Carnitinprodukte).

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Wilhelm Schänzer, Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, 25.2.2001

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