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Geschichten um Fairness und Unfairness im Sport

 
Der Finne Paavo Nurmi ist einer der erfolgreichsten Langstreckenläufer in der Geschichte der Leichtathletik.  Zwischen 1920 und 1928 gewann er insgesamt neun Goldmedaillen in verschiedenen Laufdisziplinen.

Eine alte Geschichte
3000m-Hindernislauf 1928
Als bei den Olympischen Spielen von Amsterdam im Dreitausend-Meter-Hindernislauf Nurmi gleich beim ersten Graben der Länge nach ins Wasser fiel, da drehte sich der vor ihm befindliche Franzose Duquesne um und zog den tropfnassen Finnen im wahrsten Sinne des Wortes aus der Patsche.

Diese Begebenheit - sie spielte sich in wenigen Sekunden ab - ist damals den meisten Zuschauern und Berichterstattern der Olympischen Spiele entgangen; aber es wäre mehr als schade, wenn sie vergessen würde.

Versetzt euch doch einmal in die Lage!

Duquesne, der vorne lag, hörte hinter sich das finnische Weltwunder ins Wasser fallen.
Bis zu diesem Augenblick konnte er etwa folgendes gedacht haben: Ich habe gegen Nurmi zu laufen, welch ein Pech! Ich weiß, was ich kann. Aber gegen den ankommen? Hoffnungslos! So etwa.

Oder, er könnte auch gedacht haben: Ich habe gegen Nurmi zu laufen. Gegen Nurmi! Ich will, ich muss, ich werde versuchen, besser zu sein als er. Irgendeiner muss ihn doch schließlich irgendwann einmal besiegen, warum soll das nicht ich sein? Ich fühle mich glänzend in Form. Und wer weiß, vielleicht - es gibt Zufälle - kommt mir noch was zu Hilfe.
Das ist sie! konnte Duquesne denken, das ist sie, die Chance! Nurmi zappelt im Wasser; Pech für ihn. Los, Duquesne, heut wirst du Erster!

So konnte Duquesne denken.
Aber Duquesne drehte sich um, ohne zu zögern und half Nurmi heraus.
Wenn es Denkmäler gäbe für sportlichen Geist, nicht bloß für sportliche Leistungen, so hätte sich der Franzose Duquesne eines verdient, und ich setze ihm ja auch eines, hier, mit ein paar armen Worten.

Denn der Sieg, den er davontrug, ist und wiegt schwerer als ein Sieg über den anderen: der Sieg über sich selbst!
Duquesne und Nurmi liefen weiter: Die andern hatten sie überholt. Wird es dabei bleiben? Nurmi holt auf. Duchesne mit. In der letzten Runde sind die beiden den übrigen um viele Meter voran. Nurmi ist Erster. Duchesne dicht hinter ihm.

Da, einen halben Meter vom Ziel, stoppt Nurmi. Er will Duquesne als ersten durchs Ziel lassen. Aber Duquesne lächelt und nimmt es nicht an. So ziehen beide mehr neben- als hintereinander übers Band in ihren wahrlich mehr als doppelten Sieg.

Wer das dumm findet, der möge sich schämen. Wer es bewundern kann, der ist auf gutem Weg. Wer aber sich vornimmt und es sich zutraut, ebenso zu handeln, wenn es der Zufall will, der sei dafür umarmt.

Selbst, wenn er unterliegt: er ist der wahre Sieger!


Quelle: Zitiert nach: ETTENSBERGER, E. (Red.): Es lebe der Sport! Texte zu einem beliebten Thema. Stuttgart 1986



Eine schöne Geschichte. Aber ist sie auch wirklich so passiert?
Schaut man sich die Ergbenislisten von 1928 an, kann sie so nicht stimmen. Nurmi wurde im Endlauf Zweiter, 10 Sekunden hinter dem Finnen Loukola.
Lucien Duquesne wurde Sechster.
 

Duquesne

Nurmi
Der Ursprung dieser Geschichte liegt im Vorlauf über 3000m-Hindernis bei den Olympischen Spielen in Amsterdam.

Für Paavo Nurmi war es die insgesamt zwölfte und letzte Medaille bei drei Olympischen Sommerspielen (neun Gold- und drei Silbermedaillen). Er ist damit bis heute der erfolgreichste Leichtathlet.


"Auch die finnische Langstrecken-Legende Paavo Nurmi bediente sich während seiner außerordentlichen Karriere mit zahlreichen Rekorden und Triumphen zwischen 1920 und 1928 anscheinend chemischer Unterstützung. Anhand einer Anzeige aus dem Jahr 1931 fand ein schwedischer Journalist heraus, wie Nurmi das nach heutigen Regeln als Anabolikum zu deklarierende Medikament Rejuven anpries: "Ich war verblüfft, wie Rejuven den Körper stärkt und kann es Athleten mit einer langen, anstrengenden Wettkampfsaison wärmstens empfehlen." Das Medikament enthält zellaktivierende Wirkstoffe. Nurmi wurde am Tag vor Beginn der Olympischen Spiele 1932 in Los Angeles wegen Verletzung des Amateurstatus' lebenslang gesperrt. Eine Spesenabrechnung wurde dem "fliegenden Finnen" zum Verhängnis." (Sportschau.de)