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Geschichten um Fairness und Unfairness im Sport
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French Open 2003

Den Gegner im Auge behalten . . .

167 Matches hat Rainer Schüttler jetzt in seiner Karriere als Tennisprofi gewonnen. Der Sieg gegen Wayne Ferreira in der dritten Runde der French Open ist einer der ungewöhnlichsten.

Schüttler siegte, weil die Partie abgebrochen werden musste. Nach 2 Stunden und 50 Minuten  - nach Sätzen stand es 2:1 – für Schüttler, nach Spielen 3.2 für den Südafrikaner im 4. Satz, stürzte Ferreira nachdem er eine Vorhand von Schüttler erlaufen hatte. Mit schmerzverzehrten Gesicht blieb er liegen und hielt sich die Leiste.

Was dann passierte, dürfte Schüttler viel Sympathien gebracht haben. Kaum war Ferreira aufgeschlagen, stürzte Schüttler zu ihm. Als einziger. 

Der Stuhlschiedsrichter verharrte hilflos auf seinem Hochsitz, die Linienrichter starrten ihn hilflos an. Kein Arzt, kein Sanitäter weit und breit. Quälende Minuten vergingen, in denen Rainer Schüttler die Erste Hilfe für seinen Rivalen koordinierte. Er schleppte Eis herbei, schickte einen Balljungen einen Sonnenschirm holen und als Ferreira  übereifrig versuchte, auf die verletzten Beine zu kommen, drückte Schüttler ihn freundlich, aber bestimmt in den Sand zurück.

„Ich habe ihn gefragt, ob er Eis wolle“, redete er seinen Einsatz hinterher klein.
Erst nach fünf Minuten schleppten Platzwarte den verletzen Ferreira auf einer Trage vom Platz. Als er zum Abschied freundlich winkte, jubelten ihm die 5000 Zuschauer zu, und lauter wurde der Applaus nur, als Schüttler ging.

Nach diesem Freitag steht fest: Die Fans von Roland Garros mögen den blonden Deutschen, weil er so eifrig rennt, kaum einen Ball verloren gibt und bei all dem auch noch seinen Gegner gut im Auge behält…
 
 
 

Nach: Süddeutsche Zeitung vom 31. Mai 2003

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