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Ein Plädoyer für die Fair-Play-Kampagne des Sports

 
.... Geben wir zu:  Wie oft kommt klammheimliche Freunde auf, wenn der vermeintlich Stärkere unter Umgehung der Regeln ausgetrickst wird?

"Frechheit siegt " ist nun einmal der größte Gegner von "Fair geht vor". Sport - und Spitzensport allemal - findet in einer erfolgsträchtigen Gesellschaft nicht auf einer Insel der Glückseligen statt...

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In den letzten Jahren mussten wir mehrfach erleben, dass Sportveranstaltungen einhergingen mit brutaler Gewalt auf den Rängen, aber auch vor und nach den Wettkämpfen durch randalierende, vorwiegend jugendliche Fans. Die friedliebenden Bürger sind erschrocken und wenden sich schaudernd ab. Sind unsere Sportarenen Ersatz-Kampfplätze gesellschaftlicher Konfliktgruppen geworden? Inwieweit provozieren unsere Spitzensportler gar den Ausbruch von Aggressionen und ihr eigenes Verhalten im Wettkampf?

Sport allerdings, und das ist der entscheidende Unterschied zu vielen Auseinandersetzungen in der Gesellschaft oder zwischen Völker, kultiviert den Streit und lehrt, Herr über den Streit zu bleiben. Im Sport gilt die Unverletzlichkeit der Person als oberstes Gebot. Ob die Herrschaft über den Streit bereits die These rechtfertigt, der Sport sei Ausdruck des fairen Umgangs miteinander, muss allerdings als höchst problematisch angesehen werden. Allzuoft zeigt das Verhalten von Sportlern, Trainern und Funktionären, dass zu viele Ausnahmen die Regel nicht mehr bestätigen, sondern in Frage stellen.

Unfairness gegenüber Gegnern bedeutet Betrug an der eigenen Leistung. Um Imanuel Kant im übertragenen Sinne zu zitieren:

"Was man auf den Gegner überträgt, ist auch für die eigene Person gültig. Den Gegner auszutricksen heißt eigentlich, sich selbst auszutricksen, und das bedeutet, sich selbst vom einzigen Sieg, der zählt, auszuschließen."

Um zu vermeiden, dass der Sport durch unfaires Ausschalten der sportlich Besten in die Zweitklassigkeit führt, sind zunächst Aufklärung gefordert und die Vorgänge bewusst zu machen. Mit der Fair-Play-Kampagne will der Sport nicht etwa zum Moralapostel der Nation werden, sondern dazu beitragen, den Blick für die Problematik zu schärfen. Es geht nicht darum, belehrend zu wirken, sondern einen Anstoß für die Erhaltung der Kultur der Gemeinwerte zu geben und nach einer neuen Orientierung in der sportlichen Ethik zu suchen. Dem Erfolg um jeden Preis ist das Streben nach persönlicher Bestleistung entgegenzustellen. Zur sportlichen Persönlichkeit zu reifen, heißt zu erkennen, dass Nichtgewinnen kein Scheitern ist....

Fair Play beginnt damit, dass man sich der Entscheidung desjenigen beugt, der zur Überwachung der geschriebenen und ungeschriebenen Regeln ausgewählt ist. Auch wenn die Entscheidung als falsch erscheint, sollten sich die Gegner des Prinzips der Großzügigkeit erinnern. Ein zweifellos hoher Anspruch!  Insbesondere für diejenigen, die von der Spontaneität im Wettkampf leben. Nie würden jedoch geschriebene Regeln die menschliche Haltung des Fair Play ersetzen können......
 

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H. Meyer
in "Olympische Jugend" 8/1989