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Gießener Anzeiger 20. Januar 2005

Erfolgreicher Start der HLV-Schülermentoren-Ausbildung
 

Mentoren sollen wie Steine im Wasser Kreise ziehen

Hessischer Leichtathletik-Verband hat Pilot-Projekt an Gesamtschule Gießen Ost gestartet

GIESSEN. Die Turner machen es. Auch im Tennis wird es gemacht. Die Leichtathleten in Baden-Württemberg machen es ebenfalls. Warum sollen es da nicht auch die hessischen Leichtathleten machen? Diese Frage stellten sich Kurt Drolsbach und Dr. Frank Reuber vom Arbeitskreis Schulsport des Hessischen Leichtathletik-Verbandes. Sie machten es. Und so ist in Gießen ein Pilot-Projekt der Schülermentoren-Ausbildung angelaufen.

Angesiedelt ist es an der Gesamtschule Gießen Ost, an der Reuber arbeitet. 15 "speziell ausgewählte" (Reuber) Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9, 10 und 11 haben die Ausbildung begonnen. "Es sind Schüler mit einem hohen Interesse an Sport. Sie sind sehr teamfähig, berichtet der Ostschul-Lehrer. Sie kämen aus den unterschiedlichsten Sportarten, weist Reuber darauf hin, dass nicht nur die Leichtathleten angesprochen seien.

Wolfgang Schad als Präsident des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) hofft, dass das nach den Weihnachtsferien begonnene Projekt als Stein im Wasser "Kreise zieht". Über Hessen und Baden-Württemberg und auch über die Laufen-Springen-Werfen-Sportart hinaus. Allerdings passe das Projekt gut zum Übungsleitergewinnungskonzept des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), sagt Fred Eberle, der Beauftragte Kinderleichtathletik des Verbands.
Auf den Nachahm-Effekt hofft nicht nur Eberle. Klaus Paul vom hessischen Kultusministerium erwartet ebenfalls, dass die Idee im wahrsten Sinne des Wortes Schule macht. "Unser Ziel ist, dass es flächendeckend in Hessen wird. In Erwartung einiger Nachfolge-Projekte werde sein Ministerium keine finanzielle Unterstützung für das Gießener Projekt leisten: "Das könnten wir dann gar nicht bezahlen.

Sportkreis-Vorsitzender Heinz Zielinski kündigt an, dass sich der Landessportbund Hessen des Mentoren-Themas mit größerem Engagement annehmen werde. Unterstützt wird das Projekt zudem vom Deutschen Sportlehrerverband und vom MTV 1846 Gießen, in dessen Jahnhalle am Heegstrauchweg die meisten der 45 Unterrichtseinheiten abgehalten werden.
Die Kosten des Projekts werden zum größten Teil vom HLV getragen. Aber auch die Teilnehmer zahlen einen Beitrag, um Verpflegung und andere Ausgaben aufzufangen. Sie sollen am Ende der Ausbildung in der Lage sein, bei schulsportlichen Veranstaltungen unterstützend tätig zu werden. Die Mitarbeit an Projekten wie Pausensport und in Arbeitsgemeinschaften oder die Betreuung von Schulmannschaften sind geplante Aufgaben.
Dass die Vorstellungen der Beteiligten und Förderer dabei sehr weit gefasst sind, wurde im Laufe der Präsentation deutlich. Ministerialrat Paul beispielsweise erwartet ein "hohes soziales Engagement der Schülerinnen und Schüler: "Es wird ein großer Gewinn für sie sein, vor allem im Umgang mit Menschen. Für Fred Eberle sollen die Mentoren Kinder beim "ersten Zugang zur Leichtathletik begleiten­ in Schule und Verein. Durch die Ausbildung würden "die Voraussetzungen für künftige ehrenamtliche Aufgaben im Verein geschaffen, formuliert es Kurt Drolsbach.
Frank Reuber sieht das Engagement in der Schule im Vordergrund. Er erhofft sich eine Einbindung der Mentoren in die Organisation Schule und kündigt die baldige Eröffnung eines "Schüler-Sport-Büros³ in der Ostschule an. Für Klaus Paul sind die Teilnehmer des Pilotprojekts potenzielle Verbindungsleute zwischen Schule und Verein ­ "gerade im Blick auf die Ganztagsschule.

Aber auch der Blick auf die Universität ist gegeben. Denn Dr. Volker Döhring vom Sportwissenschaftlichen Institut der Uni Gießen begleitet das Projekt wissenschaftlich mit den drei Examenskandidaten Thomas Kanngießer, Timo Stephan und Yvonne Klein. Deshalb sieht MTV-Vorsitzender Walter Müller die Initiative als "wichtig für den Standort Gießen an.
Doch warnt Wolfgang Hauptmann vom Staatlichen Schulamt vor allzu viel Euphorie. "Es hängt von den Personen ab und von Schulleitungen, die das Projekt unterstützen, weist er beispielsweise darauf hin, dass an der Ostschule Sport als Leistungsfach angeboten wird.
Deshalb bleibt abzuwarten, wer es noch macht, das Projekt der Schülermentoren im Sport.


Artikel der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 21. Januar 2005

Erfolgreicher Start der HLV-Schülermentoren-Ausbildung -

»Tätigkeit wird ein Gewinn für die Schüler sein«
In Gießen werden bundesweit erstmals 15 Schüler der Gesamtschule Ost zu Leichtathletik-Mentoren ausgebildet.

Gießen (ck). Die hessischen Turner kennen es bereits, die Tennisspieler auf Landesebene auch, doch die Leichtathleten haben mit dem Start des Projekt in dieser Form sogar bundesweit Neuland betreten: Die Rede ist von der Ausbildung von Schülerinnen und Schülern zu Leichtathletik-Mentoren, um nach dem Abschluss Lehrer bei schulsportlichen Veranstaltungen zu unterstützen Tage 15 Schüler Klassen 9, 10 und 11 der Gesamtschule Ost die Ausbildung aufgenommen. Diese beinhaltet 45 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten mit sportartübergreifenden und -spezifischen Inhalten. Angesprochen waren Jugendliche ab 14 Jahren, die Interesse daran haben, Sportangebote für sich und andere zu organisieren und die neben sportlichen Leistungen vor allem auch soziale Kompetenz im Umgang mit Mitschülern vorweisen sollen. Bis Anfang Februar läuft die Ausbildung, die der HLV durch die  geeigneter Referenten fördert. Ein Teil der Stunden wird den Jugendlichen bei der Erlangung des HLV-C-Trainer Leistungssport bzw. Fachübungsleiter C-Breitensport angerechnet.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt, das im Fall eines erfolgreichen Verlaufs auch auf andere Bereiche ausgedehnt werden soll, von Dr. Volker Döhring vom Sportinstitut der Justus-Liebig-Universität. Nach ihrer bisher bereits an der Ostschule unter Beweis gestellten sozialen Kompetenz hat Sport-Fachbereichsleiter Dr. Frank Reuber die 15 Jugendlichen -die nicht Mitglieder in einem Sportverein sein müssen- ausgesucht, wie er bei der von Kurt Drolsbach (Lehrwart des HLV-Kreises Gießen) moderierten Vorstellung des Projekts im Vereinsheim des MTV 1846 erläuterte. Nach seinen Vorstellungen sollen die Schüler künftig in die Organisation an der Schule einbezogen werden: beispielsweise im geplanten Schüler-Sport-Büro Ansprechpartner für ihre Alterskollegen sein oder auch an der Fachbereichskonferenz teilnehmen, um neue Ideen einzubringen. Mehr durch die »Vereinsbrille« sieht Fred Eberle die Neuerung. Sie passe mit ihren Zielen genau in die Werbekampagne des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bei dem Versuch, neue Trainer zu finden, so der DLV-Beauftragte Kinder-Leichtathletik, der den angehenden Mentoren Einblicke in die Aufgaben bot, die nach Abschluss der Ausbildung auf sie warten können. Wenn auch die Interessen der Kooperationspartner Schule/Verein nicht immer deckungsgleich sein dürften: Das grundsätzliche Konzept wurde von allen Anwesenden begrüßt und Unterstützung versprochen. So nannte MTV-Vorsitzender Walter Müller das Projekt »wichtig für den Standort Gießen«, Sportkreis-Vorsitzender Prof. Heinz Zielinski lobte die einzigartige Kooperation Verein/Verband/Schule, die im Landessportbund mehr Platz finden solle, HLV-Präsident Wolfgang Schad wünschte sich, dass es nicht beim Pilotprojekt bleiben werde, sondern sich die Idee hessenweit ausbreiten möge, und Klaus Paul vom hessischen Kultusministerium sprach davon, dass die Tätigkeit als Mentor für die Schüler »ein Gewinn sein« und hoher soziales Engagement fordern werde. An die Voraussetzungen für die Durchführung solcher Projekte erinnerte Wolfgang Hauptmann vom Staatlichen Schulamt. Man brauche Schulleitungen, die dem Ganzen positiv gegenüberstehen, und Kooperationspartner wie den MTV 1846. Zudem seien solche Vorhaben stets von Personen abhängig. Insofern warnte sich der Schulamtsdirektor vor zu viel Euphorie und warf die Frage auf, ob sich vor diesem Hintergrund das Projekt tatsächlich auf die Fläche übertragen lasse.
 
 
 



 
 
 
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