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Anhörung zum Schulsport
Landtag des Saarlands (6.11.02)Anträge der Fraktionen von SPD und CDU sowie eine Stellungnahme des DSLV Saar
Im LANDTAG DES SAARLANDES fand am 6.11.02 eine Anhörung zum Schulsport statt. Wir drucken im folgenden die Anträge der Fraktionen von SPD und CDU ab, desgleichen eine Stellungnahme des DSLV Saar, die dem Ausschuss für Bildung, Kultur und Wissenschaft schriftlich zugegangen ist.
12. Wahlperiode - Drucksache 12/718 - Ausgegeben: 22.08.2002 Antrag der SPD-Landtagsfraktion
betr.: Schulsport verbessernDer Landtag wolle beschließen:
Sport fördert die körperliche, geistige und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Der Sport ermöglicht es, Haltungsschäden und motorische Defiziten, die vermehrt bei Schulkindern festgestellt werden, entgegenzuwirken. Durch einen qualitativ guten und interessanten Sportunterricht kann man alle Kinder an sportliche Betätigung heranführen und Freude an der Bewegung vermitteln. Damit muss bereits im Kindergarten begonnen werden. Deshalb müssen die künftigen Erzieherinnen und Erzieher im Rahmen ihrer Ausbildung in Bewegungs- und Sporterziehung geschult werden.Um den Schulsport im Saarland dazu in die Lage zu versetzen, diese Aufgabe zu erfüllen, besteht dringender Handlungsbedarf. Gerade in der Grundschule sollte die natürliche Bewegungsfreude der Kinder durch gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer gefördert werden. Auch im Sekundarbereich I und II darf der Sportunterricht nicht einem untergeordneten Fach und der Beliebigkeit unterworfen werden. Für den Landtag des Saarlandes ist deshalb unerlässlich, dass schnellstmöglich folgende Punkte umgesetzt werden:1. Sportpädagogik muss zu einem festen Bestandteil der Ausbildung von Grundschullehrerinnen und -lehrern werden. Insbesondere im Rahmen der Referendarausbildung müssen Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Sport angeboten werden.
2. Die Landesregierung muss die Weiterbildungsmöglichkeiten der Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Sport- und Bewegungspädagogik verbessern. Die Teilnahme an Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen muss für Lehrerinnen und Lehrer verpflichtend sein.
3. Jedes Jahr soll ein pädagogischer Tag "Sport in der Grundschule" stattfinden.
4. Die Landesregierung muss eine Kommission für den Grundschulsportunterricht unter Beteiligung des Sportlehrerverbandes, der Eltern, der Sportärzte und des Schulsportbeirates des LSVS einsetzen.
5. Die Landesregierung soll vermehrt darauf hinwirken, dass Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen geschlossen werden. Dazu wird der Landtag im nächsten Haushalt ausreichend Mittel zur Verfügung stellen.
6. Der Schulsportunterricht muss durch weitere Angebote an Sport und Bewegung, wie täglich Bewegungszeit, ergänzt werden. Durch ein phantasievolle Umgestaltung der Schulhöfe - wie bereits in vielen Schulen geschehen - sollen die Kinder zur Bewegung angeregt werden.
7. Es muss sichergestellt werden, dass die Rahmenbedingungen zur Erteilung von Sportunterricht an den Schulen stimmen. Insbesondere muss darauf geachtet werden, dass so wenig wie möglich Unterricht ausfällt und sich die Sportgeräte in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Für auffällige Kinder und Jugendliche sollte ein Sportförderunterricht einführt werden.
Begründung: erfolgt mündlich.
Antrag der CDU-Landtagsfraktion
betr.: Den Schulsport stärken
Der Landtag wolle beschließen:
Der Schulsport ist ein unaustauschbarer Bestandteil umfassender Bildung und Erziehung und leistet einen unverzichtbaren Beitrag für die körperliche, geistige und emotionale Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen. Zentrale Aufgabe des Schulsports ist es, das Interesse an Bewegung, Spiel und Sport zu wecken, vorhandene Neigungen und Begabungen zu fördern sowie einen Beitrag zur Gesundheitserziehung zu leisten. Regelmäßiges Sporttreiben unterstützt die Entwicklung von Haltungen und Einstellungen. Die Kinder lernen, sich anzustrengen und sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, sich diszipliniert zu verhalten, und entwickeln Selbstvertrauen.Durch den Sportunterricht werden die Schülerinnen und Schüler zum Teamdenken angehalten, sie lernen, Konflikte zu lösen und sich fair und regelgerecht zu verhalten. Sport und Bewegungserziehung in der Schüle fördern den Abbau von Aggressionen und beugen so der Entwicklung von Gewalt in der Schule vor. Ein wichtiger Partner des Schulsports ist der Vereinssport.
Der Landtag begrüßt die Maßnahmen, die von der Landesregierung bereits umgesetzt bzw. mit initiiert wurden:
- Die erfolgreiche Initiative "Wir im Verein mit Dir" verfolgt das Ziel, Kinder mit ortsansässigen Sportvereinen zusammen zu bringen. Parallel dazu werden Jugendbetreuer/innen und Jugendtrainer/innen in den Vereinen fortgebildet und betraten.
- Das Pilotprojekt "Dezentrale Weiterbildung für das Fach Sport an der Grundschule", das gemeinsam mit dem Landessportverband initiiert wurde: Im Rahmen von Fortbildungsmaßnahmen sollen Lehrerinnen und Lehrer befähigt werden, auf die veränderten Rahmenbedingungen wie Bewegungsmangel, Haltungsschäden und fehlender Konzentration schneller und angemessener reagieren zu können.
- Die Kooperationsmaßnahmen "Schule - Verein" mit breiten- und gesundheitssportlicher Zielsetzung sollen fortgesetzt und erweitert werden.
- Die Einrichtung eines Sportzweiges am Gymnasium Rotenbühl.
Der Landtag fordert die Landesregierung auf
- das Pilotprojekt "Dezentrale Weiterbildung für das Fach Sport an der Grundschule" flächendeckend umzusetzen, um qualitativ hochwertigen Sportunterricht zu gewährleisten,
- die Inhalte des Sportunterrichts zu überprüfen und dabei unterschiedliche Begabungen, Behinderungen, Bewegungsbedürfnisse und körperliche Voraussetzungen der Kinder zu berücksichtigen,
- die Fortbildung von Sportlehrern/Sportlehrerinnen und Sport unterrichtenden Lehrern/Lehrerinnen zu intensivieren; dabei haben sich die Fortbildungsinhalte an den pädagogischen, wissenschaftlichen, medizinischen und trainingswissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten.
- In den Grundschulen dafür Sorge zu tragen, dass im täglichen Unterricht die sogenannten "Bewegungszeiten" eingehalten werden,
- Das Studienseminar "Sport in der Grundschule" wieder einzuführen,
- In Gesprächen mit der rheinland-pfälzischen Landesregierung darauf hinzuwirken, dass im Rahmen der Ausbildung von Grundschullehrerinnen und -lehrern das Fach Sport stärker berücksichtigt wird.
Begründung: Erfolgt mündlich.
Stellungnahme des Deutschen Sportlehrerverbandes, Landesverband Saar
zur Anhörung im Landtag am 6.11.2002 zum SchulsportDie positiven Aussagen in den Anträgen beider Parteien werden vom DSLV vorbehaltlos unterstützt und decken sich seit langem mit Forderungen unseres Verbandes.
Unsere Kritik setzt da an, wo über verbale Postulate für den Schulsport hinaus die jeweils regierende Partei eine entsprechende Umsetzung hat vermissen lassen, ja sogar für quantitative Rückschritte verantwortlich zu machen war sowie für qualitative Anstöße nicht rechtzeitig gesorgt hat.
Zu erinnern ist an die Streichung der dritten Sportstunde, die der Fünf-Tage-Woche zum Opfer fiel. In der jüngsten Zeit wurden mit der Einrichtung des achtklassigen Gymnasiums wieder zwei Sportstunden aus dem bisherigen Gesamtstundensoll gestrichen.
Ergebnis: mit offener oder schleichender Unterrichtszeitverkürzung entfiel immer mehr notwendige Bewegungszeit für die Schülerinnen und Schüler.
Es fällt auf, dass in beiden Anträgen der Grundschulsport sowie die Zusammenarbeit mit Vereinen bzw. Organisationen des LSVS im Vordergrund stehen. Beide Aspekte halten wir ebenfalls für wichtig - die Förderung des Grundschulsportes in der Tat auch für vordringlich. Aber uns scheinen die anderen Schulformen nicht hinreichend berücksichtigt zu werden.Was die Politik derzeit für den Schulsport tut, ist die Förderung von Projekten, die im wesentlichen durch den LSVS (mit)finanziert werden bzw. von Verbandsorganisationen betreut werden und folgerichtig der Förderung von Talenten und dem Gewinn von Leistungssportlern dienen. Diese Projekte werden von der Politik immer wieder als Beweis für die Verbesserung der Schulsportsituation ausgewiesen.
Diese Maßnahmen - auch wenn sie positive Ergänzungen darstellen - greifen aber für den allgemeinen Schulsport zu kurz! Sportpädagogen und Sportmediziner sehen sie nicht als hilfreich für die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an, die einen ausreichenden und gesundheitsorientierten Grundunterricht bitter nötig haben - und dieser wird verständlicherweise kaum von den Vereinen und Verbänden unterstützt und finanziert. Es ist auch nicht deren Aufgabe.
Wenn über eine wünschenswerte Zusammenarbeit hinaus Unterrichtsstunden und pädagogische Verantwortung an Übungsleiter delegiert werden, enthält diese "Schulsportpolitik" die Gefahr einer Preisgabe staatlicher und hoheitlicher Aufgaben durch eine Art von "Privatisierung".
Sportbildungspolitik muss also mindestens "zweigleisig" fahren, d.h. neben der Zusammenarbeit mit den Sportverbänden gleichzeitig eine massive Förderung des "normalen" Schulsports vorantreiben, damit die gesundheitliche Vernachlässigung der Jugend nicht weiter voranschreitet.
Die Ziele des Deutschen Sportlehrerverbandes Saar bestehen in der Forderung und Förderung eines qualitativ und quantitativ besseren Schulsports für alle Schülerinnen und Schüler und für alle Schulstufen und Schulformen.
Konkret haben wir mit einer Auftaktveranstaltung am 29.8.2002 (in Zusammenarbeit mit dem Ministerium durch die "G8-Kommission", dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien und dem Sportwissenschaftlichen Institut) eine Lehrgangsserie für einen neu gestalteten und verstandenen Sportunterricht im achtklassigen Gymnasium begonnen.
Eine weitere flächendeckende Lehrgangsserie zur Fortbildung von Grundschullehrern ist konzipiert und angekündigt. Über die Mitarbeit am "Runden Tisch" des Saarländischen Turnerbundes haben wir eine Zusammenführung mit dem Projekt "Merzig-Wadern" angeboten.
Zu weiteren Forderungen gehört z.B. die Arbeit einer Lehrplankommission "Grundschule". Der DSLV Saar ist im Interesse des Schulsports zu einer sinnvollen Zusammenarbeit auf allen Ebenen bereit. Dies schließt auch - soweit uns dies möglich ist - finanzielle Unterstützung im Bereich von Lehrangeboten mit ein.
(Dr. Dieter Peper, Präsident)
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