Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport Gießen Stadt und Land


.Initiativen zur Verbesserung des Schulsports in Hessen

 
Kontakt: Kurt Drolsbach  - e-mail
 

Gießener Allgemeine Zeitung, 17.01.2003

Motorische Auffälligkeiten nehmen Jahr für Jahr zu
Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport schlägt Alarm und fordert stärkere Bewegungsförderung in Schule und Kindergarten

Gießen. Rund 29 Prozent der Kinder in Hessen seien im Jahr 2000 nach den Einschulungstests für eine motorische Förderung vorgeschlagen worden. Im Schulamtsbezirk Gießen seien es sogar über 50 Prozent gewesen. An drei Vierteln der Schulen fällt zudem die laut Stundentafel vorgesehene dritte Sportstunde aus.

Mit diesen Zahlen warteten vor kurzem Kurt Drolsbach und Walter Müller vom Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport auf. Gemeinsam mit Vertretern aus verschiedenen schulischen Bereichen forderte der - wie berichtet – im Sommer vergangenen Jahres gegründete Arbeitskreis eine stärkere Bewegungsförderung nicht nur im Sportunterricht, sondern bereits im Kindergarten.

Vor allem die als Expertin eingeladene Ärztin im Kreisgesundheitsamt, Dr. Eleonore Föller-Gaudier, beklagte die Jahr für Jahr zunehmenden motorischen Auffälligkeiten bei Kindern in Einschulungstests. Statt ihre Fertigkeiten durch Roller- oder Fahrradfahren zu schulen, würden Kinder in vielen Fällen »nachmittags zu Hause vor dem Fernseher ruhig gestellt«, beklagte die Ärztin. Sie plädierte dafür, bereits im Kindergarten ein größeres Augenmerk auf Bewegungsförderung zu legen.

»Da läuft nicht sehr viel«, zog Walter Müller eine ernüchternde Zwischenbilanz zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein. Der Vorsitzende des MTV 1846 Gießen  (»Wir arbeiten mit über 1000 Jugendlichen«) ärgert sich auch darüber, dass man zu einem dem Staatlichen Schulamt im August 2001 vorgelegten Fragebogen über die Situation des Schulsports »keine Rückmeldung« erhalten habe. Auch auf eine Anfrage an die Liebigschule, bei der es um eine Zusammenarbeit mit dem MTV in der Talentförderung gegangen sei, habe es keine Antwort gegeben. Sein Verein werde versuchen, im laufenden Jahr für bewegungsauffällige Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren psychomotorische Entwicklungsförderung anzubieten. Der MTV 1846 werde zudem an der »Aktion Kindernotfallausweis« teilnehmen, sagte der Vorsitzende, der im Namen der Selbsthilfegruppe die verschiedenen mit dem Schulsport verbundenen Gremien weiterhin zur Mitarbeit aufforderte.

 »Unterstützung von Elternseite« sagte Ulrike Schober-Steinemann der Gruppe zu. Die Kreiselternbeiratsvorsitzende beklagte, dass Sport an der Grundschule oft fachfremd unterrichtet werde. Es gehe allerdings nicht darum, »einen Schuldigen zu finden«, sondern darum, motorische Fähigkeiten der Kinder möglichst früh zu fördern. Deshalb sei es wichtig, »vom örtlichen Verein bis zur Hochschule« viele Institutionen an die Schule anzubinden.

Unterstützung für die Ideen des Arbeitskreises signalisierte für die Gießener Schülerschaft Felix Diehl. Der Stadtschulsprecher sprach sich für eine sportliche Förderung vor allem in der Breite »und nicht als reine Talentsuche« aus. Schulsport beinhalte eine große soziale Komponente und solle vor allem Spaß machen.

Kurt Drolsbach unterstrich noch einmal den Handlungsbedarf in Sachen Bewegungsförderung. Die inzwischen zutage getretenen Defizite seien selbst bei kompletter Erteilung der dritten Sportstunde nicht zu beheben. In den kommenden Wochen sei ein Treffen mit Kinderärzten geplant, bei dem der Arbeitskreis die Möglichkeit weiterer Schritte diskutieren möchte.



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