Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport Gießen Stadt und Land


.Initiativen zur Verbesserung des Schulsports in Hessen

 
Kontakt: Kurt Drolsbach  - e-mail
Gießener Allgemeine vom 19. Juni 2002

»...dann greifen wir eben zur Selbsthilfe«

Kurt Drolsbach, Werner Döring und Walter Müller
wollen die Zusammenarbeit Schule-Verein fördern

Von Armin Pfannmüller

Gießen (pd). Von der Forderung nach »mehr Bolzräumen« bis zur Anregung, mit dem
Sportstudium ein verbindliches Vereinspraktikum sowie die Vorlage eines aktuellen
Sportabzeichens zu verknüpfen, reichte die Palette der Vorschläge. Kurt Drolsbach (LAZ
Gießen Stadt und Land), Werner Döring (Leiter der Friedrich-Feld-Schule) und der
Vorsitzende des MTV 1846 Gießen, Walter Müller, präsentierten am Montag bei einer
Pressekonferenz über »Die Situation des Schulsports im Schulaufsichtsbereich des
Landkreises Gießen und des Vogelsbergkreises« eine Reihe von Themen, bei denen nach
Ansicht der drei Experten der sportliche Schuh seit Jahren drückt. Ein Beispiel für die
Unzufriedenheit des Gremiums: Der Arbeitskreis Schulsport habe schon seit fünf Jahren
nicht mehr getagt, obwohl es eine Reihe von Problemstellungen gebe, bei denen
dringender Gesprächsbedarf vorhanden sei.

So habe man dem Staatlichen Schulamt bereits im August vergangenen Jahres einen
Fragebogen zur Situation des Schulsports vorgelegt, mit dessen Ergebnissen man eine
»möglichst umfassende Übersicht« erhalten wolle, um in Zusammenarbeit mit dem
Schulamt und den Schulsportkoordinatoren konkrete Maßnahmen im Hinblick auf die
Verbesserung der Zusammenarbeit von Schule und Verein durchführen zu können,
berichtete Drolsbach. Nach ersten Gesprächen sei der Fragebogen zurück in den
Geschäftsgang gewandert. »Da liegt er wahrscheinlich heute noch«, vermuten die
Verfasser.

Werner Döring legte allerdings Wert darauf, dass die öffentliche Präsentation nicht als Kritik
am Schulamt verstanden wird. »Wir wollen ehrenamtlich Hilfestellung leisten und uns nicht
auf die politische Schiene begeben«, sagte der ehemalige Schulamtsdezernent. Man wolle
auch keinen Druck auf die Schulaufsichtsbehörde ausüben, verlasse sich aber auf deren
Zusagen. Demnach soll der Arbeitskreis Schulsport nach den Sommerferien einberufen
werden. Sollte auch daraus nichts werden, »dann werden wir einen privaten Arbeitskreis ins
Lebens rufen«. Für die Teilnahme an einem solchen Kreis gebe es bereits eine Reihe von
Interessenten, ergänzte Drolsbach.

Ein Plädoyer für eine verstärkte Zusammenarbeit von Schule und Verein hielt Walter Müller.
Dass hier grundsätzlich einiges im Argen liegt, weiß der MTV-Vorsitzende aus Erfahrung:
»Viele Schulen wissen gar nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn es um den Versuch
einer Kooperation geht.« Müller vertiefte die Idee, dass angehende Lehrer nicht nur an der
Universität, sondern auch in einem Verein ausgebildet werden und sprach sich für ein
verbindliches halbjähriges Vereinspraktikum während des Studiums aus. »Im Moment
kommen viele Kinder zu uns, die können gar nicht leistungsfähig sein, weil sie in den
Schulen nicht die Voraussetzungen erhalten.« Ihm gehe es dabei nicht darum, Top-
Leistungssportler für den Verein zu bekommen. Kinder wollten Spaß und Bewegungsraum
haben, aber sie wollten auch gefordert werden.

Man brauche eine Kooperation zwischen Schule, Hochschule und Verein, fordert das
Gremium. Diese Aufgabe könne beispielsweise dem Arbeitskreis Schulsport übertragen
werden. Es passe nicht zusammen, groß über eine Olympiabewerbung für 2012 zu reden,
wenn an 9 der 13 Gießener Grundschulen nicht die obligatorische dritte Sportstunde erteilt
werde. »Wir wollen für die Kinder etwas tun«, unterstrich das Trio. Wenn es dafür
amtlicherseits keine Unterstützung geben sollte, »dann greifen wir eben zur Selbsthilfe«.


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