Selbsthilfe-Arbeitskreis Schulsport Gießen Stadt und Land


.Initiativen zur Verbesserung des Schulsports in Hessen

 
Kontakt: Kurt Drolsbach  - e-mail
Gießener Anzeiger vom  22. Juni 2002

Die dritte Sportstunde und mehr
Drolsbach, Döring und Müller beklagen Misere und bieten Hilfe

Von Hans-Ulrich Winter
GIESSEN. 2001 war das Jahr des Schulsports. „Es gab viele gute Veranstaltungen, doch
geblieben ist eigentlich nichts" beklagt Werner Döring, Schulsportrat von 1986 bis 1993 und
jetziger Leiter der Friedrich-Feld-Schule in Gießen. Das „nichts" für die Behebung der von den
meisten Experten seit Jahren festzustellenden Misere des Schulsports eindeutig zu wenig ist,
darüber sind sich Döring, Kurt Drolsbach (LAZ Gießen Stadt und Land) und Walter Müller,
Vorsitzender des größten Gießener Vereins MTV 1846 einig. Vorschläge und Ideen zur Abhilfe
stellte das Trio dieser Tage im Rahmen eines Pressegesprächs vor.

Unterstützung in ihrem Anliegen, den „Teufelskreis zu durchbrechen" haben sie von höchster
Stelle. In einem Interview des „Weserkurier" bezeichnete kürzlich Manfred von Richthofen,
Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) die Ignoranz der Kultusminister gegenüber dem
Sportunterricht als „teilweise skandalös" und die Tatsache, dass angesichts des „immer
beängstigenderen körperlichen Zustandes von Kinder und Jugendlichen" in den seltensten
Fällen die drei Pflichtsportstunden in den Schule angeboten werden, als „unerträglich."
Das finden auch Döring, Drolsbach und Müller, die in einer Dokumentation über „die Situation
des Schulsports im Schulaufsichtsbereich des Landkreises Gießen und des
Vogelsbergkreises" den größten Missstand „im Zusammenwirken von Sportlehrerausbildung,
Schule und Verein" ausmachen. Da müsse der Hebel angesetzt werden, sind sich die drei
Experten einig. Dabei betont Döring ausdrücklich, „nicht die politische Schiene" fahren zu
wollen und um der Sache willen-„wir bieten die Hand" (Döring) - Hilfestellungen anzubieten.
Von den Reaktionen der zuständigen staatlichen Stellen auf die seit etwa einem Jahr
laufenden Initiativen ist das Gremium bislang enttäuscht. So habe die Anregung, den seit fünf
Jahren nicht mehr tagenden Arbeitskreis Schulsport, ein Forum für alle unmittelbar am Thema
Beteiligten, wieder zu beleben, noch zu keinem greifbaren Erfolg geführt.

Ein Fragebogenentwurf für eine Bestandsaufnahme der Situation des Schulsports, der nach
Auswertung dazu dienen könne, „konkrete Maßnahmen im Hinblick auf die Verbesserung der
Zusammenarbeit von Hochschule, Schule und Verein durchführen zu können", liege dem
Staatlichen Schulamt seit August vergangenen Jahres vor. Trotz mehrmaliger Nachfragen sei
aber bis heute noch nichts passiert.

Sollten die Initiativen auch nach den Sommerferien weiter ins Leere laufen „greifen wir zur
Selbsthilfe und gründen auf privater Basis einen Arbeitskreis Schulsport", so Döring, der sich
wie Drolsbach sicher ist, weitere Mitstreiter für das Projekt zu finden.

Konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation hat das Gremium bereits. „Wir müssen
mehr Bewegungsräume für Kinder schaffen und die Zusammenarbeit von Schule und Verein
intensivieren", lautet die Forderung des MTV-Vorsitzenden Walter Müller, der sich wie
Drolsbach und Döring u.a. für ein verbindliches mindestens halbjährliches Vereinspraktikum für
Sportstudenten stark macht. „Wir als Verein sind überfordert, wenn den Kindern nicht schon in
der Schule der Spaß am Sport vermittelt wird", plädiert Müller für eine praxisnähere Ausbildung
der Sportlehrer.

Zur „Praxisnähe" gehören nach Auffassung des Gremiums auch, dass Schüler im
Leistungsfach Sport Übungsleiterlizenzen erwerben, eine für alle Sport-Lehramststudenten
verbindliche Vorlage einer nicht länger als ein Jahr alten Abnahme des Sportabzeichens und
mehr schulpraktische Übungen während des Studiums.

Ganz oben auf die Prioritätenliste gehöre aber, endlich wieder überall die eigentlich
obligatorische dritte Sportstunde zu erteilen, lautet der eindringliche Appell des Trios, das
endlich auf Taten wartet.


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